BERLIN, 10.12.04 (rsn) - Der 23 Jahre alte Schwabe Stefan Schumacher
war in der abgelaufenen Saison der Aufsteiger unter
den deutschen Profis. Nach dem Wechsel vom großen Team Telekom
zur GS-III Lamonta blühte er richtig auf und
überraschte u.a. mit einem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften
hinter Klöden, schaffte den Sprung in die WM-Nationalmannschaft
und gehört inzwischen zu den 15 besten Deutschen.
So soll es weitergehen. Um
sich weiterzuentwickeln verlässt Schumacher
Lamonta und unterschrieb jetzt beim neuen holländischen Professional Continental
Team "Shimano-van Keulen" einen Einjahresvertrag.
Foto: Roth
"Shimano-van Keulen" ist das Nachfolgeteam
der diesjährigen GSI Bankgirolotterij und
wird von Arend Scheppink (Teammanager) und
Piet Hoekstra (Sportdirektor) geleitet.
Neben neun europäischen Profis,
- die Holländer Rudi Kemna und
Rik Reinerink
sind die prominentesten -,
umfasst der Kader des Teams auch noch
acht junge Japaner, die aber weitgehend nur in Fernost
Rennen fahren werden.
Als Professional Continental Team kann
der Rennstall auch an ProTour-Rennen teilnehmen und
hat Einladungen etwa zum Amstel Gold Race und der Benelux-Rundfahrt
bereits sicher.
Stefan Schumacher, der am Donnerstag
in Holland einen Einjahresvertrag unterzeichnete
und ein erstes mehrstündiges Gespräch mit der Teamleitung
führte, wird zu den Leistungsträgern des Teams gehören.
"Ich denke, ich werde mich bei meinem neuen
Team sehr wohl fühlen. Sportdirektor
Hoekstra kannte mich und wollte
mich unbedingt haben", sagt Schumacher, der
sehr erleichtert war, als
er nun endlich einen Vertrag
für 2005 unterschreiben konnte.
Einen Weggang von Lamonta, wo
"die Stimmung unter den Fahrern super war",
hatte der Deutsche Vize-Meister
eigentlich gar nicht geplant.
Schumacher war davon ausgegangen,
dass das Team nächste Saison wie
angekündigt eine "Professional"-Lizenz
löst. Doch im Spätsommer bekam
Schumacher eine E-Mail, der er
überrascht entnehmen konnte,
dass Lamonta doch GS-III (Continental Team) bleibt
und somit keine Möglichkeit hat,
an ProTour-Rennen wie etwa der Deutschland-Rundfahrt
teilzunehmen. "Ich habe dann im September die Entscheidung
getroffen zu wechseln, weil ich
mich als Rennfahrer weiterentwickeln möchte
und dazu auch mal große Rennen fahren muss",
sagt Schumacher.
Die Suche nach einem neuen Team gestaltete
sich als nicht so ganz einfach,
zumal im heutigen Profiradsport
Personalentscheidungen inzwischen üblicherweise bereits
im August unter Dach und Fach sind.
Die großen deutschen Teams hatten kein Interesse
an dem 23-Jährigen und Schumacher
wurde mit jeder Woche nervöser:
"Im Oktober nicht zu wissen,
wo man nächste Saison fährt, ist schon
stressig. Aber im November ist es die Hölle."
Sich zurücklehnen und Erfolge
wie den WM-Start genießen,
daran war angesichts der Umstände
nicht zu denken.
Als sein neues Team letzte
Woche aus Termingründen das Treffen zur Vertragsunterschrift
auch noch verschob "bekam ich schon Panik", sagt
Schumacher. Doch es waren wirklich nur
Termingründe und Scheppink
und Piet Hoekstra hießen ihn nun
am Donnerstag willkommen.
Für nächste Saison hat sich
Schumacher viel vorgenommen.
Natürlich hofft er, dass es für ihn so weitergeht
wie in der letzten Saison,
in der er u.a. eine Etappe der
Bayern-Rundfahrt und den Druivenkoers in Belgien gewann
und bei der Hessen-Rundfahrt Zweiter
wurde - und das in einem Alter,
in dem man sich normalerweise
erst an die rauhe Luft bei Profi-Rennen gewöhnt
und erst mal nicht an Resultate denkt.
"Ich bin erst 23 Jahre
alt und natürlich träumt man weiter,
wenn man Erfolg hat.
Ich möchte mich nächste Saison auch mal bei internationalen Rennen
zeigen. Ich will selbst sehen,
was ich kann bei großen Rennen.
Deshalb war es für mich wichtig,
bei einem Team zu fahren, dass auch
ProTour-Rennen fährt und Klassiker wie Het Volk,"
so Schumacher.
In einigen Tagen fliegt er zum Training nach Mallorca.
Sein erstes Rennen wird die Qatar-Rundfahrt
Ende Januar sein.