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Thomas Ziegler ist 24 Jahre alt und
seit 2003 Profi. Nach einem Lehrjahr bei Wiesenhof
wechselte der Erfurter 2004 zum Top-Team Gerolsteiner,
wo er gleich mit guten Resultaten einschlug.
Nach zwei Einsätzen beim Giro d'Italia
2004 und 2005 bestreitet der Thüringer
nun bei der Spanien-Rundfahrt 2005 zum dritten Mal eine große Rundfahrt.
Bei seiner Vuelta-Premiere will Ziegler
nach zuletzt starker Form (Zweiter der Hainleite) versuchen,
sich in der ein oder anderen Ausreißer-Gruppe in Szene zu setzen.
Mit guten Leistungen will er sich auch für einen Platz
in der deutschen WM-Nationalmannschaft empfehlen.
Für einen neuen Vertrag braucht er sich nicht mehr empfehlen:
Im kommenden Jahr fährt Ziegler bei T-Mobile.
21.Etappe
Mit Verspätung nach Hause
FRANKFURT/M., 18.09.05.
Das ist gestern nach dem Rennen
dumm gelaufen. Ich freute mich schon
so auf zuhause, da hieß
es beim Check-In-Schalter von Iberia aber:
Sorry, Ihr Flug ist überbucht.
Ich musste also nochmal eine Nacht
in Madrid bleiben.
Gestern Morgen herrschte
schon allgemeine Aufbruchsstimmung.
Mittags dann Start der Schlussetappe.
Die ersten 10km neutral, da
konnte man sich ein bisschen Madrid anschauen.
Schöne Stadt. Es wurde ein ruhiges
Rennen wie ja eigentlich auch zu erwarten. Keine Attacken.
Eine typische letzte Etappe eben.
Alle haben gute Laune,
alle sind froh, dass es nun nach Hause geht.
Die Etappe ging ja über den WM-Kurs
von nächstem Sonntag. Ich finde, der ist
nicht so leicht, wie einige sagen.
Breite Straßen, die gut zu fahren sind,
wenngleich der Asphalt ein bisschen glatt ist.
Ein gut zu fahrender Kurs, den aber auch mancher unterschätzen dürfte.
10km vor Schluss habe ich
nochmal was probiert an
dieser Welle, dem längsten Anstieg im Kurs.
Mit Garcia Acosta bin ich weggefahren,
aber wir kamen nicht weit weg
und wurden bald auch wieder eingeholt.
Im Finale fuhren wir dann
für Heinrich (Haussler).
Hasi (Haselbacher) und Heinrich haben
sich abgesprochen, wer sich besser
fühlt. Heinrich ist nach
seinem Etappensieg natürlich enorm
heiß gewesen und selbstbewusst.
Na, und sein dritter Platz in Madrid war
ja auch nochmal ein Ausrufezeichen.
Nach der Etappe wurde es richtig hektisch.
Schnell
in den Bus zum Duschen. Als ich dort
ankam, war Volker (Ordowski)
schon fertig geduscht.
Einige hatten Flieger, die schon um 18:40 Uhr
gingen und die Etappe war erst gegen 17:30 Uhr zu Ende.
Ich dachte, mir kann nix
passieren, ich habe einen Linienflug
um 20 Uhr. Aber das war nix.
Die haben mich in Madrid sitzen lassen.
Ich bekam eine Entschädigung, hätte
wohl auch ein Hotel bekommen,
aber ich fuhr lieber ins WM-Mannschaftshotel
der Deutschen, wo einige
Mechaniker von uns gleich bleiben.
Heute morgen fuhr mich unser
Doktor zum Flughafen.
Und die Maschine hatte dann schon
wieder eine Stunde Verspätung.
Wenigstens bin ich geflogen.
Um 12:30 Uhr kam ich in Frankfurt/Main an.
Mit einem Mietwagen fahre ich jetzt
nach Erfurt.
Ich freue mich jetzt auf zuhause,
auf meine Freundin.
Es war eine schöne Vuelta,
aber jetzt reichte es auch
nach 27 Tagen unterwegs.
Bis demnächst! Mir hat das Tagebuch großen Spaß gemacht,
ich hoffe Euch auch ein bisschen.
Wir werden das bestimmt mal wiederholen
bei Gelegenheit!
20.Etappe
"Zeitfahren mit Musikbegleitung"
ALCALA DE HENARES, 17.09.05.
Heute früh bin ich um 9:30 Uhr wach geworden.
Draußen quietschte etwas.
Ich schaue aus dem Fenster: Aki
Peschel saß schon auf der Rolle. Da bekam ich
ein schlechtes Gewissen und bin
auch aufgestanden.
Es gab ein gemütliches Frühstück.
Um 12 Uhr sind wir alle zum Start rübergefahren.
70km Transfer mit den Autos.

Mit dem MP3-Player verkabelt
Foto: Roth
|
Bevor es endlich losging, saß
ich zwei Stunden rum.
Ich habe mich ein bisschen warmgefahren,
mich verkabelt mit meinem MP3-Player.
Dann gings los. Wenn man
nicht auf Resultat fährt bei
einem Zeitfahren einer Rundfahrt,
wird das ganz schön langweilig.
Dafür habe ich heute die
Musikbegleitung genommen.
House, Techno. Bisschen was Aufputschendes - Musik
steht ja nicht auf der Dopingliste!
Am Anfang gab es Windkante, nachher
brutalen Rückenwind.
Nach 10km habe ich den vor mir gestarteten
Fahrer eingeholt. Schön, mal
nicht eingeholt zu werden
wie bei unserem kuriosen
Dreier-Einzelzeitfahren bei
der 9.Etappe. Beim 5km-Schild
- ich fuhr mit Tempo 60 -
fliegt plötzlich eine Bande auf die Straße. Ich habe ein bisschen
rausgenommen, da fährt ein Motorrad vorbei
und wickelt sich in die.
Den Schreck hatte ich gerade überwunden,
da komme ich Richtung Ziel.
In der Kurve steht ein Einweiser,
der die Autos ableitet.
Das war da so unübersichtlich,
dass ich Blödmann auch in
die Straße für die Autos fahre.
Nach 300 Metern habe ich den Fehler bemerkt.
Also rumdrehen - da stand ich da mit meiner
55x11-Übersetzung. Da habe ich natürlich
viel Zeit verloren,
aber ob nun 4 Minuten Rückstand
oder drei ist eigentlich egal.
Wenn man auf Resultat fahren will, sollte man
sich schon den Kurs vorher angucken...
Im Ziel traf ich dann noch zufällig einen
Deutschen - ein alter
BEkannter, mit
dem ich vor 6, 7 Jahren
als Junior zusammen Mountainbikerennen gefahren bin.
Er studiert jetzt in Madrid. Wie klein ist die Welt!
Die Renner vorne haben mal
wieder richtig gewirbelt.
Ein 55kg-Mann wie Heras tritt
56x11 und fährt
56 km/h -- Wahnsinn!
Sicher, es hatte Rückenwind,
aber am Anfang auch Gegenwind.
Morgen dürfte
nun auch Heras mal in Ruhe gelassen
werden und es gibt endlich die
ersehnte Ehrenrunde in Madrid.
Die Chance, die Vuelta zu beenden,
ist nun ziemlich groß geworden.
Ich freue mich aber vor allem darauf,
dass es heimgeht.
Der Flieger geht um 20 Uhr!
19.Etappe
"Es wurde noch lange gefeiert"
GUADALAJARA, 17.09.05. Donnerwetter, unser
Heinrich, mein Zimmergenosse, gewinnt
die Etappe! Da war natürlich gestern abend eine
Riesenstimmung im Team. Wir haben noch lange
zusammengesessen und den Sieg gebührend
gefeiert. Heinrich haben sie bei dem Hotelzimmer-Einbruch
zu Beginn der Vuelta u.a. auch sein Ladegerät
für sein Handy geklaut. Jetzt muss
er ständig meins benutzen, denn sein Telefon
steht gar nicht mehr still. Als er ins Zimmer
kam gestern nach dem Rennen hatte er schon
71 SMS. Ich hoffe nur,
dass sein Sieg auch in den Medien richtig
gewürdigt wird und nicht untergeht.
Immerhin war er dieses Jahr der einzige Deutsche,
der bei einer großen Rundfahrt eine Etappe gewann.
Das war eine lustige Etappe gestern.
Erstmal hatten wir noch
anderthalb Stunden Transfer bis
zum Startort. Im Startbereich
waren alle nervös, weil
es so windig war. Die Spanier sagten
alle, dass es höllisch schwer werden wird -
und dann noch der Wind. Schon
in der Neutralisation gab
es ein Gedrängel, weil
keiner hinten fahren wollte.
Das Profil sah auf dem Papier wie
gerade nach oben führend aus - in
Wirklichkeit ging
es aber ständig auf und ab.
50 Höhenmeter runter, 70 hoch.
Erste Attacke nach einem halben Kilometer.
Ich war mir ganz sicher,
dass die Gruppe so früh
nicht geht. 20 Mann gondelten
so 50 Meter vor uns rum.
Immer wieder fuhren Fahrer dahin.
Das wird nix, dachte ich.
Aber irgendwie ging
die Gruppe dann doch.
10 Minuten Vorsprung und hinten wurde
es ruhiger.
Vor Heinrich muss man wirklich den Hut ziehen.
Wie er das da im Sprint abgebrüht gemacht hat
mit Cleverness - und das als 21-Jähriger gegen erfahrene
Männer wie Zaballa und den Schweizer Meister Elmiger!
Wirklich: Respekt! Das hat er sich
auch hart erarbeitet. Er
hat sich auch jeden Tag durchgequält, ihm
ging es auch nicht immer super.
Ich habe ja schon vor ein
paar Tagen hier geschrieben,
dass Heinrich ein Supertalent ist.
Der Junge geht seinen Weg.
So, ich muss ich nun gleich auf den Weg machen zum Zeitfahren.
Bis später!
18.Etappe
"Müde Gummibeine"
AVILA, 15.09.05. Heute morgen
bin ich um 8:30 Uhr aufgestanden und
ich habe mal so richtig gut geschlafen.
Nachdem ich ja schon gestern gleich nach der Etappe
im Hotel sofort eingenickt bin, habe
ich heute Nacht 10 Stunden geschlafen wie ein Stein.
Nach dem Frühstück wurde es ein bisschen stressig heute
früh, wir hatten noch einen Transfer im Auto.
Start gegen 12 Uhr.
Natürlich ging
es wieder gleich berghoch, natürlich hieß es wie immer bei KM 0 gleich Feuer
frei.
|
Fan-Fragen
Jan aus der Schweiz: Nehmt ihr gewisse Nahrungs-Supplemente? Habt ihr auch andere
regenerationsfördernde Massnahmen wie z.B. Magnettherapie oder Stretching?
Thomas: Aminosäuren und Eiweiß- Shakes sind
in der Nachbereitung nach dem Rennen sehr wichtig.
Mit normaler Nahrung ginge das meist gar nicht
bei schweren Etappen.
Magnettherapie? Habe ich mal probiert,
aber ich habe da keinen Unterschied gemerkt.
Stretching ist schon wichtig,
ich schlampe da aber leider zu oft.
Nach dem Rennen sollte man das aber machen.
Vor dem Rennen dagegen überhaupt nicht.
Sonst macht man da seine Spannung in den
Muskeln kaputt.
Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
eine Mail an redaktion@radsport-news.com
mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
|
Kurze Zeit habe ich es auch mal wieder versucht
in einer Gruppe, aber die kam leider
nicht weit weg. Eine 15 Mann Gruppe
schien dann zu gehen.
Liberty hatte kein Interesse an der Verfolgung.
Bis auf 10 Minuten Vorsprung kamen sie.
Nach 50km ein 16km langer Anstieg.
Dort ist Balears reingeblasen wie
sonstwas. Hinten waren alle am Ächzen.
