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Robert Förster, 27 Jahre alt und aus Markkleeberg bei Leipzig, ist seit 2001 Profi. Nach zwei Jahren beim GS-II-Rennstall Nürnberger wechselte er zum Top-Team Gerolsteiner. Der Sprint-Spezialist feierte bereits über zehn Profi-Siege. Beim Giro d'Italia startet "Frösi" zum dritten Mal - und zum dritten Mal schildert er in einem Tagebuch seine ganz persönlichen "italienischen Momente".
Wieder zuhause
Schöner Abschluss in Mailand

MARKKLEEBERG, 30.05.05. Ich bin wieder zuhause. Die Heimreise am Sonntag war ziemlich stressig. Um 17:30 Uhr in Mailand Zielankunft, dann in ein Hotel zum Duschen und Umziehen. 50 Minuten Fahrt zum Flughafen Malpensa. Mein Flieger ging um 20:30 Uhr. Nach 22 Uhr war ich in Frankfurt. Mit dem Mietwagen dann noch nach Hause gedüst. Um 2 Uhr war ich daheim. Ich war ganz schön kaputt, aber schlafen konnte ich erst gar nicht. Es ist schon eine große Umstellung. Drei Wochen jeden Tag der gleiche Tagesablauf. Ruhe nach Wochen Halligalli. Schön, wieder bei Familie und Freunden zu sein.

Die letzte Etappe war erst mal ruhig wie immer. Aber letztes Jahr war es gemütlicher, da gab's viele Stände, wo wir dann alle angehalten haben zum Eis oder Kuchen essen. Diesmal waren es hektischer und viele sind einfach weitergefahren. Auch die Hitze war weniger schön. Mein Computer zeigte 38 Grad an. Am Intergiro gabs Streit. Erst wurde mit Quick Step ausgemacht, dass nur Krauss und Zanini um die Punkte sprinten und Bettini sich mit Platz 3 zufrieden gibt. Nachher Aufregung: Bettini ist doch gesprintet und kam noch vor Krauss. Warum musste das sein? Ein Wort ist ein Wort. Naja. In Mailand 12 Runden. Die sind eine Qual. Da rollt es gar nicht. Nachdem wir 100km langsam gerollt sind, gings dann aber sowas von los auf den letzten 20km. Solche extremen Rhythmuswechsel mag ich gar nicht. Im Finale habe ich mich langsam vorgearbeitet. Aber ich hatte keine guten Beine. Das ist nicht Dein Tag, dachte ich.

Ich habe geschaut, an der 2000-Meter-Marke vorne zu sein. Danach wurde es nämlich nochmal kurvig. Da habe ich mich dann irgendwo reingedrängelt hinter Zabel und Petacchi und mich dabei noch ein bißchen gekabbelt mit einem von Domina. Bei 1000 schaue ich auf den Tacho: 64, 65... Ich denke, toll, wie soll man jetzt noch sprinten? Auf die Zielgerade. 250 Meter vor Schluss sehe ich im Augenwinkel, dass Petacchis letzter Mann rausgeht. Das Tempo war wahnsinnig hoch. Sprinten war da nicht mehr viel. Am Ende dritter Platz. Dafür, dass ich wirklich keine guten Beine hatte, war das optimal. Ein schöner Abschluss. Petacchi war am Sonntag eh nicht zu schlagen. Es gab Tage, da dachte ich, ich könnte ihn kriegen, wenn alles passt. In Mailand war er eine Klasse für sich.

Ich war bei allen Massensprints, in denen ich dabei war, unter den ersten Acht. Zwei Mal Dritter. Mein großes Ziel war ein Etappensieg. Aber meine Bilanz ist auch nicht schlecht, zumal der Giro im Sprintbereich super besetzt war. Außer Boonen und Hunter waren ja alle da. Ich habe gesehen: Es geht, ich war konstant vorne dabei, auch als Einzelkämpfer. Das gibt Moral für die nächsten Sprints. Wenn man weiß, es geht, gibt man den entscheidenden Tick mehr. Der Giro war dieses Jahr schwerer. In der ProTour wurde härter gefahren, so mein Eindruck. Im Grupetto in den Bergen habe ich schmerzlich eine Führungsfigur wie Cipo vermisst.

Die Etappe am Samstag war hart. Und danach gabs nochmal 240km-Transfer. Zum Tagebuchschreiben kam ich da leider nicht mehr. Der Colle Finestre war ein Erlebnis, eine tolle Stimmung, viele, viele Zuschauer. Die Schotterstraße war erstaunlicherweise gar nicht so schlimm. Die war super präpariert und es rollte gut. Hätte ich nicht gedacht. Den vorherigen Berg fand ich viel schlimmer. Nicht steil, aber 40km berghoch! Die Abfahrt vom Finestre war höllisch. Da gings 10, 12 Prozent runter, 90-Grad-Kurven ohne Leitplanken, wo man 60 Meter in die Tiefe schaute. Wenn da einer stürzt, steht er nicht mehr auf. Und das ironischerweise bei der Etappe, die in Fabio Casartellis Heimatstadt begann!

Drei Wochen Giro schlauchen ganz schön. Ich bin kaputt. Vor allem vom Kopf her war es für mich hart. Als Sprinter steht man praktisch jeden Tag unter Druck. Bei den Flachetappen will man ein gutes Resultat, bei den schweren Etappen kämpft man ums Überleben. Da muss man jeden Tag topfit sein. Trotzdem, ich bin sehr zufrieden, denn ich komme supergut aus dem Giro raus. Nicht krank, gute Form. Ich mach erstmal bißchen Pause. Mein nächstes Rennen ist die Ster Tour in Holland Mitte Juni. Was ich im Juli mache, weiß ich noch nicht... Ciao machts gut, das Tagebuch hat wieder Spaß gemacht. Danke auch für die vielen Fragen, die wir leider wie immer nicht alle beantworten konnten.

Bis demnächst, Euer Frösi


18.Etappe / Zweites Zeitfahren
Kleine Panik am Superga

TURIN, 27.05.05. Heute morgen habe ich erstmal gut ausschlafen können bis um 9 Uhr. Abfahrt zum Start um 10:30 Uhr. Krauss, Moletta und ich war die erste Gruppe von uns. Nach 40km Autofahrt am Startort angekommen, dann bißchen im Teambus abgehangen, Fernsehen geschaut. Halbe Stunde Warmfahren, dann gings für mich los.

Die ersten 10km habe ich ruhig angehen lassen. Dann der Berg. Alter Schwede, das war ja ein Ding. Ich kam gar nicht vorwärts. Ich fahre derzeit sowieso sehr ungern Zeitfahren. Das ist nur ein einziges Rumgehacke bei mir. Der Rücken tut weh auf dem Zeitfahrrad. Ich habe richtig gefühlt, wie langsam ich war. Und da bekam ich doch ein bißchen Angst wegen des Zeitlimits und habe etwas mehr draufgetreten. Der nach mir gestartete Sentjens war weit und breit nicht zu sehen, das war schon mal gut. Ich war froh, als ich endlich oben war.

Fans fragen Frösi

Martin aus Münster fragt: Weisst Du, ob da zwischen Kessler und Fothen, die ja meist bei Bergetappen die letzten beiden Deutschen in der Spitzengruppe sind eine besondere "Partnerschaft" besteht oder gar eine besondere Konkurrenzsituation vorhanden ist?

Frösi: Die beiden verstehen sich gut, das ist eher kameradschaftlich. Natürlich flachst da auch mal einer den anderen: "Heute hau' ich Dich weg!" Ist aber nur Spaß

Jörg aus Metzingen fragt: letztes Jahr gab es doch noch die Regelung, dass ihr bei einer Bergankunft am finalen Anstieg die Helme ablegen durftet. Ist das jetzt abgeschafft worden? Ich stand letzte Woche bei einigen Bergetappen, u.a. Ortisei am letzten Berg und ihr hattet alle Helme auf. Ich selbst bin da lieber ohne Helm raufgefahren...;-)

Frösi: Ja, Helme sind jetzt vorgeschrieben auch am Schlussberg. Total affige Regelung. Grundsätzlich bin ich für Helme. Ich würde sie auch ohne Pflicht meistens tragen, im Sprint und bergrunter sowieso. Aber am Schlussanstieg - und jetzt sogar beim Bergzeitfahren! - ist es Quatsch. Es versteht auch keiner im Feld, warum unsere Fahrervertreter bei der UCI da zugestimmt haben.


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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen.
Bergrunter ein bißchen wieder Zeit gutmachen. Habs gut rollen lassen. Bis in einer Kurve plötzlich zwei Polizisten wild rumwinken. Da sah ich den vor mir gestarteten Cadamuro schon in der Leitplanke hängen. Der sah nicht gut aus. Da habe ich wieder ein bißchen rausgenommen. Kopf und Kragen wollte ich nicht riskieren. Beim Zeitfahren fährt man die schmalen 19mm-Reifen, mit denen rutscht man ohnehin leicht mal weg bergrunter. Die letzten 5km dann wieder draufgetreten. Das Ergebnis nachher war nicht so berauschend. Zehntletzter. Natürlich unerheblich, aber ein paar mehr hätten schon noch hinter mir sein können.

Man staunt über manche. Petacchi fährt auf Platz 44. Der hätte es doch auch ruhiger angehen lassen können. Aber manche können auch gar nicht langsam fahren. Man staunt noch mehr über die Zeiten der Schnellsten. Auch unser Fötchen war super, auch wenn er gar nicht so voll zufrieden war und wohl mehr wollte. Aber es war nicht sein Kurs mit dem Berg drin und die anderen sind eben auch stark. Er ist noch auf Platz 12 und bester Deutscher. Einen tollen Giro fährt er.

Die Sache mit der Flasche, die Basso angereicht bekam von dem anderen Fahrer war seltsam. Das war garantiert abgesprochen. Ich denke, dass Basso dem am Start gesagt hat, pass auf, nimm die Flasch für mich an und gib' sie mir am Schluss. Man gibt nie und nimmer einem anderen Fahrer einfach so die Trinkflasche rüber... Der bekam auch eine Geldstrafe aufgebrummt. 100 Schweizer Franken.

Für mich war heute früh Feierabend. 60km Transfer ins Hotel. Massage. Dann habe ich ein bißchen in die TV-Übertragung reingeschaut und da ist mir erst der harte Berg morgen so richtig aufgefallen. Dieser Finestre ist ja der Hammer! Lang, steil und am Schluss auch noch 8km Waldweg! Unsere Mechaniker haben 39x27 draufgemacht. Das fährt man auch nicht jeden Tag. Das muss ein schönes Mäuerchen sein. Und kurzfristig haben sie jetzt auch noch Geldprämien am Anfang reingenommen. Dadurch wirds sicherlich gleich vom Start weg schnell. Das wird ein hartes Rennen morgen. Die 15 Prozent Karenzzeit ist mein Ziel. Natürlich wäre es noch schlimmer, wenn man noch 10 Tage Giro vor sich hätte. So hat man schon im Hinterkopf, dass es übermorgen nach Mailand geht. Drückt mir die Daumen, bis morgen!


17.Etappe
Viel Stimmung und überraschend gute Beine

TURIN, 26.05.05. Wider Erwarten habe ich mich richtig gut erholt. Die Halsschmerzen fast weg, kaum noch was zu spüren von der Erkältung. Heute morgen habe ich lange geschlafen. Um halb 10 musste mich der Doc wecken, sonst hätte ich sogar noch das Frühstück verpennt. Ich bin normalerweise gar kein Langschläfer. Aber heute hat es sehr gut getan. Beim Einschreiben schaue ich so über die breite Liste drüber und mir fällt auf, dass von den Einser-Startnummern (1, 11, 21 usw) noch keiner ein X daneben stehen hat. Das sind ja meist die Kapitäne. Bei den ganzen anderen Endziffern stehen schon viele Xe. Das bedeutet Aufgabe. Da ging mir so durch den Kopf: Ich (121) will heute nicht der erste Einser sein, der geht!

Fans fragen Frösi

Karsten aus Kassel: Welcher Fahrer außerhalb deiner Mannschaft ist dir sehr sympathisch?

Frösi: Ich komme sehr gut aus mit Gregory Rast von Phonak. Auch mit dem Urweider. Aber man redet ja mit fast allen im Feld, sofern nicht sprachliche Barrieren da sind. Mit den Australiern quatsche ich öfter auf Englisch. Und natürlich mit den Deutschen. Kessler, Zabel, Werner, usw. Mit T-Mobile haben wir einen guten und ganz unverkrampften Kontakt.

Beate aus Bonn fragt: Bei Etappen wie heute, schont man sich da schon mal, weil man weiß, da kommt eine noch schwerere Bergetappe?

Frösi: Nein, das geht nicht. Vollgas fahren. Überleben oder nicht ist das Motto. Wenn man sich schonen würde, wäre man draußen. An die Etappe morgen denkt man abends. Ich schaue immer nur von Tag zu Tag. Man kann auch nicht vorher planen, weil man gar nicht weiß, wie die Form ist. Kann sein, dass du morgen eine Erkältung hast oder auch dass - wie bei mir heute - die Erkältung plötzlich schnell weg ist.


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Die ersten 5km des Rennens waren heute ruhig. Der Rest nur noch am Anschlag. Und zwei Blaue hingen gleich hinten im Feld wie die Fähnchen im Wind: Marcel Strauss und ich. Meinem Zimmergenossen gings heute gar nicht gut und der liegt jetzt nach dem Rennen gerade tot im Bett. Der regt sich gar nicht mehr. Auch Hoj sagte vorhin, er sei ziemlich fertig. Das hat heute richtig Körner gekostet.

Den Berg der ersten Kategorie sind sie voll reingeblasen und hinten sind gleich viele geplatzt. Vor mir gingen schon 20 Mann fliegen. Ich schaue nach Petacchi, aber ich musste doch vor ihm reißen lassen. Mit einem von Discovery bin ich dann zwischn den 20 hinten und der Petacchi-Gruppe hochgegondelt. Aber ehrlich gesagt: Ich hatte richtig gute Beine, gutes Gefühl. Ich war total überrascht. Aber sonst wäre es heute auch sehr hart geworden.

Nach einer Weile kam ich wieder in die Petacchi-Gruppe rein. Ein 40, 50 Mann großes grupetto. Wir waren alle ein bißchen nervös wegen dem Zeitlimit. Die Karenzzeit war heute 9 Prozent. Ungefähr 30 Minuten. Das hört sich viel an, aber die sind ganz fix weg. Bis ins Ziel wurde nur noch richtig Vollgas gefahren.

