SAN FRANCISCO, 18.02.07 (rsn) -
Alles hätte so schön sein können beim Auftakt
der Kalifornien-Rundfahrt an diesem Sonntag:
Vorjahressieger Floyd Landis hätte erstmals
das Trikot seines neuen amerikanischen Sponsors iShares,
der Phonak übernehmen wollte,
in dessen Heimat in San Francisco präsentiert.
Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts.
Auch das US-ProTour-Team Discovery,
eigentlich unberührt von den Skandalen des letzten Sommers,
steht ramponiert da nach der umstrittenen Verpflichtung des Italieners
Ivan Basso,
der zu den mutmaßlichen Fuentes-Kunden zählt.
"Heute beginnt 'Extreme Makeover Discovery Channel'",
schrieb die Los Angeles Times
in Anspielung auf das beliebte
"Vorher-nachher"-Reality-TV-Format im US-Fernsehen.
Die Mannschaft, der ihr
langjähriger Star Lance Armstrong schmerzlich fehlt, braucht ein neues
Gesicht. Letztes Jahr
brachte Discovery nicht mal einen
Fahrer unter die ersten Zehn
der Tour de France, obwohl
infolge des Fuentes-Skandals
eine Handvoll Topfavoriten
fehlten. Die Mannschaft,
bei der Armstrong
zu den Eigentümern
gehört, reagierte im Herbst -
zunächst holte man von Gerolsteiner
Levy Leipheimer.
Und dann tätigte Teamchef Johan Brunyeel
den spektakulärsten und umstrittensten
Transfer des Jahres.
Die Verpflichtung von Ivan Basso,
der wie Jan Ullrich zu den mutmaßlichen
Kunden des spanischen Dopingnetzwerks
gehört und bei CSC gehen musste, brachte Discovery
ohne Not mitten rein in die Dopingdiskussionen.
Der Verband der ProTour-Teams wollte
den Rennstall sogar ausschließen,
machte dann aber einen Rückzieher aus Angst vor
smarten US-Anwälten.
Sponsor Discovery Channel
stand dagegen zunächst voll hinter
der Basso-Verpflichtung,
doch dann musste
infolge eines Managementwechsels
im Unternehmen US-Networks-Chef
Billy Campbell,
der Hauptbefürworter des Sponsoring-Engagements, gehen und
ohne ihn sank das Radsport-Interesse bei
dem Dokumentar-TV-Konzern gegen Null:
Discovery verkündete dieser
Tage seinen Ausstieg am Ende der Saison.
Nun hat Bruyneel Basso -
aber keinen Sponsor fürs nächste Jahr.
Bei der Suche nach einem Unternehmen,
das in der jetzigen Krise
15 Mio. Dollar in cycling
investiert, bläst Rennstallbetreiberin Tailwind Sports
der Gegenwind ins Gesicht,
auch wenn deren
Chef Bill Stapleton in Optimismus macht:
"Wir werden nicht den Weg von Phonak
gehen."
Leipheimer: "Es bleiben Fragen
hinsichtlich Ivan"
Für genug Unruhe im Discovery Team sorgt dabei allein schon
die Basso-Verpflichtung.
Prominente Teamkollegen gehen
auf Distanz zu dem Italiener.
Als Levy Leipheimer
zu Discovery wechselte, glaubte er,
er sei der Kapitän
bei der nächsten Tour de France.
Dann wurde ihm Basso vor die Nase
gesetzt. "Ich war ein bisschen enttäuscht,
als sie Basso verpflichtet haben",
sagt der Kalifornier
freimütig.
"Ich verstehe in gewisser Hinsicht,
dass ein Team einen Fahrer verpflichtet,
der der größte Favorit auf den
Tour de France-Sieg ist,
aber zweifellos
bleiben da Fragen
hinsichtlich Ivan."
Auch George Hincapie, der
vor zwei Jahren eine Touretappe gewann und
danach kurzzeitig als potenzieller
Toursieger gehandelt wurde,
ging auf Distanz
zu seinem neuen
italienischen Teamkollegen.
Er sei "ein bisschen überrascht"
gewesen, sagt
der New Yorker,
der der einzig verbliebene
Armstrong-Helfer bei Discovery ist.
"Ich schätze, alles was
ich sage ist, dass ich viel
Vertrauen in Johan (Bruyneel) habe",
kommentierte Hincapie
die Basso-Verpflichtung.
Bei der "Tour of California",
die am Sonntagmittag (Ortszeit)
mit einem Prolog in San Francisco beginnt,
wird Basso sein Debüt
im Discovery-Trikot geben.
Bei der derzeit wichtigsten und bestbesetzten US-Rundfahrt
startet der Girosieger
als Helfer seiner US-Teamkollegen Leipheimer, Hincapie
und Tom Danielson.
Ob Basso wie erhofft bei der Tour de France
("Das schönste Rennen der Welt")
Teamleader sein wird,
ist auch noch offen.
Die Tour-Organisatoren "prüfen"
die Situation noch,
es ist aber nicht ausgeschlossen,
dass sie Basso zur Persona non grata
erklären.