Nach den Ereignissen bei der letzten Tour
de France und dem Rückzug der deutschen
Sender, gab es da eine Diskussion
in der EBU darüber,
ob man Radsport weiter übertragen soll?
Réveillon:
Deutschland ist ein spezifischer
Fall. Da gibt es einen
besonderen Druck,
dort hört man: 'Radsport
ist wie Profi-Wrestling,
das hat nichts im Fernsehen zu suchen'.
Aber alle anderen Mitglieder
(der EBU) bleiben bei einer
einfachen Position:
Ja, der Radsport ist
in Gefahr, ja, es ist
notwendig, dass
der Sport seine Eingkeit findet,
aber man überträgt ihn weiter.
Die Gesamtheit unserer
Mitglieder stimmt überein darin, die
Tour de France zu übertragen.
Was Doping betrift,
wäre es nicht notwendig,
dass die TV-Kommentatoren kritischer
sind?

J.RÉVEILLON
Foto: EBU
Die EBU ist ein Zusammenschluss von derzeit 75 Fernseh- und Rundfunkanstalten
in 56 Ländern Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens.
Zu den Mitgliedern zählen auch ARD und ZDF und alle
anderen deutschen öffentlich- rechtlichen Sender.
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Réveillon: Ich war
Direktor für Sport bei France Télévisions
und ich glaube, dass
hier
seit 1998 (der Festina-Affäre, die Red.)
ein kritischer Geist herrscht.
Wir (TV-Sender) in Europa sind aber die einzigen, die
gegen Doping kämpfen.
Ich habe an der Generalversammlung der
World Broadcasting Union
teilgenommen.
Da spielt das Thema Doping keine Rolle.
Fürchterlich.
Der Vorschlag einer
europäischen Antidopinagentur
ist interessant.
Ich habe mit den zuständigen EU-Kommissaren gesprochen und
mit (EU-Kommissions-)Präsident Barroso.
Wir vom Fernsehen haben
wichtige Hebel in der Hand:
Information, Debatten und besonders Geld.
Was konkret kann die EBU machen?
Réveillon:
Man muss an der Erziehung
der jungen Sportler arbeiten,
für einen sauberen Sport
Promotion machen und
sich möglicherweise an dessen Finanzierung
beteiligen, wenngleich die WADA
diesbezüglich wenig Interesse
zu haben scheint.
Ich habe vorgeschlagen,
dass sich die EBU
an der Finanzierung der
WADA beteiligt, weil
das Fernsehen über die TV-Rechte
das Geld in den Sport bringt.
Aber ich habe noch keine
Rückmeldung bekommen.
Ich wollte als Redner
an der WADA-Konferenz
in Madrid teilnehmen,
(WADA-Manager) Howman
hat geantwortet, ich könne gerne
als Journalist kommen.
Das war nicht das, was wir
erwartet haben. Aber wir bleiben
offen.
Nächste Woche wird in Paris die Tour
de France 2008 vorgestellt.
Tourdirektor Prudhomme lehnt vehement Forderungen
ab, wonach man das Rennen
leichter machen müsse, um weniger
Anreiz für Doping zu geben. Wie sehen Sie das als Fernseh-Mann?
Réveillon:
Es gibt keine Verbindung zwischen
der Schwere der Tour und Doping.
Es ist die Frage des
Tempo, des Rhythmus, der gefahren wird, nicht
des Kurses.
Die Bergetappe muss man eben
mit 36 km/h fahren, nicht mit 41.
Fürs Fernsehen macht das keinen
Unterschied. Fürs Fernsehen ist es egal,
ob das Feld mit 34 oder 40 rollt.
Im Gegenteil:
Es ist viel spektakulärer,
wenn es Einbrüche gibt,
als wenn alle top sind.
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