Viele Fans waren heute an der Strecke und es war eine Wahnsinns-Atmosphäre. Das hat Spaß gemacht. An dem ganz steilen Berg, dem vorletzten, standen dichtgedrängt die Fans und wir sind schön geschoben worden. Ich glaube ohne das Anschieben wären oben nur noch 30 Mann angekommen. Dann wieder runter und in den letzten Berg rein. Der schlimmste Moment war, als ich aus dem Wald kam und kilometerweit bis nach oben schauen konnte. Eine Kehre nach der anderen! Unendlich. 7km vor Schluss stand eine große TV-Wand. Als wir vorbeikamen konnten wir gerade sehen, wie Basso gewinnt. Schnell Kopfrechnen: 7 mal 4 Minuten macht 25 bis 28 Minuten Rückstand. Also: Kein Problem mit der Karenzzeit

Im Ziel schnell umziehen, Langarmtrikot, Mütze auf den Kopf, dann wieder den Berg runter. Das war ein ziemliches Chaos, weil die Straße verstopft war, die Fans wollten ja auch alle wieder runter. Das nervt, wenn es nicht vorwärts geht, denn ich wollte nur schnell ins Auto. Wir hatten nämlich noch 90km Transfer. Zweieinhalb Stunden Landstraße, Ampeln, Stau. Um 20 Uhr endlich im Hotel. 10-Minuten-Massage. Essen. Und der Tag ist wieder rum.

Morgen das Zeitfahren ist für Fahrer wie mich, die es nicht gewinnen können und keine Ambitionen im Gesamtklassement haben (Ob 139. oder 105. ist ziemlich wurscht) , eine Pflichtveranstaltung. Man versucht einen Erholungstag draus zu machen. Das Zeitlimit ist mit 90 Prozent zu schaffen. Allerdings darf man sich nicht vorstellen, dass man nur La Paloma macht. Bißchen fahren muss man schon. Ich starte um 12:53 Uhr und 30 Sekunden. Italienische Pünktlichkeit! Bis morgen!


16.Etappe
Morgens kamen die Vampire

VARAZZE, 25.05.05. Heute morgen um 7:05 Uhr klopft es an meiner Tür. Unsere Freunde von der UCI waren da und wollten Blut sehen... Nicht so schön, denn eigentlich hätte ich bis 9 Uhr ausschlafen können. Halbverschlafen sind wir runtergetigert. Das läuft so ab, dass in einem Zimmer des Hotels der UCI-Doktor, ein UCI-Kommissar und unser Teamarzt sind und ein Fahrer nach dem anderen kommt dran. Man sagt seinen Namen, zeigt seine Lizenz vor, das Gesundheitsbuch. Dann zapft einem der "UCI-Vampir" zwei Röhrchen Blut ab. Da kommt eine Nummer drauf, A- und B-Probe. Man unterschreibt, bestätigt, dass alles okay ist. Das wars. Lange dauert das nicht.

Fans fragen Frösi

Klaus aus Dornbirn fragt: Im Fernsehen werden immer alle möglichen Daten eingeblendet, allerdings wird nie angegeben, wie hoch die Endgeschwindigkeit beim Zielsprint ist. Mit welchem Speed rauscht ihr durchs Ziel?

Frösi: Auf den letzten 250 Metern fährt man zwischen 65 und 70 km/h, Bei einer Sprintetappe vor ein paar Tagen hat unser Sportdirektor mal gestoppt: Da fuhren wir die letzten 15km in 14 Minuten.

Eckhard aus Köln fragt: Wieviel Teams fahren nun schon Drahtreifen?

Frösi: Die meisten ProTour-Teams fahren Schlauchreifen. Gerolsteiner auch, Schlauchreifen von Schwalbe. Mir persönlich sind Schlauchreifen auch aus Sicherheitsgründen lieber. Bei einem Platten bergrunter, kann man mit Schlauchreifen das aussteuern. Mit Drahtreifen ist da ein Sturz vorprogrammiert.

Rainer fragt: Wir fahren dieses Jahr zur Tour, um die deutschen Teams und Fahrer zu unterstützen. Was nehmt ihr denn eigentlich so wahr? Wie supportet man optimal?

Frösi: Ich finds immer schön, wenn ein bißchen Stimmung und Party gemacht wird. Manchmal stehen deutsche Fans da so steif rum, da fragt man sich, was ist denn mit denen los? Heute rief einer am Berg meinen Namen. Das freut einen immer! Oder den Namen auf der Straße zu lesen, das ist sehr schön, das motiviert und das sieht man auch eigentlich immer. Als Sprinter freut man sich am Berg natürlich auch über einen kleinen Anschubser... Oder über was zu trinken, wenn es heiß ist. Man nimmt als Fahrer aber immer nur geschlossene Flaschen oder Dosen. Nicht, dass da ein Bösewicht irgendwas reinreicht.


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Im Zimmer zurück schalte ich den Fernseher ein, weil ich denke, ich kann nicht wieder einschlafen. Doch dann bin ich doch eingenickt und hätte beinahe das Frühstück verschlafen, wenn mich unser Doc nicht geweckt hätte. Vorm Fernseher schlafe ich sonst nie ein. Das zeigt halt, dass der Körper nach fast drei Wochen Rennen doch ziemlich geschlaucht ist. Vor dem Start des Rennens bekamen wir ein Zettelchen, auf dem drauf stand, dass alle getesteten Fahrer (von uns und Discovery) okay waren und starten durften. Na, dann los!

Das Rennen begann zunächst ruhig, nach 15km aber ging die Springerei wieder los. Fassa wollte auf Biegen und Brechen jede Flucht verhindern. 10 Mann weg, Fassa ist brutal wieder zugefahren. 10 Mann vorne, vier von Fassa haben sie wieder zurückgeholt. Tempo 60 im Feld. Als die wieder geholt wurden, ging die nächste Gruppe. 22 Mann. Wieder hat Fassa sie alleine geholt. Bei etwa KM 100 der dritte Versuch. Diesmal war Fassa platt. Die Gruppe ging und für uns war das Rennen damit gegessen.

Bis zu dem Berg sind wir rumgedümpelt. Locker gerollt, bißchen quatschen mit den Kollegen. Es wurde ziemlich heiß und nachdem es mir erst gut gegangen war, hatte ich kein gutes Gefühl mehr. Der Berg war mit 700 Höhenmetern auf 16km eigentlich nichts ernstes. Aber Discovery ist vorne ein bißchen mit Druck gefahren und bei einigen von uns ist der Motor geplatzt. Eigentlich ein Lulli-Berg, aber mit Hitze, Erkältung und zwei Wochen Rennen in den Beinen ist das was ganz anders. Nun ja, ich habe mich aber im Feld drübergerettet. Allerdings: Wenn wir den im Finale am Anschlag gefahren wären? Hasta la vista, Baby. Da brauchte ich mich wenigstens nicht zu ärgern, dass eine Gruppe gegangen ist.

Ich unterhielt mich heute lange mit Gregory Rast von Phonak, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Er erzählt noch so ganz stolz: Wir haben zwei Mann vorne. Und wenig später rollen wir den Berg runter, da steht einer in Phonak-Klamotten an der Straße wie son Muttersöhnchen. Dachten erst, ist ein Fan. Aber es war der Perez, der vorne in der Gruppe war. Der hatte einen Defekt und stand da in einer Kurve und keiner hat ihn gesehen und angehalten. 20 Minuten stand er da! Die ganze Flucht für die Katz! Nachher kam er schwitzend von hinten wieder ins Feld reingerollt. Na, der war sauer...

Morgen mal wieder eine Bergetappe, bei der es für mich nur ums Überleben geht. Ich habe mich heute mal so umgehört. Viele im Feld sind angeschlagen, haben Kratzen im Hals oder leichte Erkältungen. Ich hoffe mal, dass wir morgen bis zum ersten schweren Berg kommen und sich dann ein anständiges grupetto bildet. Es wird kein Zuckerschlecken morgen, aber ich bin motiviert, ich will nach Mailand! Ich werde alles geben. Und wenn das nicht reicht, kann man nichts machen. Mehr geht ja nicht. Drückt mir die Daumen, bis morgen!


Zweiter Ruhetag
Viel Ruhe - und ein Schreck auf der Schnellstraße

LISSONE, 24.05.05. Dieser Ruhetag war für mich wohl die Rettung. Meine Erkältung ist natürlich noch da, die geht nicht über Nacht weg. Ich habs noch in der Nase, im Hals. Aber mir geht es doch erheblich besser als gestern. Und ich habe Gott sei Dank kein Fieber. Sonst würde ich auch nicht weitermachen. Unseren langen Lötzsch hat es mal richtig hingelegt, weil er mit Grippe radgefahren ist. Da hat Du es nachher am Herzen oder was weiß ich noch wo. Die Gesundheit geht vor. Ich habe gestern daher schon so halb mit meinem Ausstieg gerechnet. Wenn ich nicht zu Kräften komme, wäre ich heimgefahren. Aber ich habe gut und lang geschlafen, das war schon mal sehr erholsam. Gut gefrühstückt und mit Appetit, nachdem ich gestern abend nichts essen mochte. Da sah das Leben wieder ein bißchen besser aus.

Fans fragen Frösi

Patrik fragt: Neulich hast Du geschrieben, dass Du Deine Herzfrequenzanzeige zuklebst. Wie sieht es mit der Trittfrequenz aus? Spielt die in einem solchen Rennen eine Rolle, oder nur im Training?

Frösi: Auf die Trittfrequenz achte ich normalerweise schon, zumal ich dazu neige, am Berg zu dick zu fahren. Da sagen andere schon mal: Hey, schalt doch mal! Wenns richtig zur Sache geht und man total kaputt ist, man nur noch rumhackt, dann guckt man allerdings auch nicht mehr nach der Frequenz, obwohl es besser wäre.

Thomas aus Wien möchte wissen: Hallo Frösi! Mir ist aufgefallen, dass sich in den letzten Jahren die "Mode" der Radprofis stark verändert hat. Bunte Hosen und einige Fahrer tragen sogar Socken, die fast bis zu den Knien reichen. Was hältst du davon?

Frösi: Die bunten Hosen finde ich schöner. Schöner, wenn das Gesamtbild - Trikot, Hose, Rennrad - zusammenpasst. Bei den deutschen Teams wird da extrem viel Wert drauf gelegt, das hat auch mit der Vermarktung zu tun. Einige italienische Teams, die ihre Trikots so mit Sponsoren zupflastern, das finde ich nicht besonders ästhetisch. Kniesocken? Ja, manche Kollegen schneiden die Socken auf und ziehen dann ganz weit hoch. Der Sinn und Zweck des ganzen ist mir auch nicht klar.


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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen.
Nach dem Frühstück haben sich die Wege der Mannschaft ziemlich getrennt. Heute war CPA-Sitzung in Mailand, dort ist von uns Monty hin und Paco Wrolich ist deshalb extra angereist. Markus (Fothen) hat viele Interviews gegeben. So kam es, dass wir zu dritt zum Training rausfuhren. Strauss, Krauss und ich. Wir sind eine Stunde rausgefahren, dann haben wir uns ein schönes Cafe gesucht und erst mal abgehangen. Bei Kaffee bzw. ich bei meinem Tee haben wir uns gemütlich in aller Ruhe unterhalten können. Das tat mal richtig gut, sowas ist auch mal wichtig fürs Zwischenmenschliche im Team. Nachher geht Strauss zum Zahlen, da kommt er wieder: "Jungs, Ihr müsst unterschreiben, die wollen kein Geld, sondern nur Autogramme..." Cool.

Zurück haben wir uns für den kurzen Weg entschieden. Nach anderthalb Stunden Sitzen wird man träge. Nach ein paar Kilometer mussten wir auf eine Art Schnellstrasse wechseln. Wir fuhren zu dritt- ausnahmsweise sogar hintereinander, wie sichs gehört. Langsam gemütlich dahingerollert. Hinter uns näherte sich ein Hobbyfahrer. Plötzlich ein Knall. Das hat sich gar nicht gut angehört, Auto auf Rad. Strauss und ich sind zusammengezuckt, wir haben das Schlimmste befürchtet. Wie sich herausstellte, ist ein Lieferwagen auf den Hobbyfahrer geknallt und der dann auf Sven Krauss. Sven nicht zu sehen - nach 10 Sekunden kommt er ganz munter aus dem Graben geklettert. Er hat wahnsinnig Glück gehabt. Ihm ist gar nichts passiert und hat das auch noch ganz locker genommen. Der Hobbbyfahrer hat ein paar Schürfwunden. Das hätte schlimmer ausgehen können.

Nach den Aufregungen habe ich den Rest des Tages damit zugebracht, mich auszuruhen und die Erkältung zu überlisten. Schläfchen, Inhalatation, eingeschmiert, was man so machen kann. Die Zeit ist so schnell rumgegangen. Ich wollte noch meinen Koffer mal aufräumen, dort herrscht Chaos nach drei Wochen. Nicht dazu gekommen. Abends saßen wir mit der Mannschaft noch ein bißchen draußen am Camper. Die Betreuer haben noch ein Glas Wein getrunken. Alles in allem unspektakulärer Ruhetag.

Die Etappe morgen. 20km vor Schluss steht ein 13km langer Berg im Profil. Der soll nicht so schwer sein, sagen sie. Aber 13km sind 13km. Wenn die da hochbolzen, wirds hart mit einem Sprintfinale. Vielleicht geht auch eine Gruppe - oder hält Fassa wieder alles zusammen? Tja, ich bin ja eigentlich erst mal froh, dass ich überhaupt noch da bin. Nichtsdestotrotz: Wenns zum Sprint kommt, wollen wir natürlich reinhalten, ist doch klar. Drückt mir die Daumen, bis morgen!


15.Etappe
"Ich war tierisch sauer"

LISSONE, 23.05.05. Kein guter Tag heute. Vorhin im Rennen habe ich gar nichts gemerkt von meiner Erkältung, da ist man zu angespannt und konzentriert. Aber nach dem Rennen hats mich dafür um so mehr erwischt. Schüttelfrost, mir ist es mal heiß, mal kalt. Und essen konnte ich auch nichts. Gar kein gutes Zeichen. Wenn morgen nicht Ruhetag wäre...

