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Interview-Reihe: Die jungen Wilden (4)
Markus Fothen: "Noch nicht ausgelernt"


Foto: Roth

Interview-Reihe: Die jungen Wilden
  • Patrik Sinkewitz: "Zähle schon die Tage"
  • Fabian Wegmann: "Noch Luft nach oben"
  • Christian Müller: "Die reißen einen mit"
  • BERLIN, 20.10.05 (rsn) - Sie sind jung, talentiert und wollen Siege. Vor fünf Jahren bangte die deutsche Radsportwelt noch um die Erben von Jan Ullrich. Heute gibt es eine Vielzahl von hoffnungsvollen Fahrern. RADSPORT-NEWS.COM interviewt im Oktober sechs von den „jungen Wilden“. Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann, Markus Fothen, Linus Gerdemann, Heinrich Haussler und Christian Müller werden Rede und Antwort über Zukunft, Ängste und Hoffnungen stehen.


    Er hielt bei den ganz Großen mit. Markus Fothen ließ sich nicht von den Stars beim Giro einschüchtern und fuhr auf den zwölften Platz. Für den 24-Jährigen war das erst der Anfang. Das nächste Ziel heißt Tour de France 2006.

    RADSPORT-NEWS.COM: Hätte die Saison 2005 besser laufen können?

    Fothen: Es kann immer besser laufen. Ich bin immer der Ansicht, dass man natürlich die Vorbereitung noch mehr optimieren könnte. Und ausgelernt habe ich auch noch lange nicht. Dieses Jahr lief schon sehr gut, nur nach hinten raus fehlten einfach die Körner. Mein Akku ist ganz schön leer.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wärst du nicht gerne bei der Zeitfahr-Weltmeisterschaft dabei gewesen?

    Fothen: Ja. Ich denke schon, dass ich sehr gute Qualitäten im Zeitfahren habe. Aber zur Zeit gibt es eben Fahrer die stärker sind als ich. Nächstes Jahr würde ich aber sehr gerne dabei sein. Ich hatte mich schon ein wenig darauf vorbereitet.

    RADSPORT-NEWS.COM: Du hast deinen Vertrag verlängert. Wieso?

    Fothen: Ich fühle mich in dem Team sehr wohl, und das sieht man ja auch auf dem Papier. Meine Leistung war sehr gut, und warum sollte ich als so junger Rennfahrer schon wechseln? Die sportliche Leitung fördert mich perfekt Es besteht überhaupt kein Anlass zu wechseln.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wer hatte noch Interesse an dir?

    Fothen: T-Mobile hatte noch Interesse, und das war auch ein Team mit dem ich geliebäugelt hatte. Aber für mich stand Gerolsteiner vorne an.

    RADSPORT-NEWS.COM: Gibt es einen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Jungprofis?

    Fothen: Mir fällt sehr stark auf, dass die ganzen starken Fahrer aus der U23, besonders die Ukrainer und Italiener, nicht mehr so übermächtig sind wie damals. Klar sind da noch Starke übrig geblieben, aber jetzt im Profizirkus kommen wir aber immer dichter dran oder sind schon besser. Es könnte sein, dass dort anders trainiert wird, dass die Fahrer nicht langfristig aufgebaut werden und sich in wenigen Jahren mit hartem Training verheizen. Bei uns wurde immer darauf geachtet, dass wir langfristig wachsen.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wer von euch hat das größte Potenzial ein ganz Großer zu werden?

    Fothen: Jeder von uns kann etwas ganz Besonderes. Fabian Wegmann wird bei schweren Eintagesrennen vorne sein, das hat er ja schon öfters unter Beweis gestellt. Heinrich Haussler wird ein Etappenjäger, wenn er das nicht schon ist. Er verkraftet besonders gut die langen Distanzen. Aber da liegt vielleicht auch ein wenig Risiko, denn er trainiert schon gewaltige Umfänge, und was will er dann noch in ein, zwei Jahren an Training zulegen? Als junger Profi muss man noch auf sein Talent bauen, der Aufwand sollte noch so gering wie möglich sein. Denn wo will man hin wenn man zehn Jahre Radprofi ist? Bei Patrik Sinkewitz wird es sehr interessant, wie er bei T-Mobile zurechtkommt. Aber er ist ein klarer Kandidat für Rundfahrten.

    RADSPORT-NEWS.COM: Was hast du dir für 2006 vorgenommen?

    Fothen: Erst mal mache ich meine Winterpause und auf die freue ich mich richtig. Im Training werde ich nichts großartig verändern. Die Sachen, die noch nicht so gut liefen, werde ich dann noch optimieren. Der Umfang wird etwas erhöht, damit ich nach hinten raus noch Druck habe. Bei den Rennen freue ich mich besonders auf die Tour. Da muss ich meine beiden Kapitäne zwar unterstützen, aber ich möchte schon eine sehr gute Figur machen. Das ist nun mal so, aber irgendwann gehen auch die in den Ruhestand. Dann möchte ich zur Deutschlandtour, bei der ich dieses Jahr zwar Form hatte, aber leider unter einer Magenverstimmung litt. Und die WM im nächsten Jahr möchte ich wieder bestreiten.

    Das Interview führte Björn Scheele


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