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Robert "Frösi" Förster, der bereits drei Mal beim Giro d'Italia am Start war, gibt in diesem Jahr sein Debüt bei der Tour de France. Beim letzten Giro bot der Sprintspezialist der geballten Weltklasse um McEwen und Petacchi Paroli und belegte mehrmals vordere Plätze. Damit verdiente er sich auch die Nominierung für das wichtigste Rennen der Welt. "Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagt der 27-Jährige aus Markkleeberg bei Leipzig.


Letzter Teil
"Lern-Tour" beendet

Nach vier Wochen nettem, aber sehr anstrengenden Frankreichurlaub bin ich endlich wieder zu Hause angekommen. Ich hoffe, ich habe Euch mit meinem Tagebuch einen kleinen Einblick ins Leben eines Rennfahrers während der Tour de France geben können. Bei der ein oder anderen Etappe wollte ich zwar schon etwas weiter vorne landen, aber es war meine erste Tour. Die Lerntour. Beim nächsten Mal muss ein Etappensieg her! Ja, was soll ich noch sagen? Ich habe gelitten. Richtig gelitten. Doch es hat sich gelohnt Paris mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Ehrenrunde auf den Champs-Elysées war ein echtes Erlebnis.

Die Schlussetappe war wegen des Duells um den fünften Gesamtplatz zwischen Vino von T-Mobile und Levy Leipheimer nochmal aufreibend für uns. Am ersten Zwischenspurt sind wir für Levy angefahren, aber da ging es richtig berghoch und Vino hatte an diesemTag mächtig Druck auf dem Pedal. Er gewann vor Levy, da waren sie zeitgleich. Dann setzte der Regen ein und es hieß, beim nächsten Zwischensprint gäbe es nur noch Punkte, keine Zeitgutschrift. Über Funk dann die Info, dass wegen des Regens das Gesamtklassement zugemacht wird vor dem Schlusskurs. Am Ende bekam Vinokourov dann aber doch die Zeitgutschrift für seinen Etappensieg und ging an unserem Levy vorbei. Logisch waren diese Jury-Entscheidungen jedenfalls nicht. Kein Mensch wusste Bescheid. Wir waren doch ziemlich sauer. Ich persönlich kam im Sprint nicht richtig in Schwung am Ende. Ein mächtiges Gerangel auf den letzten 1000 Metern. Es ging nur noch um Platz 4, da hält man dannn sowieso nicht mehr 100-prozentig rein, wie wenn es um den Sieg ginge. 10.Platz naja - aber Paris erreicht!

Die große Ehrenrunde in Paris, das war ein Erlebnis nach diesen drei aufregenden Wochen. Abends gab es am Sonntag noch ein Bankett mit den Fahrerfrauen - auch meine Freundin war da. Mit den Sponsoren hat unser Team abends noch bis um halb 3 Uhr gefeiert. Alle haben noch einmal die Tour Revue passieren lassen. Am Montag ging es mit dem Bus in sechsstündiger Fahrt nach Gerolstein, wo ein Empfang stattfand. Danach trennten sich unsere Wege. Einige Fahrer fuhren nach Hause, für mich ging es gleich weiter zu einem Kriterium in Ratingen. Da musste ich mich noch mit Platz 2 hinter Erik Zabel begnügen. Doch am Mittwoch in Neuss habe ich dann gewonnen. Gestern war dann die Nacht von Hannover. Sehr viele Zuschauer und richtige Stimmung an der Strecke.

Ich habe ein gutes Gefühl nach dieser Tour. Ich bin gesund aus dem Rennen rausgekommen, mit guter Form und mit guter Moral. Der ganze Druck ist jetzt erst einmal von mir abgefallen. Ich kann jetzt relaxter in die weiteren Rennen gehen und ich hoffe noch auf den ein oder anderen Saisonsieg, vielleicht ja schon in Hessen, wo ich meine nächste Rundfahrt fahre. Das Tagebuch hat mir wieder großen Spaß gemacht. Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Fans bedanken, die mir die Daumen gedrückt haben. Einige von Euch haben mich ja sogar unterwegs an der Strecke mit Hinweis auf mein Tagebuch angefeuert! Ihr habt Anteil daran, dass ich bis Paris kam! Danke auch an das Team von Radsport-News.com für die nun ja schon traditionsreiche Zusammenarbeit und die Unterstützung beim Tagebuch. Ich denke, wir werden das sicherlich bei Gelegenheit wiederholen.

Bis demnächst,
Euer Frösi


20.Etappe
"Jetzt freue ich mich auf Paris"

Zeitfahren ist für einen Sprinter und alle, die keine Ambitionen (mehr) im Gesamtklassement haben, vom Ergebnis her uninteressant. Aber ein halber Ruhetag wars für mich auch nicht.


Foto: Roth
Da ich von unserem Team als erster auf die Strecke musste, habe ich Fabian schlafen lassen, als ich um 8 Uhr aufgestanden bin. Gemütliches Frühstück. Am späteren Morgen an den Start. Eine halbe Stunde warmfahren auf der Rolle. Im "Fahrerlager" kommt man sich ein bißchen vor wie im Zoo. Ich freue mich immer, wenn Fans kommen, am besten sogar noch welche, die meinen Namen kennen, und nach Autogrammen fragen oder ein Foto machen wollen. Und dann gibt es auch die, die mit einem Phonak-Poster kommen oder einer halben Klorolle, auf der man unterschreiben soll. Das hat man dann nicht so das Gefühl, dass das Interesse so riesig ist an einem Autogramm...

Dann auf die Startrampe. Nervös bin ich gar nicht. Lampenfieber habe ich manchmal vor Sprints. Heute beim Zeitfahren null. Ich dachte nur, Oh je, jetzt gehts los. Am Start muss man vom Ruhepuls gleich aufdrehen. Die ersten 25km waren brutal. Nur hoch, schlechter Asphalt. Bei KM 18 merke ich, wie mein Sattel lose wird. Also auf mein Ersatzfahrrad gewechselt. Da ich kein Spezialist bin, habe ich allerdings erst eine von den neuen Maschinen. Das Ersatzrad war ein etwas älteres Modell. Ich dachte ich wechsele vom Rennrad aufs Klapprad. Danach habe ich auch bald Rückenschmerzen bekommen, aber es ging schon. Die Abfahrt-Passage ging super, am 5km-Anstieg habe ich meinen Rhythmus gefunden und konnte auch ein bißchen die Atmosphäre mit den vielen Zuschauern genießen. Wäre noch schöner gewesen, wenn mir nicht einer mit seiner Tröte voll ins Ohr gehupt hätte, dass ich es noch 10 Minuten Klingeln gehört habe.

Fans fragen Frösi

Csaba aus Ungarn fragt: Worauf achtest Du beim Zeitfahren? Auf die Geschwindigkeit, Puls oder die Trittfrequenz?
Frösi: Das geht ganz nach Gefühl. Man kennt seinen Körper so gut. Ich fahre knapp ans Limit. Das hat man sehr genau im Gefühl, wo die Schwelle ist, ab der man sich kaputt fährt. Da muss man drunter bleiben, aber auch nicht zu weit darunter.

Björn aus Kölln-Reisiek fragt: Ist McEwen tatsächlich so unsympathisch, wie er in den Rennsituationen und beim Jubeln rüberkommt?
Frösi: Ich habe überhaupt kein Problem mit McEwen. Sportlich macht er alles für den Erfolg und er geht manchmal auch über Grenzen drüber. Auch wenn er mal wieder ein grupetto sprengt, flucht man schon mal über ihn. Aber so als Typ ist er in Ordnung. Im Rennen ist immer für einen Flachs zu haben. Nur wenns ans Siegen geht, dann ist er wie ausgewechselt.


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Die Abfahrt, die letzten 10km zogen sich noch mal. Wieder kein Rhythmus, im Stehen gefahren wegen den Rückenschmerzen. Ich fahre nicht 100 Prozent bei so einem Zeitfahren, aber quälen muss man sich auch bei 95 Prozent. Und ich merke die drei Wochen Tour (plus Giro davor) jetzt ziemlich in den Beinen. Mein Puls kommt gar nicht mehr hoch. Ich hätte mich heute während der Fahrt locker unterhalten können. Die Herzfrequenz ist gut, aber die Beine wollen nicht mehr. Es wird Zeit, dass mal etwas Ruhe ist.

Als ich im Ziel war habe ich den Kollegen noch ein bißchen Tipps gegeben zur Strecke. Die werden aber nicht immer so geschätzt, wie ich heute feststellen musste. Ich sagte zu Beat Zberg, die Abfahrt könne er voll nehmen. Nachher hat er geflucht: "Bist Du wahnsinnig? Ich bin zwei Mal beinahe gestürzt." Hat halt jeder ein anderes Fahrgefühl. Nachmittags habe ich mir das Rennen bei und nach der Massage im Fernsehen angeschaut. Dann war auch der Tag bald wieder rum.

Jetzt freue ich mich riesig auf Paris. Ich kenne die Fest-Atmosphäre von der Giro-Etappe nach Mailand, bin mal gespannt, wie da der Unterschied ist. Bei der Etappe morgen geht es für Gerolsteiner im allgemeinen und mich persönlich nochmal um viel. Das Team muss aufpassen, dass Vino nicht noch was versucht. Er liegt ja nur 2 Sekunden hinter unserem Kapitän Levy. Ich denke mal, dass Vino ruhig bleibt und die Friedensetappe einhält. In den Zwischenspurts würde er es sowieso schwer haben, weil im Grünen Trikot noch keine Entscheidung gefallen ist. Für mich persönlich ist der Sprint auf den Champs Elysées sicherlich einer der Höhepunkte der Tour. Ich werde mich nochmal voll konzentrieren. Ich werde reinhalten soweit mich die Beine tragen. Viel Druck kommt da nicht mehr nach drei Wochen Tour, aber den anderen geht es genauso. Für mich ist ein Platz unter den ersten drei das Ziel. Alles andere wäre Träumerei, da bin ich realistisch genug. McEwen hat die Härte, die Mannschaft. An ihm ist wohl kein Vorbeikommen. Aber ich versuch's! Drückt mir die Daumen.


19.Etappe
Paris zum Greifen nah

Fast geschafft bis Paris! Morgen noch das Zeitfahren und dann die "Ehrenrunde" am Sonntag. Freuen kann ich mich noch gar nicht, ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass ich mein zweites Ziel, die Tour de France zu beenden, jetzt praktisch erreicht habe. Der Tag heute war zu hektisch und anstrengend. 360 Kilometer auf der Straße. 210 km davon im Auto. Ich bin erst mal nur glücklich, gleich ins Bett zu kommen. Und froh, dass ich heute das Rennen um das bessere Bett gegen Fabian gewonnen habe...

Heute gingen die ersten 20km sehr gut bei mir, ich habe sogar schon die Hoffnung gehegt, ich könnte gemütlich mitfahren. Auch an dem Vierer-Anstieg nach 23 Kilometern  alles im Lot. Am 11km langen Dreier stand der Wind plötzlich von vorne, da hat es im Feld alles zersprengt. Ich kämpfte mit Lombardi hinten um den Anschluss. Wir wären normalerweise in den Autos auch vermutlich auf den letzten 3km des Bergs wieder rangekommen, aber die Kommissäre haben heute Barrage gemacht. Haben alle Autos vor uns rausgewinkt. So mussten Lombardi und ich die nächsten 20km Vollgas fahren, um wieder ins Feld zu kommen. Wir hatten da schon ein bißchen Angst, den Anschluss zu verpassen. Bloß nicht drei Tage vor Schluss jetzt noch das Zeitlimit verpassen!

Fans fragen Frösi

Christian aus Koblenz fragt: Welche Kriterien fährst Du?
Frösi: Am Montag in Ratingen, Mittwoch Neuss, Freitag die Nacht von Hannover, Montag in acht Tagen in Lorsch und den Dienstag in Mönchen-Gladbach.

Oliver fragt: Bekommt man nicht bei soviel Stunden im Sattel Sitzprobleme? Und benutzt Du auch Sitzcreme?
Frösi: Nach drei Wochen bekommt man schon so langsam Probleme. Das Sitzleder reibe ich immer mit normaler Nivea-Creme ein. Da hat aber jeder seine kleinen Tricks. Genauso beim Sattel. Ich habe meinen gefunden mit dem SLR(XP) von Selle Italia. Aber da gibt es keine Patentrezepte. Weich oder hart. Da muss jeder Arsch seinen Sattel finden :)


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Bei KM 60 waren wir wieder drin. Die nächste Bergwertung, wieder 11km, 5 Prozent. Ich dachte, die Gruppe steht, da werden sie jetzt mal nicht so drüber rasen, aber Discovery wollte wohl unbedingt noch einige abhängen und das Feld ist gleich zerrissen. Ich hing schon wieder hinten. Diesmal waren wir fünf Mann. Tombak, Facci, Joly, mein guter Freund Vanotti und ich. Mit Alessandro Vanotti von Domina Vacanze verstehe ich mich echt gut. Wir haben schon beim Giro oft gemeinsam gelitten. Er spricht nur italienisch, aber als Sprinter hat man da irgndwie auch ohne Worte eine gemeinsame Sprache. Wir machen da unsere Späßchen oder klopfen uns gegenseitig auf die Schulter, wenn wir es wieder mal überlebt haben.

Auch heute haben wir es wieder geschafft. 20km Anschlag. Ich musste beißen, aber es ging schon, es war zu schaffen. Die "verlorenen Schafe müssen die Herde finden", sagt mein Freund Sträusschen (Marcel Strauss). Im Finale habe ich nochmal versucht im Prestigesprint reinzuhalten. Aber viel Druck kam da nicht, das habe ich gleich gemerkt, als ich aus dem Sattel ging. Drei Wochen Tour merkt man ganz schön.

