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Kummer "enttäuscht" vom Giro-Sieger
T-Mobile sieht Savoldelli durch die rosa Brille


T-MOBILE-PROFI SAVOLDELLI, GIROSIEGER SAVOLDELLI  Fotos: Roth

29.05.05 (rsn) - Der "Falke" ist zurück und Italien jubelt. Mit einem denkwürdigen Kampf auf der vorletzten Etappe des Giro d'Italia hat sich Paolo Savoldelli seinen zweiten Gesamtsieg nach 2002 geschnappt. T-Mobile spielte dagegen beim Giro keine Rolle - umso mehr ärgert man sich, weil Savoldelli bis letztes Jahr in Magenta fuhr.

«Ich habe in drei Wochen zwei qualvolle Jahre wettgemacht», sagte Savoldelli im Rückblick auf die spannendste Italien-Rundfahrt der letzten Jahre. 2003 und 2004 waren für ihn bei T-Mobile verlorene Jahre. Stürze, Verletzungen und Krankheiten prägten seine Zeit im Bonner Team, das seinen Weggang in die Lance-Armstrong-Mannschaft mit gemischten Gefühlen sah.

Kommentar
Rosarote Brille

Da ist sie wieder, die rosarote Brille beim Magentateam. Mal abgesehen davon, dass es ganz schlechter Stil ist, über einen ehemaligen Fahrer zu sprechen in dessen größter Stunde, hat T-Mobile überhaupt kein Recht, Savoldelli zu kritisieren. Telekom hat den Lombarden nach seinem ersten Giro-Triumph mit viel Geld geholt und ihn nicht etwa mitaufgebaut. Als er verletzt war, habe man ihn weiterbezahlt, jammert Kummer. Das war aber auch die vertragliche Pflicht. Mit der gleichen "Großzügigkeit" bezahlen die Telekom-Kunden ihre Rechnungen. Savoldellis Vertrag lief aus und er wechselte. Ein ganz normaler Vorgang. Wenn T-Mobile die Illoyalität von Fahrern beklagt, grenzt das an Dreistigkeit. Die Magentruppe hat Routiniers, die Teamgeschichte schrieben (Bölts, Heppner) in dürren Worten eiskalt abserviert. Starken jungen Talenten wie Rund um Köln-Sieger David Kopp und Rheinland-Pfalz-Sieger Stefan Schumacher entzog man das Vertrauen, als es nicht gleich im ersten Profijahr super lief. Im harten Profigeschäft kann man mit Fahrern so umgehen. Nur sollte ein solches Team dann nicht ehemalige Angestellte kritisieren, die sich genauso kühl an die Buchstaben des Vertrags halten. (lm)

«Er hat in der Zeit vielleicht zehn Rennen für uns bestritten. Alle standen hinter ihm, sein Gehalt wurde weiter überwiesen, obwohl er fast nie fuhr. Als er wieder gesund war, wechselte er trotz unseres Angebots - das hat mich persönlich enttäuscht», sagte T- Mobile-Teamchef Mario Kummer, der einen Savoldelli dieser Güte jetzt gern in seinen Reihen hätte. Bei der Tour wird der eher introvertierte Italiener dem Ullrich-Team an der Seite Armstrongs, der ihn beim Giro besuchte, vielleicht noch einige Rätsel aufgeben.

Savoldelli («Der Giro-Erfolg hat mich zehn Jahre meines Lebens gekostet») stand schon vor seinem Wechsel nach Bonn auf der Einkaufsliste des Rekordsiegers aus Texas. Doch der Terror des 11. September ließ das Budget der US-Postal-Mannschaft schrumpfen und für den Giro-Zweiten von 1999 und Sieger von 2002 war plötzlich kein Geld mehr da. Als es bei T-Mobile nicht lief, hatte der ausgebildete Malermeister sogar mit einem Wechsel in die Politik geliebäugelt. Aber er blieb dem Sport treu und sorgte für den knappsten Giro- Ausgang seit 1974, als Merckx, Baronchelli und Gimondi in Mailand 33 Sekunden auseinander lagen.

Savoldelli setzt die Reihe der vormals erfolgreichen Radprofis fort, für die T-Mobile als Sprungbrett für die zweite Karriere diente. Nachdem Bobby Julich zu Bjarne Riis gewechselt war, erlebte der Amerikaner, Tour-Zweiter 1998, einen höchst bemerkenswerten «zweiten Frühling». Genauso erging es dem Zeitfahr-Weltmeister Santiago Botero aus Kolumbien, der im Mai die Tour de Romandie gewann und für die Tour ein Trumpf-As seines neuen Phonak-Teams sein soll.

Zumindest in zwei von drei Fällen hat Kummer medizinische Erklärungen für den Leistungsschub: «Botero und Savoldelli waren bei uns wegen Verletzungen und Krankheiten nie im Vollbesitz ihrer Kräfte. Deshalb wundere ich mich nicht über ihre jetzigen Leistungen im fitten Zustand. Bei Julich staune ich allerdings schon.»


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