
Robert Förster, 26 Jahre alt und aus Markkleeberg bei Leipzig,
ist seit 2001 Profi. Nach zwei Jahren
beim GS-II-Team Nürnberger wechselte er zum Top-Team Gerolsteiner.
Der Sprint-Spezialist
feierte bereits über zehn Profi-Siege.
Beim Giro d'Italia startet "Frösi"
zum zweiten Mal.
19.Etappe
Horrorberg und Spontanparty
CLUSONE, 29.05.04 - Heute abend nach der Etappe gab's eine kleine spontane
"Party". Fabians Kumpel sind hier, seine Freundin,
sein Bruder. Die haben ihn alle hier
überrascht im Hotel. Fabian dachte, die sind
schon auf dem Heimweg, und da stand dann plötzlich sein Angelclub
Spalier mit den Angelruten vor dem Hotel und sie haben ihn kräftig
naß gemacht mit Sekt. Schon Klasse,
dass er wirklich noch die Bergwertung gewonnen hat.
Da kann man gar nicht oft genug den Hut vor ziehen
vor seiner Leistung, wie
er die ganzen Berge da immer vorne mit rumgesprungen ist!
Wir haben noch alle lange zusammengesessen und ein Bier getrunken.
Aber nicht mehr als eins, denn morgen haben wir ja auch noch etwas vor.
Heute war der Etappenstart erst um 14 Uhr.
Der Morgen hat sich ganz schön hingezogen.
Was soll man groß machen so kurz vorm Rennen,
wo man schon halb im Renndress steckt?
So gut war das Hotel sowieso nicht.
Die Zeitung schon drei Mal gelesen, kein deutsches Fernsehen.
Naja, irgendwann gings dann doch los.
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Fans fragen Frösi...
Ralph aus Düsseldorf: Da ich in einiger Zeit auch mein erstes
(Jedermann-) Rennen fahren werde, habe ich folgende Frage an Dich:
Wie trainierst Du bzw. wie verbringst Du die letzten drei Tage vor einer
großen Rundfahrt, wie etwa dem Giro, oder einem großen Rennen und wann
fährst Du im Vorfeld zum letzten Mal im "roten Bereich"?
Frösi: Die letzten Tage vor dem Rennen nur lockeres
Training. 2 Stunden maximal.
Dabei geht man ein paar Mal kurz in den Entwicklungsbereich.
1, 2 Tage vorher auch mal
kurz in den roten Bereich.
5 Minuten, der Rest locker.
Der Körper muss sich aber auf alle Fälle auch
an den roten Bereich gewöhnen, man muss da nochmal kurz rein.
Richard aus Saarbrücken:
Ich habe bereits öfter gelesen, dass man schon bei leichteren Erkrankungen auf Training verzichten sollte.
Ist es nicht gefährlich, dass Fabian Wegmann erkältet weiter fuhr?
Frösi: Nach drei Wochen Rennen ist bei uns
niemand mehr ganz gesund.
Alle haben etwas, ob erkältet oder
Sitzbeschwerden. Aufgrund der großen Belastung jeden Tag
wird der Körper sehr anfällig und hat
weniger Widerstandskraft. Bei einer Erkältung
mit richtigem Fieber muss man aussteigen, ganz klar,
so wie bei uns Gianni (Faresin).
Aber wenn die Erkältung noch nicht so ausgeprägt ist, geht es schon.
Unsere Gesundheit setzen wir nicht aufs Spiel.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Am Start habe ich mich mit Niki Aebersold unterhalten,
er freute sich, dass seine Mannschaft führt
in der Fair Play-Wertung. Ich sag', pass mal auf, die finden schon noch was,
dass ihr heute abend nicht mehr führt. So wie es bei uns auch war.
Und als ich vorhin die Ergebnisse durchgucke:
Genau so kams. Werde Niki morgen da mal ein bißchen aufziehen...
Die ersten Kilometer nach dem Startschuss
begannen gleich nervös, Springerei ohne Ende.
Fabian hats tatsächlich wieder geschafft,
die Gruppe zu treffen und er hat sich die Punkte geholt
am Mortirolo.
Mortirolo! Was ein
Horrorberg.
Ich habe versucht, so lange wie möglich dranzubleiben und
daneben auf Petacchi geschaut, wenn der reißen lässt,
kann ichs auch tun. Aber der Kerl hat nicht locker gelassen.,
da haben schon viele die Lenker auf- und zugebogen.
Ich fuhr am Anschlag, irgendwann war Schluss.
Marcel Strauss ist bei mir geblieben.
Was war das hilfreich, ich kann mich gar nicht genug bedanken bei ihm.
Drei Kilometer fahren wir schon bergauf -
und da kommen noch 10km. Eine Stunde fährt
man da berghoch. "Komm, Frösi, das geht schon!",
macht mir Marcel Mut. 20 Mann haben sich schließlich gefunden.
Olaf von uns dabei, Petacchi kam auch.
Von hinten kamen nach und nach noch einige zurück - per Flasche natürlich.
Also wenn dieses Ding heute am Ende nach 200km
angestanden hätte, ich weiß nicht, was gewesen wäre.
Nach dem Mortirolo entspannte sich die Lage etwas.
Wir waren inzwischen 70 Mann, eher ein Hauptfeld als ein
grupetto. Wir sind zügig bis zum nächsten Berg gefahren.
Unten hatten wir zehnn Minuten Rückstand.
Ordentlich, ein Problem mit der Karenzzeit
haben wir heute wohl nicht. Der zweite Berg
war auch sehr eklig. 20km lang.
Zur Hälfte hatte ich nichts mehr zu trinken.
Und wenn man nichts mehr hat, wird der Durst
irgendwie noch viel größer.
Ich wollte zurück ans Auto. Aber Strauss kommt, nee, lass, ich mache das.
Er hat für Olaf und mich Wasser geholt.
So ein Engagement ist einfach Wahnsinn.
Viele andere hätten in seiner Lage einfach
ihr Ding durchgezogen. Aber Marcel kümmert sich.
Ob am Berg um uns Sprinter oder vorne bei Fabian. Auch an dieser Stelle nochmal ein
Riesen-Dankeschön an Marcel!
Dann der letzte Berg heute. Man weiß, es ist
der letzte des Giro. Dann ist es vorbei.
Aber um so mehr zieht sich der Berg.
Es tat noch mal mächtig weh.
Auf den letzten 5km wurde uns auch noch die Straße versperrt.
Tausende Zuschauer auf der Straße, sogar Autos
hinter einer Kurve, was ganz schön gefährlich war.
Null Absperrung. Dann wars vorbei.
Als ich im Ziel auf die Zeit schaue - 34 Minuten -
war alles wieder gut.
Bei der Fahrt ins Hotel standen wir noch eine
Stunde im Stau, aber das haben wir auch noch rumgekriegt.
Es reichte jetzt
auch mit den Bergen und überhaupt.
Nach fast vier Wochen unterwegs sein
freut man sich sehr aufs Zuhause.
Aber morgen wollen wir bei der letzten Etappe nochmal eine
Show abliefern. Eine Friedensetappe wird
es nicht geben. Zumindest bis zum Intergiro
bei KM 40 wird es munter. Danach vielleicht
ein bißchen "Feier" im Peloton.
Am Ende wollen wir es noch einmal probieren.
Für den Sprint in Mailand haben
Olaf und ich uns schließlich über die Berge gequält.
Wir können es schaffen.
Wir sind relativ gut rübergekommen, viele,
viele Sprinter waren mehr am Klemmen,
viele sind kaputt.
Petacchi scheint unantastbar,
aber schneller ist
er auch nicht geworden in den Bergen.
Wir werden es auf alle Fälle versuchen,
die Chance ist gar nicht so schlecht.
Drückt uns die Daumen!
18.Etappe
Sicherheitspuffer am Gavia
BORMIO, 28.05.04 - Heute früh beim Aufstehen
schaue ich aus dem Fenster - strömender Regen!
Da verliert man schon gerade mal die Lust.
Eine Bergetappe in fast 2700 Metern
bei Schnee und Regen ist nicht gerade
etwas, auf das man sich freut.
Ich habe erst mal lange überlegt,
was ich anziehe. Das ist nicht
so leicht. Berghoch ist
es einem immer zu warm, bergrunter
zu kalt. Zieht man warme Handschuhe an?
Regenjacke? Ich habe mich dann für
warme Handshuhe und Überschuhe entschieden.
Am ersten Berg habe ich die dann doch wieder abgegegen
und prompt nachher gefroren...
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Fans fragen Frösi...
Andy aus der Schweiz fragt: Hast Du irgend ein Ritual vor einem Rennen, das du immer machst?
Frösi: Mein Aberglaube ist der, dass ich
immer das selbe Funkgerät haben muss
und nach Möglichkeit das selbe Trikot und die selbe Hose (gewaschen natürlich!).
Wenns gut läuft, dann nicht wechseln...
Aber so eng sehe ich das ganze auch wieder nicht.
Uwe aus Wermelskirchen fragt: Was macht Deine Hand?
Frösi: Geht inzwischen wieder ganz gut.
Den Verband habe ich abgemacht. Im Rennen
behindern mich die Schürfwunden nicht mehr.
Michael Buege aus Hamburg möchte wissen:
Mit welchen Konsequenzen muss derjenige rechnen, der sich nicht an
"ungeschriebene Regeln" hält?
Frösi: Man macht sich nicht beliebter im Feld.
Wenn einer drei, vier Mal attackiert während
der Pinkelpause, dann merkt
man sich den irgendwann. Der braucht jedenfalls
nicht drauf zu hoffen, dass ihm jemand mal einen Gefallen tut...
