BERLIN, 17.10.05 (rsn) -
Sie sind jung, talentiert und wollen Siege. Vor fünf Jahren bangte die deutsche Radsportwelt noch
um die Erben von Jan Ullrich. Heute gibt es eine Vielzahl von hoffnungsvollen Fahrern.
RADSPORT-NEWS.COM
interviewt im Oktober sechs von den jungen Wilden. Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann, Markus Fothen, Linus Gerdemann, Heinrich Haussler und Christian Müller werden Rede und Antwort über Zukunft, Ängste und Hoffnungen stehen.
Er kam zu CSC und keiner merkte es.
Dann aber zeigte Christian Müller schon in seinem ersten Profijahr, dass
er zu den richtig guten Zeitfahrern gehört. Dass er weiterhin so unbemerkt bleibt scheint sehr unwahrscheinlich.
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Fast unbemerkt gingst du zu CSC. Wie kam es dazu?
Müller:
Ich habe mich dort ganz normal beworben, oder besser gesagt ich habe Bjarne Riis direkt angesprochen. Nach ein paar Wochen hatte ich dann auch schon meine neue Lehrstelle der ganz klassische Weg.
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Es bewerben sich ja viel Fahrer bei CSC. Wieso haben sie dich gerade genommen?
Müller:
Bjarne Riis hat gesehen, dass ich mich über die Jahre kontinuierlich aufgebaut habe. Ein, zwei Mal im Jahr hatte ich dann richtige Kracher gelandet, auf die ich mich natürlich konsequent vorbereitet hatte. Ich glaube, dass ihm das gut gefallen hat.
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Gab es auch andere Teams?
Müller:
Ich hatte mich überall beworben. Sei es in Italien, Frankreich oder Deutschland, aber ich bekam nur Absagen.
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Zwei Profisiege in diesem Jahr sind für einen Neo kein schlechter Einstand. Wirst du damit auch deinen eigenen Ansprüchen gerecht?
Müller:
Ich bin schon sehr motiviert an die Rennen gegangen, aber das liegt ja auch an dem Team. Denn welche Mannschaft fährt schon offensiver als CSC? Das reißt einen mit und das Selbstvertrauen steigt gewaltig. Die älteren Fahrer lassen einem an ihrer Stärke teilhaben das ist einfach genial
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Im Frühjahr kam noch der Querkopf Gerdemann dazu Wie war das?
"Mit Linus zusammen ist es perfekt"
Foto: Roth
Müller:
Das war schon ganz witzig, weil ich ihm das wirklich gewünscht habe, dass er mit seinen Fähigkeiten in einem Team landet. Es gab wirklich ein paar Leute, denen die Kinnlade runter gefallen war, als Linus bei Bjarne Riis anfing. Für mich war es ja schon eine Genugtuung, dass ich bei CSC unterschrieb, und jetzt mit Linus zusammen ist es perfekt. Vielen Kritikern ist das Wort im Hals stecken geblieben. Auch wir beiden total unfähigen" Radsportler haben es jetzt geschafft und das sogar mit ein paar Siegen im ersten Jahr!
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Hast du schon das berüchtigte CSC Trainingslager mitgemacht?
Müller:
Ja, klar und es war schweinehart! Jeder kennt ja die Bilder aus der Presse. Das wirklich harte an dieser Übung sind die ewigen Kilometer, die man in der Wildnis zurücklegt. Man hat tierisch gefroren, kaum gegessen, und der Schlafentzug tat sein Übriges. Man ist praktisch einem Bjarne Riis ausgeliefert, aber gerade das schafft auch Vertrauen zu ihm.
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Was stellt Bjarne Riis für dich dar?
Müller:
Er ist ein riesiges Vorbild für mich und er hat mir Selbstvertrauen eingehaucht. Bjarne Riis ist ein Mensch mit einem grandiosen Verantwortungsgefühl. Er überlässt nichts, aber auch gar nichts dem Zufall fast schon ein wenig Kontrollmensch, was aber nicht heißt, dass er totalitär ist. Bjarne hört jedem Fahrer genau zu und geht intensiv auf jeden von uns ein. Aber wenn er die Entscheidung fällt, gibt es danach keine Diskussion mehr. Bjarne ist mental unbesiegbar.
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Du kamst von der Bahn auf die Straße. Wieso?
Müller:
Ich sah einfach keine Perspektive mehr auf der Bahn, und ich konnte ja beides sehr gut. Eigentlich ein ganz simpler Entschluss.
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Wer von euch sechs "jungen Wilden" ist deiner Ansicht nach der Mann mit dem größten Potenzial?
Müller:
Ich denke, das kann man noch nicht sagen. Wir alle sind sehr komplette Rennfahrer keiner von uns ist in einer Disziplin ganz schlecht. Wir sind alle unwahrscheinlich ehrgeizig und haben auch schon gezeigt, dass wir was können. Ich glaube, es ist noch zu früh für eine solche Prognose. Langfristig werden wir alle sechs noch was zeigen.
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Was werden wir nächstes Jahr von Christian Müller zu erwarten haben?
Müller:
Ich würde gerne ein paar Rennen gewinnen, z.B. eine kleinere Etappenrundfahrt, und mich beim Zeitfahren vorne zeigen.