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Robert Förster, 28 Jahre alt und aus Markkleeberg bei Leipzig, ist seit 2001 Profi. Nach zwei Jahren beim GS-II-Rennstall Nürnberger wechselte er zum Team Gerolsteiner. Der Sprintspezialist feierte bereits über zehn Profisiege und holte bei der letzten Tour de France eine Top 3-Platzierung. Beim Giro d'Italia startet "Frösi" nun zum vierten Mal - und zum vierten Mal schildert er in einem Tagebuch seine ganz persönlichen "italienischen Momente".

21.Etappe
Die Moral heißt: Du darfst nie aufgeben

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BERLIN, 28.05.06. Tja, was soll ich sagen, es hat endlich mal geklappt! Ein geiles Gefühl, beim Giro und dann auch noch in Mailand zu gewinnen. Aber so richtig ist das bei mir noch gar nicht angekommen. Das war ein so schwerer Giro und ich ging nicht gerade in hervorragender Form rein. Dann die Sache mit der lädierten Schulter. In der ersten Woche lief es nicht und natürlich wächst da der Druck. Was gurkt der denn da beim Giro rum, heißt es dann irgendwann. Ein paar Leute haben mich aber immer aufgemuntert, auch wenns mal richtig schwer war. Das hält einen dann am Leben. Unser Sportdirektor Christian Wegmann etwa in den Bergen: "Komm quäl Dich, Frösi, denke an Mailand!" Ich habe jeden Abend mit meinem Trainer telefoniert, mit meinen Eltern. Man braucht dieses Umfeld, das zu einem steht, egal was ist. Niemals aufgeben, lautet die Moral von heute.

Die Freude ist jetzt riesengroß, aber wie gesagt, es geht bei mir alles noch ein bisschen durcheinander. Seit ich vor nun gut sechs Stunden über die Ziellinie gerollt bin, bin ich noch nicht zum durchatmen gekommen. Ich kann mich eigentlich nur erinnern, wie ich nach dem Ziel unserem Physio Slawo in die Arme fiel. Dann haben sie mir mein Rad abgenommen und es ging ruckzuck in ein Zelt. Dort schnell Klamotten wechseln. zur Siegerehrung, ein erstes kurzes Interview fürs Fernsehen, zum Pinkeln in die Dopingkontrolle. Ich sage vorsichtig: "Hey, Leute, mein Flieger geht gleich, ich muss langsam..." Aber das hat keinen interessiert. Pressekonferenz war angesagt. Danach im Laufschritt in den Bus, kurz Duschen. Dann mit 100 Sachen durch Mailand zum Flughafen, am Businessschalter habe ich mich vorgedrängelt, dass die anderen Leute schon getobt haben. Aber ich war so knapp dran, die wollten mich erst schon gar nicht mehr mitnehmen. Schließlich falle ich in den Sitz neben Hieke, der die selbe Maschine nach Berlin hat. Puh.


Foto: Roth
Den größten Anteil an meinem Sieg heute hat mein Teamkamerad Sven Krauss. Ich war zunächst etwas nervös auf dem Schlusskurs. 10 Runden vor Schluss habe ich ehrlich gesagt nicht mit dem Sieg gerechnet. Im Laufe der letzten Runden lief es immer besser. Kraussi hat voll die Ruhe ausgestrahlt. "Wir machen das heute, ich hab das im Gefühl!", sagt er mir 5 Runden vor Schluss. Die letzten 5km waren wie aus dem Lehrbuch. Ich habe Krauss bestimmt 10 Mal eingetrichtert, dass er bloß nicht früher als 200 Meter vor Schluss rausgehen darf, weil Wind auf der Zielgeraden stand. Dann fährt er das Loch hinter dem von Milram zu und punktgenau bei 200 Meter geht er raus. Ich trete an und es ist, als ob ich mir selbst zuschaue. Ein Riesendankeschön an die ganze Mannschaft. Hieke, Schumi, Moletta, Krauss - alle haben heute einen super Job gemacht.

Morgen werde ich den Sieg erst einmal genießen, das ist das schöne, wenn man am letzten Tag gewinnt. Heute abend wird es sicher spät, aber morgen gehts um halb neun wie immer raus. Endlich liegt mal nicht ein Rennfahrer neben mir... Endlich gibt es mal ein richtig schönes Frühstück, eine schöne Tasse Kaffee, Rührei und ganz bestimmt keine Nudeln, kein Reis, kein Hühnchen... Einen Tag lang werde ich das Rad nicht anfassen. Drei Wochen Giro sind rum - und es ging so schnell rum, aber andererseits kommt es mir vor, als wären wir vor Monaten in Belgien losgefahren. Ein komisches Gefühl.

Ich hoffe, mein Tagebuch in Zusammenarbeit mit den Jungs von RADSPORT-NEWS.COM hat Euch wieder ein bisschen Spaß gemacht. Herzlichen Dank für die vielen, vielen Mails, die ich leider gar nicht alle beantworten kann. Bis demnächst - vielleicht bis zu meiner nächsten großen Rundfahrt. Mal schauen, welche das sein wird. ;)


20.Etappe
"Mein Freund, der Mortirolo..."

AGRATA BRIANZE, 27.05.06. Das war ein stressiger Tag. Erst mal 120km Transfer heute morgen zum Start, wobei wir auch noch im Stau standen und erst 25 Minuten vor dem Start ankamen. Keine Zeit zur Vorbereitung, huschhusch aufs Rad und los. 220km Radrennen durch die Berge und danach nochmal 170km-Transfer im Auto auf der Landstraße. Das reicht für einen Tag. Was uns das ganze alles ein kleines bisschen entspannter ertragen lässt, ist dass wir morgen in Mailand ankommen...

Das Rennen begann ruhig. Keiner wollte so recht, alle waren platt von gestern. Nach 50km die ersten Attacken, da schrien sie hinten: "Hey, mach mal ruhig!" CSC und Simonis Truppe haben sich dann vors Feld gesetzt. Der erste Berg - da musste unbedingt mit drüber, sagte ich mir. Ich gondelte immer wie ein Bumerang hinten. Zwischen den ersten Autos, wieder dran, wieder Autos, wieder dran. Oben war ich dran. Nach der Abfahrt gleich der Gavia. Dort bildete sich sofort ein großes grupetto. Viele Blaue dabei. Am Anfang haben da einige zu kämpfen gehabt. Das Ding dauerte ewig, zumal auch nicht soviele Zuschauer da waren. Du denkst, du fährst in den Himmel. 2600 Meter ist das Ding hoch. Oben 12 Grad, ein 50-Mann-Grupetto. Viel mehr kann man eigentlich gar nicht erhoffen. Oben am Pass hatten wir keine eindeutigen Infos über den Rückstand. 10 Minuten sagen die einen, 25 Minuten die anderen. Einige haben da schon Panik geschoben. Wir haben nach der Abfahrt voll gekreiselt, Vollgas bis zum nächsten Berg.

Dann kam mein Freund, der Mortirolo. Eine fantastische Stimmung, soviele Fans! Ich weiß jetzt auch, warum der Mori ein Pflaster am Kinn hat: Damit ihn die Tifosi alle erkennen! Der hat heute echt Body surfing gemacht am Mortirolo. Der wurde nur von den Fans geschoben. Ich fuhr so in der Mitte des grupetto und bis zu mir sind die Jungs meist schon am hecheln nach dem Schieben, aber ich habe auch noch genug Helfer gefunden... "Spingere!" und "Grazie!" - das sind die beiden italienischen Wörter, die man am Mortirolo zum Überleben braucht. Die Italiener wissen schon, wie das geht. Ohne den Rückenwind wären wir vermutlich jetzt noch unterwegs. Die Kommissäre hatten freundlicherweise anderswo zu tun...

Ewig steil ist das Ding. Die Kilometer vegehen nicht, die Höhenmeter erst recht nicht. Zum Begleitfahrzeug kann man nicht und es sind 31 Grad. Wir haben ständig Wasser von den Zuschauern bekommen, die Flaschen wurden ständig rumgereicht. Trinken, übern Kopf, das ganze Programm. Oben am Mortirolo hatten wir 40 Minuten. Die Abfahrt volles Risiko, also alles in Ordnung! Dennoch meint Cioni, er müsste auf den letzten 15km das grupetto sprengen. "Eh, campione di grupetto!?", schimpfen die Italiener. 5000 Höhenmeter heute - ein Hungerast und du bist weg. Bramati hing heute in den Seilen und ich habe ihm einiges von mir noch zum Essen gegeben. Ja, gestern war er auch so einer, der meinte das grupetto auseinanderfahren zu müssen. Aber egal, da herrscht Solidarität.

Nach dem Rennen wie gesagt 170km Transfer auf der Landstraße. Um 21:30 Uhr bin ich im Hotel und einige von uns sind noch nicht da, als ich auf der Massagebank liege. Der Gedanke an Mailand hält uns heute am Leben. Morgen gibts einen Sprint - 100-prozentig. Dafür werden Bettinis Team, Pollack und auch wir schon sorgen. Ich will vorne mit reinhalten, klar. Mein Ziel? Naja, beim letzten Mal war ich Dritter, also... Ich bin natürlich nicht bei 100 Prozent, aber das ist keiner mehr im Feld. Drückt mir die Daumen!

Fans fragen Frösi

Hermann fragt: Ich habe gesehen, dass Eure Helme - oder nur einige - keinen Schutz von kleinen Gittern gegen Insekten haben. Beim Kauf von Helmen wird eigentlich geraten, auf diesen Schutz zu achten. Warum z.B. haben scheinbar Eure Helme solch einen Schutz nicht?
Frösi: Ich weiß nicht, aber ich hatte noch nie Probleme mit Insekten, ich merke da nix von. Heute war so ein Tag, wo man den Helm am liebsten ganz wegpfeffern würde. Die sind gut belüftet und so, aber an so einem Tag fahre ich nur mit, weil es Pflicht ist. In der Abfahrt ja, aber berghoch müsste nicht sein.

Markus aus Schopfheim fragt: Wer plant eigentlich, an welchen Rennen du teil nimmst? Macht das komplett die Teamleitung, oder hast du da auch ein Mitspracherecht? Und wie sieht denn dein Rennprogramm für den Rest der Saison aus?
Frösi: Man hat bei uns schon recht viel Mitspracherecht. Natürlich kannst Du nicht einfach sagen, ich fahre die Tour de France. Aber sonst schon. Mein Programm? Nach dem Giro mache ich erst mal ruhiger. Dann kommt als nächstes Rennen die Ster Elektrotoer in Holland Mitte Juni.


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Frösi freut sich auf Ihre Mails an froesi-tagebuch@radsport-news.com.


19.Etappe
Wie bedankt man sich bei den Fans?

FALCADE, 26.05.06. Wenn ich mir heute noch mal im Nachhinein das Profil anschaue und überlege, über was für Pässe wir gefahren sind, muss ich sagen, dass ich das ganz gut überstanden habe. Das war aber eine Etappe, die keiner von uns im grupetto wirklich brauchte. 5300 Höhenmeter.

Heute früh begann das Rennen erst mal gemütlich. Man merkte, dass alle mächtig Respekt vor der Etappe hatten. Nach ein paar Kilometern hat Basso Blumen niedergelegt für den verstorbenen Zanette, der vor drei Jahren in Pordenone ganz plötzlich zu Tode kam. Die ersten 60km waren total ruhig. Es gab auch mal Zeit für ein paar Spässchen. Einer musste mal für große Jungs, ist ein Stück rausgefahren und hat sich in ein Feld verkrümelt. Einer der Jungs packt sich sein Rad und schiebt es 300 Meter weiter. Der arme Kerl kam aus dem Feld hinterhergerannt. Wir haben gelacht...

Dass es langsam begann, war ganz nach meinem Geschmack. Die Karenzzeit - heute 15 Prozent - wird immer von der Siegerzeit aus berechnet, und je langsamer die ist, desto größer ist das Limit. Die erste Sprintwertung hat sich Bettini geschnappt und wie das oft so ist, haben den Sprint einige gleich verlängert. Die Gruppe bildete sich. Ab da wurde es schnell. Ich habe aber gleich gemerkt, dass ich heute gute Beine habe. Das ist doch ein bischen beruhigend bei so einer Etappe. Ein kleines bisschen Schwäche kann dir hier sonst das Genick brechen. Mein Teamkollege Volker Ordowski hatte es heute mit dem Magen. Am Berg sehe ich ihn erst, kurze Zeit später fährt unser Begleitfahrzeug an mir vorbei. Oben drauf das Rad mit seiner Startnummer. Mist, denke ich, schade für ihn. So kurz vor Mailand!

Am ersten Berg musste ich erst kurz vor der Kuppe reißen lassen, in der Abfahrt geich wieder ins Feld rein. Der nächste Berg unten gleich richtig steil. Aber ganz schön zu fahren. Landschaftlich auch sehr schön. Einen kleinen Blick konnte ich heute riskieren. Wir waren eine große Gruppe, 45 Mann, Schumi und Krauss von uns dabei, Pollack. Angenehme Gruppe. Wir fuhren die Berge zügig und in der Abfahrt wie immer am Limit.

An den letzten beiden Anstiegen viele, viele Zuschauer, tolle Atmosphäre. Und auf der Straße war bestimmt 150 Mal "Frösi" aufgemalt... Da haben sich aber einige richtig Arbeit gemacht. Auch oben dann soviele "Frösi"-Rufe. Das tut wirklich gut. Das macht Mut, das motiviert, wenn man mitkriegt, dass man nicht nur so dahinkullert, sondern dass einige auch ein bisschen Anteil daran nehmen. An die Straßenmaler: Wenn Ihr das lest, meldet Euch doch mal, ich würde mich gerne bedanken! Im Rennen geht das so schlecht. Wenn ich die Anfeuerungen höre, würde ich am liebsten anhalten und mit Euch ein Bier trinken. Aber das geht ja nicht wirklich...

In den Schlussanstieg ist unser grupetto 15 Minuten nach der Favoritengruppe reingefahren. 18km vor Schluss bekommen wir mit, dass die Spitze auch erst bei der 10km-Marke ist. Alles im Grünen Bereich, auch wenn einige meinten, sie müssten schnell fahren. Irgendwann rufen sie Pollack ständig "Ullrich, Ullrich" entgegen. Ich denke, was ist denn da los, verwechseln sie Olaf jetzt mit Ulle? Erst im Nachhinein habe ich kapiert, dass die sagen wollten, dass Ulle ausgestiegen ist. Ins Ziel kamen wir mit 41 Minuten, reichlich Luft zum Limit.