Mancebo kommt aus der Gegend und
der wollte es heute wissen.
Nun, ich kam trotz allem ganz gut
über den Berg. Auch
am nächsten war noch alles im grünen Bereich.
Als an einem 9km-Anstieg dann Mancebo seinen
Antritt platziert hat, war aber
für mich Schluss. Mein Tag
war da zu Ende und wie es vorne weitergegangen ist,
dazu weiß ich leider nichts zu berichten.
Wir hatten ein schönes 60-Mann-Grupeto
mit doch ziemlich vielen Deutschsprachigen drin...
Wir sind dann mit den ganzen Toten dahinten recht gemütlich zu Ende gefahren.
Die Etappe war eigentlich okay,
es hätte schlimmer sein können.
Schnell war es aber. Wieder schnellste Marschtabelle und
der Schnitt von 38km/h täuscht insofern,
als es viel Gegenwind hatte und
der Asphalt sehr rauh und schlecht
zu fahren war. Gerollt ist
es da gar nicht.
Morgen noch überstehen, dann
bin ich fast in Madrid.
Da sind nochmal zwei Bergwertungen,
aber nicht so schwer und 80km
vor dem Ziel. Ich denke,
dass sich morgen Petacchi die Chance nicht
entgehen lässt. Er ist schließlich noch
da und wird nun natürlich ganz bestimmt
auch nach Madrid wollen.
Dort fahren wir schließlich über den WM-Kurs und
das wäre für ihn sicherlich ein gutes Omen,
da zu gewinnen. Morgen dürften sich
Liberty und Fassa Bortolo die Kontrolle
im Feld teilen. Ich hoffe
mal auf eine angenehme Etappe.
Ein nicht so nervöses Rennen.
Im Gesamten wird morgen nichts
passieren und alle anderen dürften
wohl einsehen, dass Fassa sich
den Massensprint
nicht nehmen lassen will.
Oder kommt es am Ende doch ganz
anders bei der kurzen Etappe?
Gegen Ende der dritten Woche bin ich ganz
schön müde jetzt. Meine
Beine sind inzwischen wie Gummi.
Man tritt und es ist aber kein Bums mehr
dahinter. Mal eben zucken, ist nicht mehr drin.
Die Spritzigkeit ist weg.
Dann kommt noch hinzu, dass wir
in unserem Team keinen Klassementfahrer haben und
keinen Sprinter, man hat also auch keine
Aufgabe, an der man sich aufrichten könnte
wie zum Beispiel Linus bei CSC.
So sitzt man eine Etappe wie heute eher nur ab.
Ich freue mich auf Madrid.
Aber es geht den anderen ja genauso,
dass sie die Strapazen spüren.
Naja, morgen noch,
dann nur noch das Zeitfahren und
die Ehrenrunde. Das packen wir auch noch!
17.Etappe
"Unbegreiflich, wie man so schnell fahren kann"
AVILA, 14.09.05. Das
war wieder ein Höllentag. Der Sieger Quesada
hatte einen Schnitt von 43km/h.
Selbst bei einer Flachetappe muss man sich strecken
für so ein Tempo. Aber bei einer Bergetappe
mit 4 Bergwertungen???
Und das waren drei richtig schwere
Berge, wir fuhren drei Mal
auf 1900 Meter. Mir
ist das unbegreiflich,
wie man so schnell fahren kann.
|
Fan-Fragen
Günter aus Frankfurt: Glaubst du, dass Rennen wieder interessanter und unberechenbarer werden könnten, wenn man die Funkverbindungen abschaffen würde?
Thomas: Ja, ich glaube schon. Die Rennen wären offener,
als Fahrer müsste man wieder mehr das Gehirn einschalten.
Fahrer, die ein Rennen zu lesen verstehen,
setzten sich immer durch, aber ohne Funk
wäre der Vorteil natürlich ausgeprägter.
Heute schauen die Sportlichen Leiter
im Auto Fernsehen und können
sogar den Gesichtsausdruck von Fahrern
vorn weitergeben. Ohne Funk würden auch mehr Spitzengruppen gehen, weil
sich das Feld öfter verrechnen würde.
Andreas aus Essen: Mich würde mal interessieren, wo Deine Pulswerte liegen?
Thomas: Mein Ruhepuls liegt bei 39.
Der maximale Puls bei 195, wenn
ich richtig ausgeruht bin.
Im Moment nach zwei Wochen Vuelta komme
ich nicht mehr über 176 hinaus.
Auch der Ruhepuls ist enorm gesunken.
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mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
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Am Ende lagen wir wieder 30 Minuten
vor der schnellsten Marschtabelle.
Der Start war bereits nach hinten verlegt
worden, weil sie Angst hatten
wegen der Übertragung im Fernsehen.
Im grupetto, in
dem nach den vielen Aufgaben
keine Schwachen mehr sind,
fuhren wir an sich eher ruhig
hinterher - doch auch wir waren noch schneller
als die schnellste Marschtabelle.
Ich weiß nicht, was hier abgeht. Schon vor KM 0 attackierte
der Kolumbianer Pena - und ab da hieß
es Anschlag fahren bis zum Schluss.
Ich habe mich eher bescheiden gefühlt.
Bei dem Tempo war sowieso alles blockiert.
Die letzten drei Berge waren wirklich schwer,
für Ausreißer - für nichtspanische zumal -
gab es keine Chance. Die Spanier
fahren hier wie die Verrückten.
Jeden Tag wie ein Eintagesrennen.
Ich fand glücklicherweise
ein schönes grupetto,
eine 50 Mann starke Gruppe mit
guten Leuten wie
Petacchi und am Schluss auch Bettini.
Es bestand keine Gefahr,
den Anschluss zu verpassen -
was jetzt gefährlich wäre, weil
ja schon soviele draußen sind und dahinter
nichts mehr kommt.
Aber es ist schon deprimierend,
wenn man nur Statist ist.
Selbst wenn man sich nicht schlecht fühlt,
sieht man kein Land.
Auch der Rennverlauf ist frustrierend.
Das Gesamtklassement steht ja jetzt -
doch selbst dann gehen keine Gruppen.
Heute ging eine Gruppe am Anfang -
Liberty kontrollierte dahinter.
Aha, das wird also mal endlich so wie
zum Beispiel bei der Tour in
der letzten Woche, wo ja jeden Tag Ausreißer gehen.
Aber die Spanier fahren wie verrückt:
20 Mann sind schon weg, da fahren sie
trotzdem wie wahnsinnig hinterher,
selbst wenn einer aus der eigenen Mannschaft vorne
ist! So kommt es dann zu dem Irrsinnstempo.
43km/km/h bei einer Bergetappe habe
ich noch nie erlebt.
Die schnellste Marschtabelle war 38km/h.
Normalerweise wird bei solchen Etappen aber nie der schnellste
Schnitt gefahren. Wir staunen
alle über die Spanier, die ja
bei anderen Rennen außerhalb Spaniens nicht
so stark sind, aber hier
nicht zu halten. Die Ausländer bei
der Vuelta sind - bis auf Ausnahmen -
dagegen alle Statisten.
Bei dem Tempo waren wir wenigstens
zeitig im Hotel. Ich habe
es gerade so aus der Dusche geschafft,
da bin ich eingepennt.
Um 19 Uhr Massage, um
20 Uhr Abendessen, das
sich bis 21:30 Uhr hinzog. Das
war der Tag.
Morgen kommt
die nächste Hammeretappe.
Wenn sie so fahren wie heute,
brauche ich mir gar keine Hoffnungen zu machen..
Heute war es schlicht unmöglich,
wegzufahren. Auch vom Kopf her wird
es langsam schwer. Morgen,
mal sehen, vielleicht geht
doch mal was? Sonst wird
es ein langer Überlebenskampf.
Durchkommen will ich natürlich auf
jeden Fall. Noch drei Tage.
Madrid ist auf jeden Fall jetzt
mein Ziel. Wenn man sich bei einer
dreiwöchigen Rundfahrt durchgebissen hat,
fühlt man sich am Ende doch noch
ein bisschen wie ein Sieger,
wenn man den inneren Schweinhund
besiegt hat.
Bis morgen!
Zweiter Ruhetag
"Die Moral ist wieder da"
LEON, 12.09.05. Alles wieder okay...
Nach dem Höllentag gestern sind
heute die Lebensgeister wieder schnell
zurückgekehrt. Ich habe super geschlafen,
es war ein wirklich rundum schöner Ruhetag.
Die Strapazen sind vergessen.
Auch die Augen tun mir mich mehr weh vom vielen Regen
und Spritzwasser gestern. Mir gehts wieder total gut,
wobei ich hoffe, dass das kein trügerisches Gefühl ist und
das Gefühl morgen bei der Etappe auch noch so ist.
|
Fan-Fragen
Matthias aus Brauschweig: Wieviel Training am Ruhetag ist
optimal?
Thomas: Das ist individuell von Fahrer zu Fahrer verschieden.
Und es kommt auf die Schwere der nächsten Etappe an.
Wenn eine Bergetappe nach dem Ruhetag kommt,
muss ich 2, 3 Stunden richtig schwitzen,
sonst stellt der Körper auf Regeneration um und der nächste Tag
ist die Hölle. Morgen ist die Etappe nicht so schwer und
nach den Anstrengungen gestern haben wir es alle heute ruhig angehen lassen.
Stephan aus Münsingen/Schweiz fragt: Hast du eigentlich einen Ernährungsplan?
Thomas: Ich schlage zwar schon
mal über die Stränge, aber
grundsätzlich versuche ich schon, auf meine Ernährung
zu achten. Während der Saison esse
ich sehr viel Reis, Fisch oder Pute dazu.
Auf jeden Fall fettarm. Nach dem Training
nehme ich meist nur einen Eiweißshake
und dann nichts mehr bis zum Abendessen.
Ich bin schon auch einer derjenigen, die
sich jeden Tag wiegen müssen zur Kontrolle.
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Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
|
Wir sind heute um 9 Uhr aufgestanden und haben
erstmal anderthalb Stunde lang gefrühstückt
in aller Ruhe. Danach bin ich
ein bisschen im Internet gesurft.
Im Hotel hatten sie sogar DSL, da konnte
ich mich mal wieder auf den neuesten Stand bringen
- und mein Tagebuch lesen...
Um 11 Uhr sind wir gemütlich trainieren gefahren.
10km bis nach Leon, eine
kleine Schleife. Nicht
viel. In der Stadt traf man überall
Rennfahrer, alle Cafes waren voll mit
Fahrern. Mit ein paar
von Phonak sind wir
auch in ein Cafe. Wir haben uns auch mal ein Stückchen Torte
gegönnt.
Um 14 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel.
Mittagessen, eine Stunde Massage.
Am späten Nachmittag bin ich nochmal
in die Stadt, habe
mir Leon ein bisschen angeschaut.
Um 19 Uhr dann Abendessen. Dann noch was relaxen.
Es war seit langem wieder ein richtig
schöner Tag zum Abschalten.
Das tut unheimlich gut.
Diese schwere Vuelta haben wir bald geschafft.
Und sie war richtig schwer: Aki (Peschel)
meinte, die Tour sei auch nicht schwerer
gewesen. Ich habe
schon ausgerechnet: Noch etwa soviele
Kilometer wie die Sachsen-Tour.
Na, und die bekommt man ja auch locker
rum, oder? Den 20. von 26 Tagen
sind wir unterwegs. Das Ende ist jetzt absehbar
und da bekommt man dann auch wieder richtig Moral.
Wenn man das Zeitfahren und die Schlussetappe nicht rechnet, sind
es noch vier "richtige" Etappen.
Die am Mittwoch und Donnerstag könnten was
für mich sein. Das Gesamtklassement steht
jetzt, der Abstand vorn ist groß, da müsste doch endlich mal eine Gruppe gehen!?
