MADRID, 30.12.04 (rsn) - Der 24 Jahre alte Alejandro Valverde
gilt neben Damiano Cunego als derjenige, der
einmal die Nach-Armstrong-Ära prägen könnte. Im kommenden
Jahr fährt der Spanier fürs ProTour-Team Balears und
er hat große Ziele.
Valverde konnte in der abgelaufenen Saison bestätigen,
was er in seiner ersten großen Saison 2003 versprach,
als er aufs Podium der Spanien-Rundfahrt fuhr und
Vize-Weltmeister wurde.
15 Siege konnte der Südspanier in diesem Jahr verbuchen,
bei der Vuelta verpasste er als Vierter
das Podium, was vor allem an einem schweren Sturz
lag.
Er fuhr eine schöne WM, bei der
sein Landsmann Freire den Titel holte und
er selbst Sechster wurde.
Zufrieden ist Valverde dennoch nicht so recht
mit seiner Saison - vor allem wegen den Olympischen Spielen. In Athen
galt er als Favorit und es wurde am Ende nur
ein 47.Platz. "Die Spiele waren
der Tiefpunkt meiner Saison", bedauert
Valverde.
Natürlich schaut man mit 24 Jahren nicht lange zurück,
zumal wenn man solches Talent hat wie Valverde,
dem manche zutrauen, dass er im nächsten Jahrzehnt
den Profiradsport mit einer Ära prägt wie ein Armstrong.
Oder wie ein Indurain, wie man in Spanien
lieber sagt. Die Madrider Sportzeitung
AS fragte
den jungen Valverde jetzt in
einem Interview: Kann man Sie
mit Indurain vergleichen?
Valverdes Antwort enthält keine
falsche Bescheidenheit: "Ein Rennfahrer
erreicht gewöhnlich mit 26, 27 Jahren sein Maximum.
Aus diesem Grunde glaube ich,
dass ich mich noch verbessern kann und
um den Toursieg mitfahren kann, wenn
ich dieses Alter habe."
Im kommenden Jahr wird Valverde - ebenso wie Cunego übrigens - sein
Debüt geben bei der Tour de France.
Dabei wird es für den Spanier zunächst
darum gehen, Erfahrung zu sammeln.
"Die Tour ist ein anderes Rennen,
sagen mir meine Kollegen", so Valverde,
der aber sicherlich auch nicht
mit großen Augen staunend mitrollen wird.
"Man kann die Tour auch bei der ersten Teilnahme gewinnen, wenngleich
ich nicht glaube, dass das in meinem Fall so sein
wird. Ich gehe ohne Druck zur Tour", so Valverde
in dem AS-Interview.
Der Wechsel vom ewig klammen Kelme-Team,
das keine ProTour-Lizenz bekam (das Team muss derzeit
sogar um seine Professional-Lizenz bangen)
zum Illes Baleares-Banesto-Rennstall war ein logischer
Schritt für Valverde,
der dort einen Drei-Jahresvertrag unterschrieb.
"Bei Kelme habe ich mich wohl gefühlt, aber der Radsport
entwickelt sich weiter und ich muss in einem Team fahren,
dass zur ProTour zählt. Illes Balears gab
mir die Möglichkeit und es war die Option,
die mir am meisten zusagte", so Valverde.
Seine neuen Teamchefs wollen den jungen Spanier
weiter in Ruhe aufbauen.
Valverde: "Ich stehe nicht unter Druck, man gibt mir
Zeit. Für (die Teamleitung) und mich
ist es am wichtigsten, die Zukunft
optimal zu gestalten. Ich bin überzeugt, man weiß genau, was
ein Rennfahrer in sich hat.
Diese Mannschaft ist einzigartig, denn es war ja auch die Mannschaft
von Indurain and Perico (Pedro Delgado)."
Den Vergleich mit den Größten
des spanischen Radsports scheut Valverde nicht.
Ob zu recht oder nicht, wird sich
vielleicht schon bei seiner Tour-Premiere erweisen.