Nach der Ziellinie wieder Chaos, alle Mann wieder runter. Unser Hotel war an der 10km-Marke. Als ich da vorbeifuhr und unsere Betreuer winken sehe, denke ich: Mann, was fahre ich jetzt wie doof da hoch und dann wieder runter. Sie könnten mir doch eigentlich auch so die Zeit der Gruppe aufschreiben und gut ist. Aber so funktioniert das ja leider nicht. Ins Hotel, Dusche, Massage, Essen. Abendessen ist aber übertrieben. Das ist jetzt nur noch technische Nahrungsaufnahme. Hunger habe ich keinen mehr. Man schaufelt die Nudeln rein, weil man weiß, dass man essen muss. Gegen Ende einer großen Rundfahrt verschwimmt alles. Das geht allen so, wir haben heute in der Gruppe drüber gewitzelt. Essen, schlafen, Radfahren. Tagein, tagaus.

Morgen kommt wieder so ein Tag, an dem es ums Überleben geht. Aber so ganz langsam erlaube ich mir einen Gedanken an Mailand. Das rückt doch jetzt ziemlich nahe. Die vorletzte Etappe - müssten wir auch noch hinkriegen. Die richtige Gruppe, die groß genug ist - aber ich will da nichts beschreien. Eine Schwäche zur falschen Zeit und man ist Weg vom Fenster. Das kann ganz schnell gehen.

Fans fragen Frösi

Falk fragt: Wie ist das bei einer Sehschwäche, gibts da Brillen mit Sehstärke oder tragt ihr alle Kontaktlinsen ?
Frösi: Es gibt schon einige im Peloton mit Sehschwäche. Volker bei uns, oder zum Beispiel Bobby Julich. Einige fahren mit Brillen in ihrer Sehstärke, andere mit Linsen, oder manche machen auch beides, je nachdem. Ich kriege das schon mal mit, wenn beim Volker die Linsen verrutschen. Aber im allgemeinen gibt es da keine Probleme.

Patrick schreibt: Ich bin 17 Jahre alt und habe gerade mit Rad fahren im Verein begonnen (vorher Fussball) daher meine Frage: In welchem Alter hast du mit dem Radsport begonnen und was hat dich dazu bewegt?
Frösi: Mit 12 Jahren. Ich habe erst Handball gespielt, dann aber nicht mehr so Lust darauf. Ich fuhr mit meinem Vater viel Rad, da dachte ich, ich versuche es richtig mit Radsport. Auch, weil das ein bisschen in der Familie liegt. Mein Onkel Egon Adler fuhr in den 60er Jahren u.a. die Friedensfahrt und war Olympiateilnehmer. Da dachte ich, ich könnte vielleicht die Familientradition fortsetzen. Neben der Straße fuhr ich auch Cross, was eine gute Schulung ist im Nachwuchsbereich. Als Schüler war ich übrigens 1990 DDR-Meister im Cross. Und da es die DDR dann nicht mehr gab, bin ich also amtierender DDR-Meister...!


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18.Etappe
Stau in den Serpentinen

REVINE LAGO, 25.05.06. "Übergangsetappe" war das heute. Au weiha, dafür waren da aber ganz schöne Kanten drin. Ich habe gelitten, aber da war ich nicht der einzige. Nach dem Rennen war ich aber wieder schnell okay, so ganz schlimm war es also auch nicht, für morgen müssen ja auch noch ein paar Körner da sein. Mit einem Sieg im Team ist die Stimmung sowieso gut! Super, wie unser Schumi das heute wieder hingekriegt hat.

Die ersten 30km nach dem Start gings nur hoch, runter. Quick Step signalisierte, dass sie bis zur Sprintwertung für Bettini fahren, der sich mit Basso ums Cyclamin-Trikot kloppt. Das hat im Feld für etwas Ruhe gesorgt. Ich hatte schon die Befürchtung, dass wir in den Berg reinfahren und noch keine Gruppe ist weg. Dann spielen sie da am Berg Katz und Maus und das Feld fliegt auseinander. Am Berg ging die Gruppe weg. Ulle wollte unbedingt in der Gruppe mit, der hat ständig attackiert.

An dem richtigen Berg sind wir voll in Reihe reingeblasen. Ich war schon am Klemmen, da attackieren die vorne weiter. Da geht einem das Rollo runter. Wo wollen die denn hin? Ich habe aber gebissen, war bis kurz vor Schluss vorne dabei. Als ich reißen lasse, kommt von hinten Di Luca. Na, wenn der noch hinter mir war, kann ich ja nicht so schlecht gewesen sein. In der Abfahrt kamen wir wieder ran. Dann gleich der nächste Berg. 12km, 700 Höhenmeter (Übergangsetappe...!) Ließ sich aber auch ganz gut fahren. Ich hab lange gegengehalten. In den Serpentinen habe ich immer einen Blick nach hinten geworfen und gesehen, dass ein 40 Mann Feld hinter mir kommt. Als ich schließlich reißen lasse, ist auf einmal Bettini neben mir. Der hat vielleicht geschwitzt. Der hatte keinen guten Tag. Mit Bettini bin ich über die Bergwertung. 30 Sekunden hinter dem Feld. In der Abfahrt wieder dran. Unterwegs sehe ich Gadret am Straßenrand liegen. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass es dem nicht gut ging. Armer Kerl, in den Bergen fuhr er so super, dann so ein dummer Sturz.


"In der Abfahrt wieder dran" Frösi bei der Etappe am Donnerstag
Foto: Roth
Dann war erstmal ein bisschen Ruhe. Allgemeine Pinkelpause war angesagt. Über Funk sagt unser Sportlicher Leiter Christian Wegmann: "Jetzt kommt ein Berg mit 800 Höhenmetern, 10 Prozent im Schnitt." Was? (Übergangsetappe...!?) Unten die erste Kehre hatte es gleich in sich. 16 Prozent und ganz eng. Da mussten alle absteigen, weil es Stau gab. So war das dann in jeder dritten Kehre bis oben. Ein ekliges Ding. Nahm gar kein Ende. Wenigstens sind sie da human hochgefahren und ich hatte kein Problem, im Feld rüberzukommen.

Vorne ist plötzlich Phonak eingestiegen und hat Tempo gemacht. Ich wusste erst gar nicht, was das soll. Aber die hatten ihre Führung in der Teamwertung im Blick, weil Wegelius von Liquigas vorne Zeit gutmachen würde. Nach dem Berg hatte keiner mehr Getränke und hinten in den Autos war Rush hour. Wir haben bald 30km gebraucht, bis alle versorgt waren. Als wir so Richtung Ziel rollen, denke ich schon, ob wir im Feld um Platz 6 sprinten. Ein Franzose neben uns stöhnt plötzlich auf: "Merde!" Ich schaue hoch, da sehe ich was er meint: Eine Menschenmasse baut sich im Hang über uns auf. Der 2km-Hügel im Profil ist auch mal so eben 18 Prozent steil. Und danach nochmal son Ding, in den Phonak reingeblasen ist.

Wir habens dann auf den letzten Kilometern sein lassen und ich fuhr mit Volker in einer kleinen Gruppe rein. Wir haben uns ganz auf den Teamfunk konzentriert und mit Schumi mitgefiebert. Ich höre Christian Wegmann, wie er Schumi anfeuert: "Hopp!", "Zieh!", "Jetzt von vorne!", "Komm, ja!", "Jawoll!" Da haben wir auch gejubelt. Genau an der 5km-Marke.

Im Ziel wie immer Chaos. Schumi ist schon lange weg, Siegerehrung, Dopingkontrolle, Pressekonferenz. Nachher im Hotel habe ich ihm erst gratulieren können. Gegen 18:30 Uhr war ich im Hotel. Das ist ganz gut, hat aber kein Restaurant. Also mussten wir mit den Autos nach der Massage nochmal raus. Das Essen zog sich hin, erst nach 22 Uhr wieder im Zimmer. Die Italiener machen aus dem Essen immer ein Fest, ich sehe das in der dritten Girowoche nur als reine Nahrungsaufnahme und will so schnell wie möglich ins Bett. Morgen wieder ein Tag, an dem es nur ums Überleben geht. Das kann ganz schnell gehen. Eine kleine Schwäche und man ist weg vom Fenster. Drückt uns die Daumen, wir wollen nach Mailand!

Fans fragen Frösi

Richard fragt: Was hältst du eigentlich von der neuen elektronischen Dura Ace Schaltung, schon mal gefahren?
Frösi: Ich persönlich nicht, aber drei von unserem Team haben die für Shimano ein paar Wochen unter Rennbedingungen getestet. Das war sehr vielversprechend, wie ich gehört habe. Keine Probleme, auch nicht im Regen.

Sascha aus Hamburg fragt: Ich habe schon mehrfach beobachtet, wie sich gerade die Fahrer des Grupetto bei regnerischen Zieleinlauf die Regenjacke hinten hochziehen, so dass die Startnummer zu sehen ist? Warum macht ihr das noch? Ihr fahrt doch sicherlich mit Transpondern am Rad oder nicht???
Frösi: Streng nach Vorschrift muss die Startnummer frei sein, auch wenn wir Transponder haben. Ich habe schon bei Rundfahrten erlebt, dass sie Strafen verteilt haben, wenn das nicht eingehalten wurde.

• Ein anderer (wirklich Zufall!) Sascha aus Hamburg fragt: Kann es sein, dass ihr Profis irgendwie "kälteunempfindlicher" seid als Hobbyradler. Bei den Übertragungen (insbesondere bei den Frühjahrsklassikern) fällt mir immer wieder auf, wie wenig Kleidung ihr tragt. Würde ich bei vergleichbarem Wetter eine Ausfahrt machen, würde ich mich (und ich denke die meisten Hobbyradler auch) deutlich wärmer kleiden. Habt ihr irgendwelche Tricks (Öle etc. oder Weltraum-Unterwäsche) oder täuscht mich mein Eindruck?
Frösi: Ich glaube nicht, dass wir kälteunempfindlicher sind. Man sieht im Fernsehen ja nicht, wenn wir frieren. Und wenn man friert hilft das ja auch nichts, man kann ja deswegen nicht aussteigen. Was die Kleidung angeht: Ja, da versuchen wir schon alles, was möglich ist. In den Begleitfahrzeugen haben wir ja für alle Gelegenheiten Kleidung dabei, was ein Hobbyfahrer natürlich nicht so hat. Aber wie gesagt: Im Prinzip frieren wir genauso!


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17.Etappe
Mit Ulle den Berg hoch

SILLIAN, 24.05.06. Ich schaue heute morgen aus dem Fenster: Dauerregen. Das kann was geben bei der Etappe mit diesem Monsterberg am Schluss, denken wir alle. Dann erst mal die Klamotten zusammenpacken für nach der Etappe, weil wir mit der Seilbahn hätten wieder runterfahren müssen, nicht wie sonst gleich in den Bus.

Am Start gab es große Diskussionen. Jens Voigt in der ersten Reihe dabei. Die Fahne geht hoch zum Start - keiner rührt sich. Voigte kommt nach hinten. Was denn los, frage ich ihn. Jede Mannschaften soll einen Sprecher vorschicken, es gehe um die Strecke. Am Würzjoch sind 0 Grad und Schneeregen. "Wenn wir da drüberfahren, holen wir uns ja den Tod", sagt er. Ich habe natürlich überhaupt nichts dagegen, wenn sie einen Berg streichen. Irgendwie hat man sich geeinigt, dass wir doch losfahren. Es stand aber noch nicht fest, ob wie den ersten Berg nun fahren oder nicht. Ich hatte erst mal hinten genug mit mir zu tun, weil mir die Kette dauernd abgesprungen ist und ich das richten lassen musste. Dann über Funk die Nachricht: Würzjoch wird nicht gefahren. Simoni hat das offenbar gar nicht geschmeckt, der hätte gern beide Berge drin gehabt. Saunier ist vorne zeitig eingestiegen und hat ohne erkennbaren Grund Tempo gemacht, nachdem Cioni und der von Ag2r rausfuhren.

Nach 25km begann es zu regnen und es wurde immer kälter. Am Start gings noch, bei 700 Höhenmetern waren es nur noch 9 Grad. Regenjacke holen, Handschuhe. Nee, ist zu warm, Weste holen. Nee, zu kalt. Wieder die Jacke. Ich glaube, wir waren heute mehr hinten bei den Autos, als im Feld. Über Funk kommt die nächste gute Nachricht: Die letzten 5km werden gestrichen. Der Weg ist unpassierbar.

In den Berg am Schluss ging ein ganz großes grupetto rein. Jan Ullrich mit dabei. Ich fuhr ziemlich lange mit ihm zusammen heute. Wir sind jetzt nicht die dicken Kumpels oder so, aber ich denke, ich habe ein ganz gutes Verhältnis zu ihm. Er ist ganz natürlich und locker, ganz und gar nicht so, dass er den Star markieren würde. Als ich so neben Ulle fuhr, bekam ich mit, wie fast jeder Zuschauer ihm einen Spruch reindrückt. "Ulle, super", "Ulle hopp!", "Ulle, du gewinnst die Tour!" Oder halt auch: "Ulle, nun mach mal schneller." Das sind gut gemeinte Aufmunterungen, aber mir ging das nach einem Kilometer auf den Keks, weil es einfach zuviel wurde. "Kannste mal sehen, was ich mir den ganzen Tag anhören muss", lachte Ulle.

Nach dem Rennen das übliche Chaos. Unser Hotel in Österreich ist sehr schön. Herrliches Buffet. Uns gehts gut und wir schmieden Pläne für morgen. So eine mittelschwere Etappe, relativ schweres Finale. Auf jeden Fall was für Gruppen. Kraussi hat heute schon mal seine Form getestet. Der hat was vor. Mal schauen, wie das Rennen läuft. Bis morgen.

Fans fragen Frösi

Vicky fragt: Merkt ihr das eigentlich wenn der "Teufel" Didi Senft an der Straßenseite steht und wenn ja, motiviert euch seine Anfeuerung?
Frösi: Klar, das kriegt man auf jeden Fall mit und man freut sich. Wir sehen ihn halt nur jeden Tag, da nutzt sich der Effekt mit der Zeit ab. Neuerdings hat unser Sponsor Spezialized ein Engelchen am Straßenrand stehen. Ein Mädel mit Flügeln. Hübscher anzusehen ist das schon...