Wenn ich dann wieder gute Beine finde wie
in den Pyrenäen, versuche ich was.
Die Etappe morgen kann ich
schwer einschätzen.
Eigentlich müsste man eine Massensprintankunft
erwarten. Petacchi, der vermutlich
wie viele andere WM-Fahrer morgen nach
der Etappe aussteigen dürfte, will
es bestimmt noch mal wissen. Aber
da ist ein kleiner Berg am Ende. Dem Profil
auf dem Papier traue ich jedoch nicht,
das kann ein kleiner Hüpfer sein oder
auch ein richtig knackiges Ding, den
die Sprinter nicht schaffen.
Mal schauen. Bis morgen!
15.Etappe
"Höllentag"
LEON, 11.09.05.
Ein Höllentag. Was bin ich froh,
dass der rum ist und ich gleich ins Bett falle.
Das Elend begann schon gestern abend.
Ich musste mich übergeben, mir gings
die ganze Nacht schlecht.
Auch heute morgen komisches
Gefühl im Bauch, ich fühle mich kraftlos,
müde. Ich hätte am Start so einschlafen können.
Den ganzen Tag Übelkeit.
Ich denke, das ist die Wirkung
der Anstrengungen der letzten Tage,
das summiert sich.
Vielleicht habe ich auch was falsches gegessen oder
es ist eine Kombination von beidem.
Der Körper ist jetzt sehr anfällig nach
zwei Wochen hartem Rennen.
Es war zu allem Unglück auch noch schlechtes Wetter heute.
15 Grad kalt, in den Bergen auch mal 8 oder 9 Grad.
Nach dem Start gleich Feuer frei.
Die ersten 40km mit 51er Schnitt.
In den ersten Berg ging
es mit einem Mordstempo.
Hinten ging die Hälfte fliegen,
da ging es nur noch ums Überleben.
Irgendwie habe ich es geschafft, vorne dranzubleiben.
Bis zum vorletzten Berg, da bildete
sich ein großes grupetto,
in dem ich dann auch mitgefahren bin.
Die letzten Kilometer
nahmen kein Ende.
3km vor dem Ziel bekam ich auch noch
einen kleinen Hungerast,
was auch kein Wunder ist,
nachdem ich gestern abend
mein Abendessen ja nicht lange bei mir hatte.
Als ich im Ziel war, habe
ich drei Kreuze geschlagen.
So ein hartes, schnelles Radrennen wie
in den letzten drei Tagen habe
ich noch nie erlebt.
Heute habe ich das Gefühl,
als ob ich fünf Jahre gealtert
wäre. Keinem hat
das Spaß gemacht, glaube ich.
Im Gesamten haben sich
auch Dramen abgespielt, so wie
ich das halb mitbekommen habe.
Menchov verliert 5 Minuten,
was ja eigentlich nichts ist.
Aber das Rennen hat er verloren.
Alle Klassementfahrer
haben mal einen schlechten Tag und
alle hoffen, dass
das bei einer leichten Etappe passiert.
Aber heute war ein schlechter Tag
tödlich.
Unser junger Matthias Russ
musste heute die Segel streichen,
aber da muss sich niemand
was vorwerfen, wenn es
heute nicht gereicht hat bei
diesem Höllentag.
Nach dem Rennen noch anderthalb Stunden Transfer.
Um 21:15 Uhr Massage,
dann Abendessen.
Ich bin heute Abend sowas von platt
wie ich es selten einmal war.
Gott sei Dank kommt
morgen der Ruhetag.
Den brauche ich jetzt
unbedingt. Ich muss mal ausschlafen.
Die letzten Tage habe ich 8 oder 9
Stunden geschlafen und war trotzdem
morgens noch todmüde.
Ich hoffe, morgen sieht die Welt
wieder besser aus.
14.Etappe
Gefrustet
COVADONGA, 10.09.05. Der Frust-Level
steigt. Es ist ja deprimierend, dass hier nie eine Gruppe
geht! Petacchi gewinnt die Flachetappen,
die anderen gewinnen Bergfahrer.
Dazwischen gibts nichts. Komischer
Rennverlauf. Bei der Tour de France lassen sie
doch mal Gruppen an der langen Leine fahren.
Inzwischen könnte
es doch auch bei der Vuelta zwei Rennen geben -
das um den Gesamtsieg und
das um Tagessiege. Aber hier gibts jeden Tag
immer zwei, drei Mannschaften,
die was dagegen haben, dass Gruppen gehen und
es auch schaffen, Ausreißer zurückzuholen.
Die Folge: Es wird unheimlich schnell gefahren.
Viel schneller als beim Giro.
Ich fühle mich noch ganz gut, aber mit meiner Form vom Giro hätte
ich jetzt bestimmt Probleme.
|
Fan-Fragen
Debbie aus Koblenz fragt: Wie ist das geregelt,
wer mit wem das Zimmer teilt?
Thomas: Den Plan machen unsere Physios, die wissen
schon, wer mit wem gut kann. Man tauscht im Laufe
einer Rundfahrt auch schon mal.
Alexander aus Magdeburg fragt:
Wenn du kein Rennen fährst, sondern zuhause trainierst - hast du da ebenfalls eine besondere Ernährung und Pflege (Massage vor allen)? Oder läuft es dann nicht viel anders, als bei den Tausenden von Hobbyfahrern? Trainierst du dann meist allein oder hast du Trainingspartner?
Thomas: Ja, zuhause trainiere ich im Prinzip
wie jeder Hobbyfahrer auch.
Morgens stehe ich um 8 Uhr auf, um 10
Uhr gehts zum Training. Ich muss mich natürlich selbst verpflegen.
Massage? Da habe ich Glück, dass meine Freundin eine Ausbildung zur
Physiotherapeutin macht und wenn ich nett
frage, eine Massage bekomme. Trainingspartner
habe ich zuhause in Erfurt einige: Stephan Schreck,
Sebastian Lang, Christian Müller
von CSC, Daniel Becke und auch die Jungs von TEAG Köstritzer.
Wegen der unterschiedlichen Renntermine kommt
es aber auch vor, dass ich mal alleine trainiere.
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Heute war um 9 Uhr Aufstehen.
Nach dem Frühstück noch
eine Stunde Transfer im Bus
zum Start. Wir waren ein bisschen
knapp dran. Das Rennen begann gleich zügig.
Die ersten 20km mit 55er Schnitt.
Ich habe es wieder mal versucht,
wegzufahren. 6 oder 7 km waren wir vorne.
Eine gute Gruppe u.a. mit Bettini, Galdeano.
Das könnte klappen, dachte ich.
Denkste. 20 Sekunden kamen wir weg,
zwei, drei Kilometer später waren wir auch schon wieder eingeholt.
Danach ging eine 14 Mann-Gruppe weg.
Von uns war Heinrich (Haussler) dabei.
Diese ließen sie zunächst fahren,
aber durchgekommen sind sie natürlich wieder
nicht, wenn man jetzt mal
vom Sieger absieht, den man aber auch eher als Bergfahrer
bezeichnen muss. CSC hat Mordstempo gemacht
im Feld.
In den Schlussanstieg sind sie richtig reingesprintet.
Da hat es alles zerrupft im Feld.
Ich fuhr noch eine Weile vorne mit,
dann bin ich ausgeschwenkt.
Mit Bettini zusammen
bin ich dann in Ruhe
reingefahren. Wir haben ein bisschen
Small Talk gemacht,
so gut das die sprachliche Barriere zulässt.
Er meinte auch, dass es schon blöd sei,
dass hier keiner Land sieht gegen
die Spanier.
Es ist schon frustrierend für uns, dass
nie eine richtige Gruppe geht. Heinrich
ist heute mitgefahren und er
hat sich gut verkauft. Aber
natürlich hat man als Team eigentlich noch mehr Ehrgeiz.
Eine Mannschaft wie unsere,
die keinen Klassementfahrer und keinen
reinen Sprinter dabei hat, ist nun mal
auf Ausreißergruppen angewiesen.
Die Quälerei zu Beginn
einer Etappe, eine Gruppe zu erwischen,
die bekommt der Zuschauer gar
nicht mit. Im Fernsehen zeigt man die letzte Stunde
oder die letzten zwei. Das frustet halt,
wenn am Ende die Gruppen nie eine
Chance bekommen. Wozu quält man sich dann
am Anfang immer wieder?
Aber wir werden es natürlich weiter probieren.
Auch morgen, wenn man
auch langsam die Müdigkeit merkt
zu Beginn der 3. Woche.
So geht es allen im Feld,
das schon ganz schön dünner geworden ist.
Das grupetto ist ziemlich klein.
Wer da einen schlechten Tag hat,
bekommt ein Problem.
Morgen
nochmal Berge - die sechste Bergankunft. Es reicht langsam
mit den Bergen. Naja, am Montag
kommt ja der Ruhetag,
dann schaffen wir das auch noch.
Bis morgen!
13.Etappe
"Heras wie auf dem Moped"
SANTANDER, 09.09.05. Heute
morgen wache ich auf. Es war dunkel im Zimmer,
weil wir die Vorhänge zu hatten.
Ich hätte schwören können,
dass es mitten in der Nacht
ist, da wars aber schon fast Neun. Nach zwei
Wochen Rennen merkt man schon langsam die
Müdigkeit. Aber ich habe gut durchgeschlafen.
|
Fan-Fragen
Ivan fragt: Welches Rennen ist das schönste für dich?
Thomas: Von der Atmosphäre her geht
nichts über die Flandern-Rundfahrt. Mehr Zuschauer,
mehr Stimmung geht nicht mehr.
Vor dem Start schon 50.000 wie im Fußballstadion.
Leider ist Flandern fahrerisch nicht
so mein Ding. Ich würde
ganz gerne mal beim Amstel Gold Race gut fahren.
René möchte wissen: Wieviel Bikes hast du, außer den Teamrädern, im
Eigenbesitz im Keller stehen?
Thomas: Ich habe nur ein Mountainbike. Sonst brauche
ich auch keine eigenen Räder,
da wir ja sowieso immer mit den Teamrädern fahren
und die ja auch von bester Qualität sind.
Zuhause habe ich ein Trainingsrad stehen,
die Wettkampfräder stehen im Teamhauptquartier,
wenn kein Rennen ist.
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mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
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Ich hatte ja gehofft,
dass heute mal eine Gruppe geht und ich
da mit reinkomme. Aber
das Rennen begann so wahnsinnig schnell,
dass an Wegfahren gar nicht
zu denken war.
Es hatte ein bisschen Rückenwind.
Schnitt 60,5km/h.
Ich habe es ein paar Mal probiert,
aber alleine kann ich keine 66 km/h fahren.
Das war so schnell, kann ich
gar nicht beschreiben.
Auf dem Computer habe ich einen maximalen Wert
heute von 102km/h...
Nach 20km hat es richtig gescheppert. Massensturz,
bei dem es Steels wohl schlimm erwischt hat.
Danach ging
kurz das Tempo raus -
aber wirklich nur kurz. Nach 3 Stunden
war der Schnitt immer noch 50,7km/h.
Im Ziel trotz des schweren Profils
47! Wir waren am Ende fast eine Stunde
vor der schnellsten Marschtabelle.
Im Fernsehen haben sie die
letzte Stunde zeitversetzt
senden müssen.
Man hat sich
bei dem Tempo gar nicht getraut,
Pinkepause zu machen oder
was zu trinken zu holen.
Warum es so schnell war,
ist schwer zu sagen.
Das war so ein Selbstläufer,
das hat sich hochgeschaukelt.
Am Anfang die Attacken.
Dann ging mal eine 30-Mann-Gruppe,
die Phonak nicht fahren ließ
und Tempo hinten machte.
Und am Ende die Favoriten.
Ich habe mich nicht wirklich super
gefühlt heute.
Gestern hatte ich gute Beine, heute
wieder nicht. Es lief
nicht rund.
