DruckversionArtikel versendenFeedback Robert Förster, 28 Jahre alt und aus Markkleeberg bei Leipzig,
ist seit 2001 Profi. Nach zwei Jahren
beim GS-II-Rennstall Nürnberger wechselte er zum
Team Gerolsteiner.
Der Sprintspezialist feierte
bereits über zehn Profisiege und
holte bei der letzten Tour de France
eine Top 3-Platzierung.
Beim Giro d'Italia startet "Frösi"
nun zum vierten Mal - und zum vierten Mal schildert
er in einem Tagebuch seine ganz persönlichen "italienischen Momente".
21.Etappe
Die Moral heißt: Du darfst nie aufgeben
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BERLIN, 28.05.06. Tja,
was soll ich sagen, es hat endlich mal geklappt!
Ein geiles Gefühl, beim Giro
und dann auch noch
in Mailand zu gewinnen. Aber
so richtig ist das bei mir noch gar
nicht angekommen. Das
war ein so schwerer Giro und
ich ging nicht gerade in
hervorragender Form rein.
Dann die Sache mit der lädierten Schulter.
In der ersten Woche lief es nicht und
natürlich wächst da der Druck.
Was gurkt der denn da beim Giro rum,
heißt es dann irgendwann.
Ein paar Leute haben
mich aber immer aufgemuntert,
auch wenns mal richtig
schwer war. Das hält einen dann am Leben. Unser Sportdirektor
Christian Wegmann etwa
in den Bergen: "Komm quäl Dich, Frösi,
denke an Mailand!"
Ich habe jeden Abend mit
meinem Trainer telefoniert, mit
meinen Eltern. Man braucht dieses
Umfeld, das zu einem steht, egal was ist.
Niemals aufgeben,
lautet die Moral von heute.
Die Freude ist jetzt riesengroß,
aber wie gesagt, es geht bei mir alles noch
ein bisschen durcheinander.
Seit ich vor nun gut
sechs Stunden über die Ziellinie
gerollt bin, bin ich noch nicht
zum durchatmen gekommen.
Ich kann mich eigentlich
nur erinnern, wie ich nach dem Ziel
unserem Physio Slawo in die Arme
fiel. Dann haben sie
mir mein Rad abgenommen und
es ging ruckzuck in ein Zelt.
Dort schnell Klamotten wechseln.
zur Siegerehrung, ein erstes kurzes
Interview fürs Fernsehen,
zum Pinkeln in die Dopingkontrolle.
Ich sage vorsichtig: "Hey, Leute, mein Flieger
geht gleich, ich muss langsam..."
Aber das hat keinen interessiert.
Pressekonferenz war angesagt.
Danach im Laufschritt
in den Bus, kurz Duschen.
Dann mit 100 Sachen durch Mailand
zum Flughafen,
am Businessschalter
habe ich mich vorgedrängelt,
dass die anderen Leute schon getobt haben.
Aber ich war so knapp dran, die wollten mich erst schon gar
nicht mehr mitnehmen.
Schließlich falle ich in den
Sitz neben Hieke, der die selbe Maschine
nach Berlin hat. Puh.
Foto: Roth
Den größten Anteil an meinem
Sieg heute hat mein Teamkamerad Sven Krauss.
Ich war zunächst etwas nervös
auf dem Schlusskurs. 10 Runden
vor Schluss habe ich ehrlich gesagt nicht
mit dem Sieg gerechnet. Im Laufe
der letzten Runden lief es immer besser.
Kraussi hat voll die Ruhe ausgestrahlt.
"Wir machen das heute, ich hab
das im Gefühl!", sagt er mir
5 Runden vor Schluss.
Die letzten 5km waren wie aus
dem Lehrbuch. Ich habe Krauss
bestimmt 10 Mal eingetrichtert,
dass er bloß nicht
früher als 200 Meter vor Schluss rausgehen darf,
weil Wind auf der Zielgeraden stand.
Dann fährt er das Loch hinter
dem von Milram zu und punktgenau bei 200 Meter
geht er raus. Ich trete an und
es ist, als ob ich mir selbst zuschaue.
Ein Riesendankeschön an die ganze
Mannschaft.
Hieke, Schumi, Moletta, Krauss -
alle haben heute einen super
Job gemacht.
Morgen werde ich den Sieg
erst einmal genießen, das ist das
schöne, wenn man am letzten Tag
gewinnt. Heute abend wird
es sicher spät, aber
morgen gehts um halb neun wie
immer raus. Endlich liegt mal
nicht ein Rennfahrer neben mir...
Endlich gibt
es mal ein richtig
schönes Frühstück, eine
schöne Tasse Kaffee, Rührei
und ganz bestimmt keine Nudeln, kein Reis, kein Hühnchen...
Einen Tag lang werde ich
das Rad nicht anfassen.
Drei Wochen Giro sind rum -
und es ging so schnell rum,
aber andererseits kommt es mir vor,
als wären wir vor Monaten in
Belgien losgefahren. Ein komisches Gefühl.
Ich hoffe, mein Tagebuch in
Zusammenarbeit
mit den Jungs
von RADSPORT-NEWS.COM hat Euch wieder ein bisschen Spaß
gemacht. Herzlichen Dank für
die vielen, vielen Mails,
die ich leider gar nicht alle beantworten kann.
Bis demnächst -
vielleicht bis zu meiner
nächsten großen Rundfahrt. Mal schauen,
welche das sein wird. ;)
20.Etappe
"Mein Freund, der Mortirolo..."
AGRATA BRIANZE, 27.05.06.
Das war ein stressiger Tag.
Erst mal 120km Transfer heute
morgen zum Start, wobei
wir auch noch im Stau standen
und erst 25 Minuten vor
dem Start ankamen.
Keine Zeit
zur Vorbereitung, huschhusch
aufs Rad und los. 220km
Radrennen durch die Berge und
danach nochmal 170km-Transfer
im Auto auf der Landstraße.
Das reicht für einen Tag.
Was uns das ganze
alles ein kleines bisschen
entspannter ertragen lässt, ist
dass wir morgen in Mailand ankommen...
Das Rennen begann ruhig.
Keiner wollte so recht,
alle waren platt von gestern.
Nach 50km die ersten Attacken,
da schrien sie hinten: "Hey, mach mal ruhig!"
CSC und Simonis Truppe haben
sich dann vors Feld gesetzt.
Der erste Berg - da musste unbedingt
mit drüber, sagte ich mir.
Ich gondelte immer
wie ein Bumerang hinten.
Zwischen den ersten Autos, wieder
dran, wieder Autos, wieder dran.
Oben war ich dran.
Nach der Abfahrt
gleich der Gavia.
Dort bildete sich sofort
ein großes grupetto.
Viele Blaue dabei.
Am Anfang haben da einige
zu kämpfen gehabt.
Das Ding dauerte ewig,
zumal auch nicht soviele Zuschauer
da waren. Du denkst,
du fährst in den Himmel.
2600 Meter ist das Ding hoch.
Oben 12 Grad, ein 50-Mann-Grupetto.
Viel mehr kann man eigentlich gar nicht
erhoffen.
Oben am Pass hatten
wir keine eindeutigen Infos
über den Rückstand. 10 Minuten
sagen die einen, 25 Minuten die anderen.
Einige haben da schon Panik geschoben.
Wir haben nach der Abfahrt voll gekreiselt,
Vollgas bis zum nächsten Berg.
Dann kam mein Freund, der Mortirolo.
Eine fantastische Stimmung, soviele
Fans!
Ich weiß jetzt auch,
warum der Mori ein Pflaster
am Kinn hat: Damit ihn die Tifosi
alle erkennen! Der hat heute
echt Body surfing gemacht
am Mortirolo. Der wurde nur
von den Fans geschoben.
Ich fuhr so in der Mitte
des grupetto und
bis zu mir sind die Jungs
meist schon am hecheln nach
dem Schieben, aber
ich habe auch noch genug
Helfer gefunden...
"Spingere!" und "Grazie!" -
das sind die beiden italienischen Wörter,
die man am Mortirolo zum Überleben braucht.
Die Italiener wissen schon,
wie das geht. Ohne den Rückenwind
wären wir vermutlich jetzt
noch unterwegs. Die Kommissäre
hatten freundlicherweise
anderswo zu tun...
Ewig steil ist das Ding.
Die Kilometer vegehen nicht,
die Höhenmeter erst recht nicht.
Zum Begleitfahrzeug kann man nicht
und es sind 31 Grad.
Wir haben ständig
Wasser von den Zuschauern bekommen,
die Flaschen wurden ständig
rumgereicht. Trinken,
übern Kopf, das ganze Programm.
Oben am Mortirolo hatten
wir 40 Minuten. Die Abfahrt
volles Risiko, also alles in Ordnung!
Dennoch meint Cioni,
er müsste auf
den letzten 15km
das grupetto sprengen.
"Eh, campione di grupetto!?",
schimpfen die Italiener.
5000 Höhenmeter heute -
ein Hungerast und du bist weg.
Bramati hing heute in den Seilen und
ich habe ihm einiges von mir
noch zum Essen gegeben.
Ja, gestern war er auch so einer,
der meinte das grupetto auseinanderfahren zu müssen.
Aber egal, da herrscht Solidarität.
Nach dem Rennen wie gesagt 170km Transfer auf
der Landstraße. Um 21:30 Uhr bin ich im
Hotel und einige von uns sind noch
nicht da, als ich auf
der Massagebank liege.
Der Gedanke an Mailand
hält uns heute am Leben.
Morgen gibts einen
Sprint - 100-prozentig.
Dafür werden Bettinis Team,
Pollack und auch wir schon sorgen.
Ich will vorne mit reinhalten,
klar. Mein Ziel?
Naja, beim letzten Mal war ich Dritter,
also... Ich bin natürlich
nicht bei 100 Prozent,
aber das ist keiner mehr im Feld. Drückt mir die
Daumen!
Fans fragen Frösi
Hermann fragt:
Ich habe gesehen, dass Eure Helme - oder nur einige - keinen Schutz von kleinen Gittern gegen Insekten haben. Beim Kauf von Helmen wird eigentlich geraten, auf diesen Schutz zu achten. Warum z.B. haben scheinbar Eure Helme solch einen Schutz nicht?
Frösi: Ich weiß nicht,
aber ich hatte noch nie Probleme mit
Insekten, ich merke
da nix von. Heute
war so ein Tag, wo man den Helm am liebsten
ganz wegpfeffern würde. Die sind gut belüftet
und so, aber an so einem Tag fahre
ich nur mit, weil es Pflicht ist.
In der Abfahrt ja, aber berghoch
müsste nicht sein.
Markus aus Schopfheim fragt:
Wer plant eigentlich, an welchen Rennen du teil nimmst? Macht das komplett die Teamleitung,
oder hast du da auch ein Mitspracherecht?
Und wie sieht denn dein Rennprogramm für den Rest der Saison aus?
Frösi: Man hat bei uns
schon recht viel Mitspracherecht.
Natürlich kannst Du nicht einfach sagen,
ich fahre die Tour de France. Aber sonst schon.
Mein Programm? Nach
dem Giro mache ich erst mal ruhiger.
Dann kommt als nächstes Rennen die Ster Elektrotoer in Holland
Mitte Juni.
FALCADE, 26.05.06.
Wenn ich mir heute noch mal im Nachhinein
das Profil anschaue und
überlege, über was
für Pässe wir gefahren sind,
muss ich sagen,
dass ich das ganz gut überstanden habe.
Das war aber eine Etappe,
die keiner von uns
im grupetto wirklich brauchte.
5300 Höhenmeter.
Heute früh begann das Rennen
erst mal gemütlich.
Man merkte,
dass alle mächtig Respekt
vor der Etappe hatten.
Nach ein
paar Kilometern
hat Basso Blumen niedergelegt für
den verstorbenen Zanette,
der vor drei
Jahren in Pordenone ganz plötzlich
zu Tode kam.
Die ersten 60km waren
total ruhig. Es gab auch
mal Zeit für ein paar Spässchen.
Einer musste mal für große Jungs,
ist ein Stück rausgefahren
und hat sich in ein Feld verkrümelt.
Einer der Jungs packt sich
sein Rad und schiebt
es 300 Meter weiter.
Der arme Kerl kam aus dem Feld hinterhergerannt.
Wir haben gelacht...
Dass es langsam begann, war ganz
nach meinem Geschmack.
Die Karenzzeit - heute
15 Prozent - wird immer von der Siegerzeit
aus berechnet, und je
langsamer die ist, desto
größer ist das Limit.
Die erste Sprintwertung
hat sich Bettini geschnappt und
wie das oft so ist, haben
den Sprint einige gleich verlängert.
Die Gruppe bildete sich.
Ab da wurde es schnell.
Ich habe aber gleich gemerkt,
dass ich heute gute Beine habe.
Das ist doch ein bischen beruhigend
bei so einer Etappe.
Ein kleines bisschen Schwäche
kann dir hier sonst das Genick brechen.
Mein Teamkollege Volker Ordowski hatte es
heute mit dem Magen.
Am Berg sehe ich ihn erst,
kurze Zeit später
fährt unser Begleitfahrzeug
an mir vorbei. Oben drauf das
Rad mit seiner Startnummer.
Mist, denke ich, schade
für ihn. So kurz vor Mailand!
Am ersten Berg musste ich erst
kurz vor der Kuppe reißen lassen,
in der Abfahrt geich wieder ins Feld rein.
Der nächste Berg unten gleich richtig steil.
Aber ganz schön zu fahren.
Landschaftlich auch sehr schön.
Einen kleinen Blick konnte
ich heute riskieren.
Wir waren eine große Gruppe,
45 Mann, Schumi und Krauss von uns
dabei, Pollack. Angenehme Gruppe.
Wir fuhren die Berge
zügig und in der Abfahrt wie
immer am Limit.
An den letzten beiden Anstiegen
viele, viele Zuschauer, tolle
Atmosphäre.
Und auf der Straße war
bestimmt 150 Mal "Frösi" aufgemalt...
Da haben sich aber einige richtig
Arbeit gemacht. Auch
oben dann soviele "Frösi"-Rufe.
Das tut wirklich gut.
Das macht Mut, das motiviert,
wenn man mitkriegt,
dass man nicht nur so dahinkullert,
sondern dass einige auch ein
bisschen Anteil daran nehmen.
An die Straßenmaler: Wenn Ihr das lest,
meldet Euch doch mal, ich würde mich gerne
bedanken! Im Rennen geht
das so schlecht.
Wenn ich die Anfeuerungen
höre, würde ich am liebsten anhalten und
mit Euch ein Bier trinken.
Aber das geht ja nicht wirklich...
In den Schlussanstieg ist unser grupetto 15 Minuten
nach der Favoritengruppe
reingefahren. 18km
vor Schluss bekommen wir mit,
dass die Spitze
auch erst bei der 10km-Marke ist.
Alles im Grünen Bereich,
auch wenn einige meinten,
sie müssten schnell fahren.
Irgendwann rufen sie
Pollack ständig "Ullrich, Ullrich"
entgegen. Ich denke, was ist denn da los,
verwechseln sie Olaf jetzt mit Ulle?
Erst im Nachhinein habe
ich kapiert, dass die sagen wollten,
dass Ulle ausgestiegen ist.