Nach dem Rennen hatten wir noch 140km Transfer. Levy und ich fuhren mit unserem Pressesprecher Matthias Wieland. Wir standen im Riesenstau hinter der Werbekarawane, da fand sich ein netter Mottoradpolizist, der sich unser erbarmt und sich mit Blaulicht vor uns und zwei T-Mobile-Autos setzt. Ist in Frankreich eher selten, dass sie sowas machen. Wir fahren ein paar Kilometer schön Vollgas auf der Überholspur, auf einmal schepperts. Ein Auto biegt ein und rammt den Motorradpolizisten. Gott sei dank nix passiert außer Blechschaden. Aber beide unter Schock. Eine Aufregung war das.

Bei einer längeren Transferfahrt malt man sich meist aus, was man für ein schönes Hotel hat, aber das war heute nur geträumt. Eine düstere Kiste aus dem 18.Jahrhundert zwischen Bahnhof und Hauptstraße. Unser Zimmer - so stelle ich mir vor haben die Dienstboten früher gewohnt. Ich war natürlich vor Fabian da und habe das einzige Bett genommen. Fabian muss auf so eine Klappliege. War der sauer! "Was ist denn das für eine Bumsbude!", schreit er. Das riesige H von der "Hotel"-Leuchtschrift an der Fassade strahlt schön in unser Zimmer, dass Du denkst es ist 7 Uhr und die Sonne ist aufgegangen.

Morgen das Zeitfahren. Das ist auch noch mal schwer. 55km. Aber das Zeitlimit dürfte da kein Problem sein. Da kann man ein bißchen mit Auge fahren. Ich bin schon tierisch zufrieden, dass ich bis hierher kam. Paris ist zum greifen nah. Das war mein zweites Ziel. Durchkommen, es denen beweisen, die daran zweifelten. Und ich kann mich auch ein bißchen bedanken bei allen, die mir soviel Mut gemacht und mich angefeuert haben. Danke! Also, bis morgen!


18.Etappe
Mit Auge

So langsam gleicht ein Tag dem anderen und man verliert ein bißchen fast das Zeitgefühl. Paris lockt - aber es ist gefährlich, zu früh daran zu denken. Die Etappe morgen ist nochmal sehr, sehr schwer. Dass sie so kurz ist, ist paradoxerweise das besonders gefährliche.


"Mit Auge" 
Foto: Roth
Heute am Start der Etappe wieder wahnsinnig viel Leute, was ja schön ist, aber was auch ein bißchen nervt, weil man überhaupt nicht durchkommt bis zur Startaufstellung. Startschuss und mit Schwung sind wir gleich mit 60 Sachen durch. Eh klar. Am Anfang war es eklig. Das schlimme bei solchen Ausreißer-Etappen ist die Zeit, bis endlich die Gruppe steht. 30km wurde Reihe gefahren. Links, rechts eine Attacke nach der anderen. Dann fuhr eine größere Gruppe weg. Aber da waren drei, vier Mann mit Zeit drin und Discovery ist voll hinterhergeblasen. Da waren aber dann alle am klemmen hinten. Am Ende der ersten Stunde - Berge hin oder her - standen 50km/h zu Buche. Jeder hängt da in der Reihe, hält sich am Lenker fest und hofft, dass es schnell vorbei gehen möge. Da leiden alle, aber das ist in dem Moment kein Trost, denn das erfährst Du ja erst hinterher, wenn auch die Kollegen stöhnen über das Tempo.

Gott sei Dank stand nach rund 50km endlich die Gruppe. Ein kollektives Durchatmen hinten. Im Feld hat die amerikanische Kontrollbehörde wieder übernommen und ist die nächsten 100km regulare gefahren. Nicht langsam, aber auch nicht sehr schnell. Mir ging es ganz gut. Aber bei der Zweier-Bergwertung, als ich das Schild gesehen habe: Bergwertung, 11km, da möchte man trotzdem kotzen. In der der dritten Tourwoche ist man im Kopf nur noch bedingt leidensfähig. Mir gehen dann so abstruse Dinge durch den Kopf. Ich male mir aus, wie weit 11km sind: Von zuhause in Markkleeberg bis da oder dort hin...

Fans fragen Frösi

Basti fragt: Wie wird denn die Karenzzeit berechnet ? Prozentual zur Zeit des Etappensiegers ? Oder gibts da irgend ne generell feste Zeit ?
Frösi: Die Karenzzeit ist immer als Prozentangabe der Siegerzeit festgelegt. Das kann zwischen 7 und 16 Prozent sein. Das hängt zum einen von der Etappenkategorie (Flach, mittel, Berg, Zeitfahren) ab und zum anderen vom gefahrenen Schnitt. Je schneller, desto größer die prozentuale Karenzzeit. Da gibt es Tabellen und während des Rennens gibt es dann immer die große Rechnerei.


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Die letzten 25km wurden schnell. 15km vor Schluss haben 90 Mann die Beine gehoben. Alle zusammen den Dreier hoch, ohne Rennen zu fahren. Am Zweier habe ich nochmal reißen lassen. Aber diesmal nicht, weil ich musste, sondern mit Auge. Ich wollte mir da heute keinen mehr rausschrauben für nix. Lieber Körner sparen für morgen, man weiß nie, ob man die nicht noch bitter braucht. Die Karenzzeit war heute kein Problem mehr, da bin ich allein hinterhergefahren, gemütlich in meinem Rhythmus. Letzter zu sein bedeutet Panik, wenn es im Hochgebirge ist und Du hast noch 100km. Heute aber war mir das ganz egal. Viele deutsche Zuschauer am letzten Berg, ein bißchen gewinkt. Kurz vor der Höhe war das zweite Begleitfahrzeug von Discovery vor mir. Die Franzosen haben den beschimpft, bespuckt und mit Zeug beworfen. Fair ist das alles nicht. Armstrong ist nun mal der Stärkste im Rennen und unterzieht sich den Dopingkontrollen wie alle anderen.

Morgen wird es wie gesagt nochmal richtig gefährlich. Die Etappe wurde merkwürdigerweise nicht als mittlere, sondern als "leichte Etappe" eingestuft, d.h. die Karenzzeit beträgt möglicherweise nur 7 Prozent. Wenn dann eine Ausreißergruppe weit wegfährt, wird es brenzlig, wenn am Ende die Favoriten nochmal Spielchen machen und man reißen lässt. Wir haben mal ausgerechnet, das Zeitlimit könnte bei 14 Minuten liegen. Und das kann eng werden. Das war heute hinten im grupetto das große Thema. Wer will schon wegen so einem Blödsinn bei so einer an sich ja gar nicht allzu schweren Etappe rausfliegen, nachdem wir es bis hierhin geschafft haben? Das wäre schon ein Witz. Drückt uns die Daumen! Bis morgen!


17.Etappe
Ein langer Tag

Das war ein sehr langer Tag. Nach einer zur Abwechslung mal angenehmen Nachtruhe gab es um 8 Frühstück, um 9 Uhr Abfahrt. 240 Kilometer Radrennen. Danach an die 80 Kilometer Transfer im Auto. Massage, Essen und um Viertel vor Elf war ich im Hotelzimmer. Den ganzen Tag Trubel, keine Minute mal für sich. Aber ich beklage mich überhaupt nicht. Das ist die Tour und ich bin glücklich, dabei zu sein.


Foto: Roth
Dass es bei Kilometer null wieder gleich mit Vollgas losging, brauche ich eigentlich ja gar nicht erwähnen, weil das jeden Tag so ist. Am Ende der Neutralisation fährt das Auto vorne schneller, die weiße Fahne signalisiert, gleich gehts los. Das Feld beschleunigt und bei KM 0 haben wir 50, 60 Sachen auf dem Tacho. Viele kommen da gleich mit Schwung von hinten, um zu attackieren. Was ein Unterschied zum Giro! Dort rollt man nach dem Start erstmal gemütlich weiter mit 30km/h und es geht erst so allmählich los.

Die ersten Kilometer schon gleich hoch, runter. So ging es den ganzen Tag. 3000 Höhenmeter hatte ich auf dem Computer. Am Anfang hingen gleich 40 Mann hinten. Nein, ich war heute nicht dabei, mir ging es nicht so schlecht. Bis die erste Gruppe ging war es aber ein ekliges Gefahre. Gruppe geht, Berg, Gruppe wieder zurück. Wieder hoch. Das hat keinen Spaß gemacht. Als die Gruppe des Tages endlich stand, wurde es ruhiger. Von uns war keiner dabei. Aber da kann man keinem einen Vorwurf machen. Das ist immer eine Lotterie. Du weißt nie, welche Gruppe nun geht. Wäre eine Gruppe vorher gegangen, wären zwei Gerolsteiner dabei gewesen.

Fans fragen Frösi

Daniel aus Pforzheim: Kurz vor Paris die entscheidende Frage: Wer führt von Euch im Kampf ums bessere Hotelbett? Oder habt Ihr eine Übereinkunft getroffen: Fabian darf vor Bergetappen wählen und Du vor Flachetappen?
Frösi: Nein, der Kampf ist gnadenlos. Der erste im Zimmer hat die Bett-Auswahl. Es steht unentschieden. Aber Fabian hatte einige Male Glück, weil er das schnellere Auto hatte und vor mir im Hotel war. Da geht noch was in der Wertung...

Sascha aus dem "Henninger Turm"-Ort Hofheim/Ts. fragt: Wie macht Ihr das eigentlich mit den vielen Begleitfahrzeugen und Motorrädern, die während der Etappen um Euch herumschwirren, wenn Ihr die Abgase einatmen müßt? Gibt's da einen Trick?
Frösi: Nein, das ist schon oft sehr unangenehm, aber es gehört halt zum Geschäft. An großen Bergen ist die Hitze, die die Autos abstrahlen, fast noch unangenehmer als die Abgase.


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Im Feld wurden die Ausreißer fahren gelassen, aber es war auch so ein ekliges Tempo drin. Nichts halbes und nichts ganzes. Als der Vorsprung 20 Minuten betrug, ging Discovery plötzlich raus. Was nun? Die dachten sich, lass doch andere fahren. Sevilla wurde eine Gefahr für Moreau, Landis. Da ist dann Crédit Agricole eingestiegen. Später auch T-Mobile, die wohl Angst bekamen wegen der Teamwertung. Dann wurde es schnell. Am letzten Berg haben Ulle und Co. Räuber und Gendarm gespielt und hinten flog alles auseinander. Man musste noch ein bißchen ein Auge auf die Karenzzeit haben, weil das Feld ja schon soviel Rückstand hatte. Es war kein Problem, aber das kann schon mal gefährlich werden in solchen Situationen, wenn Ausreißer so weit weg sind.

Nun, dann war die Etappe auch geschafft. Transfer. Gegen 19:30 Uhr im Hotel. Eine Stunde Massage. Abendessen hat ewig gedauert. Und der Tag ist schon wieder rum. Morgen eine ähnliche Etappe wie heute. Sicherlich gehen Ausreißer und am Anfang wird es schnell auch wegen der Sprintwertung auf den ersten Kilometern. Eine anstrengende Etappe wird das. Genauso wie die am Freitag. Als Sprinter hätte ich mir natürlich gewünscht, dass sie noch eine Flachetappe dazwischen einbauen. Denn so interessant sind diese Ausreißeretappen hintereinander ja doch auch nicht für die Zuschauer. Und die Favoriten tun sich nichts, für die ist es zu leicht. Naja. An Paris denke ich noch gar nicht. Ein Schritt nach dem anderen. Ich konzentriere mich auf die beiden nächsten Etappen. Bis morgen!


16.Etappe
Überwältigendes Erlebnis am Aubisque

Der Tag begann heute morgen wieder richtig vermurkst. Habe schlecht geschlafen. Ich stand irgendwie neben mir, mein Kreislauf war nicht richtig in Schwung. Vor der schweren Etappe hatte ich auch ein bisschen Angst, ehrlich gesagt. Nach dem Ruhetag weiß man nie, wie die Beine sind und nach zwei Wochen Tour sind nicht mehr viele Reserven da.


Frösi bei der 16.Etappe am Dienstag
Foto: Roth
Das Rennen begann wie immer bei KM 0. Da erreichten wir schon unsere Reisegeschwindigkeit von 58km/h. Gleich Lenker unten. Das ist auch der große Unterschied zum Giro. Dort wird am Ende genauso hart gefahren, nur am Anfang wird auch mal gebummelt. Bei der Tour de France immer Vollgas. Das ist doch wesentlich härter.

Dann gab es einen Sturz, das Feld zerriss und unser Levy Leipheimer saß hinten fest. Wir mussten ihn nach vorne fahren. Vorausschauend wie ich bin, war ich schon hinten... Andere ließen sich zurückfallen. Im ersten Feld hat es keinen gekümmert, was hinten war, die sind mit 55 Sachen gebrettert. Dann fahre mal einen vor. Ich habe es versucht, aber ich war gar nicht mehr in der Lage, Levy zu helfen. Bei 60km/h an 30.Position in der Gruppe. Ich kam nicht mehr nach vorne, wo unsere Jungs Tempo gebolzt haben. Das war bitterböse. Ich habe schon gedacht, die sehen wir vorne nie wieder. Aber die haben sich mächtig ins Zeug gelegt und es doch geschafft.

Der erste Berg, der Dreier. Da unten habe ich schon gewackelt. Als einziger hinten. Ich kam zwar mit dem Feld drüber, aber locker war das nicht. An so einem Ding reißen lassen - im Handbuch für Radsportler steht das nicht. Ich denke, das kam schon vom Kopf her. Wenn man am Start schon keine richtige Mauke hat, dann wird es auch nix. Ich war jedenfalls nicht wirklich frohgemut vor den beiden großen Bergen.