Am Schlussanstieg,
als die sechs Ausreißer nicht
mehr als eine Minute hatten,
war ich mir fast sicher,
dass die nicht durchkommen.
Komm, reiß Dich noch mal zusammen,
sage ich mir. Ich habe
attackiert, aber nach 500 Metern
war das schon wieder vorbei.
Heras und Mancebo sind dann an mir
vorbei wie auf dem Moped.
Da habe ich dann rausgenommen, bin
meinen Stiefel ins Ziel gefahren.
2:49 Minuten nach dem Sieger war ich drin.
Nach dem Renen noch mal
60km Transfer nach Santander,
wo wir uns über ein schönes Hotel freuen konnten.
Gutes Essen, gute Zimmer.
Das kommt gut, denn bis morgen muss
man sich so gut wie möglich regenerieren.
Das wird eine ganz schwere Etappe.
Ich denke, wer die nächsten beiden Tage übersteht,
der kommt nach Madrid.
Die Vuelta-Etappe nach Lagos de Covadonga hat
unser Sportlicher Leiter
Reimund Dietzen schon mal gewonnen.
Er gibt uns natürlich seine
Erfahrungen weiter. Das ist
ein steiles Ding am Schluss, bis zu 17 Prozent.
Ich habe 25er Kränze montieren lassen.
Fahre ich auch nicht so oft.
Im Gesamtklassement ist das eine Schlüsseletappe: Für Heras
ist es die letzte Chance, wenn er Menchov
abschütteln will. Ich werde
mal schauen, ob ich nicht
in eine frühe Ausreißergruppe
reinkommen kann. Mit
der mit ein bisschen Vorsprung
in den Schlussanstieg, das wäre
nett. Aber sicher fahre
ich nicht auf Krawall, denn eigentlich
hat keiner von uns im Team die Form, um in Covadonga
da mit den starken Spaniern mitzufahren.
Aber wir versuchen natürlich trotzdem
das Beste draus zu machen.
Bis morgen!
12.Etappe
"Ein bisschen wie verlängerter Ruhetag"
BURGOS, 08.09.05. Der Ruhetag hat
gut getan. Mal ganz abschalten.
Nach zwei Wochen unterwegs,
jeder Tag ist von morgens bis abends durchgeplant,
tut es so gut, mal auch ein bisschen
Zeit für sich zu haben,
ein bisschen Abstand zu gewinnen.
Dazu hatten wir auch eine schöne Unterkunft.
Nur zum Training hab ich das Hotel verlassen,
sonst war relaxen angesagt. Der Tag ging im Nu rum.
Heute begann der Tag auch gemütlich.
Der Start war erst um 14 Uhr, da hatten wir viel Zeit
zum ausgiebigen Frühstück,
noch ein bisschen gemütliches Beisammensein.
Die Etappe war wegen
des Winds zum Anfang ziemlich schwer.
Da war so ein Sturm, das Feld ist voll gerollt,
aber schneller als 25, maximal 30 km/h wurde
es nicht. Da gab es schon
Nervosität im Feld, denn da war ein
Streckenabschnitt, wo der Wind
so richtig draufstand.
Windkanten. Fassa Bortolo hat sich gleich
von Anfang an vors Feld gesetzt und
demonstriert, dass sie heute
unbedingt wieder einen Massensprint wollten.
Der Wind hat glücklicherweise nachgelassen.
Dann wurde es am Ende dann doch fast
sowas wie ein verlängerter Ruhetag.
Erst im Finale wurde wieder schnell gefahren.
|
Fan-Fragen
Warum fahren die Profis im Training oft trotz
heißem Wetter mit langen Klamotten?
Thomas: Zuhause trainiere ich meist
in kurzem Trikot, aber am Ruhetag gestern
in langen Sachen. Während einer großen Rundfahrt
ist der Körper aufgrund der Strapazen sehr
anfällig für Krankheiten, Erkältungen.
Davor will man sich schützen.
Der zweite Grund für die warme Bekleidung ist,
dass man gerade schwitzen will.
So hält man den Körper auf "Betriebstemperatur".
Sonst stellt der Organismus, der Stoffwechsel ganz schnell
um auf Regeneration und am nächsten Tag kommt
man überhaupt nicht mehr in Tritt.
Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
eine Mail an redaktion@radsport-news.com
mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
|
Bei dem Massensturz, bei dem es
Heras und Piil erwischt hat,
konnte ich gerade noch bremsen.
Ich hatte gerade eine Sekunde
Zeit, mich zu freuen, dass ich unbeschadet
davonkam, da brettert von hinten einer
von Valencia auf mich drauf. Ich habe
mir durch den Aufprall das Knie am
Vorbau angeschlagen und
mein Hinterrad war hin. Aber
es war alles kein Problem, keine Verletzung. Und ich habe mich heute
super gefühlt und war schnell wieder im Feld.
Die letzten 20km bin ich zusammen mit
den Teamkollegen für meinen Zimmergenossen Heinrich (Haussler)
gefahren, der im Sprint etwas versuchen wollte.
Das ist ihm super gelungen: Er war
Fünfter und mittendrin
mit Namen wie Boonen und Zabel.
Heinrich hat ein Supertalent. Er ist erst 21 Jahre alt und zum ersten Mal bei
einer Rundfahrt. Vorgestern war er bei der Bergetappe
bester Deutscher, heute im Sprint vorne.
Er kann einfach alles.
Sprinten, Berg fahren - und Klassiker auch.
Er hat einen riesigen Siegeswillen und
ist Allrounder. Im Sprint kann
er sich unheimlich gut im Feld zurechtfinden,
hat immer Überblick. Damit spart
er Kräfte. Und er kommt
besser über die Berge als
reine Sprinter. Heinrich geht
seinen Weg, davon bin ich überzeugt.
Vom Fahrertyp einer wie Danilo Di Luca.
Bei der Etappe morgen habe ich
mir viel vorgenommen.
das ist eine Etappe, bei der endlich mal eine
Gruppe gehen könnte.
Perfektes Terrain für
Ausreißer: Erst
80km flach, dann eine Bergwertung 1.Kategorie,
dann zwei dritte.
Die letzten Kilometer nochmal 200 Höhenmeter.
Kurzum: Zu schwer für Sprintspezialisten
und zu leicht, als dass Klassementfahrer
da Abstände rausfahren können.
Ich will unbedingt versuchen,
die Gruppe zu erwischen.
Nur ist das Problem morgen,
dass von den 160 Fahrern im Feld
100 so denken wie ich.
Wenn
acht weg sind, findet sich
immer noch ein Neunter,
der unbedingt hinterherfahren will.
Fahrer aus der zweiten Reihe sind
ebenso heiß wie ein Bettini,
der hier trainiert
für die WM und von dem ich
glaube, dass er morgen was vorhat.
Das macht es nervös morgen.
Aber ich bin voll motiviert.
Ich versuche alles.
Drückt mir die Daumen!
11.Etappe
"Gar nicht schlecht"
IM AUTO UNTERWEGS AUF DER AUTOBAHN, 06.09.05.
Heute hatten wir ein schönes Hotel,
aber eine richtig ruhige Nacht
war es trotzdem nicht.
Nachts hat es ständig geblitzt und gedonnert.
Ich habe schon das schlimmste befürchtet,
die schwere Etappe bei Regen und Gewitter!?
8:30 Uhr Frühstück. Um
kurz nach 10 Uhr fuhren wir
mit den Rädern die paar
Kilometer zum Start in Andorra.
Die ersten 10km neutralisiert,
um 12 Uhr gings los.
Der erste Berg nach 15km, 1.Kategorie,
25km lang. Da wurde richtig schnell
gefahren. Unten bildete
sich gleich eine Gruppe.
Mir ging es an sich nicht schlecht,
aber bei diesem Tempo war ich nicht
in der Lage da in der Gruppe mitzufahren.
Die von Valencia haben ein Höllentempo gefahren.
Ich hatte keine Probleme mitzukommen,
aber zu mehr reichte es auch nicht.
Das Feld splitterte auf.
Oben an der Bergwertung vorne
noch 70 Mann übrig.
Von uns waren Sven (Montgomery), Heinrich (Haussler)
und ich dabei.
Der zweite Berg wurde gestrichen.
Da hat es heute Nacht im Gewitter
einen Erdrutsch gegeben.
Die Etappe wurde 6km länger,
aber dafür ein Berg weniger.
Liberty hat das Rennen kontrolliert.
Meine Beine waren ganz gut.
Ich konnte bis
zum Schlussanstieg in
der Spitzengruppe mitfahren. Am
Ende habe ich mich ausgeklinkt,
um meinen Rhythmus zu fahren.
Es bringt ja nichts, da Körner
zu vergeuden, die man noch braucht, um
am Ende 35. zu werden.
Ich fuhr den letzten Berg
ohne am Anschlag zu fahren.
Am Ende habe ich noch einen kleinen
Hungerast gehabt, aber
trotzdem wurde es
noch Platz 48. Gar nicht schlecht,
das war ja heute eigentlich der schwerste Tag.
Wenn ich nicht vergessen hätte,
rechtzeitig zu essen,
wäre es noch das ein oder andere Plätzchen
besser gewesen, aber zu Top 20
hätte es sicher nicht gereicht,
so gesehen ist es nicht so schlimm.
Heinrich, der zum ersten Mal
eine große Rundfahrt fährt, ist super gefahren.
Mit einer Fluchtgruppe hat es für mich heute wieder nicht geklappt,
aber es kamen bisher noch keine Ausreißer
durch, daher brauche ich mich
auch nicht zu ärgern. Es kommen
ganz bestimmt noch Etappen, bei denen Gruppen gehen.
Und wenn am Anfang nicht
gleich ein Berg steht, komme
ich auch mal mit. Gerade
so frühe Berge mag ich gar nicht.
Die 17. und 18. Etappe
in der letzten Woche sehen interessant aus.
Die habe ich mir jedenfalls mal
angekreuzt, was zu versuchen.
Das wär doch was: In einer Ausreißergruppe
durchkommen und eine
Platzierung unter den ersten Drei.
Nach dem Rennen heute
haben alle Gerolsteiner
im Bus geduscht. Um 18:30
Uhr gings los: Wir
fahren noch heute Abend in den Autos nach Burgos.
400km auf der Landstraße,
das zieht sich. Bis wir ankommen
wird es Mitternacht.
Die anderen Mannschaften machen den Transfer erst
morgen früh. Aber so
ist es viel besser, wir haben morgen
mal ein bisschen Ruhe. Sonst
wären wir morgen Mittag dort,
dann Training, Massage und das wärs gewesen
mit dem Ruhetag.
Ich bin froh, dass morgen mal
ein Tag ohne Rennen, Termine und Stress
kommt. Nach 11 Etappen war es auch Zeit.
Vom Kopf her vor allem tut
eine Pause sehr gut.
Ich werde mir morgen mal schön Zeit für
mich nehmen. Eim bisschen lesen, abschalten.
Bis morgen!
10.Etappe
"Gute Beine - schlechte Beine"
ANDORRA, 05.09.05.
Heute um 8 Uhr Aufstehen,
um 9 Uhr ging es per Auto zum Start.
Eine Stunde Transfer.
Das Rennen begann sehr schnell.
Es bildete sich früh eine
Gruppe. Ich wollte
eigentlich mitfahren,
aber meine Beine waren
total schlecht.
Am ersten Berg bin ich
richtig explodiert.
"Lieber Gott, was ist denn heute los?",
denke ich. Nicht so schlecht,
dass ich Angst hätte haben müssen,
die Etappe nicht zu schaffen,
aber zu schlecht, um in einer
Ausreißergruppe mitzufahren.
Das war eine schwere Etappe.
4000 Höhenmeter.
Es gab viele Aufgaben,
prominente Namen darunter. Von uns hat es
Marcel Strauss erwischt. Er
hatte keinen guten Tag und
bei dieser schweren Etappe
gehts dann irgendwann nicht mehr.