Da gibt es ein paar Kandidaten im Peloton.
Tom aus Fischbach möchte wissen:
Welche Gründe gibt es eigentlich für einen Sprinter, auf einer Bergetappe vor dem Grupetto zu fahren?
Ehrgeiz? Angst vor dem Zeitlimit?
Frösi: Das ist bei jedem verschieden.
Es gibt schon einige, bei denen ist das Ehrgeiz:
Bloß nicht Letzter im eigenen Team sein! Bloß
nicht mit den dicken Sprintern hinten fahren.
Bei mir ist das kein Ehrgeiz,
wenn ich vor dem grupetto fahre, sondern
einfach Angst vor dem Zeitlimit.
Wenn du im grupetto fliegen gehst,
ist hinter dir niemand mehr. Weiter vorne
habe ich immer im Hinterkopf, wenn
Du reißen lassen musst, ist da immer
noch das grupetto hinter Dir. Ist reine Kopfsache.
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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Die Etappe begann gleich früh mit Attacken und
Fabian und Sträusschen von uns haben
die richtige Gruppe erwischt. Super für uns.
Saeco hat im Feld Tempo gemacht -
gerade so mit der richtigen Geschwindigkeit.
Ein km/h mehr und es wären viele fliegen gegangen.
So gings aber gerade noch.
Die erste Bergwertung hat vorne Fabian gewonnen -
dahinter hat Marcel abgesichert. Der hat auch wieder einen tollen Job gemacht.
Am Ende hat es für Fabian nicht gereicht,
weil Cunego die Etappe gewonnen und sich die
Punkte für die Bergankunft geholt hat.
Zwei Punkte fehlen Fabian. Schon blöd,
so knapp! Morgen versucht es Fabian noch mal, aber
er wird auch nicht frischer, nachdem er die ganze Woche
schon vorne mit rumturnt. Drückt ihm die Daumen!
Wir hinten sind im Feld geschlossen über die erste Bergwertung drübergekommen.
Oben waren es 5 Grad, Regen. Sehr fies.
Am zweiten Berg, dem Gavia
ist dann alles auseinandergeflogen.
Ein unangenehmer Berg. Lang, steil, enge Straße.
Fast 2700 Meter hoch, 2 Grad Kälte oben.
Verschwitzt kommt man dort an. Wir hatten glücklicherweise einen Helfer
von uns oben, der mit Weste und Langtrikot
auf uns wartete. Kurz umgezogen,
denn nur Zeitung war heute zu kalt.
Viele Zuschauer waren auch gar nicht da,
die einem Zeitungen hätten angeben können.
Bei diesem Giro sind in den Bergen deutlich weniger Zuschauer
als letztes Jahr. Ein bißchen enttäuschend.
Unten am Gavia wurde gleich gerufen: "Grupetto, grupetto!".
Ich habe aber geschaut, dass ich beim großen grupetto
noch nicht mitfahre, sondern eine Gruppe
davor. Natürlich ist
es schon so, dass man eigentlich Kräfte vergeudet, wenn
man in einer schnelleren Gruppe mitfährt.
Aber mir ist es lieber, ein Sicherheitspuffer
zu haben. Muss ich reißen lassen, habe
ich hinten immer noch das grupetto.
Im grupetto habe ich an
so schweren Bergen Angst, wenn
sie einen Tick zu schnell fahren, muss ich reißen lassen.
Und dann hat man ein Problem, wenn man allein
ganz hinten ist.
Letztes Jahr hatte ich einige Mal solche Situationen,
wo ich nur noch durch eine Flasche
gerettet wurde (Anmerkung der Red.: Frösi meint Festhalten an der Flasche,
die der Sportliche Leiter aus dem Auto angibt).
Heute gab es auch eine Reihe von Fahrern,
die mir am Gavia zügig entgegen kamenund
die am Ende drei Minuten nach mir die Etappe beendet haben.
Sowas gibt's normal nicht.
Die hat auch nur die Flasche gerettet.
Der letzte Berg war nicht so schwer wie
der Gavia, aber nach zwei schweren
Bergen in den Beinen reicht das schon.
Bei mir gingen am Ende die Lichter aus.
Der Akku war leer.
Ich musste noch schnell zwei Gels tanken.
Eine Unterzuckerung, der so genannte Hungerast ist
das schlimmste, was dir da am Berg passieren kann.
Das muss man auf alle Fälle vermeiden.
Morgen kommt der Mortirolo.
Darüber wird schon viel erzählt unter
den Fahrern. Ein Mörderding, steil, lang und
gleich nach 42km im Profil. Da werden mit Sicherheit
Attacken gefahren. Ich habe eine 39x28-Übersetzung auflegen lassen.
Für Olaf und mich geht es morgen nur darum, zu "Überleben".
Die Karenzzeit liegt bei 20 Prozent,
rund 45 Minuten. Die echten Dramen am Berg spielen sich
hinten im grupettto ab.
Wir dicken Sprinter leiden mehr als die
Kletterer, denke ich.
Aber es ist die letzte Bergetappe,
das baut einen auf. Noch einmal und am Sonntag
haben wir dann nochnmal eine Superchance im Sprint.
Olaf und ich sind von den Sprintern
noch relativ am besten über die Berge gekommen.
Allerdings macht auch Petachi einen
sehr starken Eindruck.
der scheint überhaupt nie zu leiden.
Drückt uns die Daumen bei den letzten Bergen!
17.Etappe
"Nur noch auf Petacchi geschaut"
SARNONICO, 26.05.04.
Die Etappe heute hat mehr weh getan,
als ich erwartet hatte, sie war bergiger,
als es im Profil stand. Aber wenn man
in Südtirol Rad fährt, sollte
man andererseits mit Bergen sicherlich schon rechnen...
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Fans fragen Frösi...
Michael aus Frankfurt fragt:
Wieviel Trainingskilometer fährst Du vor Deiner Saison und wie viele
Kilometer hast Du am Ende der Saison auf dem Tacho?
Frösi: Ich fahre pro Jahr so ungefähr
15.000 Kilometer im Training und nochmal 15.000
im Rennen. Da gibt es schon große Unterschiede
bei den Profis. Ein Erik Zabel zum Beispiel, der sehr trainingsfleißig ist
und viele Rennen fährt,
kommt im Jahr auch mal auf 45.000 Kilometer.
In jedem Falle kommt es beim Training
aber nicht auf die Zahl der Kilometer
an. "Qualität statt Quantität", sagt
mein Trainer immer. Und je mehr und je schwerere Rennen, desto
weniger Training. Eine große Rundfahrt wie
der Giro merkt man in der Form das ganze restliche Jahr,
sofern man ganz gut da rauskommt, also nicht
völlig kaputt.
Fridl aus dem Allgäu möchte wissen:
Welche Übersetzung fährst Du als Sprinter auf der Gavia- bzw. Mortirolo-Etappe?
Frösi: Für morgen am Gavia habe ich 39x25 aufgelegt.
Am Mortirolo werde ich vermutlich
27 oder 28 drauflegen lassen, mal schauen.
Die Übersetzung muss jeder Fahrer
für sich entscheiden.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Heute morgen bin ich wieder früher wach geworden,
als ich musste. Ich habe mich gut gefühlt,
der Ruhetag hat gut getan.
Das ist gar nicht so selbstverständlich.
Letztes Jahr waren die Etappen nach den Ruhetagen
der pure Horror. Die Muskeln
fest, alles tut weh. Diesmal geht's mir deutlich besser.
Bis zum Frühstück um 9 Uhr habe ich
die Zeit mit Fernsehen totgeschlagen.
Nach dem Fühstück noch eine Stunde Ruhe, bevors losging.
Zum Start hatten wir noch 20km Transfer,
was nicht so weit ist,
aber auf den Serpentinen hier ist es trotzdem immer
ein Akt, bis der ganze Tross am Start ist.
Ich fahre wie fast immer im Begleitauto. Im Bus
oder - noch schlimmer - Camper wirds mir
schlecht auf solchen Straßen und am Start
brauche ich sonst erst wieder ne halbe Stunde,
um wieder klar zu werden.
Startschuss erfolgte um 12 Uhr.
Die ersten Kilometer waren recht angenehm zu fahren.
Es ging leicht bergab, die ersten 80km hatten wir
einen 50er Schnitt, den man aber ziemlich locker fahren konnte.
Ständig gab es Angriffs-Versuche,
alle wollten unbedingt eine Gruppe erwischen.
Aber es ging einfach keine weg.
Nach 49km hat's einen bösen Sturz gegeben, bei dem es Svorada und Pagliarini erwischte.
Ich habe nicht mitbekommen,
was genau los war. Ich fuhr weiter vorne.
Während einer Pinkelpause gab es dann eine
Attacke - das ist total verpönt, sowas macht man einfach nicht.
Furlan musste austreten und sein
eigener Mann, Bertolini, ist vorne rausgefahren.
Pozzi ist mit und die beiden waren weg.
So sind wir dann in die Berge.
Zwei vorne, dahinter im Feld Saeco kontrollierend.
Das war relativ ruhig zu fahren.
Dann in der Verpflegung gab es wieder eine Attacke -
das ist genauso gegen alle ungeschriebenen Regeln.
Ein paar Man sind hinterher und von da ab wurde
es dann richtig schnell.
Garzelli hat attackiert.
Ich habe von dem Moment nur
noch auf Petacchi geschaut und
gewartet, dass er die Beine hochnimmt
und sich das grupetto bildet.
Das hat er dann auch bald getan.
Wir waren eine große Gruppe hinten, 60 Mann bestimmt.
