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T-Mobile stellt neuen Kader vor
"2007 wird sicher nicht das erfolgreichste Jahr"


NEUE T-MOBILE-TEAMCHEFS ALDAG UND STAPLETON AM MITTWOCH IN BONN  Fotos: Roth

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BONN, 27.09.06 (rsn) - Nach dem Schock über den Ullrich- Dopingskandal macht T-Mobile einen Schnitt. Mit neuer Teamleitung, neuen Trainingsprogrammen und medizinischer Betreuung soll der Bruch mit alten Methoden vollzogen werden, was die Voraussetzung dafür war, dass der Mobilfunkkonzern, der zu den potentesten Sponsoren der ganzen ProTour zählt, bleibt und sein Engagement sogar verlängerte. Doch sportlich sollte man 2007 nicht allzuviel erwarten von der Magentatruppe. Elf weitgehend eher mittelmäßige Neuzugänge wie der Kanadier Michael Barry oder Oldies wie Jakob Piil und Servais Knaven können die prominenten Abgänge wie Ullrich, Andreas Klöden oder Matthias Kessler nicht ersetzen.

Die prominenteste Neuverpflichtung von T-Mobile ist der junge Gerald Ciolek, der bereits vor seinem U23-Weltmeistertitel bei der Magentatruppe unterschrieben hatte. Der 20-jährige gilt als der "neue Zabel", wenngleich er sicherlich noch ein paar Jahre braucht, um etwa bei der Tour de France erfolgreich mitzumischen. An jungen Sprintern hat T-Mobile künftig wahrlich keinen Mangel: Der Österreicher Bernhard Eisel (25) kommt von Francaise de Jeux, der Brite Mark Cavendish (21) unterschrieb seinen ersten Profivertrag bei T-Mobile. Dazu kommt der 24 Jahre alte André Greipel, der bleibt, während sein Sprinterkollege Olaf Pollack, dem er 2006 die Show stahl, gehen muss.

Neu ins Team kommt der Belgier Axel Merckx, dessen Phonak-Team aufgelöst wird. Der 34 Jahre alte Sohn des "Kannibalen" hatte dereinst bei Telekom seine Karriere begonnen und wird sie nun bei dem Magentateam wohl auch beenden. Aus dem Schweizer Skandalteam wechselt mit Merckx der Wittenberger Bert Grabsch zu T-Mobile. Grabsch gehörte im Sommer zu den Helfern von Floyd Landis bei der Tour.

Die restlichen Neuzugänge sind nicht allzu spektakulär. Von Discovery kommen der britische Sprinter Roger Hammond (31) und der 30 Jahre alte Kanadier Michael Barry, Dritter der Sachsen-Tour. Von Saunier kommt mit dem 28-jährigen Aaron Olson, ein in Europa unbeschriebenes Blatt, ein weiterer Amerikaner. Ebenfalls von Saunier stößt der italienische Zeitfahrspezialist Marco Pinotti (30) zu T-Mobile. Den Altersschnitt heben werden der Holländer Servais Knaven (35) und der Däne Jacob Piil (33), zwei Klassikerspezialisten, deren größte Erfolge schon ein paar Jahre zurückliegen. Knaven gewann 2001 Paris-Roubaix, Piil Paris-Tours 2002.


Fotos: Roth
"2007 wird sicher nicht das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte. Aber was ist Erfolg? Erfolg ist für mich auch offensive Fahrweise, mit der wir Sympathie schaffen", sagte Rolf Aldag am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Regimes in der Bonner T- Mobile-Zentrale. "Wir haben Fahrer verpflichtet, von denen wir denken, dass wir mit ihnen eine gute Rolle spielen können. Nicht unbedingt siegen, aber doch zumindest angreifen und ein gutes Bild abliefern", beschrieb Aldag, der neue Sportchef, die Neuverpflichtungen.