Tami fragt: Wie lange trainierst du in einer Woche, in Stunden? Und was für einen Schnitt hast du?
Frösi: Das kommt ganz drauf an, in welcher Phase man gerade ist, ob man gerade vom Rennen kommt oder wann das nächste auf dem Programm steht. Normalerweise fährt man 5, 6 Stunden pro Tag. Nach dem Schnitt schaut man nicht, sondern nach dem Trainingsplan. Kommt ganz drauf an, je nachdem, ob intensives Training angesagt ist oder lockeres.

Christian aus Mainz fragt: Ist in den angereichten Trinkflaschen eigentlich italienisches Leitungswasser oder stilles Mineralwasser (Gerolsteiner? :-)) Oder haben da auch einige einen "Zaubertrank" mit Mineralien/Kohlenhydraten wie die meisten Hobbyfahrer? Sonst gibts wohl nur noch mal Cola und Gels neben den Silberlingen?
Frösi: Wir trinken Gerolsteiner, ist doch klar! :) Bei den Trinkflaschen gibt es drei Versionen: Wasser, Mineraliengetränk und Kohlenhydratgetränk. Cola und Energiegels gibts auch nebenbei.


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16.Etappe
Das grupetto fiebert mit

CAVALESE, 23.05.06. Ein anstrengender Tag, aber den Zahn gezogen hat mir die Etappe nicht. Heute gab es endlich mal wieder einen echten Giro-Start. Die erste Stunde ganz piano. Alle hatten Respekt vor dem Schlussanstieg. Simoni hat ja groß angekündigt, dass er was vorhat und alle wussten, dass es am Ende ganz schwer wird. Also erst mal ganz easy so dahingepillert.

Nach 30km oder so fuhr auf einmal Matthew White von Discovery los wie ein Verrückter. Wir denken, was ist denn mit dem los? Wieso fährt der jetzt eine Attacke? Ne, schau mal, der hat ja Klopapier dabei, ruft ein Kollege. Der musste mal für große Jungs und fuhr dafür ein paar Minuten vor. Gibts auch mal. Heute ging das auch recht gemütlich er kam ohne große Anstrengungen wieder ins Feld.

Nachdem der von Panaria rausfuhr - diesmal war es eine wirkliche Flucht - hat CSC im Feld kontrolliert. Aber regolare. Die haben nicht zu sehr aufs Tempo gedrückt. Am ersten Berg gings mir trotzdem nicht so gut, ich hing da ziemlich in den Seilen. Am zweiten Berg gings dafür wesentlich besser. Ich kam ohne Probleme im Feld da mit rüber. Vor dem Schlussanstieg wurde es schnell. Mit 60 sind sie durch die Ebene. Kurz vor dem Schlussanstieg kam noch eine kleine, 2 oder 3km lange Abfahrt. Mit 90km/h in den Tunnel rein. Unten dann gleich rein in den Berg.

Nach ein paar Tritten bin ich ausgeschert. 50 Mann hinten, ein grupetto de luxe. Alle haben Kronplatz im Hinterkopf, das wird schwer genug, also heute so kräftesparend wie möglich. Ich fuhr ziemlich vorne im grupetto. Es war relativ lässig, auch wenn man sich nicht vorstellen darf, dass es nicht anstrengend wäre. Am Ende haben wir über Funk verfolgen können, was vorne abgeht. Unser Sportdirektor Christian Henn war hinten und hat für uns kommentiert. Julich hat uns erzählt, was er über seinen Teamfunk mitbekam. Wahnsinn, wie Basso da alle in den Boden fährt. Wir haben da richtig mitgefiebert, das sagt eigentlich schon alles: Wenn Du am Klemmen bist, kümmert es Dich nicht, was da vorne passiert.

Nach der Etappe wieder totales Chaos. Wir müssen den Berg wieder runter. Die Autos standen bei der 5km-Marke. Nichts ging, alles voll mit Zuschauern. Ich bin richtig wütend gewesen und habe mich da durchgeschrien. Da stehen einige mitten auf der Straße gemütlich rum, dabei wissen sie doch, dass da noch das halbe Feld wieder runterkommt.

Im Bus umziehen und rein in die Autos. Krauss und ich erwischten das letzte Auto, die anderen schon weg. Aber heute waren die Letzten die Ersten. An einer Abzweigung war die Umleitung wegen des Rennens gerade abgebaut worden, kurz bevor wir da hinkamen. Die anderen fuhren einen Umweg und standen ewig im Stau. Wir kamen um 19 Uhr ins Hotel. Wo sind die anderen? Wir waren die ersten. Hieke kam als letzter gegen 21 Uhr. Nach so einer Etappe muss das auch nicht sein, das könnten die Veranstalter besser organisieren. Bei der Tour werden die Teams von der Polizei manchmal durchgewinkt wie der Papst auf Deutschlandbesuch. Heute hat keiner auch nur einen Finger gerührt. Die letzten von sind jetzt um 22 Uhr noch beim Essen und hatten noch keine Massage. Für alle unsere Betreuer wird es eine lange Nacht. Die Mechaniker müssen die Räder noch umbauen. Wir fahren den Kronplatz morgen mit 34/50 und 27 hinten. Wahnsinn...

Volker sah vorhin im Fernsehen ein paar Bilder von dem Schlussanstieg, wie sie da im Frühjahr nur mit Raupen hochkamen. Das wird lustig. Für mich gehts morgen nur ums Überleben. Ein grupetto gibts morgen nicht. Ich denke, da kämpft jeder für sich. Das ist eine so kurze Etappe: 133km. 15 Prozent Karenzzeit bedeutet bei 4 Stunden etwa 36 Minuten. Das bei dem Berg. Halleluja...

Fans fragen Frösi

Rainer fragt: Trainiert ein Sprinter Steigungen oder ergibt sich das so nebenbei in der Saisonvorbereitung?
Frösi: Nicht speziell, und zuhause in Markkleeberg gibts keine so hohen Berge. Aber im Training fahre ich immer auch Berge, so 3 bis 4km lang, 11-12 Prozent.

Peter fragt: Bei den Übertragungen sehe ich häufig den Materialwagen von MAVIC. Mir ist bekannt, dass dort neutrale Laufräder gereicht werden bei einer evtl Panne, wenn der eigene Materialwagen nicht in der Nähe ist. Was mir aber auffällt, ist, dass auf den Wagen auch komplette Räder stehen. Heißt das nun, das ihr als Fahrer bei Defekt auch ein komplettes Rad erhalten würdet? Das wiederum führt zu der weiteren Frage, wie es denn dann mit den Pedalen gehandhabt wird, denn ihr fahrt doch sicherlich alle unterschiedliche Systeme ?
Frösi: Des Rätsels Lösung: Die Räder des neutralen Wagens haben altmodische Hakenpedale, die man mit jedem Schuh fahren kann. Aber die Räder sind wirklich nur für den Notfall. Ich habe noch nie erlebt, dass einer eines der Räder nehmen muss. Eines der beiden Begleitfahrzeuge des eigenen Teams ist eigentlich immer in der Nähe.


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15.Etappe
"...dann noch bisschen mit Lampre angelegt"

AZZANO MELLA, 22.05.06. Ein recht langweiliger Tag - bis auf den Schluss, der war ziemlich aufregend...

Ich war sehr nervös vor der Etappe, ich konnte die Sprintankunft gar nicht erwarten. T-Mobile, Quick Step und Milram haben vor dem Rennen verlauten lassen, dass sie nur eine kleine Gruppe wegfahren lassen würden. So hieß es es dann 170km lang warten auf den Sprint. Es war ein recht blöder Kurs, nur rechts, links. Dann endlich das Finale. Die letzten 20km sind meine Mannschaftskollegen super für mich gefahren. Erst Russ, dann Hieke, Schumacher. Sven Krauss hatte ich vor dem Start schon gesagt, dass er sich vor den letzten 1000 Metern nicht blicken lassen soll. Das klappte alles einwandfrei. Krauss hat sich einen Tick zu früh leer gefahren, aber das soll überhaupt kein Vorwurf sein, das passiert halt ja alles superschnell und man muss das was-weiß-ich-wie-oft zusammen üben, bis es perfekt ist.

Ich bin dann angetreten. Alles oder nichts. Ich gehe lieber mit wehenden Fahnen unter, als es nicht versucht zu haben und am Ende so als Sechster reinzurollen. Als ich das 300-Meter-Schild sehe, denke ich nur, Oh, oh, das wird noch lang. Im Augenwinkel sehe ich, wie sich das erste Rad an mir vorbeischiebt. Scheiße... Dann noch einer. Ich muss mich zusammenreißen voll weiter durchzugehen. Manchmal nehme ich dann aus Enttäuschung die Beine hoch und verschenke noch den ein oder anderen Platz. Sprinter sind aber alle auf Sieg gepolt.

69,9km/h war der Sprint schnell. Im nachhinein hätte ich vielleicht 54 ketten sollen statt 53x11. Aber ich dachte, nach den Bergen ist die Kraft vielleicht nicht so da und bin auf Nummer sicher gegangen. Naja, nachher ist man immer schlauer. Aber ich bin schon irgendwo zufrieden mit dem dritten Platz. Gegenüber der ersten Woche war doch ein Fortschritt zu erkennen. Ich habe mich immerhin mal wieder gezeigt.

Nach dem Ziel habe ich mich noch ein bisschen mit Fornaciari von Lampre angelegt. Wir standen Nase an Nase und haben uns angebrüllt. Er in italienisch, ich auf Deutsch. Da gingen ein paar Jungs dazwischen, sonst wäre das eskaliert. Ich habe mich so geärgert über die Cunego-Truppe. Die gondeln da in der Sprintanfahrt vorne rum und kutschieren Cunego da rein, als sei der hier der Patron mit 20 Minuten Vorsprung. Was will der denn da vorne auf den letzten Kilometer? Basso hält sich auch vorne auf, aber der hat ein Auge dafür, sich aus dem Sprintergetümmel rauszuhalten. Vielleicht sollte ich den Lampres bei der Bergetappe morgen mal vor den Rädern rumturnen, dass sie sehen, wie das ist...

Morgen eine mittelschwere Etappe, bei der es für mich nur darum geht, die Karenzzeit zu schaffen. Vielleicht kann ich dem Team während der Etappe am Anfang noch ein bisschen helfen. Mal schauen, wer was vorhat. Bei mir im Hinterkopf spukt jetzt der Kronplatz-Anstieg am Mittwoch rum. Das bereitet mir doch Sorgen. Das ist eine kurze Etappe, d.h. wenig Zeitlimit und wenn die Bergflöhe da vorne hochhüpfen, wird es für uns dicke Sprinter ganz schön eng. Einige haben heute schon halb im Spaß rumgeflachst, dass wir ja eh alle am Mittwoch nach Hause fahren. Habe ich aber gar keine Lust drauf, ich will nach Mailand!

Fans fragen Frösi

Sven und Marcel aus der Schweiz meinen: Wir finden die ewigen Gruppetto-Berichte langsam ätzend, bring mal was von der Spitze des Rennens, dort wo bei den Bergetappen das wirkliche Leben spielt!
Frösi: Ja, das würde ich auch bestimmt machen, wenn ich letztes Jahr mit zwei Schweizer Freunden nicht soviel Cappuccino und Eis konsumiert hätte... ;-)

Rainer aus Freiburg: Während sich die Hobbyfahrer in richtig edle und teure Funktionsbekleidung hüllen, scheint ihr ja nur diese 30 euro Regenjacken und 20 Euro Überschuhe zu fahren. Sieht das nur so aus oder habt ihr was doch was "besseres" zum anziehen.
Frösi: Die Regenjacken sind aus leichtem Plastik, keine Funktionsfaser. Aber die sind am besten. Aber so billig sind die auch nicht. Die kosten schon an die 120 Euro.

Dirk fragt: Welche Kurbellängen fahrst Du?
Frösi: 172,5

Ingo fragt: Was hältst Du eigentlich von der Funkverbindung zwischen Fahrern und Teamwagen bzw. würde es nicht den Renninstinkt mehr fordern, wenn man den Funkverkehr wieder abschaffen würde (falls man das überhaupt kontrollieren könnte).
Frösi: Ich finde, der Funk hilft mehr, als er schadet. Klar, das Rennen verändert sich schon. Die Kommunikation wird schneller. Aber Kommandos aus dem Begleitfahrzeug gab es früher auch. Von ferngesteuerten Rennfahrern kann man nicht sprechen. Da hängt ja vieles vor allem davon ab, wie ein Sportlicher Leiter seine Mannschaft führt, egal ob er es nun per Funk macht oder herkömmlich.


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14.Etappe
Wie im Computerspiel

SOMMA LOMBARDO, 21.05.06. Nach den Qualen der harten Etappe übernachten wir heute im "Domina Inn", das sich auch noch in der Via Lazaretto befindet! Aber trotz des Namens und der Adresse bin ich wohlauf. Das Hotel ist wirklich angenehm und die 90km-Fahrt nach dem Ziel hat sich so gesehen gelohnt. Gemütliches Mittelklassehotel, gutes Essen (kein Hühnchen!!!), schönes Zimmer. Da erholt man sich gleich ein bisschen besser.

Die Etappe heute - naja, jetzt nach überstandenem Rennen erscheint sie mir gar nicht mehr so schlimm, aber es war schon hart. Am Start war ich etwas nervös wegen des 30km-Bergs direkt am Anfang. Man hört im "Village" rum, versucht rauszukriegen, was die anderen vorhaben. Es begann zunächst ruhig, wie die meisten vermuteten. Dann kommt das Schild: "Bergwertung 29km". Boah! Natürlich weiß ich auch vorher schon, dass der Berg da kommt, aber wenn man das dann so nochmal vor Augen hat auf dem Schild... Da geht einem gleich das Rollo runter.

Natürlich begannen sie dort gleich, Katz und Maus zu spielen. Wie an einer Schnur hoch. Ich habe mich relativ gut gehalten. Es kamen mehr von vorne, als von hinten. Ich sagte mir, dass ich unbedingt im Feld da rüber muss, koste es was es wolle. Nach einer Weile kommt Krauss von hinten. "Da ist eine 30-Mann-Gruppe hinten", sagt er. Aber ich wollte noch nicht ganz reißen lassen. Es fanden sich dann vier Mann - Cioni, Da Cruz, Gates und ich - zusammen. Cioni hat erst ein bisschen geschwächelt, aber dann ist er da hochgezogen, dass wir anderen hinten nur noch gezappelt haben. So kamen wir zur Gruppe vor uns, Pollack dabei und Hieke von uns. Die Autos, die hinter dem Feld fuhren, noch in Sichtweite. Alles im Lot. Ein Schild: "200km ins Ziel". Danke, das muntert jetzt enorm auf!

