Der gewitzte Profi mit Überblick, zehn Jahre im Metier bei Polti,
Once, Telekom, CSC, Liberty Seguros und im russisch-italienischen
Tinkoff-Team, von dem er sich am Sonntag löste, profitierte von einem
bemerkenswerten Kreislauf. Er gab zu, zehn Jahr fast durchgehend mit
den einschlägigen Präparaten gedopt zu haben, um Erfolg, auch
finanziellen, zu erzielen. Der Radprofi Jaksche verdiente gutes Geld,
zuletzt bei CSC und Liberty 500 000 Euro im Jahr. Das Geständnis mit
den detaillierten Beschreibungen der illegalen Praktiken half
wiederum, den versiegenden Geldfluss zu stoppen.
Mit seinem «Spiegel»-Honorar könnte Jaksche seine Sperre
finanziell überbrücken. Vorausgesetzt, er erhält einen Straf-Rabatt
und findet wieder ein Team, könnte er 2008 wieder durch seine
eigentliche Profession Geld verdienen. Die umstrittene Jaksche-
Methode verwirrte seinen Profi-Kollege Daniel Becke aus Erfurt: «Wenn
er sein Geständnis in klingende Münze umwandelt, ist das fragwürdig.
Ich bin für ein Sportgesetz gegen Doping, das auch strafrechtliche
Konsequenzen haben könnte.» Jaksche rechtfertigte sich am Sonntag:
«Bei Beibehaltung der früheren Situation hätte ich jetzt mehr Geld.
Meine Aussagen waren in erster Linie eine Reaktion auf die
Scheinheiligkeit der Branche.»
Die Rückkehr ins Peloton könnte für Jaksche schwierig werden, weil
er vielen Kollegen, die sich nach seiner Beichte als Mittäter fühlen
müssen, als Nestbeschmutzer gelten könnte. «Ich weiß nicht, wie er
aufgenommen werden würde», sagte Fahrer-Sprecher Jens Voigt am Rand
der deutschen Meisterschaft in Wiesbaden. Der Berliner bekam im
Vorjahr bei der Tour eisigen Gegenwind der Kollegen zu spüren, als er
nach der Suspendierung seine Team-Kollegen Ivan Basso martialisch
gefordert hatte: «Alle Doper auf den Scheiterhaufen».
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