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Liberty und Rabobank haben das
Feld hinter den Ausreißern kontrolliert.
Am 2.Berg, dem 1.Kategorie-Anstieg,
wurde es ruhiger.
Nach 150km kamen wir nach Andorra.
Meine Beine waren inzwischen
immer besser geworden. Wie ausgewechselt.
Ich fuhr lange im ersten 30-Mann-Feld
mit, ich dachte, ich schaue
nicht richtig,
dass ich mit den Besten da mitfahre.
Über den vorletzten Berg vorne mit drüber.
Vor dem Schlussanstieg habe ich
mich ausgeklinkt und
bin mit meinem Rhythmus zu Ende gefahren.
Locker, nie am Anschlag.
Puls nie über 170.
Ökonomisch fahren war angesagt,
denn ich will
nicht irgendwann bezahlen für einen sinnlosen
Überehrgeiz.
Am Ende
war ich 43. mit 9:30 Minuten Rückstand.
Gar nicht schlecht angesichts
der Umstände.
Ich bin ja kein Kletterer.
Die Zuschauerkulisse am Schlussanstieg
nach Ordino war nicht
so doll.
Eigentlich ist hier
nie viel los außer
bei der Tour de France. Bei der Katalanischen
Woche bin ich auch hier hochgefahren,
da war auch nicht wirklich viel los.
Morgen die Etappe wird höllisch schwer,
vielleicht sogar schwerer
als die heute. Vier, fünf Berge,
nicht so lange Anstiege wie heute
aber die Zahl machts.
Mal schauen, wie meine Beine morgen sind.
Ich bin aber optimistisch.
Ich hoffe, dass meine Beine
morgen am Anfang mal so sind,
wie heute am Ende.
Dann kann ich vielleicht mal in einer
Fluchtgruppe mitfahren
Nach 186km Radrennen haben wir morgen dann noch einen "kleinen" 400 Kilometer-Transfer
vor uns. Eigentlich ist
der Transfer für den Ruhetag geplant.
Aber wir in unserer Mannschaft
haben uns entschieden, schon
morgen abend nach Logrono zu fahren.
Das wird dann zwar spät,
aber besser als
am Mittwochmorgen.
Der Ruhetag ist nämlich
für die Katz,
wenn man bis Mittag im Bus sitzt.
Also, bis morgen!
9.Etappe
"Lustigstes Zeitfahren meines Lebens!"
LLORET DE MAR, 04.09.05.
Bisschen unruhige Nacht heute.
Da es in unserem schönen Touri-Bunker in Lloret
keine Klimaanlage im Zimmer hat, mussten
wir die Balkontür offen lassen.
Vom Gegröhle der Betrunkenen nachts
wird man dann schon mal wach. Für
heute Nacht habe ich mir Oropax besorgt.
Ich bin heute früh um 8:30 Uhr aufgestanden
und habe gemütlich gefrühstückt.
Danach noch ein bisschen relaxen,
Lesen. Um 12 Uhr bin ich
zum Startbereich. Am Stand des Sponsors AMD,
die im "Tour-Dorf" sowas wie ein Internetcafe haben,
kurz meine Mails gecheckt.
Um 13 Uhr Warmfahren. Allerdings
nicht so ausgiebig,
wie ich es machen würde, wenn
es um den Sieg ginge.
Was dann kam, war das lustigste
Zeitfahren meines Lebens!
Gleich hinter mir ist
Bram de Groot gestartet.
Mit dem verstehe ich mich
ganz gut, wir kennen uns.
Nach 11km hat der mich schon eingeholt.
"Ach Du lieber Gott,
da bist Du aber doch etwas zu langsam",
denke ich mir.
Dann sind wir weiter zu zweit gefahren.
Nicht Windschattenfahren, aber
zu zweit. Mal der vorne, mal der.
Nach 17km haben wir beide dann
auch noch den Spanier Garcia Acosta eingeholt.
Nun waren wir also schon eine Dreiergruppe...
Wir haben unterwegs geflachst, zum Teil
konnten wir gar nicht mehr vor Lachen!
Wir haben uns gegenseitig attackiert
wie im Straßenrennen. Sowas
habe ich noch nicht erlebt.
Ich habe mal selber
drei Fahrer nacheinander
eingeholt, aber dass ich selber
eingeholt werde - und
dass wir dann zu zweit
einen anderen einholen: Sowas
dürfte nicht oft vorkommen.
Einzelzeitfahren kann ganz
schön lang werden, wenn man
das nur so abspult. Aber die 48km
heute gingen um wie im Flug.
Mal schauen, was der Kommissär zu
unserem Dreier sagt. Eigentlich
haben wir nichts irreguläres
gemacht. Wir haben aufgepasst,
nicht im Windschatten zu fahren.
Aber mein Physio im Begleitfahrzeug
meinte, dass das ziemlich merkwürdig
und nicht recht nach Zeitfahren ausgesehen hat.
Ich kam jedenfalls locker über
die Runden, Puls nie über 159.
Wir drei haben alle Kräfte gespart
für die nächsten Bergetappen.
Bram muss jetzt ja fürs Gelbe Trikot
fahren und Garcia Acostas Team hat
ja sicher auch noch was vor.
Das Rennen war gar nicht so einfach.
Der Wind am Schluss hat
es noch schwerer gemacht.
Unser Aki (Uwe Peschel)
ist eine Bombenzeit gefahren.
Ich dachte, dass reicht
für Platz 3. Aber
dann waren doch noch 7 Mann schneller.
Dass ein kleiner Kletterer wie Heras
solche Gänge treten kann
ist schon erstaunlich.
Nach dem Rennen bin ich
gleich mit dem Rad weiter
ins Hotel. Um 15:30 Uhr war
ich dort. Ein bisschen rumgelegen auf
dem Bett, dann Duschen,
Massage. Und jetzt warte
ich aufs Abendessen um 20 Uhr.
Morgen wird ein schwerer Tag.
Vor dem Start erst
noch 70km Transfer.
206km Etappe, die erste Bergwertung
schon nach 21km oder so.
Das gibt ein richtiges Ausscheidungsfahren.
Mal schauen, ich
würde gerne in einer Gruppe
wegfahren. Das ist
gar keine schlechte Idee bei
so einer schweren Bergetappe
in einer frühen Gruppe wegzufahren.
Vorne ist es da oftmals ruhiger
als hinten. Dort
gejt irgendwann die große Rush hour los,
wenn sie das Feld am Berg auseinanderfahren.
Mal schauen, wenn Fahrer
von meinem Kaliber wegspringen, versuche
ich mitzufahren. Wenn allerdings Kletterer
wegfahren, lasse ich es bleiben.
Bis morgen!
8.Etappe
"Die WM war doch meine Hauptmotivation hier"
LLORET DE MAR, 03.09.05.
Heute war es ein angenehmer
Morgen. Wir hatten in Tarragona
ein schönes Hotel.
Zum Start sind wir mit den Rädern
gefahren. Nur ein paar Kilometer
durch die Stadt.
Die Etappe war 190km lang, dazu
10km neutralisiert, da
waren es auch wieder 200km.
Es war wieder heiß, 38 Grad,
aber irgendwie eine andere
Hitze. Am Meer ist das erträglicher.
Überhaupt macht es hier in Katalonien
doch mehr Spaß. In der Wüste in Andalusien,
wo es manchmal 50km lang kein Haus und keinen Strauch
gibt, finde ich es nicht so angenehm.
Das Rennen begann damit,
das schnell ein Ausreißertrio
wegfuhr. Dahinter haben
dann nach einer Weile
Fassa und Quick Step Tempo gemacht.
Und wie! Das war zeitweise
unheimlich schnell.
Den Vorsprung
der Ausreißer haben sie in
45km von
10 Minuten auf 3 Minuten heruntergefahren. Wir
fuhren da mit 55er Schnitt.
Die letzten Kilometer
gings dann wieder.
Ab 30km bin ich für
Rene Haselbacher und
Heinrich Haussler
gefahren, um den
beiden für einen Sprint
eine gute Ausgangsposition
zu verschaffen. Ich
habe meinen Job gemacht, immer
wieder die beiden vorgefahren,
wenn es mal Löcher gab. Bei 5km war
meine Arbeit erledigt.
Heinrich fuhr auf einen starken sechsten Platz.
Chapeau!
Im Hotel gabs dan einen kleinen Schock:
Ein richtiger Billigtouristen-Bunker
- typisch Lloret halt. Noch ein bisschen
unter Mallorca-Ballermannniveau.
Auf dem Balkon lagen noch die Reste
Sangria von unseren Vorgängern.
Unten am Pool ist ein
großes Gekreische.
Ein Haufen Teenager aus England macht
hier Party. Und wir sind hier auch noch zwei Tage.
Heute abend gehen wir
uns das Treiben mal ein bisschen angucken.
Morgen ist ja Zeitfahren und
da kann man länger schlafen.
Natürlich gehen wir nicht groß feiern,
nur mal gucken. Spätestens
um 23 Uhr ist Zapfenstreich.
Dass wir hier
in einem Touri-Ort
sind, war schon auf
den letzten 3km nicht zu übersehen:
Am Straßenrand nur Halbnackte
vom nahen Strand. Nach Mädchen konnte
ich nicht schauen, dafür
wars leider zu schnell...
Im Rennen habe ich mich heute
fast zwei Stunden mit
Linus (Gerdemann) unterhalten.
Darüber wie's geht, wie's uns
hier gefällt usw. Und über
die WM-Nominierungen.
Wie es aussieht, werden wir
beide nicht zur WM fahren.
Linus ist ganz raus, ich bin vierter Ersatzmann,
wie ich gehört habe. Noch alles inoffiziell,
aber so ist es. Ich bin
ganz schön enttäuscht, denn ich habe
in den letzten Monaten doch ganz
gute Resultate und Leistungen gezeigt.
Darum sollte es doch gehen und
nicht ums Frühjahr. Die WM
war eine Hauptmotivation
für mich hier bei der Vuelta.
Jetzt ist die weg und
der Frust erst mal groß.
Naja, habe ich halt ein freies Wochenende
am 25. September und mache mir
mit meiner Freundin eine schöne Zeit.
Beim Zeitfahren morgen brauche ich keine
große Motivation.
Für mich geht es nur
darum, kräftesparend durchzukommen.
Ein Platz 25, der vielleicht
drin wäre, wenn ich richtig fahre,
interessiert niemanden. Und
es folgen ja zwei knüppelharte
Bergetappen, davor habe ich mächtig Respekt.
Also kleinen Gang fahren, nie
am Anschlag, einen schönen runden Tritt finden,
ein gutes Körpergefühl.
Bei Gerolsteiner wird Aki (Uwe Peschel)
sicher was versuchen
Für uns anderen ist es
ein halber Ruhetag.
Bis morgen!
7.Etappe
"Eine Etappe zum Absitzen"
TARRAGONA, 02.09.05.
Ich bin froh, dass wir
jetzt endlich in Tarragona angekommen
sind. Nach
dem Rennen gab es noch einen 120km langen Transfer
hierher. Am Meer ist die Luft angenehmer,
ich kenne die Gegend hier von einem Trainingslager.
Im wüstenartigen Süden habe
ich mich nicht so recht wohlgefühlt.
Unser Hotel von gestern auf heute
war mehr ein Rasthof, mitten
im Nichts. In Tarragona haben
wir wieder ein schönes Hotel,
mitten in der Stadt, wo Leben herrscht.
Ich finde es fürchterlich,
wenn man so abgeschottet
ist. Schöner, wenn man spürt, dass
es auch außerhalb des Rennens noch Leben gibt.
|
Fan-Fragen
Patrik fragt: Wie werden bei leichteren Stürzen die entstandenen Schürfwunden bei
Euch Rennfahrern versorgt?