Heute nacht habe ich ganz gut geschlafen. Ich wache auf und das erste was ich höre ist das Zischen von Autos, die über die nasse Strasse fahren. Regen. In 2000 Metern Höhe 5 Grad. Am Start sagte uns unser Sportlicher Leiter Christian Henn, dass der erste Pass gestrichen wurde wegen des schlechten Wetters. Eine gute Nachricht. Das Rennen begann zunächst ruhig. Bis der von Rabobank wegfuhr. Ab da war dann immer Zug drin.

Am Intergiro spielten sich merkwürdige Dinge ab. Petacchi und Bettini haben sich abgesprochen. Normalerweise hält sich Fassa Bortolo beim Intergiro raus, sie haben niemanden mit Ambitionen in der Wertung. 1000 Meter vor dem Intergiro will ich für Krauss den Sprint anfahren, da kommt plötzlich Petacchi angerauscht. Warum fährt der für Bettini? Italienische Allianz? Kommt mir nicht koscher vor. Die Anfahrt war etwas kurvig, Ich an Petacchis Hinterrad. In einer Kurve will er nichts riskieren und lässt sich zu weit nach außen tragen. Ich dahinter und schon waren innen 5 Mann durch. Sven hat das Blaue Trikot leider verloren an Bettini. Wobei ich glaube, dass Bettini das nicht für sich holt, sondern es als Dankeschön Zanini überlassen will. Der ist Dritter hinter Krauss. Und Bettini guckt immer verdächtig viel nach Zanini beim Intergiro.

Es blieb weiterhin schnell. Zwei von Fassa fuhren auf Zug Ich hatte die ganze Zeit ein komisches Gefühl. Ich bin angeknockt und wenn man ständig im Hinterkopf denkt, hoffentlich ist es bald vorbei, ist das keine gute Ausgangslage für den Sprint. Ich habe mich auf den letzten 25km nochmal zusammengerissen. Moletta fuhr mich in Position. Dann diese dämliche Zielrunde mit Kurven und glatten Gullydeckeln. 1000 Meter vor Schluss lag ich noch gut. Dann habe ich mich etwas einbauen lassen. Ich rufe was zu Krauss, doch der versteht mich falsch. Am Ende sprinte ich von fünfter Position aus auf Platz 8. Ich war tierisch sauer.

Man quält sich und quält sich und dann wieder nur Platz 8. Klar, das ist auch nicht so schlecht, aber wenn man das Gefühl hat, wenn man weiß, es geht besser! Die Abstimmung stimmt bei uns in der Sprint-Vorbereitung nicht, das muss man klar sagen. Tommy Ziegler und Volker fehlen mir. Das ist sehr ärgerlich, wenn am Ende alle noch vorbeikommen, Korff heute mit Zabel, Zanini und Bettini. Und ich hänge da. Ich war so stinkig, dass ich Sven Krauss angeblafft habe und ihm die Schuld gegeben habe. Das war natürlich total unfair und ich habe mich nachher auch entschuldigt. In den ersten 5 Minuten gehen die Gefühle hoch.

Im Hotel kam dann bei mir die Erkältung mit einem Schlag voll durch. Heute 150km im Regen bei kühlen Temperaturen und nach den Bergen ist der Körper sowieso sehr anfällig. Schüttelfrost, Kratzen im Hals. Nichts gegessen. Abends liege ich unmotiviert auf dem Bett im Einzelzimmer. Damit sich nicht mein Zimmerkollege Marcel Strauss noch bei mir ansteckt, haben wir getauscht und ich habe das Einzelzimmer. Morgen Ruhetag. Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.


14.Etappe
Deal mit dem lieben Gott am Stilfser Joch

LIVIGNO, 22.05.05. Wieder so ein Schweineetappe. 5600 Höhenmeter. Siebeneinhalb Stunden Schinderei. Ein Berg weniger und das Rennen wäre sicherlich genauso ausgegangen. Naja. Sprintergedanken in den Dolomiten. Ich war nach dem Rennen fertig.

Heute morgen um 7:30 Uhr Aufstehen. Mir gings nicht so gut, ich habe nicht gut geschlafen, ständig aufgewacht. Heute morgen hatte ich so ein Kratzen im Hals. Nicht gut. Bei Volker (Ordowski) fing es auch so an, dann bekam er Fieber und musste heute aussteigen. Das bereitet mir ein bißchen Sorge jetzt. Zum Start mussten wir noch 50km anreisen, dann gings auch schon gleich los. Das war ein bißchen stressig schon vor dem ersten Kilometer.

Die ersten 20, 30km waren erst mal ruhig. Aber wie immer gingen die Attacken vorne los am ersten Berg. 30, 40 Mann, vielleicht auch noch ein bißchen mehr, sind abgefallen. Unsere altbekannten Freunde sind natürlich gleich wieder Klinke gefahren. Das ärgert uns alle im Team mächtig: Fast alle von uns haben heute Strafen bekommen fürs Festhalten am Auto. Aber mal ein bißchen Abziehen am Auto ist eine Sache. Was einige veranstalten, eine andere: Da lassen sich manche 5km am Berg am Stück ziehen. Das hört der Spaß irgendwo auf. Wozu quälen wir andere uns so blöd?

Bis KM 50 waren wir alle wieder vorne im Feld zurück. Discovery hat mächtig Tempo gemacht und das Feld war wie an der Schnur gezogen. Alle hingen wir hinten wie die Fähnchen im Wind. Am Stilfser Joch hat es mich wieder abgekuppelt. Ich fuhr meinen Rhythmus, kam dann aber schnell wieder in die Petacchi-Gruppe herein. Petacchi ist ein Supersprinter, vor dessen Leistungen ich großen Respekt habe. Aber im grupetto ist er keine Führungsfigur wie es Cipollini früher war. "Jungs, wir sind in den Bergen keine Gegner. Wir beenden das Rennen zusammen möglichst kräftesparend", war Cipos Devise. Petacchi schaut ständig, ob er nicht vielleicht einen Sprinter abschütteln kann. Als ob er solche Spielchen nötig hätte!

Stilfser Joch, 25 km Anstieg, 2758 Meter hoch. An jeder Kehre fragt man sich: Warum tust Du Dir diese Quälerei eigentlich an? Ich habe dann irgendwann einen kleinen Deal mit dem lieben Gott gemacht: Ich fahre brav zu Ende, dafür hält er vielleicht mal sein Händchen über mich bei den nächsten Sprintetappen... Unterwegs muss man aufpassen, dass man genug isst, genug trinkt. Bloß kein Hungerast! Ich trank 5 Cola, 10 Energie-Gels. Einen Riegel bekomme ich gar nicht mehr runter. Dann waren wir irgendwann endlich oben. Auf der Passhöhe haben wir kurz angehalten. Unsere Helfer hatten heißen Tee für uns. Umziehen. dann in die rasende Abfahrt, aber wir habens heute relativ gemütlich angehen lassen. Und die restlichen Kilometer auch noch überstanden.

Unser Fötchen war heute der Mann. Auch Krauss war wahnsinnig stark. Fothen ist so konstant, er zeigte keine Schwächen und er hat auch keine Angst vor den restlichen Etappen. Er ist auch im Kopf ganz super. Ich bin überzeugt, er kommt am Ende unter die ersten Zehn. Sella und auch Cioni kann er im Zeitfahren kassieren. Vor den Etappen sage ich Markus immer: Heute kriegst Du noch den und den. Er lacht: "Du spinnst, Frösi!" Ein erstaunliches Giro-Debüt fährt der Junge. Schade ist es, dass wir mit Ziegler und heute Volker (Ordowski) zwei wichtige Leute verloren haben. Die haben mir auch im Sprint super geholfen.

Morgen wirds wohl wieder eine Sprintetappe geben, denke ich, auch wenn ich mir das Profil noch nicht angeschaut habe. Petacchi wills sicher wieder wissen. Mal schauen, wie meine Beine sind morgen und wie sich das mit der Erkältung entwickelt. Ich will natürlich versuchen, mit reinzuhalten. Viele Sprinter sind ja schon weg. Das Ziel heißt weiter, mal eine Etappe abzuschießen. Drückt mir die Daumen! Bis morgen.


13.Etappe
"... und man könnte es so gut haben"

EGNA, 21.05.05. Das war eine richtige Schweineetappe. 5400 Höhenmeter. Nach dem Rennen war ich fertig. Das war die härteste Etappe, die ich je gefahren bin. Und morgen geht die Kletterei weiter. Regenerierung ist jetzt das wichtigste. Nach dem Rennen viel Trinken, Essen, obwohl man gar keinen Appetit hat. Massage. Aber das allerwichtigste, um sich einigermaßen zu erholen, ist viel und guter Schlaf.

Wir hatten alle einen mächtigen Respekt vor der Etappe. Man hofft natürlich, dass sie es an den ersten beiden Bergen vielleicht mal ruhiger angehen lassen. Aber bei KM 0 ging das Rennen schon richtig los. In den ersten Berg sind wir mit Anschlag rein. Nach 3, 4km fliegen hinten schon die ersten. 20 einzelne Versprengte. Ich war auch dabei. Ich bin dann erst einmal meinen Rhythmus gefahren. Oben am Berg fand sich eine kleine Gruppe - natürlich ohne Petacchi. Wenn der Chef des grupetto nicht in Deiner Gruppe ist, ist das ganz schlecht.

Fans fragen Frösi

Hans-Christoph aus Lausanne fragt: Nerven denn nicht die Abgase der ganzen Motorräder und Autos, besonders am Berg, oder bekommt man das nicht mit ?

Frösi: Das bekommt man kaum mit, kann aber auch sein, dass man die schon so gewohnt ist, dass man es gar nicht mehr merkt. Was man öfter riecht, ist die Kupplung. Die stehen ja ständig auf der Kupplung, wenn sie sich verbremsen. Was schon nervt, ist das Überholen. In einer abgehängten Gruppe kommt dauernd einer vorbei.

Jenny aus Bochum fragt: Ist es nicht möglich die Funk-Frequenzen der anderen Teams abzuhören? Wird das kontrolliert oder werden über Funk keine Taktiken abgesprochen?

Frösi: Das ist technisch kein Problem mit einem Funkscanner. Ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch mal versucht wird, beim Gegner reinzuhören, wenn es bei der Tour de France um die Wurst geht. Kontrollieren könnte man das ja gar nicht. Allerdings werden die wirklich wichtigen Sachen gar nicht per Funk, sondern am Auto besprochen. Und die Taktik wird vorher abgeklärt. Über Funk kommen Sachen wie Zeitabstände etc.


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In der Abfahrt sind wir Anschlag gefahren. Kurz vor dem nächsten Berg haben wir das Feld wieder gesehen. Den Anstieg kam ich dann ganz ordentlich hoch. Am dritten Berg hieß es dann nur noch Ausschau halten: Wo ist Petacchi?? Der hat dann auch endlich gehen lassen und es fand sich schließlich ein grupetto, das den Namen auch verdient. Jetzt heisst es: Dranbleiben und mit der Gruppe ins Ziel fahren. Wenn Du da reißen lassen und es allein versuchen musst, hast Du ein Problem. Irgendwann ist einfach auch mal die Moral weg. Ein Berg nach dem anderen. Du schaust auf den Höhenmeter: Von 2000 auf 900 und Du weisst, da kommt gleich wieder ein Zweitausender. Da hat der Spaß seine Grenzen.

Da denkt man unterwegs auch mal: Warum tust Du Dir das eigentlich an? Du kannst es doch so gut haben. Fahr rechts ran, stell Dein Rad aufs Auto. Auf Wiedersehen und du fährst gemütlich im Auto weiter. Aber man macht es natürlich doch nicht und quält sich weiter. Da gibt es Spezialisten, die hängen Dreiviertel des Bergs an der Klinke (des Teamautos) und kommen danach oben am Berg munter pfeifend an Dir vorbei und tun so, als wär nix gewesen. Bißchen Klinke, mal einen Tritt auslassen, das ist okay, das macht jeder Mal, wenn der Kommissar nicht hinguckt. Aber manche übertreiben es. Mit Fairness hat das nichts zu tun.

Im grupetto hat Petacchi immer ein bißchen mehr draufgetreten, als wir wegen der Karenzzeit gemusst hätten. Ich habe am Ende nur noch gebetet, dass ich jetzt nicht noch einen Hungerast bekomme. Wenn der Zuckerspiegel runtergeht, kommst du keinen Meter mehr weiter. Ich habe 5 Cola getrunken, Gels genommen. Endlich dann das Ziel. Trotz all der Schinderei gibts auch immer mal was zu lachen. Olaf Pollack wurde heute ständig angefeuert mit "Zabel, Zabel!"-Rufen. Nach dem 20. oder 30.Mal wurde der sowas von sauer. "Haltet doch mal die Schnauze", brüllt er...

Das war ein Tag. Viele Sprinter sind gar nicht erst gestartet. McEwen, O'Grady, Cooke, Kirsipuu... Die wussten schon, warum sie gehen. An Sprints denke ich aber jetzt überhaupt nicht. Erst mal auf Biegen und Brechen über die Berge. Danach sieht man weiter. Drückt mir die Daumen, dass ich morgen auch noch dabei bin!


12.Etappe
"Wie in Zeitlupe..."

EGNA, 20.05.05. Heute bin ich Vierter geworden. Damit bin ich schon ganz zufrieden, auch wenn man natürlich als Sprinter eigentlich nie zufrieden ist, es sei denn man ist Erster. Aber beim Giro war ich jetzt in vier Sprints vier Mal unter den ersten Acht. Und wenn ich sehe, wer heute alles hinter mir war, dann muss ich schon sagen: Das passt.

Vor dem Start hatten wir erst mal eine 50km-Anreise aus dem Bergdorf, in dem wir untergebracht waren. Wir hatten heute alle Bammel, dass es am ersten Berg schon richtig los geht mit Attacken. Aber als es dann hochging, haben sich Petacchi und seine Fassa-Truppe, McEwen, Bettini vors Feld gesetzt und zugemacht. Das saß und es fuhr keiner weg. Das Feld ist geschlossen den Berg hoch. Wenn sie da Radrennen gefahren wären, au weia. Der Anstieg hat sich richtig in den Himmel geschraubt. 15 Prozent teilweise. Da oben hätte man leicht 10 Minuten Rückstand haben können und wer weiß, ob man da noch mal Land gesehen hätte.

Fans fragen Frösi

Andreas fragt: Jetzt wo Cipollini nicht mehr dabei ist, wer ist da der Chef im Grupetto?

