GENT, 09.07.07 (dpa) -
Es war wie in besten Zeiten: Fernseh- Reporter
wollten Interviews, Journalisten warteten auf ein Wort von Jörg
Jaksche. Der Ex-Profi trat im Parc de Citadelle braun gebrannt und
gut gelaunt aus dem Übertragungs-Wagen der ARD, die ihn ins Ziel der
zweiten Tour-Etappe nach Gent eingeladen hatte.
Nicht weit entfernt
wohnt der ehemalige Telekom-Manager Walter Godefroot, den Jaksche in
seiner Spiegel-Beichte vor dem Start der 94. Frankreich-Rundfahrt
auch mit Doping in Verbindung gebracht hatte.
Der 62-jährige Belgier, Jahrzehnte lang ständiger Tour-Begleiter
in verschiedenen Funktionen, erschien diesmal nicht. Er wolle keine
Journalisten sehen, ließ er ausrichten. Jaksche glaubt nicht, dass
Godefroot, der sich vor einer Woche von seinem Posten als Berater des
Astana-Teams selbst befreite, eine Klage gegen ihn führen wird:
«Warum sollte er? Er weiß doch, dass ich Recht habe.»
Tour-Favorit Andreas Klöden von Astana, der Jaksche
«durchgeknallt» genannt hatte, habe diese Äußerung in einem
«sinnfreien Interview» abgegeben, sagte Jaksche. «Vor einem Jahr
hätte ich genauso reagiert wie er. Er steht unter großem Druck vor
der Tour, die er gewinnen will», sagte Jaksche. Der in Kitzbühel
lebende Ansbacher bestritt erneut, von dem Nachrichtenmagazin für
seine Aussagen, wie oft kolportiert, 100 000 Euro bekommen zu haben.
Jaksche: «Mir wurde unterstellt, für Geld gelogen zu haben.»
«Eine Aufwandsentschädigung im niedrigen fünfstelligen Bereich»
habe der Ex-Profi laut Spiegel erhalten. Bei möglichen, durch die
Veröffentlichungen entstehenden Rechtsstreitereien wolle ihm der
Spiegel mit Rat zur Seite stehen. Bis Jahresende soll Jaksche
angeblich noch aus einem nach wie vor gültigen Vertrag mit seinem
ehemaligen Teamchef Manolo Saiz, einem der Haupttäter der Fuentes-
Affäre, Bezüge erhalten.
Der 30-jährige Jaksche bestätigte, dass er sich demnächst
(«zeitnah») zu Gesprächen mit dem Weltverband UCI, dem Bund Deutscher
Radfahrer (BDR) und «Ende Juli» mit der Staatsanwaltschaft Ansbach
treffen werde. Jaksche hofft auf die Anwendung der im WADA-Code
festgehaltenen «Kronzeugen-Regelung» und damit auf eine
Strafreduzierung von einem Jahr. «Ich hoffe, in einen dann anderen
Radsport, jedenfalls werde ich ihn so betreiben, zurückkehren zu
können.» Ein wenig rührte er schon die Werbetrommel in eigener Sache.
«Die Sponsoren, die Offenheit forderten, müssen in die Pflicht
genommen werden. Ich habe die Hosen herunter gelassen», sagte
Jaksche, der sich eine Anstellung im T-Mobile-Team unter der neuen
Regie des General-Managers Bob Stapleton sicher vorstellen könnte -
eine Rückkehr in sein vorletztes Team CSC wohl eher nicht. Jaksches
Geständnis hatte mit dafür gesorgt, dass CSC-Team-Chef Bjarne Riis
der Tour bis auf eine Stippvisite in London den Rücken kehrte.
Zu den Doping-Verwicklungen des dänischen Toursiegers von 1996
sagte Jaksche: «Er hat nicht weggeschaut, es zugelassen, aber nicht
gefördert.» Allerdings konzediert er Riis, der eigenen Doping-Konsum
bei Telekom in den 90er Jahren gestand, es neuerdings mit dem Anti-
Doping-Kampf ernst zu meinen: «Er ist der einzige, der 500 000 Euro
eigenes Geld in die Hand nahm, um ein Anti-Doping-Programm zu
installieren. Er kann die Fahrer warnen vor bestimmten belasteten
Leuten, genau wie T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag.»
Jaksche fühlte sich im Tour-Tross im Nieselregen von Gent nicht
umzingelt von Feinden. «Ich finde toll, dass die meisten jungen
Fahrer es gut fanden, dass ich erzählt habe, wie es früher war und
vielleicht teilweise noch heute. Die Älteren waren wohl nicht so
überzeugt davon, aber ich fühle mich hier nicht irgendwie verfolgt.»
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