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85.Paris-Tours am Sonntag
Zabel träumt von glanzvollem Abschied


Foto: Roth
PARIS, 07.10.05 (rsn) - Paris-Tours, der Herbstklassiker der Sprinter, bietet Erik Zabel am Sonntag die Chance, sich bei seinem letzten Auftritt im Magentatrikot mit einem Triumph zu verabschieden und T-Mobile zu zeigen, was sie an ihm verlieren. Für Zabel, der in dieser Saison zumeist mit Ehrenplätzen zufrieden sein musste, würde sich mit einem dritten Sieg auf der Avenue de Grammont der Kreis schließen: Vor elf Jahren feierte der Berliner hier seinen ersten großen Klassikersieg. Am Sonntag übt Zabel schon einmal die im kommenden Jahr bei Milram geplante Arbeitsteilung mit Sprintstar Alessandro Petacchi. Der Italiener fehlt ebenso wie Weltmeister Tom Boonen. Dennoch gibt es viel Konkurrenz für den deutschen Sprinterstar.


Paris-Tours Foto: Roth

Der Kurs: 253,5 km. Start in Saint- Arnoult- en-Yvelines um 11:00 Uhr, Zielankunft in Tours gegen 17:20 Uhr. Flacher Kurs mit kleinen Anstiegen im Finale, letzte Cote (Petit Pas d'Ane) 5 km vor dem Ziel.

25 Mannschaften: Gerolsteiner, T-Mobile, Quick Step, Davitamon, CSC, Euskaltel, Baléares, Liberty, Saunier Duval, Discovery Channel, Bouygues Telecom, Cofidis, Crédit Agricole, Française des Jeux, Domina Vacanze, Fassa Bortolo, Lampre, Liquigas, Rabobank, Phonak (alle ProTour), AG2R, Agritubel, RAGT, Landbouwkrediet, MrBookmaker.com (eingeladen).

Favoriten: *****Robbie McEwen (AUS), ****Erik Zabel (ALL), ****Thor Hushovd (NOR), ****Daniele Bennati (ITA), ***Juan Antonio Flecha (ESP), ***Max Van Heeswijk (PBS), ***Jean-Patrick Nazon (FRA), ***Fabian Cancellara (SUI), **Julian Dean (NZL), **Jaan Kirsipuu (EST), **Luca Paolini (ITA)

Es fehlen: Tom Boonen (BEL), Alessandro Petacchi (ITA), Paolo Bettini (ITA), Oscar Freire (ESP), Stuart O'Grady (AUS), Damiano Cunego (ITA), Erik Dekker (PBS), Jakob Piil (DAN), Alexandre Vinokourov (KZK)
Beim 253,5km langen Rennen der "Windhunde des Herbstes", wie man in Frankreich poetisch die Favoriten des Sprinterklassikers nennt, trifft Zabel auf hochmotivierte Konkurrenten, die nur für dieses Rennen ihre Saison bis in den Oktober verlängert haben. Der Australier Robbie McEwen, der norwegische Gewinner des Grünen Trikots der Tour, Thor Hushovd, der Franzose Jean-Patrick Nazon, der Holländer Max Van Heeswijk und der Italiener Daniele Bennati lauern wie Zabel auf einen Massensprint in Tours, den in den vergangenen zehn Jahren meistens Attackierer verhindert hatten. Als das letzte Mal die Entscheidung im Sprint fiel, setzte sich 2003 Zabel durch - neun Jahre nach seinem ersten Sieg. Damals - wie heute - hatten viele den Berliner schon abgeschrieben. Dann bezwang er auf der unendlich langen Avenue de Grammont doch wieder mal einen Petacchi.