Frösi: Alle schauen nach Petacchi. Das Problem ist aber, dass sich Petacchi lang wehrt. Cipo war immer einer der ersten, der fliegen gegangen ist. Da galt die Weisheit: Wenn Du bei Cipo bist, hast Du keine Probleme mit dem Zeitlimit. Das ist schwerer geworden in den letzten zwei Jahren.

Michael fragt: Wie stehst Du dazu, dass McEwen vor den Bergen aussteigt?

Frösi: Da habe ich volles Verständnis dafür. Wir sind Profis und jeder muss so fahren, dass es für ihn das richtige ist. McEwen hat die Tour de France im Blick und darauf bereitet er sich vor. Hier hat er schon drei Etappen gewonnen, was will er noch erreichen?


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Die ersten 100km ging es mir hundeelend. Alles hat noch weh getan von gestern. Aber auf den letzten 50km gings mir dann wieder ganz gut. Man fährt sich die Beine frei. Meine Mannschaft ist heute super für mich gefahren, hat mich aus dem Wind genommen. Ziegler, Sträusschen, alle. Volker (Ordowski) war heute sehr stark. Hoj fuhr am Ende für mich. Das war absolut super. 1500 Meter vor Schluss war ich ein bißchen hinten eingebaut. Da kommt Sven Krauss links an mir vorbeigeschossen. Ich an sein Hinterrad. Der hatte einen Zug drauf, ein Wahnsinn. An der ganzen Staffel ist er vorbeigezogen. Bei 1000 Meter war ich schon an 12., 13.Position. Bei 800 neben Fassa. Bei 400 geht Krauss raus. Ich denke, das gibts nicht! 200 Meter zu früh!

Wie in Zeitlupe sah ich, wie er rausgeht. Da half natürlich nichts und ich musste antreten. Ich sehe Petacchi aus dem Augenwinkel neben mir. Der hat sich noch ausgeruht. 200 Meter vor Schluss eröffnet er. Da hatte ich schon mein Pulver verschossen. Die letzten 150 Meter waren nur noch ein Rumgehacke und Gestehe auf dem Pedal. mir ging die Kraft aus. Ich denke nur noch: Hoffentlich gehen nicht mehr zuviele an mir vorbei. Dass es doch noch Platz 4 wurde, hat mich überrascht.

Natürlich mache ich Sven Krauss keinen Vorwurf. Sven meinte nachher, es täte ihm Leid, dass er zu früh rausgegangen ist. Aber er ist ja super gefahren und das geht alles so schnell, da kann man nicht groß nachdenken. Wir haben bei dem Anfahren halt noch nicht so die Routine. Was wäre gewesen, wenn... - spekulieren mag ich nicht. Aber ich warte auf den Moment, wenn in der Anfahrt mal alles zusammenpasst.

Nach dem Rennen hatten wir wieder eine lange Reise ins Hotel. 60km Transfer. Ein schönes Hotel, herrliche Bergkulisse in Südtirol und endlich wieder richtige Daunenbetten. Den Sprint ums beste Bett habe ich heute gewonnen gegen meinen Zimmerkollegen Marcel Strauss. Die meisten machen das brüderlich, mal hat der den Vortritt, dann der andere. Wir haben von Beginn an ausgemacht: Der Erste gewinnt. So ist das, wenn man mit Sprintern das Zimmer teilt... Das Abendessen hat sich wieder ewig hingezogen. Die geben sich große Mühe. Aber für uns ist während des Rennens Essen nur Nahrungsaufnahme. Möglichst schnell und dann wieder ausruhen. Eine halbe Stunde zwischen den Gängen am Tisch sitzen ist da die Hölle.

Morgen wirds hammerhart. 220km mit 5000 Höhenmetern! Soviele bin ich noch nie gefahren im Rennen. Man fragt sich, wozu machen sie solche Etappen? Wetten, der gleiche gewinnt auch, wenn ein Berg weniger drin ist? Naja, so denkt man halt als Sprinter. Die Kletterer denken wohl anders. Glücklicherweise haben sie die Karenzzeit erhöht auf 15 Prozent. Die sollte eigentlich gestaffelt nach Durchschnittsgeschwindigkeit bei 8, 9 oder 10 % liegen. Man wird morgen sehen, dass das vielen den Giro gerettet hat. Für mich kommt es darauf an, so lange wie möglich im Feld zu bleiben, das Radrennen fährt. So spät wie möglich ins grupetto. Wenn man am ersten Berg nach 35km schon reißen lassen muss, wirds lustig... Mächtig Respekt habe ich vor den Bergen. Aber keine Angst. Wenn man alles gibt und es reicht nicht, hat man sich nichts vorzuwerfen. Drückt mir die Daumen! Bis morgen.


11.Etappe
Dramen im grupetto

ZOLDO ALTO, 19.05.05. Das war ein heftiger Tag. Am Start waren alle nervös.Alle waren unruhig: Wie wird die Etappe werden? Die Karenzzeit betrug 15 Prozent, egal wie schnell die Etappe wird. Das ist schon mal gut. Manchmal staffeln sie die Karenzzeit je nach gefahrener Durchschnittsgeschwindigkeit und dann wirds manchmal eng, wenn da vorne einer zu wild lostritt. Wir haben uns so im Team unterhalten: Den ersten Berg werden sie human fahren, dann den zweiten und dritten Berg Anschlag. Tja, man soll halt nicht soviel denken.

Fans fragen Frösi

Michael aus Berlin fragt: Gibt es eigentlich typisches Verhalten der einzelnen Nationalitäten im Peloton?

Frösi: Was mir so spontan einfällt: Die Aussies bilden immer eine Clique und quatschen viel. Da ist immer Bambule bei denen. Die Basken von Euskaltel können den Berg gut rauffahren, aber nicht runter. Und die Italiener haben immer ein großes Maul. Die brüllen gleich los, bei jeder Kleinigkeit und ziehen ihre Show ab. Natürlich gibts auch Italiener, die sehr nett und zurückhaltend sind. Bettini etwa.

Jan aus Bochum fragt: Hallo Frösi, könntest du dir eigentlich vorstellen, dass du dich einmal vom Sprinter zum Allrounder entwickelst wie Laurent Jalabert?

Frösi: Nee. Man muss zwar immer versuchen, besser über die Berge zu kommen, aber für mich gibt es da schon körperliche Grenzen. Mit meiner Statur werde ich sicher kein Bergfloh mehr... Wenn man sein Training zu sehr auf Berge umstellt besteht auch die Gefahr, dass das auf Kosten der Endschnelligkeit geht. Und dann ist man am Ende immer noch ein lausiger Bergfahrer und ein schlechterer Sprinter.


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Den ersten Berg nach 70km sind sie voll reingeblasen und es ist sofort alles auseinandergeflogen hinten. Ich habe gleich gemerkt, dass ich ein richtiges Problem habe. Ich habe als einer der ersten reißen lassen müssen. In einer acht Mann-Gruppe, in der auch McEwen und der Spanier Galvez dabei war, dann den Berg hoch. Ich habe ein bißchen den Motor überdreht und musste auch die gehen lassen. Jetzt wurde es richtig lustig. Die letzten 5km an dem Berg bin ich allein hinterhergestiefelt. Die Italiener riefen "Vai, vai, vai...!" Das ist lieb gemeint, aber wenn man am Limit fährt, hilft Anfeuern auch nicht mehr. Irgendwie habe ich mich wieder ans grupetto rangequält. Das war eine Aktion... Ich ärgere mich noch immer. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen, dass ich als einer der ersten reißen lasse.

Am drittletzten Berg bildete sich dann endlich ein großes Grupetto mit 80, 85 Mann. Alle Sprinter dabei, Petacchi, McEwen, Cooke, O'Grady. Nur Zabel fährt lieber schneller. Der hats drauf, aber man fragt sich, warum er nicht lieber wie die anderen seine Kräfte spart. Zu meiner Verwunderung waren außer mir noch ziemlich viele andere hellblaue Trikots hinten... Im grupetto gings dann relativ "gemütlich". Der Rest des Tages war für mich dann okay. Gleichmäßig gings die Berge hoch, nicht zu schnell, halt nur so schnell, dass es kein Problem mit dem Zeitlimit gibt. Im grupetto spielen sich aber auch immer Dramen ab. Für den einen ist es machbar, andere quälen sich. 80 Mann im "Omnibus" hinten sind beruhigend. Je mehr, desto besser. An den Bergen war mächtig Stimmung. Viele Fans. Meine Kumpels aus Leipzig waren da und haben Party gemacht. Schön, wenn man neben den ganzen "Cunego" und Basso" auch seinen eigenen Namen auf der Straße liest! Und wenn man dann nicht am Limit fährt, kann man das auch aufnehmen und die Fans motivieren einen.

Die Etappe war ganz schön hart für dicke Sprinter wie mich: 3500 Höhenmeter! Von unserem Team waren praktisch acht Mann hinten. Leider auch Monty (Sven Montgomery), unser Mann fürs Gesamtklassement. Sven war ein bißchen krank und wennn du nicht 100 Prozent fit bist, kannst du nicht bei so einer Etappe vorne mitfahren. Phonak haben Valjavec im Klassement verloren. Bei uns hat es Fötchen (Markus Fothen) herausgerissen: Der Junge ist immer noch unter den ersten Zehn. Respekt!

Von der Ziellinie konnten wir gleich weiter rollen ins 3km entfernte Hotel. Schönes Haus, leider gabs kein warmes Wasser zum Duschen und dabei habe ich eh schon gefroren im Ziel. Mein Zimmerkollege Marcel Strauss hat kalt geduscht und hat mich solange als Memme beschimpft, bis ich auch irgendwann eiskalt geduscht habe. Dann nur noch in die Wolldecke und warmen Tee trinken. Ich bin ziemlich platt. Ich hoffe, ich erhole mich heute Nacht ein bißchen.

Morgen eine merkwürdige Etappe. 1000 Höhenmeter bis KM 30. Dann gehts fast nur runter. Am Ende eine leicht ansteigende Zielgerade. Ich hoffe, die spielen am ersten Berg nicht wieder gleich Räuber und Gendarme. Die Klassementfahrer werden sicher erst mal Ruhe geben, aber Attackierer wollen es vielleicht probieren. Wenn man oben am Berg hinter der Petacchi-Gruppe liegt, kommt man sicherlich nicht mehr ran. Am Ende denke ich, gibt es eine Sprintankunft. Könnte was sein für Zabel, Petacchi, McEwen. Naja, und wenn ich am Ende noch da bin, halte ich natürlich auch mit rein. Drückt mir die Daumen!


10.Etappe
Kein gutes Bein

ROSSANO VENETO, 18.05.05. Heute wurde es der siebte Platz im Sprint. Naja, zufrieden bin ich natürlich nicht damit. Ich hatte keine schlechte Position, aber einfach kein gutes Bein. Mehr ging halt am Ende nicht, als die vorne am Limit fuhren. Nach dem Ruhetag ist es sowieso immer heikel für mich. Hinzu kam der Rhythmuswechsel: Am Anfang war es heute total langsam. 150km lang Pillepalle-Tempo und am Ende dann plötzlich Vollgas. Sowas liegt mir gar nicht. Eine weitere vertane Chance. Aber ich versuche das positive zu sehen. Meine Jungs haben heute sehr ordentlich gearbeitet und wir haben doch ganz gut ausgesehen im Fernsehen. Und wenn ich mit den Beinen Siebter werde, ist das auch wiederum ein gutes Zeichen. Wenn der Knoten mal platzt, dann passt es...

Fans fragen Frösi

Sascha aus Göttingen fragt: Was essen und trinken Radprofis wie du eigentlich so bei einem Rennen?

Frösi: Bei so einer langsamen Etappe wie heute isst man mehr als normal. Man fährt im so genannten Fett-Stoffwechsel. Ich habe heute relativ viel gegessen. Vier oder fünf "Silberlinge", kleine Brötchen mit Pudding drin (in Alu gewickelt, daher der Name). 4 Energieriegel und noch ein paar Energie-Gels. Getrunken habe ich heute 8 Flaschen, 4 mal Mineral, vier Wasser. Bei extremen schweren Hitzeetappen trinkt man bis zu 15 Flaschen. Morgen bei der kurzen Etappe nimmt man weniger zu sich. Da braucht man dann mehr schnell verfügbare Energiegels.


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McEwen ist der derzeit schnellste Sprinter beim Giro. Ich habe mich heute im Laufe der Etappe auch mit ihm ein bißchen unterhalten. McEwen fährt im Sprint knallhart. Aber sonst ist er wie fast alle Aussies ein sehr lockerer Typ. Er meinte, er fühle sich sehr stark. Das konnte man dann ja auch sehen. Schon in Niedersachsen sah man, dass seine Form kommt. Er hat ein gutes Auge und ist schnell. Sogar gegen den Fassa-Express kann er bestehen. Ich denke, wir werden aber nicht mehr viele Sprints mit Robbie haben. Er wird sicherlich wie in den letzten Jahren bald aussteigen, um sich auf die Tour de France vorzubereiten.

Am Anfang war es wirklich extrem ruhig heute. Keiner wollte attackieren. Tempo um die 30 in den ersten drei Stunden. Das war sicherlich den meisten zu langsam, aber es will auch keiner dann derjenige sein, der vorprescht. Heute hatten wir alle viel Zeit zum Quatschen. Man fährt mal mit dem eine Weile und mal mit dem. Geplaudert wird über den Giro, klar. Aber auch viel über Dinge, die nichts mit Radsport zu tun haben. Die von Phonak haben heute ständig den Daniel Schnider veralbert, weil sein Sturz bei Eurosport ständig gezeigt wird. Er ist ein bißchen sensibel und um so mehr wird er geflachst...

Am Intergiro sind wir für Sven Krauss angefahren. er hat ein bißchen Nerven gezeigt und kam nicht in die Punkte. Sein Blaues Trikot hat er aber noch. Dann fing es an zu regnen. Richtig nervige Situation, wennn alle nach hinten fahren, um die Regenjacke zu holen. 5km weiter hörts wieder auf. Alle wieder zurück, Jacken abgeben. Wenigstens hats im Finale nicht geregnet.

