BRÜHL, 26.11.04 (rsn) - Fabian Wegmann
bewies in der abgelaufenen Saison einmal mehr, dass er nicht zu Unrecht als eines der größten Talente im deutschen Radsport
zählt. RADSPORT-NEWS.COM sprach mit dem 24-Jährigen
über Saisonbilanz und Ziele 2005.
RADSPORT-NEWS.COM: Fabian, Ende November
geht für Radprofis die Vorbereitung auf die neue Saison
schon wieder richtig los. Haben Sie einen schönen Urlaub
gehabt?
Wegmann: Ja, sehr schön. Wir waren in Kuba.
Es ist schon wichtig, dass man zwei Wochen
mal komplett den Kopf freibekommt und
mal nicht nur an Training und Rennen denkt.
RADSPORT-NEWS.COM: Mit ein bißchen Abstand:
Was bleibt von der Saison 2004 am meisten in Erinnerung?
Wegmann: Der Giro natürlich und
das Bergtrikot, ein Wahnsinnserfolg für mich.
Dann der Sieg bei Tre Valle Varesine,
wo ich auf den letzten Kilometern einen Danilo Di Luca
hinter mir lassen konnte. Das war für mich mit das allergrößte.
In der Weltrangliste habe ich mich im Vergleich zu letztem Jahr
zwar nicht großartig verändert,
aber die Qualität meiner Punkte hat sich deutlich erhöht.
Ich habe 2003 bei kleineren Rennen Punkte gesammelt,
dieses Jahr bei einigen großen Rennen gepunktet.
Das macht mich auch zuversichtlich für die ProTour,
wo ja nur noch 30 Rennen zählen.
RADSPORT-NEWS.COM: Ihre Entwicklung
geht weiter konstant nach oben. Stellt
sich da nicht auch mal die Sorge ein, dass es irgendwann
mal nicht mehr weiter nach oben geht?
Wegmann: Ich denke, dass es noch ein bißchen nach oben gehen
kann. Körperlich entwickle ich mich noch weiter,
das ist noch nicht ausgereizt. Natürlich hat man auch
mal ein bißchen Angst, dass es mal nicht läuft. Aber wenn ich so weitertrainiere
denke ich, da ist noch Potenzial.
Natürlich geht das alles nicht von allein.
Man muss hart trainieren und auch
immer mal ein bißchen was verändern. Jetzt
im Winter mache ich ein etwas anderes Krafttraining,
ändere etwas am Rollenprogramm. Mir kommt
entgegen, dass die Saison nächstes Jahr nicht so füh beginnt
und ich bis Februar noch trainieren kann.
RADSPORT-NEWS.COM: Was sind Ihre großen
Ziele für 2005?
Wegmann: Neben den Frühjahrsklassikern mit Sicherheit vor allem die Tour
de France.
RADSPORT-NEWS.COM: Den Giro fahren Sie nicht?
Bekommen wir also 2005 ein neues Grünes Trikot beim Giro...?
Wegmann: (Lacht) Der Giro war ein fantastisches Erlebnis letztes
Jahr. Super Stimmung im Team. Olafs Pollacks Rosa Trikot,
mein Bergtrikot. Aber die Tour de France ist halt
das größte Rennen der Welt. Die 13 Etappen dort
haben mir mehr gebracht als der ganze Giro.
Da muss man dann halt überlegen.
Die Tour ist die Tour. Beide großen Rundfahrten
zu fahren ist noch zuviel für mich.
Das war letztes Jahr zu spüren.
RADSPORT-NEWS.COM: Mit welchen Ambitionen
starten Sie dann bei der Tour?
Wegmann: (Lacht) Das Bergtrikot ist sicher nicht mein Ziel...!
Naja, mal schauen. Vielleicht
kann ich mich bei einer Etappe mal in Szene setzen. Ansonsten
wird meine Rolle sein, für Totschnig und Leipheimer zu fahren.
Ich bin ja ein Allrounder. Ich kann auch für Danilo (Hondo)
im Sprint arbeiten, wenn es nicht gerade die letzte Anfahrerposition ist.
Die Erfahrung aus meiner ersten Tour wird
mir auf jeden Fall sicherlich zugute kommen.
Die Tour ist in vielen Dingen
mit keinem anderen Rennen vergleichbar.
RADSPORT-NEWS.COM: Die Klassiker
sind ja Ihr eigentliches Metier.
Was sind da Ihre Ziele 2005?
Wegmann: Ähnlich wie dieses Jahr.
Lüttich, Amstel, Fleche Wallone,
das sind meine Hauptrennen.
Davide startet ja bei allen drei Rennen
als Titelverteidiger, da fahren wir natürlich
für ihn. Aber wenn er vielleicht
mal nicht so gut drauf ist, stehe
ich auch bereit.
RADSPORT-NEWS.COM: Die ProTour
steht vor der Tür. Wie sehen Sie die neue Struktur?
Wegmann: Naja, man weiß ja noch nicht
wirklich, wie das alles wird.
Mal abwarten. Bei den 30 ProTour-Rennen,
die ja allein zählen werden, wird
es mit Sicherheit alles hektischer.
Bisher hatte man die Möglichkeit,
bei vielen verschiedenen Rennen seine Punkte
zu holen, jetzt wird sich
das alles auf die 30 Rennen konzentrieren.
Das bedeutet aber auch, dass man
sich da besser darauf vorbereiten kann.
Man hat mehr Zeit, sich auf wenige wichtige Rennen
konzentrieren. Dann muss es da aber laufen.
Wie gesagt, man muss mal abwarten,
es gibt ja noch viele ungeklärte Dinge.
Grundsätzlich sehe ich die Veränderung aber positiv.
RADSPORT-NEWS.COM: Wie ist denn das
aus Rennfahrersicht: Wird zum Beispiel ein
Sieg beim Traditionsrennen Tre Valle Varesine
weniger wichtig, weil es nicht für die ProTour
zählt?
Wegmann: Ganz klar nein. Solche Traditionsrennen,
die es seit 80, 90 Jahren gibt, werden immer
aus sich heraus ihre sportliche Bedeutung haben, egal
welche Kategorie sie haben.
Das war ja bisher auch so. Zum Beispiel
ein großer Klassiker wie Paris-Brüssel war
nur Kategorie 1.1, aber ein Sieg dort
hat eine größere Bedeutung als bei manchem Ehrenkategorie-Rennen.
RADSPORT-NEWS.COM:
Wie sieht Ihre Saisonvorbereitung aus?
Wegmann:
Ich werde im Dezember zuhause bleiben in Freiburg.
Wenn das Wetter einigermaßen gut ist,
fahre ich nicht weg zum Training.
Am 8.Januar geht es dann mit dem ganzen Team
nach Mallorca ins Trainingslager.
Mein Rennprogramm liegt noch nicht fest,
hängt auch noch davon ab, bei welchen Rennen
wir fahren. Ich denke, ich starte Mitte Februar
in die Saison.
RADSPORT-NEWS.COM: Fabian,
Danke fürs Gespräch.