Am Sonntag muss sich Zabel keine Gedanken machen um Petacchi. Der fehlt ebenso wie Weltmeister Boonen und andere schnelle Leute wie die Australier Stuart O'Grady und Baden Cooke oder Zürich-Sieger Paolo Bettini. Dass Boonen und Petacchi, die Referenzmarken im Peloton bei Sprinterrennen, fehlen, macht die Sache für Zabel nicht einfacher. Denn es fehlen auch zwei große Mannschaften, die das Feld kontrollieren und Attacken neutralisieren. Und dass es trotz des flachen Profils bei Paris-Tours viele Angreifer versuchen werden, das lehrt die jüngere Vergangenheit.

Sprinterklassiker ohne Sprints

Seit 1997 hat es bei dem Sprinterklassiker, der seinen Namen gar nicht mehr verdient, nur ein einziges Mal einen Massensprint gegeben auf der 2400 Meter langen Zielgeraden: Das war 2003, als sich Zabel durchsetzte. Ansonsten spielten Attackierer die Hauptrolle. Entweder in Form einer frühen Flucht in der ersten Stunde oder mit Offensiven auf den kleinen Hügeln im Finale. Der kleine Anstieg von Petit Pas d'Ane dient puncheurs gerne als Sprungbrett und wenn im Feld dann nicht konsequent gefahren wird, müssen am Ende die Sprintspezialisten wieder in die Röhre schauen oder um die Ehrenplätze kämpfen wie letztes Jahr hinter Ausreißer Erik Dekker.

Der Italiener Danilo Di Luca, der am letzten Sonntag bei der Meisterschaft von Zürich seinen ProTour-Sieg perfekt machte, ist einer der stärksten puncheurs im Feld. Sechs Tage vor dem letzten Saisonrennen (Lombardei-Rundfahrt) und befreit von taktischen Zwängen zum Punktesammeln könnte er nochmal richtig motiviert sein, einen weiteren ProTour-Sieg zu holen. Seine Landsleute Luca Paolini und Filippo Pozzato, die in Abwesenheit von Boonen und Bettini auf eigene Rechnung fahren können, wollen den Sprintern ein Schnippchen schlagen, genauso der Spanier Juan Antonio Flecha, der Schweizer Fabian Cancellara, die bei Fassa Bortolo ohne Petacchi freie Hand haben, oder auch die Kämpfer bei CSC (Bak, Arvesen, Gusev) und Rabobank (Posthuma, Kroon).

Abschiedsgeschenk

Auf T-Mobile kommt somit reichlich Arbeit zu, denn Sportdirektor Mario Kummer hat Erik Zabel ein "schönes Abschiedsgeschenk" versprochen. Rolf Aldag, der sein letztes Rennen bestreitet, bevor er seine Karriere mit 37 Jahren beendet, Eric Baumann, Marcus Burghardt, Andreas Klier, André Korff, der Italiener Daniele Nardello und der Neu-Schweizer Steffen Wesemann müssen dazu am Sonntag viel Tempo machen. Gegenwind, der Attackierer mehr benachteiligt als das große Feld, wäre ihnen sicher eine willkommene Hilfe.

Während bei einem Routinier wie Erik Zabel der Blick unweigerlich auch immer in die Vergangenheit schweift, schaut einer seiner potenziellen Sprintrivalen vom Sonntag nur in die Zukunft. Der Italiener Daniele Bennati ist etwa in dem Alter, in dem Zabel war, als er vor elf Jahren erstmals in Tours gewann. Der Lampre-Profi, der in Abwesenheit von Damiano Cunego auf die volle Unterstützung seiner Mannschaft zählen kann, ist vielleicht der große Geheimfavorit. Der Toskaner, der im dritten Jahr bei den Profis fährt, gewann in diesem Jahr schon drei Etappen der Deutschland-Rundfahrt und war zuletzt auch bei der zur ProTour zählenden Polen-Rundfahrt zwei Mal erfolgreich. "Ich fühle mich gut", sagt Bennati. "Ich bin Paris-Tours schon als Neuprofi an der Seite von Mario Cipollini gefahren. Ich mag das Rennen und der Sieg ist mein Ziel." Geschenke kann Zabel am Sonntag nur von seinem Team erwarten.


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