Die französische Sportministerin Roselyne Bachelot als Gipfel-
Gastgeberin, UCI-Chef Pat McQuaid und Pound unterzeichneten eine
Erklärung, mit der dem Radsport der Weg in eine saubere Zukunft
geebnet werden soll. Mit der Einführung des Blut-Passes beschlossen
sie ein «indirekte Methode zur Doping-Erkennung»: Eine unabhängige
Expertenkommission soll anhand der Pässe auffällige Blut- und
Urinwerte feststellen. «Ich gehe davon aus, dass bei abweichenden
Werten sowohl Schutzsperren als auch harte Dopingsperren
ausgesprochen werden können», sagte Rudolf Scharping, Präsident des
Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Das ist ein großer Schritt vorwärts.»
Eine Revolution ist der Blut-Pass allerdings nicht. «Die Idee ist
sicher nicht neu», räumte der ehemalige Verteidigungsminister ein:
«Im Internationalen Skiverband und im Deutschen Schwimm-Verband ist
er bereits eingeführt.» Auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat
begonnen, eine Datenbank mit Blutprofilen von Topathleten anzulegen.
Der krisengeplagte Radsport erhofft sich dadurch den Weg aus der
Krise. «Der Blut-Pass ist verpflichtend. Das geschieht nicht auf
freiwilliger Basis», betonte der Chef des Weltverbands UCI, McQuaid.
Bereits zu Beginn der neuen Saison solle der individuelle Pass, auf
dem die Ergebnisse sämtlicher Blut- und Urinkontrollen jedes Profis
notiert werden, zum Einsatz kommen. «Wir wären zufrieden, wenn die
Blutwerte stabil blieben. Dann hätten wir die Gewähr, dass die, die
betrügen wollten, davon abgeschreckt wurden», sagte McQuaid.
Spätestens bei der Tour im kommenden Jahr werde der Pass dann
unerlässliches Teilnahme-Kriterium sein: «Zur Tour de France werden
nur Fahrer zugelassen, über die ein Blutprofil angelegt wurde.»
Doch genau dies weckt Erinnerungen an die diesjährige Skandal-
Tour. Vor dem Start mussten alle teilnehmenden Fahrer die UCI-
Ehrenerklärung für einen sauberen Sport unterschreiben - die Doping-
Fälle Alexander Winokurow, Patrik Sinkewitz und Cristian Moreni sowie
den Ausschluss des Gesamt-Führenden Michael Rasmussen konnte dies
jedoch nicht verhindern. Man müsse davon ausgehen, dass im «durch und
durch korrupten» Radsport Dopingverfahren offensichtlich fehlerhaft
geführt wurden, kritisierte der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel.
«Dagegen hilft auch ein Pass nichts.» Sörgel hatte die Anti-Doping-
Kommission des BDR mit massiver Kritik an Scharping verlassen.
Der ehemalige SPD-Vorsitzende begrüßte die Beschlüsse des Paris-
Gipfels, bei dem eine Verdoppelung der Trainings- und
Wettkampfkontrollen auf rund 15 000 im kommenden Jahr beschlossen
wurde. Scharping kündigte an, dass der BDR die seit 2006 gesammelten
Daten deutscher Profis der UCI zur Verfügung stellen wolle. «Wir
haben 400 Kaderathleten - von der Elite bis zur U17 - in diesem
Programm. Es hat uns die Möglichkeit gegeben, bei einem Verdacht
intensiver zu prüfen.» Zwei Verdachtsfälle habe es bislang gegeben.
«Beide haben zu Zielkontrollen und letztlich zu einem positiven
Dopingtest geführt», sagte Scharping und verwies auf die überführten
Dopingsünder Sinkewitz und Matthias Kessler.
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