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Interview mit Paolo Bettini
"Ich hatte viel Spaß"


Foto: Roth
COMO, 15.10.05 (rsn) - Die Lombardei- Rundfahrt schien immer einen Tick zu schwer zu sein für Paolo Bettini. Am Samstag triumphierte der Toskaner nun zum ersten Mal bei dem Monument nach einem großartigen Rennen. Er spielte geradezu mit der Konkurrenz und attackierte in der Spitzengruppe, obwohl er wusste, dass er in einem Sprint der Schnellste sein würde.

Sie fuhren viel stärker heute als im letzten Jahr.
Was macht den Unterschied aus?

Bettini: Dieses Jahr fuhr ich ganz auf Sieg, während ich letztes Jahr vor allem auf Weltcup-Punkte gefahren bin.

Schildern Sie Ihr Rennen.

Bettini: Ich hatte viel Spaß. Ich habe attackiert, auch wenn ich der Favorit war in einem Sprint. Ich wollte die Gruppe so klein wie möglich haben. Es war wichtig, dass nach Ghisallo nicht noch 40 Mann vorne sind, denn sonst wäre da alles möglich gewesen am Schluss. Den Sprint habe ich ein bisschen früh, 200 Meter vor Schluss, angezogen.

...das war aber noch ein bisschen früher als 200 Meter.

Bettini: Ach ja? Ich wollte unbedingt den Sieg. Bei mir wurde es dunkel bei 200 Metern. Wie meistens, bin ich einen trockenen Antritt gefahren und habe versucht, weiter durchzuziehen. Simoni ist nicht schlecht im Sprint und nach 246km sieht immer alles anders aus als nach 200km. Trotzdem bin ich normalerweise schneller.


Paolo Bettini
Geb. 1.April 1974 in Cecina (Italien); 1,69m/58 kg
Profi seit 1997
Teams: MG (1997), Asics (1998), Mapei (1999 - 2002), Quick Step (seit 2003)

Größte Erfolge: Weltcup 2002, 2003 und 2004, Olympiasieger Athen 2004 (Straßenrennen), Italienischer Meister 2003, Lombardei- Rundfahrt 2005, Lüttich- Bastogne- Lüttich 2000 und 2002, Meisterschaft von Zürich 2001 und 2005, Mailand-San Remo 2003, Weltcuprennen Hamburg 2003, Clasica San Sebastian 2003, Coppa Placci 2001, Latium-Rundfahrt 2002, Coppa Sabatini 2002, GP Camaiore 2004
Etappenrennen: Etappensieger Tour de France 2000 (Dax), Etappensieger Giro d'Italia 2005, Etappensieger Vuelta 2005, Lucca-Rundfahrt 1999 (+ 1 Etappe), Internationale Woche 2000 (+ 2 Etappen), Ligurien-Rundfahrt 2002 (+ 2 Etappen), Mittelmeer-Rundfahrt 2003, Tirreno-Adriatico 2004 (+ 2 Etappen)

Jetzt fehlen nur noch Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix in ihren Palmares...

Bettini: Flandern bleibt ein Traum von mir und ich werde weiter alles versuchen, dort mal zu gewinen. Roubaix? Ich weiß nicht, ob ein solches Wunder möglich ist...

Welche Bedeutung hat dieser Lombardei-Sieg für Sie?

Bettini: Jeder einzelne Sieg hat seinen Wert. Der wichtigste ist sicherlich der Olympiasieg von Athen. Mein erster Lüttich-Sieg hat meine Karriere verändert. Damals habe ich gemerkt, dass ich große Rennen gewinnen kann. Und Zürich vor zwei Wochen war wichtig wegen der Bedingungen. Trotz Kälte und Regen habe ich eine Show abgeliefert.

Werden Sie nächstes Jahr auf die ProTour-Wertung fahren?

Bettini: Dieses Jahr bin ich spät in Tritt gekommen wegen meiner gesundheitlichen Problemen zu Beginn des Jahres. Das Frühjahr habe ich verpasst, da brauchte ich nicht mehr auf Punkte zu fahren. Nächstes Jahr? Mal schauen.

Wie sehen Sie sich im Vergleich zu Ihrem früheren Leader Michele Bartoli?

Bettini: Ich vergleiche mich nicht mit Michele. Ich habe viel von ihm gelernt. Ich ziehe eher Vergleiche mit Johan (Museeuw). Er hat mir mal gesagt: Du wirst eines Tages meinen Rekord schlagen. Er hat elf Klassiker gewonnen und eine Weltmeisterschaft. Ich habe jetzt acht und den Olympiasieg. Das Spiel geht weiter...


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