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Franzosen "Heuchler" - Virenque "größter Gauner"
Armstrong sieht ein "französisches Komplott"
BERLIN, 18.12.05 (rsn) -
Der siebenmalige Tour de France-Sieger Lance Armstrong
ist offensichtlich nur bedingt in besinnlicher
Vorweihnachtsstimmung. Am Wochenende
giftete der Amerikaner, der seit August
nicht mehr mit europäischen Zeitungen gesprochen hatte,
in mehreren Interviews wieder gegen Frankreich,
wo im Sommer die bisher konkretesten Dopingverdächtigungen
gegen ihn laut wurden.
Tour de France-Chefs, dem Sportblatt L'Equipe
und dem französischen nationalen Antidopinglabor
wirft der 34-Jährige weiterhin eine "Hexenjagd" vor.
Gegenüber der belgischen Tageszeitung Het Nieuwsblad
sagte Armstrong, er sehe sich als "das Opfer eines großen französischen Komplottes",
"Die Zeitung hat keine Beweise. Das ist alles
eine Hexenjagd und ein Reklamecoup", sagte
Armstrong hinsichtlich der
Hinweise auf mögliches EPO-Doping
des Amerikaners während
der Tour de France 1999, über die L'Equipe im
vergangenen August berichtet hatte.
Die Pariser Sportzeitung
hatte enthüllt, dass
im letzten Jahr nachträglich durchgeführte Analysen
ergeben haben, dass Lance Armstrongs
Dopingproben aus dem Jahr 1999 positiv
auf künstliches EPO waren. Das Analyseverfahren
zum Nachweis des Dopinghormons stand
damals noch nicht zur Verfügung.
"Wenn ich 1999 etwas zu verstecken
gehabt hätte, wäre ich doch verrückt gewesen, mit
Ressiot zusammenzuarbeiten", sagt Armstrong
mit Bezug auf den L'Equipe-Journalisten,
dem er Einblick in Dopingkontrollunterlagen
ermöglichte. Dabei hatte der Rechercheur auch Armstrongs Codenummer
erfahren, über die L'Equipe später dann anonymisierte
Dopingproben Armstrong zuordnen konnte.
Auf die Frage von Het Nieuwsblad , ob er nicht womöglich
doch 1999 mit EPO gedopt habe, als
das Dopinghormon noch nicht nachweisbar war,
sagt Armstrong: "2001 gab
es aber das EPO-Nachweisverfahren
und ich bin schneller gefahren.
Wenn die ganze Affäre
der Wahrheit entspricht, warum
erkennt man mir nicht den Toursieg von 1999 ab?"
Armstrong zeigte sich befremdet darüber,
dass man ihn in Frankreich anders
behandelt als den Franzosen Richard Virenque,
die zentrale Figur in der großen
Festina-Affäre von 1998.
"Sorry, aber mit
Virenque haben wir den größten Gauner
der letzten 50 Jahre, was Doping angeht.
Und der ist heute noch der größte
Held für (Tourchef) Leblanc",
sagte Armstrong, der betonte
er wolle Virenque "nicht kritisieren":
"Richard hat ein Spiel mit den Medien gespielt
und ist ein echter Show-Mann. Das bin ich nicht."

Foto: Roth
|
"Die Tour de France ist irritiert, weil ein Amerikaner ihre Geschichte
überschattet.
(Der fünffache Toursieger) Bernard Hinault
hätte in meiner Situation nicht
die gleichen Probleme gehabt wie ich,
weil er Franzose ist", glaubt Armstrong.
Er wiederholte, dass er L'Equipe
und das französische Antidopinglabor in
Châtenay-Malabry, das die nachträglichen Dopingtests
durchgeführt hatte, nicht verklagen
werde. "Das ist der größte Traum
des Labors und der L'Equipe. Sorry",
so der ansonsten
eher klagefreudige Rekord-Toursieger.
Die von der UCI in Auftrag gegebene
unabhängige Untersuchung des Falles
könnte nach Ansicht von Armstrong das Labor Châtenay-Malabry
in Bedrängnis bringen, wenn es "nicht auf alle Fragen
Antworten" geben kann.
Auf die Frage, was er im kommenden
Sommer machen werde, sagte Armstrong
er werde "im Juli 2006 in Frankreich sein,
aber nicht bei der Tour de France".
"Die Organisatoren können
ruhig schlafen. Sie werden
Armstrong nicht ins Auge schauen müssen",
sagte er.
Dem niederländischen Telegraaf
sagte Armstrong dazu: "Es wird am
Start oder im Ziel kein Händeschütteln mit den Heuchlern geben."
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