MADRID, 23.05.06 (rsn) -
Der Teamchef des spanischen ProTour-Rennstalls "Liberty Seguros",
Manolo Saiz, ist am Dienstag
in Spanien von der Guardia Civil
festgenommen worden.
Die breit angelegte Aktion
der spanischen Polizei
zielt gegen
eine Dopingaffäre im spanischen Profiradsport,
deren Ausmaß noch gar nicht
zu erkennen ist.
Die Beamten
haben neben Manolo Saiz
auch Liberty-Teamarzt Eufemiano Fuentes
festgenommen. Der Mediziner
ist
seit vielen Jahren im Radsport
(früher bei Kelme und ONCE)
tätig.
Desweiteren wurden
der Mountainbike-Rennfahrer
Alberto León,
der zweite Sportdirektor
des Valencia-Rennstalls
José Ignacio Labarta sowie
ein Angestellter
eines klinischen Labors
in Madrid
im Laufe des Dienstags festgenommen.
Alle wurden am Dienstag am Sitz der
operativen Zentrale der Guardia Civil
Unidad Central Operativa (UCO)
in der Calle-Guzmán-el-Bueno in Madrid
vernommen.
Ein Sprecher der Behörde
sagte gegenüber dem Madrider
Radiosender Cadena Ser,
man könne derzeit
kein offizielle Stellungnahme
zu dem Fall abgeben.
Die Nachrichtenagentur EFE
meldete am Abend, dass
Saiz und Fuentes
die Nacht in Polizeigewahrsam
verbringen müssen.
Fulgencio Sánchez,
der Präsident des Königlichen spanischen
Radsportverbands (RFEC)
sprach von "fürchterlichen"
Nachrichten. Er
sei "zu Stein erstarrt",
als er von den Verhaftungen gehört
habe.
Im Mittelpunkt der Affäre
steht offenbar
die Arbeit von Fuentes,
dessen Name
schon des öfteren
mit Doping in Verbindung gebracht wurde.
Er soll Rennfahrer
mit Dopingprodukten
versorgt und sie bei der Verschleierung
der Manipulationen
unterstützt
haben. Speziell
soll er Blutdoping
(Blutaustausch)
betrieben haben.
Bei einer Durchsuchung
von Fuentes' Wohnung
fand die Guardia Civil
zahlreiche Dopingprodukte
(Anabolika, Hormone)
und hunderte
von Blutbeuteln.
Solche werden
für Doping mit
Eigenblutaustausch
verwendet.
Dabei wird
Rennfahrern Blut
mit hohem Anteil von roten Blutkörperchen
nach EPO-Doping
oder Höhentraining abgezapft
und später im Wettkampf wieder injiziert.
Laut spanischen Medienberichten
gibt es auch eine Verbindung
von Fuentes zum dänischen CSC-Rennstall. Die
Behörden ermittelten in diese Richtung, hieß es.
Schon gibt
es Befürchtungen,
die Affäre könnte
auf den Giro übergreifen.
"Wenn Fuentes auspackt,
kann das halbe Feld heimfahren",
sagte ein Betreuer
eines Giro-Teams
am Dienstag.
Fuentes ist befreundet
mit dem berühmten italienischen preparatore Luigi Cecchini,
der einige der größten Radstars
betreut.
Bjarne Riis, der heutige CSC-Teamchef, vertraute schon
1996, im Jahr seines Toursiegs,
auf Cecchinis Künste.
Pablo Anton, Teammanager
von Liberty Seguros, sagte
gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE,
er sei "ganz ruhig", weil
man sich nichts vorzuwerfen habe.
"Ich weiß, dass man Manolo Saiz vernimmt.
Worum es geht, weiß ich noch
nicht. Ich bin ganz ruhig,
aber ich mache mir auch Sorgen,
weil ich weiß, dass
es Manolo schlecht
geht," sagte Anton.
Eine Verbindung zum Dopingfall
Roberto Heras,
der bei der letzten Vuelta
positiv auf EPO war, gebe
es nicht, meinte
Anton: "Ich glaube nicht,
dass das etwas damit zu tun hat",
sagte der Liberty-Manager.
Vincenta Belda,
Teamchef des Valenciana-Rennstalls (früher Kelme),
zeigte sich "überrascht"
von den Verhaftungen.
Die Affäre sei "ein cuchillada (Messerstich) in den Rücken
des Radsports", sagte
er gegenüber EFE.
Spätestens jetzt könne aber niemand
mehr sagen, dass Spanien
ein Paradies für Doper sei, so
Belda, dessen Team
zuletzt in der Affäre um die
Enthüllungen von Jesus Manzano
erschüttert wurde.
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