Ins Ziel kamen wir mit 41 Minuten,
reichlich Luft zum Limit.
Nach der Ziellinie wieder Chaos,
alle Mann wieder runter.
Unser Hotel war an der 10km-Marke.
Als ich da vorbeifuhr und
unsere Betreuer winken sehe,
denke ich: Mann, was fahre
ich jetzt wie doof da hoch und
dann wieder runter. Sie könnten
mir doch eigentlich auch so die Zeit der Gruppe aufschreiben
und gut ist. Aber so funktioniert
das ja leider nicht.
Ins Hotel, Dusche, Massage,
Essen. Abendessen ist aber übertrieben.
Das ist jetzt nur noch technische
Nahrungsaufnahme. Hunger habe
ich keinen mehr. Man schaufelt die Nudeln rein,
weil man weiß, dass man essen muss.
Gegen Ende einer großen Rundfahrt
verschwimmt alles. Das geht
allen so, wir haben heute
in der Gruppe drüber gewitzelt.
Essen, schlafen, Radfahren.
Tagein, tagaus.
Morgen kommt wieder
so ein Tag, an dem es ums Überleben
geht. Aber so ganz langsam
erlaube ich mir einen Gedanken an Mailand.
Das rückt doch jetzt ziemlich nahe.
Die vorletzte Etappe - müssten
wir auch noch hinkriegen.
Die richtige Gruppe, die groß
genug ist - aber ich
will da nichts beschreien.
Eine Schwäche zur
falschen Zeit und man ist Weg vom Fenster.
Das kann ganz schnell gehen.
Fans fragen Frösi
Falk fragt:
Wie ist das bei einer Sehschwäche, gibts da Brillen mit Sehstärke oder tragt ihr alle Kontaktlinsen ?
Frösi: Es gibt schon einige im Peloton mit Sehschwäche.
Volker bei uns, oder zum Beispiel Bobby Julich.
Einige fahren mit Brillen in ihrer Sehstärke,
andere mit Linsen, oder
manche machen auch beides, je nachdem.
Ich kriege das schon mal mit,
wenn beim Volker die Linsen verrutschen.
Aber im allgemeinen gibt es da keine Probleme.
Patrick schreibt:
Ich bin 17 Jahre alt und habe gerade mit Rad fahren im Verein begonnen (vorher Fussball)
daher meine Frage: In welchem Alter hast du mit dem Radsport begonnen und was hat dich dazu bewegt?
Frösi: Mit 12 Jahren. Ich habe erst Handball gespielt,
dann aber nicht mehr so Lust darauf.
Ich fuhr mit meinem Vater
viel Rad, da dachte ich, ich versuche
es richtig mit Radsport. Auch, weil das ein bisschen in der Familie
liegt. Mein Onkel Egon Adler
fuhr in den 60er Jahren u.a. die Friedensfahrt
und war Olympiateilnehmer.
Da dachte ich, ich könnte
vielleicht die Familientradition
fortsetzen. Neben der Straße fuhr
ich auch Cross, was eine gute Schulung ist
im Nachwuchsbereich. Als Schüler war
ich übrigens 1990 DDR-Meister im Cross.
Und da es die DDR dann nicht mehr gab,
bin ich also amtierender DDR-Meister...!
REVINE LAGO, 25.05.06.
"Übergangsetappe" war das heute.
Au weiha, dafür waren da aber
ganz schöne Kanten drin.
Ich habe gelitten, aber da
war ich nicht der einzige.
Nach dem Rennen war ich aber wieder
schnell okay, so ganz schlimm
war es also auch nicht, für morgen
müssen ja auch noch ein paar Körner da sein.
Mit einem Sieg im Team ist
die Stimmung sowieso gut!
Super, wie unser Schumi das heute
wieder hingekriegt hat.
Die ersten 30km nach dem Start gings
nur hoch, runter.
Quick Step signalisierte,
dass sie bis zur Sprintwertung für Bettini
fahren, der sich mit Basso ums Cyclamin-Trikot kloppt.
Das hat im Feld für etwas Ruhe gesorgt.
Ich hatte schon die Befürchtung,
dass wir in den Berg
reinfahren und noch keine Gruppe
ist weg. Dann spielen sie
da am Berg Katz und Maus und
das Feld fliegt auseinander.
Am Berg ging die Gruppe weg.
Ulle wollte unbedingt in
der Gruppe mit, der hat ständig attackiert.
An dem richtigen Berg
sind wir voll in Reihe reingeblasen.
Ich war schon
am Klemmen, da attackieren
die vorne weiter. Da geht einem
das Rollo runter.
Wo wollen die denn hin?
Ich habe aber gebissen,
war bis kurz vor
Schluss vorne dabei.
Als ich reißen lasse,
kommt von hinten
Di Luca. Na, wenn
der noch hinter mir war,
kann ich ja nicht
so schlecht gewesen sein.
In der Abfahrt kamen wir
wieder ran.
Dann gleich der nächste Berg.
12km, 700 Höhenmeter (Übergangsetappe...!)
Ließ sich aber
auch ganz gut fahren.
Ich hab lange gegengehalten.
In den Serpentinen
habe ich immer
einen Blick nach hinten geworfen und
gesehen, dass ein 40 Mann Feld
hinter mir kommt.
Als ich schließlich reißen lasse,
ist auf einmal Bettini
neben mir. Der hat vielleicht
geschwitzt. Der hatte keinen guten Tag.
Mit Bettini bin ich über die Bergwertung.
30 Sekunden hinter dem Feld.
In der Abfahrt wieder dran.
Unterwegs sehe ich Gadret am Straßenrand liegen.
Ich sah aus dem Augenwinkel,
dass es dem nicht gut ging. Armer Kerl,
in den Bergen fuhr er so super, dann
so ein dummer Sturz.
"In der Abfahrt wieder dran"
Frösi bei der Etappe am Donnerstag
Foto: Roth
Dann war erstmal
ein bisschen Ruhe. Allgemeine Pinkelpause
war angesagt.
Über Funk sagt unser
Sportlicher Leiter Christian Wegmann:
"Jetzt kommt ein Berg
mit 800 Höhenmetern, 10 Prozent im Schnitt."
Was? (Übergangsetappe...!?)
Unten die erste Kehre
hatte es gleich in sich.
16 Prozent und ganz eng.
Da mussten alle absteigen,
weil es Stau gab. So
war das dann in jeder dritten Kehre
bis oben. Ein ekliges Ding.
Nahm gar kein Ende.
Wenigstens sind sie da human hochgefahren
und ich hatte kein Problem, im Feld rüberzukommen.
Vorne ist plötzlich Phonak
eingestiegen und hat Tempo gemacht.
Ich wusste erst gar
nicht, was das soll. Aber die hatten ihre Führung in der Teamwertung im Blick,
weil Wegelius von Liquigas vorne
Zeit gutmachen würde.
Nach dem Berg
hatte keiner mehr Getränke und
hinten in den Autos
war Rush hour.
Wir haben bald 30km gebraucht, bis alle versorgt waren.
Als wir so Richtung Ziel rollen,
denke ich schon, ob wir im Feld um
Platz 6 sprinten.
Ein Franzose neben uns stöhnt plötzlich auf: "Merde!"
Ich schaue hoch, da sehe ich was
er meint: Eine Menschenmasse
baut sich im Hang über uns auf.
Der 2km-Hügel im Profil ist
auch mal so eben 18 Prozent
steil. Und danach nochmal son Ding,
in den Phonak reingeblasen ist.
Wir habens dann auf
den letzten Kilometern sein lassen und
ich fuhr mit Volker in
einer kleinen Gruppe rein.
Wir haben uns ganz auf
den Teamfunk konzentriert
und mit Schumi mitgefiebert. Ich höre Christian Wegmann,
wie er Schumi anfeuert:
"Hopp!", "Zieh!", "Jetzt von vorne!",
"Komm, ja!", "Jawoll!"
Da haben wir auch gejubelt.
Genau an der 5km-Marke.
Im Ziel wie immer Chaos.
Schumi ist schon lange
weg, Siegerehrung,
Dopingkontrolle, Pressekonferenz.
Nachher im Hotel habe
ich ihm erst gratulieren können.
Gegen 18:30 Uhr war
ich im Hotel. Das
ist ganz gut, hat aber
kein Restaurant.
Also mussten wir mit
den Autos nach der Massage
nochmal raus. Das
Essen zog sich hin,
erst nach 22 Uhr
wieder im Zimmer. Die Italiener
machen aus dem Essen immer
ein Fest,
ich sehe das in der dritten Girowoche
nur als reine Nahrungsaufnahme und
will so schnell wie möglich
ins Bett. Morgen
wieder ein Tag,
an dem es nur ums Überleben geht.
Das kann ganz schnell gehen.
Eine kleine Schwäche und man
ist weg vom Fenster.
Drückt uns die Daumen,
wir wollen nach Mailand!
Fans fragen Frösi
Richard fragt:
Was hältst du eigentlich von der neuen elektronischen Dura Ace Schaltung, schon mal gefahren?
Frösi: Ich persönlich nicht,
aber drei von unserem Team haben
die für Shimano ein paar Wochen unter
Rennbedingungen getestet. Das war sehr
vielversprechend, wie ich gehört
habe. Keine Probleme, auch
nicht im Regen.
Sascha aus Hamburg fragt:
Ich habe schon mehrfach beobachtet, wie sich gerade die Fahrer des Grupetto bei regnerischen Zieleinlauf die
Regenjacke hinten hochziehen, so dass die Startnummer zu sehen ist? Warum macht ihr das noch? Ihr
fahrt doch sicherlich mit Transpondern am Rad oder nicht???
Frösi: Streng nach Vorschrift
muss die Startnummer frei sein, auch
wenn wir Transponder haben.
Ich habe schon bei Rundfahrten erlebt,
dass sie Strafen verteilt haben,
wenn das nicht eingehalten wurde.
Ein anderer (wirklich Zufall!) Sascha aus Hamburg fragt:
Kann es sein, dass ihr Profis irgendwie "kälteunempfindlicher" seid als Hobbyradler. Bei den Übertragungen (insbesondere bei den Frühjahrsklassikern) fällt mir immer wieder auf, wie wenig Kleidung ihr tragt. Würde ich bei vergleichbarem Wetter eine Ausfahrt machen, würde ich mich (und ich denke die meisten Hobbyradler auch) deutlich wärmer kleiden. Habt ihr irgendwelche Tricks (Öle etc. oder Weltraum-Unterwäsche) oder täuscht mich mein Eindruck?
Frösi: Ich glaube nicht,
dass wir kälteunempfindlicher sind.
Man sieht im Fernsehen ja nicht,
wenn wir frieren. Und wenn man friert
hilft das ja auch nichts, man kann
ja deswegen nicht aussteigen.
Was die Kleidung angeht: Ja, da
versuchen wir schon alles, was
möglich ist. In den Begleitfahrzeugen haben
wir ja für alle Gelegenheiten
Kleidung dabei,
was ein Hobbyfahrer natürlich nicht
so hat. Aber wie gesagt: Im Prinzip
frieren wir genauso!
SILLIAN, 24.05.06.
Ich schaue heute morgen aus
dem Fenster: Dauerregen.
Das kann was geben bei der Etappe
mit diesem Monsterberg am Schluss, denken wir alle.
Dann erst mal die Klamotten zusammenpacken
für nach der Etappe, weil
wir mit der Seilbahn hätten wieder
runterfahren müssen,
nicht wie sonst gleich in den Bus.
Am Start gab es große
Diskussionen. Jens Voigt
in der ersten Reihe dabei.
Die Fahne geht hoch zum
Start - keiner rührt sich.
Voigte kommt
nach hinten.
Was denn los, frage ich ihn.
Jede Mannschaften soll einen Sprecher vorschicken,
es gehe um die Strecke. Am Würzjoch
sind 0 Grad und
Schneeregen.
"Wenn wir da drüberfahren, holen wir
uns ja den Tod", sagt er.
Ich habe natürlich
überhaupt nichts dagegen,
wenn sie einen Berg streichen.
Irgendwie hat man sich geeinigt,
dass wir doch losfahren.
Es stand aber noch nicht fest,
ob wie den ersten Berg nun fahren oder nicht.
Ich hatte erst mal hinten
genug mit mir zu tun,
weil mir die Kette dauernd abgesprungen ist
und ich das richten lassen musste.
Dann über Funk
die Nachricht: Würzjoch
wird nicht gefahren.
Simoni hat das offenbar gar nicht geschmeckt,
der hätte gern beide Berge
drin gehabt.
Saunier ist vorne zeitig eingestiegen und
hat ohne erkennbaren Grund
Tempo gemacht,
nachdem Cioni und der von Ag2r rausfuhren.
Nach 25km begann es zu regnen
und es wurde immer kälter.
Am Start gings noch, bei 700 Höhenmetern
waren es nur noch 9 Grad.
Regenjacke holen,
Handschuhe. Nee, ist
zu warm, Weste holen.
Nee, zu kalt. Wieder die Jacke.
Ich glaube, wir waren heute mehr
hinten bei den Autos, als im Feld.
Über Funk kommt die nächste
gute Nachricht: Die letzten 5km werden
gestrichen. Der Weg ist unpassierbar.
In den Berg am Schluss ging
ein ganz großes grupetto
rein. Jan Ullrich mit dabei.
Ich fuhr ziemlich lange
mit ihm zusammen heute.
Wir sind jetzt nicht die dicken Kumpels oder so,
aber ich denke, ich habe
ein ganz gutes Verhältnis zu ihm.
Er ist ganz natürlich und locker,
ganz und gar nicht so, dass
er den Star markieren würde.
Als ich so neben Ulle fuhr,
bekam ich mit,
wie fast jeder Zuschauer
ihm einen Spruch reindrückt.
"Ulle, super", "Ulle hopp!",
"Ulle, du gewinnst die Tour!"
Oder halt auch: "Ulle, nun mach
mal schneller."
Das sind gut gemeinte Aufmunterungen,
aber mir ging das nach einem Kilometer
auf den Keks, weil
es einfach zuviel wurde. "Kannste mal sehen,
was ich mir den ganzen Tag
anhören muss", lachte Ulle.
Nach dem Rennen das übliche Chaos.
Unser Hotel in Österreich ist
sehr schön. Herrliches Buffet.
Uns gehts gut und wir
schmieden Pläne für
morgen. So eine mittelschwere Etappe,
relativ schweres Finale.
Auf jeden Fall was für Gruppen.
Kraussi hat heute
schon mal seine Form getestet.
Der hat was vor. Mal schauen, wie
das Rennen läuft.
Bis morgen.
Fans fragen Frösi
Vicky fragt:
Merkt ihr das eigentlich wenn der "Teufel" Didi Senft an der Straßenseite steht
und wenn ja, motiviert euch seine Anfeuerung?
Frösi: Klar, das kriegt man auf jeden Fall mit
und man freut sich. Wir sehen ihn
halt nur jeden Tag, da nutzt
sich der Effekt mit der Zeit ab.
Neuerdings hat unser Sponsor
Spezialized ein Engelchen am
Straßenrand stehen. Ein Mädel mit Flügeln.
Hübscher anzusehen ist
das schon...
Tami fragt: Wie lange trainierst du in einer Woche, in Stunden?
