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Fuentes-Dopingskandal
Basso gesteht


Foto: Roth

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ROM, 07.05.07 (rsn) - Der Italiener Ivan Basso hat als erster verdächtiger Fahrer gestanden, dass er Kunde des spanischen Dopingnetzwerks um den Mediziner Eufemiano Fuentes war. Der Girosieger will mit dem Dopingankläger des italienischen nationalen olympischen Komitees (CONI) im Disziplinarverfahren gegen ihn zusammenarbeiten, wie dieses am Montag in einer Mitteilung bekanntgab. Überraschend hatte sich Basso am Montag auf eigene Initiative ins Büro der CONI in Rom begeben und sich bereit erklärt, bei der Aufklärung des Falls "maximal" mit den Sportbehörden zu kooperieren.

"Das Büro des Anti-Dopinganklägers (der CONI) hat heute erneut (...) Ivan Basso angehört. Dieser hat umfassend seine Verantwortung in der Operation Puerto eingeräumt", hieß es in einem Statement des italienischen olympischen Komitees, das die oberste Sportbehörde des Landes ist. Basso habe sich zu "maximaler Kooperation" bereiterklärt, um die "Fakten seiner Verwicklung" aufzuklären, hieß es weiter.

Basso hatte den Chef der CONI-Antidoping-Kommission, Ettore Torri, am Montag von sich aus um ein zweites Treffen gebeten. Mittags hatte sein Anwalt Massimo Martelli mit der Anti-Doping-Kommission in Rom die Bedingungen für ein weit reichendes Geständnis ausgehandelt, am Nachmittag fand dann das Gespräch in einer Anwaltskanzlei im römischen Nobelviertel Parioli statt. Ohne Kommentar verließ Basso danach die Kanzlei und fuhr mit seinem Anwalt zum Flughafen. Basso gibt am Dienstagmittag im Hotel Michelangelo in Mailand eine Pressekonferenz.

"Er hat sich nicht gut gefühlt und er war unruhig. Er wollte dieses Gewicht von seinem Gewissen loswerden. Wir haben uns in die Augen geschaut und haben uns gesagt: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Last vom Gewissen zu nehmen", sagte Bassos Anwalt Massimo Martelli. Der Giro-Star habe aus "Liebe zu seinem Sport" gehandelt, meinte der Anwalt. Während der Befragung im CONI-Büro habe Basso "gezittert, aber dann hat er seine Fassung wiedergewonnen und großen Charakter gezeigt."

Mit seinem Geständnis, das in Anbetracht der überwältigenden Indizien spät kam, kann sich Basso Strafmilderung erhoffen. Von der Sportjustiz droht Basso eine Dopingsperre von zwei Jahren. In einem anstehenden Strafverfahren droht Basso sogar eine Haftstrafe. Die römische Staatsanwaltschaft hat bereits ein Verfahren eröffnet. Am Wochenende hatte eine Staatsanwältin Strafmilderung in Aussicht gestellt, falls sich Basso kooperativ verhalten würde. Sportrechtlich muss sich der 29 Jahre Italiener aber auf eine zweijährige Sperre einrichten: "Zwei Jahre sind zwei Jahre. Das sind die Regeln der WADA für ein Erstvergehen", sagte UCI-Chef Pat McQuaid am Montag. Der Ire betonte aber, man dürfe Basso jetzt "nicht fallen lassen". Giro-Chef Angelo Zomegnan sprach von einer "mutigen Geste". Nun müsse man Basso "in Ruhe" lassen.


• Fall Basso: Von der «Operación Puerto» bis zum Geständnis

Die Anti-Doping-Kommission des italienischen NOK (CONI) hatte die Ermittlungen gegen Basso wieder aufgenommen, nachdem neue belastende Unterlagen aufgetaucht waren. Blutproben aus sieben im letzten Mai bei Fuentes gefundenen Blutbeuteln mit den Bezeichnungen "Birillo" (auf diesen Namen soll Bassos Hund hören) und "Nr. 2" liegen im biochemischen Institut von Interpol in Rom. Diese Klientenkürzel in den Fuentes- Aufzeichnungen ordneten die spanische Ermittler Guardia Civil Basso zu. Einen DNS-Abgleich dieses Blutes mit von ihm bei Dopingkontrollen im Herbst 2006 genommenen Blut autorisierte der Radprofi bislang nicht. Basso war am vorigen Mittwoch in Rom von CONI-Chefankläger Torri vernommen worden. Die Anhörung war nach zwei Stunden vertagt worden.

"Ich hatte nie etwas mit (Dr.Fuentes) zu tun. Ich habe ihn mal gesehen, ja, in Rennen, als er Teamarzt bei Kelme war. Aber diese Geschichte hat absolut nichts mit mir zu tun."
Ivan Basso nach der vorläufigen Einstellung des Verfahrens gegen ihn im letzten Oktober
Nach der Wiederaufnahme des im letzten Herbst vorläufig eingestellten CONI-Verfahrens war Basso am 24.April von seinem Discovery-Team suspendiert worden. Dann bat der Girosieger ("Ich will kein Problem für andere sein") überraschend seine Mannschaft um eine Auflösung seines Vertrags. Der Basso-Transfer war im letzten Herbst heftig kritisiert worden wegen des Dopingverdachts des Radstars, der wie Jan Ullrich vor der letzten Tour de France ausgeschlossen worden war und später beim CSC-Team gehen musste. Seit der Kastilien- und Leon-Rundfahrt Ende März war Basso keine Rennen mehr gefahren.

"Omerta gebrochen"

"Ivan hat genau das gemacht, was alle von Pantani gefordert haben und Marco nicht getan hat. Ich bitte Sie im Namen des Radsports, lassen Sie Ivan Basso jetzt nicht allein", reagierte laut Agentur ANSA der Präsident des italienischen Radsportverbandes Renato Di Rocco auf die Meldung vom Basso-Geständnis. Der Italiener ist bisher der einzige der mehr als 50 mutmaßlichen Fuentes-Kunden, der die Verantwortung für sein Tun übernimmt. Jan Ullrich, dem die Bonner Staatsanwaltschaft in einem DNS-Abgleich nachwies, dass sein Blut unter den Fuentes-Konserven war, bestreitet weiterhin Doping. Gegen Ullrich läuft in Bonn ein Strafverfahren wegen Betrugs.

"Basso stand mit dem Rücken zur Wand - er konnte es nicht mehr abstreiten", meinte Ex-Profi Francesco Moser, heute Vorsitzender der Fahrergewerkschaft. "Wir können jetzt der Fuentes-Affäre auf den Grund gehen. Jetzt müssen alle Namen auf den Tisch. Ich hoffe, heute haben alle Fahrer verstanden, dass eine Ära vorbei ist", so Moser.

Der Chef des drittklassigen Rennstalls Amore Vita, Ivano Fanini, seit vielen Jahren ein Kritiker des italienischen Profiradsports, sah im Basso-Geständnis "einen historischen Moment für den ciclismo" und nahm Bezug auf die Omertà, die Schweigepflicht der Mafia . Fanini: "Basso ist der erste unserer Champions, der die omertà, die diesen Sport beherrscht, bricht. Das ist eine Wende, ein großer Schritt nach vorn. Bisher haben sich alle, Verantwortliche, Fahrer, dem Gesetz des Schweigens unterworfen. Selbst in Anbetracht des offensichtlichsten hielt dieses Schweigen wegen dieses Systems."


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