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Interview-Reihe: Die jungen Wilden (6)
Gerdemann: "Bei T-Mobile öffnen sich Türen für mich"


GERDEMANN (rechts) ALS AUSREISSER BEI DER LETZTEN VUELTA  Foto: Roth

Interview-Reihe: Die jungen Wilden
  • Patrik Sinkewitz: "Zähle schon die Tage"
  • Fabian Wegmann: "Noch Luft nach oben"
  • Christian Müller: "Die reißen einen mit"
  • Markus Fothen: "Noch nicht ausgelernt"
  • Haussler: "... aber Ehrgeiz ist natürlich da"
  • BERLIN, 30.10.05 (rsn) - Sie sind jung, talentiert und wollen Siege. Vor fünf Jahren bangte die deutsche Radsportwelt noch um die Erben von Jan Ullrich. Heute gibt es eine Vielzahl von hoffnungsvollen Fahrern. RADSPORT-NEWS.COM interviewt im Oktober sechs von den „jungen Wilden“. Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann, Markus Fothen, Linus Gerdemann, Heinrich Haussler und Christian Müller werden Rede und Antwort über Zukunft, Ängste und Hoffnungen stehen.


    Für BDR-Nationaltrainer Peter Weibel war er einfach nur ein Querkopf, Bjarne Riis sieht in ihm das größte Talent nach Jan Ullrich. Linus Gerdemann (23) selbst sieht sich als Radprofi, der stetig Neues dazulernen will. Mit seinem Etappensieg bei der Tour de Suisse ließ der Musterschüler im Profigeschäft sein Talent erstmals aufblitzen. Dass Gerdemann nicht nur mit seinen Beinen verblüfft, bewies er durch seinen plötzlichen Wechsel zu T-Mobile.

    RADSPORT-NEWS.COM: Dein Wechsel kam sehr plötzlich – war das ein Kurzschluss oder schon länger im Gespräch?




    Fotos: Roth
    Gerdemann: Der Wechsel zu T-Mobile war schon sehr kurzfristig, aber ich stand seit meiner U23-Zeit mit Mario Kummer in Kontakt. Wir hatten schon perspektivisch über einen Vertrag für 2007 und 2008 gesprochen. Ich hatte Bjarne Riis aber immer wissen lassen, dass ich solche Gespräche führe. Ich spiele eben mit offenen Karten und sagte ihm schon, dass ich mich ab 2007 vielleicht für ein anderes Team entscheide.

    RADSPORT-NEWS.COM: Riis sagt, du hast dich für das Geld entschieden?

    Gerdemann: Das Geld war nicht ausschlaggebend, auch wenn es auf jeden Fall ein sehr gutes Angebot von T-Mobile ist. Für mich ist die Verjüngungskur, die T-Mobile zurzeit macht, sehr interessant. Da sind viele junge Talente, die langfristig als starkes Team über die nächsten Jahre Bestand haben werden. Ich sehe es als eine Herausforderung, in solch einem „Nachwuchsteam“ zu fahren.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wie ist jetzt das Verhältnis zu Bjarne Riis?

    Gerdemann: Ich hoffe, dass es immer noch gut ist und er hat mir das auch signalisiert. Er war natürlich enttäuscht, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen. Er hat mit wirklich viel gegeben, und das Team hat es sehr bedauert, dass ich den Weg zu T-mobile einschlage. Riis versteht meine Entscheidung und lässt mich jetzt früher aus dem Vertrag, da er keinen Fahrer noch weiter aufbaut um ihn dann an die Konkurrenz zu verlieren. Ich habe Riis sehr viel zu verdanken und das werde ich nicht vergessen.

    RADSPORT-NEWS.COM: Sind die Perspektiven bei CSC nicht besser?

    Gerdemann: Bei CSC sind die Perspektiven sehr gut, doch mit diesem jungen Team scheinen sie mir fast besser. Ich freue mich besonders darauf, als deutscher Fahrer in einem deutschen Team zu fahren. CSC hat auch Ivan Basso, der bestimmt noch die nächsten Jahre der Mann bei Bjarne Riis sein wird. Ich denke, mit meinem neuen Team öffnen sich mehr Türen für mich.

    RADSPORT-NEWS.COM: Hast du keine Angst den Ruf eines Querkopfes zu bekommen?

    Gerdemann: Eigentlich hatte ich ja immer nur mit nur mit einer Person wirklich Stress. Und zwar mit Peter Weibel. Nur wurden diese Zankereien medienwirksam unter die Leute gebracht. Ich kam mit allen klar, nur nicht mit ihm und – schwups – war ich dann ein Querkopf. Er hat mir einfach nie die Chance gegeben, ihn richtig kennenzulernen, und so konnte ich seine Vorbehalte nicht abbauen. Letztendlich sah es dann so aus, dass ich meine U23-Einsätze an einer Hand abzählen konnte.

    RADSPORT-NEWS.COM: T-Mobile hat dich gekauft. Was kann Linus Gerdemann was andere nicht können?

    Gerdemann: Das ist schwer zu sagen. Ich habe sehr spät mit dem Radsport angefangen und habe in dieser sehr kurzen Zeit schnell Fuß gefasst. Das schaffen wohl die wenigsten.


    "...dann muss zwangsläufig
    was dabei rauskommen"

    RADSPORT-NEWS.COM: Wer von euch sechs "jungen Wilden" hat das größte Potential?

    Gerdemann: Das ist auch eine schwierige Frage. Jeder von uns bringt seine Stärken mit und an einem Namen kann man da sicher nichts fest machen. Wir haben alle gezeigt, dass wir was können und Perspektiven haben. Ich denke wir werden alle noch mal Leistung bei Rennen zeigen, und wenn das Quäntchen Glück noch dabei ist – dann werden wir sehen.

    RADSPORT-NEWS.COM: Was willst du 2006 erreichen?

    Gerdemann: Ich will mich erstmal physisch weiter entwickeln, das ist für mich das Hauptziel. Ob ich das dann auch an Ergebnissen festmachen kann ist dann noch die andere Frage. Klar brauche ich auch noch viel Erfahrung, denn als Radprofi lernt man nie aus. Was dann auf dem Papier dabei herausspringt wird man sehen, aber wenn alles gut läuft muss zwangsläufig was dabei rauskommen.

    Das Interview führte Björn Scheele


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