COMO, 15.10.05 (rsn) -
Für Paolo Bettini begann die Saison mit
einem trüben Frühling, Verletzungen und Krankheiten bremsten
den toskanischen Klassikerspezialisten.
Mit einem goldenen Herbst konnte die "Grille"
jedoch 2005 trotz allem noch zu einem
sehr erfolgreichen Jahr machen.
Am Samstag gewann der 31-jährige Quick Step-Star zum ersten Mal
in seiner Karriere das "Monument" Lombardei- Rundfahrt,
das bisher zu schwer für ihn zu sein schien.
Genauso souverän wie bei der Meisterschaft
von Zürich vor zwei Wochen holte
sich Bettini in Como nach 246km den Sieg
im Sprint einer Spitzengruppe vor den
Mitfavoriten Gilberto Simoni (Lampre) und Frank Schleck (CSC).
Paolo Bettini
Geb. 1.April 1974 in Cecina (Italien);
1,69m/58 kg
Profi seit 1997
Teams: MG (1997), Asics (1998), Mapei (1999 - 2002), Quick Step (seit 2003)
Größte Erfolge:
Weltcup 2002, 2003 und 2004,
Olympiasieger Athen 2004 (Straßenrennen),
Italienischer Meister 2003,
Lombardei- Rundfahrt 2005,
Lüttich- Bastogne- Lüttich 2000 und 2002,
Meisterschaft von Zürich 2001 und 2005,
Mailand-San Remo 2003, Weltcuprennen Hamburg 2003, Clasica San Sebastian 2003,
Coppa Placci 2001, Latium-Rundfahrt 2002, Coppa Sabatini 2002, GP Camaiore 2004
Etappenrennen:
Etappensieger Tour de France 2000 (Dax), Etappensieger
Giro d'Italia 2005, Etappensieger Vuelta 2005,
Lucca-Rundfahrt 1999 (+ 1 Etappe), Internationale
Woche 2000 (+ 2 Etappen), Ligurien-Rundfahrt 2002 (+ 2 Etappen),
Mittelmeer-Rundfahrt 2003, Tirreno-Adriatico 2004 (+ 2 Etappen)
"Ich bin wie ein Bettini gefahren",
sagte der Lombardei-Sieger
mit berechtigtem Stolz. "Ich
habe ein Spektakel abgeliefert.
Ich habe versucht,
als Solist zu gewinnen,
aber Simoni und Schleck fuhren
stark. Ich wusste,
dass meine Form gut ist.
Ich bin Risiken eingegangen und
die haben sich ausgezahlt.
Ich bin sehr glücklich,
dass das Rennen so lief, wie ich
es mir erhofft hatte. In Ghisallo
habe ich sogar die Selektion herbeigeführt,
obwohl der Anstieg viel eher
Simoni liegt. Da wusste ich,
dass ich heute gewinnen kann",
so Bettini.
Bettini wird sich wohl wünschen,
dass die Saison noch ein paar Wochen weitergeht.
In seiner derzeitigen Form ist er
praktisch nicht zu schlagen.
Beim Saisonfinale am Samstag war der kleine Toskaner
der dominierende Mann bei
dem lombardischen Klassiker, der seit
letztem Jahr in Mendrisio
im Tessin beginnt und nach einer Schleife um den
Comer See in Como endet.
Die vorentscheidende Attacke
fuhr Bettini, für
den das 100 Jahre alte Rennen doch immer einen Tick zu schwer
zu sein schien, ausgerechnet zu Beginn
des schwersten Anstiegs
(8,6km/6,2 Prozent), des
legendären Anstiegs von Ghisallo
52km vor dem Ziel. Simoni, Schleck,
der am Ende viertplatzierte
Italiener Giampaolo Caruso
und der Spanier Carlos Sastre
waren die einzigen, die Bettini
zu folgen vermochten.
Das Quintett erreichte den Anstieg von
Civiglio 20km vor Schluss
mit 1:15 Minuten Vorsprung
auf die erste Verfolgergruppe.
Bettini und Simoni ließen ihre Mitausreißer
hier hinter sich,
doch Schleck, Zweiter
bei der Meisterschaft von Zürich,
kämpfte sich wieder heran und auch
Caruso gelang dieses später.
Am letzten Hügel, an San Fermo della Battaglia.
verschärfte Bettini erneut
das Tempo. Dass er nicht wegkam,
war für Bettini nicht tragisch,
da er in der Gruppe der beste Sprinter war.
Nachdem Caruso 2km vor
dem Ziel wieder den Anschluss geschafft hatte,
zog der Olympiasieger früh den Spurt
an und kam zu einem ungefährdeten Triumph.
Die erste Verfolgergruppe
hinter dem Spitzen-Quartett führte Gerolsteiner-Kapitän
Davide Rebellin als Fünfter
mit knapp einer Minute Rückstand über die Ziellinie.
Sein junger Teamkollege Fabian Wegmann
belegte als bester Deutscher Platz 6.
"Ich bin wie ein Bettini gefahren"
Foto: Roth
Bettini feierte in Como seinen zweiten
Klassikersieg in diesem Jahr -
zwei Wochen nach seinem zweiten Sieg bei der "Metzgete" in Zürich.
Insgesamt zieren nun
acht Klassikersiege Bettinis Palmares (s.Kasten).
Der geschlagene Simoni,
der als zweiter großer Favorit
ins Rennen gegangen war, hielt
sich nicht lange mit der Enttäuschung auf.
"Bettini war heute enorm stark.
Ich habe am Ende nur
noch versucht, an ihm dranzubleiben und
auf meine Chance im Sprint gehofft.
Aber da war er auch der Stärkste.
Jetzt gehe ich in Urlaub -
aber nicht in Pension. Ich habe
nächstes Jahr viel vor", sagte
Simoni.
Der Italiener Danilo Di Luca (Liquigas),
der seinen ProTour-Gesamtsieg
bereits in Zürich perfekt gemacht hatte,
stieg derweil 60km vor
dem Ziel vorzeitig aus.
"Ich habe
alles getan,
was unter den Umständen möglich
war", sagte der durch
eine Sehnenentzündung in Knie gehandicapte
Di Luca, der dennoch hochzufrieden
Bilanz ziehen konnte.
"Ein tolles Jahr. Ich habe
große Siege gefeiert und
das erste ProTour-Trikot gewonnen",
so der Süditaliener.