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McQuaid "empört" über Rede des Tourchefs
ProTour: UCI bricht Gespräche mit der Tour ab

PARIS, 28.10.05 (rsn) - Der internationale Radsportverband UCI hat am Freitag, einen Tag nach der Vorstellung der Tour de France 2006, die Gespräche mit den Organisatoren des wichtigsten Radrennens der Welt über die ProTour abgebrochen. Die Tour-Verantwortlichen hatten bei der Präsentation in Paris ihre ablehnende Haltung gegenüber der Serie bekräftigt.

Nach dem Wechsel an der Spitze der UCI, die seit September mit dem jovialen Pat McQuaid einen neuen pragmatischeren Präsidenten hat, schien sich eine Entspannung im seit Herbst 2004 schwelenden Streit zwischen UCI und den großen Rundfahrten abzuzeichnen. Die mächtigsten Veranstalter lehnten die Serie von Beginn an ab. Tour, Vuelta und Giro sind nicht Teil der ProTour. Nur ein wackliger Minimalkonsens, den die Tourorganisatoren nicht mal "Einigung" nennen möchten, garantiert, dass alle ProTour-Teams bei der Frankreich-Rundfahrt automatisches Startrecht haben.


Patrice Clerc, Chef der Amaury Sport Organisation, der die Tour gehört, lehnt die ProTour weiter ab Foto: Roth
Bei der Präsentation der Tour de France am Donnerstag in Paris bekräftigte Patrice Clerc, Chef der Amaury Sport Organisation (ASO), der u.a. die Tour gehört, in einer Rede die ablehnende Haltung gegenüber der ProTour. Er geißelte den Versuch, "eine geschlossene Serie" aufzubauen. Schon der "ProTour-Gala" nach der Lombardei-Rundfahrt waren die Tour-Veranstalter demonstrativ fern geblieben. Die Rede Clercs brachte bei UCI-Präsident McQuaid nun das Fass zum Überlaufen: Er sei "geschockt" über die "radikale Haltung" der Tour-Organisation", schrieb er am Freitag in einem Brief an die ASO.

"Sie haben sich entschieden, die Bedingungen für eine ruhige Debatte um die UCI ProTour wegfallen zu lassen", so McQuaid in dem geharnischten Brief. Der UCI-Chef zeigte sich darin "überrascht" und "empört" über die Führung der Tour de France. McQuaid war erbost darüber, dass Clerc der "Familie des Radsports eine Lektion" speziell über das Thema Doping erteilt hätte - und das "vor der Öffentlichkeit und den internationalen Medien". Vor allem die ausgiebigen Erörterungen zum Thema Doping und die Ankündigung der ASO, Maßnahmen mit Hilfe der Welt-Antidopingagentur mit Umgehung der UCI durchführen zu wollen, erzürnte den Verband. Der UCI-Präsident attackierte die Tour sogar, ihre Anti-Dopingmaßnahmen seien auch in der Vergangenheit mehr auf Öffentlichkeitswirksamkeit bedacht gewesen. Er bereue es nun, nach Paris gekommen zu sein, schrieb McQuaid.

"Unter diesen Bedingungen sehe ich momentan keinen Nutzen darin, die Verhandlungen um die ProTour fortzusetzen", schrieb UCI-Chef McQuaid, der in Kürze den ProTour-Rat einberufen will, um die "notwendigen Entscheidungen für die weitere Entwicklung" zu treffen. Die Tour de France, gegenüber der alle anderen Rennen geradezu winzig erscheinen, hat offensichtlich keine Angst vor den Konsequenzen ihrer Ablehnung. Die UCI hat mehr zu verlieren: Eine ProTour ohne die drei großen Rundfahrten und ohne Rennen wie Paris-Nizza und Tirreno-Adriatico, Mailand-San Remo und Paris-Roubaix, die auch zur Tour- bzw. Giro-Organisation gehören, wäre kaum als "Topserie" zu verkaufen.


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