In der Abfahrt sind wir volles Risiko gefahren. Mit 100km/h in den dunklen Tunnel geschossen. Kam mir vor wie im Computerspiel "Fighter Pilot 3". Bin zu faul, die Sonnenbrille abzusetzen, da ist es noch etwas dunkler. Wenn da irgendwas liegt, ein Schlagloch hinter einer Kurve, dann raschelt es. Da ist kein Spielraum mehr, man fährt voll am Limit. So kamen wir aber dann zügig wieder ins Feld zurück.

Mein Freund Jens Voigt war gerade hinten, Getränke holen, als ich zurückkam. Natürlich drückt er mir wieder einen Spruch ins Ohr. "Ja, ja, Frösi, für mich ist Radsport der schönste Sport der Welt und für Dich ist es der härteste Sport der Welt", grinst er. "Voigte, hör auf mit Deinen Sprüchen", lache ich.

Hinter der Spitzengruppe, die inzwischen weggefahren war, kontrollierte CSC das Tempo. Gemütlich war das auch nicht. In die zweite Bergwertung sind sie voll reingeblasen. Unten riefen gleich zehn Mann "grupetto!". Ich habe erst noch ein bisschen gegengehalten. Aber als es mmer steiler wurde, dachte ich doch, dass es Zeit wird fürs grupetto. Die Karenzzeit würde kein Problem mehr und hinten fuhr ein schönes 20 Mann-Grupetto. Die 22km des Passes haben sich dann endlos hingezogen. Waren auch nicht so viele Zuschauer da. Beim Tempo muss man in der Gruppe einen Kompromiss finden. Henk Vogels meint, wir müssten drauftreten. Guidi dagegen: "Piano, piano". So ein Mittelding wirds dann. Wir sehen in manchen Kehren die Spitze vor uns, da kann man gut abschätzen, wie weit man hinten liegt und ob es gefährlich wird mit der Zeit.

Von der Passhöhe aus dann wieder volle Pulle runter. Ich hatte bis zu 110km/h drauf... So rast man dann in die dunklen Gallerien rein. Da darf man nicht drüber nachdenken, was da passieren könnte. 16km vor dem Ziel kommen wir durch ein Dorf, in dem sie eine Videoleinwand aufgebaut haben. Auf der sehe ich live die Sprintankunft. Die letzten Kilometer brauchen wir also nicht mehr drauftreten, mit der Karenzzeit keine Probleme. Aber unsere Gruppe ist trotzdem voll durchgezogen, eigentlich unnötig. Wir kommen mit 21 Minuten Rückstand rein. Limit lag bei 35 Minuten.

Morgen eine Flachetappe. Am liebsten wäre mir natürlich ein Sprint. Ich fühle mich gut, mir ging es die letzten Tage eher immer besser, als schlechter und einige Sprinter wie McEwen oder Vaitkus sind nicht mehr da. Favorit bei einem Sprint ist für mich Olaf Pollack. Ich denke, T-Mobile wird auf Massensprint fahren, aber ob sie das alleine hinkriegen? Es gibt eigentlich zuviele, die in einer Gruppe was versuchen wollen. Naja, schauen wir mal. Wir gesagt, ich fühle mich jedenfalls gewappnet. Wie es dann mit der Spritzigkeit im Sprint letztendlich aussieht, kann ich Euch erst morgen sagen.

Fans fragen Frösi

Matthias fragt: Mir gehts als kleinem Hobbyfahrer manchmal nach harten Trainingswochen so dass ich dass Rad in die Ecke schmeisse und überhaupt keinen Bock mehr habe und erst mal 3-4 Tage nur auf dem Sofa liege und mehr oder weniger ungesunde Sachen esse. Kennst Du als Radprofi solche Tage auch?
Frösi: Na, klar. Nach drei Wochen Giro hat man auch erst mal genug. Zwei Tage macht man da locker, dann muss man aber wieder aufs Rad, ob man will oder nicht. Sonst fährt der Körper gleich runter und man kommt ganz schwer wieder ins Rollen.

Philipp aus Stuttgart fragt: Wenn du im Training 5,6 Stunden fährst, wie machst du das mit dem Trinken? Hast du immer jemand, der hinter dir im Auto fährt und dir neue Getränke und Essen gibt oder reichen dir die zwei Flaschen am Rad?
Frösi: Wenn die zwei Flaschen nicht reichen, kann man doch Nachschub an ner Tankstelle oder einem Kiosk kaufen.

Markus schreibt: Ich wollte mal wissen ob du auch für den Allerwertesten eine Sitzcreme benutzt und wenn ja was benutzt man da am besten?
Frösi: Ich nutze derzeit eine Lotion von unserem Sponsor Sebamed, mit der ich das Sitzleder eincreme. Keine Sitzcreme, eine ganz normale Lotion. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.


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13.Etappe
Tee überm Kopf

ST. VINCENT, 20.05.06. Au weiha, war das saukalt heute. Ich konnte meine Finger gar nicht mehr bewegen. Es hatte 4, 5 Grad, aber das hat sich angefühlt wie minus 10. Oben am Berg lag Schnee. Im Zielbereich drückte mir einer unserer Betreuer eine Flasche heißen Tee in die Hand. Ich habe den kurzerhand zum äußeren Auftauen zweckentfremdet und mir den Tee über die Beine und über den Kopf gegossen. Die Wärme hält nicht lange, aber für die 200 Meter bis in den Bus reichte es.

Heute in der Mannschaftsbesprechung wurde bereits erwartet, dass eine Gruppe geht. Ich traf Jens Voigt am Start. "Wir lassen heute nicht mehr als 5, 6 Mann weg. Wir haben selbst was vor", meint er. Bei KM 0 begann die Attackiererei. Das große Blatt brauchte man bis KM 75. Bis dahin fuhren wir einen Schnitt von 53,3 km/h... Links, rechts, links, recht, ständig versuchte einer wegzuspringen. Nach 75km hatten alle wohl die Schnauze voll. Bettini setzte sich vors Feld. Nimmt demonstrativ die Beine hoch und gibt das Signal für allgemeine Pinkelpause. Basso hielt auch gleich an. Da war erst mal 15 Minuten Ruhe.

Als die Gruppe wegging dachte ich zuerst es sei schlecht, dass mit Bruseghin einer dabei ist, der nicht weit von Basso weg ist. Aber das war gar nicht so schlecht, denn CSC ist gleich eingestiegen und hielt das Tempo von Beginn an gleichmäßig hoch, um den Abstand im Rahmen zu halten. Im Tal herrschte Gegenwind, was mir sehr entgegenkam. So fahre ich dann gemütlich mitten im Feld im Windschatten, während die vorne voll fahren müssen, um 25km/h drauf zu kriegen. Da spart man enorm Kräfte.

50km vor Schluss begann es leicht zu regnen. Da bricht hinter dem Feld das Chaos aus. Alle wollen ihre Jacken, der eine eine Mütze, der andere eine Weste. Im Feld hat CSC dann ein bisschen das Tempo rausgenommen, weil wir schon ziemlich nahe an den Ausreißern dran waren und sie die aber erst im Anstieg holen wollten, nicht schon vorher. Als es links in den Berg reinging, gleich die ersten Rufe "grupetto, grupetto!". Das dauert dann ein bisschen, bis die Gruppe ihr Tempo gefunden hat. Es gibt immer welche, die fahren zu schnell. "Heh, campione, campione!?", schreien die Italiener, wenn einer da den Champion markieren will. Man passt sich der leichten Theatralik der Italiener schnell an. "Piano, piano", schreie ich auch gleich los, wenn da einer meint, dem Frösi die Beine langmachen zu müssen.

Heute standen mal wieder viele deutsche Fans an der Strecke. Ich wurde kräftig angefeuert. Danke! Das tut sehr gut. Wenn ich den Tag morgen überlebe, wollen meine Freunde von RADSPORT-NEWS.COM und ich uns eine kleine Aktion einfallen lassen für den Kronplatz-Anstieg. Lasst Euch überraschen. Je höher es den Berg hochging, desto kälter wurde es. Ich hatte nur eine Regenjacke an, dachte das reicht, aber das war ganz schön frisch. Über die Kuppe, dann bergrunter Richtung Ziel. Das grupetto zerriss, jeder fuhr für sich runter, der eine leidet mehr unter der Kälte als der andere. Mit der Karenzzeit gab es sowieso kein Problem mehr. In der Abfahrt sehe ich am Straßenrand Rujano stehen. Ich dachte erst, das kann doch gar nicht Rujano sein. Der stand da am Straßenrand, als ob er beten würde. Der ist nicht gestürzt oder so. Der stand einfach da und schaute in den Himmel. Komischer Vogel.

Im Ziel angekommen und nach meiner kleinen Tee-Zeremonie in den Bus. Trockene Klamotten an, dann nochmal 70km Transfer. Nicht so schön, aber was will man machen. Aber die Fahrt hat sich wenigstens gelohnt. Ein Riesen-Schlosshotel, vier, fünf Teams übernachten hier. Herrliches Zimmer, goldene Wasserhähne im Bad. Wenn das so weitergeht, steht da morgen abend einer da mit einem großen Fächer neben meinem Bett... Das Essen war auch sehr gut, nur halt zum hundertsten Mal Nudeln und Hühnchen. Mir wachsen bald Flügel.

Naja, heute kann ich noch lachen, mal sehen ob ich das morgen auch noch kann. Vor der Etappe morgen habe ich mächtig Respekt. Gleich nach dem Start ein 30km-Berg, wieder fast 230km lang. Da kann viel passieren. Im grupetto meinte heute schon der ein oder andere, das Leiden hätte dann wenigstens bald ein Ende. Ich sehe das nicht so, ich will unbedingt nach Mailand. Das Problem ist morgen aber, dass viele von Beginn an Gas geben, weil sie Angst haben vor dem Zeitlimit. Und wenn man dann irgendwann mal hinten hängt mit ein paar Männeken, dann wird es sehr schwer. Drückt mir die Daumen!

Fans fragen Frösi

Patrik fragt: Wie seht Ihr das im Fahrerfeld eigentlich, wenn ein Sprinterkollege wenns schwer wird kneift und aussteigt? Ist doch unfair, solange er frisch ist holt er sich die Etappensiege und dann fährt er nach Hause.
Frösi: Ich persönlich finde das nicht schlimm. Wenn McEwen etwa aussteigt, dann ist das genauso professionell, wie wenn Ullrich sich hier auf die Tour de France vorbereitet. McEwen hat sein Soll erfüllt, jetzt will er die Tour de France gut fahren. Das ist völlig okay, ich würde es vermutlich auch so machen.

Andy aus der Schweiz: Hallo Frösi, ich fahre selber Juniorenrennen und bei mir ist momentan der "Wurm" drin. Wollte mal wissen wie du und ein paar deiner Kollegen als Junioren gefahren seit, nur Siege?
Frösi: Durchhalten! Kopf hoch, das wird auch wieder besser. Natürlich hatte ich als Nachwuchsfahrer auch solche Zeiten und als Profi heute genauso. Jeder hat mal eine Phase, wo es nicht läuft. Und bei vielen weiß man es nur eben nicht, weil sie nur über die guten Zeiten sprechen. Das ist doch wie bei allen Dingen im Leben, es geht mal hoch, mal runter. Man muss nur immer wieder aufstehen, das macht einen stärker.


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12.Etappe
Zweckgemeinschaft grupetto

ARENZANO, 19.05.06. Das war ein harter Tag. Irgendwie ein ekliges Rennen, nicht so wie erhofft. Ausgemalt hatte ich mir das so: Gruppe geht, CSC kontrolliert, wir fahren hinten gemütlich rein. Bei den ersten beiden Punkten sollte ich Recht haben, beim dritten weniger.

Bei der Besprechung vor dem Rennen heute im Bus meinte Krauss klipp und klar: "Wenn eine Gruppe geht, fahre ich mit." Bei manch einem nimmt man sowas dann vielleicht nicht immer gleich so ernst. Aber wenn Krauss das sagt, dann geht der auch. Der hat ein Auge dafür, die richtige Gruppe zu erwischen. Und so kams dann auch. Die Gruppe ging sehr früh, ich dachte, das würde länger dauern bis die steht. Und Krauss natürlich dabei, was uns hinten beruhigt hat. Sonst hätten wir nämlich einsteigen müssen und das Loch zufahren. CSC hat hinter der Gruppe dann gleich locker das Tempo kontrolliert. Soweit also alles im Soll.

Über Funk dann nach einer Weile der Hinweis von unserem Sportdirektor Christian Henn, dass gleich ein 3km-Berg kommt und wir vorne reinfahren sollten. Als es hoch ging, habe ich gleich gemerkt, dass mein Motor heiß wird. Schon vor dem Start im Village hat mir die Hitze zu schaffen gemacht. Trocken, konnte gar nicht richtig atmen. Ging vielen so heute. Ab der 1000-Meter-Marke wurde ich durchgereicht im Feld. Mit sechs Mann - u.a. war McEwen dabei - sind wir hinterher gefahren. In der Abfahrt haben wir uns wieder rangekämpft, aber das hätten wir uns eigentlich sparen können, denn der nächste Anstieg kam gleich. Wieder 12 Mann hinten grupetto gebildet. McEwen hatte aber noch keine Lust auf grupetto und fuhr vorne raus. Mir gings da gar nicht so gut. Mir wars so heiß. Ich gieße mir normalerweise selten mal eine Flasche über den Kopf, heute waren es sechs oder sieben an diesem Berg. Es formierte sich irgendwann doch noch ein Grüppchen. 15 Mann etwa.

Mein Freund Henk Vogels war dabei, der hat wie ich auch ein gutes Näschen, was die Karenzzeit angeht. Das Limit lag bei rund 20 Minuten. Die Spitze vorne hatte aber schon 7 Minuten auf das Feld herausgefahren, wir nochmal 8 Minuten dahinter. Also schon 15 Minuten weg. Henk und ich kamen zu dem Schluss, dass wir jetzt Tempo bolzen mussten. Den Ernst der Lage mussten wir einigen erst klar machen. Am letzten Berg bekamen wir die Info vom Lotto-Sportdirektor, dass wir 14 Minuten hinten lagen. Die alte Faustregel besagt, dass wir am Berg pro Kilometer eine Minute auf die Spitze verlieren. Der Anstieg ist 6km lang - also mussten wir zügig fahren. Oben hatten wir 16 Minuten Rückstand. Alle Mann in der Gruppe also die letzten 20km noch einmal voll gekreiselt. Da bildet das grupetto dann eine Zweckgemeinschaft. Da arbeiten alle zusammen, egal was für einer Mannschaft man angehört. 5km vor Schluss fuhren wir zu einer Gruppe vor uns auf. Da war klar, dass wir heute keine Probleme bekommen. Im Nachhinein kann man sagen, dass es auch nicht eng war oder so, aber das war auch nur eine mittelschwere Etappe. So gesehen hat es dann auch gereicht.

