BERLIN/TOURS, 10.10.05 (dpa) -
Leichte Verzögerungen leistete sich Erik
Zabel nur bei der obligatorischen Doping-Kontrolle nach dem Rennen.
Davor war der 35-jährige Berliner bei seiner letzten Dienstfahrt für
T-Mobile auf der Avenue de Grammont in Tours so schnell wie wohl nie
in dieser Saison. Mit seinem dritten Sieg beim Herbstklassiker Paris-
Tours nach 1994 und 2003 feierte er nach 13 erfolgreichen Jahren in
Magenta einen Abschied de Luxe. Bei seinem Arbeitgeber löste er mit
dieser nicht unbedingt erwarteten Punktlandung nach einer für ihn
weniger befriedigenden Saison gemischte Gefühle aus. Ab 1. Januar
2006 steht Zabel den Bonnern nicht mehr zur Verfügung, weil er sein
Karriere-Finale beim neu gegründeten Milram-Team bestreiten wird.
Erik Zabel
Foto: Roth
Geb. 7.Juli 1970 in Berlin; 1,76m/69 kg
Profi seit: 1993
Teams: Telekom (93-2003), T-Mobile (2004-05), Milram (ab 2006)
Größte Erfolge:
Weltcup-Gesamtsieger 2000,
Deutscher Meister 1998 und 2003,
Mailand-San Remo 1997, 1998, 2000 und 2001,
Paris-Tours 1994, 2003 und 2005, Amstel Gold Race 2000, Cyclassics Hamburg 2001,
Berner Rundfahrt 1993, Classic Haribo 1994, Rund um Köln 1996 und 2004,
Trofeo Luis Puig 1997, 2000 und 2001, Scheldepreis 1997, Rund um Berlin
1997, Henninger Turm 1999, 2002 und 2005.
Tour de France: 12 Etappen 2/1995 (Charleroi,
Bordeaux), 2/1996 (Nogent/Oise, Gap), 3/1997 (Plumelec, Bordeaux,
Pau), 1/2000 (Troyes), 3/2001 (Boulogne-sur-Mer, Seraing, Evry),
2/2002 (Alençon). Punkteklassement 1996, 1997, 1998, 1999, 2000 und
2001 (Rekordhalter).
2 Tage im Maillot jaune (1998 und 2002);
Spanien-Rundfahrt: 6 Etappen 3/2001, 2/2003, 1/2004.
«Die ersten 12 Jahre waren eine einzige Party. Das letzte Jahr war
nicht ganz so einfach», zog Zabel eine kleine Bilanz und ließ dabei
noch einmal seine Verärgerung über die Nicht-Nominierung zur
vergangenen Tour de France anklingen, die auch mit ein Grund für den
Team-Wechsel - neben fürstlichem Salär für die nächsten drei Jahre -
war. Sein neuer Arbeitgeber freute sich natürlich über die Reverenz
des Sieges bei der 85. Austragung von Paris-Tours, mit der er seinen
Dienst antreten wird. «Das war eine tolle Empfehlung für die
zukünftige Zusammenarbeit und das beste, was ihm und uns passieren
konnte», frohlockte Vorstands-Chef Stephan Tomat, der sein Milram-
Team im Januar präsentieren wird. «Ich freue mich auf die neue
Herausforderung und will da weitermachen, wo ich heute aufgehört
habe», sagte Zabel.
Seine aktuellen Team-Kollegen warteten am Sonntag fast zwei
Stunden, um ihrem Kapitän am Mannschaftsbus ausführlich gratulieren
zu können. Seine Kumpels Andreas Klier, der 36-jährige Rolf Aldag,
der in Tours sein letztes Rennen bestritt, und sein Chef Walter
Godefroot - demnächst Rentner - nahmen ihn noch einmal in den Arm. In
etwas anderer Form soll Zabel auch von seinem alten Arbeitgeber nach
der Saison gewürdigt werden. Allein die Aufzählung seiner Glanztaten
der vergangenen 13 Jahre - sechs Mal Grünes Trikot bei der Tour, neun
Klassiker-Erfolge, Weltcup-Gesamtsieg, 12 Etappensiege bei der Tour,
Vize-Weltmeisterschaft - wird bei der Laudatio einige Zeit in
Anspruch nehmen.
«Walter Godefroot würde sagen: Das war ein Rennen wie jedes
andere. War es aber wohl nicht», meinte Zabel, dem auf der Avenue de
Grammont nach 253 Kilometern auch Tour-Chef Jean-Marie Leblanc
herzlich gratulierte. Einmal während des Rennens hätte Zabel nach
eigener Aussage daran gedacht: «Das wäre cool: Ein Sieg zum Abschied,
wenn Walter zum letzten Mal im Begleitwagen sitzt.» Aber als die
beiden letzten Ausreißer Stejn Devolder und Philippe Gilbert aus
Belgien 5 Kilometer vor dem Ziel noch fast 40 Sekunden Vorsprung
hatten, glaubte Zabel kaum noch an die Erfüllung seines Traumes.
In Maßarbeit - allerdings auf den letzten Kilometern ohne T-
Mobile-Beteiligung, weil Zabel auf sich alleine gestellt war - wurden
die beiden 250 Meter vor dem Zielstrich noch neutralisiert. Der
Berliner, der in dieser Saison bisher nur am 1. Mai in Frankfurt
einen hochkarätigen Sieg einfuhr, hatte dann «ein gutes Gefühl, weil
ich die Zielgerade sehr gut kenne.» Er erwischte das richtige
Hinterrad des italienischen Saison-Aufsteigers Daniele Bennati und
hechtete wie in besten Zeiten als Erster mit Zentimeter-Vorsprung ins
Ziel.