Wir haben heute mal ein sehr schönes Hotel. Alles in rot, bißchen puffig. Aber edel. Und gutes Essen. Die haben sich richtig Mühe gegeben und sich was einfallen lassen. Herrliche Salate, leckere Pasta, hausgemachte Tiramisu. Nicht so 0815-Spaghetti wie sonst meist. Das genieße ich heute Abend noch ein bißchen, denn morgen beginnt der Ernst des Lebens. Ich glaube, bei der Etappe morgen wird man höllisch aufpassen müssen, um die Karenzzeit zu schaffen. Die Etappe ist sehr kurz, da werden sie schnell fahren. Und Attackierer versuchen sicherlich, sich in einer Flucht über den Berg zu retten. Das wird eklig. Die Karenzzeit wird so 30 Minuten herum betragen. Drückt mir die Daumen!


Erster Ruhetag
Langweiliger Tag

RAVENNA, 17.05.05. Das war ein sterbenslangweiliger Tag heute, von vorne bis hinten. Heute früh um 8:30 Uhr Aufstehen, ich habe nicht super geschlafen, weiß nicht, warum. Nach dem Frühstück sind wir mit der Mannschaft um 10:30 Uhr rausgefahren. Drei Kumpels von mir aus Leipzig, mit denen ich zuhause auch oft trainieren fahre, sind zu Besuch, die fuhren auch mit. Nach fünf Minuten, wir kamen einen Kilometer weit, begann es zu schütten wie aus Eimern. Ein fürchterlicher Regen. Alle haben irgendwo einen trockenen Unterschlupf gesucht. Die ganze Gruppe hat es zersprengt.

Fans fragen Frösi

Christian aus Konstanz fragt: Hallo Frösi, sprechen dich andere Rennfahrer eigentlich auf dieses „Giro-Tagebuch“ an?

Frösi: Naja, wir sind ja doch ziemlich abgeschottet von allem. Und Internet-Zugang hat man meist auch nicht. Aber trotzdem werde ich schon manchmal von (deutschsprachigen) Kollegen darauf angesprochen, kürzlich von Phonak etwa. Meine Gerolsteiner- Teamkollegen kriegen das natürlich hautnah mit. Ich sag immer: Benehmt Euch, sonst gibts einen Eintrag ins Tagebuch! :-)

Martin aus Innsbruck: Wieviel Radtraining ist an einem Ruhetag angesagt? Von Chiapucci erzählt man sich, er habe an einem Ruhetag einmal 170 km absolviert.

Frösi: Das ist schon verschieden. Die einen sagen: Den Motor darf man nicht abstellen. Andere wollen fast nur erholen. Die Mitte ist für mich richtig: 2 Stunden locker fahren. Würde man gar nichts machen, stellt der Körper sofort um auf Ruhe und morgen käme man gar nicht in die Gänge. Übertreibt man's, hat man keine Erholungswirkung am Ruhetag.


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Als der Regen nachließ nach zehn Minuten bin ich mit meinen drei Kumpels, mit Marcel Strauss und Monty (Sven Montgomery), mit denen ich mich wo untergestellt hatte, weitergefahren. Wir sind eine Dreiviertelstunde geradelt, bis es schon wieder anfing zu regnen. Schnell in ein Cafe gerettet. Dort haben wir die Situation natürlich schamlos ausgenutzt. Da aß dann der ein oder andere auch mal ein Eis...

Die Rückfahrt sind wir etwas zügiger gefahren, damit die Beine locker werden. Im Hotel habe ich erstmal unsere Mechaniker genervt. Heute morgen kam ein Mann von unserem Ausrüster Ritchey vorbei. Der Kontakt der Firmen zum Rennstall ist sehr eng. Specialized hat einen eigenen Mann für uns abgestellt. Der Ritchey-Mann hatte ein brandneues Karbon-Lenkermodell dabei, das kam vor dem Training an mein Rad. Der Lenker ist an sich super, nur hat mir die Geometrie nicht 100 Prozent zugesagt. Und jetzt mitten im Rennen - vor der Sprintetappe morgen auch noch - will ich natürlich kein Risiko eingehen. Also mussten die armen Jungs den Lenker wieder abmontieren und den alten draufmachen. Das ist ziemlich langwierig.

Den Rest des Tages haben wir nur rumgegammelt. Es wird sich viel unterhalten. Geregnet hat es den ganzen Tag. Heute abend saßen wir im Team-Wohnmobil, wo Sat-Fernsehen drin ist. Im Hotel gibts hier kein deutsches Fernsehen. Ich denke, ich habe mich ein bißchen erholt heute, aber wie man sich erholt hat, das weiß man erst am Tag nach dem Ruhetag auf den ersten Kilometern im Rennen.

Morgen gibts eine lange Etappe, 210 Kilometer tellerflach. Ich hoffe, es regnet nicht. 210km im Regen sind schon eine Belastung. Da ist man schnell erkältet. Und ein Finale im Regen ist hart. Da gibts immer Stürze. Ich denke, es wird morgen das übliche Szenario geben: Petacchis Fassa Bortolo und McEwens Lotto lassen eine Gruppe fahren, aber kontrollieren das Geschehen. Petacchi weiß jetzt, dass ers kann und ist heiß. Und McEwen hat schon zwei Mal gezeigt, dass ers kann. Zu 95 Prozent gibts einen Massensprint. Ich versuche natürlich, vorne reinzufahren. Ich bin sehr motiviert und ich habe meine Jungs auch schon ein bißchen heiß gemacht. Mit einem guten Bein, vielleicht geht was! Drückt mir die Daumen!


9.Etappe
Mit dicken Beinen auf Platz 8

RAVENNA, 16.05.05. Heute Mittag vor dem Start haben wir im Wohnmobil aus dem Fenster geschaut. Alle waren so'n bißchen mies drauf: Naja, die 150km werden schnell, ein Berg. Da grinst unser Sven Krauss breit und meint: "Schöner Tag zum Attackieren!"

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Christian aus Köln fragt: Mit was für Übersetzungen fährst Du beim Sprint?

Frösi: Volles Rohr: 54x11 oder 53x11. Heute hatten wir übrigens im Sprint eine Geschwindigkeit von 68km/h.

Jan aus Bogatynia/Polen möchte wissen: Wie unterscheidet sich das Training eines Sprinters von dem anderer Fahrer?

Frösi: Das Training ist im Großen und Ganzen gleich.
Als Sprinter macht man mehr Krafttraining und natürlich Antrittstraining. In Intervallen "sprintet" man da immer wieder los.

Vicky fragt: Hast Du eigentlich schonmal vergessen Dich vor einem Rennen einzuschreiben und bist dann einfach so gestartet?

Frösi: Nein, das habe ich noch nicht vergessen, das ist halt so Gewohnheit. Wenn man sich nicht einschreibt, gäbe es nur eine Geldstrafe. Die Transponder belegen ja, dass man am Start war. Apropos vergessen: Was ich aber schon mal vergessen habe, waren meine Rennschuhe. Vor der Clasica Almeria vor kurzem. Da musste unser Mechaniker vom Hotel zum Start durch die halbe Stadt auf dem Rad bei strömenden Regen.


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Die Neutralisationsphase war gerade so rum, da saust der schon mit 50 Sachen an mir vorbei.... Er hat die Gruppe gemacht. Nach 9 Tagen Giro hat Krauss noch eine Moral wie ein Großer. Wahnsinn. Die anderen fragen uns schon: "Was habt ihr denn mit dem gemacht?!" Er ist super stark. Er verteidigt jeden Tag sein Blaues Trikot, was ja auch ein bißchen Geld für die Mannschaftskasse bringt. Die Aktion heute war toll. Hoffentlich bezahlt er nicht noch mal dafür und geht zu Fuß. Das kann nämlich auch schnell passieren.

Fassa Bortolo hat heute das Geschehen von Beginn an kontrolliert und nichts dem Zufall überlassen. Ich hatte an dem Berg der 2.Kategorie nach 50km richtig dicke Beine. 3km vor der Bergwertung kommen von hinten meine Spezis, die normalerweise immer mit mir fliegen gehen. Sprinter wie Kirsipuu oder Cadamuro. An denen orientiere ich mich am Berg. Heute hatte ich Probleme, während die vorne mit drüber sind. Ganz schlechtes Zeichen. Fötchen (Markus Fothen) blieb ein bißchen bei mir, hat mich pilotiert. Dann Marcel Strauss. Wie sich Marcel hier im Rennen für andere aufopfert, ist sensationell. Bei den Bergetappen fährt er für unsere Klassementfahrer, für Fötchen und Montgomery. Und bei Etappen wie heute, Sprintetappen mit einem Berg drin, ist er bei mir. Fährt für mich, holt Wasser. Seine Leistung geht in der Öffentlichkeit meist unter. An dieser Stelle auch mal ein dickes Danke an Marcel!

In der Abfahrt vom Berg, so nach ein paar Kilometern kam ich wieder ins Feld rein. Ich hatte irgendwie komische Beine, ich weiß auch nicht. Und dann waren wir ja hinten im Peloton, wo so ein paar Spezialisten gondeln, die nicht den Berg runterfahren können. Die bremsen viel zu früh, trauen sich nicht richtig. Das nervt, weil ich hatte keine Lust in der Abfahrt den Anschluss zu verlieren, um dann nachher wieder hinterherzuhecheln.

Bis ins Ziel gings dann zügig. Wechselnde Windverhältnisse, mal von der Seite, mal von vorn. Markus Fothen und Tommi (Ziegler) haben sich um mich gekümmert. Fothen fuhr bis 3, 4 km vor Schluss voll im Wind ganz stark für mich. Wenn wir so eine Aktion mal bis 1000 oder 500 hinbekämen, das könnte was werden. Markus traut sich noch nicht so richtig, aber das werden wir schon noch hinbekommen. Ich kam an 15.Position auf die Zielgerade. Im Sprint ist die Positionsfrage alles. Wichtiger fast als Endschnelligkeit. Da gibt es welche im Feld, die sind schneller als Petacchi, nicht jeden Tag, aber manchmal. Aber in schlechter Position sprintet der dann eben nur vom 10. auf den 3.Platz.

Ich habe das Hinterrad von McEwen genommen. 400 Meter vor Schluss war noch ein 30m langes Kopfsteinpflasterstück. Dort kam ich leicht aus den Pedalen. McEwen habe ich verloren. Dann bin ich losgespurtet und habe gleich beim ersten Antritt gemerkt, dass das nix wird. Das spürt man als Sprinter. Es wäre vielleicht mehr drin gewesen als der achte Platz. Aber zum großen Wurf hätte es nicht gelangt heute. Und nur um den Sieg sprintet man ja eigentlich. Aber ich bin durchaus optimistisch. Platz 3, Platz 8. Wenn wir unsere Anfahrt im Team noch ein bißchen optimieren und mal ein ein bißchen Glück dazukommt, wer weiß... Schade, dass es so wenig Sprintankünfte hier gibt.

Petacchi stand ganz schön unter Druck, den ist er jetzt erst mal los. Das war schon eine starke Leistung von ihm. Er hat sich nicht versteckt, sondern mit seinem Team den ganzen Tag kontrolliert. Ein solcher "Zug", wie er ihn hat, der arbeitet wie ein Uhrwerk, das ist schon eine super Ausgangslage für Petacchi, womit ich jetzt aber auch nicht seine Leistung schmälern will.

Morgen der erste Ruhetag, der tut gut. Wir werden zwei Stunden bißchen rollen, ansonsten ist Relaxen angesagt. Leider sind wir hier in einem richtigen Touristen-Bunker untergebracht, wie mein Freund Volker (Ordowski) sagen würde. Alle haben gestöhnt, weil wir ja auch noch zwei Tage hier bleiben. Heute abend musste ich eine Stunde warten, bis warmes Wasser in der Dusche läuft. Und morgen ist auch noch schlechtes Wetter vorhergesagt. Da wäre ein schönes Hotel besonders willkommen. Aber naja. Unsere Truppe ist weiter super motiviert. Alle fit, nur Frankie (Hoj) ist ein bißchen angeschlagen. Auch ich fühle mich körperlich ganz gut, das Problem heute am Berg ist nicht so dramatisch. Besser heute, als bei einer Bergetappe am ersten Anstieg... Bis morgen!


8.Etappe: Erstes Zeitfahren
"Ein einziges Hingetrampel"

FLORENZ, 15.05.05. Heute beim Zeitfahren war es alles ein bißchen relaxter, zumindest für Fahrer wie mich, die keine Zeitfahrspezialisten sind und keine Ambitionen im Gesamtklassement haben. Auch ein bißchen Freizeit ist drin, und da trifft es sich natürlich prima, dass meine Freundin zu Besuch gekommen ist.

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Reto aus der Schweiz: Fahrt ihr alle mit einem Radcomputer und Herzfrequenzmesser oder geht das nach Gefühl?

Frösi: Ich fahre einen Shimano-Computer und einen Herzfrequenzmesser von Polar. Das Topmodell, bei dem man die Daten sogar mit dem Handy abrufen kann. Die Herzfrequenz-Anzeige klebe ich im Rennen allerdings immer zu. Die Daten werden nach dem Rennen ausgewertet. Aber während des Rennens will ich gar nicht sehen, welchen Puls ich habe. Klar, ob man 130 oder 190 hat, merkt man auch ohne Computer. Aber da machen 10 Schläge den Unterschied. Und wenn Du dann am Berg siehst, die anderen unterhalten sich noch munter und du hast Puls X, dann machst Du dich nur verrückt. Deshalb klebe ich das ab. Dagegen orientiere mich viel an dem Höhenmesser. Man denkt, gleich musst man reißen lassen und sieht dann, es sind nur noch 100 Höhenmeter. Das motiviert dann sehr, nochmal auf die Zähne zu beißen.


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Heute früh um 8 Uhr Frühstück, um 11 Uhr das zweite Frühstück. Danach mit dem Auto die 40km rüber in den Startort. Um 13:31 Uhr bin ich die Rampe runter. Ich bin eigentlich recht zügig losgefahren, vom Gefühl her, nicht gebummelt oder so, nicht locker. Am Berg begann mir tierisch der Rücken weh zu tun. Das ungewohnte Zeitfahrrad war schuld. Ich habe im ganzen Rennen keinen Rhythmus gefunden, Das war ein einziges Hingetrampel. Mal im Sitzen, mal Wiegetritt. Da werden 45 Kilometer eine kleine Ewigkeit.