Ich persönlich habe mich im ganzen gesehen doch ganz gut gefühlt heute, nachdem ich meinen heiß gefahrenen "Motor" an dem einen Berg überwunden hatte. Ich konnte am Ende gut mitkreiseln. Nach dem Ziel ins Hotel - aha! Heute mal ein richtig schönes Haus. 4 Sterne, schöne Zimmer, gutes Essen. Alles super. Wie das Rennen vorne verlaufen ist, bekomme ich bei so Etappen wie heute erst im Hotel mit im Fernsehbericht. Im Rennen bekommt man eigentlich nur das mit, was unmittelbar um einen rum passiert. Den Überblick hat man nur im Fernsehen. Dort zeigen sie andererseits nicht, was im grupetto passiert. Aber dafür habt Ihr ja mein Tagebuch...!

Fans fragen Frösi

Uli aus Freiburg Wenn Ihr auf eher gemütlichen Etappen mal mit Fahrern aus anderen Teams plaudert, über was redet Ihr da? Nur über Radsport und die Hotels oder auch mal über was anderes wie zB die Fussball-WM oder Formel 1?
Frösi: Über Radsport sprechen wir natürlich viel, vor allem wenn gerade irgendwas interessantes anliegt. Oder nach dem Rennen: Klar, die erste Stunde oder so dreht sich alles ums Rennen. Aber sonst ist man doch mal froh, auch über was anderes zu sprechen. Über Fußball, Fernsehen, Frauen, über Gott und die Welt. Wenn man 24 Stunden nur über Radsport reden würde, würde man vermutlich nach 2 Wochen wahnsinnig...

André aus Essen fragt: Bis zu welchem Platz in der Gesamtwertung wird noch um Zeit gekämpft? Ist nach den ersten 20 Plätzen Schluss?
Frösi: Das ist von Fahrer zu Fahrer verschieden. Es gibt Kollegen, die kämpfen um Platz 40. Andere haben kein Interesse mehr, wenn die Top 10 nicht zu schaffen ist. Ich werde oft gefragt, wievielter ich denn im Gesamtklassement sei. Dann ist es manchmal schwer, den Leuten klar zu machen, dass das Gesamtklassement für einen Sprinter völlig uninteressant ist. Das kapieren manche nicht.

Georg aus Österreich fragt: Werden eure Räder eigentlich nach jeder Etappe bis ins Detail zerlegt und durchgecheckt oder wird das auch mal einfach abgestellt und am nächsten Tag wieder so in Angriff genommen wie am Vorabend abgestellt?
Frösi: Wenn die Mechaniker wenig Zeit haben, wird sich nur um die Probleme gekümmert und die Räder gewaschen, geölt. Sonst wird alles zerlegt und bis ins Feinste alles neu hergerichtet. Die Jungs arbeiten oft bs tief in die Nacht. Morgens hat man jeden Tag ein Rad, das aussieht, als käme es gerade neu aus dem Laden. Den Mechanikern auch mal an dieser Stelle ein Riesenkompliment für ihre Arbeit. Nicht nur die Räder sehen jeden Tag wie neu aus, auch alle Autos und der Bus. Das ist für alle Teams so eine Art Ehrenkodex. Vor den Zuschauern kann man sich nicht mit einem dreckigen Rad oder Auto präsentieren. Das muss alles blitzen.


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11.Etappe/Zeitfahren
Polizia fragt nach Frösi...

LIVORNO, 18.05.06. Vorhin war hier Aufruhr im Hotel. Scheinbar hat irgendwie ein italienischer Journalist meine Hotelkritik weitergetragen und irgendwie wurde das nun hier zur Polizeiangelegenheit. Drei Polizisten stehen unten an der Rezeption und im Vorbeigehen bekomme ich mit "Forster... Interview... Giornale..." Habe mich mal unauffällig aus dem Staub gemacht. Unser italienischsprechender Physio beruhigte die Gemüter. Aber was das nun für eine Aktion war, weiß ich auch nicht. Mein Sprinterkollege Marcel Wüst schrieb mir heute eine Mail zum Thema Hotels. Zu seiner Zeit war das nicht besser. In seinem Buch "Sprinterjahre" berichtet er von einer Episode, wo sie in einer Absteige in Neapel direkt am Straßenstrich hausten, wo die Damen mit ihren Kunden ein- und ausgingen. Okay, okay, dann beschwere ich mich mal lieber nicht über unser Domizil...

Heute früh klopfte es schon um 6:45 Uhr an der Hoteltür. Die Herren Dopingkontrolleure wollten Blut sehen. Dabei hätte ich gern ausgeschlafen. Aber das dauerte nicht lange und ich legte mich nochmal hin. Nach dem "Frühstück" fuhr ich zum Start. Allein, weil die anderen von uns erst später dran waren, habe ich mich warmgefahren. Um 12:15 Uhr bin ich gestartet.

Es lief von Beginn an sehr gut. Rückenwind. Ich habe mich echt gut gefühlt. Habe ein bisschen draufgetreten. Ich wollte unbedingt den vor mir gestarteten Henk Vogels einholen, den ich irgendwann vor mir sah. Wenn man einen einholt, ist das immer gut, dann braucht man sich nicht weiter um die Zeit zu kümmern. 20km vor dem Ziel hatte ich ihn. Dann ein bisschen lockergelassen, der Ansporn fehlte. Doch 10km weiter sehe ich meinen Freund Loddo vor mir. Freund, dich kriege ich auch noch, denke ich mir. Habe nochmal voll gekettet und 2km vor dem Ziel hatte ich auch ihn. Vielleicht war das ein bisschen übermütig. Im Ziel hatte ich ein Ziehen im Bein, wie Muskelkater. Naja, ich denke, das wird sich schon geben bis morgen.

Vom Ziel aus haben sie uns soviel umgeleitet, dass es noch 12km waren bis zu den Bussen. Dort Umziehen, frisch machen und per Auto wieder 50km zurück ins Hotel. Massage, Abendessen. Den Abend verbringen wir wieder alle im Bus. Warum, sage ich nicht, sonst kommt nachher nochmal die Polizei!

Fans fragen Frösi

Patrik, Christof, Tobias , Adam und viele mehr fragen: Wer ist denn für die Auswahl der Hotels zuständig? Habt Ihr da keinen Einfluß drauf? Werden andere Teams bevorzugt?
Frösi: Die Hotels werden vom Giro-Veranstalter gebucht, da hat unsere Mannschaft null Einfluss. Wir haben über die ganze Rundfahrt gesehen sicher keine schlechteren Hotels wie die anderen Mannschaften. Man hat halt mal Pech, mal Glück. Das ist sicher keine Absicht der Organisatoren.

Moritz möchte wissen: Trefft ihr euch an Ruhetagen oder abends eigentlich auch manchmal mit anderen Fahrern aus deutschen Teams, falls sie in der Nähe wohnen, oder bleibt man da eher unter sich?
Frösi: Im Rennen oder davor spricht man natürlich ständig mit den Kollegen aus anderen Mannschaften. Abends trifft man sich nur, wenn man zufällig im selben Hotel untergebracht ist wie hier, wo gerade auch Grischa Niermann und seine Rabobank-Mannschaft wohnen.

Robert aus Luxemburg: Wollte fragen ob die Radprofis bei sonnigem Wetter Sonnencreme auftragen oder nicht. Schwitzt man nicht zuviel durch Sonnencreme?
Frösi: Ja, im allgemeinen mag ich auch keine Sonnencreme. Ich habe das Gefühl, als seien die Poren zu. Aber wenn die Sonne richtig knallt oder in den hohen Bergen gehts ja nicht ohne. Da nehme ich einen Sonnenschutz auf Alkoholbasis. Zieht sehr schnell ein.


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Zweiter Ruhetag
Ruhetag im Bus

LIVORNO, 17.05.06. Gestern abend gegen 23 Uhr gelandet in Pisa. Die Physios holten uns am Flughafen ab - die schüttelten schon den Kopf. Soviel zu unserem Hotel am Ruhetag. "Noch schlechter als die letzten Tage?", frage ich Slawo. "Ach, Frösi...", meint er nur. Nach 40km Autofahrt kamen wir im Dunkeln in Livorno am Hotel an. Im Dunkeln sah es gar nicht so schlecht aus. Wir hatten noch Hunger. Hieke, Ronny und ich haben uns ein Auto geschnappt und sind zu einem Imbiss gefahren, den wir auf der Fahrt unterwegs sahen. Dort haben wir uns noch was gekauft und da saßen dann drei einsame Gestalten im Dunkeln vor einem Stadion. Ein Bild für die Götter.

Heute Nacht habe ich gut geschlafen. Heute früh habe ich erst gesehen, was für ein "schönes" Zimmer ich habe. Das klingt jetzt vielleicht so, als ob ich eine Diva wäre, die nur Luxus gewohnt ist. Aber Ihr solltet das mal sehen hier! Ronny hat auf seinem Teppich den Koffertest gemacht - tief grau. Mein Bad versifft. Und hier sind wir zwei Tage und zwei Nächte. Frühstück gab es in einem Diskosaal. Draußen scheint die Sonne. Wir sitzen in einem düsteren Saal mit drei Funzeln. Lange aufhalten brauchte man sich aber nicht, denn es gab nichts vernünftiges zu Essen. Mein Frühstück bestand aus einem Joghurt und und einem Cappuccino.

Nach dem "Frühstück" sind wir ein bisschen trainieren gefahren. Unterwegs in ein Cafe, um noch ein bisschen Zeit totzuschlagen. Dann zurück ins Hotel - dort ne Stunde aufs Essen gewartet. Die Stimmung im Team ging mächtig runter. Heute Nachmittag haben wir uns dann alle in den Bus verzogen, wo wir uns abgeschottet haben. Deutsches Fernsehen schauen, Playstation spielen, Quatschen. Nach Massage und Abendessen gleich wieder zurück in den Bus. Nachher gibts noch Fußball im Fernsehen.

Davide Rebellin ist leider heute abgereist. Seine Verletzungen waren doch schlimmer. Er fuhr heute morgen gleich ins Krankenhaus, wo man einen Rippenbruch festgestellt hat. Gesehen habe ich Davide nicht mehr. Schon schade für ihn. Ein vorzeitiger Ausstieg aus einer Rundfahrt ist immer schmerzhaft und für ihn ist es noch dazu die Heimatrundfahrt.

Morgen Zeitfahren. Für mich geht es da um nichts. Durchfahren. Ein Platz zwischen 100 und 180 ist gut. Kräfte sparen ist angesagt, denn die brauche ich noch bitter nötig, wenn die letzte Woche und die Berge kommen. Wer gewinnt? Basso und Guttierez von Phonak fahren aufs Treppchen. Und Ulle - wenn er will und richtig draufdrückt. Bis morgen.

Fans fragen Frösi

Franz aus Eggenfelden fragt: Hat sich in den letzten Jahren eigentlich etwas am Charakter des Giro geändert? Ich habe den Eindruck, dass im Gegensatz zu früher jetzt bereits teilweise von Anfang an volle Kanne gefahren wird, fast wie bei der Tour.
Frösi: Ja, das stimmt. Heute wird meist von Beginn an schnell gefahren, das war vor drei, vier Jahren noch nicht so. Das kam durch die ProTour und die andere Besetzung. Früher sind kleine Mannschaften am Anfang weggefahren und die haben sie einfach fahren lassen. Heute fahren vor allem die Franzosen wie FdJ usw. von Beginn an schnell und lassen die Gruppen nicht weg.

Max fragt: Was esst Ihr nach der Etappe? Du erwähnst ja ab und zu ob das Essen schlecht ist oder gut. Sind das Speisen aus der Karte des Hotels? Habt Ihr keinen Koch dabei?
Frösi: Bei der letzten Tour hatten wir einen eigenen Koch dabei, hier beim Giro nicht. Das Essen wird von den Organisatoren vorbestellt, ist also nicht "a la carte". Da gibt es mehr oder weniger jeden Tag das gleiche: 1. Gang Pasta oder Reis. 2.Gang was mit Hühnchen oder Fleisch. Das Essen ist meistens sehr gut, nur eben nicht sehr abwechslungsreich.


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10.Etappe
"Morale grande"

PESCARA, 16.05.06. Hallo, ich melde mich heute vom Flughafen in Pescara. Nach dem Rennen konnten wir unseren Sportlichen Leiter überreden, in den Teamautos und -Bus den langen Weg vom Etappenziel Peschici nach Pescara zu machen. Die vom Giro organisierte Busfahrt dauerte über drei Stunden und in einem vollen stickigen Bus ist es sicher nicht so angenehm wie in unseren eigenen Fahrzeugen. Die Busse sind noch gar nicht hier. Einige Teams waren genauso clever. Quick Step, CSC, T-Mobile sind auch schon da. Jetzt hängen wir hier am Flughafen noch anderthalb Stunde rum. Um 22 Uhr geht das Flugzeug nach Pisa. Eine Stunde Flug. Ich hoffe, wir kommen im Hotel nicht allzulange nach Mitternacht an.

Die Etappe heute begann sehr hektisch. Da war Stoßverkehr im Peloton. Alle wollten in eine Gruppe rein. Es ging eine. Von uns war Krauss mit dabei, aber wir haben auf Rebellin gesetzt und fuhren das Loch wieder zu. Nach 60km der erste Berg. Es ging schnell hoch und ich hatte schon Angst, dass das jetzt so weitergeht. Dann ging aber doch wieder eine Gruppe. Die zwei von Liquigas - Pelliziotti und Wegelius - hatten die zunächst verpasst und sind hinterher. Mir ging es ganz gut. Die McEwen-Gruppe noch recht weit hinter mir.

Am Berg war das Kommissär-Motorrad neben mir. Bei denen kommt der Streckenfunk über einen Lautsprecher. Ich bekomme mit einem Ohr mit "Krauss..." Ach, denke ich, der musste wohl reißen lassen und kommt gleich von vorne. Dann höre ich nochmal: "Krauss fuga..." Was ist denn mit dem Kerl los? Der attackiert! Fährt nach vorne in die Gruppe. Sven ist ein Superrennen gefahren. Gestern hing er bei mir hinten mit rum, heute fährt er in der Spitzengruppe auf Platz 8. Morale grande, Hut ab!