Fans fragen Frösi

• Daniel aus Leipzig: Welche Teams/Fahrer sind am kooperativsten bei der Weitergabe von Verpflegung/Getränken an fremde Fahrer ?
Frösi: Das kann man gar nicht sagen. Da herrscht allgemein eine große Kameradschaft im Feld. Bei schweren Etappen schaut keiner danach für welches Team du fährst, wenn man Durst hat und eine Flasche braucht.

Vicky fragt: Wieso haben viele Radprofis, wie zum Beispiel Andreas Klöden, immer so eine Art Heftpflaster auf dem Nasenrücken kleben?
Frösi: Dass soll beim Atmen helfen, in dem die Nasenflügel weiter aufgehen. Mein Ding ist das nicht, aber jeder hat da ganz individuell seine kleinen Kniffe, die ihm helfen.


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Am Einser (Marie Blanque) hat es eine schöne Gruppe abgehängt: Förster, Botero und Karpets. Ich denke: Was ist denn hier los? Bin ich plötzlich in der Spitzengruppe? Aber die zwei haben sich wieder gefangen, ihren Rhythmus gefunden und mich dahinten allein gelassen. Es wurde steiler. Irgendwann sehe ich 100 Meter vor mir McEwen und seine Helfer. Es hat gedauert, aber ich kam immer näher an sie ran. Da ging so langsam bei mir der Kopf auf. Ich habe gemerkt, dass es doch gar nicht sooo schlecht geht bei mir. Ich habe einen schönen Rhythmus gefunden, nicht so ein Rumgehacke wie manchmal. Ich sage mir: Okay, nur die Ruhe. Soviel Rückstand bekommst Du gar nicht hier. In der Abfahrt dann volles Risiko. Ich bin an Becke vorbei und unten im Tal war ich an der McEwen-Gruppe dran. Im Tal ist Lottto Vollgas gefahren bis ins Feld zurück.

Dann der Aubisque. Ich war an der ersten Steigung selbst überrascht, wie locker mein Tritt war. Dieses Mal musste ich mich mal nicht von hinten ins grupetto kämpfen, sondern habe erst reißen lassen, als auch McEwen, Hushovd reißen ließen. McEwen fährt meistens so, dass er reißen lässt, sich dann erholt und wieder schneller wird. Aber egal: Da habe ich schon ein bisschen Selbstvertrauen bekommen, dass es so gut ging bei mir - und das in der dritten Tour-Woche. Oben am Pass gab es ein unbeschreibliches Erlebnis für mich. Wir kommen so im Pulk da hoch, da johlt eine ganze Gruppe Fans: "Ja, Ja, Frösi ist dabei!" Aus der ganzen Gruppe haben sie sich nur auf den kleinen Dicken fixiert. Ich war völlig überwältigt. Mir kamen tatsächlich die Tränen in der Abfahrt...

Die letzten 70km haben sich gezogen. Natürlich war es hart, aber ich hatte kein Messer am Hals. In der Abfahrt hatte ich mich ganz gut erholt und bin ganz gut mitgerollt im grupetto. Das Auf und ab war schon ein kleiner Vorgeschmack für morgen. Das schlimme wird morgen sein, dass es so ewig dauert, bis eine Gruppe geht. Am Anfang geht Attacke auf Attacke, das Loch wird wieder zugefahren und es geht von vorne los. Erst wenn die Gruppe mal steht, wird es hinten ruhiger. Aber Paris kommt immer näher. Bis morgen!


Zweiter Ruhetag
Der "schlechteste Deutsche" hat gut geschlafen

Das war so ein typischer Ruhetag. Eigentlich nur rumgegammelt und nichts gemacht und am Ende weiß man gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Die Erholung tut dem Körper gut, aber morgen wird es dafür um so härter. Die Etappe nach dem Ruhetag ist vor allem am Anfang sehr schwer.


Frösi (links) bei der Trainingsausfahrt am Montag in Pau
Foto: Roth
Gestern Nacht konnte ich erst lange nicht einschlafen. Nach der ganzen Hektik, dem schweren Rennen, dem langen Transfer, findet man nicht so schnell Ruhe. Aber als ich dann so gegen 1 Uhr eingeschlafen bin, habe ich dafür richtig gut geschlafen. Fabian hat mich heute morgen um halb elf geweckt. Er meinte, er hätte schon geglaubt ich hätte den Löffel abgegeben, so ruhig lag ich da. Aber der Schlaf hat sehr gut getan.

Nach dem späten Aufstehen war gar keine Zeit mehr für ein richtiges Frühstück, denn es stand ein Pressegespräch an. Viele nette Journalisten da. Mit den Jungs von der Presse, von der ARD und vom Hörfunk zum Beispiel ist es eigentlich immer ein sehr angenehmes Arbeiten. Die Fragen sehr sachlich und man merkt, dass sie was vom Radsport verstehen. Als ich nach anderthalb Stunden schon auf dem Weg zum Umziehen fürs Training war, lief mir noch ein Typ mit gezücktem Block hinterher. Er wolle mir noch ein paar Fragen stellen. Klar, kein Problem. Er müsse noch was machen über den "schlechtesten Deutschen" im Feld, meint er. Ich: Wie bitte? Naja, Becke sei der zweitschlechteste und ich der Schlechteste. Ob es nicht "erniedrigend" sei hinterherzufahren und mein Ziel müsse ja jetzt sein, Becke zu überholen.... Ich habe noch versucht, ihm klarzumachen, dass ich nicht dafür bezahlt werde für eine Platzierung im Gesamtklassement. Wofür denn dann?, fragt er. Dann hat es mir aber auch gereicht. Meine Aufgabe ist es ja nun auch nicht, einem Journalisten während der Tour die Grundlagen unseres Sports zu erklären. Der schlechteste Deutsche musste dann trainieren fahren... :-)

Fans fragen Frösi

David aus Köln: Welche Übersetzungen fährst du beim Sprint und bei den Hochgebirgsetappen?
Frösi: Gestern fuhr ich in den Pyrenäen den "Rettungsring": 39x25. Im Sprint 54x11.

Sascha fragt: Hallo Robert, da ich selber Juniorenfahrer (U19) bin, würde ich gern mal wissen wie erfolgreich du in deiner Jugendzeit als Rennfahrer warst.
Frösi: Es glaubt mir zwar keiner, aber ich war in der Jugend und als Junior sogar sächsischer Bergmeister. Damals war ich noch richtig gut am Berg. Im ersten Männer-Jahr habe ich dann noch mal einen Wachstumsschub gemacht und seitdem tu' ich mich in den Bergen schwerer.

Stefan fragt: Wie ist denn bei Euch so der Zusammenhalt im Team?
Frösi: Die Kameradschaft ist sehr gut und das sage ich wirklich nicht, weil es besser klingt. Bei uns sind alle ganz locker, ob Totschnig oder Levy Leipheimer. Klassementfahrer haben alle ihre Macken, ihre Rituale, aber bei uns hat keiner Starallüren.


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Die Ausfahrt wie üblich am Ruhetag locker. Es war richtig kühl und es hat ein bisschen geregnet. Erst in der Gruppe, dann sind Ronny und ich sind nachher zu zweit weitergefahren. Anderthalb Stunde bisschen rumgegurkt. Um 14 Uhr Mittagessen. Unsere Köche dürfen hier nicht in die Küche, da gab's nur so französische Leckerbissen. Nicht so mein Ding. Nach dem Essen haben Fabian und ich uns nochmal hingehauen zum Mittagsschläfchen. Gegen 6 Uhr werde ich wieder wach. Den ganzen Tag verbummelt. Meinen Koffer wollte ich aufräumen, da siehts aus wie in der Rumpelbude. Aber man kann sich an so einem Tag zu nix aufraffen.

Der wichtigste Teil des Tages war die Massage. Das ist enorm wichtig für die Beine. Der Masseur knetet da die Schadstoffe raus. Fast eine Stunde liegt man jeden Tag auf der Bank. Da muss man sich mit dem Masseur verstehen, sonst wird das schwierig. Mit Slawo, meinem Masseur, habe ich ein gutes Verhältnis. Manche Fahrer mögen es ganz ruhig, lesen dabei. Ich unterhalte mich lieber oder schaue Fernsehen.

Das Abendbrot war auch wieder nichts Richtiges. Da haben unsere Betreuer nachher noch den Grill ausgepackt und wir saßen alle Mann draußen auf dem Parkplatz an den Fahrzeugen. Richtiges kleines Grillfest mit Steaks, Würstchen und ein paar Bier (nur für die Betreuer!). War richtig schön.

Morgen die Etappe wird ja mal wieder so ein übles Ding. Der letzte große Berg. Ich hoffe, dass meine Beine nach dem Ruhetag nicht gleich zumachen. Der Berg ist weit vor dem Ziel. Das wird schwer, wenn man da die Gruppe verpasst und die letzten 70km mit fünf Mann hinterhergondeln muss. Aber ich habe es bis hierhin geschafft, das werden wir morgen auch irgendwie hinbekommen. Bis morgen!


15.Etappe
"Blackout"

Die Etappe heute - das könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Ich konnte es mir selbst auch bis heute nicht vorstellen, wie man sich quälen kann. Wenn man das Ergebnis sieht, denkt man, naja, im Grupetto kam er rein. Nur zwei sind ausgestiegen. War ja nicht so schlimm. Aber es war wirklich die Hölle. Ich hatte 100km einen Blackout, ich kann mich da an nichts mehr erinnern.


Frösi vor dem Start
Foto: Roth
Heute morgen mussten wir früh aufstehen, nach schnellem Frühstück war schon um 8:30 Uhr Abfahrt. Dann nochmal 60km Transfer bis zum Start. Die ersten zwei Kilometer waren ruhig. Ich dachte, hoffte, noch, na, die haben ja vielleicht doch alle Respekt vor der Etappe und fangen ruhig an. Aber das dauerte nicht lange, bis die ersten auf dumme Ideen kamen. Nach dem welligen Stück am Anfang ließ Menchov in der Abfahrt reißen. Dadurch entstand ein Loch, das wurde immer größer. Dummerweise saß unser Klassement-Mann Levy Leipheimer fest. Ich habe das gleich mitbekommen und sage über Funk Bescheid. Christian hat einige von vorne warten lassen und wir haben Levy zurückgefahren, dass er möglichst wenig Körner bei der Aktion lasst.

Der erste Berg. Pünktlich kam die Sonne raus, sodass es auch wieder richtig heiß wurde. Ich kam ganz gut rüber, hatte ganz ordentliche Beine. Aber ich habe dem nicht getraut. Ich habe schon Selbstgespräche geführt: Frösi, ruhig, kleiner Gang. Halte deinen Rhythmus. Es war hart, aber ich kam im Feld rüber. Am zweiten Berg musste ich unten gleich gehen lassen. Aber etwa Backstedt war noch hinter mir. Ist also keine Schande. Christian (Henn) hat mich über Funk immer wieder motiviert: "Kämpfe, in der Abfahrt kommst Du wieder ran." In der Abfahrt kam ich näher, aber rein kam ich nicht. Im Tal gondelte ich immer hinten alleine zwischen den Autos rum. 5km vor dem nächsten Berg war ich wieder im Feld. Ab da weiß ich eigentlich nichts mehr.

Wie in Trance fahre ich die Berge hoch. Ein Tritt nach dem anderen. Immer hoch. Die Leute bilden ein enges Spalier, alle schreien. Vor meinen Augen verschwimmt alles. Manchmal höre ich meinen Namen raus aus dem Stimmengewirr. Ich wollte mir heute eigentlich nicht wieder ständig Wasser über den Kopf gießen, weil das das eigentlich nur schlimmer macht. Aber es ist halt doch zu verlockend. Also Wasser über den Kopf. Irgendwann bekomme ich Schüttelfrost. Ich erinnere mich dunkel, dass ich mal McEwen neben mir sah. Aber ansonsten sind wir da alle hinten allein hoch gefahren. Am drittletzten Berg sehe ich das grupetto vor mir. Christian feuert mich wieder an. Ich schaffe den Anschluss.

Im grupetto fuhren einige, die man da nicht erwartet. Botero oder Garzelli. Für den früheren Giro-Sieger ist das dahinten sicher keine so große Quälerei. Als er anfängt vorne im grupettto völlig sinnlos Tempo zu machen, fährt mein Kollege Rich zu ihm und macht ihm klar, dass er das jetzt lieber mal bleiben lassen soll, bis ich wieder da bin.

Fans fragen Frösi Muss heute aus Zeitgründen leider ausfallen. Die nächste Fragenrunde morgen.
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Vor dem letzten Anstieg höre ich über Funk, dass jetzt der Sieger drin ist. Ich schaue auf die Uhr. Wenn jetzt auf den letzten 10km nicht noch was passiert - ein Sturz oder ein Hungerast -, dann klappt es mit dem Zeitlimit. Zwischen diesen wahnsinnigen Menschenmassen also hoch. Ich quäle mich ohne Ende. Ohne nachzudenken. Warum eigentlich? Wenn ich aufgegeben hätte, hätte ja auch keiner was gesagt. Absteigen und es ist vorbei. Aber alle quälen sich so. Man ist da drin im grupetto und will um Teufels Namen nicht reißen lassen. So wie ein Herdentrieb. Zwei Mann sind ausgestiegen. Normalerweise hätte es heute ein Massensterben geben müssen.

Die baskischen Fans sind nicht normal. Die sind so wild. Dem Ljungkvist ist sogar einer reingelaufen, der ist gestürzt. Aber nach dem Ziel in der Abfahrt zurück nach unten, wo die Busse stehen, war es noch schlimmer. Wir müssen da durch das Getümmel von Radtouristen, von denen einige versuchen wollen, uns abzuhängen. Viele übernehmen sich. Stürzen oder kriegen einen Kreislaufkoller. Fünf Krankenwagen habe ich gesehen. Die Fußgänger reißen Dir die Mütze vom Kopf und die Flasche aus dem Halter. Die bitten Dich nicht. Die schreien Dich an: Rück' die Flasche raus! Da kannst Du Angst bekommen.