Wir sind straff gefahren bis ins Ziel
und das mussten wir auch, damit
es mit dem Zeitlimit keine Probleme gibt. Heute lag die Karenzzeit
bei 10 Prozent der Siegerzeit, 22 Minuten.
Wir waren mit 13 Minuten Rückstand im Ziel.
Früher häte man sich vielleicht gesagt,
bei einem "Omnibus" mit 60 Mann ist keine Gefahr.
Aber letztes Jahr haben sie beim Giro 40 Mann (mich inklusive)
aus dem Rennen genommen. Da muss man schon aufpassen.
Bei der Etappe heute waren sehr viele Deutsche an der Strecke.
Und heute wurde auch einige Male mein Namen gerufen,
sonst wurde ich ja meistens mit "Olaf" angefeuert...
Ein Fan im Berg rief heute auch wieder: "Auf gehts, Olaf!".
Ich schüttele, den Kopf, nee, bin ich nicht.
Er lacht und ruft dann, oh, sorry, auf Frösi...
Dabei ist es doch ganz einfach zu merken: Olaf ist der Große, der kleine Dicke, das bin ich...!
Nach dem Ziel hatten wir es heute mal nicht
weit bis ins Hotel. Nicht mal einen Kilometer
"Transfer". Dafür ist das Hotel nicht
so berauschend. 60er Jahre Look - aber
original, nicht darauf gemacht...
Die Hotelauswahl macht die Giro-Organisation
für alle Teams, da haben wir gar keinen Einfluß drauf.
Meistens sind es aber schon schöne Häuser.
Es ist sicherlich nicht immer so einfach,
den ganzen Riesen-Giro-Troß mit Fahrern, Betreuern,
Organisationspersonal, Journalisten etc unterzubringen.
Absichtlich bevorzugt wird da jedenfalls kein Team.
Vor der Etappe morgen habe ich großen Respekt.
Ziel ist ganz allein: Durchkommen.
Die Karenzzeit liegt bei 20 Prozent,
aber die kann ganz schnell weg sein.
Dass die Etappe kurz ist, ist
zwar an sich schon gut. Aber
vorne fahren sie dafür dann auch schneller,
das gleicht sich wieder aus.
Ich hoffe, ich habe einen guten Tritt,
erwische eine gute Gruppe, dann ist das sicherlich machbar.
Aber man weiß nie.
Der Gavia ist schon ein Mörderding.
2600 Meter und die Passtraße ist
für den normalen Verkehr noch gesperrt,
da liegt hoch Schnee rechts und links.
Einige von Euch fragen nach diesem Pass oder jenem -
aber mit Namen von Pässen habe ichs nicht gerade.
Kann ich mir nicht merken.
Wenn ich drüber bin, verdränge ich das möglichst schnell.
Mortirolo, Motorola? Keine Ahnung.
Außer dieser üble Zoncolan vom letzten Jahr - der Namen hat sich mir eingebrannt...
Die Etappe morgen wird sicherlich eine
Geschichte für die Favoriten. Simoni, Cunego, Popovych, Garzelli etc.
Bei uns im Team wird Fabian
versuchen, bis zur Cima Coppi am Gavia zu kommen,
um sich die Bergpunkte zu holen.
Das hat der Kerl bisher schon ganz schön clever gemacht mit
dem Bergtrikot, das muss man ihm lassen!
Drückt uns die Daumen, bis morgen!
Zweiter Ruhetag
Super-Stimmung im Team
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Fans fragen Frösi...
Thorsten fragt:
Hallo Frösi, gibt es manchmal auch Momente am Berg, in denen
man am liebsten vom Rad steigen würde, weil es
scheinbar nicht mehr geht? Wie meistert man solche Situationen?
Frösi: Oh, ja, diese Momente gibt es.
Wenn Du im grupetto ums Überleben kämpfst, denkst Du
schon mal: Wozu mache ich den Sch... eigentlich?
Aber es geht immer irgendwie. Da hat jeder seine
eigenen Hilfsmittel. Olaf sagt,
er denkt dann an seine kleine Tochter.
Man denkt an seine Ziele, die Sprintetappe
übermorgen oder daran, dass die Form erst durch die Quälerei
kommt. Im Training ist es oft noch schwerer,
den Schweinehund zu überwinden. Das sieht
es ja keiner, wenn du da aussteigst. Da muss
man sich durchbeißen.
Sammy fragt:
Achtest du sehr auf Deine Ernährung? Nimmst du Nahrungs- ergänzungsmittel?
Frösi: Ich achte schon darauf, was ich esse.
Aber auch nicht so extrem. Nutellabrötchen müssen schon sein und
wenn man mal total Hunger hat auf Süßigkeiten, dann muss das auch mal drin sein.
Das ist auch okay, wenn es im Rahmen ist.
An einem Ruhetag wie heute
muss man schauen, dass man weniger ißt,
als an Renntagen.
Nahrungsmittelergänzungen? Ja, bei einer großen Rundfahrt
gehts kaum ohne. Eiweiß-Shakes, solche Sachen.
Herbert aus Salzburg möchte wissen:
Wie ist das mit den Preisgeldern,
werden die aufs gesamte Team verteilt oder nur
an jene, die auch bei dem entsprechenden Rennen mitfahren?
Frösi: Die Preisgelder
werden unter denen verteilt, die
an dem betreffenden Rennen teilnehmen.
Wer vorzeitig aussteigt, bekommt anteilsmäßig das Geld.
Also wer zur Hälfte aussteigt, bekommt 50 Prozent.
Reich wird man mit Preisgeldern beim Giro aber nicht.
Für einen Etappensieg gibt es
3400 Euro. Davon gehen erst mal
30 Prozent italienische Steuer weg,
3% bekommt der italienische Radsport-Verband,
3% die Fahrergewerkschaft, internationale Überweisungsgebühren.
Vom Rest gehen 10 Prozent an die Betreuer
und was übrig bleibt, wird noch mal geteilt
durch neun Mann...
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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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SAN VIGILIO DI MAREBBE, 26.05.04.
Gestern abend haben wir lange Fernsehen geschaut.
Sehr angenehm, mal ein bißchen abzuschalten,
abends mal länger aufbleiben zu können.
Heute morgen bin ich dann aber trotzdem
um halb acht aufgewacht und
konnte nicht mehr schlafen. Ein gutes Zeichen. Wenn man richtig kaputt ist,
wacht man gar nicht mehr auf.
Ich war der erste von uns auf. Beim Frühstück
war noch keiner. Da habe ich mich erst mal
vor dem Hotel auf eine Bank gesetzt und
so für mich alleine
die herrliche Berglandschaft in der Morgensonne
genossen. Wir haben hier ein sehr schönes Haus,
abseits gelegen in
wunderbarer Landschaft.
Gegen Neun kamen dann unsere Betreuer
zum Frühstück, die sind sonst immer
die ersten auf den Beinen und die letzten,
die ins Bettt kommen.
Unsere Sportlichen Leiter Christian (Henn)
und Reimund (Dietzen) und Slawo, einer unserer Betreuer,
kamen vom Jogging zurück und - wie Rennfahrer nun mal sind -
flachsen sie nur darüber, wer denn nun Schnellster war...
Alle im Team - vom Mechaniker
bis zum Teamchef - sind derzeit
super gut drauf. Es herrscht eine
unheimlich gute Stimmung,
auch bei den Betreuern, für
die so eine große Rundfahrt genauso
wie für die Fahrer eine große Belastung ist.
Es stimmt derzeit einfach alles bei uns.
Wir fahren ordentlich, haben Erfolg.
Da entsteht dann so eine Gruppendynamik.
Umgekehrt geht das natürlich auch.
Wenn es nicht läuft, entsteht
schnell im ganzen Team eine miese Stimmung,
in der dann noch weniger läuft.
Nach dem Frühstück sind wir
ein bißchen rausgefahren auf den Rennrädern.
Eine Stunde ins Tal. Die Landschaft ist atemberaubend
in den Dolomiten.
Auf dem Rückweg haben wir ein paar schnellere Tritte
eingelegt, ein bißchen attackiert.
Der Körper muss ein bißchen belastet werden.
Um halb zwei gabs Mittagessen,
danach saßen wir alle beisammen
auf der großen Sonnenterasse bei
Kaffee und Eis. Christians Frau ist zu Besuch.
Es war eine richtig familiäre Atmosphäre,
einfach nur schön.
Ein Gesprächsthema war natürlich die Polizei-Razzia
bei einigen Fahrern heute morgen.
Naja, für uns ist das Thema eher abstrakt,
bei uns war niemand. (Sie könnten gern
kommen, bei mir würden außer Zahnpasta nichts
finden).
Das muss schon heftig sein, wenn da
plötzlich frühmorgens die Polizei an deinem Bett steht.
Aber andererseits, Gesetze sind Gesetze und
Italien ist ein Rechtsstaat.
Ironisch finde ich allerdings, dass es hier solche großen Polizeiaktionen
gibt, aber keine Trainingskontrollen wie bei uns.
Bei mir zuhause klingeln vier Mal im Jahr
die Dopingkontrolleure unangekündigt an der Türe...
Später am Nachmittag hab ich mir noch eine Massage geben lassen,
dann auf dem Zimmer etwas faulenzen.
Fernsehen. Und ich habe meinen Koffer,
der nach drei Wochen aussieht wie
Kraut und Rüben, mal aufgeräumt.
Dann Abendessen, ein Glas Wein.
Und der Tag war schon wieder vorbei.
War wirklich ein idealer Ruhetag - besser
als der erste. Aber ich freue
mich auch, dass es wieder weitergeht morgen.
Die letzten vier Tage wollen wir noch mal ran.
