BERLIN, 23.12.05 (rsn) -
Da gewinnt einer zum siebten Mal die Tour de France,
stellt vielleicht einen Rekord für die Ewigkeit auf
- und trotzdem sieht kaum einer in ihm den Rennfahrer des Jahres.
Lance Armstrongs Abschiedssaison hatte einen bitteren Nachgeschmack.
Der Himmel trübte sich in der Welt des Lance Armstrong.
Schien im Juli bei seinem siebten Triumph
in Paris noch die Sonne, so zogen im August
dunkle Wolken auf. Die Sportzeitung L'Equipe
enthüllte, dass
im letzten Jahr nachträglich durchgeführte Analysen
ergeben haben, dass Lance Armstrongs
Dopingproben aus dem Jahr 1999 positiv
auf künstliches EPO waren. Das Analyseverfahren
zum Nachweis des Dopinghormons stand
damals noch nicht zur Verfügung.
Armstrong weist die Vorwürfe von sich,
spricht von "Hexenjagd" und bediente
sich den in den USA verbreiteten antifranzösischen Ressentiments,
um sein Image in seiner Heimat zu verteidigen.
Die Affäre schlug (und schlägt) hohe Wellen,
die weit über den Radsport hinaus (WADA, IOC)
reichten. Ende 2005 stellt diese
Affäre um seinen Toursieg 1999 Armstrongs
letzten Toursieg weit in den Schatten.
Bei der Präsentation der Frankreich-Rundfahrt 2006
im Oktober
ignorierten die Organisatoren den Namen des Amerikaners,
der für sie schon zur persona non grata
wurde.
Dabei war Lance Armstrong,
der den Profiradsport in den
letzten sechs Jahren auf ein neues, professionelleres
Niveau brachte, bei seinem
letzten Tour-Triumph so dominierend wie
seit 1999 (mit Ausnahme von 2003)
immer. Schon beim Auftaktzeitfahren
in Noirmoutier demoralisierte der Amerikaner seinen
vermeintlichen Rivalen Jan Ullrich.
In Courchevel,
dem Ziel der 10.Etappe, machte Armstrong
alles klar. Symbolhaft für die
absolute Dominanz des Seriensiegers war
das Bild, als er am Berg lässig Streching-Übungen
auf dem Rad machte, während sich seine Konkurrenz
quälte. Bilder wie dieses
indes speisen jedoch auch das Misstrauen,
das Armstrong seit Jahren entgegenschlägt.
Der 34-jährige Frühpensionär und Multimillionär
muss sich heute nicht mehr mit
frechen Journalistenfragen auseinandersetzen.
Sein Ansehen in den USA hat
durch die jüngsten Dopingvorwürfe
kaum gelitten und nach Frankreich
wird Armstrong so bald nicht reisen -
jedenfalls nicht in offizieller Funktion. Die "Heuchler"
bräuchten sich keine Sorgen zu machen,
sie müssten ihm "nicht Auge in Auge entgegentreten",
sagte Armstrong kürzlich an die Adresse
der Tourorganisatoren. Er werde
nicht zur Tour kommen, höchstens
seine alte Mannschaft im Hotel besuchen.
Privat offenbarte Lance Armstrong vor einigen Monaten
seine romantische Seite, als
er seiner Partnerin Sheryl Crow
einen Heiratsantrag machte.
"Wir sind zum Angeln
auf einen See herausgefahren,
als plötzlich der Motor ausging.
Dann hat Lance sich hingekniet und
mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte",
berichtete Popstar Crow.
Aus dem Verhältnis zwischen Armstrong und
Europa, wo er alle seine Erfolge feierte,
ist dagegen schon lange die Romantik heraus.
"Ich will die Herzen der Fans erobern",
hatte Armstrong vor seinem
letzten Tourstart erklärt.
Es kommt einem vor, als sei
das nicht Monate, sondern Jahre her.
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