Thomas: Schürfwunden tun richtig
weh. Die erste Nacht ist richtig scheiße...
Die Wundversorgung ist leichter,
weil wir uns die Beine rasieren.
Am wichtigsten ist zunächst die Desinfektion.
Das tut höllisch weh,
aber der Dreck muss raus.
Dann kommt reichlich Heilsalbe drauf und darüber
ein Verband, richtig fest verschlossen.
So heilt das von innen raus und es
bildet sich nicht eine Kruste, die
immer wieder aufbricht.
Melanie aus Saarbrücken fragt:
Wie ernährst Du Dich während einer schweren Rundfahrt?
Thomas: Zum Frühstück
üblicherweise ein Brötchen, Müsli und
einen großen Teller Reis mit ein bisschen Rührei drin und
viel Parmesankäse drüber. Das ist besser und
hochwertiger, als nur Nutellabrötchen oder so.
Während der Etappe normalerweise
drei Energierigel,
2, 3 Gels. Das hat man im Gefühl,
wann man essen muss. Gleich nach
dem Rennen einen Eiweiß-Shake.
Abendessen meist Reis und Hühnchen oder
sowas. Gemüse esse ich nicht während
des Rennens, das bläht den Magen leicht auf.
Am besten ist purer Reis mit
ein wenig Olivenöl und Parmesan drüber.
Schmeckt besser,
als es sich anhört, ehrlich!
Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
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mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
|
Die Etappe war heute viel
schwerer, als auf dem Profil
angegeben. 3000 Höhenmeter hatte
ich auf meinem Polar-Computer.
Soviel wie bei der Bergetappe gestern!
Der Start war in 1000 Metern Höhe,
dann ging es bis auf 850 Metern runter.
Von KM 5 bis 20 wieder
auf 1600 Meter hoch.
Und sie sind wie die Irren da hochgefahren.
Das Feld zersplitterte in 5, 6 Grüppchen.
Ich war froh, dass ich vorne
dabei war. Da war richtig Radrennen.
Oben sind zum Glück die Ausreißer
weggefahren, Liberty hat dahinter kontrolliert.
Es war klar, dass eine kleine Gruppe
nicht durchgeht. Liberty hat
mit denen am Ende richtig gespielt.
Bis KM 160 war es ein ständiges Auf und Ab,
dazu Gegenwind. Die letzten 50km dann etwas abfallend,
ein Hochplateau herunter.
Zwischendurch gab es mal 20km Regen. Die Straßen
waren unheimlich glatt. Es hat vermutlich
lange nicht geregnet und dann bildet
sich aus dem Staub und Öl ein glatter Film.
Das Finale war auch ohne Regen
gefährlich genug.
Eine richtige Achterbahnfahrt
mit 60, 70 Sachen über Feldwege in den Weinbergen.
Helmpflicht ist richtig -
aber solche Anfahrten müsste
die UCI auch verbieten.
Das war so gefährlich.
Man ist nur über ein Loch
zum nächsten gesprungen. Schotter.
Soviele hatten Defekt.
Extrem eng. Und das alles bei einer großen Rundfahrt,
wo das Peloton 200 Mann stark ist und
es um soviel geht. Eigentlich unverantwortlich.
Komischerweise passiert aber
scheinbar gerade dann am wenigsten, wenn es am gefährlichsten ist.
Da nehmen halt doch viele einen Tick früher raus.
Einen Platten hatte außer Petacchi
auch unser Sprinter Rene Haselbacher.
Da waren am Ende von uns noch
Volker (Ordowski), Heinrich (Haussler)
und ich vorne. Heinrich und ich wollten schauen,
dass wir uns vielleicht ein bisschen
durchmogeln. Bei mir klappte
das nicht, ich wurde eingebaut.
Heinrich kam auf einen ordentlichen 11. Platz.
Die Etappe war ziemlich ätzend
für mich. Wenn man keine
Aufgabe hat, sitzt man das Rennen
nur noch ab.
Da wurde dann auch so ein ekliges Tempo gefahren -
nicht richtig schnell, aber auch nicht langsam -
und nach mehreren 200km-Rennen fühlt
man sich auch müde, zumal wenn das Adrenalin
im Rennen fehlt. Es war
klar, dass es zum Massensprint kommt.
Liberty hat im Feld zeitweise sogar
rausgenommen, um nicht zu früh ranzukommen an die Ausreißer.
Und dass ich keinen Massensprint
gewinne, weiß ich. Also wartet man eigentlich
nur, dass es rumgeht. Das war
für mich heute unangenehmer als die schwere Etappe gestern.
Nach dem Rennen noch 120km Transfer.
Im Hotel waren wir kurz nach 19 Uhr.
Dann Massage. Um 21 Uhr Abendessen,
das sich hinzieht bis um 23 Uhr.
Von 8 Uhr bis 23 Uhr hat
man also einen durchorganisierten Tag
ohne Zeit für sich. Ich versuche
mein Buch zu lesen ("Sakrileg" von Dan Brown),
aber ich komme kaum weiter.
Wenn ich mich gerade eingelesen habe,
muss ich es schon wieder weglegen.
Morgen die Etappe ist richtig flach,
auch wenn ich den Etappenprofilen nicht
mehr traue. Wenn
es da nicht einen extremen Wind
hat oder so, kommt
es 100 Prozent zum Massensprint.
Zabel hat Blut geleckt,
da wird T-Mobile Tempo machen,
Hushovds Team auch und Fassa sowieso.
Eine Attacke morgen ist rausgeschmissene
Körner, eine Gruppe kommt nie an.
Eine große Gruppe werden sie nicht fahren lassen und
5 Mann haben keine Chance gegen
ein jagendes Feld.
Bedeutet für mich wahrscheinlich:
Noch eine Etappe zum Absitzen...
bis morgen!
6.Etappe
"Schwerste Etappe, die ich je gefahren bin"

Foto: Roth
|
VALDELINARES, 01.09.05.
Das war ein Höllenrennen heute.
Das war die schnellste Etappe,
die ich je gefahren bin.
Das war eher wie ein schnelles Eintagesrennen.
Das hat fast allen im Feld weh getan.
Um so beeindruckender, wie
Heras da am Ende wie auf dem Moped
hochgedüst ist. Wahnsinn.
Heute früh um 7 Uhr klopfte
es schon an die Tür. Die Dopingkontrolleure
wollten Blut sehen. In unserem Hotel
waren außer uns auch noch FdJeux, Quick Step
und Cofidis, da dachten die wohl, da
lohnt es sich in dem Hotel. Mit
dem Schlafen war es danach vorbei.
Dopingkontrollen müssen sein, klar. Aber schon doof,
vor so einer schweren Etappe würde
man doch gerne ausschlafen.
Das Rennen begann gleich bei Kilometer 0
mit Anschlag fahren.
An der ersten Bergwertung setzte sich
ein Grüppchen leicht ab, im Feld
sind sie voll gefahren und ließen keinen weg.
Trotz 6km langem Berg Schnitt
von 47. An der zweiten Bergwertung
waren oben nur noch 70 Mann vorne übrig.
Glücklicherweise war ich auch dabei.
Balears sind wie die Irren gefahren.
Die Abgehängten haben 40km gebraucht,
bis sie wieder dran waren.
War ich froh, dass ich da nicht hinterherjagen musste!
Die Verpflegung nach 100km
haben wir nach 2:07 Stunden erreicht...
Die nächsten 20km waren etwas leichter
vom Profil. Dafür Windkante.
Vier Grüppchen bildeten sich.
Ich hatte wieder das Glück vorne dabei
zu sein. Ich hatte einen guten Tag
und keine Probleme.
Wer heute nicht gut drauf war,
der hatte ein Problem. Da konnte
man sich nicht durchmogeln.
Unser Marcel Strauss,
der arme Kerl ist 140km hinterher gefahren,
aber er hat sich durchgekämpft
und das Limit geschafft.
Ab KM 140 gab es einen Gegensturm.
Anschlag gefahren und trotzdem
nur 31km/h, so windig war das.
Ohne das wäre der Gesamtschnitt
am Ende weit über 40 gewesen.
Man hat im Feld gesehen,
dass fast alle kaputt waren.
20km vor dem Ziel habe ich für
mich das Rennen abgehakt.
Dass ich heute keine Bäume ausreißen kann.
Also habe ich mir ein schönes grupetto gesucht
und bin in Ruhe nach Hause.
Es gibt Kollegen, die
fahren Anschlag, um auf Platz 50 zu kommen.
Ich halte das nicht für so besonders sinnvoll.
Lieber Körner sparen für den Tag,
an dem man sie dann mal sinnvoller einsetzen kann.
Bei meiner ersten großen Rundfahrt,
beim Giro d'Italia 2004, bin
ich in der letzten Woche so gefahren.
Immer voll gekämpft für einen Platz
unter ferner liefen, statt mal
ruhiger zu machen und grupetto zu fahren.
Nach dem Giro bekam ich die Quittung.
Ich war nachher so kaputt,
dass ich bis zum Herbst gebraucht habe,
um wieder Form zu bekommen.
Hier bei der Vuelta habe ich noch was vor.
Aber heute waren die Klassementfahrer dran.
Heras war beeindruckend heute
und sein Team auch unheimlich stark.
Illes Balears und Liberty haben heute
alles kontrolliert.
Das sind die stärksten Teams hier.
Mit Phonak hatte man auch gerechnet,
aber die sind nicht so stark.
Landis ist ausgestiegen heute
und Botero war die ganze Zeit hinten bei mir.
Morgen ist wieder ein Tag,
an dem eine Gruppe gehen könnte.
Das Gesamtklassement steht
jetzt ein bißchen,
die Favoriten wissen, wen
sie fahren lassen können.
Das wird ein hektisches
Rennen, bis die Gruppe
endlich steht. Ich werde versuchen,
in der richtigen Gruppe
dabei zu sein. Das ist
natürlich leichter gesagt, als getan.
Man braucht Form und Glück.
Man muss ein Auge dafür haben,
welche Gruppe vielversprechend ist.
Wen lassen sie wegfahren?
Man kann ja nicht bei allen Attacken mitfahren,
man muss schon mal Pokern.
Wichtig wäre, dass morgen
eine größere Gruppe wegkommt.
Zehn Mann mindestens,
sonst machen nachher
Fassa oder Crédit Agricole
die Verfolgung für einen Massensprint.
Da haben dann 5, 6 Mann keine Chance.
Drückt uns die Daumen, bis morgen!
5.Etappe
"Ich werde es weiter probieren"

Thomas auf der Flucht zu Beginn der Etappe am Mittwoch
Foto: Roth
|
CUENCA, 31.08.05.
Das war heute ein höllisch schnelles Rennen.
Es begannen vom Start weg Attacken,
so wie man es bei der Vuelta
eigentlich auch nicht anders erwartet.
Bei der Teambesprechung im Bus vor dem Start
kamen wir zu dem Schluss,
dass heute vielleicht eine Gruppe
gehen könnte, weil die Sprinter
dem Berg am Schluss nicht trauen und
daher nicht auf Teufel komm raus
Verfolgung organisieren und
die Klassementfahrer vor der Bergetappe
morgen auch still halten.
Nach 20km habe ich dann mal mein Glück versucht.
Zusammen mit dem Spanier Eladio Jimenez
bin ich weggefahren. Wir sind höllisch schnell unterwegs gewesen.
Immer so mit 50 oder 55er Schnitt.
Ich bekam zunächst keine Abstände, aber
ich war mir sicher, dass wir
wegkommen. Aber leider
sind sie hinten auch voll gefahren und
bei KM 40 waren wir gestellt.
Als 20km später sich die Gruppe
formiert hat, habe
ich den entscheidenden Zeitpunkt
verpasst. Da die ja aber
auch wieder gestellt wurden,
ärgere ich mich nicht allzu sehr.