Nach dem Ruhetag hat man immer Ungewißheit,
wie es läuft. Der Körper stellt schnell um auf
Ruhe und da ist es am Anfang schwer,
den Motor wieder richtig hochzufahren.
Morgen ist so eine Wackeletappe, keine Bergetappe,
aber auch keine Flachetappe.
Wer weiß, vielleicht fühlt sich Petacchi so stark,
dass er morgen trotzdem was machen will?
Aber eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen.
Höchstwahrscheinlich geht
morgen mal eine Ausreißergruppe.
Nachdem Petacchi und Saeco
fast alles gewonnen haben,
gibt es noch so viele Teams,
die noch irgendwas vorzeigbares brauchen.
Die Favoriten werden morgen nichts machen.
Die schauen auf die schweren Dinger am Freitag und Sonntag.
Bis morgen!
16.Etappe
Schöner Tag in den Bergen

FRÖSI BEI DER ERSTEN BERGWERTUNG AM DIENSTAG
Foto: Sabine Jacob
SAN VIGILIO DI MAREBBE, 25.05.04.
Gestern war ich so ein bißchen mies drauf,
das hat man schon mal zwischendurch.
In jedem Beruf gibt es wohl solche Tage.
Dafür war die Etappe heute um so besser.
Ein irgendwie perfekter Tag von heute früh bis heute Abend.
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Fans fragen Frösi...
Urs aus der Schweiz möchte wissen:
Ist man im Grupetto über den Rennverlauf an der Spitze informiert?
Frösi: Man bekommt eigentlich ziemlich wenig mit.
Über Funk höre ich nur, wenn einer vom eigenen Team vorne ist.
Heute habe ich es von Zuschauern gehört,
dass Cunego gewonnen hat. Als Rennfahrer
bekommt man vom Rennen als ganzem viel weniger mit als
ein Fernsehzuschauer.
Schaut Ihr Euch am Abend am TV Aufzeichnungen der Etappen an?
Frösi: Ja. Zumindest die
letzten 10km. Und bei Massensprints ist
es besonders wichtig, die Aufzeichnung
anzuschauen. Dort kann man noch mal genau analysieren,
was gut war, was falsch usw.
Volker aus Bayern fragt:
Hätte bei einer schweren Bergetappe ein guter Amateur-Bergfahrer Chancen, mit dem gruppetto durchzukommen?
Frösi: Bei einer einzigen Etappe in der dritten Giro-Woche wohl schon.
Aber nach zweieinhalb Wochen Rennen in den Beinen
sicher nicht. Da fehlt dann einfach die Rennhärte.
Albin aus Bern fragt: Wieviel verdient eigentlich ein Radprofi einer GS-I?
Wieviel davon ist Gehalt vom Team, wieviel Prämien und Preisgelder?
Frösi: Was ich verdiene, verrate ich nicht. :)
Das Mindestgehalt bei einer GS-I liegt bei 25.000 im Jahr. Ein Ullrich oder Armstrong verdient
viele Millionen. Preisgelder kommen immer hinzu,
wobei die immer aufs Team verteilt werden und
für die Betreuer noch 10 Prozent vorab weggeht.
Prämien? Das ist vertragsabhängig und bei jedem anders.
In Deutschland gelten Radprofis übrigens steuerlich als selbständig.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Heute morgen mussten wir derb früh aufstehen, um
8 Uhr gab es schon Frühstück.
Vor einer Bergetappe muss man zusehen,
ein paar Kalorien reinzuschaufeln, um über den Tag zu kommen.
Ein Teller Müsli, ein Teller Nudeln, zwei Brötchen
mit Nutella. Mehr mag ich aber wirklich nicht
essen morgens. Zum Start fuhren wir
20km im Auto, dann gings los.
Nach 10km hielten es die ersten schon wieder
nicht aus, Tenax musste gleich schon attackieren.
Dann ein erster heftiger Anstieg,
der nicht mal im Profil eingezeichnet ist.
Geht ja gut los.
Nach 20km oder so ist eine 15-Mann-Gruppe weg,
Fabian von uns dabei.
Die kamen schnell auf 15 Minuten weg
und ich hatte schon ein bißchen Angst,
dass wenn die so weiter fahren und
im Feld keiner die Verfolgungsarbeit macht,
es eng wird mit der Karenzzzeit.
Aber Saeco und einer von Landbouwkrediet haben sich
vors Feld gesetzt.
Am ersten Berg hatte ich überhaupt keine Probleme.
Am zweiten Berg habe ich 2km vor der Kuppe
reißen lassen - zusammen mit Petacchi.
Da kann ich nicht so schlecht sein, denke ich.
In den dritten Berg sind sie voll reingeblauzt
und zur Hälfte war bei mir Ende.
Es fand sich eine relativ große Gruppe.
Marcel Strauss hat auf mich gewartet und
hat mir unheimlich geholfen.
Ich bin ihm wirklich sehr dankbar.
Das ist auch nicht selbstverständlich,
dass einer wartet, wenn er selber die Möglichkeit hat,
weiter vorne zu fahren.
In der Gruppe haben wir bis ins Ziel richtig
durchgezogen. Das eigentliche grupetto
war einige Minuten dahinter.
Heute lief es wirklich super bei mir.
Gute Beine, gute Moral.
Oft ist es so, dass der Wille da ist,
aber der Körper nicht mitmacht oder
umgekehrt. Heute kam beides mal zusammen.
An der Strecke wurde mir
ein paar Mal "Olaf" zugerufen.
Bin ich zwar nicht, aber
ich habe die Anfeuerung trotzdem
mal auf mich bezogen... :-)
Fabian war super heute. Bergwertung gewonnen,
Trikot verteidigt. Er hat eine super Moral.
Die Schlagzeile bei Radsport-News.com hat sich
bei uns vorhin auch schon rumgesprochen...
Die Komissäre haben heute
wieder zugeschlagen. Zwei Seiten füllen unsere
Strafen. Nur unnötiger Kram.
Fabian bekam eine Strafe, weil
er sich am Auto festgehalten hat,
als er seine Windweste in der Abfahrt abgegeben hat.
Bergrunter wohlgemerkt, da ist er langsamer,
wenn er sich festhält. Marcel hat eine Strafe bekommen,
weil er sich zu lange festgehalten haben soll,
als er Flaschen geholt hat.
Wenn man man was gemacht hat,
dann haben wir auch kein Problem damit, eine Strafe zu kassieren.
Aber solcher Kram - das ist schon fast Willkür.
Fair Play-Wertung können wir vergessen.
Panaria hat heute natürlich gar keine Strafe bekommen.
Ich bin mit meinem Tag heute sehr zufrieden.
Geschafft bin ich schon - 4600 Höhenmeter
und 200km merkt man. Aber
mir geht es sehr gut.
Man weiß eigentlich erst am Berg,
wie die Form ist. Auch der Kopf spielt eine Rolle.
Wenn man sieht, das andere schon keuchen,
während man selbst noch ganz locker ist,
dann gibt das enorm Auftrieb.
Gegenüber letztem Jahr merke ich schon,
dass mir die Erfahrung hilft.
Ähnlich wie im Sprint ist auch in den Bergen
vieles Erfahrungssache. Wann reißen lassen,
seinen Motor nicht überdrehen usw.
Das lernt man nicht von heute auf morgen.
Für den Ruhetag haben wir ein perfektes Hotel erwischt.
Ein familiäres Haus mit super Essen
und hier in Südtirol spricht man deutsch.
Morgen werden wir nicht viel machen.
Individuell ein bißchen Training,
ein, zwei Stunden, mehr nicht. Sonst
ist Erholung angesagt. Massage, viel Schlaf, damit
wir auch für die letzten vier Tage noch fit sind.
Mir kommt der Ruhetag jetzt
eigentlich gar nicht so gelegen,
denn ich bin gerade so gut drauf.
Übermorgen brauchte ich ihn dannn vielleicht
um so mehr. Aber das kann man sich ja nicht aussuchen.
Bis morgen!
15.Etappe
Lagerkoller
|
Fans fragen Frösi...
Manfred aus Österreich fragt:
Immer wieder sehe ich, dass Fahrer auch an sehr warmen Tagen unter ihren Trikots Unterleibchen tragen, oder unter den
den Helmen noch Kappen. Warum ist das so?
Frösi: Ich trage immer ein Unterhemd.
Ich habe vier verschiedene für unterschiedliche Temperaturen.
Ohne Unterhemd ist es sehr unangenehm wegen
des Fahrtwinds, wenn man schwitzt.
Oben an Bergen stehen zudem meist Zuschauer mit
Zeitungen, die man sich in der Abfahrt vor
die Brust unters Trikot tut. Das ist sehr angenehm
und wird von allen Fahrern gerne angenommen.
Die Mütze untern Helm tut man sich eigentlich nur, wenns
kalt ist. In den hohen Bergen etwa.
Grund ist auch wieder der Schweiß und der Fahrtwind.
Markus aus der Schweiz:
Häufig sieht man bei den Fahrern, dass sie Schuhüberzüge auch bei heissem Wetter tragen. Was hat es damit auf sich?
Frösi: Das ist heikel. Es soll Fahrer geben, die
nicht ihre Schuhe zeigen möchten...
Christoph möchte wissen:
Wie oft macht ihr eine Leistungsdiagnostik und in welchem Bereich hast du GA1 und wieviel Watt trittst du da?
Frösi: Ich gehe vier Mal im Jahr in die "Folterkammer"
bei Prof. Dr. Junker in Leipzig. Meine GA1 (anaerobe Schwelle)
liegt bei 120 Puls. Meine Wattzahl weiß ich nicht aus dem Kopf.