Und was für einen Schnitt hast du?
Frösi: Das kommt ganz drauf an,
in welcher Phase man gerade ist, ob
man gerade vom Rennen kommt oder
wann das nächste auf dem Programm steht.
Normalerweise fährt man 5, 6 Stunden pro Tag.
Nach dem Schnitt schaut man nicht,
sondern nach dem Trainingsplan.
Kommt ganz drauf an, je nachdem, ob intensives Training angesagt ist
oder lockeres.
Christian aus Mainz fragt:
Ist in den angereichten Trinkflaschen eigentlich italienisches Leitungswasser oder stilles Mineralwasser (Gerolsteiner? :-))
Oder haben da auch einige einen "Zaubertrank" mit Mineralien/Kohlenhydraten wie die meisten Hobbyfahrer? Sonst gibts wohl nur noch mal Cola und Gels neben den Silberlingen?
Frösi: Wir trinken Gerolsteiner, ist doch klar! :)
Bei den Trinkflaschen gibt
es drei Versionen: Wasser, Mineraliengetränk und
Kohlenhydratgetränk. Cola und Energiegels gibts auch nebenbei.
CAVALESE, 23.05.06.
Ein anstrengender Tag, aber
den Zahn gezogen
hat mir die Etappe nicht.
Heute gab es endlich mal wieder
einen echten Giro-Start.
Die erste Stunde ganz piano.
Alle hatten Respekt
vor dem Schlussanstieg.
Simoni hat ja
groß angekündigt,
dass er was vorhat und
alle wussten,
dass es am Ende ganz schwer wird.
Also erst mal ganz easy
so dahingepillert.
Nach 30km oder so fuhr
auf einmal Matthew
White von Discovery
los wie ein Verrückter.
Wir denken, was ist
denn mit dem los?
Wieso fährt der jetzt eine Attacke?
Ne, schau mal, der
hat ja Klopapier
dabei, ruft ein Kollege.
Der musste mal für große Jungs und fuhr
dafür ein paar Minuten vor.
Gibts auch mal. Heute
ging das auch recht gemütlich
er kam ohne große Anstrengungen
wieder ins Feld.
Nachdem der von Panaria rausfuhr -
diesmal war es eine wirkliche Flucht -
hat CSC im Feld kontrolliert.
Aber regolare.
Die haben nicht zu sehr aufs Tempo gedrückt.
Am ersten Berg gings mir
trotzdem nicht so gut,
ich hing da ziemlich in den Seilen.
Am zweiten Berg gings
dafür wesentlich besser.
Ich kam ohne Probleme im
Feld da mit rüber.
Vor dem Schlussanstieg
wurde es schnell.
Mit 60 sind sie durch die
Ebene. Kurz vor dem Schlussanstieg
kam noch eine kleine, 2 oder 3km lange Abfahrt.
Mit 90km/h in den Tunnel
rein. Unten dann gleich rein in
den Berg.
Nach ein paar Tritten bin ich ausgeschert.
50 Mann hinten, ein grupetto
de luxe. Alle haben Kronplatz
im Hinterkopf, das wird
schwer genug, also heute
so kräftesparend wie möglich.
Ich fuhr ziemlich vorne im
grupetto. Es war relativ
lässig, auch wenn man
sich nicht vorstellen darf,
dass es nicht anstrengend wäre.
Am Ende haben wir
über Funk verfolgen können,
was vorne abgeht. Unser
Sportdirektor
Christian Henn war hinten und
hat für uns kommentiert.
Julich hat uns erzählt,
was er über seinen Teamfunk mitbekam.
Wahnsinn, wie Basso
da alle in den Boden fährt.
Wir haben da richtig mitgefiebert,
das sagt eigentlich schon alles:
Wenn Du am Klemmen bist,
kümmert es Dich nicht, was
da vorne passiert.
Nach der Etappe wieder totales Chaos.
Wir müssen den Berg wieder runter.
Die Autos standen bei der 5km-Marke.
Nichts ging,
alles voll mit
Zuschauern. Ich bin richtig
wütend gewesen und
habe mich da durchgeschrien.
Da stehen einige
mitten auf der Straße gemütlich rum,
dabei wissen sie doch, dass da noch
das halbe Feld wieder runterkommt.
Im Bus umziehen
und rein in die Autos.
Krauss und ich erwischten
das letzte Auto, die anderen schon
weg. Aber heute waren die Letzten die Ersten.
An einer Abzweigung war
die Umleitung wegen des Rennens
gerade abgebaut worden, kurz
bevor wir da hinkamen.
Die anderen fuhren einen Umweg
und standen ewig im Stau.
Wir kamen um 19 Uhr ins Hotel.
Wo sind die anderen?
Wir waren die ersten. Hieke kam
als letzter gegen 21 Uhr.
Nach so einer Etappe muss
das auch nicht sein, das könnten die Veranstalter
besser organisieren.
Bei der Tour werden die Teams von der Polizei
manchmal durchgewinkt wie der
Papst auf Deutschlandbesuch. Heute
hat keiner auch nur einen Finger gerührt.
Die letzten von sind
jetzt um 22 Uhr
noch beim Essen und hatten noch keine Massage.
Für alle unsere Betreuer
wird es eine lange Nacht.
Die Mechaniker müssen
die Räder noch umbauen.
Wir fahren den Kronplatz
morgen mit 34/50 und 27 hinten.
Wahnsinn...
Volker sah vorhin im Fernsehen
ein paar Bilder von dem
Schlussanstieg,
wie sie da im Frühjahr nur
mit Raupen hochkamen.
Das wird lustig.
Für mich gehts
morgen nur ums Überleben.
Ein grupetto gibts
morgen nicht. Ich denke,
da kämpft jeder für sich.
Das ist eine so kurze Etappe:
133km. 15 Prozent
Karenzzeit bedeutet
bei 4 Stunden etwa 36 Minuten.
Das bei
dem Berg. Halleluja...
Fans fragen Frösi
Rainer fragt:
Trainiert ein Sprinter Steigungen oder ergibt sich das so nebenbei in der Saisonvorbereitung? Frösi: Nicht speziell,
und zuhause in Markkleeberg gibts
keine so hohen Berge. Aber
im Training fahre ich
immer auch Berge, so 3 bis 4km lang,
11-12 Prozent.
Peter fragt:
Bei den Übertragungen sehe ich häufig den Materialwagen von MAVIC. Mir ist bekannt, dass
dort neutrale Laufräder gereicht werden bei einer evtl Panne, wenn der eigene Materialwagen nicht in der Nähe ist.
Was mir aber auffällt, ist, dass auf den Wagen auch komplette Räder stehen.
Heißt das nun, das ihr als Fahrer bei Defekt auch ein komplettes Rad erhalten würdet? Das
wiederum führt zu der weiteren Frage, wie es denn dann mit den Pedalen gehandhabt wird, denn ihr
fahrt doch sicherlich alle unterschiedliche Systeme ?
Frösi: Des Rätsels Lösung: Die Räder
des neutralen Wagens haben altmodische
Hakenpedale, die man
mit jedem Schuh fahren kann.
Aber die Räder sind wirklich nur für
den Notfall. Ich habe noch nie
erlebt, dass einer eines der Räder
nehmen muss. Eines der beiden Begleitfahrzeuge des eigenen Teams
ist eigentlich immer in der Nähe.
15.Etappe
"...dann noch bisschen mit Lampre angelegt"
AZZANO MELLA, 22.05.06.
Ein recht langweiliger Tag -
bis auf den Schluss, der war
ziemlich aufregend...
Ich war sehr nervös vor der Etappe,
ich konnte die Sprintankunft gar
nicht erwarten.
T-Mobile, Quick Step und
Milram haben vor dem Rennen verlauten
lassen, dass sie nur
eine kleine Gruppe wegfahren lassen würden.
So hieß es es dann 170km lang
warten auf den Sprint.
Es war ein recht blöder Kurs,
nur rechts, links.
Dann endlich das Finale.
Die letzten 20km sind meine Mannschaftskollegen
super für mich gefahren.
Erst Russ, dann Hieke,
Schumacher. Sven Krauss
hatte ich vor dem Start schon gesagt,
dass er sich vor den
letzten 1000 Metern nicht blicken lassen soll.
Das klappte alles einwandfrei.
Krauss hat sich einen Tick zu früh
leer gefahren, aber das soll
überhaupt kein Vorwurf sein,
das passiert halt ja alles
superschnell und man
muss das was-weiß-ich-wie-oft
zusammen üben, bis es
perfekt ist.
Ich bin dann angetreten.
Alles oder nichts.
Ich gehe lieber
mit wehenden Fahnen
unter, als es nicht versucht zu haben und
am Ende so als Sechster reinzurollen.
Als ich das 300-Meter-Schild sehe,
denke ich nur, Oh, oh, das wird
noch lang.
Im Augenwinkel sehe ich,
wie sich das erste Rad an mir vorbeischiebt.
Scheiße...
Dann noch einer. Ich muss mich zusammenreißen voll weiter durchzugehen.
Manchmal nehme ich dann aus Enttäuschung die Beine
hoch und verschenke noch
den ein oder anderen Platz.
Sprinter sind aber alle auf
Sieg gepolt.
69,9km/h war der
Sprint schnell. Im nachhinein
hätte ich vielleicht 54 ketten sollen statt 53x11.
Aber ich dachte, nach den Bergen
ist die Kraft vielleicht nicht so da
und bin auf Nummer sicher gegangen.
Naja, nachher ist man immer schlauer.
Aber ich bin schon irgendwo zufrieden
mit dem dritten Platz.
Gegenüber der ersten Woche
war doch ein Fortschritt
zu erkennen. Ich habe mich immerhin mal wieder gezeigt.
Nach dem Ziel habe ich mich noch
ein bisschen mit Fornaciari
von Lampre angelegt.
Wir standen Nase an Nase und haben uns angebrüllt.
Er in italienisch, ich auf Deutsch.
Da gingen ein paar Jungs dazwischen,
sonst wäre das eskaliert.
Ich habe mich so geärgert über die Cunego-Truppe.
Die gondeln da in der
Sprintanfahrt vorne rum
und kutschieren Cunego da rein,
als sei der hier der Patron mit
20 Minuten Vorsprung.
Was will der denn da vorne auf
den letzten Kilometer?
Basso hält sich auch vorne auf, aber
der hat ein Auge dafür, sich
aus dem Sprintergetümmel rauszuhalten.
Vielleicht sollte ich den
Lampres bei der Bergetappe
morgen mal vor den Rädern rumturnen,
dass sie sehen, wie das ist...
Morgen eine mittelschwere Etappe,
bei der es für mich nur
darum geht, die Karenzzeit
zu schaffen. Vielleicht
kann ich dem Team während der Etappe
am Anfang noch ein bisschen helfen.
Mal schauen, wer was vorhat.
Bei mir im Hinterkopf
spukt jetzt der Kronplatz-Anstieg
am Mittwoch rum. Das bereitet
mir doch Sorgen.
Das ist eine kurze Etappe,
d.h. wenig Zeitlimit und
wenn die Bergflöhe
da vorne hochhüpfen,
wird es für uns dicke Sprinter
ganz schön eng. Einige
haben heute schon
halb im Spaß rumgeflachst,
dass wir ja eh alle am Mittwoch nach Hause fahren.
Habe ich aber gar keine Lust drauf,
ich will nach Mailand!
Fans fragen Frösi
Sven und Marcel aus der Schweiz
meinen:
Wir finden die ewigen Gruppetto-Berichte langsam ätzend, bring mal
was von der Spitze des Rennens, dort wo bei
den Bergetappen das wirkliche Leben spielt!
Frösi: Ja, das würde ich
auch bestimmt machen, wenn ich
letztes Jahr mit zwei Schweizer
Freunden nicht soviel Cappuccino und Eis
konsumiert hätte... ;-)
Rainer aus Freiburg:
Während sich die Hobbyfahrer in richtig edle und teure Funktionsbekleidung hüllen, scheint ihr ja nur
diese 30 euro Regenjacken und 20 Euro Überschuhe zu fahren.
Sieht das nur so aus oder habt ihr was doch was "besseres" zum anziehen.
Frösi: Die Regenjacken sind
aus leichtem Plastik, keine Funktionsfaser.
Aber die sind am besten.
Aber so billig sind die auch nicht.
Die kosten schon an die 120 Euro.
Dirk fragt:
Welche Kurbellängen fahrst Du?
Frösi: 172,5
Ingo fragt: Was hältst Du eigentlich von der Funkverbindung zwischen
Fahrern und Teamwagen bzw. würde es nicht den Renninstinkt
mehr fordern, wenn man den Funkverkehr wieder abschaffen
würde (falls man das überhaupt kontrollieren könnte).
Frösi: Ich finde, der Funk hilft mehr,
als er schadet. Klar, das Rennen verändert sich schon.
Die Kommunikation wird schneller.
Aber Kommandos aus dem Begleitfahrzeug
gab es früher auch. Von ferngesteuerten
Rennfahrern kann man nicht sprechen.
Da hängt ja vieles vor allem davon ab, wie
ein Sportlicher Leiter seine Mannschaft führt,
egal ob er es nun per Funk macht
oder herkömmlich.
SOMMA LOMBARDO, 21.05.06.
Nach den Qualen der harten Etappe
übernachten wir heute im "Domina Inn",
das sich auch noch in der Via Lazaretto
befindet! Aber trotz des Namens
und der Adresse bin ich wohlauf. Das Hotel ist wirklich angenehm
und die 90km-Fahrt nach dem Ziel
hat sich so gesehen gelohnt.
Gemütliches Mittelklassehotel, gutes
Essen (kein Hühnchen!!!), schönes Zimmer. Da erholt
man sich gleich ein bisschen
besser.
Die Etappe heute -
naja, jetzt nach überstandenem Rennen erscheint
sie mir gar nicht mehr so schlimm,
aber es war schon hart.
Am Start war ich etwas nervös wegen
des 30km-Bergs direkt am Anfang.
Man hört im "Village"
rum, versucht rauszukriegen,
was die anderen vorhaben.
Es begann zunächst ruhig,
wie die meisten vermuteten.
Dann kommt
das Schild: "Bergwertung 29km".
Boah! Natürlich weiß ich auch vorher schon,
dass der Berg da kommt,
aber wenn man das dann so nochmal vor
Augen hat auf dem Schild...
Da geht einem gleich das Rollo runter.
Natürlich begannen sie
dort gleich, Katz und Maus zu spielen.
Wie an einer Schnur hoch.
Ich habe mich relativ gut gehalten.
Es kamen mehr von vorne, als von hinten.
Ich sagte mir,
dass ich unbedingt im Feld
da rüber muss, koste es was es wolle.
Nach einer Weile kommt
Krauss von hinten.
"Da ist eine 30-Mann-Gruppe hinten",
sagt er. Aber ich wollte
noch nicht ganz reißen lassen.
Es fanden sich
dann vier Mann - Cioni, Da Cruz,
Gates und ich - zusammen.
Cioni hat erst ein bisschen geschwächelt,
aber dann ist er da hochgezogen,
dass wir anderen hinten nur noch gezappelt haben.
So kamen wir zur Gruppe vor uns,
Pollack dabei und Hieke
von uns.
