BERLIN, 22.12.04 (rsn) -
Bisherige GS-II-Rennställe wie das Leipziger Wiesenhof-Team
beobachteten die Planungen für die künftigen Reformen im Profi-Radsport zunächst
lange mit Argwohn: Wo würde ihr Platz sein, wenn die ProTour kommt?
Doch inzwischen sind die Befürchtungen gewichen und bei
Wiesenhof herrscht Aufbruchsstimmung wie noch nie.
Das 14-köpfige Team von Sportdirektor Michael Schiffner kann mit
dem anspruchsvollsten Rennprogramm der Teamgeschichte planen
und sogar auf Einladungen zu gleich mehreren
ProTour-Rennen hoffen.
Schon der Saisonauftakt für Wiesenhof signalisiert die
neue Internationalität des "Professional Continental Teams",
wie Zweitdivisionäre künftig heißen.
Die Leipziger Truppe beginnt die Saison zweigleisig mit
der Malaysia-Rundfahrt (ab 28.Januar) und der
Qatar-Rundfahrt (ab 29.Januar). Welcher
Teil der Mannschaft wo fährt, steht noch nicht fest,
aber bei Wiesenhof freut man sich
auf einen Saisonstart bei den stark besetzten
Rennen in warmen Gefilden. Wie begehrt der Start bei der
als optimales Vorbereitungsrennen geltenden Qatar-Rundfahrt
ist, zeigt, dass der deutsche ProTour-Rennstall Gerolsteiner
vergeblich auf eine Einladung wartete.
Für Wiesenhof machte der holländische Teamvermittler
Gerry van Gerben den Start in Arabien perfekt.
"Die ProTour ist für uns mit Sicherheit nicht von Nachteil.
Unser Rennprogramm wird sich deutlich verbessern.
Wir hatten noch nie soviele gute Einsätze wie
wir 2005 haben werden", sagt Wiesenhof-Teamsprecher
Maik Märtin.
Bereits im November bekam
das Team Anfragen von wichtigen Rennen, die
nicht zur ProTour gehören. Das gab es noch nie.
Und selbst die ProTour steht Wiesenhof
offen. Man ist guter Dinge, für mehrere
Rennen der Topserie Wildcards zu erhalten.
An oberster Stelle stehen für Wiesenhof natürlich
Deutschland-Tour und die Hamburger Cyclassics auf der Wunschliste.
Aber auch bei nichtdeutschen ProTour-Rennen werden die Farben von
Wiesenhof voraussichtlich im Peloton vertreten sein.
Grund für die Beliebtheit der Geflügel-Truppe
bei den Veranstaltern ist einerseits, dass man sich
in den letzten Jahren mit Leistungen empfohlen hat.
Jens Heppner und Co. wirbelten mit und waren oft
ein Faktor, auch wenn kein Resultat heraussprang.
Der zweite Grund ist, dass im Bereich
der zweiten Division die Konkurrenz im nächsten Jahr
nicht so groß ist. Die Zahl
der "Professional Continental Teams", die
im Gegensatz zu den einfachen "Continental Teams"
auch zu ProTour-Rennen eingeladen werden dürfen,
wird eher überschaubar.

Siedler schlug Zabel bei der letzten Friedensfahrt

Ewig jung: Jens Heppner wird am Donnerstag 40 Jahre alt
Fotos: Roth
|
Die Leistungsträger des neuen Wiesenhof-Teams werden
wie in diesem Jahr der zum
echten Vollblutsprinter gereifte
Sebastian Siedler sowie
die Routiniers
Enrico Poitschke und
Jens Heppner sein.
"Heppe" feiert am Donnerstag seinen 40. Geburtstag,
doch ans Aufhören denkt der erstaunlich jugendlich
wirkende Radveteran und TV-Kommentator,
der in den letzten zwei Saisons zu dem Gesicht
des Wiesenhof- Rennstalls wurde, noch nicht.
Heppner und Poitschke kamen gerade
aus einem Trainingslager in Südafrika zurück und
stehen voll in der Vorbereitung auf 2005.
Zu den Neuzugängen bei Wiesenhof gehört
der Leipziger Sprinter
Steffen Radochla,
der bei Illes Baleares keinen neuen Vertrag bekam und
nun dahin zurückkehrt, von wo
er 2001 wegging, um Profi zu werden:
"Radde" war bereits beim Wiesenhof- Vorgängerteam
DHFK Leipzig unter Michael Schiffner gefahren.
Besonders freut man sich bei Wiesenhof
auch über einen anderen Neuen: Der Bonner David Kopp,
eine der Entdeckungen des letzten Jahres,
kam von Lamonta und brennt darauf,
sich auch bei größeren Rennen zu empfehlen.
"Ich glaube, ich habe noch nie einen Fahrer erlebt,
der so heiß darauf ist, Rennen zu fahren", sagt
Wiesenhofsprecher Märtin.
Mit einer sehr interessanten Riege von Sprintern - Poitschke, Siedler,
Kopp, Radochla - kann
Wiesenhof im nächsten Jahr in Sprintfinals
bei großen Rennen durchaus den großen Teams Paroli bieten.
Die Truppe wird schwer auszurechnen sein.
Nach den Weihnachtsfeiertagen steht
für Wiesenhof ein erstes gemeinsames Trainingslager
auf Mallorca an vom 6. bis 21. Januar.
Direkt im Anschluss folgt die offizielle Teamvorstellung in Leipzig
am 22.Januar. Danach haben die 14 Wiesenhof-Profis
nur ein paar Tage Zeit, um zuhause nach dem rechten zu schauen,
denn in der Woche darauf stehen bereits die Abflüge
nach Malaysia bzw. Qatar an und die Saison beginnt.
Die Aufgaben stehen - jetzt müssen "nur" noch die Resultate
folgen. Die Chancen zu glänzen, waren für Wiesenhof
jedenfalls noch nie so gut.
Team Wiesenhof 2005 (Professional Continental Team):
Ralf Grabsch, Andre Greipel, Jens Heppner, Christian Knees, David Kopp, Roberto Lochowski, Martin Müller, Daniel Musiol, Rene Obst, Enrico Poitschke, Steffen Radochla, Björn Schröder, Sebastian Siedler, Lars Wackernagel
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