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Gerdemann wechselt zu T-Mobile
"Linus hat sich fürs Geld entschieden"

Gerdemann als Ausreißer bei der letzten Vuelta
Foto: Roth
BERLIN, 21.10.05 (rsn) - Linus
Gerdemann, den der BDR wegen seines nicht immer ganz einfachen
Charakters letztes Jahr nicht mit zur WM nahm,
musste lange geradezu betteln um einen Profivertrag.
Dann bewies der 23-Jährige als Neuprofi bei CSC, dass ihn
viele zurecht für ein Riesentalent halten. Nun kehrte Gerdemann den Spieß um
und ließ zwei ProTour-Teams um ihn kämpfen.
Fotos: Roth
|
Trotz bis Ende 2006 gültigen Vertrags bei CSC-Teamchef Bjarne Riis
wechselt Gerdemann nächste Saison zum Bonner T-Mobile-Team.
Der dänische Toursieger von 1996 und Ex-Telekom-Profi
entließ den Youngster aus dem Vertrag,
bezeichnete den Transfer aber als "nicht korrekt und nicht seriös".
Er wolle aber "einen großen Krach vermeiden", wie er am Freitag der dpa
sagte. Christian Frommert, T-Mobile-Teamsprecher, hält den Wechsel
für "absolut sauber" und wehrte sich gegen den Vorwurf, "wir würden
alles mit Geld erschlagen".
Das Zustandekommen des überraschenden Wechsels
ist zwischen den Parteien unstrittig: Gerdemann, der im Juni,
wenige Wochen nachdem er das Akud-
gegen das CSC-Trikot eintauschte,
mit einem Etappensieg bei der Tour
de Suisse aufhorchen ließ, unterschrieb zu Jahresbeginn bei CSC einen
Zwei-Jahres-Vertrag bis 2006. Im August hatte es ein Gespräch mit T-
Mobile-Manager Olaf Ludwig über eine Verpflichtung ab 2007 mit
konkreten Angeboten gegeben. Darüber informierte Gerdemann seinen
Chef Riis, der dem "größten
deutschen Talent seit Ullrich" (Riis) seinerseits einen
Folgevertrag für 2007 und 2008 anbot. Riis: "Aber Linus wollte viel
mehr haben. Das wollte ich ihm nicht bieten. Dafür hat er noch zu
wenig gezeigt. Das ist keine gesunde Entwicklung."
Riis stellte ihn frei - T-Mobile schnappte zu.
"Gerdemann hätte seinen Vertrag bei mir im kommenden Jahr natürlich
erfüllen müssen. Aber ich bilde doch nicht einen Fahrer weiter aus
und mache ihn noch besser, damit er dann zur Konkurrenz wechselt.
Linus hat sich für's Geld entschieden. Darüber bin ich ihm nicht böse
- das ist sein gutes Recht. Aber man hätte von T-Mobile-Seite mit mir
sprechen müssen", sagte Riis, der große Stücke auf Gerdemann hält.
"An unserer Vorgehensweise ist nichts Unrechtes, zumal es mit Linus
für 2007 nur eine mündliche Vereinbarung und keinen Vertrag gab",
sagte Frommert.
"Ich freue mich, dass wir uns mit Linus auf einen längerfristigen
Vertrag einigen konnten. Er hat in der abgelaufenen Saison
eindrucksvoll bewiesen, dass er eines der hoffnungsvollsten Talente
im deutschen Radsport ist. Ich bin sicher, dass wir in Zukunft noch
viel Freude an ihm haben werden", sagte Ludwig, der den diesjährigen
Dritten der Bayern-Rundfahrt "behutsam aufbauen" will.
Ludwig hatte zuvor auch bereits den Deutschland-Rundfahrt-Sieger
von 2004, Patrik Sinkewitz, neuverpflichtet.
T-Mobile, das sich nach
den Weggängen der Stars Erik Zabel und Alexcandre Vinokourov neu
ausrichtet und verstärkt auf junge Deutsche setzt, hätte u.a. auch
gern den 23 Jahre alten Giro-Zwölften Markus Fothen
von Gerolsteiner weggelotst. Der
blieb aber bei der Mineralwassertruppe.
Der neue Kader von T-Mobile
um Tour de France-Hoffnung Jan Ullrich
ist nun mit 29 Fahrern endgültig komplett.
Wichtigste Neuzugänge sind neben Gerdemann und
Sinkewitz der Luxemburger Kim Kirchen,
der Italiener Lorenzo Bernucci
und der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Michael Rogers
aus Australien.
T-Mobile 2006:
- Neuzugänge: Lorenzo Bernucci und Eddy Mazzoleni (ITA), Kim Kirchen (LUX),
Linus Gerdemann, André Greipel, Jörg Ludewig, Patrik Sinkewitz und Thomas Ziegler (ALL), Scott
Davis und Michael Rogers (AUS), Serhiy Honchar (UKR).
- Abgänge: Alexandre Vinokourov und Serguei Yakovlev (KZK), Paco Lara (ESP),
Tomas Konecny (TCH), Rolf Aldag, Torsten Hiekmann, Jan Schaffrath, Tobias
Steinhauser, Christian Werner und Erik Zabel (ALL)
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