Die Autos, die hinter dem Feld
fuhren, noch in Sichtweite.
Alles im Lot.
Ein Schild: "200km ins Ziel".
Danke,
das muntert jetzt enorm auf!
In der Abfahrt sind
wir volles Risiko gefahren.
Mit 100km/h in den dunklen
Tunnel geschossen.
Kam mir vor wie im Computerspiel
"Fighter Pilot 3". Bin zu faul,
die Sonnenbrille abzusetzen,
da ist es noch etwas dunkler.
Wenn da irgendwas liegt, ein Schlagloch
hinter einer Kurve,
dann raschelt es.
Da ist kein Spielraum mehr,
man fährt voll am Limit.
So kamen wir aber dann zügig
wieder ins Feld zurück.
Mein Freund Jens Voigt
war gerade hinten,
Getränke holen,
als ich zurückkam.
Natürlich drückt er
mir wieder einen Spruch ins Ohr.
"Ja, ja, Frösi, für mich
ist Radsport der schönste Sport
der Welt und für Dich ist es der härteste
Sport der Welt", grinst
er. "Voigte, hör auf mit Deinen Sprüchen",
lache ich.
Hinter der Spitzengruppe,
die inzwischen weggefahren war, kontrollierte
CSC das Tempo.
Gemütlich war das auch nicht.
In die zweite Bergwertung
sind sie voll reingeblasen.
Unten riefen gleich zehn Mann "grupetto!".
Ich habe erst noch ein bisschen gegengehalten.
Aber als es mmer steiler wurde,
dachte ich doch,
dass es Zeit wird fürs grupetto.
Die Karenzzeit würde kein Problem mehr
und hinten fuhr ein schönes 20 Mann-Grupetto.
Die 22km des Passes
haben sich dann endlos hingezogen.
Waren auch nicht so viele Zuschauer da.
Beim Tempo
muss man in der Gruppe
einen Kompromiss finden.
Henk Vogels meint, wir müssten drauftreten.
Guidi dagegen: "Piano, piano".
So ein Mittelding wirds dann.
Wir sehen in manchen
Kehren die Spitze vor uns,
da kann man gut abschätzen,
wie weit man hinten liegt und
ob es gefährlich wird mit der Zeit.
Von der Passhöhe aus
dann wieder volle Pulle
runter.
Ich hatte bis zu 110km/h
drauf... So rast
man dann in die dunklen Gallerien rein.
Da darf man nicht drüber nachdenken,
was da passieren könnte.
16km vor dem Ziel kommen
wir durch ein Dorf,
in dem sie eine Videoleinwand aufgebaut
haben. Auf der sehe ich live die Sprintankunft.
Die letzten Kilometer
brauchen wir also nicht
mehr drauftreten, mit
der Karenzzeit keine Probleme.
Aber unsere Gruppe ist trotzdem voll
durchgezogen, eigentlich
unnötig.
Wir kommen mit 21 Minuten Rückstand rein.
Limit lag bei 35 Minuten.
Morgen eine Flachetappe.
Am liebsten wäre mir natürlich ein
Sprint. Ich fühle mich gut,
mir ging es die letzten Tage
eher immer besser, als
schlechter und
einige Sprinter wie McEwen oder Vaitkus
sind nicht mehr da. Favorit
bei einem Sprint ist für mich
Olaf Pollack. Ich denke,
T-Mobile wird auf Massensprint fahren,
aber ob sie das alleine hinkriegen?
Es gibt eigentlich zuviele,
die in einer Gruppe was versuchen wollen.
Naja, schauen wir mal.
Wir gesagt, ich fühle mich jedenfalls gewappnet.
Wie es dann mit der Spritzigkeit
im Sprint letztendlich aussieht,
kann ich Euch erst morgen sagen.
Fans fragen Frösi
Matthias fragt: Mir gehts als kleinem Hobbyfahrer manchmal nach harten Trainingswochen so dass ich dass Rad in die Ecke schmeisse und überhaupt keinen Bock mehr habe und erst mal 3-4 Tage nur auf dem Sofa liege und mehr oder weniger ungesunde Sachen esse.
Kennst Du als Radprofi solche Tage auch?
Frösi: Na, klar. Nach drei Wochen Giro
hat man auch erst mal genug.
Zwei Tage macht man da locker,
dann muss man aber wieder aufs Rad,
ob man will oder nicht. Sonst fährt
der Körper gleich runter und man
kommt ganz schwer wieder ins Rollen.
Philipp aus Stuttgart fragt:
Wenn du im Training 5,6 Stunden fährst, wie machst du das mit dem Trinken? Hast
du immer jemand, der hinter dir im Auto fährt und dir neue Getränke und Essen gibt oder reichen dir die
zwei Flaschen am Rad?
Frösi: Wenn die zwei Flaschen nicht reichen,
kann man doch Nachschub an
ner Tankstelle oder einem Kiosk kaufen.
Markus schreibt:
Ich wollte mal wissen ob du auch für den Allerwertesten eine Sitzcreme benutzt und wenn ja
was benutzt man da am besten?
Frösi: Ich nutze
derzeit eine Lotion von unserem Sponsor
Sebamed, mit der ich das Sitzleder eincreme. Keine Sitzcreme, eine ganz
normale Lotion. Damit habe ich sehr
gute Erfahrungen gemacht.
ST. VINCENT, 20.05.06.
Au weiha, war das saukalt
heute. Ich konnte
meine Finger gar nicht mehr bewegen.
Es hatte 4, 5 Grad, aber
das hat sich angefühlt
wie minus 10. Oben am Berg
lag Schnee. Im Zielbereich
drückte mir einer unserer Betreuer
eine Flasche heißen Tee
in die Hand. Ich habe den kurzerhand
zum äußeren Auftauen zweckentfremdet
und mir den Tee über die Beine und
über den Kopf gegossen.
Die Wärme hält nicht lange,
aber für die 200 Meter bis in den
Bus reichte es.
Heute in der Mannschaftsbesprechung
wurde bereits erwartet,
dass eine Gruppe geht.
Ich traf Jens Voigt am Start.
"Wir lassen heute
nicht mehr als 5, 6 Mann weg.
Wir haben selbst was vor", meint
er. Bei KM 0
begann die Attackiererei.
Das große Blatt brauchte
man bis KM 75. Bis
dahin fuhren wir einen Schnitt
von 53,3 km/h...
Links, rechts,
links, recht, ständig
versuchte einer wegzuspringen.
Nach 75km hatten
alle wohl die Schnauze
voll. Bettini setzte
sich vors Feld.
Nimmt demonstrativ die Beine
hoch und gibt das Signal
für allgemeine Pinkelpause.
Basso hielt auch gleich an.
Da war erst mal 15 Minuten Ruhe.
Als die Gruppe wegging dachte
ich zuerst es sei schlecht,
dass mit Bruseghin einer
dabei ist, der nicht weit
von Basso weg ist.
Aber das war gar nicht so schlecht,
denn CSC ist gleich eingestiegen und
hielt das Tempo von Beginn an gleichmäßig
hoch, um den Abstand im Rahmen zu halten.
Im Tal herrschte Gegenwind,
was mir sehr entgegenkam.
So fahre ich dann gemütlich mitten im Feld
im Windschatten,
während die vorne voll fahren müssen,
um 25km/h drauf zu kriegen.
Da spart man enorm Kräfte.
50km vor Schluss begann
es leicht zu regnen.
Da bricht hinter
dem Feld das Chaos aus.
Alle wollen ihre Jacken,
der eine eine Mütze,
der andere eine Weste.
Im Feld hat CSC
dann ein bisschen das Tempo rausgenommen,
weil wir schon ziemlich nahe
an den Ausreißern dran waren und
sie die aber erst im Anstieg holen wollten,
nicht schon vorher.
Als es links in den Berg reinging,
gleich die ersten Rufe "grupetto, grupetto!".
Das dauert dann
ein bisschen, bis die Gruppe ihr
Tempo gefunden hat.
Es gibt immer welche,
die fahren zu schnell.
"Heh, campione, campione!?",
schreien die Italiener,
wenn einer da den Champion
markieren will. Man passt
sich der leichten Theatralik
der Italiener schnell
an. "Piano, piano", schreie
ich auch gleich los, wenn
da einer meint, dem Frösi die Beine
langmachen zu müssen.
Heute standen mal wieder viele
deutsche Fans an der Strecke.
Ich wurde kräftig angefeuert.
Danke!
Das tut sehr gut.
Wenn ich den Tag morgen überlebe,
wollen meine Freunde
von RADSPORT-NEWS.COM und
ich uns eine kleine Aktion einfallen lassen für
den Kronplatz-Anstieg. Lasst
Euch überraschen.
Je höher es den Berg hochging,
desto kälter wurde es.
Ich hatte nur eine Regenjacke an,
dachte das reicht, aber das war ganz schön
frisch. Über die Kuppe,
dann bergrunter Richtung Ziel.
Das grupetto zerriss,
jeder fuhr für sich runter,
der eine leidet mehr
unter der Kälte als der andere.
Mit der Karenzzeit gab
es sowieso kein Problem mehr.
In der Abfahrt sehe
ich am Straßenrand
Rujano stehen. Ich dachte
erst, das kann doch gar
nicht Rujano sein. Der stand da
am Straßenrand,
als ob er beten würde.
Der ist nicht gestürzt oder
so. Der stand einfach da und schaute in den Himmel.
Komischer Vogel.
Im Ziel angekommen und
nach meiner kleinen Tee-Zeremonie
in den Bus. Trockene Klamotten an,
dann nochmal 70km Transfer.
Nicht so schön, aber was will man machen.
Aber die Fahrt hat sich wenigstens gelohnt.
Ein Riesen-Schlosshotel,
vier, fünf Teams übernachten hier.
Herrliches Zimmer, goldene Wasserhähne
im Bad. Wenn das so weitergeht,
steht da morgen abend
einer da mit einem großen Fächer
neben meinem Bett...
Das Essen war auch sehr gut,
nur halt zum hundertsten Mal Nudeln und Hühnchen.
Mir wachsen bald Flügel.
Naja, heute kann ich noch lachen,
mal sehen ob ich das morgen auch noch kann.
Vor der Etappe morgen habe
ich mächtig Respekt.
Gleich nach dem Start ein 30km-Berg,
wieder fast 230km lang.
Da kann viel passieren.
Im grupetto meinte
heute schon der ein oder andere,
das Leiden hätte dann wenigstens bald ein Ende.
Ich sehe das nicht so, ich will unbedingt
nach Mailand. Das Problem ist
morgen aber, dass viele von Beginn
an Gas geben, weil sie Angst haben vor dem Zeitlimit.
Und wenn man dann irgendwann mal hinten
hängt mit ein paar Männeken,
dann wird es sehr schwer.
Drückt mir die Daumen!
Fans fragen Frösi
Patrik fragt:
Wie seht Ihr das im Fahrerfeld eigentlich, wenn ein Sprinterkollege wenns
schwer wird kneift und aussteigt? Ist doch unfair, solange er frisch ist holt er
sich die Etappensiege und dann fährt er nach Hause.
Frösi: Ich persönlich finde
das nicht schlimm. Wenn McEwen etwa aussteigt,
dann ist das genauso professionell,
wie wenn Ullrich sich hier auf
die Tour de France vorbereitet.
McEwen hat sein Soll erfüllt,
jetzt will er die Tour de France
gut fahren. Das ist völlig okay,
ich würde es vermutlich auch so machen.
Andy aus der Schweiz: Hallo Frösi,
ich fahre selber Juniorenrennen und bei mir ist momentan der "Wurm" drin. Wollte mal wissen wie du und ein paar deiner Kollegen als Junioren gefahren seit, nur Siege?
Frösi: Durchhalten! Kopf hoch,
das wird auch wieder besser.
Natürlich hatte
ich als Nachwuchsfahrer auch
solche Zeiten und als Profi heute
genauso. Jeder hat mal eine
Phase, wo es nicht läuft. Und bei vielen
weiß man es nur eben nicht, weil sie
nur über die guten Zeiten sprechen.
Das ist doch wie bei allen Dingen im Leben,
es geht mal hoch, mal runter.
Man muss nur immer wieder aufstehen,
das macht einen stärker.
ARENZANO, 19.05.06.
Das war ein harter Tag.
Irgendwie ein ekliges Rennen, nicht so wie erhofft.
Ausgemalt hatte ich
mir das so:
Gruppe geht, CSC kontrolliert,
wir fahren hinten gemütlich rein.
Bei den ersten beiden Punkten
sollte ich Recht haben, beim
dritten weniger.
Bei der Besprechung vor dem Rennen heute
im Bus meinte
Krauss klipp und klar:
"Wenn eine Gruppe geht,
fahre ich mit."
Bei manch einem nimmt man
sowas dann vielleicht
nicht immer gleich so ernst.
Aber wenn Krauss das sagt,
dann geht der auch.
Der hat ein Auge
dafür, die richtige
Gruppe zu erwischen.
Und so kams dann auch.
Die Gruppe ging sehr früh,
ich dachte,
das würde länger dauern
bis die steht.
Und Krauss natürlich
dabei, was uns hinten beruhigt hat. Sonst hätten
wir nämlich einsteigen müssen und das Loch zufahren.
CSC hat hinter der Gruppe dann gleich locker das Tempo kontrolliert.
Soweit also alles im Soll.
Über Funk dann nach einer Weile
der Hinweis von unserem Sportdirektor
Christian Henn, dass gleich
ein 3km-Berg kommt und
wir vorne reinfahren sollten.
Als es hoch ging,
habe ich gleich gemerkt,
dass mein Motor heiß wird.
Schon vor dem Start im Village
hat mir die
Hitze zu schaffen gemacht. Trocken,
konnte gar nicht richtig atmen. Ging
vielen so heute.
Ab der 1000-Meter-Marke
wurde ich durchgereicht im Feld.
Mit sechs Mann - u.a.
war McEwen dabei - sind
wir hinterher gefahren. In
der Abfahrt haben wir uns wieder
rangekämpft, aber
das hätten wir uns eigentlich sparen können,
denn der nächste Anstieg kam gleich.
Wieder 12 Mann hinten grupetto gebildet.
McEwen hatte aber noch
keine Lust auf grupetto und
fuhr vorne raus. Mir gings da
gar nicht so gut. Mir wars so heiß.
Ich gieße mir normalerweise
selten mal eine Flasche über den Kopf, heute
waren es sechs oder sieben
an diesem Berg. Es formierte
sich irgendwann doch noch ein Grüppchen.
15 Mann etwa.
Mein Freund Henk Vogels war dabei,
der hat wie ich auch ein gutes Näschen,
was die Karenzzeit
angeht. Das Limit lag bei
rund 20 Minuten. Die Spitze
vorne hatte aber schon 7 Minuten
auf das Feld herausgefahren,
wir nochmal 8 Minuten dahinter.
Also schon 15 Minuten weg.
Henk und ich kamen zu dem Schluss,
dass wir jetzt Tempo bolzen mussten.
Den Ernst der Lage mussten wir
einigen erst klar machen.
Am letzten Berg bekamen wir
die Info vom Lotto-Sportdirektor,
dass wir 14 Minuten hinten lagen.
Die alte Faustregel besagt,
dass wir am Berg pro Kilometer
eine Minute auf die Spitze verlieren.