Die Abgänge von Ullrich, der nach der Dopingaffäre fristlos entlassen worden war, des Tourdritten Andreas Klöden, der ebenso wie Touretappensieger Matthias Kessler zu Astana abwanderte oder auch des östereichischen Rundfahrt-Talents Bernhard Kohl (zu Gerolsteiner) sind damit sicher nicht zu kompensieren. Bei der Tour de France 2007 wird das einstige Ullrich-Team keinen Favoriten auf den Gesamtsieg stellen. Der Australier Michael Rogers, der bisher bei Rundfahrten noch nicht überzeugen konnte und bei der WM zuletzt enttäuschte, soll neben Patrik Sinkewitz und Linus Gerdemann eine der "Säulen" beim Neuaufbau des Teams sein. "Charakterlich und mental" sei Rogers in der Lage, ein Team zu führen, glaubt Aldag. Insgesamt verlängerten 16 Mann bei T-Mobile. Der Kader für 2007 schrumpfte von bisher 30 Profis auf vorerst 27. Weitere Fahrer- Verpflichtungen seien noch möglich, hieß es.

Der neue starke Mann bei T-Mobile ist der Amerikaner Bob Stapleton, der Nachfolger von Olaf Ludwig wird und mit seiner in kreativem Deutsch "Neue Straßen Sport GmbH" benannten Firma als Teambetreiber agiert. Ludwig stolperte über seine Nähe zu Jan Ullrich, mit dem der Olympiasieger von 1988 nicht schnell und gründlich genug brechen wollte. Stapleton leitete zuletzt das Frauenteam von T-Mobile und war in einem anderen Leben davor Chef des Mobilfunkunternehmens Voicestream, das die Telekom aufkaufte und heute als T-Mobile USA firmiert. Der radsportbegeisterte, 48-jährige Millionär machte nun sein Hobby zum Beruf.

Stapleton kann längerfristig planen. Sponsor T-Mobile verlängerte sein Engagement bei dem Team über 2008 hinaus bis 2010, wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab. "Wir hatten überlegt, nach den jüngsten Vorkommnissen auszusteigen. Aber man rennt nicht davon. Wir glauben nach wie vor an den Radsport und an die Zukunft eines sauberen Radsports", sagte Finanzvorstand Thomas Winkler. Doch T-Mobile agiert nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". "Ein großer Teil Teil unseres Budgets fließt in den Kampf gegen Doping. Der Gesamtetat ist kleiner als 2006", sagte Stapleton.

Mit einem umfassenden Medizin- und Trainings-Programm will T-Mobile künftig sicherstellen, dass seine Fahrer nicht mit Doping arbeiten. Die T-Mobile-Profis sollen künftig ausschließlich durch das Ärzteteam der Uniklinik Freiburg um Professor Andreas Schmid betreut werden. "Dieses Programm berücksichtigt Anti-Doping-Tests und deren Überwachung, Aspekte wie Sportpsychologie und Trainingswissenschaft", sagte Teamarzt Dr. Lothar Heinrich, der vom "gläsernen Athleten" schwärmte. Heinrich hatte in der Vergangenheit - nach eigener Darstellung - nichts mitbekommen von Dopingpraktiken von Fahrern, die er betreute.

T-Mobile 2007:

  • Neuzugänge: Michael Barry (30/Kanada), Mark Cavendish (21/Großbritannien), Gerald Ciolek (20/Deutschland), Bernhard Eisel (25/Österreich), Bert Grabsch (30/Deutschland), Roger Hammond (31/Großbritannien), Servais Knaven (35/Niederlande), Axel Merckx (34/Belgien), Aaron Olsen (28/USA), Jacob Piil (33/Dänemark), Marco Pinotti (30/Italien).
  • Es bleiben: Eric Baumann (26/Deutschland), Lorenzo Bernucci (27/Italien), Marcus Burghardt (23/Deutschland), Scott Davis (27/Australien), Linus Gerdemann (24/Deutschland), André Greipel (24/Deutschland), Giuseppe Guerini (36/Italien), Serhiy Honchar (36/Ukraine), Kim Kirchen (28/Luxemburg), Andreas Klier (30/Deutschland), André Korff (33/Deutschland), Frantisek Rabon, (23/Tschechien), Michael Rogers (26/Australien), Stephan Schreck (28/Deutschland), Patrik Sinkewitz (25/Deutschland) und Thomas Ziegler (25/Deutschland).
  • Teamleitung: Bob Stapleton (Manager), Rolf Aldag (Sportchef)


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