MADRID, 14.12.05 (rsn) -
Der Spanien- Rundfahrt ging es schon mal besser.
In den letzten Jahren hat die Vuelta gegenüber den anderen
großen Rundfahrten arg an Boden verloren. Jahr für Jahr
kamen weniger Stars, weniger Zuschauer - und zu alledem
war dann der Protagonist der letzten Jahre, der
Rekordsieger Roberto Heras, in diesem
Jahr auch noch positiv auf EPO. Am Mittwoch präsentierten
die Organisatoren in Madrid nun die nächste Spanien-Rundfahrt.
Die 61. Ausgabe wurde als eine "neue Vuelta"
apostrophiert. Das Kapitel Heras hat man abgeschlossen:
Der Name des vierfachen Gesamtsiegers,
der zu der Zeremonie nicht eingeladen war, wurde
am Mittwoch bei der Vorstellung nicht ein einziges Mal erwähnt.
Die 61.Spanien-Rundfahrt findet
vom 26.August bis zum 17.September 2006 statt.
Die Rundfahrt führt über eine
Distanz von 3129km in 21 Etappen.
Los geht es mit einem 7,2km kurzen
Teamzeitfahren in Malaga.
Zwei Einzelzeitfahren mit zusammen 61km
stehen im Programm: Das erste
bei der 9.Etappe in Cuenca (33km),
ein weiteres am vorletzten Tag
über 28km in der Nähe von Madrid,
wo das Rennen traditionell mit
einer Sprinteretappe zu Ende geht.
Es gibt sieben Kletteretappen,
fünf enden mit Bergankünften (La Covatilla, El Morredero, La Cobertoria, Calar Alto und La Pandera).
Die Pyrenäen fehlen im kommenden
Jahr im Programm der Vuelta,
dafür macht das Rennen erstmals seit
1995 wieder einen Abstecher nach Galizien.
Doch das Thema Doping stand mehr als der Kurs
im Mittelpunkt der Präsentation.
"Wir müssen den Kampf für einen sauberen Sport
fortsetzen", forderte der spanische Sportminister Jaime Lissavetzky
bei der Veranstaltung. Er wünsche sich
eine "rigorose" und "saubere" Vuelta 2006
sagte er mit Blick auf den Fall Roberto Heras. Der Sieger
von 2000, 2003, 2004 und 2005 war in
diesem Jahr bei der vorletzten Etappe,
einem Zeitfahren, bei dem der Kletterer überraschend
schnell fuhr, positiv auf das Dopinghormon EPO getestet
worden. Das Verfahren gegen Heras ist noch nicht
abgeschlossen, doch
ihn erwartet eine zweijährige Dopingsperre und
die Aberkennung seines diesjährigen Vueltasiegs.
Heras war erwartungsgemäß nicht
anwesend bei der Vorstellung des Rennens,
dem er seinen Stempel aufgedrückt hat.
Den Organisatoren schien es peinlich, auch nur seinen
Namen zu erwähnen: Sein Bild huschte
nur ein paar Mal über die Videowand
beim Rückblick auf die letzte Vuelta. Ein Bild vom
strahlenden Sieger auf dem Podium in Madrid
fehlte bei der Rückschau.
Das ganze erinnerte frappierend
an die Vorstellung der Tour de France im
Oktober, bei der die Organisatoren den
des Dopings verdächtigten Lance Armstrong
genauso konsequent ignorierten.
Noch nie war Doping ein so großes Thema in Spanien,
das in den letzten Jahren oft den Eindruck machte,
als sei es die letzte Bastion des "alten Radsports",
in dem Manipulationen ein Kavaliersdelikt waren.
"Ich muss auch über Doping sprechen.
Der Kampf muss weitergehen. Ich stimme
mit der 'Null-Toleranz' von Senor Lissavetzky überein",
sagte Ignacio Ayuso, Generaldirektor der Vuelta-Organisation Unipublic,
am Mittwoch.
Renndirektor Victor Cordero sprach von der "Wut,
die die positive Kontrolle des Siegers von 2005"
ausgelöst hätte. Den Namen Heras
nahm er nicht in den Mund...
Derweil bekräftigte Vuelta-Chef Ignacio Ayuso
noch einmal die ablehnende Haltung gegenüber
der ProTour. Alle drei großen Rundfahrten
(Tour, Giro, Vuelta) hatten
am vergangenen Freitag ihren Ausstieg
aus der Serie erklärt.
Das "System, das zu einer
Teilnahme an einem Rennkalender (der ProTour)
verpflichtet, war nicht für alle
gut", sagte er. Wohin es mit der "neuen Vuelta"
geht, wird man sehen.