Kurz nach dem Berg kam ich wieder ran ans Feld. Es ging dann runter zum Meer. CSC hat vorne ein bisschen kontrolliert, aber ruhig. Die Tempoarbeit haben sie Lampre überlassen, Cunego wollte seinen dritten Platz nicht an Pelliziotti abgeben. Mir wurde das Tempo ein kleines bisschen zu hoch. Wir hatten Krauss vorne und für mich gab es sowieso nichts zu holen heute. Aber ich habe mich sehr gut gefühlt, war nicht am klemmen. Am Ende rollte ich in einer schönen Gruppe u.a. mit McEwen, Pollack und Kessler rein. Wir haben am Ende nicht mehr groß draufgedrückt. Es war ein schöner Tag, schönes Wetter. Zwar auch nur rauf und runter, aber okay.

Im Zielort ging es in ein Hotel, wo jede Mannschaft zwei Zimmer zur Verfügung hatte zum Duschen, umziehen. In den Autos danach in 2,5 Stunden Fahrt nach Pescara. Ich freue mich auf den Ruhetag. In der Toskana lässt es sich doch bestimmt aushalten. Hoffentlich haben wir ein ordentliches Hotel: Gutes Zeichen: Unsere Betreuer, die mit dem Auto hochfahren, haben es im Navi gefunden. Kann also keine ganz kleine Klitsche sein. Also, bis morgen!

Fans fragen Frösi

Jonas fragt: Wieviel wird euch eigentlich über die Ohrstecker mitgeteilt? Gibt es nur einige Anweisungen pro Etappe, oder habt ihr non-stop Unterhaltung?
Frösi: Über Teamfunk kommen die ganzen taktischen Anweisungen. Zeiten von Ausreißern, Kommando zum Warten auf den Kapitän, wenn der Defekt hat. Oder wenn man was zum Essen/Trinken braucht, gibt man es über Funk an das Begleitfahrzeug durch, dass die Bescheid wissen, dass man kommt. Da kann jeder sprechen und hören. Manchmal diskutiert die ganze Mannschaft groß. Das ist ganz unterschiedlich. Bei Etappen, wo richtig Stress ist, wird kaum was gesprochen. Ist es mal ruhig, bei den ersten 100km einer langen Flachetappe zum Beispiel, wird auch mal in Späßchen gemacht. Ich hatte mal früher einen Sportlichen Leiter, der hat auch sogar bei Gelegenheit schon mal Stimmungsmusik eingespielt...

Hendrik aus Berlin: Hallo Robert, was passiert eigentlich mit Deinen Rädern oder den Klamotten, wenn Du das Team wechselst oder Ihr einen neuen Sponsor bekommt? Dürft Ihr alles behalten, oder werden die Sachen abgegeben?
Frösi: Die Räder sind Teameigentum, die gibt man wieder ab. Die Klamotten kann man behalten, allerdings ist nach einer Saison gar nicht soviel mehr übrig. Da wird doch einiges verschlissen. Bei einer großen Rundfahrt etwa wird meine Hose drei Wochen lang jeden Abend gewaschen. Da ist der Verschleiß hoch. Was ich am Jahresende übrig habe, verschenke ich meist oder behalte ein Trikot als Andenken.


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9.Etappe
Zurück auf dem Boden

PEROZZI, 15.05.06. Ach ja, das war wieder eine Etappe zum Ärgern. Aber was will man machen? Es hilft alles nichts, man darf sich mit solchen Niederlagen nicht allzu lange beschäftigen, man muss nach vorne schauen, auch wenn das manchmal schwer fällt.

Heute früh hatten wir viel Zeit. Weil die Etappe so kurz war, mussten wir erst spät, gegen 12 Uhr, vom Hotel aus aufbrechen. Leider war das Hotel nicht so toll, daher saßen alle schon zeitig im Bus... Ich habe mich auf die Etappe vorbereitet, mich mit dem Kurs befasst. Ich habe mich gut gefühlt und ich hatte einiges vor. Die Etappe war mal wieder weniger flach, als es auf dem Papier aussah. Zwei Mann sind früh rausgefahren, dahinter ist Quick Step eingestiegen. Bettini hat sein Team das Rennen richtig schwer machen lassen, damit möglichst die reinen Sprinter fliegen gehen. In den ersten Berg sind sie reingeschossen. Mir ging es ganz gut. Nicht so, dass ich die Bergwertung gewonnen hätte, aber doch ganz ordentlich. Am Ende des Felds kam ich drüber. Dann eine schnelle Abfahrt, das Feld lang auseinander gezogen, 1km lang. So gings dann in den nächsten Anstieg rein. Ich fuhr schon 500 Meter nach der Spitze des Feldes in den Berg. Schon ganz schlecht. Bei der 3km-Marke war es aus. Ich musste reißen lassen.

In einer 30-Mann-Gruppe fuhr ich den Berg hoch. Ich höre über Funk, dass McEwen vor uns auch reißen lassen musste und dabei ist sich ranzukämpfen. Aber das war weit vor uns und in der Gruppe machte keiner Anstalten, Tempo zu machen. Außer mir hatte da keiner Ambitionen mehr. Allein ist da nichts zu machen. Wenn man noch in den Autos ist, da kann man sich noch vorkämpfen, aber die Autos waren weg. Man hat das ganz gut im Gefühl, ob man sich nochmal ins Hauptfeld kämpfen kann oder nicht. Das wars dann also.

Das war eine lange Fahrt ins Ziel. Man denkt nach: Mensch, hättest Du Dich noch was gequält! Aber das ist Blödsinn, denn bei einer Etappe wie heute, wo ich mir Chancen ausrechnete, hätte ich niemals freiwillig reißen lassen. Vorzuwerfen habe ich mir nichts. Volker kam nach dem Rennen und meinte auch: Frösi, da hatte ich zu kämpfen. Da hattest Du keine Chance, vorne mit rüberzukommen. An der 5km-Marke jubeln die Quick Steps in unserer Gruppe plötzlich. Über Funk hörten sie, dass Bettini gewonnen hat. Aber die wurden schnell still. Dass Pollack vorne dabei ist, überrascht mich nicht. Der ist derzeit superstark. Aber Vaitkus! Das ist doch ein kleiner Schock. Der ist an den Bergen normalerweise eher meine Kragenweite. Das muss ich erst mal verarbeiten. 80 Mann wurden abgehängt, aber das ist kein Trost. Gestern dachte ich noch, dass ich viel besser wäre. Aber heute wurde ich auf den Boden zurückgeholt.

Nach dem Rennen mit den Autos zum Hotel. Unterwegs sehe ich den Quick Step-Bus und den Telekom-Bus vor schönen Hotels. Da wäre es nicht schlecht zu übernachten. Aber wir haben wieder die A...-Karte gezogen mit unserer Unterkunft. Zimmer grauslich - aber das Essen ist gut. Die Etappe morgen ist was für Puncheurs wie Bettini oder Di Luca. Oder geht doch mal eine Gruppe? Muss ja auch mal irgendwann. Für mich gehts nur darum, ins Ziel zu kommen. Durchkommen und nach vorne schauen heißt jetzt die Devise. Bis morgen.

Fans fragen Frösi

Stefan aus Ludwigsburg fragt: wie oft rasierst Du Dir während einer so langen Rundfahrt eigentlich die Beine? Machts Du das dann öfter als im Training oder eher seltener, weil das ja auch ein bisschen Zeit braucht?
Frösi: Ich rasiere mich weniger als zuhause. Manche rasieren sich jeden Tag, ich bin da eher faul. Während einer langen Rundfahrt rasiere ich mich einmal die Woche oder wenn einer sagt: "Wie siehst Du denn aus..."

Uwe aus Lippstadt fragt: Was passiert mit den Tausenden von leeren Trinkflaschen? Die werft Ihr ja nun einfach so in die Gegend...
Frösi: Hier beim Giro oder auch bei der Tour bleiben die nicht lange liegen. Da prügeln sich manche tifosi drum.

Cyrus aus Frankreich fragt: Geben sich eigentlich alle Profis untereinander Spitznamen? "Grillo", "Elefantino", "Re Leone" usw, oder sind das die Medien?
Frösi: Das sind Namen der Medien. Aber es wird natürlich auch untereinander viel geflachst und man hat schnell seinen Spitznamen weg. Einen Kollegen nennen wir "Village King", weil er immer der erste ist im Startdorf...

Alexander aus Bielefeld fragt: Als Profi kann man sich sein Material nicht aussuchen. Ist Dein Rad für Dich einfach Arbeitsgerät oder fährt der Bauch auch mit?
Frösi: Klar, das ist ein Arbeitsgerät, aber gerade deshalb entwickelt man schon ein bisschen sowas wie eine persönliche Beziehung dazu (auch wenn ich noch nicht mit meinem Rad rede...) Mein Rad gefällt mir, da bin ich sehr zufrieden mit. Wäre auch schlimm, wenn das anders wäre.

Lukas aus Gießen: Was schraubt und bastelt Ihr an Euren Rädern eigentlich selber - und welche Aufgaben übernehmen die Mechaniker?
Frösi: Während eines Rennens oder einer Rundfahrt macht man als Rennfahrer gar nichts, außer vielleicht den Sattel geraderichten. Dafür sind die Mechaniker da, das sind Profis und die machen das perfekt. Zuhause schraube ich gern mal am Rad rum. Ich habe ja auch noch ein Radgeschäft, da ist das für mich sowieso nichts fremdes.


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8.Etappe
Nach dem Rennen wird's gefährlich

MONTESILVANO MARINA, 14.05.06. Nach der Marathon-Hammeretappe war das heute ein bisschen ruhiger. Schon heute früh hatten wir ein bisschen mehr Zeit als sonst. Es ging erst gegen Mittag zum Start. Ich konnte vorher noch etwas entspannen und habe mir Motorradrennen im Fernsehen angeschaut. Im "Village" am Etappenstartort saßen wir wie immer mit den Kollegen zusammen. Ich trank wie oft einen Kaffee mit den Phonak-Leuten. Wir sprachen über den zu erwartenden Rennverlauf. Am liebsten wäre es mir natürlich, dass wir ruhig bis in den Schlussanstieg fahren. Bis 15km vor Schluss wollte ich unbedingt vorne im Feld sein. Dann "gemütlich" den Schlussanstieg hoch. Ich frage bei den Phonaks so rum, was die vorhaben. Gregory Rast sagt gleich, er wolle probieren, in einer Gruppe wegzufahren. Damit ist schon mal klar, dass das so ruhig nicht beginnen wird. So wie Rast denken natürlich viele.

Bei Kilometer Null hieß es dann auch sofort Feuer frei. Attacken. Ein schneller Start. Die ersten 75km fuhren wir mit 50er Schnitt. Ruhiger wurde es erst, als die Elfergruppe wegging. Simonis Truppe hat dann im Feld das Tempo kontrolliert. Ich habe mich ganz gut gefühlt. Ich habe mich im vorderen Drittel im Feld aufgehalten. 40km vor dem Ziel hat es von uns drei (Schumi, Krauss und Hieke) hingehauen, wie ich über Funk mitbekam. Es ging aber glimpflich as und sie kamen wieder zurück.

20km vor Schluss riefen die ersten schon "Grupetto!".Aber ich habe mich da erst mal rausgehalten. Manchmal rufen einige Grupetto und wenn dann nicht genug zurückfallen, fahren sie weiter wie die Wilden und man muss hinterherfahren. Ich wollte noch nicht gehen lassen. Erst als es 15km vor Schluss begann, bergauf zu gehen, habe ich reißen lassen. Die alte Faustregel besagt, dass man pro Kilometer eine Minute auf die Spitze verliert an Bergen. Somit kein Problem mit dem Zeitlimit. Ich fuhr in einer Gruppe den Berg hoch, die ganz gut Druck aufs Pedal hatte. Verbrugghe dabei, Julich. Mit denen bin ich relativ entspannt da hoch. Ich meine, es war schon anstrengend, aber ich habe nicht gelitten so wie gestern. Auch das Wetter war angenehmer, nicht so heiß. Mit rund 20 Minuten Rückstand kam ich ins Ziel.

Gefährlicher wurde es dann aber nach dem Rennen. Bei solchen Bergankünften stehen die Busse meistens unten im Tal, d.h. wir müssen nach dem Ziel rumdrehen und auf dem Rad runter. Oben stehen die Betreuer mit was trockenem zum Anziehen, dann gehts den ganzen Berg wieder runter. Da sind dann aber die ganzen Zuschauer unterwegs, Autos und Radtouristen, die nun auch Rennen fahren wollen. Und wir Rennfahrer haben es ja auch eilig, ins Hotel zu kommen Da passiert immer unheimlich viel. Auch heute wieder einige Stürze gesehen. Den Belgier Roesems hats vor mir beinahe erwischt, als er durch eine Lücke zwischen zwei Autos durchwollte. Zwei Zuschauer wurden offenbar angefahren und lagen auf dem Boden. Der Rettungswagen war unterwegs. Betrunkene Tifosi laufen mir ins Rad und brüllen wie wild nach einer Flasche als Souvenir. Jede Menge los. Bei der Tour de France ist es genauso. Wenn ich ans Baskenland letztes Jahr denke...

Nachdem wir endlich unten waren alle in die Autos und nochmal 60km Transfer ins Hotel. Unser Physio Slawo meint noch unterwegs, dass Hotel sei "nicht so besonders". Wenn Slawo das sagt, dann kann man sich schon auf was gefasst machen. Und, ja: Ein richtiger Bunker... Aber mir gehts halt gut nach der Etappe. Wenn man richtig am Ende ist, ist einem völlig egal, wie gut oder schlecht das Hotel ist. Morgen ein kurzer Abschnitt, 127km. Bisschen wellig am Schluss. Ich hoffe, dass Lotto kontrolliert und das Feld zusammenhält für einen Massensprint. Und da will ich dann reinhalten und ich hoffe, dass ich dann da lande, wo ich hingehöre...

Fans fragen Frösi

Ralf aus Kassel fragt: Hallo Frösi, was für einen Puls fährst du auf einer Etappe wie heute? Im Tagebuch von gestern schreibst du, du fährst "gemütlich" den Schlussanstieg hoch.
Frösi: Okay, "gemütlich" ist es nicht wirklich. Mein Puls liegt bei 150 oder so.

