ROM, 16.05.07 (dpa) -
Jan Ullrich und Ivan Basso sollen sich vor dem Giro
d'Italia 2006 in einem Freiburger Hotel mit dem mutmaßlichen
Dopingarzt Eufemiano Fuentes getroffen haben. Dies berichtet die
Gazzetta dello Sport am Mittwoch.
Die Mailänder Sportzeitung
beruft sich auf «Unterlagen
einer deutschen Staatsanwaltschaft». Diese habe die
Staatsanwaltschaft Bergamo an die italienische Antidopingkommission
unter Leitung von Ettore Torri in Rom weitergeleitet.
Zuvor waren Torris Ermittlungen gegen Basso wegen dessen
Verwicklung in den spanischen Dopingskandal ins Stocken geraten. «Ich
bin teilweise enttäuscht über Bassos Aussagen. Das Ergebnis ist
weniger brillant als wir erwartet hatten», gestand Torri. Er ist
davon überzeugt, dass Basso aus der Dopingszene bedroht wird und
sogar um seine körperliche Unversehrtheit fürchte. Deshalb habe er
nach seinem ersten Geständnis plötzlich gemauert. «Er ist unter Druck
gesetzt worden», sagte Torri.
Torri will mit seiner Klageerhebung jetzt noch 60 oder gar 120
Tage warten, um das gesamte Ermittlungsinstrumentarium der
Staatsanwaltschaft auszunutzen. Die Möglichkeiten der
Antidoping-Kommission seien begrenzt, staatliche Dopingfahnder
könnten nun aber mit polizeilichen Mitteln in Italien den
Dopingskandal aufklären. Das italienische Dopinggesetz gibt den
ermittelnden Staatsanwälten weitreichende Handlungsmöglichkeiten.
Das zusammengetragene Material sei aber schon ausreichend für eine
Doping-Anklage gegen den bereits vorläufig gesperrten Basso. Eine
zweijährige Sperre gilt als sicher. Von der in Aussicht gestellten
Halbierung der Strafe ist in Rom keine Rede mehr, da Basso sich einer
Kronzeugen-Regelung verweigert und nur so viel zuzugeben scheint, wie
ihm ohnehin nachgewiesen werden kann.
Der Giro d'Italia-Sieger 2006 hatte gestanden, sein Blut bei
Fuentes in Madrid zum Blutdoping für die Tour de France 2006
deponiert zu haben. Er habe jedoch nie tatsächlich gedopt. Das
Treffen mit Fuentes in Deutschland vor dem Giro hatte der 29-Jährige
bei seinen bislang drei Anhörungen in Rom jedoch verschwiegen.
In Italien ermitteln bereits die Staatsanwaltschaften in Rom,
Bergamo und Lucca in der Radsportszene. In der Hauptstadt wird zudem
ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Ivan Basso, den ebenfalls als
Fuentes-Kunden geständigen Radprofi Michele Scarponi und Fuentes
mutmaßlichen «Blutkurier» Alessandro Kalc eröffnet. In Deutschland
ermitteln die Staatsanwaltschaften in Bonn und Hamburg gegen Ullrich
sowie die Justizbehörden in Göttingen gegen einen Arzt, der in
Deutschland der Vertrauensmann von Fuentes gewesen sein soll.
Experten gehen davon aus, dass die offenbar aus Deutschland
gelieferten Informationen über das Treffen zwischen Basso, Ullrich
und Fuentes in Freiburg von der Staatsanwaltschaft Bonn stammen.