T-Mobile ist für Zabel eingestiegen,
Quick Step für Bettini oder
Boonen, Petacchis Fassa hat richtig
Gas gegeben. Aber die
Sprinter haben sich fast alle verpokert.
Nur Hushovd war nachher vorne.
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Fan-Fragen
Stefan Meister aus Karlsbad: Thomas, wieviele verschiede Trikotsätze benutzt du während einer dreiwöchigen Rundfahrt?
Thomas: Dabei habe ich vier Sätze.
Ich trage aber jeden Tag das gleiche Trikot.
Das kommt abends in die Waschmaschine im LKW,
morgens ist es wieder frisch. Da ist Aberglaube dabei:
Es ist das gleiche Trikot,
mit dem ich bei der Sachsen-Tour eine Etappe gewonnen habe
und bei der Hainleite Zweiter wurde...
Ivan fragt: Wann hast du begonnen mit dem Radsport?
Thomas: Als Kind, von 6 bis 12 war ich erst
Schwimmer. Dann habe ich es mal spaßeshalber mit dem Mountainbike
versucht. Mein erstes Rennen habe ich gleich gewonnen.
Als 13-Jähriger natürlich eine tolle Sache.
Da blieb ich dabei. Auf die Straße bin
ich erst 2000 gewechselt, als mir TEAG Köstritzer
einen Vertrag angeboten hat. Bei einem U23-Weltcup
in Mendrisio kam ich dann auch gleich aufs Podium
(hinter Rütimann und Cancellara). So kam eins
zum anderen.
Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
eine Mail an redaktion@radsport-news.com
mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
|
Im Finale war ich nicht mehr
so ganz frisch. Ich habe gemerkt,
dass die Aktion am Anfang doch ganz schön Körner
gekostet hat. In den Berg
fuhr ich recht weit hinten.
Als ich bei Hasi (Rene Haselbacher)
war, habe ich versucht, ihn
ein Grüppchen weiter nach vorn zu fahren.
Hat leider auch nicht ganz hingehauen.
7km vor Schluss bin ich ausgeschert und
ruhig zu Ende gefahren.
In der dritten Gruppe kam ich ins Ziel.
Das war sicher der anstrengendste Tag bisher.
Es war sauschnell. Um die Uhrzeit,
an der wir laut Marschtabelle ins
Ziel hätten kommen sollen,
lag ich schon auf der Massagebank.
Die erste Stunde sind wir einen Schnitt
von über 50 gefahren. Am Schluss auch wieder
so schnell. Am Ende waren es 47km/h obwohl es ja nicht flach war.
Ich habe es wieder mit einer Attacke probiert heute
und ich werde es probieren, solange
ich im Rennen bin.
Dass es meist nicht klappt,
darf einen nicht entmutigen.
Jens Voigt macht es ja vor,
dass irgendwann die Belohnung kommt,
wenn man nicht aufgibt.
Das Gesamtklassement interssiert
mich nicht, mein Ziel ist es,
Akzente zu setzen und vielleicht
mal unter die ersten Drei zu kommen.
Und immer attackieren, wenn es geht:
Bei Paris-Nizza 2004,
als ich mit Leon Van Bon ausgerissen bin,
sah es auch nicht gut aus und
wir kamen doch zu zweit an. Man weiß nie
was passiert und muss es halt versuchen.
Morgen werden sich die Klassementfahrer
sicherlich ein Scharmützel liefern und die Bergfahrer wollen den Etappensieg.
Die Etappe wird lang (217km) und richtig schwer.
Wer da schon am Berg nach 60km
reißen lassen muss, der hat ein großes Problem.
Aber da hoffe ich mal, dass mich dieses Schicksal
nicht trifft. Eine Ausreißergruppe
wird es mit Sicherheit geben. Große Chancen wird die zwar nicht haben.
Vielleicht wäre es trotzdem gar nicht so schlecht,
in einer mitzufahren. Aber mit Gewalt
werde ich es nicht versuchen,
wie gesagt, die Chancen durchzukommen sind
morgen besonders schlecht.
Mal schauen. Bis morgen!
4.Etappe
"Ziemlich langweiliger Tag"
|
Fan-Fragen
Christiane aus Köln fragt: Du
wechelst nach der Saison zu T-Mobile. Hat
sich für Dich dadurch etwas verändert bei Gerolsteiner,
was das Verhältnis zum Team angeht?
Thomas: Überhaupt nicht.
Wechsel gehören eben zum Geschäft dazu, da
gehen alle ganz professionell mit um.
Markus fragt:
wie schaut der Tag nach dem Rennen bei diesen Temperaturen aus? Geht ihr mal in den Pool oder am Meer auch mal ins Wasser? Oder wirklich nur alles auf das Rennen ausgerichtet?
Thomas: Wenn überhaupt, dann gehen wir
nach dem Rennen nur mal ganz kurz in den Pool.
Viel Zeit bleibt abends gar nicht.
Oft ein Transfer nach dem Ziel, dann eine Stunde Massage, Abendessen.
Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
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mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
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ARGAMASILLA DE ALBA, 30.08.05.
Das war für mich eine recht
ruhige Etappe.
Nur die letzten 50km waren schnell.
Als die Gruppe weg war,
war es hinten im Feld angenehm.
Als der Vorsprung auf 15 Minuten
angewachsen ist, haben Fassa Bortolo und
Quick Step Tempo gemacht für
einen Massensprint. Da
wir keinen Sprintspezialisten dabei haben,
war für uns nicht viel zu tun.
Torsten (Schmidt) hat
am Schluss ein bisschen gewirbelt.
Klar, dass da die Chancen für
Ausreißer nicht gut sind,
aber manchmal klappt es halt doch.
Wer nicht wagt, gewinnt auch nicht.
Schön, dass er unser Trikot mal wieder gezeigt hat.
Sechs Stunden im Sattel ist bei dieser
Hitze ganz schön lang.
Und ehrlich gesagt, auch ziemlich langweilig,
wenn man das Rennen mehr oder weniger
nur absitzt.
Im Peloton wird bei solchen
Etappen wie heute,
wo nicht viel passiert,
unheimlich viel gequatscht.
Das vertreibt die Langeweile noch
am besten.
In den Ortschaften waren viele Zuschauer
am Straßenrand. Das macht Spaß zu fahren,
Aber zwischen den Orten fuhren
wir auch immer mal wieder
30 oder 50km durch
die Wallachei, wo
kein Mensch, kein Baum, kein gar nichts ist.
Da fragt man sich, warum sie
uns auf so eine lange Schleife
geschickt haben. Den Kurs
hätte man glatt um 90km
verkürzen können.
Es wäre sicherlich sogar ein spannenderes
Rennen geworden und am Ende hätte
vermutlich der gleiche gewonnen!
Und wir hätten 2 Stunden weniger
in dieser Mordshitze verbracht.
Um 2, 3 Uhr ist es am heißesten.
Heute wieder über 40 Grad.
Wo bleibt das Meer!

Heiße Vuelta 2005
Foto: Roth
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Unser Tag begann heute morgen ein
bisschen verquer.
Wir kommen um 8 Uhr
runter zum Frühstück -
kein Mensch vom Hotel weit und breit,
vom Frühstück ganz zu schweigen.
Unser Physio Nikolai
hat kurzerhand die Küche
gestürmt und aus ein paar Brötchen
vom Vortag und dem
Müsli, das wir dabei haben, was gezaubert.
Um 8:30 Uhr kam dann endlich
die Küchenbesatzung,
die nicht so glücklich schien,
dass da Fremde in ihrer Küche werkeln.
Aber so sind wir wenigstens satt geworden.
Zum Start hatten wir
50km Transfer. Im "Tourdorf",
dieser Zeltstadt am Start,
habe ich heute den Stand
von AMG entdeckt.
Dort gab es Internetzugang.
Da werde ich jetzt jeden Tag ein
bisschen surfen vor dem Start.
Die Etappe morgen wird
vermutlich so ähnlich werden
wie die 2.Etappe am Sonntag.
Am Schluss ein Berg mit 250m Höhenmetern oder
so. Nicht superschwer, aber viele Sprintspezialisten
kommen da nicht mit vorne
drüber. Ich hoffe,
dass meine Beine so
gut sind wie gestern, und
nicht so wie am Sonntag.
Dann versuche ich mal was.
Drückt uns die Daumen,
bis morgen!
3.Etappe
Ein Fluchtversuch und ein verlorener Glücksbringer
PUERTOLLANO, 29.08.05.
Heute ging es mir schon besser.
Ich spüre, wie ich mich
langsam an die Hitze gewöhne.
Die Kraft war im Finale da -
im Gegensatz zu gestern.
Aber die Hitze ist schon schlimm.
Heute morgen bin ich um 8 Uhr aufgewacht,
ich konnte nicht mehr schlafen,
weil es noch oder schon wieder zu warm wurde.
Dan gab es eine ewige Warterei bis
zum Start um 13:30 Uhr. Rumgammeln,
ich habe ein bisschen gelesen,
aber richtig Ruhe findet man nicht.
Man ist schon angespannt und
schaut ständig auf die Uhr,
wann es endlich losgeht.
Als das Rennen endlich losging, begann
es sofort hektisch und nervös.
Das ging so bis KM 70, bis
der Spanier wegfuhr.
Das Profil sah auf dem Papier nicht
wild aus, aber es hatte immerhin
2500 Höhenmeter. Da gab es einige
Anstiege, die gar nicht als solche verzeichnet
waren. Es war schwer.
Als der Ausreißer des Tages weg war, wurde
es ruhiger. FdJeux hat das Tempo
kontrolliert. Nachdem wir
wieder rankamen, habe ich es mal mit einer Attacke probiert
18km vor Schluss.
Als ich merkte, dass keiner mitfuhr,
war mir gleich klar,
dass das wohl nichts wird. Allein gegen
das rasende Feld,
keine Chance. Aber
man weiß ja nie, ob nicht irgendwas dummes
passiert und manchmal klappt es halt doch.
Aber enttäuscht war ich nicht,
als ich 4km vor dem Ziel wieder
eingeholt wurde.
Geärgert habe ich mich nur darüber,
dass ich meinen Glücksbringer verloren habe.
Einen Ring von meiner Freundin
mache ich im Rennen immer vom Finger ab -
wegen Sturzgefahr - und mache ihn an ein Halskettchen.
Damit bin ich bei meiner
Flucht am Tacho hängen geblieben und weg war
der Ring. Jetzt muss ich 18 Etappen ohne Glücksbringer fahren!
Trotz dieses schmerzlichen Verlustes bin ich aber optimistisch,
was die nächsten Tage angeht. Die Form
ist also doch nicht weg, wie ich heute
gesehen habe. Gestern habe ich
null bringen können, jetzt ist
es schon besser, ich habe mich etwas akklimatisiert.
Unser Hotel heute abend ist schön, aber es liegt wie in
der Wüste. Weit und breit kein
Strauch und kein Baum. Eine höllische Hitze,
ohne Klimaanalage hält man es gar nicht aus im Zimmer.
Nachher, gegen 19 Uhr steht
die Massage an und
dann kommt das Abendessen. Das zieht sich
mächtig in die Länge in Spanien,
weil es immer richtige Menüs gibg, kein Buffet.
Bis man satt ist, ist es halb elf
und man geht mit vollem Bauch ins Bett.
Das ist nicht optimal.
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Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen an Thomas?
Schicken Sie einfach
eine Mail an redaktion@radsport-news.com
mit dem Betreff "Thomas Ziegler-Tagebuch".
Thomas wird nach Möglichkeit auf Ihre Fragen
eingehen.
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Die Etappe morgen ist teuflisch lang.
Vom Profil her sieht es flach aus,
aber ich glaube dem Profil nicht mehr.
Trotzdem denke ich, dass es wieder einen Massensprint gibt.