Am Berg hat mich von hinten der eine Minute nach mir gestartete Beloki eingeholt. Bergrunter ging ich wieder an ihm vorbei. Auf dem Flachstück am Ende, 15km vor Schluss kam Beloki wieder an mir vorbei, diesmal kam er schnell vorbei und ich konnte mich nicht festbeißen. Na gut, denke ich. Beloki gut eine Minute schneller, so schlecht ist die Zeit sicher gar nicht. Später schau' ich aufs Ergebnis: Drittletzter wurde ich! Das hätte ich nicht gedacht.

Das Resultat ist für mich natürlich an sich uninteressant. Gewinnen kann ich ein Zeitfahren nun mal nicht. Und ob ich 60. werde oder 160., das ist egal. Das Zeitlimit war heute 13 Minuten und alles darunter ist prima. Da hatte ich noch viel Luft. Aber ich hätte doch gedacht, dass mehr auf Auge fahren. Da sind einige Sprinter offenbar voll gefahren. Eigentlich schwer zu verstehen. Die Devise muss eigentlich lauten: Körner sparen, der Giro ist noch lang.

Unser "Fötchen" (Markus Fothen) wurde heute Siebter. Ein Superergebnis für ihn, zumal er ja gerade mal 23 Jahre alt ist und zum ersten Mal den Giro fährt. Überrascht hat mich das Resultat nicht. Er fuhr schon die ganze erste Woche stark und dass er Zeitfahren kann, ist bekannt. Ich habe heute morgen zu ihm gesagt: Du kommst bestimmt unter die ersten Zehn heute. Er wollte das nicht glauben. Nach dem Rennen lacht er: "Frösi, Du hast recht gehabt!" Fothen ist ein ganz netter Kerl, bodenständig, sehr unkompliziert. Der hebt bestimmt nicht ab, aber seinen Weg wird er gehen, davon bin ich überzeugt.

Ich war um 15 Uhr fertig mit meinem Rennen. Danach gings ins Hotel und ich konnte ein bißchen Zeit mit meiner Freudin verbringen, die mit ihrer Freundin hergekommen ist. Das tut mal gut, sonst ist der Trott ja jeden Tag der gleiche.

Bei der Etappe morgen tippe ich auf eine Massensprintankunft. Ein Berg der 2.Kategorie mit 15km Länge, fast 800 Höhenmetern ist drin, aber schon früh nach 50km. Das Rennen ist kurz - 140km -, da könnte es schnell werden. Gruppen werden versuchen, zu gehen. Aber Petacchi hat noch nichts gewonnen und steht unter so großem Druck, dass Fassa Bortolo bestimmt das Rennen kontrolliert und es zum Massensprint kommt. Was mich angeht: Naja, Freitag der 13,. ist vergessen, wir schauen nach vorne. Meine Teamkollegen sind alle motiviert und ich werde versuchen, reinzuhalten. Die Zielgerade ist 1000 Meter lang. Das ist ein Vorteil für Petacchi und seinen "Express", wenn der mal durchkommt. Ansonsten fährt McEwen noch mit Auge, aber dahinter ist es offen, wie man auch an den bisherigen Ergebnissen sieht. Mal schauen. Der Blaue wird am Ende hoffentlich auch irgendwo zu sehen sein... Drückt mir die Daumen! Bis morgen.


7.Etappe
Ein ruhiger Tag

Fans fragen Frösi

Waldemar fragt: Hallo Robert, merkt man eigentlich bei diesem Giro ein Unterschied im Vergleich zu den vorigen Jahren, als es die ProTour noch nicht gab und vielmehr zweitklassige Teams dabei waren?

Frösi: Ja, es wird schneller gefahren, würde ich vom Gefühl her sagen. Noch gehts, aber in den Bergen erwarte ich da noch einiges. Die Konkurrenz ist härter, stärker. Von den großen Sprintern ist fast alles hier. Die ProTour hat dem Giro sicher gutgetan.

Tilman als Woodside/Kalifornien möchte wissen: Wie ist das denn mit den Motorrädern? Stören die die Fahrer sehr, oder geben die Windschatten?

Frösi: Die stören schon sehr oft. Da gibt es viele brenzlige Situationen und es gab auch schon einige Stürze und Unfälle mit den Kamera-Motos hier beim Giro. Die fahren sehr riskant und überholen an engen Stellen. Aber mit so einer schweren Maschine kann der Fahrer ja nicht so reagieren wie ein Rennfahrer. Machste einem Platz, donnern drei an Dir vorbei mit Tempo 80. Klar, die Motos müssen sein, aber da müsste man mal mehr auf die Sicherheit achten.
Wir Rennfahrer tragen keine dicken Lederkombis!


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PISTOIA, 14.05.05. Das war mal ein ruhiger Tag für mich. Nach den Aufregungen gestern gibt es heute von mir nicht so viel zu berichten.

Das Rennen begann sehr schnell. Mit einem 50er Schnitt gings los, was zur Folge hatte, das zunächst niemand wegkam. Am ersten Berg, so nach 30km, formierte sich dann erst die 21-Mann-Gruppe, die das Rennen bis zum Schluss prägen sollte. Von uns war auch einer dabei - Marcel Strauss. Endlich wurde es ruhiger. Bis dahin wars richtig anstregend. Für die Verfolgung fühlte sich erst gar keiner zuständig. Nach einer Weile hat sich Bettinis Team vors Feld gesetzt, nachdem der Vorsprung 10 Minuten betrug. Aber richtig Zug kam erst rein, als CSC Tempo machte. Dann wurde es aber richtig schnell.

Über die Verpflegungsstelle sind wir rübergezogen. Essen fiel erst mal aus. An dem Berg der zweiten Kategorie 40km vor dem Ziel gabs die Quittung. CSC ist da so reingebraten, dass hinten alles auseinanderflog. Eigentlich wollten wir alle da noch drüber, so hat sich aber da schon das grupetto gebildet. 70, 80 Mann konnten oder wollten das Tempo nicht mehr mitgehen. Ab da wurde es gemütlich. Wir sind in Ruhe ins Ziel gefahren. 20 Minuten Rückstand hatten wir am Ende. Auch mit dem Wetter hatten wir Glück, kein Regen, obwohls oft danach aussah. Das war eine schöne Etappe zum Erholen, nur wenig Anschlag gefahren.

Morgen wirds für mich auch quasi ein Ruhetag. Das Zeitfahren ist für die Spezialisten und natürlich die Klassementfahrer interessant. Der Rest sitzt das ab. Ich fahre ganz locker, nur das Zeitlimit ist mein Orientierungspunkt. Bis morgen!


6.Etappe
"... da lag ich dann neben Petacchi"

GROSSETO, 13.05.05. Das war Freitag, der 13... Im Finale war ich heute gut drauf, die Beine haben sich gut angefühlt, mit Ziegler und Fothen hatte ich zwei Teamkollegen an meiner Seite, die super drauf waren. Beide waren am Ende unter den ersten Zehn, das sagt ja alles. Drei Kilometer vor Schluss fuhr ich ziemlich weit vorne, an 10., 15.Position. Wir sind am Limit gefahren. Volles Tempo. Dann eine enge Kurve - da bremsen sie vor mir oder lagen schon am Boden. Einer von Petacchis Team muss da vorne wegerutscht sein. Da lag ich dann auch - gleich neben Petacchi.

Fans fragen Frösi

René aus Hamburg fragt: Hat sich im Vergleich zum letzten und vorletzten Jahr etwas in Deiner Vorbereitung auf den Giro verändert?

Frösi: Mein Training ist mehr oder weniger gleich geblieben. Was das Körperliche angeht, ist es in der Vorbereitung egal, ob Du als Anfahrer eingesetzt wirst oder auf eigene Kappe fährst. Die "Ziellinie" liegt im ersten Fall ja nur 300 Meter früher. Der große Unterschied ist der Kopf. Mental muss man sich schon sehr umstellen, muss versuchen, mit dem Druck zurechtzukommen. Das gelingt mir mal besser, mal schlechter.

Michael aus Österreich fragt: Gibt es bei den Profis auch so etwas wie ein Sturztraining, oder gewisse Grundregeln bei Stürzen wie man sich verhalten soll um die Verletzungen zu minimieren? Ich habe den Eindruck habe, dass für dieses Tempo zum Glück oft nur wenig passiert.

Frösi: Das passiert eher reflexartig. Man lernt das ja von kleinauf und man stürzt ja auch immer wieder mal. Wenn man spürt, jetzt geht es abwärts, nimmt man irgendwie automatisch eine gewisse Haltung ein, sind die Muskeln dann so angespannt, dass meist gar nicht viel passiert. Ich kann das gar nicht richtig erklären. Oft sind jedenfalls die Verletzungen bei plötzlichen Stürzen bei sehr geringem Tempo viel schlimmer.


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Ich habe mich nicht groß verletzt. Schürfwunden an Armen und Bein, Prellungen. Es tut weh, aber es geht so. Der Doktor hat kurz drüber geguckt und mir einen Verband verpasst. Aber ich will nicht jammern: Meinen Teamkollegen Volker Ordowski hat es bei einem anderen Sturz in der ersten Schlussrunde viel schlimmer erwischt. Der sieht aus wie ein paniertes Schnitzel. Er hat erzählt, dass er beim Schlittern über den Asphalt seine eigene verbrannte Haut gerochen hat und gedacht hat, oh oh, das wird nicht schön...

Für mich war der Sturz eine vertane Chance, klar. Es sah zunächst wirklich gut aus für mich. Heute morgen habe ich mich müde gefühlt, aber im Laufe der Etappe ging es immer besser. Am Ende hatte ich gute Beine, sonst halte ich da auch nicht so rein. Man könnte jetzt spekulieren, was wäre gewesen wenn, aber das tue ich nicht. Deprimiert bin ich jetzt auch nicht. So ist eben Rennen, sowas passiert. Aber die Organisatoren provozieren Massenstürze auch geradezu mit Kursen wie heute. Stürze waren heute vorprogrammiert, so sicher wie das Amen in der Kirche. Man greift sich an den Kopf, dass sie beim Giro solche Anfahrten bauen.

Man weiß doch vorher, dass in einer Sprintanfahrt da 100 Mann am Limit fahren und dann nehmen sie eine 1,5 Meter breite, sandige Kurve rein, wo man gerade mal zu zweit nebeneinander fahren kann. Vielleicht sollte man auch mal über eine Reglementänderung nachdenken. Bei Flachetappen könnte man doch schon ab 10km statt 3km vor Schluss die Gesamtzeit zumachen, dass also wenn einer stürzt, er die Zeit des Siegers gutgeschrieben bekommt. Damit würden sich die Klassementfahrer nicht auch noch reindrängeln im Sprintfinale. Heute wollten 100 Mann vorne fahren. Ob Cunego oder Garzelli - alle hängen sie vorne drin. Wahnsinn.

Heute abend hatten wir mal keinen Riesentransfer, ein schönes Hotel, groß zwar (6 Teams beim Essen -Massenabfertigung...), aber gut. Das Rennen war nicht so lange, mal keine 200km und das merkt man doch. Es wird alles nicht so spät heute, das tut gut, da kann man ein bißchen regenerieren. Morgen wird es für mich eine "Ausruh-Etappe", auch wenn das ein bißchen paradox klingt. Die Etappe ist zu schwer für mich, da kann ich sie in Ruhe im grupetto zu Ende fahren, ohne Druck. Das Gesamtklassement spielt für uns Sprinter keine Rolle. Ich tippe morgen, dass eine Gruppe durchgeht, dahinter wird Bettini kontrollieren. Bis morgen!


5.Etappe
"Ober-Medio"

(UMGEBUNG VON...) GROSSETO, 12.05.05. Das war hammerhart heute, heute abend sind alle ein bißchen angeknockt, da bin ich sicher. "Medio", eine mittelschwere Etappe soll das gewesen sein laut Etappenplan. Das war aber obermedio... 3400 Höhenmeter - wenn das "mittel" war, dann gute Nacht bei den "schweren".

Fans fragen Frösi

Markus fragt: Fahren sich die Klassement-Fahrer eigentlich nach einer Etappe mit intensivem Finale oder einem Zeitfahren noch aus, um sich besser zu regenerieren?

Frösi: Nein, ich glaube, das macht keiner. Die Zeit ist gar nicht dazu da, sonst kommt man um 1 Uhr ins Bett. Heute kamen wir nach dem Transfer um 20 Uhr im Hotel an. Man kompensiert das halt gezwungenermaßen mit Massage.

Hannes aus Österreich fragt nach den Pulswerten.

Frösi: Im Massensprint habe ich 200er Puls. Nach ein, zwei Wochen geht er runter. Dann so 193.

Lauris aus Bad Homburg möchte wissen: Schaut Ihr Euch während eines Rennens auch mal die Landschaft an?

Frösi: Die Etappe heute ging bestimmt durch schöne Landschaft. Gesehen habe ich davon nichts. Berghoch kämpft man, bergrunter gehts mit Tempo 100 - auf die Landschaft schaut man da nicht mehr. Andere haben ein besseres Gedächtnis dafür, aber ich würde nicht mal mehr die Strecke wiederfinden, wenn ich morgen nochmal herkäme. Klar, an ruhigeren Tagen, wenn man im Feld dahinrollt, dann genießt man auch mal die Landschaft. "Genießen" aber nur im Flachen. Wenn ich einen Berg hochschaue, denke ich nur - Oh Scheiße, da musst Du hoch...


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Von heute früh gibts nicht viel zu berichten, alles normal wie immer. Das Rennen war nach dem Start erst einmal sehr piano. Die ersten 5 Kilometer mit 14 km/h dahingeplätschert. Keiner hatte richtig Lust. Irgendwer dachte dann wohl, wir müssen mal losfahren. Dann ging das Tempo zehn Kilometer plötzlich hoch auf 50, 60km/h. Sieben Mann sind weggefahren, mit Moletta einer von uns dabei. Keiner der Gruppe im Gesamtklassement gefährlich. Schöne Ausgangslage. Der erste Berg nach 30km. Ich wusste zwar, wie lang der ist, aber wenn du das Schild siehst: Bergwertung 17km, da schluckst du trotzdem erstmal. Die Bettini-Mannschaft hat da Räuber und Gendarm gespielt an dem Anstieg. Attacke auf Attacke. Die 21 Mann-Gruppe mit Bettini hat sich formiert. Hinten ist alles auseinandergeflogen.