Diddi möchte wissen: Wie siehst Du als Insider die Formentwicklung von Ulle beim Giro?
Frösi: Soweit ich das aus meiner Sicht beurteilen kann finde ich, dass Ullrich schon ganz schön stark ist, dafür dass er erst recht wenige Renntage in den Beinen hat. Der hat schon ganz schön Druck drauf. Würde mich nicht wundern, wenn er am Donnerstag das Zeitfahren gewinnt.

Reto aus Wynau/Schweiz fragt: Fahrt Ihr mit Schlauchreifen oder mit Collée, besteht ein Unterschied bei den Zeitfahrmaschinen hinsichtlich Reifen?
Frösi: Wir fahren Schlauchreifen von Schwalbe. Ich finde die auch sicherer als Drahtreifen. Beim Zeitfahren fährt man 19mm-Reifen, beim Straßenrennen etwas breitere (23mm).


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7.Etappe
"Listen to your body...???"

PORTO SAN GIORGIO, 13.05.06. Au weiha, was war das ein harter Tag. Das war mit die härteste Etappe, die ich je gefahren bin. Gestern abend sprachen wir noch so mit den Mechanikern. Die meinten, wir bräuchten die ganz kleinen Übersetzungen, die man nur ganz selten, nur bei den ganz harten Etappen drauf macht. Und die brauchte man heute wirklich mehrmals.

Das Rennen begann schnell und ich dachte da schon, jetzt wirds heftig. Nach 20km gab es einen Sturz, in den auch Andre Korff verwickelt war. McEwen fuhr daraufhin vor und ruft, dass alle jetzt mal ruhig machen sollten. Daran haben sich dann auch alle gehalten, nur die zwei Ausreißer, der Belgier und der Franzose, haben die Gelegenheit genutzt. Wie auch immer, es wurde dann hinten glücklicherweise erst einmal ruhig. Ich mache mir schon Hoffnungen: Jetzt findet sich ein Team, das kontrolliert, dann fahren wir relaxed die Etappe zu Ende. Aber geglaubt habe ich das natürlich nicht. Am ersten Berg ging das Attackiere los. Hiekmann war gerade neben mir, ich sage nur: "Hieke, Houston, wir haben ein Problem..."

Es begann ein wildes Gefahre. Erst 30 Mann weg, dann nochmal 15. Im Feld wurde voll gefahren. Am nächsten Hügel fing ich schon an zu wackeln. Wir fuhren da so schnell rein, dass ich in der Säure stand. Ich schwitze, die Schulter tut weh. An der Verpflegung konnte ich nicht viel essen. So gings mit guten Voraussetzungen in den 16km langen Anstieg. Unten wars noch okay, aber dann sehe ich ein Schild: 18 Prozent. Oh, oh, wir haben das nächste Problem... Ich gondelte da ganz hinten rum. Sogar mein Freund Loddo, der gar nicht Berge fahren kann, überholt mich. Autos fahren vorbei. Es stinkt nach Kupplung, die Hitze der Motoren steht auf der Straße. Alles ganz schlimm. 7, 8 Mann fanden sich. Grupetto kann man das nicht nennen.

Die Abfahrt runter volles Risiko. So habe ich mich dann irgendwann wieder rangekämpft ins Hauptfeld. Der nächste Berg. 7km, 18 Prozent. Ich habe einen Hungerast, Kopfschmerzen von der Hitze, die Schulter schmerzt. Heute kam alles zusammen und ich war total breit. Cola war meine Rettung. Schnelle Energie, Zucker. Es waren ja noch immer weite 50km ins Ziel. Hinten im grupetto quäle ich mich den Berg hoch. McGee, der heute auch keinen guten Tag hatte, noch hinter mir, sonst keiner. Rampen mit 18, 19 Prozent. Mir geht nur noch durch den Kopf: Wozu machst Du diese Scheiße und fährst sieben Stunden durch die Berge? Irgendwo sehe ich eine Werbung: "Listen to your body", steht auf einem Schild... Was zum Teufel soll das jetzt bedeuten? Wenn ich auf meinen Körper gehört hätte, wäre ich schon längst ins Auto gestiegen.

Aber natürlich quält man sich durch und keiner steigt freiwillig vom Rad. Den Schlussanstieg in einem 80-Mann-Grupetto hoch. Im Ziel gabs Stau, es konnten gar nicht alle über die Ziellinie rollen. Das Ergebnis, soweit es das grupetto angeht, ist ziemlich willkürlich gemacht. Nach den 230km und 4250 Höhenmetern stand dann nochmal 140km-Transfer im Auto an. Davon habe ich aber wenig mitbekommen. Im Auto bin ich eingeschlafen. Im Hotel dauerte es mit dem Essen ewig. Alle waren gereizt. Nach so einem Tag will man nur noch essen und dann ab ins Bett.

Morgen die Etappe wird eher leichter. Erst flach, dann eine Bergankunft, das sind meine Lieblingsbergetappen. Da fährt man zügig an den Schlussberg, dort können sich die Kletterer und Klassementfahrer austoben und wir fahren gemütlich im grupetto ins Ziel. Soweit die Theorie. Mal schauen, wie die Praxis aussieht.

Fans fragen Frösi

Vicky fragt: Hast du einen besten Freund im Team, versteht ihr euch alle gleich gut, oder gibt es ab und zu auch ein paar Feindseligkeiten?
Frösi: Wir sind 26 Mann im Team, 26 Charaktere, da versteht man sich natürlich nicht mit allen gleich gut. Auch wenn man nicht mit jedem befreundet sein kann, so ist man doch Kollege und respektiert einander. Reibereien kann es auch mal geben, das ist wie überall im Leben. Aber Feindseligkeiten? Nein. Hier beim Giro sind wir eine gute Truppe. Mir fehlt ein bisschen mein Freund Sträusschen (Marcel Strauss), der leider aus persönlichen Gründen nicht hier sein kann.

Didi aus Bonn: Wie motiviert man sich, was denkst Du, wenn alles so endlos erscheint, endlos bergauf, Zeitfahrten...
Frösi: Bei einer Etappe wie heute denke ich an gar nichts mehr. Man ist da irgendwie völlig auf die Urtriebe reduziert und nicht in der Lage, an irgendwas zu denken. Da geht es nur noch ums Überleben. Auch beim Zeitfahren kann man die Gedanken nicht schweifen lassen. Man ist doch sehr konzentriert.

Katharina aus Hagen-Hohenlimburg fragt: Wie registrierst Du die Zuschauer vor, während oder nach dem Rennen - und wie wichtig sind Sie für Dich? Nerven sie bisweilen, sorgen sie für gefährliche Situationen oder spornen Sie Dich an?
Frösi: Fans sind für mich superwichtig. Ich freue mich, wenn jemand ein Autogramm möchte. (Und noch mehr, wenn derjenige auch weiß wer ich bin...) Im Rennen tun Fans an der Strecke, die meinen Namen rufen, unheimlich gut, über Aufmunterungen, Schulterklopfen oder auch Anschieben am Berg freut man sich sehr. Bei Bergetappen bekommt man auch jedes Rufen genau mit. Nur bei Sprintetappen bekomme ich auf den letzten 10km Null mit. Da fährt man wie im Tunnel.


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6.Etappe
"...da muss man sich ja schämen!"

CESENA, 12.05.06. Sorry, aber heute wird das etwas kürzer als sonst. Ich habe ganz miese Laune. Der Sprint - absolut zum vergessen. Wenn ich das Ergebnis anschaue, wer da alles vor mir liegt! Da muss man sich ja schämen. Auf den letzten 5km war ich einige Male zuviel im Wind. Es gab teamintern Gesprächsstoff nach dem Rennen, sage ich mal. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Ich war einfach schlecht und ich ärgere mich total über die verpasste Chance.

Das Rennen war ansonsten sehr unspektakulär. 230km ganz flach. Schönes Wetter, guter Wind. Früh sind drei rausgefahren, die auch gleich wegkamen. Die wurden fahren gelassen, jeder wusste, dass die nicht durchkommen. T-Mobile hat sie sechs Minuten wegfahren lassen, dann das Tempo kontrolliert. Da werden 230km schon ziemlich lang. Da gibts ja nicht viel zu machen, als auf das Finale warten. Man quatscht viel mit Kollegen. Aber es zieht sich trotzdem bis ins Ziel, wenn im Rennen nix passiert. Das Finale dann - naja, wie gesagt. Schwamm drüber. Ich ärgere mich so sehr über mich selbst. Aber man darf sich auch nicht zu lange mit sowas beschäftigen, muss nach vorne schauen. Morgen ist ein neuer Tag.

Fans fragen Frösi

Markus aus Ulm fragt: Sag mal, wie lange brauchtest Du, bis du den richtigen Sattel gefunden hast? Gibt der Sponsor euch eine Palette und gut is, oder bringt da jeder seinen Favoriten selbst mit?
Frösi: Lange gebraucht habe ich nicht. Aber es stimmt, jeder muss für sich persönlich den richtigen Sattel finden. Dass der vom Teamausrüster - bei uns Selle Italia - sein muss, ist kein Problem. Die haben eine ganze Palette an Sätteln und wenn die nicht passen, wird eine Maßanfertigung hergestellt.

Alexander fragt: Habe heute auf den Fernsehbildern entdeckt, dass du Handschuhe getragen hast. Seit wann trägst du Handschuhe, sonst fährst du doch eigentlich ohne, oder?
Frösi: Gut beobachtet! Ja, stimmt, früher fuhr ich nie Handschuhe. Aber in der letzten Zeit bin ich so oft gestürzt, dass ich mich lieber an Handschuhe gewöhne, als an die Schmerzen. Wenn man so oft stürzt, überlegt man sich das doch.

Markus aus Bern fragt: Wie hoch ist die maximale Geschwindigkeit in einem flachen Sprint? Bis 70 Km/h?
Frösi: Ich schaue zwar nie auf den Tacho, weil ich dazu keine Zeit habe. Aber ich denke mal 65km/h ist schon ein zügiger Sprint. Bis 68km/h würde ich sagen.


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Teamzeitfahren
"Hat Spaß gemacht"

TABIANO TERME, 11.05.06. Das ging heute bei mir um Welten besser als die letzten Tage. Ich war sehr überrascht, wie gut die Beine waren. Vor dem Rennen haben mich die anderen mit ihrer Nervosität ein bisschen angesteckt. Man macht sich da schon ein bisschen verrückt: Beim Teamzeitfahren will man ja nicht als erster gleich abfallen. Aber ich habe schon nach wenigen Kilometern gemerkt, dass es heute gut laufen wird.

Heute früh haben wir nach dem Frühstück alle Mann am Hotel ein bisschen zusammen trainiert. Der Körper darf sich nicht auf Erholung einstellen. Bis Mittag waren wir draußen, dann Essen. Danach dann Zeitvertreib. Schlafen vor dem Rennen ist tabu. Der Vertreter von Ritchey war gerade zu Besuch bei den Mechanikern. Der ist gern gesehen, bringt immer das neueste Material und ist ein supernetter Kerl, der den Mechanikern auch mal Kaffee kocht. Ritchey hat einen Superkontakt zu uns Profis. Die kümmern sich wirklich, fragen nach, was man noch verbessern kann und so weiter. Nicht alle Ausrüster sind so nah dran.

Um 14 Uhr gings los, mit der ganzen Flotte von uns - drei Autos, zwei Kleintransporter, ein Bus - rüber zum Start. Dort angekommen haben wir uns die ersten Teams im TV angeschaut, dann alle Mann warm fahren auf der Rolle. Eine Stunde lang, das zieht sich. Dann Taktikbesprechung: Es wurde abgesprochen, dass sechs Mann von uns den Zug ins Rollen bringen. Matthias Russ, Volker und ich sollten die ersten Kilometer hinten fahren. Das hat auch gut geklappt. Dann sind wir zunächst belgischen Kreisel gefahren. Das ist ganz schön kräftezehrend. Nach 15km normal, also jeder 50 bis 200 Meter vorne, dann raus.

Es war ein richtig schönes Zeitfahren - und das hört Ihr von mir auch nicht oft... Aber es hat echt Spaß gemacht. Über Funk haben wir die Zwischenzeiten angesagt bekommen. Kurz vor dem Ziel sind Hieke und Russ rausgegangen, man muss ja nicht mit neun Mann ankommen. Wir wurden Sechste. Eine Superleistung. Das haben uns viele nicht zugetraut. Das Rosa Trikot ist weg, ja. Aber das musste man schon erwarten. Das ist aber auch vielleicht gar nicht so schlecht, denn Schumi und Rebellin können sich jetzt wieder auf Etappen konzentrieren. Man kann das auch positiv sehen.

Morgen eine Flachetappe, 230km lang. Ich fühle mich gut, ich hoffe, dass vorgestern der Knackpunkt war und meine Beine jetzt laufen. Ich werde versuchen, vorne reinzuhalten., anzugreifen. Beine und Kopf stimmen jetzt. Drückt mir die Daumen!

Fans fragen Frösi

Paul fragt: Tragt Ihr Profis noch eine Unterhose unter der Rennhose oder nicht? Für uns Laien, was rätst du?
Frösi: Unter der Rennhose tragen wir nix... Unterhose geht gar nicht! Die hat Falten, das reibt alles fürchterlich. Mit dem Sitzleder passt sich die Hose perfekt an.

Nikola aus Belgrad: Gibt es bei Dir auch Zeiten wo Du die Nase voll hast vom Fahrrad fahren und am liebsten alles hinschmeissen wuerdest?
Frösi: Klar, das ist wie in jedem anderen Beruf. Es gibt schöne Tage, an denen man mit Begeisterung dabei ist und es gibt Tage, da geht man z.B. bei schlechtem Wetter raus zum trainieren, weil man muss.

Michael aus Zürich fragt: Wie oft stürzt du in einer durchschnittlichen Saison? Hat jeder Profi vernarbte Beine?
Frösi: Wie oft, das kann man gar nicht pauschal sagen. 2005 bin ich kaum gestürzt und dieses Jahr in drei Wochen vier Mal. Die Beine bekommen meist wenig ab, aber auf die Pobacken seitlich fällt man fast immer. Daran erkennt man Radprofis.

Roni aus Horgen: Deinem Bericht zur vierten Etappe war zu entnehmen, dass die Etappe 2800 Höhenmeter zu bewältigen hatte. Ich habe das offizielle Streckenprofil nachgerechnet und komme auf 1111 Steigungsmeter. Ich zweifle Deinen Tacho nicht an, aber sind die mitgelieferten Streckprofile immer so ungenau?
Frösi: Ja, sehr oft. Die großen Berge sind richtig angegeben, aber bei den welligen Etappen stimmen die Angaben oft nicht. Meine Pulsuhr lügt nicht, die Kollegen haben die gleichen Werte. Besonders ärgerlich finde ich es aber, wenn die Anfahrten bei Sprintetappen nicht korrekt angegeben sind. Wenn da plötzlich ein Kreisverkehr 3km vor Schluss ist, der in der Karte nicht da ist, irritiert das sehr.