Florian aus Urlading fragt: Mit welcher Geschwindigkeit
fährt das Grupetto am Schluss bei schweren Bergetappen bergauf ?
Frösi: Das weiß ich nicht. Mal 15, mal 30km/h, je nachdem.
Kommt auf den Berg an, wie hoch, nach wievielen Kilometern etc etc.
Man schaut aber auch gar nicht auf den Tacho.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
|
REVINE LAGO, 24.05.04. Heute
morgen ging es mir besser als ich erwartet habe.
Von den Sturzverletzungen gestern
habe ich nicht mehr sehr viel gespürt.
Komischerweise hatte ich nicht in dem Bein mit den Schürfwunden
Schmerzen, sondern im anderen.
Das kommt daher, dass man im Rennen ohne es zu merken
das unversehrte Bein mehr belastet und das dann zu
einem Ziehen führt. Aber ich war okay.
Frühstück auch sehr gut. In unserem Touristenhotel
waren viele deutsche Urlauber, die nicht so recht wussten,
was wir für welche sind: "Ach, Ihr fahrt Radrennen! Schön."
Die Welt dreht sich halt doch nicht nur um Radsport...! :-)
In Kroatien war aber eine schöne Stimmung. Viele Zuschauer,
große Begeisterung. Hat Spaß gemacht und
es ist für den Radsport sicherlich gut,
wenn eine große Rundfahrt wie der Giro
internationaler wird. Heute morgen am Start
unterhielt ich mich mit zwei deutschen Fans, die kannten auch
mein Tagebuch.
Auf die Stimmung gedrückt hat
im Team etwas, dass wir seit gestern
keine Chance mehr haben, die Fair Play-Wertung
zu gewinnen, auf die wir ein bißchen geschielt hatten.
Olaf bekam gestern eine Geldstrafe aufgebrummt,
weil an seinem Ersatzrad während der Fahrt der Sattel verstellt wurde.
Olaf war stocksauer, wegen sowas doofem, was ihm ja gar keinen Vorteil bringt,
bestraft zu werden.
Bei 'nem italienischen Team hätte der Kommissär vermutlich eher ein Auge zugedrückt.
Das Rennen begann für mich ziemlich stressig.
Nach 60km stand die Intergiro-Wertung an und
ich wollte dort unbedingt punkten.
Daher wollte ich unbedingt in einer Ausreißergruppe
drin sein, wenn eine geht. Das ist super stressig,
weil man immer mitspringen muss, man weiß ja nicht,
ob der erste oder der 100. Versuch gelingt.
Nun, ich war nicht bei den vier Mann, die weg sind.
Am Intergiro sind wir dann im Feld
noch gespurtet. Der fünfte und sechste
bekommt auch noch Punkte. Ich
war dann Siebter, also dritter im Sprint.
Ich war total frustriert. 2 Stunden turne
ich da vorne rum und alles für nix.
Immerhin bin ich noch Dritter im Intergiro
hinter D'Amore und Perez. Mal sehen,
wie's nach den Bergen ausschaut. D'Amore macht nicht
so einen ganz frischen Eindruck mehr.
Meine Laune war nach diesem Beginn dahin.
Ich war nur noch genervt von allem.
Nach zwei Wochen lauert immer der Lagerkoller und
ich hatte den heute. Die Beine waren gut,
aber psychisch war ich echt leer.
Die gingen mir alle auf die Nerven.
Nach zwei Wochen Rennen liegen ohnehin bei
vielen schon mal die Nerven blank.
Da geht es öfter schon mal rustikaler zu,
da wirds dann auch schon mal etwas lauter...
Im Finale haben wir mit Lotto gesprochen.
Wir wollten mal was neues probieren,
um vielleicht Petacchi doch noch zu knacken.
Lotto und wir haben ab 12km vor Schluss zusammen Tempo gemacht,
damit Fassa nicht wieder das gleiche Spiel gelingt
wie immer. Egal, ob am Ende Olaf oder McEwen gewinnt,
Hauptsache nicht wieder Petacchi.
Fassa Bortolo schien am Anfang ziemlich verunsichert
von der Aktion.
Wir haben vielleicht zu früh Tempo gmacht,
3km vor Schluss schliefen uns die Beine ein.
Die letzte 7km-Runde sind wir
einen Schnitt von 59km/h gefahren.
Wir haben Courage gezeigt,
auch wenn am Ende wieder Petacchi vorn war.
Olaf war Dritter hinter McEwen
und hat erneut bewiesen, dass
er zu den Besten gehört.
Hut ab vor Petacchi. Er ist einfach der Schnellste
und das muss man dann auch neidlos anerkennen.
Wir werden es in Mailand wieder probieren.
Ich hoffe, ich bin dann auch noch dabei...
Die Etappe morgen wird brutal.
Die Erholungszeiten werden immer kürzer.
Morgen ist um 8 Uhr aufstehen und
wir werden sechseinhalb Stunden im Sattel sitzen.
Vier schwere Berge. Mein Ziel kann da nur
lauten: Durchkommen. So spät wie
möglich reißen lassen.
Ich hoffe, die machen nicht am Anfang
schon den Wilden Mann.
Aber Angst habe ich vor der Etappe auch nicht.
Ich bin nicht der Schwächste im Feld und
- im Gegensatz zu letztem Jahr...! -
bin ich nicht der Erste, der am Berg fliegen geht.
Aber es kommt natürlich auch immer auf die Tagesform
an. Wenn es nicht mehr geht, dann gehts nicht.
Olaf wird auch morgen versuchen, so kräfteschonend wie möglich
durchzukommen. Bei uns könnte
vielleicht Marcel Strauss was machen.
Der fährt sehr stark und vielleicht
kann er sich in eienr Gruppe zeigen.
Fabian will auf die Bergwertung fahren.
Aber er ist ein bißchen angeschlagen, erkältet.
Dafür ist seine Moral ganz intakt.
Drückt uns die Daumen!
14.Etappe
"...und dann lag ich auf der Fresse"
POREC, 23.05.04. Heute war's wirklich nicht mein Tag und
ich bin jetzt heute abend schon ein bißchen down,
deshalb wirds vielleicht etwas kürzer
heute.
Die Etappe begann wie erwartet
sehr schnell. Viele Attacken und
natürlich viel bergiger als auf
dem Plan zu sehen. Das hatten wir
uns sowieso schon so gedacht.
Gleich nach wenigen Kilometern sind
15 Mann rausgefahren. Fassa Bortolo hat
sie aber sofort wieder zurückgeholt, warum auch immer.
Nach 30km sind fünf Mann weg.
Fassa hat von da ab das Feld kontrolliert,
den Vorsprung nicht zu groß werden lassen.
Frösi grüßt Stadtlohne zurück...
Deutsche Fans am Sonntag in Slowenien
Foto: Sabine Jacob
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Dann haben wir die Grenze nach Slowenien
passiert. Viel los war da nicht, allerdings
sind wir auch durch eher abgelegene Gebiete gefahren.
Deutsche Fans standen da mit einer Fahne
und haben uns von Gerolsteiner gegrüßt.
Da freut man sich sehr als Rennfahrer,
erst recht, wenn man im Ausland so gegrüßt wird.
Nach dem kurzen Trip durch Slowenien kamen wir nach Kroatien.
Kurz vor der zweiten Bergwertung
hats mich dann erwischt.
In einer kleinen Abfahrt kam eine Linkskurve,
da waren Spurrillen von LKWs, wo der Asphalt
so angehoben ist. Dort hat's
mir das Vorderrad rausgehebelt
und mich hat's voll auf die Fresse gehauen.
Vor mir und hinter mir sind noch zwei gestürzt an der Stelle,
ohne dass wir uns berührt haben.
Ich hab mich erst mal gesammelt,
geschaut ob noch alle Knochen dran sind.
Dann aufgerappelt und schnell weiter.
Zu meinem Glück hatte Olaf gerade Defekt und
Marcel Strauss hat auf ihn gewartet.
So konnte ich mit den Zweien
schnell wieder ins Feld reinfahren.
|
Fans fragen Frösi...
Gregor möchte wissen:
Wenn man richtig fertig ist aber noch über einen Berg rüber muss, wie läuft
das am besten? Mittlerer Gang und im Stehen oder
kleinster Gang und sitzend fahren?
Frösi: Das ist eigentlich bei jedem individuell verschieden.
Wichtig ist, dass man seinen Rhythmus findet.
Ich fahre am liebsten im Stehen
und mit einem etwas dickeren Gang.
Mit kleinen Gängen komm ich gar nicht zurecht am Berg.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Erst mal durchatmen. Der Rennarzt kam und hat mich durchgecheckt,
ob alles okay ist.
Die Wunden sauber gemacht. Die linke Seite
von mir ist ziemlich lädiert. Knöchel, Bein, der Ellbogen ist
auf und angeschwollen. Kratzwunden auf dem Rücken.
Nicht so schön, so zu fahren. Man schaut da immer drauf auf die Schürfwunden und
man hat immer im Hinterkopf, bloß nicht noch mal
auf die offenen Stellen fallen.
Der Kopf brummt, es tut weh. Aber Jammern hilft nix.
Ich hatte auch noch Glück,
bei dem Tempo hätte auch mehr passieren können.
Auf den letzten 40km konnte ich für Olaf wieder ein bißchen
arbeiten. Ihn pilotieren, auch wenn ich vom Kopf
her nicht mehr der frischeste war.
Eingangs der Zielrunde hat es mir dann auch noch eine
Speiche rausgerissen. Das Vorderrad
passte nicht mehr über die Gabel und ich musste das Rad wechseln.