Oben am Berg war ich wieder im Feld. Zwischen den Autos habe ich mich wieder vorgekämpft. Da gings mir eigentlich ganz gut. Der zweite Berg, 12km lang. Da sind wir relativ gleichmäßig hochgefahren und ich hatte auch keine so großen Probleme. Die nächsten Kilometer wellig bis zum großen Berg des Tages, erste Kategorie. Nicht lang, aber richtig steil. Da hats geraschelt. Ich hielt mich allein zwischen Hauptfeld und grupetto. War noch zwischen Autos, also nicht weit weg. In der Abfahrt bin ich dann volles Risiko gefahren, bin mit Tempo 90 bis 100 runtergebrettert und habe es auch geschafft, ins Feld zurückzukommen.

Ich fahre natürlich bei so einer Etappe nicht aufs Klassement, aber es ist für die Moral wichtig, dass man nicht schon gleich bei der ersten "Medio"-Etappe abgehängt wird. Im grupetto ganz hinten ist es sowieso gefährlich. Dahinter kommt nichts mehr, das hat man im Hinterkopf. Als ich wieder im Feld war, dachte ich, jetzt kannst Du die letzten Kilometer schön rollen, das schlimmste ist geschafft. Aber es ging weiterhin nur hoch, runter, das konnte man im Profil gar nicht so sehen. 15km vor Schluss haben wir mit 25 Mann reißen lassen. Ich war schon fast über dem Limit, am Ende auch noch ein kleiner Hungerast. Die Etappe hat schon wehgetan.

Nach der Etappe dann noch 200km Transfer im Auto. Es ging viel über die Autobahn, ich habe ein bißchen geschlafen, fast die ganze Fahrt. Das hat gut getan. Im Hotel kamen wir gegen 20 Uhr an. Ich bin schon ganz schön breit und freue mich aufs Bett. Wir haben hier so ein Maisonette, da habe ich die große Auswahl an Betten... Gut, dass es morgen erst spät losgeht, da können wir länger schlafen. Um 11 Uhr ist Abfahrt aus dem Hotel. Ich hoffe, dass ich mich über Nacht gut erholen kann. Unsere Bergfahrer befinden sich auch schon längst in der Horizontalen. Bißchen Spaß ist sicher auch nicht schlecht für die Erholung. Dafür sorgte vorhin unser Teamarzt, Dr. Spechter. Er hat eine Spinnenphobie und er hatte eine dicke Spinne in seinem Zimmer. "Macht sie tot, macht sie tot", kreischte er wie ein kleines Mädchen... Wir haben gelacht! Bis morgen!


4.Etappe
Frösi in Frosinone...

FROSINONE, 11.05.05. Heute nacht habe ich schlecht geschlafen, bin erst spät gegen 2 Uhr eingeschlafen. Heute morgen gings mir aber doch ganz gut. Um 9 Uhr Frühstück, anschließend 40km Fahrt in den Autos zum Startort. Vor dem Startschuss das Übliche im Tourdorf, da gibts nicht viel zu berichten. Das Rennen war heute mal von Beginn an schnell.
Fans fragen Frösi

Michael aus Berlin fragt: Habt ihr als Gerolsteiner-Team vor/während/nach dem Rennen Kontakt zu Fahrern aus anderen Mannschaften?

Frösi: Na klar. Da gibt es überhaupt keine Berührungsängste. Die deutschen Fahrer reden untereinander, egal welche Teams sie fahren. Bei den Schweizern und den ganzen Aussies zum Beispiel ist es genauso. Wir Gerolsteiner haben etwa ein ganz entspanntes Verhältnis zu T-Mobile. Im Rennen hat man ja auch viel Zeit, da wird immer viel gequatscht.

Der "Bikefreund" möchte wissen: Welche Kassette fährst du auf den Flachetappen, welche wirst du in den Bergen fahren?

Frösi: 11/23 Kranz hinten und vorne 39/53. In den Bergen 11/25 und wenns mal ganz schwer ist 11/27.

Victor fragt: Was machst du in deiner Freizeit um dich Mal vom Renngeschehen abzulenken?

Frösi: Leider gibts da nicht so viel Freizeit. Nach dem Rennen meist Transfer, danach Massage, das Essen dauert meist bis 22 Uhr. Dann kann man noch ein bißchen TV oder DVD schauen, dann gehts schon wieder ins Bett. Ein Buch lesen kann ich während einem Rennen nicht. Da finde ich irgendwie keine Ruhe für.


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An einem Berg sind zwei Ausreißer weggefahren, dahinter hat Bettinis Team das Feld kontrolliert. Sven Krauss ist nervös geworden, hatte Angst um sein Blaues Trikot und da ist er rausgefahren aus dem Feld weit vor dem Intergiro. 40km ist er zwischen Feld und den Ausreißern gefahren, um sich die Punkte zu holen. Das ist ihm auch gelungen. Er hätte aber ruhig auch im Feld bleiben können, wir hätten das auch in einem Zwischensprint geregelt. Aber das muss er selber wissen und es hat ja auch mit der Brechstange. hingehauen...

Das Rennen war dann nicht wirklich schön. Es hat nicht gerollt, nicht richtig schnell, aber trotzdem immer Druck auf die Pedale. Und dann wars auch noch 10km länger als vorgesehen. Das war alles ziemlich blöd. Du musst dauernd treten, aber es passiert eigentlich auch nix. 50km vor dem Ziel hat es zwei Fahrer in einem Sturz zerschossen. Ich war dahinter und wir mussten dann Gas geben, um wieder ins Feld zu kommen. 5km lang volles Tempo, das war richtig angenehm, da konnte man sich mal die Beine locker fahren.

Im Finale ist FdJeux heute sehr stark gefahren. Auch Liquigas und natürlich Bettinis Team haben Tempo gemacht. Wir da irgendwo zwischendrin. 15km vor Schluss ein Massensturz. Das passierte so an 50. Position im Feld, ich war weiter vorne und habe gar nichts davon gesehen. Da waren wir noch gut 50 Mann vorne.. FdJeux hat richtig aufgezogen. 7km vor Schluss ein Hügel, da kam ich gut rüber. 4,5km vor Schluss der letzte Anstieg, da ist mir nach 1km der Motor geplatzt. Unten sind wir mit 60km/h reingebrettert. Die vorne haben voll durchgezogen. Nach Dreiviertel des Anstiegs musste ich reißen lassen.

Ich habe mich erst super geärgert. Normalerweise muss ich da drüber kommen, wenn Sprinter wie Cadamuro das schaffen. Frösi in Frosinone - das wäre doch eine Schlagzeile... Naja, im Nachhinein war es nicht so schlimm, weil die Sprinter ja nachher doch keine Rolle gespielt haben. Und es hat ja nun auch was Gutes: Da haben sich einige Kollegen heute weh getan für nichts.

Die Bettini/Cooke-Geschichte habe ich im Fernsehen gesehen. Ich weiß gar nicht, was ich dazu denken soll. Ich kann beide irgendwie verstehen. Bettini hat seine Linie verlassen, wollte das Loch zumachen, aber ist langsam rübergezogen. Cooke versuchts halt mit der Brechstange. Beide sind schuld. Da kann man nun drüber streiten, wer mehr schuld hat.

Im Peloton war das Gesprächthema heute: Warum machen sie solche Etappen? Flach, dann am Ende solche Hügel und Serpentinen drin, dass es doch keine richtigen Sprintankünfte werden. Selbst wenn du als Sprinter oben als 40. mit drüber kommst, hast du keine Chance in der rasenden Abfahrt nach vorne zu kommen. Haben die was gegen Petacchi? Wollten sie neun Etappensiege wie letztes Jahr verhindern? Das muss wohl damit zu tun haben.

Nach dem Rennen hatten wir noch 100km Transfer. Super nervig. Solche Transfers (morgen sind es sogar 200km!) sind bei allen verhasst. Um 19:30 Uhr waren wir erst im Hotel. Wenigstens habe ich das Rennen um das größere Bettt gegen meinen Zimmerkollegen Marcel Strauss gewonnen. Der Dicke muss sonst nämlich immer im kleinen Einzelbett liegen, während der dünne Schweizer sich im Doppelbett breit macht...

Zur Etappe morgen: 220km, schweres Profil. Das wir hammerhart. Als Sieger tippe ich auf den aus der Gegend stammenden Di Luca oder auf Bettini, der nach heute und in Rosa heiß ist. Für mich wird es morgen körperlich eine Schinderei. Aber im Kopf ist das eine Entlastung. Ich habe morgen keinen Druck, kann in Ruhe mein Rennen zu Ende fahren und muss nicht dauernd schauen, vorne zu fahren und zu hoffen. Bis morgen!


3.Etappe
Harter Tag und ein verschwundener Geburtstagskuchen

GIFFONI VALLE PIANA, 10.05.05. Das war ein anstrengender Tag, vor allem wegen der Hitze (31 Grad) und dem ekligen Terrain. Rauf, runter, rechts, links, ein nervöser Kurs. Der von Selle Italia ist früh weggefahren, da hatten wir hinten erst mal ein bißchen Ruhe. Als er 17 Minuten weg war, wurde McEwen unruhig und hat seine Mannschaft arbeiten lassen. Der Australier vorne (Russell Van Hout) hat aber noch lange gut gegengehalten. Beim Intergiro sind wir für Sven Krauss gefahren. Da sind viele mitgespurtet, Petacchi, McEwen. Krauss hat auch noch ein paar Punkte abbekommen und sein Blaues Trikot verteidigt. Schön für ihn - und es gibt auch ein paar Euro in die Mannschaftskasse.

Fans fragen Frösi

Gigi möchte wissen: Wie kommst Du mit dem neuen Material (Specialized) zurecht ?

Frösi: Das ist ein Klasse Material, ich bin super zufrieden. Specialized hat extra einen Mann hier bei uns beim Giro, der sich um unsere Wünsche kümmert. Ich fahre einen Karbonrahmen, der versteift ist mit ein paar zusätzlichen Karbonlagen. Der ist ein bißchen schwerer, dafür aber steifer, was bei meinen Körpermaßen schon wichtig ist... Diesen Rahmen fahre ich den ganzen Giro, also auch bei den Bergetappen.

Alexander fragt: Welches ist Dein absolutes Lieblingsrennen?

Frösi: Das ist schon der Giro, glaube ich. Die Atmosphäre hier ist super entspannt, wie sonst bei keinem großen Rennen. Dazu sind die Leute alle sehr nett, schöne Landschaft, gute Hotels, gutes Esssen. Alles sehr angenehm.


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Vierzig Kilometer vor dem Ziel ging plötzlich die Post ab. Bettinis Team, Liquigas, die sind voll Anschlag gefahren, als wären wir im Finale. Ich denke mir: Hey. Jungs, da kommt doch noch ein Berg... In den letzten Anstieg sind wir voll reingeknallt. Ich habe nur die Wand vor mir gesehen - das wird nix, sage ich mir und gehe raus. Ich bin ins Grupetto rein und bin darin zu Ende gefahren. Die anderen Sprinter wie Petacchi und McEwen kamen auch nicht mit der Spitze ins Ziel. Da hätte ich mich heute schon geärgert, wenn Petacchi gewinnt und ich sitze hinten in der zweiten Gruppe. Aber so ist es okay, es war die richtige Entscheidung. Von uns waren die auch richtigen vorne in der ersten Gruppe: Monty (Sven Montgomery), unser Mann fürs Klassement und Fötchen (Markus Fothen). Passt. Die Mannschaft hat ihren Job gemacht.

Unterwegs gab es 50km vor Schluss einen Vorfall. Da läuft ein Bekloppter plötzlich ins rollende Feld, steht auf der Straße, will Fahrer vom Rad ziehen! Viele haben ihn mit Flaschen beworfen. Irgendeiner ist abgestiegen und hat ihm eine gezwirbelt... War schon lustig...

Was mich derzeit nervt ist, dass einige der Favoriten schon wieder mit ihrer "Traubenbildung" anfangen. Cunego/Simoni und auch Savoldelli oder Garzelli, die fahren immer nur noch mit acht Mann um sich rum, als wären sie Armstrong. Und das auch in der Ebene, wo gar nix ist. Da kommt plötzlich die ganze Traube neben Dich und will einscheren. Wenn Du einen reinlässt, drängeln sich die anderen acht auch gleich mit rein. Sogar im Massensprint tauchen sie da sie mit ihrer Reihe manchmal auf. Nervt wirklich.

Heute abend haben wir ein schönes Hotel, vier Sterne. Nur das mit dem Essen haute nicht richtig hin. Da bekommst Du 50 Gramm Nudeln auf den Teller und wenn du nachbestellst dauert es zwei Stunden... Rennfahrer haben aber eben ein bißchen mehr Hunger abends. Die Kellner waren auch so furchtbar unflexibel. Monty hatte heute Geburtstag. Es gab auch einen Geburtstagkuchen. Nur, nachdem Sven die Kerze ausgeblasen hat, schleppt der Kellner den Kuchen wieder weg und ward nie mehr gesehen... Nach ner Weile sind wir gegangen aus Protest.

Die Etappe morgen, das ist wieder so ne Anti-Petacchi-Strecke. Warum macht man solche Etappen? Das ist nix halbes und nix ganzes. Drei Kilometer vor Schluss ein Berg mit 5 Prozent. Serpentinen. Wäre vielleicht was für einen wie Bettini. Auf das offizielle Profil darf man aber auch nicht allzu sehr vertrauen, das sieht in der Realität oft ganz anders aus. Sprinterfreundlich ist das morgen aber jedenfalls nicht. Wenn man da oben am Berg als 50. drüberfährt, kommt man in der Abfahrt nicht mehr nach vorne und hat keine Chance mehr. Mal schauen, was geht. Drückt mir die Daumen!


2.Etappe
Freistil-Ringen bei 60 Sachen

SANTA MARIA DEL CEDRO, 09.05.05. Es ist schon eine Genugtuung für mich, zu sehen, dass ich beim Giro im Sprint mit den Besten mithalten kann. Aber Freudentränen sind keine geflossen. Als Sprinter kannst Du Dich nur begrenzt über einen dritten Platz freuen, selbst wenn es beim Giro ist und Du Petacchi hinter Dir gelassen hast. Da muss man schon auch auf dem Teppich bleiben.

Die Etappe heute verlief ganz nach unserem Geschmack. Eine Gruppe ging früh und unser Sven Krauss dabei, der sein Blaues Intergiro-Trikot somit verteidigen konnte. Im Feld war es auf den ersten 60km sehr ruhig. Pillepalle-Tempo unter 30km/h. Hinter den Ausreißern wurde überraschend früh Tempo gemacht. 120km vor dem Finale machen Quick Step, Fassa, Lotto, Cofidis Tempo, nachdem die vorne vier Minuten Vorsprung haben. Wir haben uns alle gefagt: Warum machen die so früh jetzt schon Tempo? Da fuhren wir dann son ekliges Tempo. Nicht langsam, nicht schnell. Dann doch lieber eine Stunde richtig Gas geben.

