LACHEN, 30.11.04 (rsn) -
Sichtlich ungehalten trat Andy Rihs am Dienstagabend vor die Medien. Der
Entscheid, dass Phonak die ProTour-Lizenz nicht erhält, wühlte den Chef von
Phonak und des Radteams auf. Der Unternehmer sparte nicht mit Vorwürfen
Andy Rihs, wie haben Sie den negativen Entscheid aufgenommen?
Rihs: Es brodelt gewaltig in mir, aber wir müssen mit dieser Tatsache leben.
Ich verstehe den Entscheid überhaupt nicht. Er ist unverhältnismässig und
unverständlich. Wir erhielten vor der Lizenzkommission kein Rechtsgehör. Es
macht keinen Sinn, am 22. November ein Hearing zu machen, wenn alles schon
zehn Tage zuvor gelaufen ist. Wir dachten, dass die UCI zwar mit dem
Drohfinger agiert, aber wir uns in der richtigen Richtung bewegen.
Sie sind sichtlich verärgert über den Entscheid.
Rihs: Ja, auch wenn wir nicht gerade eine Depression haben. Ich finde es sehr
unschweizerisch, wie vorgegangen wurde. Ich bin es gewohnt businesslike zu
agieren, wir sind ja nicht in einer Diktatur. Wir haben alles von der UCI
geforderte in die Wege geleitet und die Gegenmassnahmen rechtzeitig
eingeleitet. In unserem Team stehen alle für sauberen Radsport ein. Jetzt
haben wir zwei Fahrer, die des Blutdopings verdächtigt werden, aber wir
dürfen keine Zweifel am Nachweisverfahren haben.
Wie geht es denn jetzt mit dem Phonak-Team weiter?
Rihs: Die Existenz ist sicher in Frage gestellt. Wenn wir nicht zur ProTour
gehören, dann hat das Team auf lange Sicht keine Zukunft. Es wird im
nächsten Jahr ein Auslaufmodell geben, sollten wir keine Einladung zur Tour
de France erhalten. Wir haben ein Topteam aufgebaut, sonst macht es für
einen Sponsor gar keinen Sinn, ein bisschen Radrennen zu fahren. Wir
stockten das Team für die kommende Saison sogar noch einmal auf. Jetzt wird
in unserem Team natürlich jedes Stäubchen gekehrt, um eventuell etwas zu
finden. Es ist also eine Risikoabschätzung, ich kann schliesslich nichts
garantieren. Ich weiss nicht, ob ich das ganze Theater nochmals erleben
will. Heute würde ich sagen Nein.
Bleiben die Fahrer überhaupt bei Phonak?
Rihs: Viele Fahrer sind nicht des Geldes wegen zu uns gekommen, sondern wegen der
guten Organisation und den idealen Voraussetzungen, die wir bieten. Vieles
hängt jetzt davon ab, wie es mit den grossen Rundfahrten weitergeht.
Jean-Marie Leblanc erklärte mir, dass die Tour de France entgegen anderen
Meldungen noch kein Agreement mit der ProTour hat. Wenn wir eine Wildcard
für die Tour erhalten, sieht alles wieder anders aus. Diese Fragen sind noch
offen und entscheiden sich in den nächsten Tagen. Aber ich kann nicht aus
den Sternen lesen. Wenn aber ein Fahrer ein Angebot von einem Team aus der
ProTour hat, stehe ich ihm sicher nicht im Weg. Die Verträge mit den Fahrern
sind ohnehin an eine Teilnahme der ProTour verknüpft.
Welche Fehler hat denn Phonak begangen?
Rihs: Der grösste Fehler bin wahrscheinlich ich. Ich gehe meinen Weg, ich bin kein
Kuscher, und das gefällt einigen wohl überhaupt nicht. Aber ich werde mich
sicher nicht ändern. Ich brauche die UCI nicht, und ich brauche den Radpsort
nicht, aber ich liebe ihn.