"Es war meine Entscheidung.
Ich habe Discovery Channel
verlassen, weil ich nicht wollte,
dass mein Team und meine Teamkollegen
die Konsequenzen tragen
müssen in einer Frage, die nur mich betrifft",
sagte Basso in einem am Dienstag veröffentlichten
Interview mit
der Mailänder Gazzetta dello Sport.
Am Tag zuvor hatte Basso
in einem Statement bekanntgegeben,
dass er sich mit Discovery
auf seinen Wunsch hin auf eine Vertragsauflösung geeinigt hat.
Am (morgigen) Mittwoch
muss Basso vor der Disziplinarkommission
des italienischen nationalen olympischen Komitees
(CONI), das das Verfahren gegen ihn wiedereröffnet hat,
aussagen.
"Vernehmung hin oder her - ich habe
ein reines Gewissen", sagt Basso.
"Beim Giro (ab 12.Mai)
werde ich in keinem Fall starten.
In dem Moment, in dem ich
mich mich von Discovery getrennt habe,
habe ich mich auch entschieden (den Giro) nicht zu fahren",
so der letztjährige Girosieger.
"Ich konnte in den letzten Tagen nicht trainieren und
habe auch nicht mehr den Kopf, um
mein Rosa Trikot zu verteidigen.
Ich hoffe, ich werde wieder
auf dem Rennrad sitzen,
wenn ich am Donnerstag
(von der CONI-Vernehmung)
aus Rom wieder nach Hause komme."
Basso wird am Mittwochnachmittag von
CONI-Dopingankläger Ettore
Torri vernommen. Die italienische Sportbehörde
hatte das Verfahren gegen Basso letzten
Herbst eingestellt, aber betont,
es könne bei neuen Informationen wiedereröffnet werden.
Am 24.April
entschied Torri dass das nun
der Fall ist.
"Ich will kein Problem für andere sein",
sagt Basso. "Mein Verhältnis
zu (Discovery) bleibt gut, aber
es ist normal, dass die Verantwortlichen,
der Sponsor und die Teamkollegen
nicht in die Sache verwickelt werden wollen,
auch nicht indirekt.
(...) Ich bin sicher,
dass wenn die Sache vor der
Sportjustiz geklärt ist,
die Tür für mich (bei Discovery)
offen ist",
so Basso.
Ivan Basso ist neben Jan Ullrich
der zweite ganz große Name, der
von Beginn an im Zusammenhang
mit der spanischen Dopingaffäre um
den Arzt Fuentes fiel.
Der Skandal war im Mai
2006 zutage gekommen, nachdem die
spanische Polizei
im Rahmen der "Operacio Puerto"
genannten Razzien
den Dopingring aushob.
Damals waren fünf Hauptverdächtige
verhaftet
worden. Im Zentrum des Dopingrings
stand der frühere Kelme- und ONCE-Teamarzt
Eufemiano Fuentes.
Als einen der Hauptkunden
sehen die spanischen Ermittler
Manolo Saiz, eine der
schillerndsten und einflussreichsten Figuren im
Radsport, dessen inzwischen untergegangene Mannschaft
(früher ONCE, zuletzt Liberty) der größte
spanische Rennstall war.
Die strafrechtlichen Verfahren gegen
die Drahtzieher wurden in Spanien eingestellt,
da Doping zu dem Zeitpunkt der
Affäre noch nicht strafbar war und
andere Delikte wie "Gefährdung der
öffentlichen Gesundheit"
nicht zu beweisen waren.
Bei Fuentes hatte die Guardia Civil
große Mengen an Dopingmitteln
(EPO, Anabolika, Wachstumshormone)
sowie mehrere hundert eingefrorene Blutkonserven
und Blutplasma entdeckt,
die zu Blutdoping benutzt wurden.
Bisher wurde lediglich
Jan Ullrich als Kunde von Fuentes
einwandfrei identifiziert,
nachdem ein Gentest der
Bonner Staatsanwaltschaft ergab,
dass es tatsächlich sein Blut war,
das bei Fuentes
unter Codenamen wie "Jan"
gelagert wurde.
Ullrich,
der seine Karriere beendet hat, streitet
auch heute noch Doping ab.
In Bonn läuft ein Betrugsverfahren gegen
ihn.
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