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Erste ProTour-Saison geht zu Ende
"Schwierigste Saison der Radsportgeschichte"


MCQUAID BEI DER GALA AM SAMSTAG Foto: Roth
COMO, 16.10.05 (rsn) - Mit dem schönen Sieg von Paolo Bettini beim Klassikermonument Lombardei- Rundfahrt endete am Samstag die erste ProTour- Serie, deren Einführung nicht so harmonisch verlief, wie von den Reformern erhofft. Der neue UCI-Präsident Pat McQuaid sprach beim Gala-Dinner mit den 20 Topteams am Samstagabend sogar von "einer der kompliziertesten Saisons der Radsportgeschichte".

Mit dem festlichen Abendessen nach der Lombardei-Rundfahrt in Como feierten Vertreter der UCI, der Organisatoren und der 20 Top-Mannschaften einschließlich Stars wie Di Luca, Petacchi und Bettini den Abschluss der ersten ProTour-Saison. Nur die Tour de France schickte niemanden zu der Veranstaltung, womit auch gleich ein Schlaglicht auf das Hauptproblem der Reform fiel. Die Amaury Sport Organisation (ASO), der die "große Schleife" gehört, lehnt ebenso wie die Veranstalter der beiden anderen großen Rundfahrten (RCS/Giro, Unipublic/Vuelta) die ProTour weiter ab. Auch 2006 bleibt es bei dem Provisorium, wonach bei Tour, Giro und Vuelta zwar ProTour-Punkte vergeben werden und alle 20 ProTour-Teams dort starten dürfen (und müssen), aber die drei großen Rundfahrten formal eben nicht zur Serie gehören. Die Tour de France-Verantwortlichen weigern sich beim Status Quo sogar von einer "Einigung" zu sprechen.

"Widerstände und Konflikte haben die UCI ProTour von Beginn an fast täglich begleitet. Das hat der Radsport wirklich nicht noch gebraucht", bedauerte McQuaid am Samstag die Querelen um die Reform. Nach dem Ausscheiden des bisherigen UCI-Präsidenten Hein Verbruggen, der die Reform mit Gewalt gegen alle Widerstände unbedingt noch in seiner Amtsperiode durchboxen wollte, besteht die Chance, dass UCI und die großen Veranstalter etwas entspannter miteinander sprechen können, zumal der joviale McQuaid sehr viel flexibler ist als der zuweilen sture Verbruggen. McQuaid sprach am Samstag davon, dass man in den nächsten Wochen über "die notwendigen Anpassungen" sprechen werde. Grundsätzlich ist aber auch McQuaid für die ProTour. Diese stelle die "Zukunftsvision" dar.

Auf sportlicher Ebene hat die neue Struktur des Profi-Radsports den Graben zwischen Top-Teams und den 27 Rennen der "ersten Liga" und den vielen Teams und Rennen darunter vertieft. Für die, die in der Belle etage dabei sind, sieht alles schön aus. Rennen wie die Deutschland- oder erst recht die Polen-Rundfahrt können sich mit der Garantie, dass die besten Teams der Welt kommen (müssen), entspannt zurücklehnen. Teams und Rennen, die nicht dabei sind, kämpfen dagegen oftmals um die nackte Existenz an der Grenze zwischen Profitum und faktischem Amateursport.

Tiefes Misstrauen

Der Kalender der ProTour wird 2006 gleich bleiben, obwohl einige Rennen (Gent-Wevelgem, Benelux-Tour) organisatorische Schwächen offenbarten, die eigentlich auf dieser Ebene nicht akzeptabel sind. Die Gesamtwertung wird nur in Details verändert. So bekommen künftig die Etappensieger der Tour de France 10 Punkte, die Tagessieger bei Giro und Vuelta 8 Punkte (statt bisher drei).

Unverändert bleibt vorerst auch das tiefe Misstrauen, das zwischen den großen Veranstaltern und dem Rest der "Radsportfamilie" eingekehrt ist, seit Verbruggen begann, die verschiedenen Beteiligten gegeneinander auszuspielen, um seine ProTour durchzudrücken. Die Organisatoren der Tour de France sind in großer Sorge um den Radsport. Die Pariser Sportzeitung L'Equipe, die zur gleichen Unternehmensgruppe gehört wir das größte Rennen der Welt, erhob im August neue Dopingvorwürfe gegen den siebenfachen Toursieger Lance Armstrong. Diese gehen auf 1999 zurück, was auch bedeutet, dass nach dem großen Skandal von 1998, der die Szenerie erschütterte, sich eben gar nichts veränderte. Das Thema Doping klebt weiter am Image des Radsports trotz all der Bemühungen der letzten Jahre. Am 27.Oktober wird die nächste "grand boucle" in Paris vorgestellt. Für die Tour de France beginnt dann die Nach-Armstrong-Ära, die auch mit einem Wechsel an der Spitze einhergeht, nachdem der populäre Renndirektor Jean-Marie Leblanc in den Ruhestand geht. Der Radsport bleibt spannend - auch außerhalb der Rennen.


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