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Interview-Reihe: Die jungen Wilden (2)
Wegmann: "Noch Luft nach oben"


Foto: Roth

Interview-Reihe: Die jungen Wilden
  • Patrik Sinkewitz: "Zähle schon die Tage"
  • BERLIN, 11.10.05 (rsn) - Sie sind jung, talentiert und wollen Siege. Vor fünf Jahren bangte die deutsche Radsportwelt noch um die Erben von Jan Ullrich. Heute gibt es eine Vielzahl von hoffnungsvollen Fahrern. RADSPORT-NEWS.COM interviewt im Oktober sechs von den „jungen Wilden“. Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann, Markus Fothen, Linus Gerdemann, Heinrich Haussler und Christian Müller werden Rede und Antwort über Zukunft, Ängste und Hoffnungen stehen.


    Von Jahr zu Jahr wird Fabian Wegmann stärker und fährt inzwischen mit Paolo Bettini mal eben das WM-Feld auseinander. Mit vier Siegen 2005 meldet er sich schon für größere Taten an. Ein Limit ist bei dem Gerolsteiner-Profi noch nicht absehbar.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wie siehst du dich selbst: Schon ein bisschen alter Hase, noch Jungprofi oder dazwischen?

    Wegmann: Gute Frage. Mein viertes Profijahr geht jetzt zu Ende. Also, Jungprofi bin ich sicher nicht mehr und alter Hase ist auch auszuschließen. Ich habe mich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert und merkte, dass oben noch Luft ist.

    RADSPORT-NEWS.COM: Du bist seit Anfang an bei Gerolsteiner - wieso?

    Wegmann: Natürlich gab es paar Angebote, aber mir wurde nicht die Tür eingerannt. Bei den Gesprächen mit Hans Michael Holczer wurde mir gleich klar, dass ich hier gut aufgehoben bin. Klar hätte ich auch in ein größeres Team wechseln können, aber da wäre ich vielleicht unter die Räder gekommen. Ich wollte nicht nur bei Rennen dabei sein, sondern dass man mit mir arbeitet und mich fördert.

    RADSPORT-NEWS.COM: Hast du nicht schon mal über einen Wechsel nachgedacht?


    Foto: Roth
    Wegmann:Klar denkt man schon mal an einen Wechsel, aber ich habe nächstes Jahr noch einen Vertrag bei Gerolsteiner. Mitte nächsten Jahres werden wir den Vertrag neu aushandeln, und sicher werden sich auch andere Teams bei mir melden. Aber ich bin sehr zufrieden mit Gerolsteiner und kann mir gut vorstellen, auch weiterhin in diesem Team zu fahren. Was aber nicht heißt, dass ich für Jahrzehnte an dieses Team gebunden bin.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wieso nimmt Gerolsteiner so viele junge Fahrer auf?

    Wegmann: Hans Michael Holczer hat einfach sehr früh erkannt, dass man mit jungen Talenten sehr gut fährt. Und am Anfang war natürlich nicht das nötige Kleingeld für große Namen da. Der Weg über junge Fahrer ist nicht einfach, aber die Verbindung zum Team ist doch eine viel größere. Er hat das sehr gut gemacht.

    RADSPORT-NEWS.COM: Was macht einen Hans Michael Holczer aus?

    Wegmann: Ich glaube, dass er damals ein recht guter Lehrer war. Er ist auf der einen Seite sehr locker zu seinen Fahrern, aber ihm fehlt nicht das nötige Maß an Disziplin. Er hat einfach diese Balance zwischen Spaß und Kompetenz in sich.

    RADSPORT-NEWS.COM: Was geht dir durch den Kopf, wenn Fothen oder Haussler so weit vorne mitmischen?

    Wegmann: Ich freue mich total für die beiden, dass sie so gut in den Profisport gestartet sind. Aber klar vergleiche ich meine Leistungen auch mit den ihren. Das ist ja ganz normal. Es ist aber einfach schon ein gutes Gefühl mit solchen Jungs, und wir werden sicher noch gemeinsam etwas bewegen.

    RADSPORT-NEWS.COM: Gab es 2005 Tage, die du lieber gestrichen hättest?

    Wegmann: Da gab es einige Tage dieses Jahr. Diese Saison war so verregnet! Ich bin noch nie so oft im Regen gefahren. Regen ist eines dieser Dinge, die ich absolut hasse. Bei der Polenrundfahrt hat es am Tag nach meinem Sieg nur geschifft. Und in Zürich hatte ich mir einiges vorgenommen, und das ist ja kräftig in die Hose gegangen. Doch mit vier Saisonsiegen kann ich über den Regen hinwegschauen.

    RADSPORT-NEWS.COM: Wer von euch hat das Potenzial zu einem ganz Großen?

    Wegmann: Ich denke mal alle. Jeder von uns hat natürlich seine Richtung. Markus Fothen und Patrik Sinkewitz steuern ganz klar auf die großen Rundfahrten zu. Und Heinrich Haussler hat in seinem ersten Profijahr eine Etappe bei der Vuelta gewonnen. Da meldet man sich ja praktisch mit an, vorne mitzufahren. Linus Gerdemann hat ja das gleiche Kunststück in der Schweiz vollbracht. Aber jeder von uns muss sich weiter entwickeln.

    RADSPORT-NEWS.COM: Was hast du dir für 2006 vorgenommen?

    Wegmann: Ich habe noch ein paar Rennen vor mir und dann mach ich erstmal Pause. Klar werde ich mich noch mit der Teamleitung zusammensetzen und sehen, was gut war und was verbessert werden könnte. Mit Sicherheit möchte ich 2006 die Tour fahren und zur WM würde ich auch gerne wieder. Mir liegen solche langen Rundkurse. Aber ich will mir kein spezielles Rennen heraussuchen. Ich habe keine Lust, nur einen Höhepunkt zu haben und den dann vielleicht zu vergeigen.


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