12km vor Schluss hat man dan allein keine Chance
mehr, Anschluss ans Feld zu kommen.
Hinterhergeradelt. Mit drei
Minuten Rückstand kam ich ins Ziel. Das war mein Tag.
Die Zielanfahrt heute war wieder eine Zumutung.
Solche Kurven gehören nicht
ans Ende einer Sprintetappe bei einer großen Rundfahrt.
Man weiß doch, dass da 150 Jungs
Richtung Ziel jagen und wir haben nun mal keinen Airbag.
Dass da nur der Cadamuro gestürzt ist,
war ein Wunder. Es gibt doch aucn breite Straßen hier,
was spricht denn gegen eine längere Zielgerade?
Ich versteh' das nicht.
Nach dem Rennen hatten wir wieder einen 60km-Transfer nach
Porec, einen Touristenort an der istrischen Küste.
Ziemlicher Trubel hier. Im Hotel
200 Leute, viele Deutsche.
Unser Doc hat mich im Hotel erst mal verarztet.
Die Wunden gesäubert und so.
Wie weh es tut, weiß ich erst morgen früh.
Das merkt man erst, wenn der Körper wieder etwas
zur Ruhe gekommen ist. Aber da muss man halt durch.
Wird schon gehen.
Morgen gibt es wieder eine Flachetappe.
Ich versuche mal wieder auf den Intergiro
zu fahren, aber vielleicht
geht auch früh eine größere Gruppe weg.
Bisher sind noch keine Ausreißer durchgekommen,
immer hat Fassa Bortolo sie wieder zurückgeholt.
Für uns ist das gut, wenn es
Sprintfinals gibt, aber ein bißchen langatmig
ist der Giro auf diese Weise schon.
Das schlimmste ist, wenn
morgen wieder eine Gruppe geht und
Fassa macht im Feld dahinter
Tempo, um den Abstand bei zwei Minuten zu halten.
Dann fahren wir wieder 5 Stunden
hintereinander auf Reihe.
Drückt mir die Daumen,
dass es mir morgen früh nicht
zu schlecht geht!
13.Etappe
"Nicht ausgepumpt im Ziel"
Frösi und Olaf Pollack beim Warmfahren am Samstag
Foto: Sabine Jacob
|
TRIEST, 22.05.04. Zeitfahren ist
für alle, die im Gesamt-klassement keine Ambitionen
haben und auch keine Spezialisten sind,
eine willkommene Sache. Man fährt
nicht am Anschlag und nur gut eine Stunde.
Man hat früher "Feierabend".
Aber ein halber Ruhetag ist es auch nicht,
denn der Stress ist trotzdem da.
Heute morgen haben wir um 9 Uhr gefrühstückt.
Gutes Frühstück. Vor dem Zeitfahren kann man
auch ganz normal essen und muss nicht wie bei
Bergetappen schon morgens einen Teller
Nudeln reinschaufeln.
Wir bekamen einen Zettel, wo
die ganzen Startzeiten draufstanden.
Von uns waren Olaf, Marcel (Strauss) und
ich als erste dran. Im Auto
sind wir zum Start gefahren.
Dort erst mal ein bißchen im Bus
abgehangen und Fernsehen geschaut.
Danach ein bißchen Warmfahren auf der Rolle.
30 Minuten reicht bei einem 52km-Zeitfahren,
wenn man nicht groß was werden will.
Es ist so: Je länger ein Zeitfahren,
desto kürzer braucht man sich vorbereiten.
|
Fans fragen Frösi...
Jan aus Bogatynia (Polen) möchte wissen:
Hast Du Dich auch schon mal mit anderen Radsportarten beschäftigt Bahn?
Querfeldein? MTB?
Frösi: Ja. Ich bin als Schüler und Jugendlicher
viel Querfeldein gefahren. Ich war 1990 als Schüler letzter
DDR-Meister im Cross. Das hat im Winter
immer viel Spaß gemacht und ist für
junge Fahrer eine wichtige Schulung für
die Technik und Koordination auf dem Rad.
Auf der Bahn bin ich nie Meisterschaften gefahren.
Aber seit Jugendzeiten fahre ich wann immer ich kann
mit bei den Mittwochsrennen auf der Leipziger Bahn.
Auf der Bahn holt man sich gut Antrittsschnelligkeit,
Spritzigkeit.
Michael fragt:
Wie eng ist eigentlich der Kontakt zu Fahrern anderer Nationalität?
Auf welcher Sprache unterhaltet Ihr Euch?
Frösi: Die Italiener und vor allem die Franzosen reden
nur ihre Sprache und da mein Italienisch und Französische
schlecht ist, ist es schwer, ins Gespräch zu kommen.
Mit den Australiern rede ich ziemlich viel.
Es gibt natürlich auch Italiener, die gut Englisch sprechen.
Furlan etwa oder Strazzer. Das ist eigentlich wie überall
auch eine Frage der Sympathie. Mit dem einen kann man, mit dem anderen halt nicht
so gut.
Christina aus Bonn fragt: Welches ist Dein Lieblingsrennen?
Frösi: Derzeit ganz klar der Giro.
Damit habe ich mich inzwischen sehr angefreundet und es gefällt
mir hier sehr gut.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Schicken Sie eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Ich bin um 12:39 Uhr raus
auf die Strecke gleich hinter
meinem Teamkollegen Strauss.
Die ersten zwei Rampen im Kurs waren schon ziemlich heftig.
Da musste ich ganz schön treten mit 39x19-Übersetzung.
Ich habe mir den Kurs nicht vorher angeschaut
und mich überraschen lassen.
Die letzten 20km lagen
mir ganz gut, runter, kurvig.
Am Ende bekam ich mächtig Rückenschmerzen.
Ich habe irgendwie wohl nicht
die perfekte Sitzposition erwischt.
Am Ende hat's mördermäßig wehgetan und
nach dem Rennen konnte ich mich kaum aufrichten.
Erst nachdem der Doktor mich wieder eingerenkt hat und nach der Massage
wurde mein Rücken wieder
besser. Ich bin sowieso kein Stilist, aber
das Zeitfahren heute bin ich
richtig mit dem Holzhammer gefahren.
Am Ende fast nur im Stehen.
Das Ergebnis interessierte mich nicht wirklich.
Ich bin möglichst kräfteschonend gefahren,
vielleicht bei 85 Prozent.
Ich war nicht ausgepumpt im Ziel.
Aber das soll jetzt auch nicht heißen,
dass ich bei 100 Prozent drei Minuten schneller
gewesen wäre. Eine Minute macht oft schon einen gewaltigen Unterschied
aus in der Anstrengung.
Bei meiner Zeit (64. Platz/+ 4:59 Min)
muss man auch beachten,
dass ich auf trockener Straße fahren konnte
und die Favoriten am Ende im Regen.
Honchar ist echt eine super Zeit gefahren.
Wir hatten eher auf McGee getippt.
McGee sieht auf jeden Fall viel schneller
aus, er ist ein Stilist,
während Honchar da eher die Pedale rumwürgt. Aber
es gewinnt ja nicht der, der am schönsten fährt.
Superpech für uns, dass
Montgomery schwer gestürzt ist.
Ich weiß noch nicht, was jetzt mit ihm ist.
Er fuhr ins Krankenhaus nach dem Rennen.
Das wäre so bitter für ihn,
wenn er aufhören müsste. Er hatte schon soviel Verletzungspech.
Ein ganz lieber Kerl.
Wenn er gehen müsste, wäre das herber ein Rückschlag für uns.
Wir hätten keinen Klassementfahrer mehr.
Die Etappe morgen sieht auf dem Papier flach aus.
Aber man hört, dass die Straßen in Kroatien schlecht sein sollen.
Und es wäre ja auch nicht das erste Mal,
dass nachher doch noch ein Anstieg auftaucht,
der nicht im Plan stand.
Die Chance auf eine Sprintentscheidung steht bei 50:50.
Mal schauen, wer morgen im Feld
kontrolliert. Popovychs Truppe?
Saeco? Oder Fassa Bortolo?
Das wird spannend. Vielleicht
denken mehrere Teams so und spekulieren darauf,
dass sich erst mal niemand zuständig fühlt.
Gruppen könnten gehen.
Unser Bergfloh (Fabian Wegmann)
hat heute im Zeitfahren ein paar Minuten kassiert - und das mit Auge:
Wenn er mehr Rückstand hat im Klassement lassen sie
ihn auch eher wegfahren in einer Gruppe...
12.Etappe
"Ein Geschubse und Gedränge"
TRIEST, 21.05.04. Das war heute etwas weniger
stressig als gestern. Keine Berge.
Aber der Sprint am Ende war schon heftig.
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Fans fragen Frösi...
...muss heute aus Zeitgründen leider entfallen.
Morgen wird Frösi wieder Eure Fragen beantworten.
Frage?
Schicken Sie einfach eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Heute früh war ich richtig kaputt.
In dem Hotel gestern gab
es ziemlich kleine Betten und
ich habe nicht gut geschlafen.
Olaf, mit dem ich das Zimmer teile,
gings genauso. Beim Aufstehen war ich wie gerädert.
Nach dem Start der Etappe
gab es gleich nach 10km die ersten Attacken.
Ziemlich früh ist dann auch die
Dreiergruppe weg, die sich
das ganze Rennen über vorne hielt.
Fassa Bortolo hat das
Feld hinter dem Trio
kontrolliert.
Die haben den Abstand immer ziemlich
konstant gehalten bei ein paar
Minuten.
Dadurch war im Peloton immer
Zug drin, immer 45km/h.
Wegen des Windes war das Feld auch immer aufgereiht.
So ging das dann 200km lang.
