MANCHESTER, 11.12.05 (rsn) - Den Machtkampf,
das Gezerre um die ProTour zwischen den um ihre Monopolstellung
fürchtenden Veranstaltern der drei
großen Rundfahrten, denen nicht weniger als elf der
27 Rennen der in diesem Jahr eingeführten Serie
gehören, und der UCI, hat Pat McQuaid, der neue Präsident des internationalen
Radsportverbands, geerbt von seinem Amtsvorgänger Hein Verbruggen.
Der Holländer glaubte, seine Reform gegen alle Widerstände
durchboxen zu können. Nachdem die mächtigen Organisatoren am Freitag
ihren Ausstieg aus der ProTour erklärten, steht der gesamte Profi-Radsport
vor einem Scherbenhaufen. Doch der stets um Ausgleich bemühte McQuaid
ist immer noch überzeugt, dass eine einvernehmliche Lösung
gefunden werden kann.
Was ist Ihre Reaktion auf die Ankündigung der
drei großen Organisatoren, der ProTour den Rücken zu kehren
und eigene Wege gehen zu wollen?

Pat McQuaid
Foto: Roth
|
McQuaid: "Ich war am Freitag in Kairo
bei den Afrika- Meisterschaften.
Ich habe Radsportler getroffen aus
Erithrea, Äthiopien. Ich habe mit den
Verantwortlichen aus Ländern wie diesen
über die Schwierigkeiten des Radsports
dort gesprochen. Und als ich
heimreise, höre ich, dass man den Mannschaften Millionen
anbietet, nur um an Rennen teilzunehmen.
Um ganz ehrlich zu sein, finde
ich das schlimm. Das ist obszön.
Für die UCI zählt, dass das Geld
von oben benutzt wird, den Sport
an der Basis, in anderen Teilen der Welt, weiterzuentwickeln."
Die Organisatoren sagen, Sie mussten reagieren,
weil keine Übereinkunft über die ProTour
gefunden wurde.
McQuaid: "Aus Sicht der UCI
wurde die ProTour nicht isoliert
geschaffen. Die Zukunft wurde
damit geplant, die Entwicklung
des Radsports in der Welt.
Wir sind absolut bereit
zu Gesprächen, um zu
Verbesserungen zu kommen,
die alle Seiten zufrieden stellt.
Die Mission der UCI ist es,
den Sport zu entwickeln.
Jede strategische Entscheidung
wird unter diesem Aspekt getroffen,
nicht aus kommerziellen Interessen.
Der Tag, an dem man kommerzielle Aspekte
das Reglement diktieren lässt, wird
ein trauriger Tag für den Sport."
Was kann die UCI machen, wenn die
großen Organisatoren eigene Wege gehen wollen?
McQuaid: "Sie haben ihre Rennen
und das Recht, die Teilnahme daran zu fördern.
Da kann die UCI gar nichts machen.
Aber es gibt Dinge, die
allein in die Kompetenz der
UCI fallen und dazu gehört
die Schaffung von Rennkalendern,
Reglements, Wertungen und Klassements.
Kein anderer kann das tun und
die UCI wird es sicher nicht
tolerieren." (Anmerkung der Red.: McQuaid meint
die angedachte "Grand Tours"-Wertung von Tour, Giro und
Vuelta)
Dennoch scheint der Bruch zwischen großen Rundfahrten und
der ProTour vollzogen.
McQuaid: "Ich bin von Natur aus
kein Pessimist, sondern Optimist.
Ich denke, man wird sehen müssen,
wie die Reaktion der anderen betroffenen Seite, der Teams,
ausfällt. Nächstes Jahr
werden sie alle Rennen fahren.
Damit hat man Zeit, die Situation zu überdenken
und zu schauen, wo es hingeht.
Ich glaube, eine langfristige Lösung
(mit den Organisatoren) ist immer noch
möglich, wenn alle bereit sind,
sich an einen Tisch zu setzen
und in vernünftiger Weise miteinander zu verhandeln."
Die finanziellen Anreize, mit der die großen Organisatoren
die Teams locken, sind groß. Ist die Versuchung nicht vielleicht zu groß?
McQuaid: "Die Teams haben langfristige Ziele,
ihre Sponsoren ebenso. Das angekündigte
Projekt der großen Rundfahrten
hat keine langfristige Vision. Es führt
uns 10, 15 Jahre zurück in die Zeit,
als die Teams keine Garantien hatten,
was die Teilnahme an Rennen angeht.
Ich glaube nicht, dass sie das akzeptieren werden.
Ich glaube, dass dieses Projekt und
die Anreize sogar eine Anerkennung
der Stellung der Teams darstellt.
Aber wenn man einem Team,
das mehr als 25 Fahrer hat,
100.000 Euro
anbietet (für die Teilnahme an allen drei großen Rundfahrten, die Red.)
grenzt das schon an eine Beleidigung."
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