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Dopingverfahren wiedereröffnet
Discovery suspendiert Basso


Foto: Roth

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CHARLEROI/MAILAND, 24.04.07 (rsn) - Nach Jan Ullrich steht nun auch der zweite prominente mutmaßliche Fuentes- Kunde vor der Stunde der Wahrheit. In Spanien tauchte gegen Ivan Basso neues Belastungsmaterial auf. In Italien wird das Dopingverfahren gegen den Giro-Sieger wieder eröffnet, Discovery suspendierte seinen Kapitän.

Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag meldet, wird das italienische Olympische Komitee (CONI) das Dopingverfahren gegen Basso wiedereröffnen. Die CONI-Ankläger beriefen den Italiener zu einer neuerlichen Vernehmung am 2.Mai. Bereits letzten Sommer war Basso von der CONI vernommen worden, das Verfahren war dann wegen Mangels an Beweisen eingestellt worden. Es könne aber jederzeit bei neuer Beweislage neueröffnet werden, hieß es damals.

Medien spekulieren, dass die Staatsanwaltschaft Bergamo demnächsteinen DNS-Test einleiten wird. Grundlage dazu könnte das in Italien existierende Anti-Doping-Gesetz bieten. "Der Ball ist jetzt bei der Justiz. Sie könnte einen DNS-Test beantragen", sagte am Dienstag Renato Di Rocco, der Präsident des italienischen Radsportverbandes. Madrider Medien berichten, dass die spanische Justiz demnächst bei Fuentes gefundene Blutproben, die man Basso zuordnen zu können glaubt, der Staatsanwaltschaft Bergamo überstellen werde.

Über einen DNS-Vergleich war Ullrich nachgewiesen worden, dass die neun bei Fuentes gelagerten und ihm zugerechneten Blutbeutel tatsächlich das Blut des Toursiegers von 1997 enthielten. Auch Basso hatte sich kürzlich über sein Team - wie fast alle ProTour-Fahrer - bereit erklärt, «bei Bedarf» einen DNS-Test abzugeben. Ullrich trat am 26. Februar zurück. Basso, der wegen erster Indizien wie Ullrich am Tour-Start 2006 gehindert wurde, schloss sich zu Beginn der Saison dem US-Team Discovery Channel an und war im Rennbetrieb wieder aktiv.

Allerdings ist jetzt fraglich, wann bzw. ob Basso wieder an großen Rennen teilnehmen kann. Seine Mannschaft strich Basso in Anbetracht der neuen Lage Basso aus dem Kader für die Klassiker Wallonischer Pfeil und Lüttich-Bastogne-Lüttich am Sonntag. Am Nachmittag wurde in Charleroi am Rande der Startvorbereitungen zum Klassiker Wallonischer Pfeil bekannt, dass Discovery seinen Kapitän suspendiert hat.

"Wir haben Ivan gebeten, bis auf weiteres an keinen Rennen mehr teilzunehmen, bis die Affäre geklärt ist", sagte Discovery-Teammanager Bill Stapleton. "Ich habe mit Ivan gesprochen. Er ist frustriert, aber er stimmt mit uns überein und versteht die Entscheidung", fügte der Sportliche Leuter des Teams, Johan Bruyneel, hinzu.

Ein Giro-Start wird für Basso ohnehin immer unwahrscheinlicher, weil auch die Organisatoren dem Radstar aus Varese inzwischen mehr als kritisch gegenüberstehen. "Das ist eine komplexe Situation und seine Teilnahme am Giro wäre unter den momentanen Umständen schwierig" sagte am Dienstag Giro-Organisator Angelo Zomegnan. "Ich hoffe, dass wir baldmöglichst der Sache auf den Grunde gehen können. Der Radsport braucht diese Art Spannung nicht", fügte Zomegnan hinzu.

«Aus Spanien bricht ein neuer Sturm über Ivan Basso herein», schrieb am Dienstag die italienische Gazzetta dello Sport, die auf die Veröffentlichungen des spanischen Blattes Interviú reagierte. Das Männermagazin hatte berichtet, Kalender mit Blutentnahme - und Blutgabe-Terminen von Basso bei Fuentes seien aufgetaucht. Außerdem sollen zwischen 2004 und 2006 insgesamt 111 000 Euro für Dopingmittel und «gefrorenes Blut» über ein Züricher Konto geflossen sein. Basso soll eine Blutuntersuchung im November 2005 bei Merino Batres in Madrid vorgenommen haben. Der Hämatologe war von den spanischen Ermittlungsbehörden, die ihre Ermittlungen inzwischen einstellten, als Komplize des Hauptbeschuldigten Fuentes bezeichnet worden.

Bislang hatte Basso - wie Ullrich - immer bestritten, in Madrid gewesen zu sein und Fuentes zu kennen. Die spanischen Ermittler behaupteten, die von Fuentes verwendeten Decknamen «Birillo» und «Nummer 2» bezögen sich auf den 29-jährigen Italiener. Durch den positiven DNA-Abgleich im Fall Ullrich war bewiesen worden, dass mit den Pseudonymen «Jan», «Nummer 1» und «Rudys Sohn» unzweifelhaft Ullrich gemeint war.

Die Staatsanwaltschaft Bergamo hatte im Juli 2006 Kontakt zu den spanischen Ermittlern. Damals ging es um internationalen Doping- Handel. Ende September 2006 ermittelte sie dann unter anderen gegen Bassos Schwester Elisa, die auch Dauergast bei der vergangenen Tour de France war, wegen Dopinghandels in Fitness-Studios in Italien. Gegen Basso wurde in Italien von der Sportjustiz das Verfahren eingestellt, weil aus Madrid kein Material kam und das vorliegende nicht reichte. Die Ermittler des italienischen NOK (CONI) kündigten zum Ende des vergangenen Jahres an: Wenn man neues Material bekomme, könnee man den Fall wieder aufnehmen.

Für neue Verfahren plädiert auch Weltverbands-Präsident Pat McQuaid, der die spanischen Behörden und den Sportminister des Landes in einem Brief um Unterstützung bat. Die nächste UCI-Sitzung findet am Donnerstag in Lüttich statt. Davor wollen sich bei einem Treffen mit dem französischen Tour-Veranstalter ASO auch die ProTour-Teams positionieren, um vielleicht eine einheitliche Front gegen den Einsatz aller 51 Profis zu bilden, die in der Fuentes-Affäre unter Doping-Verdacht stehen.


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