Der Anstieg ist 6km lang -
also mussten wir zügig fahren.
Oben hatten wir 16 Minuten
Rückstand.
Alle Mann in der
Gruppe also die letzten 20km noch einmal voll gekreiselt.
Da bildet das grupetto dann eine Zweckgemeinschaft.
Da arbeiten alle zusammen,
egal was für einer Mannschaft
man angehört.
5km vor Schluss fuhren wir zu einer
Gruppe vor uns auf. Da war
klar, dass wir heute
keine Probleme bekommen.
Im Nachhinein kann man sagen,
dass es auch nicht eng war oder so,
aber das war auch nur
eine mittelschwere Etappe.
So gesehen hat es dann auch gereicht.
Ich persönlich habe mich im ganzen gesehen
doch ganz gut gefühlt heute, nachdem
ich meinen heiß gefahrenen
"Motor" an dem einen Berg überwunden hatte.
Ich konnte am Ende gut mitkreiseln.
Nach dem Ziel ins Hotel -
aha! Heute mal ein richtig schönes
Haus. 4 Sterne, schöne Zimmer, gutes
Essen. Alles super.
Wie das Rennen vorne verlaufen ist,
bekomme ich bei so Etappen wie heute
erst im Hotel mit im Fernsehbericht.
Im Rennen bekommt man eigentlich
nur das mit, was unmittelbar
um einen rum passiert. Den Überblick
hat man nur im Fernsehen.
Dort zeigen sie andererseits
nicht, was im grupetto passiert.
Aber dafür habt Ihr ja mein Tagebuch...!
Fans fragen Frösi
Uli aus Freiburg Wenn Ihr auf eher gemütlichen Etappen mal mit Fahrern aus
anderen Teams plaudert, über was redet Ihr da? Nur über Radsport und die
Hotels oder auch mal über was anderes wie zB die Fussball-WM oder Formel 1?
Frösi: Über Radsport
sprechen wir natürlich viel,
vor allem wenn gerade irgendwas interessantes
anliegt. Oder nach dem Rennen: Klar,
die erste Stunde oder so dreht sich alles
ums Rennen. Aber sonst ist man doch mal froh,
auch über was anderes zu sprechen. Über
Fußball, Fernsehen, Frauen, über
Gott und die Welt. Wenn man
24 Stunden nur über Radsport reden würde,
würde man vermutlich nach 2 Wochen wahnsinnig...
André aus Essen fragt:
Bis zu welchem Platz in der Gesamtwertung wird noch um Zeit gekämpft?
Ist nach den ersten 20 Plätzen Schluss?
Frösi: Das ist von Fahrer
zu Fahrer verschieden. Es gibt
Kollegen, die kämpfen um Platz
40. Andere haben kein Interesse
mehr, wenn die Top 10 nicht zu schaffen ist.
Ich werde oft gefragt, wievielter
ich denn im Gesamtklassement sei.
Dann ist es manchmal schwer,
den Leuten klar zu machen,
dass das Gesamtklassement für einen Sprinter
völlig uninteressant ist. Das kapieren manche nicht.
Georg aus Österreich fragt:
Werden eure Räder eigentlich nach jeder Etappe bis ins Detail zerlegt und durchgecheckt oder wird das auch mal einfach abgestellt und
am nächsten Tag wieder so in Angriff genommen wie am Vorabend abgestellt?
Frösi: Wenn die Mechaniker
wenig Zeit haben, wird sich nur um die Probleme gekümmert
und die Räder gewaschen, geölt. Sonst
wird alles zerlegt und bis ins Feinste
alles neu hergerichtet.
Die Jungs arbeiten oft bs tief in die Nacht.
Morgens hat man jeden Tag ein Rad,
das aussieht, als käme es gerade neu aus dem
Laden. Den Mechanikern auch mal an dieser
Stelle ein Riesenkompliment
für ihre Arbeit. Nicht nur
die Räder sehen jeden Tag
wie neu aus, auch alle Autos und
der Bus. Das ist für alle Teams
so eine Art Ehrenkodex.
Vor den Zuschauern kann man sich
nicht mit einem dreckigen Rad oder
Auto präsentieren. Das muss
alles blitzen.
LIVORNO, 18.05.06.
Vorhin war hier Aufruhr im Hotel.
Scheinbar hat irgendwie ein italienischer
Journalist meine Hotelkritik
weitergetragen und irgendwie wurde
das nun hier zur Polizeiangelegenheit.
Drei Polizisten stehen unten
an der Rezeption und
im Vorbeigehen bekomme ich mit
"Forster... Interview... Giornale..."
Habe mich mal unauffällig aus
dem Staub gemacht.
Unser italienischsprechender Physio
beruhigte die Gemüter.
Aber was das nun für eine Aktion war, weiß
ich auch nicht.
Mein Sprinterkollege Marcel
Wüst schrieb mir heute eine Mail zum Thema
Hotels. Zu seiner Zeit war das nicht besser. In seinem Buch
"Sprinterjahre"
berichtet
er von einer Episode, wo
sie in einer Absteige in Neapel
direkt am Straßenstrich hausten,
wo die Damen mit ihren Kunden
ein- und ausgingen.
Okay, okay, dann beschwere ich mich
mal lieber nicht über unser Domizil...
Heute früh klopfte es
schon um 6:45 Uhr an
der Hoteltür. Die Herren
Dopingkontrolleure
wollten Blut sehen.
Dabei hätte ich gern ausgeschlafen.
Aber das dauerte nicht lange
und ich legte mich nochmal hin.
Nach dem "Frühstück"
fuhr ich zum Start.
Allein, weil die anderen
von uns erst später dran waren,
habe ich mich warmgefahren.
Um 12:15 Uhr bin ich gestartet.
Es lief von Beginn an sehr
gut. Rückenwind. Ich habe
mich echt gut gefühlt.
Habe ein bisschen draufgetreten.
Ich wollte unbedingt den vor mir
gestarteten Henk Vogels einholen,
den ich irgendwann vor mir sah.
Wenn man einen einholt, ist das immer
gut, dann braucht man
sich nicht weiter um die Zeit zu kümmern.
20km vor dem Ziel hatte ich ihn.
Dann ein bisschen lockergelassen,
der Ansporn fehlte.
Doch 10km weiter sehe
ich meinen Freund Loddo vor mir.
Freund, dich kriege ich auch
noch, denke ich mir.
Habe nochmal voll gekettet
und 2km vor dem Ziel hatte ich auch ihn.
Vielleicht war das ein bisschen übermütig.
Im Ziel hatte ich ein Ziehen im
Bein, wie
Muskelkater. Naja, ich denke,
das wird sich schon geben bis morgen.
Vom Ziel aus haben sie uns soviel umgeleitet,
dass es noch 12km waren bis zu
den Bussen.
Dort Umziehen, frisch machen
und per Auto
wieder 50km zurück ins Hotel.
Massage, Abendessen.
Den Abend verbringen
wir wieder alle im Bus.
Warum, sage ich
nicht, sonst kommt nachher
nochmal die Polizei!
Fans fragen Frösi
Patrik,
Christof, Tobias ,
Adam und viele mehr fragen:
Wer ist denn für die Auswahl der Hotels zuständig?
Habt Ihr da keinen Einfluß drauf?
Werden andere Teams bevorzugt? Frösi: Die Hotels
werden vom Giro-Veranstalter
gebucht, da hat unsere Mannschaft
null Einfluss. Wir haben
über die ganze Rundfahrt gesehen sicher
keine schlechteren Hotels wie die anderen
Mannschaften. Man hat halt mal Pech, mal Glück.
Das ist sicher keine Absicht
der Organisatoren.
Moritz möchte wissen:
Trefft ihr euch an Ruhetagen oder abends eigentlich auch manchmal mit anderen Fahrern aus deutschen Teams, falls sie in der Nähe wohnen, oder bleibt man da eher unter sich?
Frösi: Im Rennen oder davor spricht man
natürlich ständig mit
den Kollegen aus anderen Mannschaften.
Abends trifft man sich nur,
wenn man zufällig im selben Hotel untergebracht ist
wie hier, wo gerade auch Grischa Niermann
und seine Rabobank-Mannschaft wohnen.
Robert aus
Luxemburg: Wollte fragen ob die Radprofis bei sonnigem Wetter
Sonnencreme auftragen oder nicht. Schwitzt man nicht zuviel
durch Sonnencreme?
Frösi: Ja, im allgemeinen
mag ich auch keine Sonnencreme.
Ich habe das Gefühl, als
seien die Poren zu.
Aber wenn die Sonne richtig knallt
oder in den hohen Bergen
gehts ja nicht ohne. Da nehme
ich einen Sonnenschutz
auf Alkoholbasis. Zieht sehr schnell ein.
LIVORNO, 17.05.06.
Gestern abend gegen 23 Uhr gelandet
in Pisa. Die Physios holten uns am Flughafen
ab - die schüttelten schon den Kopf.
Soviel zu unserem Hotel am Ruhetag.
"Noch schlechter als die letzten Tage?",
frage ich Slawo. "Ach, Frösi...",
meint er nur. Nach 40km
Autofahrt kamen wir im Dunkeln
in Livorno am Hotel an.
Im Dunkeln sah es gar nicht so schlecht
aus. Wir hatten noch Hunger. Hieke, Ronny und ich haben
uns ein Auto geschnappt
und sind zu einem Imbiss gefahren,
den wir auf der Fahrt unterwegs sahen.
Dort haben wir uns noch was gekauft und da
saßen dann drei einsame Gestalten im Dunkeln vor einem Stadion.
Ein Bild für die Götter.
Heute Nacht habe ich gut geschlafen.
Heute früh habe ich erst gesehen,
was für ein "schönes" Zimmer
ich habe. Das klingt jetzt
vielleicht so, als ob ich
eine Diva wäre, die nur
Luxus gewohnt ist. Aber Ihr solltet
das mal sehen hier! Ronny
hat auf seinem Teppich den Koffertest gemacht -
tief grau. Mein Bad versifft.
Und hier sind wir zwei Tage und zwei Nächte.
Frühstück
gab es in einem Diskosaal.
Draußen scheint die Sonne.
Wir sitzen in einem düsteren
Saal mit drei Funzeln.
Lange aufhalten brauchte man sich
aber nicht, denn es gab nichts vernünftiges
zu Essen. Mein Frühstück bestand aus einem Joghurt und
und einem Cappuccino.
Nach dem "Frühstück" sind
wir ein bisschen trainieren gefahren.
Unterwegs in ein Cafe, um noch ein bisschen Zeit totzuschlagen.
Dann zurück ins Hotel - dort ne Stunde aufs Essen gewartet.
Die Stimmung im Team ging mächtig runter. Heute Nachmittag
haben wir uns dann alle in den Bus verzogen,
wo wir uns abgeschottet haben.
Deutsches Fernsehen schauen, Playstation spielen, Quatschen.
Nach Massage und Abendessen gleich wieder
zurück in den Bus.
Nachher gibts noch Fußball im Fernsehen.
Davide Rebellin ist leider
heute abgereist. Seine Verletzungen waren
doch schlimmer. Er fuhr heute morgen gleich ins Krankenhaus,
wo man einen Rippenbruch festgestellt hat.
Gesehen habe ich Davide nicht mehr.
Schon schade für ihn.
Ein vorzeitiger Ausstieg aus
einer Rundfahrt ist immer schmerzhaft
und für ihn ist es noch dazu die Heimatrundfahrt.
Morgen Zeitfahren. Für mich geht
es da um nichts. Durchfahren.
Ein Platz zwischen 100 und 180
ist gut. Kräfte sparen
ist angesagt, denn die brauche ich noch
bitter nötig, wenn die letzte
Woche und die Berge kommen.
Wer gewinnt? Basso
und Guttierez von Phonak
fahren aufs Treppchen.
Und Ulle - wenn er will und
richtig draufdrückt.
Bis morgen.
Fans fragen Frösi
Franz aus Eggenfelden
fragt: Hat sich in den letzten Jahren eigentlich etwas am Charakter des Giro
geändert? Ich habe den Eindruck, dass im Gegensatz zu früher jetzt bereits teilweise
von Anfang an volle Kanne gefahren wird, fast wie bei der Tour.
Frösi: Ja, das stimmt. Heute wird
meist von Beginn an schnell gefahren,
das war vor drei, vier Jahren noch nicht
so. Das kam durch die ProTour und
die andere Besetzung. Früher sind kleine
Mannschaften am Anfang weggefahren und die haben sie
einfach fahren lassen. Heute
fahren vor allem die Franzosen wie
FdJ usw. von Beginn an schnell
und lassen die Gruppen nicht weg.
Max fragt:
Was esst Ihr nach der Etappe?
Du erwähnst ja ab und zu ob das Essen schlecht ist oder gut. Sind das Speisen aus der Karte des Hotels?
Habt Ihr keinen Koch dabei? Frösi: Bei der letzten Tour
hatten wir einen eigenen Koch dabei, hier
beim Giro nicht. Das Essen wird von den Organisatoren
vorbestellt, ist also nicht "a la carte".
Da gibt es mehr oder weniger
jeden Tag das gleiche: 1. Gang Pasta oder Reis.
2.Gang was mit Hühnchen oder Fleisch.
Das Essen ist meistens sehr gut,
nur eben nicht sehr abwechslungsreich.
PESCARA, 16.05.06. Hallo,
ich melde mich heute
vom Flughafen in Pescara.
Nach dem Rennen konnten
wir unseren Sportlichen Leiter
überreden, in den Teamautos
und -Bus den langen
Weg vom Etappenziel Peschici
nach Pescara zu machen.
Die vom Giro organisierte Busfahrt
dauerte über drei Stunden
und in einem vollen stickigen Bus
ist es sicher nicht so angenehm wie
in unseren eigenen Fahrzeugen.
Die Busse sind noch gar nicht hier.
Einige Teams waren genauso clever.
Quick Step, CSC, T-Mobile sind auch schon da.
Jetzt hängen wir
hier am Flughafen
noch anderthalb Stunde rum.
Um 22 Uhr geht
das Flugzeug nach Pisa.
Eine Stunde Flug. Ich hoffe,
wir kommen im Hotel
nicht allzulange nach Mitternacht an.
Die Etappe heute begann
sehr hektisch. Da war Stoßverkehr
im Peloton.
Alle wollten in eine Gruppe
rein. Es ging eine.
Von uns war Krauss mit dabei, aber wir haben
auf Rebellin gesetzt und fuhren
das Loch wieder zu.
Nach 60km der erste Berg.
Es ging schnell hoch
und ich hatte schon Angst,
dass das jetzt so weitergeht.
Dann ging aber doch wieder
eine Gruppe. Die zwei von Liquigas
- Pelliziotti und Wegelius -
hatten die zunächst verpasst und
sind hinterher.
Mir ging es ganz gut.
Die McEwen-Gruppe noch recht weit
hinter mir.
Am Berg war das Kommissär-Motorrad
neben mir. Bei denen kommt der Streckenfunk
über einen Lautsprecher.
Ich bekomme mit
einem Ohr mit "Krauss..."
Ach, denke ich,
der musste wohl reißen lassen und
kommt gleich von vorne.
Dann höre ich nochmal: "Krauss fuga..."