Nachdem wir endlich im Bus angekommen sind, ging es erst mal gar nicht weiter. Eine Stunde ist nichts passiert, weil die Tour de France eine vernünftige Ableitung der Karawane nicht hinbekommt. Und 130km Transfer lag ja noch vor uns. Nach so einer Etappe murmelt dann unterwegs auch noch ein Betreuer was von: "Etappe am Dienstag, oh, oh, die wird auch schwer!" Das konnte ich grade gebrauchen... Um 21 Uhr im Hotel. Eine billige Kette. Zimmer ist so klein, dass Fabian und ich nicht den Koffer aufmachen können. Bei Michel (Rich) ging nicht mal die Dusche im verschimmelten Bad. War der sauer. Und den Bunker hier haben wir die nächsten drei Tage. Tour de France. "Champions League des Radsports". Glamour? Von wegen.

Ich bin richtig fertig jetzt. Ich könnte ja eigentlich ein bißchen stolz sein, es geschafft zu haben, aber da regt sich jetzt null Gefühl. Der Kopf ist völlig leer. Keine Erleichterung. Aber ich werde jetzt erstmal versuchen, gut zu schlafen. Morgen früh sieht die Welt vielleicht schon wieder anders aus. Morgen ist ja Gott sei Dank erst mal Ruhetag. Bis morgen!


14.Etappe
"Der Besenwagen hat schon gehupt"

Das war wirklich eine nette Etappe. Bei 38 Grad gehst Du am Badesee nach zehn Minuten aus der Sonne. Und ich fahre hier in den Pyrenäen die Berge hoch... Der Asphalt war so weich, dass man das Gefühl hatte, darin stecken zu bleiben. Vor dem Schlussanstieg sagt der Sportdirektor über Funk nur: "Genieß' es!" Totschnig hat gewonnen! Eine Riesenstimmung herrscht im ganzen Team heute abend. Totsch hat quasi per Ansage gewonnen. Klasse. Meine Freude getrübt wurde am Schlussanstieg nur dadurch, dass ich noch 8km zu fahren hatte...

Fans fragen Frösi

Urs aus Fehraltorf/Schweiz fragt: Ist von den Teams vorgeschrieben welche Pedalen und Schuhe zu fahren sind?
Frösi: Das ist unterschiedlich. Bei Gerolsteiner fahren wir alle Shimano-Pedale (SPD-R) und Schuhe.

Simon aus Thun/Schweiz: Hast du während der Tour höhere Hämatokrit- und Laktatwerte als zuvor oder verändert sich dies nicht?
Frösi: Mein Hämatokritwert geht in den Keller. Die Laktatwerte kenne ich nicht. Aber die Blutwerte verschlechtern sich schon dramatisch im Laufe der Rundfahrt.

Jürgen aus Gießen: Denkst Du schon an Paris?
Frösi: Mein großes Ziel ist natürlich jetzt, nach Paris zu kommen. Wenn man es bis jetzt geschafft hat, will man durchfahren. Es wäre fürchterlich, zuhause zu sitzen, während die Tour noch läuft. Und alle fragen, was los war...


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Das Rennen begann wieder einmal superschnell. Die ersten vier Berge wurden schwer. Diese Hitze! Danke an Fabian, der mir am letzten der vier Anstiege geholfen hat. Ich war ganz schön am Klemmen und so früh reißen lassen hätte das sichere Aus bedeutet. Danach dachte ich, dass ich das schlimmste überstanden hätte. So nach dem Motto: Jetzt setzt Du Dich schön ins grupetto rein. Aber dann kamen nochmal 40km im Tal. Nicht mehr als 1 Prozent Steigung, aber ständig hoch. Ich habe jetzt nicht mehr den Kopf, mich übers Limit zu quälen. Man macht das zehn, zwölf Mal, aber irgendwann ist da Schluss. Es geht nicht mehr.

Unten am Pailhères bildete sich gleich das grupetto. Aber von wegen "gemütlich". Ich gondelte immer so 500 Meter da hinterher. Ein paar Mal bekam ich von McEwen Besuch. Ansonsten war es ziemlich einsam dahinten. Hinter mir der Besenwagen. Ich glaube, der hat schon gehupt. Die Autos sind so dicht hinter einem. Ich hatte das Gefühl, die denken da ständig, wann steigt der denn endlich aus!

Die Fans haben mich gerettet. Ich habe heute jede Flasche gegriffen, die mir angeboten wurde. Ich habe mir 50 Liter Wasser über den Kopf gegossen. Wenn man damit mal anfängt, hört man nicht mehr auf, weil man 5 Minuten Abkühlung hat, aber danach ist einem noch heißer als vorher. Irgendwo kommt mir ein deutscher Fan entgegen, der hat eine Cola in der Hand. Er reicht mir eine Wasserflasche an, aber ich rufe nur: "Cola! Cola!" Der war so perplex, dass er mir die gegeben hat. Ein schöne eiskalte Cola... Es kam mir danach erst in den Sinn, dass der arme Kerl die gerade gekauft hat an einem Stand ein paar Meter weiter und ich ihm die quasi geklaut habe. Danke! Die 2 Euro haben heute einem Rennfahrer das Leben gerettet...

Die Fans sind wahnsinnig. Am Schlussanstieg war ich halbtot. Einige rufen "Hopp, nur noch 8km!" Das ist zwar lieb gemeint, aber "nur noch 8km" klingt für mich in der Situation nicht erbauend... Und da sind dann die Verrückten, die laufen neben mir her, schreien, schieben. "Frösi, wir brauchen Dich. Geiles Tagebuch!" Wie cool ist das denn? Mit solcher Unterstützung kitzelt man dann doch nochmal die letzten Reserven raus. Gibt es eine Sportart in der Welt, bei der es so einen Kontakt gibt zwischen Sportlern und Fans?

Im Ziel angekommen habe ich mich erst mal in den Schatten neben einem Krankenwagen gesetzt. Leere. Zehn Minuten ist man man da wie im Tran. Das war wirklich grenzwertig heute. Naja, und morgen noch so ein Ding. Mal schauen, was morgen passiert. Ich will unbedingt nach Paris. Wenn ich mir vorstelle, dass ich eine Woche zuhause sitzen müsste, während die Tour noch läuft. Das ist ja schlimmer als jede Pyrenäenetappe! Drückt mir die Daumen, ich kann's brauchen morgen!


13.Etappe
"Den Hebel umgelegt"


Frösi bleibt kämpferisch 
Foto: Roth
Platz 7. Es gibt Tage, da freut man sich über solche Platzierungen, zumal bei großen Rennen. Aber heute bin ich damit nicht zufrieden. Ich hatte den Speed, die Beine waren gut. Aber was nützt das, wenn man schlecht platziert ist? Ich bin von 18. Position auf den 7. Platz gesprintet. Da wäre mehr drin gewesen. Die Abstimmung mit Paco hat nicht gepasst. 7.Platz. Das ist sicher nicht das, was ich von mir erwarte. Da quält man sich über die Berge für diesen Tag und dann ist alles in 10 Sekunden vorbei. Aber gut, so ist das eben. Mein Trainer hat mich vorhin wieder aufgebaut. "Du warst bei der Tour de France wieder vorne dabei", sagte er, "Du musst das positive sehen." Solche Unterstützung tut gut.

Heute morgen hatten wir wieder einen ewigen Transfer. 100 km bis zum Start. Dort hatte es 38, 40 Grad und dann auch noch so eine triste Gegend. Der Tag fing nicht gut an. Bei KM 0 gingen wie immer die ersten Attacken. Es ging zügig los. Die ersten 20, 25km mit einem 60er Schnitt. Die erste Stunde über 50. Mir ging es gar nicht gut. Die Hitze hat mir zu schaffen gemacht. Auf dem rauhen Asphalt rollte es nicht. Alles Sch.... Nachdem die Ausreißergruppe 9 Minuten weg war, hat Lotto Tempo gemacht. Lampre half, da gab es eine Absprache zwischen denen. Ein ekliges Tempo. Ich hing nur hinten, obwohl ich das eigentlich nicht wollte.

Fans fragen Frösi

Kai fragt: Wem gönnst du eigentlich das grüne Trikot mehr: Hushovd, O'Grady oder McEwen?
Frösi: Der McEwen hat ja schon drei Siege, da würde ich es Hushovd eher gönnen. Aber auch mit O'Grady muss man noch rechnen. Der kommt super über die Berge.

Horst aus Remscheid: Welche Reifen werden gefahren? Schlauchreifen oder Drathreifen?
Frösi: Wir fahren meist Schwalbe- Schlauchreifen. Aber nur, weil die bessere Notlaufeigenschaften haben. Bei 80km/h in der Abfahrt kann man damit einen Platten noch halbwegs aussteuern. Für Hobbyfahrer sind Drahtreifen besser. Die sind preiswerter und von der Qualität her ansonsten gleichwertig.


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Als der Sprint näher rückte war es, als hätte einer einen Hebel umgelegt bei mir. Ab 50km vor dem Ziel ging es mir schlagartig besser. Die Beine richtig schön locker. Die letzten 15km vorne im Feld. Mein Freund und Zimmergenosse Fabian Wegmann hat sich für mich geopfert, als keiner das Loch zu fahren wollte auf die letzten Ausreißer. Danke, Fabian! Ein hektisches Finale. Irgendwannn Paco verpasst, schlecht platziert. Siebter Platz.. Damit ist kein Sportler der Welt glücklich. Viele sagen jetzt: Der Frösi hat's halt nicht drauf. Aber ich weiß, dass ichs drauf habe. Wenn mal alles zusammenkommt...

Die Hitze war heute fast unerträglich. An die 40 Grad. Bei den Temperaturen hält man es am Badesee ja normalerweise schon nicht lange in der Sonne aus und wir machen hier Hochleistungssport. Das ist schon Wahnsinn. Morgen gehts in die Pyrenäen. Für mich geht es wieder nur ums Überleben. Ich habe es bis jetzt geschafft, jetzt will ich auch auf dem Rad nach Paris! Ich hoffe drauf, dass morgen eine frühe Gruppe geht und dahinter Discovery "regulare" Tempo macht, wie die Italiener sagen würden. Die kleinen Berge am Anfang werden ganz schön hoch, wenn sie da richtig drüberbrettern. Gut ist, dass die großen Berge erst am Schluss kommen. Da ist mir dann egal, was sie vorne veranstalten. Ich suche mir ein grupetto und fahre rein. Die Karenzzeit ist morgen nicht so das Problem, denke ich. Aber man weiß nie. Drückt mir die Daumen!


12.Etappe
"Kein Ruhetag für mich"

So, die Alpen haben wir hinter uns. Das war ein harter Tag. Am Ende, am letzten Berg habe ich mich gehen lassen. Da ging im Kopf nichts mehr. Irgendwann ist das Maß voll, da kann man sich nicht mehr quälen. Ich habe reißen lassen. Mit sieben Mann sind wir reingefahren. Dabei war sogar einer von Euskaltel. Für einen Bergfahrer ist das natürlich schlimmer. Für mich als Sprinter ist es eigentlich egal, nur ein bißchen geärgert habe ich mich doch, dass mein Sprinterkollege Eisel etwa vorne im Feld mit rüber fährt und ich nicht. Im Ziel war ich echt down. Jetzt kehren die Lebensgeister langsam wieder zurück.

Fans fragen Frösi

Stefan aus Borsdorf: Schützt Ihr euch eigentlich irgendwie gegen die Sonne, mit Sonnencreme oder ähnlichem?
Frösi: Die meisten cremen sich ein. Ich nicht, ich kann das Gefühl nicht ab, kommt mir vor, als ob unter der Creme meine Haut nicht atmen kann. Ich lasse mich durchbrutzeln...

Jens aus Hannover: Was hat denn Euer Kapitän Levy Leipheimer für weiße Aufkleber an seinem Rad?
Frösi: Das sind Gewichte. Sein Rad wiegt nur 6,5kg, nach dem Reglement 350 Gramm zu wenig. Zum Ausgleich musssten Zusatzgewichte drangeklebt werden.

Volker aus Heidelberg: Wie geht ihr mit Schweiß um, der über die Stirn Richtung Augen läuft? Insbesondere bei Zeitfahraufsätze tropft mir der Schweiß direkt in die Brille rein und versaut die Sicht. Habt ihr ein Lösung dafür?
Frösi: Nee, da kann man nichts machen. Das geht uns genauso. Ich schütte mir noch meist literweise Wasser über den Kopf. Eine Mütze kann man nicht tragen bei der Hitze.


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Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Mein Zimmergenosse Fabian (Wegmann) hat Schnupfen und schnarcht wie ein Weltmeister. Der kann Holzfäller werden nach seiner Rad-Karriere, so wie der sägt. Um 4 Uhr ging er aufs Klo. Ruhe! Aber dann gings wieder los. Hat wohl Benzin nachgefüllt in der Säge... Naja, was soll er machen, er kann ja auch nix dafür. Am Start heute wieder gleich Feuer frei bei KM 0. Ich habe mich sehr schwer getan. Ständig hoch und runter. Am französischen Nationalfeiertag fahren die Franzosen wie wild. Keiner wollte eine Gruppe gehen lassen. Hinten war immer richtig Radrennen.

Am ersten Berg ging ich gleich fliegen. Mit 15 Mann bin ich hinterher. Dabei Eisel, die halbe Euskaltel-Mannschaft und sogar Karpets. In der Abfahrt kamen wir zum Glück wieder vorne ran. Dann ging die 14-Mann-Gruppe weg. Gut für uns, denn dadurch wurde es spürbar ruhiger im Feld. Leicht gefallen ist mir der Berg der 2.Kategorie deshalb aber nicht. Ich habe gekämpft - fast so wie gestern am Galibier. Den ganzen Tag Lenker unten. Nicht mal 5km zum Rollenlassen. Das geht aufs Gemüt. Ich dachte nur immer: Bis zu dem letzten Berg, dann kanst Du reißen lassen, die Karenzeit ist dann kein Problem mehr.

