MAILAND, 08.05.07 (rsn) -
"Ich habe nie Dopingmittel benutzt und nie Blutdoping angewandt."
Mit diesen Worten eröffnete Ivan Basso am Dienstagmittag seine
Pressekonferenz im Hotel Michelangelo in Mailand einen Tag
nach seinem Geständnis vor den Sportbehörden, worin
er als erster verdächtiger Rennfahrer seine Verstrickung in die
Fuentes-Dopingaffäre zugab.
Doch das in der italienischen Presse gefeierte "mutige" Geständnis
eines reuigen Sünders gab es nicht.
Das bei Fuentes gefundene Blut sei für
die Tour de France 2006 bestimmt gewesen,
seinen eindrucksvollen Sieg beim Giro habe er
wie alle seine Siege ohne illegale Hilfsmittel
geholt.
Wer bei Bassos Pressekonferenz
erwartete, dass der Italiener
nun auspackt, wurde enttäuscht.
So "mutig", wie
es in der italienischen Presse
gefeiert wurde, war
Bassos "Geständnis" nicht.
Der in
Jeans und Sporthemd gekleidete 29-Jährige
gab praktisch nur zu,
dass er mit Fuentes
zusammengearbeitet hat,
was in Anbetracht der eindeutigen Faktenlage
ohnehin nicht mehr zu bestreiten war.
Doch Doping sei ihm nicht
vorzuwerfen, beteuert Basso.
"Ich habe nie Dopingmittel genommen und
habe nie Blutdoping benutzt",
sagte Basso am Dienstag. Er habe sich nur
den "Versuch von Doping" vorzuwerfen,
so der Radstar, der sich
die Dienste des Dopingarztes
Fuentes nach Berichten
der italienischen Presse
zwischen 2004 und 2006
mehr als 100.000 Euro kosten ließ.
"Ich gebe zu: Ich habe versucht,
bei der Tour de France (2006)
zu dopen", sagte Basso
und fügte hinzu, er sei bereit,
seine Strafe zu verbüßen.
Anschließend werde
er wieder zurückkommen und
"dem Beruf nachgehen,
den ich liebe".
Nach dem Reglement
zieht auch der Versuch zu dopen
eine zweijährige Sperre nach sich,
unabhängig davon,
ob ein Athlet
bei der Aufklärung mitwirkt oder nicht (s.a.Hintergrund).
Fotos: Roth
Abgesehen vom "Versuch"
vor der letzten Frankreich-Rundfahrt,
die er dann wegen des Fuentes-Skandals
nicht fahren konnte,
sei er immer ohne
Doping ausgekommen, behauptet Basso.
"Ich habe immer sauber gewonnen",
so der Girosieger von 2006,
dem im Falle eines Geständnis
auch die Aberkennung
seines Sieges gedroht hätte.
Basso hatte die letzte Italien-Rundfahrt
absolut dominiert.
"Nach einem quälenden Jahr habe
ich mich entschlossen,
meine Verantwortung
zuzugeben, auch mit Respekt
vor meiner Familie, die
meine Entscheidung unterstützt",
sagte Basso.
Die Zusammenarbeit mit
Fuentes bezeichnete
Basso als "einen Moment der Schwäche,
für den ich mein ganzes Leben bezahlen" werde.
Der Italiener verwies darauf,
dass er zu den meistkontrolliertesten
Rennfahrer gehöre.
"Basso gesteht - der Radsport zittert",
hatte die Sportzeitung Tuttosport
getitelt. Wenn jemand gezittert haben
sollte, so konnte er nach Bassos
Pressekonferenz aufatmen. Basso betonte, er werde nicht über
andere sprechen.
"Man sagt, ich arbeite
(mit den Sportbehörden) zusammen.
Ich habe aber ausdrücklich
gesagt, dass man mich nicht
über andere Leute befragt.
Und ich weiß jedenfalls
auch nichts über die Verwicklung anderer
Sportler", so Basso,
der bei seiner Pressekonferenz
von seinem Anwalt
Massimo Martelli begleitet wurde.
Basso war ebenso wie Jan Ullrich vor der letzten Tour
de France von seinem Team suspendiert worden,
nachdem sich abgezeichnet hatte,
dass er zu dem Kundenkreis
des Fuentes-Dopingrings gehörte.
Im vergangenen Oktober hatten
die italienischen Sportbehörden
das Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt,
weil keine konkreten Beweise vorlagen.
"Ich hatte nie etwas mit Fuentes zu tun",
sagte Basso danach, was sich
als Lüge erwies.
Im Herbst wurde
er von Discovery verpflichtet,
für das er aber kaum fahren sollte.
Als die Italiener Ende April
das Verfahren wieder eröffneten, nachdem neues
Belastungsmaterial auftauchte,
suspendierte das US-Team seinen
umstrittenen Kapitän. Basso
bat seine Mannschaft kurz darauf
um die Auflösung seines Vertrages
zwei Tage vor seiner Vernehmung
vor der Antidopingkommission des italienischen olympischen Komitees (CONI).
Bei der CONI-Anhörung am 2.Mai
hatte Basso auch zunächst noch jede
Verstrickung in die Fuentes-Affäre geleugnet.
Am gestrigen Montag
hatte er nach Absprache mit
seinem Anwalt um eine erneute
Anhörung vor der CONI gebeten.
Nun räumte er ein, dass
auch sein Blut unter
den bei Fuentes gefundenen
Konserven war.
Dem ebenfalls in die Affäre vestrickten Jan Ullrich war dies
in einem von der Bonner Staatsanwaltschaft
angeordneten Gentest nachgewiesen worden.
Auch Basso drohte ein solcher DNS-Abgleich.
Dem kam er nun mit seinem
"Geständnis" zuvor.
Bassos früherer CSC-Team-Kollege Jens Voigt (Berlin) hofft, "dass
vor der Tour die Situation in der Doping-Affäre Fuentes endlich
geklärt ist, dass wir über Schuld und Unschuld Bescheid wissen". Der
bei seinen Kollegen nicht unumstrittene
Sprecher der Fahrer-Gewerkschaft kann sich vorstellen,
dass von Basso "noch mehr kommt". Trotz der eher enttäuschenden
Auskünfte des Italieners am Dienstag will CONI-Präsident Gianni
Petrucci den "Reuigen" zur "Leitfigur im Anti-Doping-Kampf" machen.
Am Nachmittag gestand unterdessen auch
der Italiener Michele Scarponi
(früher Liberty, heute Acqua e Sapone) eine Zusammenarbeit
mit Fuentes und bot der italienischen Anti-Doping-Agentur CONI wie
Basso eine Kooperation an.
Auch Scarponi hatte
bislang alle Vorwürfe bestritten.