Die mit Codenamen beschrifteten Beutel stammen aus 2005 und 2006. Der
29-Jährige muss sich am 2. Mai vor dem CONI verantworten.
Gleichzeitig soll die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Basso
wegen Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz und Falschaussage
vorbereiten. Die Chancen, dass der am Vortag von seinem Team
Discovery Channel suspendierte Basso unbeschadet aus der Affäre um
den mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes
herauskommt, werden nur noch als sehr gering eingeschätzt.
Ettore Torri, der Vorsitzende der Anti-Doping-Agentur des CONI,
wird am 2. Mai einen DNA-Abgleich von Basso fordern. Sollte der Profi
ihn verweigern, kann laut Torri auf Blut zurückgegriffen werden, dass
vor einigen Wochen bei einer unangemeldeten Trainings-Kontrolle von
Basso genommen wurde. Über einen positiven DNA-Abgleich mit dem bei
Fuentes gelagerten Blut war auch Jan Ullrich, der am 26. Februar
zurücktrat, zu Fall gekommen. «Der Abgleich ist nützlich, aber nicht
entscheidend. Wir haben genügend Material aus Madrid, um unsere
Schlüsse zu ziehen», sagte Torri, der sich in den vergangenen Monaten
am Fall Basso festbiss: «Wir haben in Madrid so lange an die Türen
der Behörden geklopft, bis wir das Material hatten.»
Damit dürfte Bassos Traum von der Wiederholung seines
eindrucksvollen Sieges beim Vorjahres-Giro ausgeträumt sein, ganz zu
schweigen von seiner avisierten Teilnahme an der Tour de France.
«Zweieinhalb Wochen vor Beginn des Giro sind diese neuen Erkenntnisse
für Basso ein Tiefschlag. Es wird ihm schwer fallen, wieder
aufzustehen», sagte Giro-Chef und Ex-Journalist Angelo Zomegnan, der
für konkrete Schritte aber Entscheidungen der Sportgerichtsbarkeit
und Justiz abwarten wird. Torri will noch vor dem Start der Italien-
Rundfahrt am 12. Mai ein Verfahren gegen Basso eröffnen. In der
Gazzetta hieß es weiter, Interpol sei im Besitz von Unterlagen über
einen SMS-Verkehr Bassos mit Fuentes während des Giro 2006.
«Um sicher zu gehen und weitere Verdächtigungen auszuschließen,
muss es jetzt einen DNA-Abgleich aller verdächtigten Fahrer geben»,
forderte Hans-Michael Holczer. Der Manager des Teams Gerolsteiner
geht davon aus, dass für die in Frage kommenden Starter der am 7.
Juli in London beginnenden Tour de France «rechtzeitig vor dem Start
Klarheit bestehen wird». Tour-Direktor Christian Prudhomme
bekräftigte am Dienstag in Charleroi bei einem Treffen mit den
ProTour-Teams noch ein Mal, dass es keine Starterlaubnis für Fahrer
geben wird, die in der Fuentes-Affäre verdächtigt werden.
Basso habe am Dienstag geweint, teilte dessen Anwalt Massimo
Martelli mit: «So habe ich Ivan noch nie gesehen, es geht ihm sehr
schlecht.» Martelli habe keinerlei Informationen von der
italienischen Justiz und könne sich auch die erneute CONI-Vorladung
nicht erklären. Basso, dem bei einer Verurteilung zwei Jahre Sperre
drohen, bekräftigte durch Martelli, dass er sich einem DNA-Test nicht
verweigern werde. Bisher leugnet er jegliches Doping. Martelli
forderte, dass auch die noch bei den spanischen Behörden lagernden
weiteren «mindestens 150 Blutbeutel» untersucht werden sollen.
Außer Basso sollen mit Giampaolo Caruso, Luca Paolini und Michele
Scarponi drei weitere italienische Radprofis in die Affäre Fuentes
verwickelt sein. Laut Torri hat sein Assistent Marco Artini das
Material dieser Fahrer bereits aus Madrid geholt, so dass auch diese
drei mit Konsequenzen rechnen müssen. Insgesamt wurden 51 Radprofis
verdächtigt. Außer Ullrich, dem noch ein Betrugsverfahren und ein
Prozess wegen Falschaussage drohen, haben weitere Fahrer ihre
Karriere beendet. Caruso stand für sein Lampre-Team am Mittwoch am
Start des Flèche Wallonne in Belgien.
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