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Mario Cipollini beendet Karriere
"Ein alter Mann muss wissen, wann Schluss ist"

Foto: Roth
ROM, 26.04.05 (rsn) - Der Profi-Radsport,
von dem sich nach der nächsten Tour de France Lance Armstrong
verabschieden wird, wird noch ein Stück ärmer nach dieser Saison.
Mario Cipollini, der schnellste Sprinter
und schrillste Radstar
der letzten zehn Jahre wird seine Karriere
beenden. Das kündigte der 38 Jahre
alte Italiener am Dienstagabend in einem
offiziellen Statement seines Liquigas-Teams an.
Der Rücktritt Cipollinis, der in seiner langen Karriere
189 Siege seit 1989 eingefahren hat, kommt
elf Tage vor dem Start des Giro d'Italia am 7.Mai.
"Es ist eine schwere Entscheidung, aber
das Publikum wird mich verstehen", erklärte
Cipollini, der am Freitag eine Pressekonferenz geben wird.

Schriller Star Cipollini beim letzten Giro
Foto: Roth
Mario Cipollini
Geb. 22.März 1967 in Lucca (Toskana/Italien);
1,90m/76 kg
Profi: 1989 -2005
Teams: Del Tongo (1989 - 1991), GB (1992 - 1993), Mercatone-Saeco (1994 - 1995),
Saeco (1996 - 2001), Acqua e Sapone (2002), Domina Vacanze (2003 - 2004),
Liquigas (2005)
Größte Erfolge: Weltmeister 2002,
Mailand-San Remo 2002,
Gent-Wevelgem 1992, 1993 und 2002,
Scheldepreis 1991 und 1993, GP E3 1993, Trofeo Luis Puig 1999,
Syrakus-Rundfahrt 2001
Rundfahrten:
12 Etappen Tour de France (1/1993, 2/1995, 1/1996, 2/1997, 2/1998, 4/1999),
sechs Tage im Gelben Trikot;
42 Etappen Giro d'Italia,
drei Mal Gewinn der Giro-Punktewertung,
sechs Tage im Rosa Trikot;
3 Etappen Spanien-Rundfahrt,
8 Etappen Paris-Nizza,
12 Etappen Tour de Romandie,
insgesamt 189 Siege (einschließlich Kriterien)
|
"Ich wäre schon gerne noch einmal
beim Giro an den Start gegangen,
um weitere Erfolge anzupeilen, ein Rosa Trikot
vielleicht...?
Aber ein alter Mann wie ich,
der dem Radsport viel gegeben hat und
von ihm viel bekommen hat,
muss wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist
aufzuhören", hieß
es in der Erklärung des Toskaners,
der im März bei
Mailand-San Remo trotz
akribischer Wintervorbereitung
keine Hauptrolle (36.) mehr spielen konnte.
Ein "Zeichen des Schicksals", nannte
er dies rückblickend.
Mario Cipollini, der als einer
der größten Sprinter in die Radsport-Annalen eingehen wird,
war in seiner Karriere oft der Schnellste -
und immer der schrillste.
Davon zeugen nicht zuletzt seine vielen Spitznamen wie "König der Löwen"
oder "SuperMario", die er sich zuweilen auch selbst gab.
Peinlich war das exzentrische Gehabe
des liebenswerten Großmauls
aber nie, denn Cipollini
untermauerte es immer mit großen
Leistungen.
Er stellte einen neuen Etappensiegrekord
beim Giro auf und
übertraf mit 42 Erfolgen (!)
den legendären "campionissimo" Alfredo
Binda (40). Die Organisatoren der Tour de France
waren wegen seiner vielen Aufgaben keine Cipollini-Fans und
luden sein Team seit 1999 nur einmal ein. Dennoch
stehen in Cipollinis Palmares
auch zwölf Touretappen
und sechs Gelbe Trikots.
Es wären sicherlich noch mehr Tour-Erfolge,
wenn er in seinem größten
Jahr in Frankreich dabei gewesen wäre:
2002 stand "Cipo" als Mittdreißiger im Zenit
seiner Karriere, als er erstmals
San Remo gewann und im Herbst
in Zolder das Weltmeistertrikot errang.
Seit 2003 musste Cipollini die Rolle des größten Sprinterstars
seinem Landsmann Alessandro Petacchi überlassen.
Doch auch diese Saison im Trikot
seines neuen Liquigas-Teams,
zu dem er nach der Auflösung seines
"Domina"-Rennstalls gewechselt war,
ging Cipollini nicht ganz leer
aus. Er gewann im Februar
eine Etappe in Qatar (vor dem jungen Tom Boonen!)
und bei der Lucca-Rundfahrt in
seiner toskanischen Heimat (vor Petacchi!!).
Das werden nun die letzten Erfolge
des Mannes sein, der den Sprint
in den Neunzigern revolutionierte.
Cipollini war
einer der Erfinder des "Express",
in dem heutige Sprintspezialisten
"im Sessel" von ihren Teamhelfern
auf die Zielgeraden gefahren werden,
wo sie dann auf den letzten 200 Metern
ihre ganze Explosivität ausspielen
können.
"Ich bin ein Adrenalin-Junky. Ich
brauche den Sprint", sagte Cipollini
mal.

Cipollini, Mario Cipollini Werbeposter für
Radschuhe
Foto: North Wave
|
"Ich bedanke mich bei Liquigas für
das Vertrauen in mich. Das Team hat meine ganze Anerkennung",
schrieb Cipollini in seiner offiziellen Abschiedserklärung.
Teamchef Paolo Dal Lago
gab die Blumen zurück: "Mario
war immer ehrlich und verantwortungsvoll,
sowohl in der Vorbereitung
auf seine letzte Saison, als auch in diesem schweren Moment heute.
Dass er seine letzten Siege in unserem Team
holte, ist ein Geschenk, das ein Leben währt.
Er ist ein großer Athlet und
ich bin mir sicher,
dass er dem Radsport noch viel geben kann."
Zunächst einmal verliert das Peloton
einen Großen. Mario Cipollini
war (ist) ein Star, in der Radsport-Nation
Italien war er - neben dem immer etwas traurig-sentimentalen
Pantani - das Gesicht des ciclismo
in den letzten 15 Jahren. Cipollini hatte einen ausgeprägten Sinn
für das Spektakel. Dem eleganten Toskaner
gelang es, als Tiger oder römischer Herrscher verkleidet
Rennen zu fahren, ohne dass es zu Klamauk wurde.
Cipollini liebte es mit der Presse zu spielen und
diese liebte seine Sprüche, die
nie platt waren.
Andere, jüngere werden große
Sprintsiege feiern.
Doch einen wie Cipollini wird
es sicherlich nicht ein zweites Mal geben.
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