So kam es denn auch. Mit sieben Mann bin ich die letzten Kilometer hinterher gerollt. Aber auch nicht piano, schon mit Druck auf dem Pedal. Die Hitze war besonders schlimm heute. 36 Grad. Das macht mir zu schaffen. Jan Ullrich meinte, für ihn sei es ein "Ruhetag"! Da muss er ganz schöne Form haben, wenn das ein Ruhetag für ihn war! Für 50 Mann - mich eingeschlossen - war das ganz schön happig. Nun gut, wenn man die Tour gewinnen will, ist das natürlich auch eine andere Liga.

Nach dem Ziel nochmal 70km Transfer. Das ging aber ganz flott. Wir fuhren im Konvoi mit Polizei-Eskorte. Ziemlich cool. Morgen mal keine Berge und für mich wieder eine Chance. Ich hoffe, ich kann mich über Nacht gut erholen. In einem Sprintfinale will ich reinhalten und schauen, was geht. Obs zum Massensprint kommt ist natürlich die Preisfrage. Nach Boonens Ausstieg (armer Kerl) ist keine Mannschaft mehr da, die konsequent auf einen Massensprint fährt. Lotto alleine kann es nicht richten. Aber vielleicht bekommen sie Unterstützung. Sicherlich sind einige an einem Sprint interessiert, es gibt nicht mehr viele Gelegenheiten. Drückt mir die Daumen...!


11.Etappe
"Im Himmel angeklopft"


Foto: Roth
Das war der schlimmste Tag bisher. Ich bin platt. Nach so einem Tag spürt man nicht mal mehr Erleichterung, es geschafft zu haben. Einfach nur noch hinlegen, an nichts denken, erholen. Heute abend während der Massage habe ich noch ein Telefon-Interview gegeben. Der Journalist fragte mich nach der bisherigen Bilanz und so weiter. Ich sage, sorry, aber ich kann jetzt zu solchen Dingen keinen klaren Gedanken fassen. Leere in den Beinen und Leere im Kopf.

Zum Start heute früh hatten wir es nicht weit. Vier Kilometer. Ich habe vor dem Start ein bißchen mit meinem Cousin, der hier zu Besuch ist gequatscht, aber ich habe mich rechtzeitig in der ersten Reihe aufgestellt, bevor es losging. Am Anfang ging es bergab und da weiß man nie, was da vorne passiert. Bei KM 0 hat mein Freund Ludewig gleich attackiert. Da waren wir alle happy... Nach ein paar Kilometern sehe ich in einer Kehre plötzlich Boonen vor mir am Boden. Er hält sich das Knie. Geht ja gut los. Quick Step hat dann darum gebeten, ein bißchen langsamer zu machen, bis Boonen wieder ran ist. Das haben auch alle gemacht, keiner ist aus der Reihe getanzt. Dass gehört sich auch so. Fair geht vor.

Fans fragen Frösi

Andreas aus Essen fragt: Trinkt Ihr während des Rennens eigentlich das "offizielle Tour-Wasser" oder das Wasser Eures Sponsors??
Frösi: Natürlich Gerolsteiner! Auch abends beim Abendessen steht immer Gerolsteiner auf dem Tisch. Erstens schulden wir das dem Sponsor und zweitens schmeckt es auch am besten.

Stephan aus Germersheim fragt: Warum tragen viele von euch eine Armbanduhr während des Rennens? Überall wird doch Gewicht eingespart?
Frösi: Das ist individuell verschieden. Ich mag gar nichts an der Hand haben, nicht mal Handschuhe, obwohl man als Sprinter wegen der Sturzgefahr das eigentlich besser machen sollte. Aber ich brauche Luft an der Hand.


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Dann der Col de la Madeleine. Feuer frei. Für meine Verhältnisse habe ich mich recht lange im Feld gehalten. 10, 12 Mann gingen vor mir fliegen. Boonen hinter mir und McEwen kommt von vorne. Das läuft ja gar nicht schlecht, denke ich mir. Ich fuhr zu McEwen auf. Aber was folgte, war nicht gemütliches Grupetto fahren.

Alle hatten heute Angst vor der Karenzzeit. McEwen ist den Madeleine mit seinem Stiefel hochgefahren. Dahinter 10 Mann winselnd in einer Reihe. Ich musste reißen lassen, kämpfe mich wieder ran, lasse reißem, kämpfe mich ran. So ging das ohne Ende. Ich denke nur: Quäl Dich, hinter dieser Gruppe kommt nix mehr, dann bist du weg vom Fenster. Zur Hälfte des Bergs sehen wir die Gruppe vor uns mit Wrolich und Rich von uns. Da wollte McEwen unbedingt rein. Nur sind die auch richtig Tempo gefahren, die hatten ja auch die Karenzzeit im Blick. Das war ein richtiges Radrennen. Die Hölle.

In der Abfahrt vom Madeleine kamen wir in die Rich-Gruppe wieder rein. Zusammen waren wir dann 60 Mann oder so. Im Flachen sind wir Vollgas gefahren, um nach Möglichkeit wieder Boden gutzumachen. Alle gekreiselt. Lenker unten. Ich hing da hinten und habe nur gehofft: Lieber Gott, lass es bald vorbei gehen. Als wir am Telegraphe ankommen, bin ich schon breit. Sehr motivierend, dann das Schild zu sehen:
Bergwertung 16km. An dem Anstieg habe ich gelitten wie ein Hund. Mir war heiß, ich glaube, ich habe mir 40 Liter Wasser über den Kopf gegossen, ich habe jede Flasche gegriffen, die mir angeboten wurde. Von Fans, von anderen Teams. Das verschafft für den Moment Kühlung, aber dann ist einem noch heißer. Aber mit Vernunft war da nix mehr zu machen.

Ich habe mich wieder gequält, ließ oft reißen, musste aber irgendwie wieder ran. Backstedt und ein paar anderen ging es genauso. Wir hatten den Abgrund vor Augen. Hätten wir diese Gruppe gehen lassen, wäre es vorbei gewesen. Die sieht man nie wieder. Nach dem Telegraphe kurze Abfahrt. Dann der Galibier. Dazu weiß ich gar nichts mehr zu sagen. Wir haben am Himmel angeklopft. Auf den letzten 500 Metern gingen bei mir die Lichter aus. Ich habe zu wenig gegessen. Irgendwie ging es noch über den Pass. Oben Jacke vom Betreuer greifen. Anhalten war nicht, also bei 70 Sachen in der Abfahrt freihändig fahren und Jacke anziehen. Harakiri.

Oben am Pass lagen wir 39,5 Minuten hinten. Wir bekamen die Info, dass die Karenzzzeit bei 41, 42 Minuten liegt. Also auch bergab nochmal Vollgas. Jetzt ein Defekt oder ein Hungerast und die Tour ist für Dich zu Ende. Mit 39:40 Minuten kamen wir ins Ziel. Geschafft. Jetzt nix wie ins Hotel. Ausruhen, Erholen. Leider ist das Hotel, wo wir und T-Mobile und noch ein Team untergebracht sind, eine echte Bruchbude mit miesen Zimmern. In drei Wochen wird der Bunker abgerissen, sagt der Hotelchef. Fabian und ich hätten das Haus heute schon fast abgefackelt. Wir hingen Klamotten unter die Lampe zum Trocknen. Als wir vom Essen kamen, kam Qualm unter der Tür durch. Der Kleiderbügel total verschmort und im Zimmer stinkt es wie die Seuche.

Morgen wieder so eine Ekeletappe. Und dann noch 14.Juli, französischer Nationalfeiertag. Die Franzosen haben bestimmt wieder Schweinereien vor. Irgendwie unbeschadet durchkommen ist mein Ziel. Bis morgen!


10.Etappe
"Bammel vorm Galibier"


Frösi in der ersten Reihe des grupetto am Ende der 10.Etappe am Dienstag in Courchevel
Foto: Roth
Der Start heute war ein bißchen chaotisch. Die ersten 10km der neutralen Phase sind wir wie immer duch die Landschaft geeiert. Dann hörten wir, dass Protestierer auf der Straße stehen. Französische Viehzüchter demonstrierten gegen die Ansiedlung von Wölfen in den Alpen, wenn ich das richtig verstanden habe. Der ganze Protest ging sehr geordnet ab mit kurzen Ansprachen wie bei einem Vereinsfest. Das Rennen wurde nicht behindert. Besser so, als wenn sie igrendwo auf der Straße stehen. Wir standen da dann fünf Minuten rum, durch die Transparente der Demonstranten mussten wir einzeln durch, dann ging das Rennen mit Verspätung los. 11km oder so war die Etappe kürzer. Aber lieber wäre es mir gewesen, wenn sie 11km vom ersten Berg gestrichen hätten...

Das Rennen begann gleich mit Attacken, wie wir das ja schon kennen. Eine Gruppe hat sich gelöst. Seltsamerweise hat dahinter keiner Tempo machen wollen. So sind wir mit 30 rumgepillert. Das war mir aber auch nicht recht, denn je langsamer das Rennen, desto knapper die Karenzzeit. Und das sie nachher über die Berge blasen wie die Verrückten, war schon klar. Als die Ausreißer 10 Minuten Vorsprung hatten, haben Credit Agricole und Liquigas etwas Tempo gemacht.

Fans fragen Frösi

Sylvia aus Düsseldorf fragt: Was isst Du bei einer schweren Etappe wie heute?
Frösi: Während des Rennens muss man versuchen, viel zu essen und schon bevor der Hunger kommt. Sonst gibt einen Hungerast und dann ist es Aus. Ich kriege meist kaum was festes runter. 4 Riegel habe ich mir fast zu spät reingezogen. Am letzten Berg nur nur noch Cola, Energie-Gels. Nach dem Rennen gibt es ein kleines Buffet im Zimmer der Physios. Milchreis, Müsli, heiße Kartoffeln. Kohlenhydrate halt. Und richtiges Abendessen dann so gegen 20 Uhr.Man muss schon ziemlich reinschaufeln, um nach einer Bergetappe die Kalorien wieder aufzufüllen.

Franz aus Wermelskirchen fragt: Kriegt Ihr im Grupetto hinten was mit vom Rennverlauf?
Frösi: Praktisch gar nichts. Man kriegt so am Rande über Funk was mit. Zum Beispiel heute, wenn bei FdJ der Sportdirektor sagt, wer reißen lässt und ich fahre neben Bernhard Eisel und der erzählt es mir. Man fragt vielleicht schon mal einen Kommissär. Den Sieger hört man dann. Ist schon eigentlich schade. Man fährt die Tour und vom Rennen vorne bekommt man nichts mit. Andererseits: Die vorne kriegen ja auch nichts mit von unserem Rennen hinten, also...


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Nach der Verpflegung kam so eine kleine Schweinewelle, die man im Profil gar nicht richtig sehen konnte. Die 250 Höhenmeter haben mir schon richtig weh getan. Nach dem Ruhetag ist es immer schwer. Oh je, denke ich mir. Das kann lustig werden. Wenn das so weitergeht, fahre ich 150km alleine hinterher. In den ersten Berg ist das Peloton eher gemütlich reingefahren. Aber dabei ist das Problem dann, dass die Fahrer einzeln fliegen gehen und sich nicht ein grupetto bildet, wie wenn das Tempo hoch ist. Furlan hat als erster reißen lassen. Dann Zanini. Dritter war ich.

Als dicker Sprinter muss man aufpassen, dass man seinen Rhythmus fährt an den großen Bergen. Wenn man am Anfang zu ehrgeizig ist, bezahlt man nachher. Wenn man mal im roten Bereich drin ist, im Laktat steht, dann kommt man da nicht mehr raus. Man lernt mit der Zeit seinen Körper kennen und weiß, wie weit man wann gehen darf. Ich habe mich innerlich schon darauf eingestellt, den ganzen Tag allein hinter dem Feld herzuhecheln. Doch informiert mich unser Teamchef Hans Holczer über Funk, dass eine Minute vor mir sich das grupetto um Boonen formiert hat. Paco (Wrolich) meldet sich über Funk und muntert mich auf: "Das grupetto rollt gemütlich, da kommst du ran." Ich habe auf die Zähne gebissen und nach einigen Kilometern habe ich den Anschluss geschafft. Und erst mal drei Kreuze geschlagen...

Nachdem der erste Berg geschafft war, sind wir in der Abfahrt und im Flachen im grupetto dann Vollgas gefahren. Da muss man versuchen, den Abstand auf die Spitze wieder etwas zu reduzieren. Bei solchen Etappen gibt es immer zwei Rennen. Die vorne fahren um den Sieg, ums Klassement, wir gegen die Karenzzeit. In dem 40, 50 Mann großen Feld sind wir voll gekreiselt. Da muss man schon richtig Druck aufs Pedal bringen. Am Fuß des letzten Bergs höre ich über Funk, dass wir 17 Minuten hinten liegen. Schnellkalkulation: Eine Minute verlieren wir am Berg pro Kilometer, das macht am Ende dann 37, 38 Minuten Rückstand. Damit wären wir im Zeitlimit.

Unten am letzten Berg stand riesig Markkleeberg auf der Straße gemalt. Das war mein Freund Ingo, der mit den Kumpels bei der Tour ist. Sowas freut einen, genauso wie wenn man seinen Namen auf der Straße liest. Viele deutsche Fans waren am Berg. der ein oder andere hat mich heute auch mal angeschoben. Liest wohl doch der ein odere andere mein Tagebuch.. :-) Der Anstieg nach Courchevel ging aber ganz gut zu fahren. Nach der Ziellinie mussten wir den Berg auch wieder runter mit den Rädern. Unser Hotel liegt sieben Kilometer vor dem Ziel. Das war ein Chaos. Durch die ganzen Zuschauer und viele fahren da Rad, als würden sie zum Bäcker fahren. Bremsen ständig, um keinen Marienkäfer totzufahren. Naja, wir kamen schließlich ins Hotel. Erholung ist angesagt. Morgen komtmt ja die nächste Hammeretappe.