Immer treten, 200km im Einheitstritt.
Das tut schon weh und ist dazu auch noch langweilig.
Überhaupt kein schönes Rennen.
Der Intergiro kam heute 30km vor Schluss.
Die ersten drei Plätze gingen an die Ausreißer,
wir haben dahinter aber
noch gesprintet. Die ersten sechs bekommen
Zeitgutschriften für die Intergiro-Wertung.
Acqua e Sapone ist angefahren für D'Amore.
Der Rest lag hintendrauf. Am Ende standen
sie alle irgendwie quer. Gewonnen habe ich.
Ich bin jetzt Dritter im Intergiro.
Da geht vielleicht noch was.
Das Finale war fürchterlich.
Die sind gefahren wie die Bekloppten.
Jeder, der Radfahren kann,
meinte, er müsste da mitsprinten.
Da halten Leute rein, bei denen weiß
jeder, dass sie Zehnter werden,
wenns super läuft. Und die riskieren
dafür ihren Kopf.
Wahnsinn. Das war ein einziges Geschubse und Gedrängel.
Dasss es am Ende nur den Zanotti
erwischt hat, ist ein Wunder.
Alle Ellbogen an Ellbogen, Kopf an Kopf.
Keiner nimmt raus.
Kreuzgefährlich.
Ich habe drei Kilometer vor Schluss Olaf verloren und
war danach drei, vier Positionen hinter ihm, kam aber
nicht mehr vor. Die letzten 1000 Meter
haben sich Olaf und McEwen kräftig gekabbelt.
Das ist schon manchmal grenzwertig, was McEwen macht.
Aber alle haben sie heute so reingehalten,
als gäbs kein Morgen.
Manchmal bin ich auch so drauf, dass ich
volles Risiko gehe, dass einem fast alles egal ist in dem Moment. Heute bin ich nicht
so aggressiv gefahren.
Olaf gings genauso. Wir werden schon noch unsere Chance haben.
Nach dem Rennen wieder 130km-Transfer
bis nach Triest. Wenigstens haben wir
hier ein schönes Hotel.
Das Zeitfahren morgen werde ich mit
Halbgas fahren, nur das Zeitlimit im Blick,
möglichst viel Kraft sparen für die nächsten Etappen.
Wenn ich am Anschlag fahren würde,
käme ich auf Platz 40, wenns hochkommt.
Das ist es nicht wert, denn in
den Sprintetappen oder den Bergen fehlt dann die Kraft.
Merkspruch fürs Zeitfahren: Bist Du nicht vorn, spare jedes Korn...
Aber man darf sich das auch nicht so vorstellen,
dass man da freihändig fährt. Man muss auch schon drauftreten.
Ich starte um 12:30 Uhr und bin früh fertig
und hab danach noch einen halben Ruhetag.
Von Gerolsteiner wird morgen
Monty (Sven Montgomery) unser
Mann fürs Gesamtklassement gefragt sein.
Ein Platz unter den ersten Zehn wäre super
für ihn. Olaf will es auch locker angehen,
vor den Bergen Körner sparen.
Ich bin mal gespannt,
was das jetzt zwischen Cunego und
Simoni gibt. Favorit ist wohl Honchar.
Bis morgen!
11.Etappe
"Der Motor lief heiß"
|
Fans fragen Frösi...
Thomas fragt: Manche Fahrer haben Trainer, andere nicht.
Wie ist das bei Dir?
Frösi: Training ist bei Profis immer Sache des einzelnen Fahrers, das läuft also nicht übers Team.
Ich arbeite seit Jahren ganz hervorragend mit dem Prof. Dr, Junker aus Leipzig zusammen.
Er macht mir meine Trainingspläne, stellt mich ein,
macht die Leistungstests etc. Nach dem Giro zum Beispiel
wertet er meine ganzen Pulsdaten aus.
Ich finde es sehr wichtig, jemanden zu haben,
der einen über Jahre kennt.
Achim aus Neuenbürg möchte wissen:
Gibt es eine Chance, dass Olaf Pollack mal für Dich den Sprint anzieht?
Frösi: Olaf ist hier beim Giro derzeit so super in Form,
da gibt es gar keinen Grund, dass wir die Rollen tauschen sollten.
Ich habe damit auch überhaupt kein Problem.
Ich bekomme im übrigen meine Chancen im weiteren Saisonverlauf
auch schon noch.
Jörg aus Witten fragt:
Hast du eigentlich Einfluss auf die Auswahl des Materials
bei den Rädern bzw. der Kleidung oder schreibt das Team das generell vor?
Frösi: Das komplette Material von Rad bis zu den Schuhen kommt vom Team.
Einzige Ausnahme ist die Brille.
Ich wüsste aber auch gar nicht, was ich anderes
haben wollte. Das gesamte Ausrüstungsmaterial,
egal ob Schuhe, Helme oder Rahmen ist
so hochentwickelt, da bleiben in den Topteams
keine Wünche offen.
Haben Sie Fragen, Kommentare oder Anregungen?
Schicken Sie einfach eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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TORRE PEDRERA, 20.05.04.
Das war ein harter Tag, Berge, Hitze, alles vom Feinsten.
Frühstück heute morgen zeitig, um 8:30 Uhr,
Start um 11.20 Uhr.
Ich dachte mir so, heute
ist es hintenraus sehr schwer,
da wird es am Anfang vielleicht ruhig.
Nach der neutralen Phase bei KM 0
kamen sofort 10 Mann mit überhöhter Geschwindigkeit an mir vorbeigerauscht.
Soviel zum ruhigen Start...
Die erste halbe Stunde fuhren wir
54km/h. Die ersten 100km hatten wir nach zwei Stunden
hinter uns. Das war heftig. Erst recht,
wo es so warm war heute.
Nach 30km hat sich eine Gruppe abgesetzt, in der von uns
Fabian und Marcel Strauss dabei waren.
Das war für uns natürlich super.
Fabian konnte aufs Bergtrikot fahren und
wir hinten im Feld brauchten nichts zu machen.
Als wir in die Berge kamen, wurde es mit der Hitze immer schlimmer.
32 Grad, die sich aber noch heißer angefühlt haben für mich.
Ich habe Probleme bei solchem Wetter.
Manche mögen's heiß, ich nicht.
Olaf und ich haben uns als Ziel gesetzt,
so weit wie möglich mit dem großen Feld mitzufahren.
Zumindest über die ersten beiden Berge bis etwa 40km vor Schluss.
Das erste Grupetto hat sich schon 60km vor dem Ziel
gebildet, da wollten wir keinesfalls rein.
An einen 6km- Anstieg war es für mich dann aber Ende.
Der Motor lief heiß. Auch Olaf hat dannn mit mir zusammen reißen lassen,
das war so etwa 45km vor dem Ziel.
Wir waren zunächst in einem 20-Mann-Grupetto
mit drin. Von Gerolsteiner war auch noch Ziegler dabei.
Die sind ein komisches Tempo gefahren in der Gruppe.
Ich sag zu Olaf: Wir müssen da aufpassen mit
dem Zeitlimit, lass uns lieber einen Tick schneller fahren.
Das haben wir dann gemacht.
Olaf, Thomas Ziegler und ich sind aus dem grupetto rausgefahren und unser Tempo gefahren.
Das lief auch ganz gut. 5km vor dem Ziel
haben wir die Petacchi-Gruppe eingeholt
und sind in der ins Ziel gerollt.
Im Bus brauchte ich erst einmal 10 Minuten,
um mich wieder zu sammeln.
Es war ein harter Tag. Allerdings braucht man
in dieser Situation wie heute
auch nicht ans Limit
gehen. Man fährt sehr kontrolliert,
immer unterhalb des Anschlags,
bei vielleicht 85 Prozent.
An so einem giftigen Teil wie dem 16-Prozent-Anstieg
kurz vor Schluss, da muss man dann schon mal ans Limit gehen, aber sonst
nicht.
Bei der Etappe waren heute auch viele deutschen Fans
an der Strecke. Danke für die Anfeuerung!
Manchmal hilft es aber auch nicht.
Fabian hat vorhin erzählt, wie
er angefeuert wurde von einem Deutschen.
Die italienischen Zuschauer rufen am Berg immer
"Vai, gleich bis du oben, noch 100 Meter"
oder so. Fabian hat ein Deutscher zugerufen:
"Auf gehts, gleich wirds noch steiler!"
Na, das ist doch mal eine Aufmunterung, das macht Mut...!
Wir haben heute ein schönes Hotel,
deutsches Fernsehen endlich wieder.
Da bekommt man wieder ein bißchen mit,
was sonst noch los ist in der Welt.
Ich bin ziemlich breit jetzt.
Man merkt deutlich,
dass man 12 Tage unterwegs ist.
Aber ich muss auch sagen,,
dass ich mich wesentlich besser
fühle als letztes Jahr bei einem ersten
Giro, meiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt.
Noch habe ich alles im Griff.
Morgen kommen Gott sein Dank erst mal keine Berge.
Flachetappe, bei der es einen Sprint geben dürfte,
wenn keine Ausreißer durchgehen.
Bei uns alles wie gehabt:
Ich werde für Olaf arbeiten
bei einem Sprintfinale.
Olaf geht es gut.
Schön wäre es, wenn
wir einen in einer Fluchtgruppe mitschicken könnten,
das würde die Mannschaft hinten entlasten.
Aber das wird eng. Fabian und Strauss
brauchen nach der Flucht heute
mal ein bißchen Ruhe.
Olaf und ich sind für den Sprint da, Sven
Montgomery unser Mann fürs Gesamtklassement
und zwei sind draußen. Da wird das knapp.