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Erster Ruhetag
Rush-hour auf der Zeitfahrstrecke

TABIANO TERME, 10.05.06. Das war heute kein richtiger Ruhetag. Erstens sind wir gestern Nacht erst um halb 2 ins Bett gekommen und zweitens war heute fast den ganzen Tag was zu tun, Zeit für sich hatte man gar nicht.

Gestern Nacht holten uns die Betreuer, die schon vorgefahren waren, am Flughafen in Parma ab. Volker (Ordowski) flachst auf der Fahrt unterwegs schon: "Wir sind allein in dem Hotel - das ist bestimmt so ne uralte Absteige..." Und als wir dann um die Ecke kommen, müssen wir lachen: Genauso ist es. Mein Zimmer - ich habe heute ein Einzelzimmer - ist sehr spartanisch mit einem Badezimmer, in dem man sich kaum umdrehen kann. Aber das Essen ist super. Da merkt man, dass wir in Italien sind.

Heute früh bin ich gegen 9 Uhr aufgewacht - ohne Wecker. Ich habe gut geschlafen (in eigenem mitgebrachten Bettzeug - irgendwas muss man ja lernen in drei Giros mit kratzigen Wolldecken und Kunststoffkissen...!). Nach dem Frühstück noch ein bisschen an den Zeitfahrrädern rumgeschraubt, dann gings mit alle Mann mit den Autos 50km bis zur Zeitfahrstrecke von Morgen. Wir haben kurz besprochen, wir wir fahren. Die Reihenfolge wird nach der Körpergröße ein bisschen auch so gebildet, dass das mit dem Windschatten gut hinkommt. Ich fahre hinter Moletta und vor Ordowski. Wir haben ein bisschen probiert, um ein Gefühl zu bekommen fürs Teamzeitfahren. In dieser Besetzung hier sind wir noch nie zusammen Teamzeitfahren gefahren. Unterwegs sind wir unheimlich vielen Teams begegnet. Phonak, Discovery, Quick Step, CSC, Liquigas, Lampre... Da war richtig Rush hour. Komisch eigentlich, dass alle soviel testen, denn die Strecke ist nicht kompliziert. Flach und meist geradeaus. Was für Rouleurs und wenn der Wind von hinten kommt wie heute gibts schnelle Zeiten.

Wir sind ein bisschen zusammen gefahren, dann alle noch so was trainiert. 2 Stunden oder so. Danach gings mit dem Auto von Cremona zurück nach Tabiano Terme, wo wir untergebracht sind. Um halb vier waren wir wieder im Hotel, wo es ein spätes Mittagessen gab. Krauss, Ronny, Volker und ich sind danach noch ein bisschen rausgegangen ins Cafe. Ab 5 Uhr schon Massage und dann noch was am Material rumbasteln. Schon war der Ruhetag um. Heute abend nach dem Abendessen stand noch mal Taktikbesprechung an. Beim Teamzeitfahren gibts mehr zu bereden, als man denken mag. Wie geht man ans Rennen ran? Wer zieht durch? Langsame oder schnelle Wechsel? Und so weiter. Wir sind alle ein bisschen mehr aufgeregt als sonst, weil wir ja Schumis Rosa Trikot verteidigen wollen. Wir müssen dazu aber wirklich alles geben, denn es wird sehr, sehr schwer gegen CSC und Discovery. Drückt uns die Daumen!

Fans fragen Frösi

Gaston aus der Schweiz fragt: Das Fahren in einem kompakten Peloton ist ja fast eine Kunst für sich. Gibt es Fahrer an dessen Hinterrad man dann nicht gerne fährt, weil sie ev. einen Ruf als ‚Sturzfahrer’ haben?
Frösi: Oh, ja! Hier beim Giro gibts sogar eine ganze Mannschaft: Die Jungs von Euskaltel sind bei jedem Sturz dabei. Da kommts schon mal vor wie am Montag, dass in einer engen 90-Grad-Kurve, während man sich langsam einbremst, ein orangener mit 30km/h mehr links am ganzen Feld vorbeifliegt und sich dann ins Gitter einfädelt... Volker flachst immer: "Habt Ihr Eure Bremsen wieder ausgebaut?" Von denen hält man sich besser fern.

Heiko aus Breitenholz fragt: Wieviele Masseure/Physiotherapeuten habt ihr denn bei einer Rundfahrt dabei? Wie ist die Reihenfolge (die Kapitäne zuerst), hat jeder seinen festen Masseur, welches Verhältnis hat man zu Ihnen?
Frösi: Wir haben hier vier Physiotherapeuten dabei. Ja, jeder hat da seinen festen Physio. Bei der Reihenfolge machen es Volker, Ronny und ich, die den gleichen Masseur haben, so, dass wir uns abwechseln, damit nicht immer der gleiche spät dran ist. Das Verhältnis zum Physio ist schon sehr persönlich. Man verbringt soviel Zeit miteinander, da kommt man sich natürlich näher.

Arndt möchte wissen: Wie kommst Du mit der Umstellung auf die Zeitfahrmaschine klar?
Frösi: Für mich ist das eher Arbeit, als Vergnügen. Die Umstellung fällt mir eher schwer. Man sitzt ganz anders, andere Muskeln werden beansprucht. ich freue mich nicht drauf.


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4.Etappe
Steh-Party am Flughafen

LÜTTICH, 09.05.06. Ich melde mich heute mal vom Flughafen. Nach dem Rennen sind wir alle zur Siegerehrung - wir sind führend in der "Superteam"-Wertung. Dann mit dem Bus in eine Kaserne. Dort Duschen, dann alle 195 Mann mit zehn Bussen 50km zum Lütticher Flughafen. Hier spielt nun eine Schlager-Band Schunkelmusik - die ist ganz schlecht, aber dafür laut. Dann haben sie Stehtische aufgebaut wie für einen Empfang. Aber wir haben alle 200km in den Beinen und auf eine Party hat eigentlich niemand Lust. Also sitzen alle auf dem Boden oder auf ein paar herbeigeschleppten Kisten. Wir müssen noch ein bisschen länger warten. Gerolsteiner hat den zweiten Flieger. Der startet um 22:50 Uhr und wir sind dann um 00:10 Uhr in Parma nach Plan. Mal schauen, wann wir im Hotel sind.

Das war heute eine ganz schön happige Etappe. 2800 Höhenmeter muss man erst mal fahren, und das nennt man dann Flachetappe. Unsere Mannschaft hat das Rosa Trikot verteidigt. Wir haben gleich kontrolliert. Der Plan war, eine Gruppe gehen zu lassen, das Tempo dahinter kontrollieren. Es verlief alles wie nach Plan. Die fünf Mann sind früh weg, wir ließen den Abstand nicht größer als 5 Minuten werden und am Ende ist dann noch Lotto mit eingestiegen in der Verfolgung. Das war eine gute Symbiose.

Ich persönlich kann dagegen nicht zufrieden sein. Ich durfte mich ein bisschen aus der Teamarbeit raushalten für den Sprint. Aber mir gings heute gar nicht gut. Das Finale war hektisch. Am Ende hatte ich überhaupt kein Feeling für den Sprint. Weder Beine noch Kopf stimmten. Und dann geht man automatisch nicht so aggressiv zu Werke, wie man es tun müsste. Man steckt im Sprint zu früh zurück. Naja, ich hoffe, dass ich mich heute frei gefahren habe, dass das der Knackpunkt war. Jetzt kommt der Ruhetag, dann das Teamzeitfahren. Mal schauen. Bis morgen!

Fans fragen Frösi

Thorsten fragt: Mich interessiert, ob Ihr trotz Regenüberschuhen bei einer Regenetappe immer trockene Füße behaltet?
Frösi: Nein, ganz und gar nicht. Die halten vielleicht zehn Minuten trocken. Dann läuft das Wasser von oben und unten rein.

Thomas aus Wien: Hältst du es für möglich, dass Schumi in der Gesamtwertung aufs Podest kommt? Wie schätzt du seine Kletterqualitäten ein?
Frösi: Ich glaube, Schumi kommt sehr weit, aber das Podium ist wohl nicht realistisch. Das Rosa Trikot wird natürlich schwer zu verteidigen beim Teamzeitfahren. Aber wenn seine Form hält, kann er noch einiges erreichen. Wie er über die ganz großen Giro-Berge kommt, muss man mal sehen. Es ist seine erste große Rundfahrt. Er ist ja kein Kletterfloh wie Sella und wie sie alle heißen. Wie auch immer: Sein Giro ist jetzt schon ein Super-Erfolg.


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3.Etappe
Wahnsinns-Stimmung im Team

LÜTTICH, 08.05.06. Das war ein beschissenes Regen-Rennen - aber mit einem super Ausgang. Die Stimmung im Team - Wahnsinn! Wir freuen uns alle über Schumis Rosa Trikot. Die ganze Mannschaft hat vorhin mit ihm angestoßen auf den Erfolg. Ein TV-Team war dabei. Da ist schon mächtig Rummel jetzt. Ich habe vorhin kurz mit Stefan gesprochen, ich habe ihm gratuliert, er hat nochmal kurz den Sieg Revue passieren lassen. Schumi ist ein sehr netter Kerl und er ist im Triumph jetzt genauso ruhig und bescheiden wie immer.

Das Rennen heute hat zunächst wenig Spaß gemacht. Vier Mann sind früh rausgefahren. Quick Step dahinter kontrolliert. Da war für mich erst mal nichts zu tun. Die letzten 20km sind wir dann alle für Schumi gefahren. Ich halte ihn aus dem Wind, bringe ihm eine Regenjacke - alles, um ihm die Sache so leicht wie möglich zu machen, damit er alle Kräfte für den Schluss sparen kann. Bis 5km vor Schluss habe ich ihn in Position fahren können. Dann war meine Aufgabe erfüllt. Unten am Berg bin ich ausgeschert, bin den Berg zügig hochgefahren, aber ohne zu forcieren.

Fans fragen Frösi

Monika aus Schwetzingen fragt: Was ist für Dich die optimale Verpflegung während einer Etappe? Was isst Du, wieviel trinkst Du?
Frösi: Ich trinke meist Mineralwasser - Gerolsteiner natürlich...! Bei langen Etappen manchmal 10 Flaschen. Heute waren es 3, 4. Als Verpflegung gibts Riegel, die berühmten Silberlinge, also in Alu gewickelte Kuchenstücke oder Brötchen. 3, 4 Energiegels.


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Über Funk habe ich mitbekommen, was vorne los war. Christian Henn, unser Sportlicher Leiter, feuert Schumi an: "Hopp, Schumi!", "Komm, zieh durch!", "Da kommt keiner mehr!". Ich war 700 Meter vor dem Ziel, da höre ich, dass unser Mann gewonnen hat. Das ist so schön wie ein eigener Sieg. Naja, fast. Aber ich habe mich ehrlich gefreut, das ist kein Spruch. Auf der großen Video-Leinwand haben sie Schumis Sieg gerade nochmal eingespielt, als ich ins Ziel kam. Giro im Fernsehen geschaut, während ich selbst noch im Rennen bin. Auch nicht schlecht... Im Ziel kommt mir Schumi entgegen. Konnte noch kurz gratulieren, schon war er weg. Total abgeschirmt wird der Sieger. Das ganze Programm läuft dann ab: Siegerehrung, Pressekonferenz, Jubel, Trubel. Ich glaube, Schumi wird morgen früh aufwachen und seinen Zimmergenossen Thorsten Hiekmann fragen, ob er das geträumt hat...

Auf die Mannschaft kommt jetzt natürlich Arbeit zu. Wir haben das Rosa Trikot! Wir haben jetzt Verantwortung als Team. Was das für mich persönlich bei der Flachetappe morgen bedeutet weiß ich noch nicht. Das wurde natürlich heute abend in der Hektik noch nicht besprochen, das machen wir morgen. Kann sein, dass wir alle für Schumi arbeiten. Oder vielleicht soll ich mich schonen für den Sprint. Wenn ich für Schumi fahren soll, ist das aber für mich null Problem. Wirklich nicht. Die Mannschaft geht vor, der Chef sagt, was zu machen ist. Das ist Profiradsport hier und da muss man manchmal seine eigenen Interessen zurückstellen. Aber fürs Rosa Trikot beim Giro macht man das auch gern. Wie oft kommt das vor, dass man fürs Rosane fährt!? Ich wäre aber auch bereit für einen Sprint. Meine Form steigt, meine Schulter ist okay, die handicapt mich nicht im Sprint. Also, bis morgen!


2.Etappe
Parkschein gelöst...

LÜTTICH, 07.05.06. Das war heute McEwen-Tag und Frösi war platt wie Oskar. Auf den letzten 1500 Meter ging plötzlich gar nichts mehr. Aber irgendwo hatte ich sowas schon halb erwartet. Die zwei Wochen vor dem Giro, nach dem Sturz in Niedersachsen, waren zu ruhig für mich. Der Körper fährt runter und im Grenzbereich im Sprint merkt man dann ganz schnell, wenn einem etwas fehlt in der Vorbereitung, zumal ich immer etwas Zeit brauche, um auf Betriebstemperatur zu kommen.

Heute morgen hatten wir eine etwas längere Anfahrt, 120km zum Start. Wir sind während der ganzen vier belgischen Etappen in Lüttich untergebracht. Auf der Fahrt begann es schon zu regnen. 12 Grad. Die Frage: Was zieht man an? Habe mich für eine kurze Regenweste entschieden. Zum Einschreiben sind wir 4km auf dem Rad gerollt - da war ich dann aber schon pitschnass, so hat es sich eingeregnet. Also nochmal umziehen, lange Regenjacke. Dann gings los.


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Das Rennen begann ruhig. Ich hatte gleich einen Platten. Da war ich allerdings nicht der einzige. Soviele Defekte wie heute habe ich selten gesehen im Feld. Weiß gar nicht, woran das lag. Nun, irgendwann fuhren die Ausreißer weg. Milram und Discovery haben sich sofort im Feld vorne eingereiht. Damit war hinten Ruhe. So sind wir dann durch die "Flachetappe" gekreiselt. "Flach" war die aber nicht. Es ging ständig hoch, runter. Viele Zuschauer (bemer