DENDERMONDE, 29.11.04 (rsn) -
Der belgische Radprofi Frank Vandenbroucke, der sich
seit Montag vor einem Gericht im flämischen Dendermonde
wegen Dopings verantworten muss, kann eine milde Strafe erwarten,
wenn das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt.
Frank Vandenbroucke saß am Montag in einem
engen, überhitzten kleinen
Verhandlungssaal in Dendermonde
in Ostflandern. Das enfant terrible
des Profiradsports muss sich
wegen Verstößen gegen die belgischen Antidopinggesetze
verantworten. Der Prozess ist
das juristische Nachspiel
der spektakulären Affäre vom Februar
2002. Nachdem die Polizei bei einer Razzia damals
Dopingmittel in seinem Hause fand, war Vandenbroucke
in Handschellen abgeführt worden.
Wegen Besitz und illegalem Imports
von verbotenen Substanzen und Arzneimitteln
droht "VDB" bis zu fünf Jahren Gefängnis.
Doch das Urteil, das am 6.Dezember
erwartet wird, dürfte wohl wesentlich milder ausfallen.
Ankläger Philip Van Linthout forderte am Montag in der
Verhandlung gegen Vandenbroucke eine "alternative Strafe".
"Obwohl Sie als Hochleistungssportler
der Jugend ein sehr schlechtes Beispiel gegeben haben,
sollte an Ihnen nicht ein Exempel statuiert werden.
Eine Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit sollte
genügen", erklärte der Staatsanwalt.

"Wie eine Jagdtrophäe" - Vandenbroucke
in Handschellen am 28.Februar 2002
Foto: Roth
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Vandenbrouckes Anwalt Luc Deleu hält auch eine solche
milde Strafe noch für zu hoch.
"Frank Vandenbroucke steht hier nur deshalb vor Gericht,
weil er Vandenbroucke heißt.
Seit 1991 ist in Flandern kein anderer
Leistungssportler wegen Dopings strafrechtlich verfolgt
worden", so der Anwalt. Deleu hält
das Gericht für nicht zuständig. Bei Dopingverstößen sei
nach seinem Verständnis der Rechtslage
allein die Sportgerichtsbarkeit der flämischen Gemeinschaft
zuständig und kein Strafgericht.
Sportrechtlich sei Vandenbroucke bereits bestraft worden mit
einer Sperre zwischen September 2002 und Ende
Februar 2003.
Die Strafverfolgung seines Mandanten sei zudem
unverhältnismäßig, so der Anwalt.
"Nach der Hausdurchsuchung (am 27.Februar 2002)
wurde Frank eingeschüchtert und
in Handschellen der Presse vorgeführt
wie eine Jagdtrophäe in einer
'Show' der Ermittler",
so VdB-Anwalt Deleu.
Die Dopingaffäre um den seit eh und je skandalumwitterten
Vandenbroucke geht auf den 27.Februar 2002
zurück. Damals war der französische Betreuer
von Radsportlern Bernard Sainz, in der Szene besser
bekannt als "Dr. Mabuse", von der Polizei
bei einer Routine-Verkehrskontrolle
mit einer Wagenladung Dopingmittel
erwischt worden. Sainz war gerade
von einem Besuch bei Vandenbroucke
auf der Heimreise. Die Polizei
durchsuchte daraufhin auch
das Haus des Radstars und wurde dort fündig:
Der ehemalige Lüttich-Bastogne-Sieger
hatte große Mengen an Dopingmitteln,
darunter EPO, Wachstumshormone,
Amphetamine , Morphium - die ganze
Palette. Nach anfänglichem Leugnen ("Clenbuterol war
für den Hund") räumte Vandenbroucke Doping
ein, er streitet jedoch bis heute ab,
einen Handel mit Dopingprodukten betrieben zu haben.
Die Staatsanwaltschaft hält dies für glaubwürdig.
"Im Sinne des Gesetzes hat sich Herr Vandenbroucke schuldig
gemacht. Er ist als Konsument zu bestrafen, nicht
aber als 'Dealer'", so Ankläger Philip Van Linthout
am Montag. Er bedauerte, dass Vandenbroucke seine
Lieferanten nicht nannte.
"Wir hätten einen großen Fisch aus dem illegalen Hormonhandel
gefangen, doch Vandenbroucke zog
es vor zu schweigen."
Der inzwischen 30 Jahre alte Frank Vandenbroucke
ist heute beim belgischen Team
"MrBookmaker" unter Vertrag,
nachdem er zuletzt auch bei Fassa Bortolo
entlassen wurde - ebenso wie von Quick Step ein Jahr davor.
VdB zeigte zuletzt
mit einem zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt
2003 zu was er immer noch imstande ist,
wenn er will. Doch
in den letzten Jahren war
der kapriziöse Star,
der einmal als legitimer Nachfolger
eines Eddy Merckx gefeiert wurde,
nur noch mit negativen Schlagzeilen
über Nervenzusammenbrüche und
Skandalgeschichten aus dem
Privatleben aufgefallen.