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Interview mit EBU-Generaldirektor Réveillon
Radsport-TV: "Deutschland ein spezieller Fall"


Foto: Roth

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MONACO, 16.10.07 (rsn) - Radsport scheint im deutschen Fernsehen bis auf weiteres keine große Zukunft zu haben. Die nächste Tour de France dürften die öffentlich- rechtlichen Sender, die bei der letzten "Großen Schleife" vor den Dopingskandalen kapitulierten, wohl noch live übertragen, wie und ob es danach weitergeht, ist offen. In den anderen europäischen Ländern sieht die Sache ganz anders aus. Am Rande der Sport-TV-Vermarktungs-Messe Sportel in Monaco brach Jean Réveillon, Generaldirektor der Europäischen Rundfunkunion (EBU), am Dienstag eine Lanze für den Radsport.

Nach den Ereignissen bei der letzten Tour de France und dem Rückzug der deutschen Sender, gab es da eine Diskussion in der EBU darüber, ob man Radsport weiter übertragen soll?

Réveillon: Deutschland ist ein spezifischer Fall. Da gibt es einen besonderen Druck, dort hört man: 'Radsport ist wie Profi-Wrestling, das hat nichts im Fernsehen zu suchen'. Aber alle anderen Mitglieder (der EBU) bleiben bei einer einfachen Position: Ja, der Radsport ist in Gefahr, ja, es ist notwendig, dass der Sport seine Eingkeit findet, aber man überträgt ihn weiter. Die Gesamtheit unserer Mitglieder stimmt überein darin, die Tour de France zu übertragen.

Was Doping betrift, wäre es nicht notwendig, dass die TV-Kommentatoren kritischer sind?


J.RÉVEILLON
Foto: EBU
Die EBU ist ein Zusammenschluss von derzeit 75 Fernseh- und Rundfunkanstalten in 56 Ländern Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Zu den Mitgliedern zählen auch ARD und ZDF und alle anderen deutschen öffentlich- rechtlichen Sender.
Réveillon: Ich war Direktor für Sport bei France Télévisions und ich glaube, dass hier seit 1998 (der Festina-Affäre, die Red.) ein kritischer Geist herrscht. Wir (TV-Sender) in Europa sind aber die einzigen, die gegen Doping kämpfen. Ich habe an der Generalversammlung der World Broadcasting Union teilgenommen. Da spielt das Thema Doping keine Rolle. Fürchterlich. Der Vorschlag einer europäischen Antidopinagentur ist interessant. Ich habe mit den zuständigen EU-Kommissaren gesprochen und mit (EU-Kommissions-)Präsident Barroso. Wir vom Fernsehen haben wichtige Hebel in der Hand: Information, Debatten und besonders Geld.

Was konkret kann die EBU machen?

Réveillon: Man muss an der Erziehung der jungen Sportler arbeiten, für einen sauberen Sport Promotion machen und sich möglicherweise an dessen Finanzierung beteiligen, wenngleich die WADA diesbezüglich wenig Interesse zu haben scheint. Ich habe vorgeschlagen, dass sich die EBU an der Finanzierung der WADA beteiligt, weil das Fernsehen über die TV-Rechte das Geld in den Sport bringt. Aber ich habe noch keine Rückmeldung bekommen. Ich wollte als Redner an der WADA-Konferenz in Madrid teilnehmen, (WADA-Manager) Howman hat geantwortet, ich könne gerne als Journalist kommen. Das war nicht das, was wir erwartet haben. Aber wir bleiben offen.

Nächste Woche wird in Paris die Tour de France 2008 vorgestellt. Tourdirektor Prudhomme lehnt vehement Forderungen ab, wonach man das Rennen leichter machen müsse, um weniger Anreiz für Doping zu geben. Wie sehen Sie das als Fernseh-Mann?

Réveillon: Es gibt keine Verbindung zwischen der Schwere der Tour und Doping. Es ist die Frage des Tempo, des Rhythmus, der gefahren wird, nicht des Kurses. Die Bergetappe muss man eben mit 36 km/h fahren, nicht mit 41. Fürs Fernsehen macht das keinen Unterschied. Fürs Fernsehen ist es egal, ob das Feld mit 34 oder 40 rollt. Im Gegenteil: Es ist viel spektakulärer, wenn es Einbrüche gibt, als wenn alle top sind.


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