Was ist denn mit dem Kerl los?
Der attackiert! Fährt
nach vorne in die Gruppe.
Sven ist ein Superrennen gefahren.
Gestern hing er bei mir
hinten mit rum, heute
fährt er
in der Spitzengruppe auf Platz 8.
Morale grande,
Hut ab!
Kurz nach dem Berg kam ich
wieder ran ans Feld.
Es ging dann runter
zum Meer.
CSC hat vorne ein bisschen
kontrolliert,
aber ruhig. Die Tempoarbeit
haben sie Lampre überlassen,
Cunego wollte
seinen dritten Platz nicht an Pelliziotti abgeben.
Mir wurde das Tempo
ein kleines bisschen zu hoch.
Wir hatten Krauss vorne und
für mich gab es sowieso
nichts zu holen heute.
Aber ich habe mich sehr gut gefühlt,
war nicht am klemmen.
Am Ende rollte ich in
einer schönen Gruppe
u.a. mit McEwen, Pollack und Kessler
rein. Wir haben am Ende nicht
mehr groß draufgedrückt.
Es war ein schöner Tag,
schönes Wetter. Zwar auch nur rauf und runter,
aber okay.
Im Zielort ging es in ein Hotel,
wo jede Mannschaft zwei Zimmer
zur Verfügung hatte zum Duschen, umziehen.
In den Autos danach in 2,5 Stunden
Fahrt nach Pescara.
Ich freue mich auf den Ruhetag.
In der Toskana lässt es sich doch
bestimmt aushalten.
Hoffentlich haben wir ein ordentliches Hotel:
Gutes Zeichen: Unsere Betreuer,
die mit dem Auto hochfahren,
haben es im Navi gefunden.
Kann also keine ganz kleine
Klitsche sein. Also,
bis morgen!
Fans fragen Frösi
Jonas fragt:
Wieviel wird euch eigentlich über die Ohrstecker mitgeteilt? Gibt es nur einige Anweisungen pro Etappe, oder habt ihr non-stop Unterhaltung?
Frösi: Über Teamfunk
kommen die ganzen taktischen Anweisungen.
Zeiten von Ausreißern,
Kommando zum Warten auf den Kapitän,
wenn der Defekt hat.
Oder wenn man was zum Essen/Trinken braucht,
gibt man es über Funk
an das Begleitfahrzeug durch,
dass die Bescheid wissen, dass man kommt.
Da kann jeder sprechen und hören.
Manchmal diskutiert die ganze Mannschaft groß.
Das ist ganz unterschiedlich. Bei Etappen, wo richtig Stress ist,
wird kaum was gesprochen.
Ist es mal ruhig,
bei den ersten 100km einer langen Flachetappe zum Beispiel,
wird auch mal in Späßchen gemacht.
Ich hatte mal früher
einen Sportlichen Leiter,
der hat auch sogar bei Gelegenheit
schon mal Stimmungsmusik eingespielt...
Hendrik aus Berlin:
Hallo Robert,
was passiert eigentlich mit Deinen Rädern oder den Klamotten, wenn Du das
Team wechselst oder Ihr einen neuen Sponsor bekommt? Dürft Ihr alles
behalten, oder werden die Sachen abgegeben?
Frösi: Die Räder sind Teameigentum,
die gibt man wieder ab.
Die Klamotten kann man behalten,
allerdings ist nach einer Saison
gar nicht soviel mehr übrig.
Da wird doch einiges verschlissen.
Bei einer großen Rundfahrt etwa wird
meine Hose drei Wochen lang jeden Abend
gewaschen. Da ist der Verschleiß hoch.
Was ich am Jahresende
übrig habe, verschenke ich meist
oder behalte ein Trikot als Andenken.
PEROZZI, 15.05.06.
Ach ja, das war wieder eine Etappe
zum Ärgern. Aber was will man machen?
Es hilft alles nichts,
man darf sich mit solchen Niederlagen
nicht allzu lange beschäftigen, man muss
nach vorne schauen, auch
wenn das manchmal schwer fällt.
Heute früh hatten wir viel Zeit.
Weil die Etappe so kurz war,
mussten wir erst spät,
gegen 12 Uhr, vom Hotel aus aufbrechen.
Leider war das Hotel nicht
so toll, daher saßen alle
schon zeitig im Bus...
Ich habe mich auf die Etappe vorbereitet,
mich mit dem Kurs befasst.
Ich habe mich gut gefühlt und
ich hatte einiges vor.
Die Etappe war mal wieder
weniger flach, als es auf dem Papier
aussah.
Zwei Mann sind früh
rausgefahren,
dahinter ist Quick Step
eingestiegen. Bettini
hat sein Team das Rennen richtig
schwer machen lassen, damit
möglichst die reinen Sprinter
fliegen gehen. In den ersten
Berg sind sie reingeschossen.
Mir ging es ganz gut.
Nicht so, dass ich die Bergwertung gewonnen
hätte, aber doch ganz ordentlich.
Am Ende des Felds kam ich drüber.
Dann eine schnelle Abfahrt,
das Feld lang auseinander gezogen,
1km lang. So gings dann in
den nächsten Anstieg rein.
Ich fuhr schon 500 Meter
nach der Spitze des Feldes
in den Berg. Schon ganz schlecht.
Bei der 3km-Marke war es aus.
Ich musste reißen lassen.
In einer 30-Mann-Gruppe fuhr ich den Berg
hoch. Ich höre über Funk,
dass McEwen vor uns auch
reißen lassen musste und
dabei ist sich ranzukämpfen.
Aber das war weit vor uns
und in der Gruppe machte keiner
Anstalten, Tempo zu machen.
Außer mir hatte da keiner Ambitionen
mehr. Allein ist da nichts
zu machen. Wenn man noch in
den Autos ist, da kann man sich noch vorkämpfen,
aber die Autos waren weg.
Man hat das ganz gut im Gefühl, ob
man sich nochmal ins Hauptfeld
kämpfen kann oder nicht.
Das wars dann also.
Das war eine lange Fahrt ins Ziel.
Man denkt nach: Mensch,
hättest Du Dich noch was gequält!
Aber das ist Blödsinn,
denn bei einer Etappe wie heute,
wo ich mir Chancen ausrechnete,
hätte ich niemals freiwillig reißen lassen.
Vorzuwerfen habe ich mir nichts.
Volker kam nach dem Rennen und meinte
auch: Frösi, da hatte ich zu kämpfen.
Da hattest Du keine Chance, vorne
mit rüberzukommen.
An der 5km-Marke jubeln
die Quick Steps in unserer Gruppe
plötzlich. Über Funk hörten sie,
dass Bettini gewonnen hat.
Aber die wurden schnell still.
Dass Pollack vorne dabei ist,
überrascht mich nicht.
Der ist derzeit superstark.
Aber Vaitkus! Das ist doch ein
kleiner Schock.
Der ist an den Bergen
normalerweise eher meine Kragenweite.
Das muss ich erst mal verarbeiten.
80 Mann wurden abgehängt,
aber das ist kein Trost.
Gestern dachte ich noch,
dass ich viel besser wäre.
Aber heute wurde ich auf den Boden
zurückgeholt.
Nach dem Rennen
mit den Autos zum Hotel.
Unterwegs sehe ich den Quick Step-Bus
und den Telekom-Bus vor schönen Hotels.
Da wäre es nicht schlecht zu übernachten.
Aber wir haben wieder die A...-Karte gezogen
mit unserer Unterkunft.
Zimmer grauslich - aber das Essen
ist gut.
Die Etappe morgen ist
was für Puncheurs
wie Bettini oder Di Luca.
Oder geht doch mal eine Gruppe? Muss
ja auch mal irgendwann.
Für mich gehts nur darum, ins Ziel zu kommen.
Durchkommen und nach vorne schauen
heißt jetzt die Devise.
Bis morgen.
Fans fragen Frösi
Stefan aus Ludwigsburg fragt:
wie oft rasierst Du Dir während einer so langen Rundfahrt eigentlich die Beine? Machts Du das dann öfter als im Training oder eher seltener, weil das ja auch ein bisschen Zeit braucht?
Frösi: Ich rasiere mich
weniger als zuhause. Manche
rasieren sich jeden Tag, ich bin da eher faul.
Während einer langen Rundfahrt rasiere ich
mich einmal die Woche oder wenn
einer sagt: "Wie siehst Du denn aus..."
Uwe aus Lippstadt fragt:
Was passiert mit den Tausenden von leeren Trinkflaschen? Die werft Ihr ja nun einfach so in die Gegend...
Frösi: Hier beim Giro oder auch bei der Tour bleiben die
nicht lange liegen.
Da prügeln sich manche tifosi drum.
Cyrus aus Frankreich fragt:
Geben sich eigentlich alle Profis untereinander Spitznamen? "Grillo", "Elefantino", "Re Leone" usw, oder
sind das die Medien?
Frösi: Das sind Namen der Medien.
Aber es wird natürlich auch untereinander
viel geflachst und man hat schnell seinen Spitznamen
weg. Einen Kollegen nennen wir "Village King",
weil er immer der erste ist im Startdorf...
Alexander aus Bielefeld
fragt: Als Profi kann man sich sein Material nicht aussuchen. Ist Dein Rad
für Dich einfach Arbeitsgerät oder fährt der Bauch auch mit? Frösi: Klar, das ist ein Arbeitsgerät,
aber gerade deshalb entwickelt man schon ein bisschen
sowas wie eine persönliche Beziehung dazu (auch
wenn ich noch nicht mit meinem Rad rede...)
Mein Rad gefällt mir,
da bin ich sehr zufrieden mit.
Wäre auch schlimm, wenn das anders wäre.
Lukas aus Gießen: Was schraubt und bastelt Ihr an Euren Rädern eigentlich selber - und welche Aufgaben übernehmen die Mechaniker? Frösi: Während eines Rennens oder einer Rundfahrt macht
man als Rennfahrer gar nichts, außer
vielleicht den Sattel geraderichten.
Dafür sind die Mechaniker da,
das sind Profis und die machen
das perfekt. Zuhause schraube ich
gern mal am Rad rum. Ich habe ja auch
noch ein Radgeschäft, da
ist das für mich sowieso nichts fremdes.
MONTESILVANO MARINA, 14.05.06.
Nach der Marathon-Hammeretappe war das heute
ein bisschen ruhiger. Schon heute früh
hatten wir ein bisschen mehr Zeit
als sonst. Es ging erst
gegen Mittag zum Start. Ich konnte
vorher noch etwas entspannen
und habe mir Motorradrennen im Fernsehen angeschaut.
Im "Village" am Etappenstartort
saßen wir wie immer
mit den Kollegen zusammen. Ich trank
wie oft einen Kaffee
mit den Phonak-Leuten.
Wir sprachen über
den zu erwartenden Rennverlauf.
Am liebsten wäre es
mir natürlich, dass
wir ruhig bis in den Schlussanstieg fahren.
Bis 15km vor Schluss wollte
ich unbedingt vorne im Feld sein.
Dann "gemütlich" den Schlussanstieg hoch.
Ich frage bei den Phonaks so rum,
was die vorhaben.
Gregory Rast sagt gleich,
er wolle probieren, in einer
Gruppe wegzufahren.
Damit ist schon mal klar,
dass das so ruhig nicht beginnen wird.
So wie Rast denken natürlich
viele.
Bei Kilometer Null hieß
es dann auch sofort Feuer frei.
Attacken. Ein schneller Start. Die ersten 75km
fuhren wir mit 50er Schnitt.
Ruhiger wurde es erst,
als die Elfergruppe wegging.
Simonis Truppe hat dann im Feld
das Tempo kontrolliert.
Ich habe mich ganz gut gefühlt. Ich
habe mich im vorderen Drittel im Feld
aufgehalten. 40km vor dem Ziel hat
es von uns drei (Schumi, Krauss und Hieke)
hingehauen, wie ich über Funk mitbekam.
Es ging aber glimpflich as und
sie kamen wieder zurück.
20km vor Schluss riefen die ersten schon "Grupetto!".Aber ich habe mich da erst mal rausgehalten. Manchmal
rufen einige Grupetto und wenn
dann nicht genug zurückfallen, fahren sie weiter
wie die Wilden und man muss hinterherfahren.
Ich wollte noch nicht gehen lassen.
Erst als es 15km vor Schluss begann, bergauf zu gehen,
habe ich reißen lassen.
Die alte Faustregel besagt,
dass man pro Kilometer
eine Minute auf die Spitze verliert
an Bergen. Somit kein Problem mit
dem Zeitlimit.
Ich fuhr in einer Gruppe den Berg hoch,
die ganz gut Druck aufs Pedal hatte.
Verbrugghe dabei, Julich.
Mit denen bin ich relativ entspannt
da hoch. Ich meine,
es war schon anstrengend,
aber ich habe nicht gelitten
so wie gestern. Auch das Wetter
war angenehmer, nicht so
heiß. Mit rund 20 Minuten Rückstand
kam ich ins Ziel.
Gefährlicher wurde es
dann aber nach dem Rennen.
Bei solchen Bergankünften stehen die Busse
meistens unten im Tal, d.h.
wir müssen nach dem Ziel rumdrehen und
auf dem Rad runter. Oben stehen die Betreuer
mit was trockenem zum Anziehen,
dann gehts den ganzen Berg wieder
runter. Da sind dann aber
die ganzen Zuschauer unterwegs,
Autos und Radtouristen, die
nun auch Rennen fahren wollen.
Und wir Rennfahrer haben es ja auch eilig, ins Hotel zu kommen
Da passiert immer unheimlich viel.
Auch heute wieder einige Stürze gesehen.
Den Belgier Roesems hats vor mir
beinahe erwischt, als er durch eine Lücke zwischen
zwei Autos durchwollte.
Zwei Zuschauer wurden offenbar angefahren und
lagen auf dem Boden. Der Rettungswagen
war unterwegs. Betrunkene Tifosi laufen mir
ins Rad und brüllen wie wild nach einer Flasche
als Souvenir. Jede Menge
los. Bei der Tour de France ist es genauso.
Wenn ich ans Baskenland letztes Jahr denke...
Nachdem wir endlich unten waren
alle in die Autos und nochmal 60km Transfer
ins Hotel.
Unser Physio Slawo meint noch unterwegs,
dass Hotel sei "nicht so besonders".
Wenn Slawo das sagt, dann kann man sich schon auf was gefasst machen.
Und, ja: Ein richtiger Bunker...
Aber mir gehts halt gut nach der Etappe.
Wenn man richtig am Ende ist,
ist einem völlig egal, wie gut oder schlecht das Hotel ist.
Morgen ein kurzer
Abschnitt, 127km. Bisschen wellig am Schluss.
Ich hoffe,
dass Lotto kontrolliert
und das Feld zusammenhält
für einen Massensprint.
Und da will ich dann reinhalten
und ich hoffe, dass ich dann da
lande, wo ich hingehöre...
Fans fragen Frösi
Ralf aus Kassel fragt:
Hallo Frösi, was für einen Puls fährst du auf einer Etappe wie heute? Im Tagebuch von gestern
schreibst du, du fährst "gemütlich" den Schlussanstieg hoch.
Frösi: Okay, "gemütlich" ist
es nicht wirklich. Mein Puls liegt bei 150 oder so.
