Wie die italienische Nachrichtenagentur
ANSA am Dienstag meldet,
wird das italienische Olympische Komitee
(CONI) das Dopingverfahren
gegen Basso wiedereröffnen.
Die CONI-Ankläger
beriefen den Italiener
zu einer neuerlichen Vernehmung am 2.Mai.
Bereits letzten Sommer
war Basso von der CONI vernommen worden,
das Verfahren war dann wegen Mangels
an Beweisen eingestellt worden.
Es könne aber jederzeit bei
neuer Beweislage neueröffnet werden, hieß
es damals.
Medien spekulieren, dass die Staatsanwaltschaft Bergamo
demnächsteinen DNS-Test einleiten wird. Grundlage dazu könnte das in Italien
existierende Anti-Doping-Gesetz bieten.
"Der Ball ist
jetzt bei der Justiz.
Sie könnte einen DNS-Test
beantragen",
sagte am Dienstag Renato Di Rocco,
der Präsident des italienischen Radsportverbandes.
Madrider Medien berichten,
dass die spanische Justiz
demnächst bei Fuentes gefundene Blutproben,
die man Basso zuordnen
zu können glaubt, der
Staatsanwaltschaft Bergamo
überstellen werde.
Über einen DNS-Vergleich war Ullrich nachgewiesen worden, dass die
neun bei Fuentes gelagerten und ihm zugerechneten Blutbeutel
tatsächlich das Blut des Toursiegers von 1997 enthielten. Auch Basso
hatte sich kürzlich über sein Team - wie fast alle ProTour-Fahrer -
bereit erklärt, «bei Bedarf» einen DNS-Test abzugeben. Ullrich trat
am 26. Februar zurück. Basso, der wegen erster Indizien wie Ullrich
am Tour-Start 2006 gehindert wurde, schloss sich zu Beginn der Saison
dem US-Team Discovery Channel an und war im Rennbetrieb wieder aktiv.
Allerdings ist jetzt fraglich,
wann bzw. ob Basso wieder an großen Rennen teilnehmen
kann. Seine Mannschaft strich Basso
in Anbetracht der neuen
Lage Basso aus dem Kader für
die Klassiker Wallonischer Pfeil und Lüttich-Bastogne-Lüttich am Sonntag.
Am Nachmittag wurde
in Charleroi am Rande
der Startvorbereitungen zum Klassiker Wallonischer Pfeil bekannt,
dass Discovery seinen Kapitän
suspendiert hat.
"Wir haben Ivan gebeten, bis auf weiteres
an keinen Rennen mehr teilzunehmen, bis die Affäre geklärt ist",
sagte Discovery-Teammanager Bill Stapleton.
"Ich habe mit Ivan gesprochen.
Er ist frustriert,
aber er stimmt mit uns überein und
versteht die Entscheidung", fügte der Sportliche Leuter
des Teams, Johan Bruyneel, hinzu.
Ein Giro-Start wird für Basso
ohnehin immer unwahrscheinlicher, weil auch
die Organisatoren dem Radstar
aus Varese inzwischen
mehr als kritisch gegenüberstehen.
"Das ist eine komplexe Situation
und seine Teilnahme am Giro wäre
unter den momentanen Umständen schwierig"
sagte am Dienstag Giro-Organisator
Angelo Zomegnan.
"Ich hoffe, dass wir baldmöglichst
der Sache auf den Grunde
gehen können.
Der Radsport braucht diese Art Spannung nicht",
fügte Zomegnan hinzu.
«Aus Spanien
bricht ein neuer Sturm über Ivan Basso herein», schrieb am Dienstag
die italienische Gazzetta dello Sport, die auf die
Veröffentlichungen des spanischen Blattes Interviú reagierte.
Das Männermagazin hatte berichtet, Kalender mit Blutentnahme - und
Blutgabe-Terminen von Basso bei Fuentes seien aufgetaucht. Außerdem
sollen zwischen 2004 und 2006 insgesamt 111 000 Euro für Dopingmittel
und «gefrorenes Blut» über ein Züricher Konto geflossen sein. Basso
soll eine Blutuntersuchung im November 2005 bei Merino Batres in
Madrid vorgenommen haben. Der Hämatologe war von den spanischen
Ermittlungsbehörden, die ihre Ermittlungen inzwischen einstellten,
als Komplize des Hauptbeschuldigten Fuentes bezeichnet worden.
Bislang hatte Basso - wie Ullrich - immer bestritten, in Madrid
gewesen zu sein und Fuentes zu kennen. Die spanischen Ermittler
behaupteten, die von Fuentes verwendeten Decknamen «Birillo» und
«Nummer 2» bezögen sich auf den 29-jährigen Italiener. Durch den
positiven DNA-Abgleich im Fall Ullrich war bewiesen worden, dass mit
den Pseudonymen «Jan», «Nummer 1» und «Rudys Sohn» unzweifelhaft
Ullrich gemeint war.
Die Staatsanwaltschaft Bergamo hatte im Juli 2006 Kontakt zu den
spanischen Ermittlern. Damals ging es um internationalen Doping-
Handel. Ende September 2006 ermittelte sie dann unter anderen gegen
Bassos Schwester Elisa, die auch Dauergast bei der vergangenen Tour
de France war, wegen Dopinghandels in Fitness-Studios in Italien.
Gegen Basso wurde in Italien von der Sportjustiz das Verfahren
eingestellt, weil aus Madrid kein Material kam und das vorliegende
nicht reichte. Die Ermittler des italienischen NOK (CONI) kündigten
zum Ende des vergangenen Jahres an: Wenn man neues Material bekomme,
könnee man den Fall wieder aufnehmen.
Für neue Verfahren plädiert auch Weltverbands-Präsident Pat
McQuaid, der die spanischen Behörden und den Sportminister des Landes
in einem Brief um Unterstützung bat. Die nächste UCI-Sitzung findet
am Donnerstag in Lüttich statt. Davor wollen
sich bei einem Treffen mit dem französischen Tour-Veranstalter ASO
auch die ProTour-Teams positionieren, um vielleicht eine einheitliche
Front gegen den Einsatz aller 51 Profis zu bilden, die in der
Fuentes-Affäre unter Doping-Verdacht stehen.
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