Es wurmt mich schon, dass ich heute so früh reißen lassen musste. Da habe ich schon ein bißchen Bammel vor morgen. 90km berghoch. Am Madeleine komme ich nicht mit dem Hauptfeld drüber, da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Dann noch der Galibier, den ich noch nie gefahren bin. Mal schauen. Es kommt ganz drauf an, wie das Rennen verläuft. Frühe Attacken? Was machen die Klassementfahrer? Wann geht das grupetto? Boonen ist hier bei der Tour da der Orientierungspunkt. Wenn er reißen lässt, lassen die meisten mitreißen. Aber wie lange hält er gegen? Drückt mir die Daumen. Bis morgen!


Ruhetag
"Wo bleibt die Zeit?"


Frösi und Fabian Wegmann betägten sich am Ruhetag auch als Aushilfsköche
Foto: Roth
Gestern abend haben Fabian und ich noch schön gemütlich lange Fernsehen (Motorradrennen) geschaut bis um eins. Wir dachten, wir können ja heute ausschlafen. Nix ist! Um 8:20 Uhr ein lautes Klopfen an der Tür. Blutkontrolle. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen und bin gleich zum Frühstück. Am späteren Vormittag dann ein Pressegespräch. Ich bekam auch Besuch von meinem Cousin. Ich konnte ihn überreden, mitzufahren bei unserer Trainingsrunde. Wir sind anderthalb Stunden gerollt. Ganz piano mit 30er Schnitt. Einerseits wäre es sicher nicht verkehrt, am Ruhetag den Motor in Schwung zu halten. Aber andererseits braucht der Körper halt auch Ruhe. Auch unsere Klassementfahrer lassen es relaxed angehen. Beine locker fahren, sonst nichts.

Fans fragen Frösi

Tilmann aus Laichingen fragt: Gibt es unter euch Radprofis eigentlich auch Raucher wie früher in den Zeiten von Bartali?
Frösi: Okay, vielleicht zieht mal einer an einer Zigarette bei einer Party im Winter. Aber richtig Raucher - das kann ich mir nicht vorstellen.

Ulrich aus Hamburg: Warum haben einige Fahrer wie z.B. Jens Voigt den Hebel zur Bremskörperöffnung leicht geöffnet? Eigentlich ist er doch nur für den Laufradwechsel gedacht, oder?
Frösi: Den mache ich berghoch auch immer auf. Die Laufräder sind ja nicht 100 Prozent steif und im Wiegetritt schleift dann schon mal die Bremse leicht. Daher machen viele den Hebel berghoch auf und oben wieder zu.


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Nach dem Mittagessen habe ich mich zu den Mechanikern gesetzt. Ich mache das immer sehr gern, dort ein Schwätzchen zu halten. Ist ja immer schön, anderen bei der Arbeit zuzuschauen... Mit einem Mittagsschläfchen habe ich den verlorenen Schlaf von heute morgen nachgeholt. Danach habe ich mal meinen Koffer aufgeräumt, in dem nach über einer Woche schon ziemliches Chaos herrschte. So kleine Dinge erledigt man, den Jogginganzug mal waschen lassen, so was. Eh man sich versieht ist schon wieder Abend und der Ruhetag rum. Abendessen, bißchen TV. Fabian meinte auch, dass man gar nicht weiß, wo die Zeit geblieben ist. Man hat das Gefühl, man hat sich gar nicht erholt, die Zeit vergeudet. Das geht mir immer so, auch beim Giro.

Morgen geht es in die Alpen, da braucht man alle seine Kräfte. Ich denke und hoffe, dass die Favoriten schon am ersten Anstieg richtig was losmachen. Ich glaube nicht, dass sie bis zum Schlussanstieg warten. Für mich wäre es optimal, wenn sie in den ersten Berg richtig reinrasen, dass 50 Mann hinten fliegen gehen. Dann im grupetto "gemütlich" ins Ziel. Das schlimmste wäre, wenn eine Gruppe geht und dahinter fahren Discovery oder CSC so schleichend schnell. So nur ein Tick zu schnell für mich. Die Fahrer lassen dann einer nach dem anderen reißen und man muss das restliche Rennen hinten ums Überleben kämpfen. Ich habe nur ein Ziel morgen: Die Karenzzeit schaffen und dabei so wenig wie möglich Körner lassen. Das ist meine Aufgabe. Die zwei Berge sind jeweils 20km lang. Pro Kilometer verliert man ungefähr eine Minute. Also 40+ Minuten im Ziel. Das würde karenzzeitmäßig keine Probleme geben. Drückt mir die Daumen!


9.Etappe
"Im Omnibus nach Hause"


Foto: Roth
Das war wieder so eine Hammer-Etappe, schlimmer als gestern. Ich glaube, Ulles Sturz hat mich gerettet. Natürlich tut es mir für ihn leid, aber wir hinten haben davon profitiert. Wenn Ulle da am Anfang schon wild attackiert hätte, wäre es ein lustiger Tag geworden für Sprinter wie mich.

Heute am Start erstmal ein Transfer, nicht weit, aber die, die im Startort übernachtet haben, konnten eine Stunde länger schlafen. Vom Start weg ging es praktisch gleich berghoch. Nach 6km oder so die erste Bergwertung. Da bin ich ganz vorne mit hochgefahren, gleich ein, zwei Reihen hinter Armstrong. Ich hatte keine Lust, so früh schon den Anschluss zu verlieren. Fährst Du da ganz hinten im Feld hoch, bist Du gleich 50 Meter weg, wenn Du sacken lässt. So hast Du immer noch 100 Mann hinter Dir. Der erste Berg ging noch super. Dann attackierten Rasmussen, Voigt und das Rennen war eröffnet. Ich dachte nur: Hasta la vista, Baby! Das wars für heute, wenn das so früh los geht. Einer neben mir sagt: Scheiße, jetzt geht auch Ullrich! Das wäre was geworden, wenn die Favoriten so früh schon Räuber und Gendarm gespielt hätten. Nachdem Ulle in der Abfahrt gestürzt ist, hat sich die Lage wieder beruhigt.

Fans fragen Frösi

Jochen aus Berlin fragt: Wie ist denn die Stimmung bei so einem Transfer-Flug? Wie bei einem Betriebsausflug? Und wer darf da mit neben Euch Fahrern?
Frösi: Heute ging es in unserem Flieger (ich war im ersten, in dem auch Armstrong und Voigt flogen) sehr ruhig zu. Keine ausgelassene Stimmung oder so. Alle sind kaputt von dem langen Tag und wollen bloß nur noch schnell ins Hotel. Im Flugzeug sind nur die Sportlichen Leiter dabei. Einige Betreuer sind heute mittag schon im Auto vorgefahren, die anderen kommen abends/nachts nach.


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Die nächsten drei Berge blieb es ruhig. An dem Anstieg der 3.Kategorie ging ich zusammen mit Backstedt und Etxebarria fliegen. Genau am Fuße des großen Bergs am Schluss kamen wir wieder ans Feld ran. Die Jagd war aber irgendwie umsonst, denn an dem Anstieg habe ich gar nicht versucht, dranzubleiben am Feld. Ich fuhr meinen Stiefel, habe versucht, meinen Tritt zu finden. Einmal bekam ich kurzen Besuch von Backstedt und einem seiner Helfer, aber die waren nach kurzer Zeit auch wieder schneller. Meistens gondelte ich so allein da rum.

Die Zuschauerkulisse war heute wieder Wahnsinn. Ich kriege noch Gänsehaut, wenn ich jetzt dran denke. Die vielen begeisterten Fans schreien einen da hoch. Unsere deutschen Fans belassen es allerdings leider auch meist beim Anfeuern und laufen nebenher. In Italien schieben die Tifosi ihre Sprinter. Ein Cipo kam früher so einen Berg hoch ohne einen Tritt zu machen... Über den ein oder anderen Anschubser wäre ich auch nicht böse gewesen...

Fünf Kilometer vor der Passhöhe sehe ich 500 Meter vor mir das grupetto. Da bekam ich dann plötzlich ganz großen Durst. Ich musste mir 2, 3 mal Flaschen holen. Das half komischerweise und ich kam wieder ran ans grupetto... Wenn man ins grupetto kommt in so einer Situation, am letzten Berg, das ist ein super Gefühl. Du hast es geschafft! Im "Omnibus" fährst Du jetzt nach Hause und wirst vor der Haustür abgesetzt. Das weckte die Lebensgeister in mir. In der Abfahrt fuhr ich ganz vorne runter, ich fahre gerne und ganz gut bergrunter. Nur McEwen, der absolute Radartist vor mir. Hinter uns Daniel Becke. McEwen und ich haben es schön rollen lassen. Becke lag etwas zurück. Er wollte das Loch wieder zufahren, da höre ich es in einer Kurve hinter mir scheppern. Der arme Becke ist am Fels zerschellt.

Die restlichen Kilomter ins Ziel sind wir nochmal voll gefahren im 70-Mann-Grupetto. Kein La Paloma, schon richtig mit Druck. 19 Minuten nach Rasmussen waren wir schließlich drin. Aber unser Arbeitstag war noch nicht vorüber. Im Zielort schnell Duschen - im Camper oder in den aufgebauten mobilen Duschen. Noch einen Happen gegessen. Dann gings mit (randvoll gefüllten) Reisebussen mit Polizeieskorte zum Flughafen. 45 Minuten Flug nach Grenoble. Dort auch noch mal eine Stunde ins Hotel. Spätes Essen. Nachtruhe. Das war ein langer, langer Tag. Der Ruhetag kommt gut. Bis morgen!


8.Etappe
Quälerei und Gänsehaut-Feeling


Foto: Roth
Die Etappe hat mir ganz schön den Zahn gezogen. Das war hammerhart. Und gleichzeitig schön: Diese Zuschauerbegeisterung in Pforzheim am Start und unterwegs war einfach wahnsinnig. Schade, dass ich das nicht so genießen konnte, wie ich das getan hätte, wenn ich im Feld so dahingekullert wäre. Ich fuhr heute fast durchweg Anschlag, da ist man doch mehr mit sich selbst beschäftigt. Schade! Aber es war auch so schon Gänsehautfeeling pur. Mein Name stand auf der Straße, Hunderte haben meinen Namen gerufen: "Frösi , Hopp!" Ein tolles Gefühl, mir lief es einige Mal kalt den Rücken runter. Ein ganz großes Dankeschön an alle Fans!!

Heute am Start in Pforzheim war ein Riesentrubel. Ich fuhr zum Einschreiben und habe am Start noch ein bißchen rumgehangen, bißchen Quatschen mit Fans und Kollegen. Autogramme schreiben. Dann bin ich wieder gemütlich zum Bus gerollt. Dort waren sie ganz aufgeregt, mich zu sehen. Wo bleibst Du, Wo bleibst Du!? Komisch, seit wann freuen die sich denn so sehr mich zu sehen?...? Stellt sich raus, dass ich die Schuhe von Beat Zberg anhatte und der seine Schuhe wiederhaben wollte. Hab' ich gar nicht gemerkt.

Fans fragen Frösi

Menga aus der Schweiz fragt: Wer bezahlt eigentlich die Hotels? Die Tour- Organisation oder die Teams selber? Und Sie persönlich? Brauchen Sie überhaupt Geld bei so einer Rundfahrt?
Frösi: Ich habe nur ganz wenig Geld dabei, man braucht eigentlich überhaupt keins. Man lebt in einer eigenen Welt während der Rundfahrt, in der einem alles abgenommen wird. Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen dreht sich alles ums Rennen. Die Hotels zahlt die Tour- Organisation bis zu einer bestimmten Zahl von Leuten pro Team. Die meisten Teams haben mehr Helfer dabei und müssen für die dann die Extrakosten übernehmen.


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Das Rennen - ich hatte inzwischen meine eigenen Schuhe an - begann dann wie erwartet (befürchtet) gleich bei KM 0 mit Attacken. Mein Freund Ludewig hat es wieder mal nicht ausgehalten... Wir stöhnen hinten: Och, nee, muss das sein? Am ersten Berg wurde ich gleich abgehängt, in der Abfahrt kam ich wieder ran. Über den zweiten Berg kam ich mit dem Feld ganz gut rüber. Am dritten hat es mich dafür komplett zerlegt. 40 Mann fanden sich hinten. Boonen dabei, Wegmann, Wrolich. Heute hatten viele einen schweren Tag. Das war schon okay, dort dabei zu sein.

In der Rheinebene hatten wir 1:30 Minuten Rückstand aufs Feld. Wir sind voll gebrettert und nach 10, 20km dachte ich, naja, wir werden ja wohl bald rankommen. Dann sagt Holczer über Funk: Abstand 3:40 Minuten! Was machen die da vorne? Also weiter Vollgas. Nach 100km haben wir sie gesehen. Die Autos mussten schon raus zwischen uns. Drei Orte weiter die Info per Funk: 2:40 Minuten. Zum Wahnsinnig werden. Lotto machte vorne Wirbel vor einem Zwischenspurt. Nach 155km kamen wir dann doch endlich, endlich ins Peloton. Ich war völlig fertig. Das war wie Mannschaftszeitfahren mit 40 Mann. Die Hölle.