Die letzten 25km wurden hektisch. Ich bin weit vorne gefahren, habe aufgepasst. Über die Hügel kurz vor Schluss kam ich gut rüber. Die letzten 5 Kilometer waren Harakiri. Da gibt es keine Freunde mehr. Die meisten im Feld fahren so, dass sie auch mal Platz machen, wenn es eng wird. Wenn beide stürzen, hat ja niemand was davon. Aber es gibt auch Typen, denen ist das alles egal. Die machen einfach nicht Platz, die stürzen lieber. McEwen ist so einer. Da gab es am Ende ein Gedränge ohne Ende. Ich hing mit dem Pedal fast in der Absperrung und trotzdem drängt sich noch einer neben mich. Da liegt der eine auf der Schulter des anderen, da wird mit der Hand geschoben. Das ist wie Ringen - nur eben bei 60km/h auf dem Rad.

Nun gut, man muss damit halt zurechtkommen. Das hier ist der Giro. Bei der Tour de France ist es sogar vielleicht noch härter, aber das kann ich nicht beurteilen. Hier beim Giro sind 10, 15 Mann, die den Sprint gewinnen wollen und können. Hier sind fast alle da. Boonen fehlt, aber sonst? Und dann will eben jeder reinhalten am Schluss. Den Sprint kann ich gar nicht mehr genau schildern, ich kann mich gar nicht richtig erinnern! Ich kriege in einem Massensprint wie heute kaum was mit. Die Zuschauer am Rand sehe ich gar nicht. Ich nehme eigentlich nur das wahr, was unmittelbar um mich herum passiert. Man ist voll konzentriert. Da passiert soviel in Sekunden. Da ist eine Lücke und Du gehst instinktiv da durch, weil Du irgendwie mitbekommen hast, dass noch 200 Meter zu fahren sind. Dann spürst Du den Wind im Gesicht. Dann nur noch treten. Ich bin lieber zu früh im Wind, gebe alles und werde dann Dritter, als zu lange zu taktieren und am Ende 15. zu werden. Gefreut habe ich mich natürlich schon über den dritten Platz. Meine Teamkollegen haben mir gratuliert. Ohne deren Hilfe wäre ich aufgeschmissen. Daher hier auch an dieser Stelle mein Dank ans Team.

Nach dem Rennen musste ich zur Dopingkontrolle, aber nur als Ersatzmann, falls einer der ausgelosten nicht kommt. Da sitze ich dann eine Dreiviertel Stunde rum und muss nicht mal pinkeln. Ich bekomme einen Wisch, auf dem bescheinigt wird, dass ich zur Verfügung stand. Untergebracht sind wir hier in einem Riesen-Hotel. Vier Teams sind hier. Essen wie in der Turnhalle. Zwei Stunden Warten aufs Essen (das war wenigstens gut). Ich mag kleinere Hotels lieber. Da ist es persönlicher, da sind die Leute ganz begeistert, dass der Giro da ist. Hier ist das alles 0815.

Bei der Etappe morgen erwarte ich keinen Massensprint wie heute. Ein Berg 10km vor Schluss, 2.Kategorie, der wird die "dicken Sprinter" wie Steels, Kirsipuu und mich sicherlich entschärfen. Zabel, Petacchi oder McEwen, der im Rosa Trikot besonders heiß sein wird, kommen da vielleicht drüber. Die letzten 9km geht es Zick-zack bergrunter. Da kommt man nicht mehr nach vorne, wenn man den Berg nicht an vorderer Position überquert hat. Ich werde alles versuchen, aber wenn ich sehe, es geht nicht, lasse ich es auch sein. Da haue ich die Körner nicht sinnnlos raus. Bei der nächsten Massensprintankunft brauche ich sie noch.


1.Etappe
Gleich doppeltes Pech

CATANZARO LIDO, 08.05.05. Heute hatte ich gleich doppelt Pech. Erst bei einer Wette, dann auch noch einen Platten im Finale, 12km vor Schluss. Beides hatte aber auch sein Gutes.

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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen. (Mit der ersten Fragerunde beginnen wir am Montag!)
Gewettet habe ich mit meinem Teamkollegen Volker Ordowski. Sven Krauss sprach die ganze Zeit davon, dass er gerne mal das Intergiro-Trikot tragen würde. Volker sagt: Wetten, der schaffts? Ich halte dagegen, weil ich weiß, wie schwer das ist. Die Wertungstrikots sind beim Giro alle umkämpft. Natürlich haben wir Sven mit der Wette die ganze Zeit aufgezogen und heiß gemacht. Volker sagt zu ihm: Du musst das Ding holen, es geht um meine Kohle! Und dannn holt der Junge das wirklich heute. Als er in der Ausreißergruppe wegfuhr, ging es in der ersten Hälfte unter uns bei Gerolsteiner hinten im Feld nur darum: Wer hat die Intergiro-Pinkte geholt? Ich habe zwar Geld verloren - aber ich habe mich natürlich sehr gefreut für Sven. Superaktion, auch fürs ganze Team.

Mein Platten am Hinterrad kam im Finale zum ungünstigsten Zeitpunkt ausgerechnet im Endkampf. Aber vielleicht hat mir der liebe Gott damit auch sagen wollen, "Lass' man, das ist keine Ankunft für Dich... Spar Dir die Körner!" Denn ich muss ehrlich sagen, der Anstieg war zu schwer, da hätte ich am Ende keine Chance gehabt auf einen vorderen Platz auch nicht mit Superform.

Die Nacht heute war kurz. Nach dem späten Prolog gestern konnte ich lange nicht einschlafen. Man ist noch zu aufgedreht. Nach dem Frühstück sind wir zum Start gerollt, dem Ziel von gestern. Erst mal gemütlich einen Kaffee trinken im Tourdorf. Das Rennen begann zunächst ruhig. Erste Attacke nach 10km kam von einem Kolumbianer, der wieder gestellt wurde. Sven Krauss hat gut aufgepasst und es war kein Zufall, dass er in der richtigen Gruppe landete. Viele im Feld wollen bei der ersten Etappe noch nicht attackieren. Da denken die meisten: Puh, der Giro dauert noch drei Wochen. Da brauche ich nicht jetzt schon eine Flucht. Aber Sven ist da in seinem jugendlichen Leichtsinn unbekümmert rangegangen und hat das optimale rausgeholt für sich und die Mannschaft.

Im Feld war es ruhiges Fahren hinter den Ausreißern. Erst als die 10 Minuten Vorsprung hatten, machten zwei von Fassa Bortolo, einer von Cofidis und Lotto Tempo. Da wurde das Tempo ein bißchen eklig. Man konnte nie rollen, aber richtig schnell war es auch nicht. Ein Rennen über 200km geht schon in die Beine. Die Hitze, das Rumgehänge in den letzten drei Tagen. Der erste Tag bei einer Rundfahrt ist für mich sowieso immer schwer. Dann am Ende noch der Platten und das wars. Nach dem Rennen noch 100 Km Transfer im Auto in den Startort von morgen. Um 19:30 Uhr war ich im Hotel. Dann Massage, Essen um halb 10.

Morgen sieht es nach einem richtigen Massensprintfinale aus. Ich denke, Fassa Bortolo wird morgen auf Biegen und Brechen für den Sieg fahren. Eine Gruppe wird man fahren lassen, Fassa kontrolliert das Feld, am Ende Massensprint auf einer richtig schönen 4km langen Zielgeraden ohne Harakiri-Kurs wie heute, wo sie uns 2km vor Schluss über eine Brücke mit 50cm hohen Geländer geschickt haben. Ein Massensturz dort, dann hilft auch keine Helmpflicht mehr. Mein Tipp für morgen heißt klar Petacchi. Man hat heute schon gesehen, wie stark er und sein Team sind. Ich hoffe, mir gehts morgen gut. Ich werde voll reinhalten und dann mal schauen, was rausspringt. Drückt mir die Daumen, bis morgen!


Prologzeitfahren
Kurzes Rennen nach langem Tag

REGGIO, 07.05.05. Das war ein langer Tag! Auch wenn es nur ein Kilometer war, muss man sich konzentrieren aufs Rennen. Man darf nicht rumgammeln, kein Schläfchen machen, weil sonst der Körper umschaltet auf Ruhe und Du kommst nachher nicht mehr in die Gänge. So ein langer Tag - und dann ein so kurzes Rennen.

Ich habe vor meinem Start bei den Kollegen rumgefragt, ich wollte alles richtig machen und hab dann doch alles falsch gemacht. Thomas Ziegler, der ein starkes Rennen fuhr (16.), meinte, man müsse so dünn wie möglich anfangen, also mit kleinem Gang. Ich habe nach 600 Meter geschaltet. Das war aber viel zu spät, ich war am Anfang viel zu dünn, kam nicht auf Tempo. Mit meiner 27er Zeit wurde ich am Ende 79. Naja. Hauptsache ist für mich aber, dass sich die Beine gut angefühlt haben. Der Tour de Romandie-Prolog hat mir mehr weh getan. Das Ergebnis - ob ich 30. werde oder 80. - ist da nicht so wichtig. Nachts fahren ist schön, das macht Spaß. Aber die Atmosphäre in Reggio heute abend war nicht so schön. Alles ein bißchen steril. Da hätte man mehr draus machen können. Die Straße war viel zu breit, die Zuschauer zu weit weg. Andere Prologe, die ich gefahren bin, waren stimmungsvoller.

Der Tag begann heute morgen nach dem frühstück erstmal mit einer zweistündigen Trainingsausfahrt mit der Mannschaft. 10 bis 12 Uhr. Danach habe ich ein bißchen bei den Mechanikern gehockt, Material angeschaut, geplaudert, was man so macht. Mittagessen um 14 Uhr. Dann begann das lange Warten. Abends sind wir mit den Rädern zum Start gerollt, 30 Minuten vom Hotel. Dann 30 Minuten Warmfahren auf der Rolle und nach anderthalb Minuten war dann alles vorbei. Mein Mannschaftskamerad Sven Krauss ist ein ganz starkes Rennen gefahren. Er kommt von der Bahn und er ist der Typ für so einen Kurs. Zehnter Rang! Hut ab!!

Die Etappe morgen wird interessant wegen dem Scharfrichter da auf dem letzten Kilometer. 400 Meter lang, 12 Prozent steil. Mit einem richtigen Massensprint rechne ich nicht. Aber man muss mal abwarten. Trauen sich Attackierer schon am ersten Tag aus der Deckung? Bettini vielleicht oder auch Zabel? Andererseits: Wenn man da im Feld mit 60 Sachen reinbrettert rollt man die erste Hälfte fast von allein und der Berg ist schon halb vorbei. Dann gibts vielleicht doch einen Sprint. Ich werde mal schauen was geht. Ich versuche, da in guter Position reinzukommen, aber auf Teufel komm raus fahre ich da auch nicht mit um am Ende 30. zu werden. Dann spare ich mir die Kräfte lieber für eine echte Sprintankunft. Drückt mir die Daumen. Bis morgen!


Vor dem Start
Rolle und Regen in Kalabrien

REGGIO, 06.05.05. Unser Abend vor dem Giro d'Italia läuft nicht besonders aufregend. Wir sitzen in unserem wenig luxuriösen Hotel ein paar Kilometer oberhalb von Reggio und schauen DVDs. Im Fernsehen gibts nur "Krieg der Ameisen" oder was immer das weiß-schwarze Geflacker sein soll. Der Tag war auch nicht so spektakulär. Lange geschlafen. Die Trainingsfahrt haben wir uns geschenkt bei dem schlechten Wetter mit strömenden Regen und Wind. Ich habe im Zimmer zwei Stunden auf der Rolle trainiert und dabei DVD ("Gladiator") angeschaut.

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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen.
Am Mittwoch habe ich mich um 15 Uhr auf die lange Reise nach Süditalien gemacht. Über Frankfurt gings nach Mailand, wo ich einige Stunden Aufenthalt hatte, um 23 Uhr in Reggio. Halb eins im Hotel. Gestern dann ein bißchen trainiert mit der Mannschaft, wir sind drei Stunden rausgefahren. Die Beine locker fahren. Früh morgens kamen die "Vampire" der UCI ins Hotel wegen den üblichen Blutkontrollen. Da gabs natürlich keine Probleme bei uns. Abends die offizielle Teamvorstellung. Das begann um 21 Uhr, bis wir dran waren war es 22:30 Uhr. Das ganze war ein bißchen steif. 400 Leute, darunter viele lokale Honoratioren, wenige Fans.

Morgen beim Rennen wirds auch spät. Ich bin um 20:29 Uhr dran beim Prolog. So spät bin ich auch noch nie Rennen gefahren, glaube ich. Meine Startnummer ist jedenfalls schon mal vielversprechend: 121. Das ist eine "gute" Nummer. Fragt mich nicht warum, das ist Rennfahrer-Aberglaube. Nummern wie 157 sind schlecht. 111, 21 oder eben 121 bringen Glück... Der Prologkurs ist 1.150 Meter lang. Für Sprinter zu lang, für Zeitfahrer zu kurz. Ich denke, ein guter Bahnverfolger hat da die besten Chancen. Sven Krauss und Markus Fothen von unserem Team wollen was versuchen. Ich glaube, mein letztjähriger Teamkollege Olaf Pollack, der jetzt bei T-Mobile fährt, hat ganz dicke Chancen auf einen vorderen Platz. Olaf ist starker Bahn-Fahrer und beim Giro-Prolog war er letztes Jahr schon vorne dabei. Ich werde morgen auch richtig reinhalten. Auch wenn das Ganze sicher nicht meine Spezialität ist, freue ich mich drauf und hoffe auf eine stimmungsvolle Atmosphäre mit vielen Fans. Ich fahre bestimmt 600 Meter schnell und stehe die restlichen 500 Meter im Laktat. Das ist so eine doofe Distanz. Man fährt durchweg volle Pulle und da wird 1km am Ende ganz schön lang! Schön für mich: Ich fahre im Dunkeln. Da fühlt man sich merkwürdigerweise immer viel schneller. Bis morgen!


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Giro d'Italia 2004: Rennfahrer-Tagebuch von Robert Förster