SÖLDEN, 29.11.05 (dpa) -
Siege des deutschen Überraschungs- Meisters Gerald
Ciolek sind in der kommenden Saison hoch willkommen. Doch die
Erfolge des Youngsters, der im Juni Erik Zabel und Robert Förster von
der arrivierten Konkurrenz T-Mobile und Gerolsteiner ganz alt
aussehen ließ, könnten für sein neues Team Wiesenhof-Akud zugleich
gefährlich werden. «Noch ein Sieg dieser Kategorie und er ist weg»,
befürchtet Klaus Robbel, Geschäftsführer des Hauptsponsors, der sein
Geld mit der Aufzucht und dem Schlachten von Hähnchen («800 000 pro
Tag») verdient.
Der diplomierte Sportmanager und Ex-Profi Raphael Schweda, der die
Fäden beim hoffnungsvollen deutschen Zweitliga-Team in den Händen
hält, will gegensteuern: «Ciolek soll mit uns wachsen. Unsere
Perspektive ist ganz klar ProTour, und dann könnte Gerald auch bei
uns weiterfahren, wenn er so einschlägt, wie wir hoffen.»
Das ist noch alles ferne Zukunft. Doch der Meisterschafts-Coup des
damals 18-Jährigen hat längst das Interesse von potenten ProTour-
Teams geweckt. Der Sohn polnischer Eltern aus Pulheim ist aber auf
dem Teppich geblieben. Der 19 Jahre alte Ciolek entschied sich, seine
Lehre als Energie-Elektriker bei Ford zu beenden - Prüfung Ende
Dezember - und bei Wiesenhof-Akud sportlich weiter dazuzulernen.
«In einem ProTour-Team zu fahren, wäre jetzt noch zu früh. Ich
muss mich entwickeln. Die Meisterschaft war erst mein zweites Rennen
über 200 Kilometer», sagte Ciolek, der sich von einem Freiburger
Rechtsanwalt beraten lässt und sich nun auf seine erste Saison mit
der Hauptbeschäftigung Radsport freut. «Wenn ich die Prüfung bei Ford
bestehe, kann ich mich voll aufs Fahren konzentrieren, und die Zeiten
von 7.15 bis 15.15 Uhr im Werk sind vorbei», meinte Ciolek.
«Seine Explosivität ist unglaublich. In dieser Beziehung ist er
weiter, als ich es damals war», lobte Marcel Wüst, der als einziger
deutscher Radsportler in allen großen Länder-Rundfahrten Etappen
gewann. Der wortgewaltige Kölner Ex-Sprinter, der bei einem Sturz vor
drei Jahren ein Auge verlor, ist Sprecher des 15köpfigen Ciolek-
Teams, aus dem außerdem der U23-WM-Vierte Carlo Westphal und
Routinier Thorsten Schmidt herausragen.
Neben Wüst und Schweda ist Jens Heppner, der im Oktober seinen
Abschied feierte, die weitere treibende Kraft. Alle sind mit
besonderem Herzblut bei der Sache. Ein Teamtreffen im Skiparadies
Sölden mit Sponsoren und Gönnern sorgte für leuchtende Augen bei den
jungen Profis, für die die ProTour-Rennen Cyclassics in Hamburg und
die Deutschland-Tour die Saisonhöhepunkte 2006 sein sollen.
Den Zuschlag für diese privilegierte Rennen erhofft sich das Team
mit dem Professional Continental-Status bei einem Gespräch mit den
Organisatoren Anfang Dezember. «Wir sind die dritte Kraft in
Deutschland hinter T-Mobile und Gerolsteiner. Milram mit Erik Zabel
ist eine italienische Mannschaft», sagte Wüst und rührte bereits die
Werbetrommel. Beim belgischen Rennen Het Volk am 25. Februar will
Ciolek in die Saison 2006 einsteigen.
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