Die ARD-Intendanten vereinbarten in einer Schaltkonferenz,
zunächst an den Übertragungen von der Tour de France und der
Deutschland-Tour festzuhalten, aber über eine Verlängerung
über das Jahr 2008 hinaus erst nach dem Ende der Saison 2007 zu
entscheiden. Die ARD will außerdem bis auf weiteres keine ehemaligen
Profi-Radsportler als Co-Kommentatoren in der Live-Berichterstattung
mehr einsetzen. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff betonte, dies sei eine
grundsätzliche Entscheidung und kein Misstrauensvotum gegen die
Experten.
Brender betonte, bei neuen Sportverträgen - etwa beim Boxen - sei
eine Doping-Klausel eingebaut, die dem ZDF den Ausstieg aus
Sportverträgen wegen Vertragsverletzung ermöglicht. Der Sender habe
Gespräche mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und den deutschen
Rennställen angesetzt. Danach will das ZDF entscheiden, ob es für
dieses Jahr an der Berichterstattung von der Tour de France festhält.
«Zum jetzigen Zeitpunkt auszusteigen wäre falsch», betonte der
Chefredakteur. «Wenn wir bei den Treffen aber feststellen, dass trotz
Zusagen System und Einstellungen der Beteiligten sich nicht geändert
haben, müssten wir Konsequenzen ziehen.»
Brender bezeichnete es zum Beispiel als Problem, dass der
Sportdirektor des T-Mobile-Teams, Rolf Aldag, im vergangenen Jahr
beim Runden Tisch gegen Doping im ZDF große Anstrengungen im Kampf
gegen Sportbetrug gefordert und angekündigt habe. Er könne nicht
schlafen, wenn er selbst gedopt hätte, habe Aldag 2006 gesagt. «Nach
seinem Dopinggeständnis bedarf es nun intensiver Gespräche, um das zu
klären. Ob wir das akzeptieren können, weiß ich nicht», sagte
Brender. «Es fehlt noch an Aufklärung, gerade über die Jahre 2000 bis
2006.»
Sollten die Bemühungen für den sauberen Sport nicht gelingen,
brachte der Chefredakteur eine Vereinbarung aller Medien ins
Gespräch, über Radrennen wie über die Tour de France nicht mehr im
großen Stil zu berichten. «Auch Zeitungen und Zeitschriften haben
Ullrich, Zabel, Aldag und Co. zu Heroen stilisiert. Das war nicht nur
das Fernsehen.»
In der Sportberichterstattung müsse die Gratwanderung zwischen
Emotionen und Distanz künftig besser gelingen. «Das Fernsehen als
Bildmedium ist sicher anfälliger, als andere Medien, in eine
kritiklose Live-Berichterstattung abzurutschen. Begeisterung ist
Reportern ja nicht verboten, aber zum guten Journalismus gehört
ebenso die Distanz zu Personen und Organisationen.» Die Doping-
Affären der letzten Monate seien für viele Fernseh-Reporter eine
Lehre.
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