Als wir an den Col de la Schlucht kamen und ich das Schild sah, Bergwertung 17km, habe ich sofort reißen lassen. Es reichte. Die Karenzzeit war jetzt kein Problem mehr und den Rest mit meinem Rhythmus. Berhard Eisel fuhr zusammen mit mir. Er meinte, das sei dieses Jahr schneller als letztes Jahr. Das grupetto haben wir nach ein paar Kilometern erreicht, die haben kurz nach uns reißen lassen. Der letzte Berg war zum Glück relativ angenehm zu fahren und ich konnte doch noch ein bißchen diese tolle Atmosphäre aufsaugen. Wenn das auch noch so ein Mordsding gewesen wäre! Aber was beklage ich mich: Anderen gings noch schlechter. Der arme Kirsipuu ist mit vier Mann 230km allein hinterhergefahren.

Nach dem Rennen hatten wir noch mal 60km Transfer durch die Pampa, die wir morgen wieder zurück müssen. Discovery hat es bequemer, die übernachten gleich im Zielort und sparen Zeit. Unser Hotel ist aber in Ordnung, gutes Essen. Da können wir uns auch nicht beklagen. Erholung tut jetzt auch not. Morgen wird es wieder ganz schwer. Ich hoffe einfach mal, dass denen vorne ja auch irgendwann mal die Kraft ausgehen muss. Eine Bergankunft müsste mal her, damit sich das Gesamtklassement setzt. Dann wird es etwas ruhiger und Gruppen werden mal fahren gelassen. Bis jetzt haben wir immer noch einen 47er Schnitt über alle 8 Etappen hinweg.. Wahnsinn. Heute abend geht es mir wieder halbwegs gut. Unterwegs dachte ich heute allrdings ein paar mal. Oh, oh... Aber das hat man immer mal. Drückt mir die Daumen morgen!


7.Etappe
"Drei Fehlentscheidungen"

Foto: Roth
Das war nicht mein Tag. Ging heute morgen um 8 Uhr schon beschissen los. Ich schau aus dem Fenster: Strömender Regen. 230km bei solchem Wetter sind richtig spaßig. Als wir am Start ankamen, hat es wieder aufgehört, aber es sah regnerisch aus. Was machen: Regenzeug gleich anziehen oder im Auto lassen? Wie mans macht, ist es verkehrt. Dann begann es im Laufe der Etappe doch zu regnen. Regenzeug wieder an. Diese Umzieherei ging heute 200km so. Mal hat es 25 Grad, drei Ortschaften weiter Regen und 18 Grad. Da wird man halb verrückt.

Es ging vom Start weg wieder gleich schnell los. Bei über 50 habe ich Verspannungen bekommen. Nichts schlimmes, so eine Art Muskelkater. Das habe ich sonst nie. Aber ich fahre halt schon jetzt seit Mai voll Rad. Giro d'Italia und danach kaum Pause, das merkt man irgendwann. Es ging voll auf Windkante, ich war schon am klemmen. Gott sei Dank ist dann Fabian wegefahren. Für uns doppelt gut: Wir haben einen vorne und hinten haben wir ein bißchen Ruhe. Einfach nur super, wie mein Zimmergenosse das Bergtrikot geholt hat! Und das praktisch mit Ansage. Ganz tolle Leistung!

Fans fragen Frösi

Rebecca aus sunny California fragt: Woher wisst ihr im Peloton wann allgemeine Pinkelpause ist? Gibt es eine Regel, dass dann nicht angegriffen werden darf?
Frösi: Es ist ganz lustig, anscheinend müssen immer alle im Feld zur gleichen Zeit. Dieses ungeschriebene Gesetz, dass man dann nicht attackiert, gibt es, aber es muss schon auch die Situation entsprechend sein. Man hat das so im Gefühl, wann der richtige Zeitpunkt ist. Wenn Armstrong anhält, geht es sowieso klar. Er ist der Chef, mit ihm legt sich keiner an.

Sonja aus Hamburg fragt: Was passiert eigentlich mit dem Transponder, wenn das Rad gewechselt werden muss?
Frösi: Das ist kein Problem, weil alle Ersatzräder auch einen Transponder dranhaben.


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Nachdem er wieder gestellt wurde, hätte ich natürlich gerne den Tag für Gerolsteiner perfekt gemacht. Ich wurde von meinen Teamkollegen Sebastian Lang und Paco Wrolich super ins Finale pilotiert. Bei 1000 Metern war ich auf einmal hinter McEwen und Boonen. Der eine links, der andere rechts. Welches Hinterrad nimmt man jetzt? Da muss man sich blitzschnell entscheiden. Ich nahm das von Boonen. Ich habe bald gemerkt, dass das ein Fehler war. Als er antrat, habe ich gleich gespürt, dass er heute nicht seinen besten Tag hat. Ich bin dann vorbeigezogen. Viel zu früh! Ich war viel zu früh im Wind. Ich habe gedacht, das Ziel ist viel näher. Die Straße war so breit, das hat völlig getäuscht. Ich hing da links im Wind und sehe wie rechts der gute Zug abgeht. Einer nach dem anderen kam vorbei. Da habe ich die Beine hochgenommen. Das ging automatisch, ohne groß nachzudenken.

Tja, das waren also gleich drei Fehlentscheidungen hintereinander:
1. McEwens Hinterrad wäre heute besser gewesen.
2. Ich bin zu früh angetreten.
3. Ich hätte trotz allem durchziehen sollen und nicht Plätze verschenken.
Der Frust ist schon groß, denn in Deutschland war ich natürlich besonders motiviert. Ich weiß, was ich falsch gemacht habe. Mein Trainer hat mich wieder aufgebaut. "Du warst wieder vorne dabei und du bist gesund, das ist die Hauptsache. Im nächsten Sprint nutzt Du die Erfahrung und machst es besser." Enttäuschend finde ich so manchen Kommentar der "Experten" im Fernsehen. Bei einigen fragt man sich schon, ob sie vergessen haben, wie das so ist im Sprint. Hinterher ist man immer schlauer.

Das Publikum war Klasse. Ganz großes Kino! Kleine Jungs standen am Straßenrand mit Frösi-Schildern. Das geht einem schon unter die Haut. Ich musste viele Autogramme schreiben. Es tut mir so leid, dass ich gar nicht alle Wünsche erfüllen konnte. Aber wir müssen ja weg. Wir haben ewig gebraucht, um ins Hotel zu kommen. Die deutsche Polizei war da leider gar keine Hilfe. Die haben die Straßenverkehrsordnung genau befolgt. In Italien sind die Jungs flexibler, da setzt sich flink mal einer mit Blaulicht vor uns. Einfach so mal. In Karlsruhe meinten die Beamten, das ginge nur nach einer Entscheidung von oben.

Ab morgen wird es bergig. Das wird eine Quälerei, aber ich kann endlich mal ein bißchen abschalten. Ich fahre ohne Druck. Nach mir guckt keiner. Das tut nach den ganzen Sprints jetzt mal gut. Morgen machen mir die vier Dreier-Kategorie-Berge am Anfang Sorge. So früh wird die Ausreißergruppe noch nicht stehen und dann wirds schnell im Feld. Der Berg hinten stört nicht so. Wenn man da nicht im Feld drüberkommt, lässt man eben reißen und fährt rein. Bis morgen!


6.Etappe
"Minimalziel erreicht"

Heute bin ich richtig zufrieden. Platz 3 bei der Tour - zumal bei dieser wirklich harten Etappe, das ist schon okay. Ein "Podiumsplatz" war mein Minimalziel. Nach meinen dritten Plätzen beim Giro habe ich oft gehört: Naja, Giro ist nicht Tour. Da wollte ich es unbedingt beweisen, dass ich es auch bei der Tour kann. Natürlich hast Du als Sprinter nicht das Ziel, Dritter zu werden. Aber darauf kann man aufbauen.


"Heute habe ich gelitten"
Foto: Roth
Schlecht geschlafen habe ich heute Nacht. Das ist jetzt ja schon der Normalfall hier. Soviele Dinge gehen mir im Kopf rum, man denkt den Tag nochmal durch, was war richtig, was hat man falsch gemacht. Es fällt mir unheimlich schwer, abzuschalten und Ruhe zu finden. Die Fahrt zum Start war heute kurz, 7km. Das Rennen begann wieder bei KM 0 - gleich voll auf Reihe. 60, 65 km/h. Ich hing da hinten in den Seilen. Ein bißchen ruhiger könnten sie es jetzt doch mal angehen lassen, ein bißchen Erholung - aber nein. Erste 40km mit 55er Schnitt.

Nachdem sich die Ausreißergruppe formiert hat, wurde es hinten ein bißchen ruhiger, alle haben erst mal Pinkelpause gemacht. Aber es dauerte nicht lang, bis es wieder schnell wurde. Als der Vorsprung acht Minuten betrug, haben die Leute von Boonen und McEwen Tempo gemacht. Die Straße war so grobkörnig, da rollte es gar nicht. Mir tat alles weh, ich hatte gar keine Lust mehr.

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Markus möchte wissen: Wie (nass oder trocken) und wie oft rasiert Ihr Profis Euch die Beine?
Frösi: Normalerweise rasiert man sich die Beine alle 2, 3 Tage nass in der Dusche oder in der Wanne. Ich bin da eher von der faulen Fraktion. Einmal die Woche tuts auch.

Sascha aus Göttingen fragt: Stören Euch die Hubschrauber nicht?
Frösi: Doch, die nerven schon. Das ist furchtbar laut. Oft fliegen sie so tief, dass es einen fürchterlichen Wind gibt. Heute sind einmal gleich sechs neben der Strecke gestartet...


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Bei KM 110 beginnt meine Kette zu rattern. Bei Tempo 60 wollte ich nicht riskieren, so weiterzufahren. Über Funk informiere ich Christian (Henn, den Sportdirektor). Der entschied, ich solle das Rad wechseln. Er war schnell da mit dem Auto. Angehalten. Das geht ruckzuck, aber eine halbe Minute verliert man doch. Und das sind bei dem Tempo dann gleich 500 Meter, die man wieder zufahren muss. Ich habe mich durch die Autos vorgehangelt, das ging ganz gut. In einer Kurve komme ich mit Schwung rein, rechts stehen Autos, da muss ich vorbei. Der Fahrer von Liberty hat mich nicht gesehen, ich habe sein Rücklicht erwischt. Au weiha, war das knapp. Zentimeter haben gefehlt, da wäre ich dem mit 50 km/h voll draufgescheppert. Was hatte ich ein Glück!

Mit Hilfe von Beat Zberg, der auf mich gewartet hat, kam ich dann schnell wieder ans Feld. Das fuhr 60. Reihe. Über Funk hieß es: Passt auf, da gehen viele fliegen, haltet Euch besser weiter vorn im Feld. Da mussten wir uns vorkämpfen. Da war ich dann schon am Limit. Da hört man dann zwei Stimmen im Kopf: "Auf gehts, Feuer", sagt die eine. "Ach Scheiß, lass gehen, kriegste halt 10 Minuten heute", sagt die andere.

Der letzte Berg war noch mal heftig. Die ersten 2 km gingen noch sehr gut. Auf dem dritten gingen meine Beine auf. Ich stand. Fabian (Wegmann) kam zu mir, feuert mich an: "Hopp, quäl Dich!" Ich dachte, nee, das wird nix. Aber ich kam dann doch noch mit dem Hauptfeld über den Berg. Wir waren schon oben, da haben wir sie dann doch noch verloren. Mit 20 Mann sind wir 100, 200 Meter dahinter gefahren. 4km vor Schluss waren wir erst wieder vorne. Ja, was machste jetzt? Fährt man einfach durch oder versucht man es nochmal, sich nach ganz vorne zu kämpfen? Fabian hat mir heute super geholfen und mich nach vorne pilotiert.

1000 Meter vor Schluss diese Kurve. Als ich von weitem den Zebrastreifen sah, dachte ich mir: Halte Dich bloß da raus. Da knallt es mit Sicherheit. Ich fuhr auf Abwarten und das war genau richtig. Um den Sturz kam ich super rum und an 15.Position aus der Kurve. 300 Meter vorSchluss bin ich einfach angetreten. Ich wollte es einfach probieren. Die zwei vorne waren nicht mehr zu kriegen, das war klar. Also was solls, sprinte ich los um Platz 3. Das hat schön geklappt.

Dritter Platz bei der Tour - das gibt mir schon jetzt ein bißchen Selbstvertrauen. Die Etappe war hart. Ich habe gelitten. Der Regen ist unangenehm und macht das Rennen sehr gefährlich. Wenn man das aber alles überwindet und kommt vorne mit an, ist das ein schönes Gefühl. Boonen und McEwen sind natürlich noch weit weg. Aber man darf auch nicht vergessen, dass deren Mannschaften ganz auf sie ausgerichtet sind, während bei uns für die Klassementfahrer Leipheimer und Totschnig gefahren wird. Ich beschwere mich nicht darüber. Aber man muss das auch berücksichtigen. In der Wertung ums Grüne Trikot bin ich Fünfter - vor McEwen! Schon ein super Gefühl... Aber aufs Punkteklassement schaue ich jetzt überhaupt nicht. An den Zwischensprints beteilige ich mich nicht. Etappen sind mein Ziel und darauf lege ich jetzt meine ganze Kraft.

Morgen kommen wir nach Deutschland. Ich freue mich auf die Etappe. In Karlsruhe wird es sicherlich viele Zuschauer geben und ich glaube, jeder deutsche Tourfahrer ist morgen besonders motiviert. Dass es regnen soll, ist nicht so schön. Ich denke, es wird wieder einen Sprint geben. Ausreißer werden gehen, aber Boonen, McEwen und auch Francaise des Jeux mit Eisel und Cooke und Cofidis sind zu sehr interessiert an einer Sprintankunft. Wir hoffen natürlich da der lachende Dritte zu sein. Die lange Zielgerade in Karlsruhe passt mir gut. Da ist es nicht so gefährlich wie mit so einer Kurve heute. Drückt mir die Daumen!
Frösi


5.Etappe
"Hektik im Rennen - und wenig Glamour danach"


Frösi vor (mit Ronny Scholz) und während der 5. Etappe Fotos: Roth

Eine hektische Etappe war das heute. In der ersten Stunde sind wir einen 55er-Schnitt gefahren, ich kam mir vor wie beim Mannschaftszeitfahren gestern, ich hing wie's Fähnchen im Wind...