Diddi möchte wissen:
Wie siehst Du als Insider die Formentwicklung von Ulle beim Giro? Frösi: Soweit ich das aus
meiner Sicht beurteilen kann finde ich,
dass Ullrich schon ganz schön stark ist,
dafür dass er erst recht wenige Renntage in den Beinen hat.
Der hat schon ganz schön Druck drauf.
Würde mich nicht wundern,
wenn er am Donnerstag das Zeitfahren gewinnt.
Reto aus Wynau/Schweiz
fragt: Fahrt Ihr mit Schlauchreifen oder mit Collée, besteht ein Unterschied bei den Zeitfahrmaschinen hinsichtlich Reifen? Frösi: Wir fahren Schlauchreifen
von Schwalbe. Ich finde die auch sicherer
als Drahtreifen. Beim Zeitfahren fährt
man 19mm-Reifen, beim Straßenrennen
etwas breitere (23mm).
PORTO SAN GIORGIO, 13.05.06.
Au weiha, was war das ein harter Tag.
Das war mit die härteste Etappe,
die ich je gefahren bin.
Gestern abend sprachen
wir noch so mit den Mechanikern.
Die meinten, wir bräuchten
die ganz kleinen Übersetzungen,
die man nur ganz selten, nur bei den ganz harten Etappen drauf macht.
Und die brauchte man heute wirklich mehrmals.
Das Rennen begann schnell und
ich dachte da schon, jetzt wirds heftig.
Nach 20km gab es einen Sturz,
in den auch Andre Korff verwickelt war.
McEwen fuhr daraufhin vor und
ruft, dass alle jetzt mal ruhig machen sollten.
Daran haben sich dann auch alle gehalten, nur
die zwei Ausreißer,
der Belgier und der Franzose, haben die Gelegenheit genutzt.
Wie auch immer, es wurde dann hinten glücklicherweise
erst einmal ruhig. Ich mache
mir schon Hoffnungen:
Jetzt findet sich ein Team, das kontrolliert,
dann fahren wir relaxed die Etappe zu Ende.
Aber geglaubt habe ich das natürlich
nicht. Am ersten Berg ging
das Attackiere los.
Hiekmann war gerade neben mir,
ich sage nur: "Hieke, Houston, wir haben ein Problem..."
Es begann ein wildes Gefahre.
Erst 30 Mann weg, dann nochmal 15.
Im Feld wurde voll gefahren.
Am nächsten Hügel fing
ich schon an zu wackeln.
Wir fuhren da so schnell rein,
dass ich in der Säure stand.
Ich schwitze, die Schulter
tut weh. An der Verpflegung
konnte ich nicht viel essen.
So gings mit guten Voraussetzungen in
den 16km langen Anstieg.
Unten wars noch okay,
aber dann sehe ich ein Schild: 18 Prozent.
Oh, oh, wir haben das nächste Problem...
Ich gondelte da
ganz hinten rum. Sogar mein Freund
Loddo, der gar nicht Berge
fahren kann, überholt mich.
Autos fahren vorbei.
Es stinkt nach Kupplung,
die Hitze der Motoren steht
auf der Straße.
Alles ganz schlimm.
7, 8 Mann fanden sich.
Grupetto kann man das
nicht nennen.
Die Abfahrt runter
volles Risiko.
So habe ich mich dann irgendwann wieder
rangekämpft ins Hauptfeld.
Der nächste Berg. 7km, 18 Prozent.
Ich habe einen Hungerast,
Kopfschmerzen von der Hitze,
die Schulter schmerzt.
Heute kam alles zusammen und
ich war total breit.
Cola war meine Rettung.
Schnelle Energie, Zucker.
Es waren ja noch immer weite
50km ins Ziel.
Hinten im grupetto quäle ich mich
den Berg hoch. McGee, der
heute auch keinen guten Tag
hatte, noch hinter mir,
sonst keiner. Rampen mit
18, 19 Prozent.
Mir geht nur noch
durch den Kopf: Wozu machst
Du diese Scheiße und
fährst sieben Stunden durch die Berge?
Irgendwo sehe ich eine Werbung: "Listen to your
body", steht auf einem Schild...
Was zum Teufel soll das jetzt
bedeuten? Wenn ich auf meinen Körper
gehört hätte, wäre ich schon längst
ins Auto gestiegen.
Aber natürlich quält man sich durch und
keiner steigt freiwillig vom Rad.
Den Schlussanstieg in einem
80-Mann-Grupetto hoch.
Im Ziel gabs Stau, es konnten gar
nicht alle über die Ziellinie
rollen. Das Ergebnis,
soweit es das grupetto angeht, ist
ziemlich willkürlich gemacht.
Nach den 230km und
4250 Höhenmetern stand
dann nochmal 140km-Transfer im Auto
an. Davon habe ich aber wenig
mitbekommen. Im Auto
bin ich eingeschlafen.
Im Hotel dauerte es mit dem Essen
ewig. Alle waren gereizt.
Nach so einem Tag will man
nur noch essen und dann ab ins Bett.
Morgen die Etappe wird
eher leichter. Erst flach, dann eine Bergankunft,
das sind meine Lieblingsbergetappen.
Da fährt man zügig an den Schlussberg,
dort können sich die Kletterer und Klassementfahrer
austoben und wir fahren
gemütlich im grupetto ins Ziel.
Soweit die Theorie. Mal schauen,
wie die Praxis aussieht.
Fans fragen Frösi
Vicky fragt:
Hast du einen besten Freund im Team, versteht ihr euch alle gleich
gut, oder gibt es ab und zu auch ein paar Feindseligkeiten?
Frösi: Wir sind 26 Mann im Team,
26 Charaktere, da versteht man sich natürlich
nicht mit allen gleich gut. Auch wenn man nicht mit jedem
befreundet sein kann, so ist man
doch Kollege und respektiert einander.
Reibereien kann es auch mal geben,
das ist wie überall im Leben. Aber Feindseligkeiten? Nein.
Hier beim Giro sind wir eine gute Truppe.
Mir fehlt ein bisschen mein Freund Sträusschen
(Marcel Strauss), der leider aus persönlichen Gründen
nicht hier sein kann.
Didi aus Bonn: Wie motiviert man sich, was denkst Du, wenn
alles so endlos erscheint, endlos bergauf, Zeitfahrten... Frösi: Bei einer Etappe wie heute
denke ich an gar nichts mehr.
Man ist da irgendwie
völlig auf die Urtriebe reduziert und
nicht in der Lage, an irgendwas zu denken.
Da geht es nur noch ums Überleben.
Auch beim Zeitfahren kann man
die Gedanken nicht schweifen lassen.
Man ist doch sehr konzentriert.
Katharina aus Hagen-Hohenlimburg
fragt: Wie registrierst Du die Zuschauer vor, während oder nach dem Rennen - und wie wichtig sind Sie für Dich?
Nerven sie bisweilen, sorgen sie für gefährliche Situationen oder spornen Sie Dich an?
Frösi: Fans sind für mich superwichtig.
Ich freue mich, wenn jemand ein Autogramm
möchte. (Und noch mehr,
wenn derjenige auch weiß wer ich bin...)
Im Rennen tun Fans
an der Strecke, die meinen Namen rufen, unheimlich gut,
über Aufmunterungen, Schulterklopfen oder auch
Anschieben am Berg freut man sich sehr.
Bei Bergetappen bekommt man
auch jedes Rufen genau mit.
Nur bei Sprintetappen bekomme
ich auf den letzten 10km
Null mit. Da fährt man wie im Tunnel.
CESENA, 12.05.06.
Sorry, aber heute wird das etwas kürzer
als sonst. Ich habe ganz miese Laune.
Der Sprint - absolut zum vergessen.
Wenn ich das Ergebnis anschaue,
wer da alles vor mir liegt!
Da muss man sich ja schämen.
Auf den letzten 5km
war ich einige Male zuviel im Wind.
Es gab teamintern Gesprächsstoff nach dem Rennen,
sage ich mal.
Aber das soll
keine Entschuldigung sein.
Ich war einfach schlecht
und ich ärgere mich
total über die verpasste Chance.
Das Rennen war ansonsten sehr
unspektakulär.
230km ganz flach.
Schönes Wetter, guter Wind.
Früh sind drei rausgefahren,
die auch gleich wegkamen.
Die wurden fahren gelassen,
jeder wusste,
dass die nicht durchkommen.
T-Mobile hat sie sechs
Minuten wegfahren lassen,
dann das Tempo kontrolliert.
Da werden 230km schon
ziemlich lang.
Da gibts ja nicht viel zu machen,
als auf das Finale warten.
Man quatscht viel mit Kollegen.
Aber es zieht sich trotzdem
bis ins Ziel, wenn
im Rennen nix passiert.
Das Finale dann - naja,
wie gesagt.
Schwamm drüber.
Ich ärgere mich so sehr über
mich selbst.
Aber man darf
sich auch nicht zu lange
mit sowas beschäftigen,
muss nach vorne schauen.
Morgen ist ein neuer Tag.
Fans fragen Frösi
Markus aus Ulm fragt:
Sag mal, wie lange brauchtest Du, bis du den richtigen Sattel gefunden hast?
Gibt der Sponsor euch eine Palette und gut is, oder bringt da jeder seinen
Favoriten selbst mit?
Frösi: Lange gebraucht habe ich nicht.
Aber es stimmt, jeder muss für sich persönlich
den richtigen Sattel finden.
Dass der vom Teamausrüster
- bei uns Selle Italia - sein muss,
ist kein Problem. Die haben eine
ganze Palette an Sätteln und
wenn die nicht passen, wird
eine Maßanfertigung hergestellt.
Alexander fragt:
Habe heute auf den Fernsehbildern entdeckt, dass du Handschuhe getragen hast.
Seit wann trägst du Handschuhe, sonst fährst du doch eigentlich ohne, oder?
Frösi: Gut beobachtet! Ja, stimmt,
früher fuhr ich nie Handschuhe.
Aber in der letzten Zeit bin ich so oft gestürzt,
dass ich mich lieber an Handschuhe
gewöhne, als an die Schmerzen.
Wenn man so oft stürzt,
überlegt man sich das doch.
Markus aus Bern fragt:
Wie hoch ist die maximale Geschwindigkeit in einem flachen Sprint?
Bis 70 Km/h?
Frösi: Ich schaue zwar nie auf den Tacho,
weil ich dazu keine Zeit habe. Aber ich denke mal
65km/h ist schon ein zügiger Sprint.
Bis 68km/h würde ich sagen.
TABIANO TERME, 11.05.06.
Das ging heute bei mir um Welten besser
als die letzten Tage. Ich war sehr überrascht,
wie gut die Beine waren.
Vor dem Rennen haben mich die anderen
mit ihrer Nervosität ein bisschen angesteckt.
Man macht sich da schon ein bisschen
verrückt: Beim Teamzeitfahren
will man ja nicht als erster
gleich abfallen. Aber
ich habe schon nach wenigen Kilometern
gemerkt,
dass es heute gut laufen wird.
Heute früh haben wir nach
dem Frühstück alle Mann am
Hotel ein bisschen zusammen trainiert.
Der Körper darf sich
nicht auf Erholung einstellen.
Bis Mittag waren wir draußen,
dann Essen. Danach dann
Zeitvertreib. Schlafen vor dem Rennen ist tabu.
Der Vertreter
von Ritchey war gerade zu Besuch bei den Mechanikern.
Der ist gern gesehen, bringt immer
das neueste Material und ist ein
supernetter Kerl, der
den Mechanikern auch mal Kaffee kocht. Ritchey hat einen
Superkontakt zu uns Profis.
Die kümmern sich wirklich,
fragen nach, was man noch verbessern kann
und so weiter. Nicht alle Ausrüster
sind so nah dran.
Um 14 Uhr gings los, mit
der ganzen Flotte von uns -
drei Autos, zwei Kleintransporter,
ein Bus - rüber zum Start.
Dort angekommen haben
wir uns die ersten Teams
im TV angeschaut,
dann alle Mann warm fahren
auf der Rolle. Eine Stunde lang,
das zieht sich. Dann
Taktikbesprechung:
Es wurde abgesprochen,
dass sechs Mann von uns
den Zug ins Rollen bringen. Matthias Russ, Volker
und ich sollten die ersten Kilometer hinten fahren.
Das hat auch gut geklappt. Dann sind wir zunächst belgischen Kreisel gefahren.
Das ist ganz schön kräftezehrend. Nach 15km
normal, also jeder 50 bis 200 Meter
vorne, dann raus.
Es war ein richtig schönes
Zeitfahren - und
das hört Ihr von mir
auch nicht oft...
Aber es hat echt Spaß gemacht.
Über Funk haben wir die Zwischenzeiten angesagt bekommen.
Kurz vor dem Ziel sind
Hieke und Russ rausgegangen,
man muss ja nicht mit neun Mann ankommen.
Wir wurden Sechste.
Eine Superleistung.
Das haben uns viele nicht zugetraut.
Das Rosa Trikot ist weg,
ja. Aber das musste man schon
erwarten. Das ist aber auch vielleicht
gar nicht so schlecht,
denn Schumi und Rebellin können
sich jetzt wieder auf Etappen konzentrieren.
Man kann das auch positiv sehen.
Morgen eine Flachetappe, 230km lang.
Ich fühle mich gut,
ich hoffe, dass vorgestern
der Knackpunkt war und
meine Beine jetzt laufen.
Ich werde versuchen,
vorne reinzuhalten.,
anzugreifen. Beine und Kopf stimmen
jetzt. Drückt mir die Daumen!
Fans fragen Frösi
Paul fragt:
Tragt Ihr Profis noch eine Unterhose unter der Rennhose oder nicht?
Für uns Laien, was rätst du?
Frösi: Unter der Rennhose tragen wir
nix... Unterhose geht gar nicht!
Die hat Falten, das reibt alles
fürchterlich. Mit dem Sitzleder
passt sich die Hose perfekt an.
Nikola aus Belgrad:
Gibt es bei Dir auch Zeiten wo Du die Nase voll hast vom Fahrrad fahren und am liebsten alles hinschmeissen wuerdest?
Frösi: Klar, das ist wie in jedem anderen Beruf. Es gibt
schöne Tage, an denen man mit Begeisterung dabei ist und es gibt
Tage, da geht man z.B. bei schlechtem Wetter raus zum trainieren, weil man muss.
Michael aus Zürich fragt: Wie oft stürzt du in
einer durchschnittlichen Saison? Hat jeder Profi vernarbte Beine? Frösi: Wie oft, das kann man gar nicht pauschal sagen.
2005 bin ich kaum gestürzt und
dieses Jahr in drei Wochen vier Mal.
Die Beine bekommen meist wenig ab,
aber auf die Pobacken seitlich fällt man fast immer.
Daran erkennt man Radprofis.
Roni aus Horgen: Deinem Bericht zur vierten Etappe war zu entnehmen, dass die Etappe 2800
Höhenmeter zu bewältigen hatte. Ich habe das offizielle Streckenprofil nachgerechnet und komme auf 1111 Steigungsmeter.
Ich zweifle Deinen Tacho nicht an, aber sind die mitgelieferten Streckprofile immer so ungenau? Frösi: Ja, sehr oft. Die großen Berge
sind richtig angegeben, aber bei
den welligen Etappen stimmen die Angaben
oft nicht. Meine Pulsuhr lügt nicht,
die Kollegen haben die gleichen Werte.
