LOS ANGELES, 10.10.07 (dpa) -
Floyd Landis
will seine zweijährige Dopingsperre und die Aberkennung des Tour
de France-Sieges 2006 vor dem Internationalen Sportschiedsgericht (TAS)
anfechten. Dies kündigten die Anwälte des 31-jährigen Amerikaners am Mittwoch in
Los Angeles an.
Floyd Landis schöpft im Kampf gegen
seine zweijährige Dopingsperre und die Aberkennung des Tour de
France-Sieges 2006 alle Rechtsmittel aus und wird seine Bestrafung
vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne anfechten.
«Ich möchte diese Chance wahrnehmen, um klarzumachen, dass die
Doping-Behauptungen gegen mich falsch sind. Ich habe ebenso wie meine
Familie, Freunde und Fans schon zu viel Energie in die Sache
gesteckt, um zu zeigen, dass ich die Tour fair und anständig gewonnen
habe. Deshalb werde ich weiterkämpfen, denn ich weiß, dass ich im
Recht bin», ließ der 31 Jahre alte US-Radprofi am Mittwoch (Ortszeit)
in Los Angeles über seine Anwälte mitteilen.
«Wir erwarten das gleiche Ergebnis, wenn die Entscheidung auf der
Beweislage beruht», reagierte Travis Tygart, der Präsident der
amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, gelassen. Laut Landis-
Verteidiger Maurice Suh werde das endgültige Urteil in knapp vier
Monaten feststehen. Am 20. September hatte ein US-Schiedsgericht
Landis im kalifornischen Malibu wegen Testosteron-Dopings mit 2:1
Stimmen schuldig gesprochen und ihn rückwirkend vom 30. Januar 2007
an für zwei Jahre gesperrt. Zudem wurde ihm der Tour-Sieg 2006
aberkannt. Bestätigt der CAS das Urteil der US-Juristen, wäre Landis
der erste Gesamtsieger in der 105-jährigen Geschichte der Tour de
France, der nachträglich seinen Titel verliert.
Nach der Entscheidung des Schiedsgerichts hatte der Radprofi offen
gelassen, ob er die oberste sportliche Rechtsinstanz anrufen werde
und dies vor allem mit den bisherigen Kosten von zwei Millionen
Dollar (1,41 Mio Euro) begründet. «Er schwankt zwischen seinem
Wunsch, sich zu verteidigen und dem finanziellen und physischen
Aufwand, den er aufbringen muss, um das alles noch einmal
durchzustehen. Aber Floyd ist ein Kämpfer und er fühlt einfach, dass
die Gerichtsentscheidung nicht das wiedergespiegelt hat, was die
Fakten waren und was Gesetz ist», sagte Suh. Der Jurist kündigte an,
dass die Klage weitaus kostengünstiger ausfallen werde. «Ich hoffe,
dass die Richter sehen, dass im französischen Labor Fehler gemacht
und die Ergebnisse dadurch verfälscht wurden», erklärte der Radprofi.
Bei seiner zehntägigen Anhörung im Mai vor der American
Arbitration Association (AAA) hatten er und seine Verteidiger
behauptet, die nachträglichen Untersuchungen seiner Urinproben im
Labor in Chatenay-Malabry bei Paris seien fehlerhaft gewesen. Suh
bezeichnete die Resultate sogar als «schlampig». Eine Angestellte
hatte zuvor Unregelmäßigkeiten bei den Analysen eingeräumt und
technische Fehler bestätigt. Das Gericht betonte zwar in seiner 84-
seitigen Urteilsbegründung, dass der bei Landis nach der 17. Tour-
Etappe durchgeführte Test nicht den Standards der Welt-Anti-Doping-
Agentur (WADA) entsprochen habe. Letztlich sei aber hier, wie auch
bei der später in Chatenay-Malabry durchgeführten, teureren und
präziseren Untersuchung ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln
festgestellt worden. Und diese Analyse genüge als Basis, um von einem
Steroid-Missbrauch zu sprechen, so die Richter.
«Die festgestellten Daten waren ausgezeichnet. Ich habe keinen
Anhaltspunkt gefunden, dass schlampig gearbeitet wurde», meinte der
Kölner Doping-Experte Wilhelm Schänzer, der als Gutachter am Fall
beteiligt war. Unabhängig vom Ausgang der Klage vor dem CAS haben der
Radsport-Weltverband UCI und die Organisatoren der Tour de France
alle Landis-Resultate der Tour 2006 annulliert. Intern hatte Tour-
Direktor Christian Prudhomme Landis bereits vor der diesjährigen
Frankreich-Rundfahrt aus allen Siegerlisten streichen lassen. Am
kommenden Montag erhält der bisher zweitplatzierte Oscar Pereiro aus
Spanien im Rahmen einer Feier in Madrid das «Maillot Jaune» des Tour-
Siegers 2006. Die UCI hatte Pereiro schon einen Tag nach dem Urteil
des US-Schiedsgerichtes zum Gewinner erklärt.