Besonders optimistisch gab sich die Direktorin des Anti-Doping-
Programms der UCI, Anne Gripper: «Wir können den Radsport vom Doping
befreien, wenn wir alle zusammenarbeiten.» Sie kündigte an, dass der
Verband 2008 rund 1000 Trainingskontrollen und damit doppelt so viel
wie in diesem Jahr durchführen wird. Auch die Zahl der Wettkampftests
soll deutlich erhöht werden. Selbst eine Sonderbehandlung einzelner
des Dopings verdächtiger Mannschaften - etwa durch Zielkontrollen
aller Teamfahrer - sei nicht mehr ausgeschlossen.
Auch Deutschland-Tour-Chef Kai Rapp setzt große Hoffnungen in den
individuellen Pass, auf dem die Ergebnisse sämtlicher Blut- und
Urinkontrollen jedes Fahrer erfasst werden sollen. «Ich hoffe, dass
der Radsport hier ein Beispiel für andere Sportarten geben kann»,
sagte Rapp der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wichtig sei, dass auch
Sanktionen verhängt werden, wenn im «Blut-Pass» nach Trainings- und
Wettkampfkontrollen ein irregulärer Wert festgestellt wurde. Für ihn
als Renn-Veranstalter sei es besonders wichtig, dass Doping-
verdächtige Profis präventiv aus dem Verkehr gezogen werden dürfen.
Rapp: «Doch es wird sicher das größte Problem, von wem die Strafen
dann verhängt werden.» Hierfür komme die UCI oder die Welt-Anti-
Doping-Agentur WADA infrage.
Im Vorfeld des größten Anti-Doping-Gipfels in der Geschichte des
Radsports mit rund 150 Teilnehmern hatte es zwischen UCI-Chef McQuaid
und WADA-Präsident Richard Pound, denen eine Intimfeindschaft
nachgesagt wird, einen Streit darüber gegeben, unter wessen Vorsitz
das Treffen abgehalten werden soll. «Lachende Dritte» war die neue
französische Sportministerin Roselyne Bachelot, die die Streithähne
in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ap zur Räson aufrief:
«Ich erwarte Teilnehmer, deren Anwesenheit unerlässlich ist, und
Teilnehmer, die für einige Zeit gezögert, gemurrt und sich geweigert
haben, miteinander zu sprechen.» Nun sollten alle Beteiligten wieder
zusammenarbeiten, sagte die Ministerin, die den Gipfel als für den
gesamten Sport hilfreiches «Pilotprojekt» bezeichnete.
Sie könne sich vorstellen, dass der Pass nicht nur im Radsport,
sondern «für alle Sportarten eingesetzt werden könnte, im Tennis,
Fußball und bei der Leichtathletik», sagte Bachelot. Der Radsport
habe bereits sehr viele Bemühungen bei den Dopingtests gemacht. So
entfielen nach Angaben der Ministerin 20 Prozent aller weltweit 9000
Dopingkontrollen im Leistungssport auf den Radsport. «Das sind 50 Mal
mehr als beim Fußball», sagte sie im französischen Rundfunk.
Bis Dienstag diskutiert das «Who is who» des skandalgeplagten
Radsports über einen Weg aus der Krise. Neben Rapp haben auch Rudolf
Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR),
Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer und der Dopingrechts-Experte
Ulrich Haas ihr Kommen zu den vier Runden-Tisch-Gesprächen zugesagt.
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