Besonders ärgerlich finde ich es aber,
wenn die Anfahrten bei Sprintetappen nicht
korrekt angegeben sind.
Wenn da plötzlich ein Kreisverkehr
3km vor Schluss ist, der in der
Karte nicht da ist, irritiert das sehr.
TABIANO TERME, 10.05.06.
Das war heute kein richtiger Ruhetag.
Erstens sind wir gestern Nacht
erst um halb 2 ins Bett gekommen und
zweitens war heute fast den ganzen Tag
was zu tun, Zeit für sich hatte
man gar nicht.
Gestern Nacht holten uns die Betreuer,
die schon vorgefahren waren, am Flughafen in Parma ab.
Volker (Ordowski) flachst auf der Fahrt unterwegs schon:
"Wir sind allein in dem Hotel -
das ist bestimmt so ne uralte Absteige..."
Und als wir dann um die Ecke kommen,
müssen wir lachen: Genauso ist es.
Mein Zimmer - ich habe heute ein Einzelzimmer -
ist sehr spartanisch mit
einem Badezimmer, in dem man sich
kaum umdrehen kann. Aber
das Essen ist super. Da merkt
man, dass wir in Italien sind.
Heute früh bin ich gegen 9 Uhr aufgewacht
- ohne Wecker.
Ich habe gut geschlafen (in eigenem mitgebrachten
Bettzeug - irgendwas muss man ja lernen
in drei Giros mit kratzigen Wolldecken und
Kunststoffkissen...!). Nach dem
Frühstück
noch ein bisschen an den Zeitfahrrädern rumgeschraubt,
dann gings mit alle Mann mit
den Autos 50km bis zur Zeitfahrstrecke von Morgen.
Wir haben kurz besprochen,
wir wir fahren.
Die Reihenfolge wird nach der Körpergröße ein bisschen auch so gebildet,
dass das mit dem Windschatten
gut hinkommt. Ich fahre
hinter Moletta und vor Ordowski.
Wir haben ein bisschen probiert,
um ein Gefühl zu bekommen
fürs Teamzeitfahren. In
dieser Besetzung hier sind wir
noch nie zusammen Teamzeitfahren gefahren.
Unterwegs sind wir unheimlich vielen Teams begegnet.
Phonak, Discovery, Quick Step,
CSC, Liquigas, Lampre...
Da war richtig Rush hour.
Komisch eigentlich,
dass alle soviel testen,
denn die Strecke ist nicht kompliziert.
Flach und meist geradeaus.
Was für Rouleurs
und wenn der Wind von hinten kommt
wie heute gibts schnelle
Zeiten.
Wir sind ein bisschen zusammen gefahren,
dann alle noch so was trainiert.
2 Stunden oder so. Danach gings mit
dem Auto von Cremona zurück
nach Tabiano Terme,
wo wir untergebracht sind.
Um halb vier waren wir wieder
im Hotel, wo es ein spätes Mittagessen gab.
Krauss, Ronny, Volker und
ich sind danach noch ein bisschen rausgegangen
ins Cafe. Ab 5 Uhr schon
Massage und dann noch
was am Material rumbasteln.
Schon war der Ruhetag um.
Heute abend nach dem Abendessen
stand noch mal Taktikbesprechung
an. Beim Teamzeitfahren gibts mehr zu bereden,
als man denken mag. Wie geht
man ans Rennen ran?
Wer zieht durch? Langsame oder schnelle Wechsel?
Und so weiter.
Wir sind alle ein bisschen mehr aufgeregt
als sonst, weil wir ja Schumis Rosa Trikot verteidigen wollen.
Wir müssen dazu aber wirklich alles geben,
denn es wird sehr, sehr schwer
gegen CSC und Discovery.
Drückt uns die Daumen!
Fans fragen Frösi
Gaston
aus der Schweiz fragt:
Das Fahren in einem kompakten Peloton ist ja fast eine Kunst für sich.
Gibt es Fahrer an dessen Hinterrad man dann nicht gerne fährt, weil sie ev. einen Ruf als Sturzfahrer haben?
Frösi: Oh, ja! Hier beim Giro gibts sogar
eine ganze Mannschaft: Die Jungs von Euskaltel
sind bei jedem Sturz dabei. Da kommts schon mal
vor wie am Montag, dass in einer engen 90-Grad-Kurve,
während man sich langsam einbremst,
ein orangener mit 30km/h mehr links am
ganzen Feld vorbeifliegt und sich dann ins Gitter einfädelt...
Volker flachst immer: "Habt Ihr Eure Bremsen wieder ausgebaut?"
Von denen hält man sich besser fern.
Heiko aus Breitenholz
fragt: Wieviele Masseure/Physiotherapeuten habt ihr denn bei einer Rundfahrt dabei?
Wie ist die Reihenfolge (die Kapitäne zuerst), hat jeder seinen festen Masseur, welches Verhältnis hat man zu Ihnen?
Frösi: Wir haben hier vier Physiotherapeuten dabei.
Ja, jeder hat da seinen festen Physio.
Bei der Reihenfolge machen es Volker,
Ronny und ich, die den gleichen Masseur haben, so,
dass wir uns abwechseln,
damit nicht immer der gleiche spät dran ist.
Das Verhältnis zum Physio ist schon sehr persönlich.
Man verbringt soviel Zeit miteinander,
da kommt man sich natürlich näher.
Arndt möchte wissen: Wie kommst Du mit der Umstellung auf die Zeitfahrmaschine klar?
Frösi: Für mich ist das eher Arbeit,
als Vergnügen. Die Umstellung fällt
mir eher schwer.
Man sitzt ganz anders, andere Muskeln werden
beansprucht. ich freue mich nicht drauf.
LÜTTICH, 09.05.06.
Ich melde mich heute
mal vom Flughafen.
Nach dem Rennen sind
wir alle zur Siegerehrung -
wir sind führend in der "Superteam"-Wertung.
Dann mit dem Bus in eine Kaserne.
Dort Duschen, dann alle
195 Mann mit zehn
Bussen 50km zum Lütticher Flughafen.
Hier spielt nun eine
Schlager-Band Schunkelmusik
- die ist ganz schlecht,
aber dafür laut.
Dann haben sie Stehtische
aufgebaut wie für
einen Empfang.
Aber wir haben alle 200km
in den Beinen und auf
eine Party hat eigentlich niemand Lust.
Also sitzen alle auf dem Boden oder
auf ein paar herbeigeschleppten Kisten.
Wir müssen noch ein bisschen länger warten.
Gerolsteiner hat den zweiten Flieger. Der startet um 22:50 Uhr und
wir sind dann um 00:10 Uhr
in Parma nach Plan.
Mal schauen, wann wir im Hotel sind.
Das war heute eine
ganz schön happige Etappe.
2800 Höhenmeter muss man erst mal fahren,
und das nennt man dann Flachetappe.
Unsere Mannschaft hat das Rosa Trikot verteidigt.
Wir haben gleich kontrolliert.
Der Plan war,
eine Gruppe gehen zu lassen,
das Tempo dahinter
kontrollieren.
Es verlief alles wie nach Plan.
Die fünf Mann sind früh weg,
wir ließen den Abstand
nicht größer als 5 Minuten werden und
am Ende ist dann noch Lotto mit eingestiegen
in der Verfolgung.
Das war eine gute Symbiose.
Ich persönlich kann dagegen nicht
zufrieden sein. Ich durfte
mich ein bisschen aus der Teamarbeit raushalten
für den Sprint. Aber mir gings
heute gar nicht gut.
Das Finale war hektisch.
Am Ende hatte ich überhaupt kein Feeling
für den Sprint.
Weder Beine noch Kopf stimmten.
Und dann geht man automatisch
nicht so aggressiv zu Werke,
wie man es tun müsste.
Man steckt im Sprint zu früh zurück.
Naja, ich hoffe, dass ich mich heute
frei gefahren habe, dass
das der Knackpunkt war. Jetzt kommt
der Ruhetag, dann das Teamzeitfahren.
Mal schauen. Bis morgen!
Fans fragen Frösi
Thorsten fragt: Mich interessiert, ob Ihr trotz Regenüberschuhen bei einer Regenetappe
immer trockene Füße behaltet?
Frösi: Nein, ganz und gar nicht.
Die halten vielleicht zehn Minuten trocken.
Dann läuft das Wasser von oben und unten rein.
Thomas aus Wien: Hältst du es für möglich, dass Schumi in der Gesamtwertung aufs Podest kommt?
Wie schätzt du seine Kletterqualitäten ein?
Frösi: Ich glaube, Schumi kommt sehr weit,
aber das Podium ist wohl nicht realistisch.
Das Rosa Trikot wird natürlich schwer zu verteidigen
beim Teamzeitfahren. Aber wenn
seine Form hält, kann er noch einiges erreichen.
Wie er über die ganz großen Giro-Berge kommt,
muss man mal sehen. Es ist seine erste große Rundfahrt.
Er ist ja kein Kletterfloh wie Sella und wie
sie alle heißen. Wie auch immer:
Sein Giro ist jetzt schon ein Super-Erfolg.
LÜTTICH, 08.05.06.
Das war ein beschissenes
Regen-Rennen - aber mit einem super Ausgang.
Die Stimmung im Team - Wahnsinn!
Wir freuen uns alle über Schumis
Rosa Trikot.
Die ganze Mannschaft hat
vorhin mit ihm angestoßen auf
den Erfolg. Ein TV-Team war dabei.
Da ist schon mächtig Rummel
jetzt. Ich habe
vorhin kurz mit Stefan gesprochen,
ich habe ihm gratuliert, er hat
nochmal kurz den Sieg Revue passieren lassen.
Schumi ist ein sehr netter Kerl und
er ist im Triumph
jetzt genauso ruhig und bescheiden wie immer.
Das Rennen heute hat zunächst
wenig Spaß gemacht.
Vier Mann sind früh rausgefahren.
Quick Step dahinter
kontrolliert. Da war
für mich erst mal nichts
zu tun. Die letzten 20km sind
wir dann alle für
Schumi gefahren.
Ich halte ihn aus dem Wind,
bringe ihm eine Regenjacke -
alles, um ihm die Sache so leicht
wie möglich zu machen,
damit er alle Kräfte für
den Schluss sparen kann.
Bis 5km vor Schluss
habe ich ihn in Position fahren können.
Dann war meine Aufgabe erfüllt.
Unten am Berg bin ich ausgeschert,
bin den Berg zügig hochgefahren,
aber ohne zu forcieren.
Fans fragen Frösi
Monika
aus Schwetzingen
fragt:
Was ist für Dich die optimale Verpflegung während einer Etappe?
Was isst Du, wieviel trinkst Du?
Frösi: Ich trinke meist
Mineralwasser - Gerolsteiner natürlich...!
Bei langen Etappen manchmal 10 Flaschen.
Heute waren es 3, 4.
Als Verpflegung gibts
Riegel, die berühmten Silberlinge, also in Alu gewickelte Kuchenstücke oder
Brötchen. 3, 4 Energiegels.
Über Funk habe ich mitbekommen,
was vorne los war. Christian Henn, unser
Sportlicher Leiter,
feuert Schumi an: "Hopp, Schumi!",
"Komm, zieh durch!", "Da kommt keiner
mehr!". Ich war 700 Meter
vor dem Ziel, da höre
ich, dass unser Mann gewonnen hat.
Das ist so schön wie
ein eigener Sieg.
Naja, fast. Aber ich habe mich ehrlich gefreut,
das ist kein Spruch. Auf der großen Video-Leinwand
haben sie Schumis Sieg gerade nochmal
eingespielt, als ich ins Ziel kam.
Giro im Fernsehen geschaut,
während ich selbst noch im Rennen
bin. Auch nicht schlecht...
Im Ziel kommt mir
Schumi entgegen.
Konnte noch kurz gratulieren,
schon war er weg. Total abgeschirmt
wird der Sieger.
Das ganze Programm läuft dann ab:
Siegerehrung,
Pressekonferenz, Jubel, Trubel.
Ich glaube, Schumi wird
morgen früh aufwachen und
seinen Zimmergenossen Thorsten Hiekmann
fragen, ob er das geträumt hat...
Auf die Mannschaft kommt
jetzt natürlich Arbeit
zu. Wir haben das Rosa Trikot!
Wir haben jetzt Verantwortung
als Team. Was das für mich persönlich
bei der Flachetappe morgen bedeutet
weiß ich noch nicht.
Das wurde natürlich heute abend in der Hektik noch nicht besprochen,
das machen wir morgen.
Kann sein, dass wir
alle für Schumi arbeiten.
Oder vielleicht soll ich mich schonen
für den Sprint. Wenn ich
für Schumi fahren soll,
ist das aber für mich null Problem.
Wirklich nicht. Die Mannschaft geht vor,
der Chef sagt, was zu machen ist.
Das ist Profiradsport hier
und da muss man manchmal seine eigenen Interessen
zurückstellen. Aber fürs Rosa Trikot
beim Giro macht man
das auch gern. Wie oft
kommt das vor, dass man fürs Rosane
fährt!?
Ich wäre aber auch bereit für einen
Sprint. Meine Form steigt,
meine Schulter ist okay, die
handicapt mich nicht im Sprint.
Also, bis morgen!
2.Etappe
Parkschein gelöst...
LÜTTICH, 07.05.06.
Das war heute McEwen-Tag und
Frösi war platt wie Oskar.
Auf den letzten 1500 Meter
ging plötzlich gar nichts mehr.
Aber irgendwo hatte ich
sowas schon halb erwartet.
Die zwei Wochen
vor dem Giro, nach dem Sturz
in Niedersachsen, waren zu ruhig für mich.
Der Körper fährt runter und
im Grenzbereich im Sprint
merkt man dann ganz schnell,
wenn einem etwas fehlt
in der Vorbereitung,
zumal ich immer etwas Zeit brauche,
um auf Betriebstemperatur zu kommen.
Heute morgen hatten wir
eine etwas längere Anfahrt, 120km zum Start.
Wir sind während der ganzen vier belgischen Etappen
in Lüttich untergebracht.
Auf der Fahrt begann es schon zu regnen.
12 Grad. Die Frage: Was zieht man an?
Habe mich für eine kurze Regenweste entschieden.
Zum Einschreiben
sind wir 4km auf dem Rad gerollt -
da war ich dann aber schon pitschnass,
so hat es sich eingeregnet.
Also nochmal umziehen, lange Regenjacke.
Dann gings los.
Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Frösi freut sich auf Ihre
Mails an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Er wird nach Möglichkeit auf
Ihre Fragen eingehen.
Das Rennen begann ruhig.
Ich hatte gleich einen Platten.
Da war ich allerdings nicht der einzige.
Soviele Defekte wie heute habe
ich selten gesehen im Feld.
Weiß gar nicht, woran das
lag. Nun, irgendwann
fuhren die Ausreißer weg.
Milram und Discovery haben sich sofort
im Feld vorne eingereiht.
Damit war hinten Ruhe.
So sind wir dann durch
die "Flachetappe" gekreiselt.
"Flach" war die aber nicht.
Es ging ständig hoch, runter.
Viele Zuschauer (bemer