Bei 230km sitzen wir morgen
6 Stunden im Rennsattel.
Da muss man aufpassen,
dass man keinen Sonnenstich bekommt.
Ich bin grundsätzlich fürs Helmtragen -
auch heute gab es wieder viele Stürze auf
diesen staubig-rutschigen Straßen -,
aber bei 40 Grad ist es schon superlästig.
Der Helm fühlt sich an wie
eine dicke Wintermütze.
Auch mit dem Magen kann es leicht Probleme geben.
Man trinkt ja schon mal 10 Liter Wasser.
Ich freue mich schon auf
Tarragona. Wenn wir ans Meer
kommen, wird es hoffentlich etwas
frischer.
Bis morgen!
2.Etappe
"Was für eine Hitze!"
CORDOBA, 28.08.05. Ich hatte mir ein bisschen was ausgerechnet
heute und ich bin enttäuscht,
dass nichts ging. In den letzten Anstieg
fuhr ich noch voll motiviert an
der Spitze mit rein. Dort ging
mir aber die Luft aus. Diese Hitze heute
war kaum zu ertragen. 45 Grad im Schatten -
Schatten gab es aber keinen. Wir
fuhren den ganzen Tag in
der sengenden andalusischen Sonne.
Meine Arme und Beine sind krebsrot. Ich
habe heute 13, 14 Flaschen getrunken.
Normalerweise hält es bei solchen Temperaturen
selbst im Schwimmbad keiner länger als 5 Minuten
in der Sonne aus. Ich weiß auch nicht,
wie man es dann trotzdem hinkriegt, 5 Stunden
Radrennen zu fahren.
Und Start um 1 Uhr in der größten Mittagshitze...

Foto: Roth
|
Das Rennen begann sehr ruhig.
Die erste Flachetappe einer Rundfahrt ist
im Feld immer ein bisschen wie
erster Schultag.
Man schaut sich um:"Ach, Du bist ja auch hier".
Ich war angenehm überrascht,
dass es nicht gleich ein nervöses
Rennen wurde. Sonst heißt es bei der Vuelta ja oft sofort
"Feuer frei" nach dem Start.
Die erste Attacke
ergab gleich das Fluchtduo des Tages und dahinter
blieb es ruhig. Ich hatte mir das unangenehmer vorgestellt.
Aber die Hitze hat die meisten dann
wohl doch von Aktionen abgehalten.
Richtig schnell wurde es erst hintenraus 20km
vor dem Berg. Ich war sehr motiviert
und ich wollte etwas probieren.
Ich bin vorne mit rein in den Berg.
Dort blieb mir sofort die Luft weg.
Die Beine waren okay, aber
ich kam nicht mal über 160 Puls drüber.
Das Rennen war nicht mal schnell.
Aber diese Hitze! Der Gegenwind
war so, als ob man in einen laufenden Fön reinschaut.
In den Gesichtern der
Kollegen konnte man sehen,
dass sich fast alle quälten.
Als ich rausgegangen bin,
dachte ich, ich falle gleich vom Rad.
Das war extrem. Solche Hitze
habe ich noch nie erlebt.
Als ich merkte, da geht heute nichts
bei mir, habe ich gleich rausgenommen
und bin im großen Feld reingefahren.
Ich hoffe, dass ich mich im Laufe
der nächsten Tage besser akklimatisieren kann.
Vielleicht wird es gen Norden,
am Meer, ja auch etwas kühler.
Nach dem Rennen
bin ich mit Heinrich (Haussler) und
Hasi (Rene Haselbacher) erst mal
im Hotel-Pool abgetaucht. Das
war herrlich.
Wir haben ein wunderschönes Hotel.
Da vergisst man die Strapazen des Tages doch wieder
schnell.
Die Etappe morgen wird noch heißer.
Laut Wetterbericht nochmal 2 Grad
mehr, obwohl ich mir kaum vorstellen
mag, dass es noch heißer werden kann als heute.
Das Profil ist eklig wellig.
Da gibt es ewig lange Geraden,
breite Straßen ohne jeden Baum in Sicht,
die bis zum Horizont hochgehen,
die aber gar nicht als Berg eingezeichnet sind.
Das ist lustig zu fahren bei 45 Grad.
Wenigstens ist es nicht zu lang. 155km bedeutet
45 Minuten schneller im Pool!
Ich glaube, morgen kommt
es zum Sprint. Unser Hasi
war heute in der ersten Gruppe,
der kommt super mit der Hitze zurecht.
Wir werden für ihn den Sprint vorbereiten und versuchen, ihn
morgen unter die ersten Fünf zu bringen.
Das wäre doch schon mal was.
Drückt uns die Daumen, bis morgen!
1.Etappe
"Morgen könnte was gehen"
GRANADA, 27.08.05. Mit meinem
62. Platz im Auftaktzeitfahren heute
bin ich nicht recht zufrieden,
aber enttäuscht bin ich auch nicht.
Ich habe in den letzten Tagen und Wochen recht ruhig trainiert.
Wenn man dann quasi aus dem Stand voll fährt,
dann schießt der Puls gleich in die Höhe,
man hat das Gefühl, als bliebe einem die Luft weg.
Aber was soll's. Ich wollte
die Vuelta eh nicht gewinnen und
ob ich nun 60. werde oder 35. ist auch nicht
so wichtig. Ich spare mir die Kraft da
schon lieber für morgen.
Da könnte was gehen.

Thomas am Samstag in Granada
Foto: Roth
|
Der Tag heute war auch wieder ziemlich locker.
Ich war froh, dass es endlich los geht und
dass es morgen dann nun wirklich
richtig los geht. Die ersten
Tage zwischen Anreise und Start können
sich ziemlich hinziehen.
Auch heute war es meist Warterei.
Heute früh sind wird erst mal eine Stunde
trainieren gefahren auf
dem Prologkurs.
Die meisten von uns haben sich für Zeitfahrräder
entschieden. Wir
haben noch ein bisschen mit
den Gängen getestet.
Nach dem Mittag ging es dann individuell
nach den Startzeiten vom Hotel zum Startbereich.
Dort nochmal warmfahren, dann ging's
los.
Es waren viele Zuschauer an der Strecke.
An dem Berg war richtig Trubel.
Wo man doch sagt, bei der Vuelta sei
weniger los als beim Giro (von der Tour ganz zu schweigen).
Aber heute war echt super Stimmung.
Hat Spaß gemacht.
Der Kurs war sehr schwer.
Im Fernsehen konnte man gar nicht richtig
sehen, wie schwer der Berg ist. 8 Prozent im Schnitt
hatte es da immerhin.
Die Straßen waren höllisch glatt.
Von uns hat es den Mathias Russ
in der gleichen Kurve hingelegt,
in der auch Beloki gestürzt ist.
Einige von Gerolsteiner hatten Pech:
Hasi (Haselbacher) hatte nen Platten und
Torsten Schmidt wurde am Ende auch noch
falsch abgeleitet mit den Autos.
Ich bin voll gefahren,
mit dem Ergebnis war ich nicht recht zufrieden.
Allerdings hätte ich mir das schon denken können,
dass es so kommt, wenn ich nicht
vorher 2 Stunden hartes Training mache.
Am Tag vor der Hainleite habe
ich knüppelhartes Motorradtraining gemacht
und dann passt es auch im Rennen sofort.
Wenn man das nicht macht,
bekommst du die Quittung.
Enttäuscht bin ich natürlich nicht wirklich.
Wie gesagt: Platz 30 oder 60,
das interessiert sowieso niemanden.
Die Etappe morgen könnte interessant
werden. Das Finale ist sehr schwer. Wir rechnen
damit, dass keine Fluchtgruppe geht,
aber dass am Ende vorne ein Feld mit 50, 60 Mann ankommt.
Die letzten 12km bergab. Da könnte
ich mal was versuchen, wenn
die reinen Sprintspezialisten am Ende nicht
mehr dabei sind. So
etwa ist die Zielsetzung.
Ob's so kommt, weiß man natürlich nie.
Drückt uns die Daumen! Bis morgen.
Vor dem Start
Lockere Atmosphäre und andalusische Hitze
GRANADA, 26.08.05. Buonas noches aus Andalusien!
Nach einer kleinen Odyssee -
mit dem Zug von Erfurt nach Frankfurt,
Flug von Frankfurt über Madrid nach Granada -
kam ich am Mittwochabend hier an.
Unser erstes Hotel, in dem auch die Bouyiges Telecom-Equipe untergebracht
ist, ist ganz nett. Die Hitze hier von an die 40 Grad im Schatten
ist tagsüber auch nur an einem Pool zu ertragen.
Ein bißchen waren die ersten Tage hier
wie Urlaub. Die Stimmung im Team ist super,
total locker. Nach den Gerolsteiner-Erfolgen bei der
Tour de France und der Deutschland-Tour
ist der große Erfolgsdruck weg.
Gestern (Donnerstag) früh
mussten wir erstmal die obligatorischen Blutproben
abgeben. Nach dem Frühstück ein bisschen Training.
Unser Hotel liegt am Stadtrand von Granada.
In der einen Richtung geht
es gleich 20km hoch in die Sierra Nevada.
Für lockeres Training ein bißchen heftig.
Daher mussten wir uns erstmal durch die Stadt kämpfen,
bis wir ein ordentliches Trainingsrevier fanden.
Am Nachmittag war dann Relaxen am Pool angesagt.
Die Mechaniker haben erstmal alle in Klamotten in den Pool geworfen...
Auch heute (Freitag) gings locker zu. Frühstück,
Ausfahrt auf dem Rad, Massage - Swimming Pool.
Am Abend stand
die Mannschaftspräsentation auf dem Programm.
Es waren recht viele Zuschauer da,
war auch alles schön. Allerdings
dauerte die ganze Sache auf der Bühne für uns etwa 10 Sekunden.
Alle Namen vorgetragen - und tschüss.
Dafür vorher der ganze Aufwand mit der Anfahrt und
eine Stunde warten - hat sich eigentlich
nicht gelohnt. Naja.
Nach der Präsentation sind wir die Prologstrecke
von morgen im Auto abgefahren.
Das ist ein Hammerkurs. Sehr schwer.
Die ersten zwei Kilometer 160 Höhenmeter,
dann 3km runter. Wir überlegen,
ob wir ein Zeitfahrrad nehmen oder
ein normales Rad. Für die ersten fünf der 7 Kilometer
braucht man eigentlich keine Zeitfahrmaschine.
Als halber Zeitfahrer werde ich aber wohl trotzdem eine fahren,
vielleicht ohne Scheibenrad hinten. Mal schauen,
ich entscheide mich morgen.
Den Prolog werden die Klassementfahrer
prägen, schätze ich.
Für reine Zeitfahrer ist der Kurs zu schwer.
Ich werde beim Prolog morgen gleich voll fahren.
Das werden aber alle so machen. Niemand will beim Auftakt gleich
hinterherfahren. Ich habe an sich ganz gute Form,
aber ich habe keine Ahnung auf
welchem Platz ich landen werde. Ich kann mich
da jetzt noch schwer einordnen.
Insgesamt starte ich bei der Rundfahrt aber mit viel
Selbstvertrauen, nachdem ich bei der Hainleite
gesehen habe, dass meine Form stimmt.
Ich möchte mich bei
der ein oder anderen Etappe mal zeigen.
Da ich kein Kletterer bin und kein Sprinter
schaue ich auf die mittelschweren Etappen,
setze auf Ausreißergruppen.
Unsere Mannschaft geht ohne Klassement-Leader
ins Rennen und einen Supersprinter haben wir auch nicht dabei.
Wir haben keinen Druck. Mit unserem jungen Team -
Heinrich (Haussler)
und Mathias (Russ) fahren erstmals eine große Rundfahrt -
haben wir nichts zu verlieren.
Für uns ist das auch eine Chance
für positive Überraschungen.
Bis morgen!
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