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101.Lombardei-Rundfahrt am Samstag
Romantisches Ende einer unromantischen Saison


DAS PELOTON AM COMER SEE Foto: Roth


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VARESE, 19.10.07 (rsn) - Mit der Lombardei- Rundfahrt, einem der schönsten Rennen des Jahres, endet am Samstag eine Saison, die einmal mehr von Dopingskandalen und dem Machtkampf zwischen Organisatoren und Weltverband überschattet und letztlich ruiniert wurde. Bei dem 242km langen Herbstklassiker zwischen Varese und Como hat der Sport die Chance, mit einem großen Rennen für einen versöhnlichen Abschluss vor der Winterpause zu sorgen. Der Luxemburger Frank Schleck will bei dem lombardischen "Monument" die seit sechs Jahren haltende italienische Siegesserie brechen, während die Italiener wieder die Mehrzahl der Favoriten stellen.

Von Davide Rebellin bis Damiano Cunego, Filippo Pozzato bis Doppel-Weltmeister Paolo Bettini hat der ciclismo wieder viele Eisen im Feuer beim "Giro di Lombardia". Fehlen wird am Samstag derweil Danilo Di Luca, der vom italienischen Olympischen Komitee mit einer dreimonatigen Dopingsperre belegt wurde, wegen seiner Verbindungen zu einem mutmaßlichen Dopingarzt. Der Liquigas-Star, der diese Saison u.a. Lüttich- Bastogne und Giro gewann, verpasst dadurch nicht nur die Lombardei-Rundfahrt, bei der er 2001 der Sieger war, sondern verlor auch die Gesamtwertung der "ProTour", die er bisher anführte. Die UCI strich Di Luca aus der Rangliste, die nun der bisher zweitplatzierte Australier Cadel Evans anführt (s.MELDUNG).

"Das ist eine Ungerechtigkeit!", schimpfte Di Luca, dem kein konkretes Dopingvergehen zur Last gelegt worden war und der daher auch nicht fürchten muss, dass ihm Siege aberkannt werden. Dennoch hat die drei Jahre alte Affäre, die ihn auch seinen WM-Start kostete, Di Lucas Karriere einen schweren Schaden zugefügt. Der 31-Jährige hat noch immer keinen Vertrag für 2008 unterzeichnet und die Teams überschlagen sich nicht gerade mit Angeboten. Di Luca kündigte am Freitag gegenüber der Gazzetta dello Sport an, gegen Sperre und ProTour-Ausschluss vor dem internationalen Sportschiedsgericht (TAS) zu klagen und Schadenersatz zu verlangen.


Anstieg von Ghisallo Foto: Roth

101.Lombardei-Rundfahrt
Kurs: 242 km. Start in Varese um 10:25 Uhr, Zielankunft in Como gegen 16:30 Uhr; selektiver Kurs mit Anstiegen San Fedele d'Intelvi, Balisio, Madonna del Ghisallo, Civiglio und San Fermo della Battaglia (6km vor Schluss)

Teams am Start: Quick Step, AG2R, Bouygues Telecom, Caisse d'Epargne, Cofidis, Crédit Agricole, Discovery Channel, Euskaltel, Française des Jeux, Gerolsteiner, Lampre, Liquigas, Predictor, Rabobank, Saunier Duval, CSC, Milram, Acqua e Sapone, Barloworld, Panaria, Diquigiovanni, LPR, Tenax, Tinkoff

Favoriten: *****Frank Schleck (LUX), ****Damiano Cunego (ITA), ***Davide Rebellin (ITA), ***Filippo Pozzato (ITA), **Paolo Bettini (ITA), *Alexandre Kolobnev (RUS), *Fabian Wegmann (GER), *Riccardo Ricco (ITA), *Samuel Sanchez (ESP), *Leonardo Bertagnolli (ITA)
Es fehlen: Danilo Di Luca (ITA), Michael Boogerd (NED), Stefan Schumacher (GER), Alberto Contador (ESP)

Die Chancen auf einen italienischen Sieg am Samstag stehen aber auch ohne Di Luca nicht schlecht. Damiano Cunego hatte 2004 den lombardischen Klassiker auf einem ähnlichen Kurs gewonnen, als das Ziel erstmals in Como lag. Cunego ist in Form, wie er am vergangenen Sonntag mit seinem Sieg beim GP Beghelli bewies. Fabian Wegmann war dort Zweiter und mit dem Freiburger Gerolsteiner-Profi, der in der Lombardei schon ausgezeichnete Resultate holte (3./2006 und 6./2005) muss man ebenfalls rechnen. Weltmeister Paolo Bettini, der voriges Jahr im Regenbogentrikot in Como gewann, scheint dagegen seit den aufregenden Tagen von Stuttgart erstmal durchatmen zu müssen. Seine Form scheint derzeit nicht mehr so, als ob man ihm einen dritten Sieg hintereinander zutrauen kann. Bettini beendete in seinen letzten vier Starts drei Mal das Rennen vorzeitig. In Ghisallo, dem berühmtesten und schwersten Anstieg der Lombardei-Rundfahrt 50km vor Schluss, dürfte der Toskaner am Samstag vermutlich zu kämpfen haben.

Gerolsteiner-Veteran Davide Rebellin dagegen ist entschlossen, seine Saison mit einem Paukenschlag abzuschließen. Der 36-Jährige konnte bei der Lombardei-Rundfahrt schon oft Akzente setzen und landete fünf Mal unter den ersten Sechs. Für ihn ist es vielleicht die letzte Chance, einen großen Klassiker zu gewinnen. Doch für ihn und alle anderen Lokalmatadoren führt der Weg am Samstag wohl nur über den Luxemburger Frank Schleck, der am letzten Samstag die Emilien-Rundfahrt vor Rebellin gewann.

Schleck, der 2005 auf dem Podium stand, hat ein starkes CSC-Team an seiner Seite (Kolobnev, Sastre) und macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl: "Die Lombardei-Rundfahrt ist ein Rennen, das ich mindestens einmal in meiner Karriere gewinnen möchte", so der 27-Jährige. Schlecks Hauptproblem bei dem Rennen ist es, ein Sprintfinale zu vermeiden. Für ihn - wie etwa auch für Puncheur Pozzato - bieten sich der Anstieg von Civiglio oder San Fermo della Battaglia, der letzte Hügel 6km vor Schluss an, um mit einem trockenen Antritt allen davonzufahren. Doch wenn beim "Rennen der fallenden Blätter" mal wieder der Sport allein im Mittelpunkt steht, haben irgendwie alle gewonnen.


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