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Interview-Reihe: Die jungen Wilden (5)
Haussler: "... aber der Ehrgeiz ist natürlich da"


Foto: Roth

Interview-Reihe: Die jungen Wilden
  • Patrik Sinkewitz: "Zähle schon die Tage"
  • Fabian Wegmann: "Noch Luft nach oben"
  • Christian Müller: "Die reißen einen mit"
  • Markus Fothen: "Noch nicht ausgelernt"
  • BERLIN, 24.10.05 (rsn) - Sie sind jung, talentiert und wollen Siege. Vor fünf Jahren bangte die deutsche Radsportwelt noch um die Erben von Jan Ullrich. Heute gibt es eine Vielzahl von hoffnungsvollen Fahrern. RADSPORT-NEWS.COM interviewt im Oktober sechs von den „jungen Wilden“. Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann, Markus Fothen, Linus Gerdemann, Heinrich Haussler und Christian Müller werden Rede und Antwort über Zukunft, Ängste und Hoffnungen stehen.


    Sein Leben klingt wie ein Radsportmärchen. Mit 14 verließ Heinrich Haussler seine Eltern in Australien um Radprofi in Deutschland zu werden. Als Neuprofi mit 21 holt er seinen ersten Sieg bei einer der großen Rundfahrten.

    RADSPORT-NEWS.COM: Fühlst du dich nach deinem Vuelta-Etappensieg unter Druck gesetzt?

    Haussler: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Es hat sich auch nicht viel geändert, nur eben das eine Menge Leute bei mir anriefen. Aber unter Druck stehe ich jetzt überhaupt nicht.

    RADSPORT-NEWS.COM: Hast du jetzt das Gefühl nächstes Jahr noch einen draufsetzen zu müssen?

    Haussler: Nicht unbedingt noch einen draufsetzen. Ich weiß auch noch nicht was ich nächstes Jahr fahre. Das wird erst im Januar oder Februar entschieden. Ich würde aber gerne bei den Klassikern wie Roubaix oder Flandern am Start sein. Ich setze mich jetzt nicht groß unter Druck, wieder gewinnen zu müssen, aber der Ehrgeiz ist natürlich da.  


    Siehe auch Story: Neuprofi mit ungewöhnlichem Werdegang
    Foto: Volk
    RADSPORT-NEWS.COM: Du hast das geschafft, was andere Profis nie schaffen. Wie siehst du das selbst?

    Haussler: Jetzt beginne ich langsam, überhaupt zu realisieren was ich da geschafft habe. Besonders die Woche nach der Vuelta lag ich im Bett und dachte "Krass, du hast eine Etappe gewonnen!" Letztes Jahr saß ich noch vor dem Fernseher und fand es einfach nur heftig wie die Jungs da rumfuhren. Und ein Jahr später bin ich selber dabei und gewinne eine Etappe – das ist einfach hammergeil!  

    RADSPORT-NEWS.COM: Du willst ein ganz Großer werden. An was musst du noch arbeiten?

    Haussler: Im Moment weiß ich noch nicht was für ein Fahrer ich werde - ob ich nun in Richtung Rundfahrten oder Eintagesrennen gehe. Auf jeden Fall muss ich mein Zeitfahren verbessern. Wenn man eine Rundfahrt gewinnen möchte, kommt man daran nicht vorbei. Na ja, und an den Bergen muss ich auch noch ein bisschen zulegen.  

    RADSPORT-NEWS.COM: Gab es einen Plan B falls deine Profikarriere nicht funktioniert hätte?

    Haussler: Nein, ich wusste, dass ich Profi werde. Das klingt jetzt ein wenig arrogant, aber ich bin nach Deutschland gekommen um Profi zu werden. Mir war klar, wenn ich gut trainiere und keinen schweren Unfall habe werde ich es schaffen.  

    RADSPORT-NEWS.COM: Willst du wieder nach Australien?

    Haussler: Mal sehen, vielleicht wenn ich aufhöre. Als Aktiver bleibe ich auf alle Fälle hier.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wer von euch "jungen Wilden" hat das größte Potenzial?

    Haussler: Ich denke Fabian Wegmann. Der ist fast so wie Davide Rebellin. Ich kann mir schon vorstellen, dass er in ein paar Jahren in der Lage sein wird auch so zu fahren. Vielleicht nicht das Hattrick von Davide, aber auf dem Niveau könnte er schon fahren. Fabian ist einfach ein starker Eintagesfahrer und besteht auch bei nicht so schweren Bergetappen - sonst hätte er ja nicht beim Giro das grüne Trikot geholt. Für große Rundfahrten schätze ich Markus Fothen als sehr stark ein. Wie der beim Giro gefahren ist, da habe ich ganz schön geguckt!  

    RADSPORT-NEWS.COM: Was willst du 2006 erreichen?

    Haussler: Paris-Roubaix und Flandern würde ich gerne fahren. Vielleicht sogar unter die ersten zehn. Die HEW Cyclassics sind auch nach meinem Geschmack. Insgesamt will ich bei den Klassikern gut fahren. Mir liegen diese langen Distanzen. Ich kenne das vom Training - lang und flach. Was aber nicht heißt, dass ich mich schon verheize. 200 Kilometer bei mir sind wie 140 Kilometer im Schwarzwald. Und dann mal sehen wie die Saison so läuft. Ich könnte mir auch vorstellen, noch ein paar Etappen zu gewinnen. Diesmal auch bei kleineren Rundfahrten.

    Das Interview führte Björn Scheele


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