STUTTGART, 28.09.07 (dpa) -
Juristische Ohrfeige für die
übereifrigen Stuttgarter WM-Organisatoren: Weltmeister
Paolo Bettini
darf am Sonntag starten, das Landgericht
Stuttgart wies am Freitag den Antrag der Stadt
auf eine Einstweilige Verfügung gegen eine Teilnahme des Italieners ab.
Das peinliche Hin und Her um die
Startberechtigung von Weltmeister Paolo Bettini in Stuttgart hat ein
Ende. Der 33-jährige Italiener, der sich Doping-Anschuldigungen
ausgesetzt sieht, kann am Sonntag seinen Titel von Salzburg
verteidigen. Das Landgericht Stuttgart wies am Freitag die
Einstweilige Verfügung der Ausrichter-Stadt gegen eine Teilnahme
Bettinis ab, teilte die Stadt Stuttgart mit. Der WM-Ort wollte
Bettini nicht starten lassen, weil er eine Ehrenerklärung für einen
dopingfreien Sport nicht unterzeichnet hat. Das Gericht sah diese
Ehrenerklärung aber nicht als rechtsverbindlich an.
«Letztendlich bedauern wir die Entscheidung, aber akzeptieren sie.
Die Frage des Starts von Paolo Bettini ist nicht nur eine
juristische, sondern letztlich eine Frage der Glaubwürdigkeit des
Radsports», sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Die
UCI müsse selbst wissen, welches Signal sie damit setze, «ein Zeichen
des Neuanfangs ist dies sicher nicht». Der CDU-Politiker betonte
aber: «Wir werden keine weiteren rechtlichen Schritte bis zum Ende
der Rad-WM unternehmen.»
Am Vortag hatte der Präsident des Weltverbandes UCI, Pat McQuaid,
schon angekündigt, dass Titelverteidiger Bettini garantiert starten
werde. «Die Ehrenerklärung ist nicht Teil des UCI-Regelwerks», hatte
der Ire erklärt, der die Sportbürgermeisterin und WM-OK-Chefin
Susanne Eisenmann massiv angriff. Der Rechtsstreit zwischen der UCI
und der Stadt Stuttgart hatte sich an der Ehrenerklärung entzündet,
die der Titelverteidiger nicht unterschrieben hat. Dies war nach
Ansicht der Ausrichter-Stadt gemäß einer Ende Juli gemeinsam
verabschiedeten Vereinbarung Bedingung für einen WM-Start. Nun
entschied das Stuttgarter Landgericht im Sinne der UCI.
Bettini hatte bereits im Juli eine modifizierte «Ehrenerklärung»
unterschrieben (s.Einschub oben). Sie reichte aber der UCI nicht und wurde nicht
anerkannt. Trotzdem bleibt seine Unterschrifts-Weigerung ohne Folgen.
Die Unterschrift sei zwar nicht bindend für einen WM-Start, aber
gerade von einem Weltmeister und Olympiasieger hätte man sich eine
andere Vorbild-Funktion erhofft, stellte die UCI lapidar fest.
Bettini hatte in seiner - wertlosen - Spezial-Erklärung den Passus
gestrichen, dass ein positiver Doping-Befund die Zahlung eines
Jahres-Gehaltes an die Adresse der UCI nach sich zöge.
In dieser Sichtweise unterstützte ihn Erik Zabel, der im Vorjahr
bei der WM in Salzburg knapp von Bettini geschlagen worden war. «Ich
habe großen Respekt vor Bettini. Wir haben alle die Erklärung der UCI
unterschrieben, aber ich verstehe seine Vorbehalte bei der
angedrohten Zahlung. Warum soll die UCI das Geld erhalten, warum
sollte es nicht beispielsweise der Sponsor zurück erhalten?» fragte
der zweifache Vize-Weltmeister, um dessen WM-Start es ebenfalls
Auseinandersetzungen gab, nachdem der gebürtige Berliner im Mai
Doping in den 90er Jahren gestanden hatte.
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR),
hätte es «besser gefunden, wenn Bettini als Weltmeister seiner
Vorbild-Rolle gerecht geworden wäre und die Erklärung wie 600
ProTour-Fahrer auch unterschrieben hätte». Man kann laut Scharping
«darüber die Nase rümpfen, ihn aber nicht ausschließen.»