Fans fragen Frösi

Rudolf aus Vorarlberg/Österreich fragt: Zieht ihr jeden Tag eine neue Radhose an ?
Frösi: Ich fahre eigentlich immer jeden Tag den gleichen Dress. Wir haben im Team-LKW Waschmachinen und Trockner dabei. Die Klamotten werden nach der Etappe eingesammelt und morgens bekommt man sie frisch zurück. An dieser Stelle mal auch Danke an unsere fleißigen Helfer! Man kann, wenn man nicht stürzt, mit einem Trikot und einer Hose die ganze Tour fahren.

Arnd aus Bielefeld: Was ist eigentlich alles in Euren Verpflegungsbeuteln drin? Hat jeder das gleiche, oder kriegt jeder seine Extrawurst?
Frösi: Nein, alle neun Beutel sind gleich gefüllt. Eine Flasche mit Geschmack, eine mit Wasser, drei, vier Silberlinge (belegte Brötchen in Alu eingewickelt), dann Energie-Gels, zwei, drei Riegel. Man nimmt sich dann raus, was man braucht, Ist noch was übrig, fragt man noch bei den Teamkollegen, ob einer noch was braucht. Wenn nicht, wirft man es in die Zuschauer. Da sind viele ganz wild auf das Zeug. "Bidon, Bidon", rufen sie und prügeln sich fast darum, wenn man etwas hinwirft. Ich komme mir manchmal vor wie ein US-Soldat nach dem Zweiten Weltkrieg..!


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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen.
Heute früh schaue ich aus dem Fenster - Regen, toll! Bis wir vom Hotel am Start waren, hat es aber glücklicherweise wieder abgetrocknet. Im Startbereich waren wir heute das erste Mal im "Village", nachdem wir sonst immer im und am Bus abhängen. Ich war enttäuscht vom Village du Tour. Riesiges Areal und nichts los. Ein paar versprengte Fahrerkollegen und kaum Leute. Beim Giro ist das alles viel enger, hektischer. Aber viel geselliger und gemütlicher. Naja, Italien halt!

Am Start rollt Armstrong vorbei - die Nummer 1 im normalen Teamtrikot. Wir haben alle gerätselt: Wieso trägt er nicht das Gelbe? Wie wir dann erfuhren, wollte er ein Zeichen setzen für Zabriskie. Das ist eine merkwürdige Logik. Wir sind hier beim Radrennen. Wenn jeder immer auf ein Trikot verzichten würde, wenn mal einer stürzt... Schwachsinn. Am Ende der Neutralisierungsphase musste sich Armstrong dann doch noch umziehen. 10 Minuten Diskussion, bis es endlich losging. Was ein Theater! Ich habe das nochmal zur Pinkelpause genutzt...

Das Rennen begann enorm schnell. Die erste Stunde hatte ich fast nur 60 auf dem Tacho. Ich hing hinten wie ein Fähnchen im Wind in der Reihe. Habe gar nichts mitgekriegt, was vorne passiert. Als dann die Gruppe weg war, hat es sich etwas beruhigt, aber es war trotzdem noch schnell. Ekliges Gelände. Und die Straßen waren sehr rauh, wie es sie in Frankreich oft hat. Da rollt es gar nicht.

Das Finale wie zu erwarten hektisch, um so mehr, weil keine Mannschaft richtig kontrolliert hat. Für die letzten 25 km brauchten wir keine halbe Stunde. Paco und ich waren ganz gut positioniert. Bis 3km vor Schluss, da gab es einen Sturz. Ich kam aus dem Pedal raus und bis ich wieder in Fahrt kam, hatte ich schon viele Plätze verloren. Von 20. Position aus haben wir uns wieder mit Macht vorgekämpft bis an die ersten Zehn. Dann kam diese eklige letzte Kurve und auf der ansteigenden Zielgerade ging mir die Kraft aus. Mit Platz 10 bin ich da zufrieden. Da war nicht mehr drin. Aber das geht in Ordnung, schließlich sind wir hier beim größten Rennen der Welt. Dafür, dass es so schnell war und diese Zielgerade gar nichts für mich war, bin ich wirklich zufrieden.

Nach dem Rennen standen nochmal 130km Transfer auf dem Programm. Für die ersten 2km im Zielort brauchten wir eine halbe Stunde. Die Organisatoren haben uns vor der Tour versprochen, dass sie uns aus den Zielorten besser rauslotsen wollen. Heute war davon nichts zu spüren. Wir standen im Chaos des Berufsverkehrs. Um halb acht waren wir endlich im Hotel. Massagen bis halb neun. Essen. Um 22 Uhr im Zimmer zur Nachtruhe.

Tour de France - die Champions League im Radsport, zwei Köche bedienen die Profis. Wer das so in der Zeitung liest, der stellt sich sicher vor, was wir für ein glamouröses Leben führen. Ihr solltet uns heute mal sehen: Das Hotel - Motel! - ist toll. So'n kleiner Bunker mit Schimmel in den Badezimmern. Paco meinte schon, er übernachtet lieber im Camper. Wir haben ja zwei Köche dabei, da freut man sich immer aufs Abendbrot. Die durften heute aber nicht in die Küche. Der Hotel-Küchenchef hat sein Reich mit dem Schlachtermesser verteidigt. Also gab es blutige Steaks, bei denen man den Pulsschlag noch zu sehen glaubte...

Morgen die Etappe wird schwer. Sehr hügelig, Terrain für Ausreißer. Ich hoffe natürlich auf einen Massensprint, aber ich fürchte, morgen hat eine Gruppe gute Chancen. Mal schauen. Bis morgen!


4.Etappe
"Hinten draufgelegen"


Team-Zeitfahren: Frösi treibt seine Teamkollegen vor sich her... Foto: Roth

Heute habe ich meine Jungs im Teamzeitfahren vor mir hergetrieben... Zeitfahren ist ja nun gar nicht mein Ding.

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Sandra aus Berlin fragt: Wie verständigt Ihr Euch beim Teamzeitfahren untereinander?
Frösi: Die wesentlichen Kommandos bekommen wir per Funk von Henn und Holczer. Zwischenzeiten, "Achtung, gleich Kurve rechts" oder Anweisungen wie: "Michel, zieh durch". Untereinander bei den Ablösungen rufen wir uns zum Beispiel zu: "Hopp rein, acht Mann". Immer die Ansage, wieviel noch Tempo fahren, sonst gibts ein Loch. Da muss man ganz schön brüllen. Das ist laut bei Tempo 60.

Mladen aus Kroatien fragt: Warum fahren manche Fahrer ohne ihre Brillen?
Frösi: Tja, das weiß ich auch nicht. Ich fahre immer mit Brille, das ist komfortabler bei dem Fahrtwind, gegen Mücken usw. Aber jeder hat so seinen Tick. Ich fahre zum Beispiel nie mit Handschuhen, ich mag das einfach nicht, ist mir zu warm an den Händen.


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Heute früh - ich habe dank Schlaftablette richtig gut geschlafen - gab's ein leichtes Frühstück, danach sind wir rausgefahren und haben die neuen Zeitfahr-Lenker getestet. Fürs Teamzeitfahren fuhren wir breitere Lenker, mit denen man harmonischer fährt. Aber schon sehr ungewohnt. Unser Michel (Michael Rich) hat die Reihenfolge festgelegt. Er hat da ein totales Auge für die optimale Reihenfolge. Ich fuhr zwischen Totschnig und Zberg. Bei der Mannschaftsbesprechung wurde festgelegt, dass Wrolich und ich die ersten fünf Kilometer erst einmal nur hinten draufliegen sollen bis wir unsere "Reisegeschwindigkeit" erreicht haben. Danach dann mit Tempo bolzen solange es geht.

Die Fahrt zum Ziel gestaltete sich mit Hindernissen. Zberg, Fabian und ich kamen etwas später raus und nehmen im vierten Auto Platz. Abfahrt der ersten drei Autos - wir stehen. Einer meint: Hey, wer fährt unser Auto eigentlich? Na, die werden ja nicht ohne uns abfahren, der Betreuer wird sicher gleich kommen. Denkste. Die haben uns vergessen! Wir haben uns schlapp gelacht, wie wir so rumstehen. Über Funk haben wir auch keinen erreicht. Ich sag: Komm, Paco (Wrolich), schmeiß den Navi an, wir fahren selbst hinterher. Wir waren gerade am Programmieren, da riefen sie uns über Funk, sie hätten uns vergessen, ob wir nachkommen könnten. Wir kamen schließlich auch unbeschadet an den Start.

Eine Stunde haben wir uns alle zusammen warmgefahren. Überall Menschen - ein Wahnsinn. Hans Holczer (der Teamchef) gab die Vorgabe, wer sich nicht gut fühlt, solle lieber nur hintendrauf liegen, anstatt zu versuchen, Tempo zu machen und am Ende das Team zu bremsen. Die ersten 5km fuhr ich hinten - wie vereinbart. Dann habe ich mit Tempo gemacht. Nach 35km hats mir die Hufe zersprengt. Mir ist alles eingeschlafen zwischen Bauchnabel und Oberschenkel. Durch die ungewohnte Sitzposition klappt es mit der Blutzufuhr nicht richtig. Alles taub. Sehr unangenehmes Gefühl. Ich habe mich erstmal rausgehalten aus der Tempoarbeit und wieder hinten draufgelegen. Aber einfach ist das auch nicht, man rollt im Flachen mit 60km/h. Nach 15km habe ich dann reißen lassen. Ich konnte dem Team eh nicht mehr helfen, im Gegenteil, für die anderen ist es psychisch sogar noch belastend, wenn man da hinten rumgondelt.

Bis ins Ziel bin ich dann locker gefahren. Und ich meine wirklich locker. Ein Mechaniker war im Auto hinter mir und der rief immer: Nimm raus, nimm raus. Mit der Karenzzeit gab es keine Probleme. Da spart man dann Körner, soviel wie möglich. Das Gesamtklassement ist mir egal. Das Gelbe Trikot ist seit heute für mich weg! Mein Toursieg ist in weiter Ferne... :-) Das Ergebnis der Mannschaft war prima: Siebter Platz - zeitgleich mit Balears. Damit kann man leben. Dass die Spezialisten ganz vorne wie vom anderen Stern fahren würden, war klar.

Nach dem Ziel habe ich im Bus noch Fabian ausgelacht, weil er plötzlich so einen komischen Krampf bekam und rumgehüpft ist. Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort: Ich hatte noch nicht ausgelacht, da hatte ich selber so einen Krampf. Ganz komisch, Krampf, Muskelkater, irgendwas dazwischen. Kommt von der ungewohnten Sitzposition auf dem Zeitfahrrad. Im Hotel lagen wir da beide eine Stunde rum und riefen nach Mama. Unser Physio hat es nachher rausmassiert.

Für die Etappe morgen ist es schlecht, dass Armstrong das Gelbe Trikot hat. Ich glaube nämlich kaum, dass er das jetzt schon verteidigen will. Das wird bitterböse, denn die Ausreißer wittern ihre Chance. Die Franzosen denken alle an Voeckler, der hat letztes Jahr auch Gelb geholt in der gleichen Situation. Zum Massensprint wird es kaum kommen. Wer soll denn das Tempo machen? Quick Step? Die haben schon 2 Siege und 200km wollen die bestimmt nicht das Feld kontrollieren. Das wird eine hektische Etappe. Naja, mal abwarten. Bis morgen!


3.Etappe
Pech im Sprint -- und Armstrong geärgert


Frösi links hinter Sieger Boonen - rechts Teamkollege Wrolich Foto: Roth

Nach der Ziellinie ist vor der Ziellinie, ist das Motto heute. Es hat wieder nicht geklappt. Ich hatte gute Beine. Sechster Platz - und das paktisch ohne zu treten. Ich war völlig eingeklemmt, keine Chance, noch rauszukommen. Schade, dass nach gestern nun schon die zweite Chance weg ist. Es ist zum verrückt werden. Ein Quäntchen fehlt immer. Ich würde doch zu gerne mal sehen, wo ich lande, wenn ich richtig mitsprinten kann.

Fans fragen Frösi

Jonathan fragt: Hast du vor einem Massenspurt Angst? Ich fahre auch Rennen (U15) und habe schon Respekt, wenn's so ab geht.

Frösi: Angst nicht, da bekommt man mit der Zeit schon Routine. Aber die Nerven liegen auch bei uns Profis blank, wenn die Post abgeht. Da passiert soviel in so kurzer Zeit, da muss man voll zur Stelle sein. Adrenalin pur. Wichtig ist auf alle Fälle eine gute Radbeherrschung. Künstler wie McEwen balancieren fast alles aus. Andere stürzen schon, wenn Du sie anguckst.

Rainer aus Baumberg fragt: Wie ist eigentlich die Solidarität und der Kontakt unter den Deutschen? Viele deutsche Profis scheinen dem Ulle den Sieg zu gönnen, trotz anderweitiger Teamverpflichtung.

Frösi: Der Kontakt der deutschen Profis untereinander ist ganz unverkrampft über die Teamgrenzen hinweg. Man spricht viel und oft untereinander. Klar, drücke ich auch dem Ulle die Daumen.


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Und dabei war doch heute bei der ARD Frösi-Tag... Mit zwei Ü-Wagen ist der MDR zuhause bei meinen Eltern aufgetaucht. Meine Freundin, meine Eltern wurden interviewt. Da war richtig was los in unserer Kleinstadt Markkleeberg. Super Geschichte für mich. Trotzdem: Im Rennen blende ich diesen Trubel ganz aus. Da darf man gar nicht drandenken. Man würde sich da am Ende v&o