BERLIN, 29.10.06 (dpa) -
Ivan Basso könnte wieder Rennen fahren, der
spanische Verband stellt die Ermittlungen ein, und die UCI bestätigt
die Lizenz von Manolo Saiz: Jan Ullrich steht im Moment als der
Einzige im vermeintlich größten Doping-Skandal der Radsport-
Geschichte da, dem Konsequenzen drohen. Die spanische Operacion
Puerto sorgt weiter für Konfusionen. Vorläufige, zweifelhafte
«Freisprüche» für den Giro-Sieger Basso, namhafte spanische Profis
und den Manager Saiz stehen der erdrückenden Indizienkette in der
Affäre um den Mediziner Eufemiano Fuentes gegenüber. Erst nach
Urteilen der Justiz könnten die Sportverbände wieder aktiv werden -
das kann dauern.
Der Königlich Spanische Radsport-Verband RFEC hat seine
Ermittlungen gegen rund 30 Beschuldigte eingestellt, sowohl das
italienische Olympische Komitee CONI als auch der Dachverband haben
Basso eine Unbedenklichkeits-Bescheinigung ausgestellt. Ullrich sieht
sich dagegen mit einem bevorstehenden Sportgerichts-Verfahren in der
Schweiz konfrontiert, hat eine Betrugs-Anzeige und ein Meineids-
Verfahren am Hals. Laut «Bild» befindet sich Ullrichs Mutter vor
lauter Sorgen in psychologischer Behandlung. «Ich bin vom Vorhalten
des italienischen Verbandes enttäuscht, aber noch mehr von dem der
Spanier», sagte UCI-Chef Pat McQuaid (s.Meldung).
Die Teams scheinen dagegen entschlossen, sich dopenden Profis
entgegen zu stellen. «Ich gehe davon aus, dass wie beschlossen ab 1.
Januar 2007 Fahrer-Verträge nur noch in Verbindung mit einer
abgegeben DNA-Probe gelten», sagte Hans-Michael Holczer, Manager des
Teams Gerolsteiner. Auf diese Weise scheint ausgeschlossen, dass
Basso und Ullrich Mannschaften finden könnten, ohne ihren genetischen
Fingerabdruck preiszugeben. Das gelte auch für die zweite Ebene der
Pro-Continantal-Mannschaften, wenn sie an ProTour-Rennen teilnehmen
möchten, sagte Teamchef Christian Henn.
Sowohl Ullrich als auch Giro-Sieger Basso, die wegen ihrer
Verstrickung in die Fuentes-Affäre nicht an den Start der Tour de
France rollen durften und seit Juni kein Rennen mehr bestritten,
werden bei Fuentes sichergestellte Blutbeutel zugeschrieben. Eine
DNA-Probe, der sich beide strikt verweigern, würde am schnellsten
beweisen, ob dem so ist.
Der Weltverband, der Basso, Ullrich und den weiteren sieben von
der Tour suspendierten Fahrern mit dem Internationalen
Sportgerichtshof TAS droht, macht nicht die glücklichste Figur. Die
in der Schweiz ansässige UCI «bedauerte» die Bestätigung der ProTour-
Lizenz für den Hauptbeschuldigten Saiz, der der spanischen Polizei im
Mai in flagranti ins Netz ging. Die momentane Rechtslage und die
schleppenden Informationen der spanischen Justiz ließen keine andere
Entscheidung zu, hieß es in einer UCI-Pressemitteilung.
Der Spanier, nur nach Zahlung einer Kaution auf freiem Fuß, muss
bis 20. November ein durchfinanziertes Team vorweisen. Dann spräche
nichts gegen die erneute Manager-Tätigkeit von Saiz, in dessen
inzwischen aufgelöster Formation des amerikanischen Versicherungs-
Unternehmens Liberty Seguros flächendeckendes Doping offensichtlich
Programm war.
Die nicht beschuldigten Ex-Liberty-Profis wie Vuelta-Sieger
Alexander Vinokourov haben sich im etwas undurchschaubaren Astana-Team
des Schweizers Marc Biver längst neu organisiert. Wenn die mit
kasachischen Millionen gesponserte Equipe, bei der 2007 auch Andreas
Klöden und Matthias Kessler fahren, keine neue ProTour-Lizenz erhält,
vertrauen die Chefs auf die Zugkraft ihrer Fahrer und auf Wildcards
für die wichtigsten Rennen.
«Ein Team mit Vinokourov, Klöden, Kashechkin und Savoldelli wird
immer eingeladen», meinte Ex-T-Mobile-Manager Walter Godefroot, der
bei Astana den technischen Direktor gibt.