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Tour de France
Wie das Funkgerät den Radsport verändert hat

QUIMPER, 11.07.04 (rsn) - Es gab viele technische Neuheiten, die den Radsport in den letzten Jahrzehnten verändert haben, von der Gangschaltung über die Klickpedale bis zu ultraleichten Materialien und der "Telemetrie" mit dem Schoberer-System. Doch die größte Veränderung in der Sportart hat keine Neuentwicklung am Arbeitsgerät der Profis ausgelöst: Das Funkgerät, mit dem die Fahrer ständig in Kontakt sind mit ihren Sportdirektoren, hat den Radsport grundlegender verändert als alles andere.





Knopf im Ohr: Maillot Jaune Voeckler, Jan Ullrich
Fotos: Roth
Der "Knopf im Ohr" der Fahrer hat den Radsport verändert, darin besteht Einigkeit. Ob zum guten oder schlechten, daran scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Radsport sicherer geworden, für die anderen sind die Rennen langweiliger und die Rennfahrer zu halben Robotern geworden.

Bei der Tour de France 1993 brachte der (nicht nur im guten Sinne) umtriebige Bruno Roussel, Teamchef des Festina-Teams, die Funkgeräte mit und war damals die Attraktion. Es dauerte nicht lange und alle Teams nutzten die Technik. Die Walkie-Talkie-artigen Geräte sind heute kaum größer als eine Kreditkarte und passen ohne Probleme in die Rückentasche. Der Funk hat eine Reichweite von zwei, dfrei Kilometern, also genug, damit Fahrer und Sportliche Leiter im Begleitfahrzeug hinter dem Feld ständig in Kontakt sein können.

Früher war es ziemlich mühselig, das Begleitfahrzeug zu rufen, wenn es ein Problem gab. Heute funkt ein Fahrer einfach seinen Sportdirektor an und bespricht die Sache direkt. Auch die Rennfahrer untereinander können miteinander sprechen. Das Mikrofon tragen die Fahrer auf der Brust unterm Trikot und mit einem leichten Druck wird es eingeschaltet. Die Teamchefs informieren ihre Fahrer über Funk ständig, geben Hinweise zur Streckenführung ("Gleich ein Anstieg") und informieren über Abstände der Ausreißergruppen - und wer darin fährt.

Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand: Die Sicherheit steigt. Das Peloton ist sofort informiert über Stürze oder Hindernisse. Bei technischen Problemen kann der Mechaniker viel schneller kommen und er weiß schon vorher, was zu tun ist. Der Preis, den man für diese Verbesserungen zahlt ist allerdings sehr hoch.

"Ferngesteuerte Roboter"

"Den technischen Fortschritt kann man nicht aufhalten. Aber der Funk nimmt die persönliche Initiative aus dem Rennen heraus", sagt der französische Radsport-Journalist Jacques Augendre (79), der zum 53. Mal eine Tour de France begleitet. "Der Radsport war früher ein Sport, bei dem Improvisation und schnelle Entscheidungen der Fahrer eine wesentliche Rolle spielten. Ein guter Fahrer musste ein guter Taktiker sein. Er musste eine Nase dafür haben, welche Attacke er mitfährt uund welche nicht. Heute gibt der Sportdirektor die Anweisung: Fahren! Nicht fahren! Die Rennfahrer führen die Anweisungen aus, wenn sie können. Aber wo bleibt der Schneid? Ein Bobet, ein Anquetil sind mit Mut und Schneid gefahren und wurden zu Tourlegenden. Heute sehen wir all diese jungen Champions mit dem Knopf im Ohr."

Ein guter Rennfahrer bei der Tour de France muss heute nicht mehr unbedingt ein guter Taktiker sein. Ein Profi, der ein Rennen instinktiv lesen kann, hat heute kaum noch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Viele Rennfahrer mögen das System daher nicht. "Man fühlt sich manchmal wie ein ferngesteuerter Roboter", ist im Feld vielfach zu hören. Die Fahrer fühlen sich (nicht zu unrecht) kontrolliert, der Spaß am Rennen geht bei manchem verloren. Verzichten kann dennoch niemand auf den Funk, selbst wenn man ihn vom Team aus ließe, denn das würde natürlich auch einen enormen Nachteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten.

Das Funkgerät hat das Renngeschehen gründlich verändert. Ex-Profi Jean-Rene Bernaudeau, heute Teamchef von Boulangère sagt: "Früher brauchte man eine Renn-Intelligenz, um Rennen zu gewinnen. Heute kann man auch ohne solche viele Siege holen. Ich hätte das Gerät als Fahrer früher nicht gemocht."

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