Drückt uns die Daumen für den Sprint!
10.Etappe
"Strauss hat uns gerettet"
|
Fans fragen Frösi...
Martin aus Mannheim: Wie funktioniert die Intergiro-Wertung, in der Du ja ziemlich weit vorne platziert bist, eigentlich genau?
Frösi: Bei den Etappen gibt es immer einen Intergiro-Zwischensprint, meistens
in der ersten Hälfte, aber auch schon mal hinten. Der erste beim Intergiro
bekommt 24 Sekunden gutgeschrieben - aber nur auf die Intergiro-Zeit,
der zweite 18 Sekunden usw. Wer am Ende die beste Intergiro-Zeit hat,
hat die Wertung gewonnen. Die Italiener sprinten
beim Intergiro teilweise wie im Sprintfinale.
Nach dem Ausstieg von Strazzer bin ich jetzt Fünfter im Intergiro. Mal schauen, wie sich das entwickelt.
Auf Krampf fahre ich da nicht.
Michael aus Österreich fragt: Warum habt Ihr eigentlich verhältnismäßig so viele Reifenpannen?
Frösi: So oft habe wir doch gar nicht Reifenpannen.
Vier Platten im Jahr, mehr habe ich eigentlich nicht.
Unsere Reifen von Schwalbe sind super, die kleben richtig auf der Straße
und gehen fast nie kaputt. Nur manchmal
fährt man halt mit 70km/h den Berg runter und in ein tiefes Schlagloch. Dann hat
man einen Platten.
Andy (15 Jahre) möchte wissen:
Warst Du früher als Jugendlicher ein Siegfahrer?
Frösi: Ich war eher durchschnittlich.
Ich habe als Jugendlicher und Junior Rennen gewonnen,
aber es gab auch Tage, wo gar nichts lief.
Da darf man sich nicht verrückt machen.
Meistens ist es sogar so, dass die, die
als Jugendliche dominieren, bei den Profis
dann gar nichts werden. Die Klasse als Rennfahrer
kristallisiert sich eigentlich erst in der U23-Klasse heraus.
Mit 15, 16 Jahren sind die Ergebnisse
nicht so super wichtig.
Disziplin ist wichtiger.
Man muss ein Ziel haben.
Haben Sie Fragen, Kommentare oder Anregungen?
Schicken Sie einfach eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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PEDASO, 19.05.04. Das war heute der schlimmste Tag bisher
bei diesem Giro. Ganz ekliges Rennen. Schnell
und immer nur hoch, runter, hoch, runter.
Dazu war es auch noch sehr heiß, 33 Grad.
Hitze liegt mir überhaupt nicht.
Ich habe mich heute durchgequält und
war oft am Anschlag.
Wecken war heute früh um 9 Uhr.
Da standen die Kontrolleure von der UCI vor
der Tür. Blutkontrolle. Die Ergebnisse
liegen nach kurzer Zeit vor. Es gab bei uns
erwartungsgemäß keine Probleme.
Als wir am Start ankamen,
fragten die Jungs von Lotto, ob
wir nicht ein paar Helme übrige haben.
Deren Pfleger haben am Ruhetag
- wie bei allen Teams üblich - die
Autos und Wohnmobile saubergemacht und
dabei hat wohl einer die Helme in einen
Müllsack gesteckt, damit während des Putzens nix drankommt.
Und prompt hat natürlich ein anderer Pfleger den Sack mit den Helmen weggeschmissen.
Wir konnten aushelfen mit ein paar Helmen, noch ein
paar andere Teams, sodass am Schluss alle mit Helm starten konnten.
Nach dem Start wurde das Rennen sofort
schnell. Kein Einrollen heute.
In den ersten Berg sind wir voll reingebrettert
und ich musste mich gleich richtig quälen.
Irgendwann ging die Gruppe weg,
von uns war Fabian dabei.
Das war doppelt gut. Erstens konnte
Fabian Punkte holen für die Bergwertung,
und zweitens waren wir im Feld damit auch nicht mehr
in Zugzwang.
Im Etappenprofil waren viele der Anstiege heute
nur sehr diskret eingezeichnet. Einer der Hügel
war bestimmt 20 Prozent steil und
war nicht als Berg eingezeichnet.
Da musste ich ans Limit, zumal bei der Hitze.
Das war echt Wahnsinn.
(Marcel) Strauss hat Olaf und mich heute
gerettet. Wir waren nicht in
der Lage nach hinten zu gehen an die Autos,
um Getränke zu holen.
Wenn ich das getan hätte, wäre ich fliegen gegangen.
Strauss hat für mich die Getränke geholt.
Ohne ihn wäre ich heute nicht durchgekommen.
Nachdem ich die Berge so gerade überlebt habe,
war im Sprint am Ende nichts mehr drin.
Olaf und ich haben uns gefunden,
aber der Druck war raus.
Ich war leer, auch im Kopf war
ich nicht mehr richtig dabei.
Olaf ging es genauso. Er kam auf den achten Platz,
ich war 20. Uninteressant. Heute
war das nichts.
Morgen wird es wieder so ein ekliges Ding.
Lange Etappe und ab KM 160 oder
so nur noch hoch und runter.
Ich denke da jetzt lieber noch gar nicht dran.
Für mich wird es morgen nur darum ehen,
so unbeschadet wie möglich durchzukommen
und Kräfte zu sparen für die Sprintetappe
am Freitag. Drückt uns die Daumen!
Erster Ruhetag
"Morgen tut's weh"
PEDASO, 18.05.04. Das war ein Ruhetag,
wie er sein soll: Relaxen war angesagt.
Erst haben wir ausgeschlafen bis
fast um Zehn. Nach dem Frühstück
haben wir erst mal den Mechanikern zugeschaut,
wie sie noch die Schäden vom Sturz gestern
gerichtet haben. Da war viel kaputt.
Rahmen, Laufräder.
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Fans fragen Frösi...
Olaf aus Berlin fragt: Wie hoch ist Dein Maximalpuls bei einer Sprintankunft?
Frösi: Am Anfang einer Rundfahrt 195, gegen Ende
ist er bei 185.
Martin aus Hamburg: Was fahrt ihr für Laufräder? Gibt es für
Bergetappen andere als für Flachetappen?
Frösi: Im Sprint sind "altmodische" Laufräder am besten.
32-Loch mit Flachfelge. Schlauchreifen hart gespannt.
Das ist am stabilsten.
Am Berg fahre ich die leichteren Systemlaufräder
von unserem Ausrüster Shimano.
Ralph aus der Schweiz möchte wissen:
Wie läuft es eigentlich mit den Leadertrikots? Bekommt der Führende der
jeweiligen Wertung einen Satz überreicht?
Frösi: Normalerweise nur ein Trikot pro Tag.
Wahlweise Lang oder kurz. Fabian hat ein grünes in Lang.
Bei der Tour de France vergeben sie sogar Armlinge, Beinlinge
und Regenkleidung. Die Teamsponsorlogos werden
direkt vor der Siegerehrung draufgedruckt.
Menga aus der Schweiz fragt:
Stört es die Rennfahrer nicht, wenn den ganzen Tag Motorräder und Helikopter und Autos um einen herum fahren? Ist das nicht sehr laut und es gibt doch bestimmt auch Abgase?
Frösi: Abgase bekommt man kaum ab.
Den Lärm registriert man gar nicht mehr, das ist Gewohnheit.
Und im Sprint oder auch, wenn man sich am Berg so richtig quälen muss, dann bekommt
man ohnehin gar nichts mehr mit, was um einen herum passiert.
Haben Sie Fragen, Kommentare oder Anregungen?
Schicken Sie einfach eine Mail an
froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Die meisten im Team haben zwei Stunden trainiert.
Olaf und ich haben es bei einer Stunde belassen.
An der Adria haben wir schön Päuschen gemacht.
Am Strand einen Cappuccino genossen.
Der Kioskbesitzer wollte unbedingt ein Foto.
Wir haben es uns richtig gut gehen lassen.
Um 13:30 Uhr waren wir wieder im Hotel.
Nach dem Mittagessen haben wir uns das Auto
von Sven Montgomery ausgeborgt. Dessen Freundin kam runter zu Besuch
mit seinem Audi RS4. Ein richtiges Geschoss, 440 PS.
Sven hat es uns geliehen und
Olaf und ich sind in die nächste größere
Stadt, nach San Bernedetto, etwa 20km vorn hier. Dort
waren wir in der Stadt schön Eis essen.
Kaffee trinken. Und natürlich haben wir das Auto ein bißchen getestet.
Sprinter mögen es schnell...
Heute abend habe ich mich vom Masseur wieder die Knochen einrenken lassen,
dann Abendessen. Jetzt schauen wir
ein bißchen DVD. Schuh des Manitu.
Der Ruhetag hat wirklich gut getan.
Meine Erkältung ist fast weg.
Bei allen von uns hat sich gesundheitlich die Situation entspannt.
Nur bei Gianni (Faresin) siehts schlecht aus.
Er blieb heute den ganzen Tag im Bett,
nur beim Essen habe ich ihn 5 Minuten gesehen.
Er hat noch immer Fieber. Mal sehen,
wie er sich morgen fühlt.
Vor der Etappe morgen haben wir Respekt.
Das Rennen nach dem Ruhetag
tut besonders weh. Der Körper
stellt auf Erholung um und man muss sich erst wieder
richtig quälen, um in den Rhythmus reinzukommen. Zweitens geht es am Anfang
morgen hoch. Anstiege so ähnlich wie im Erzgebirge.
Mal schauen, wie sie da fahren. Ob
sie da wilde Spielchen machen oder nicht.
Theorethisch wird es eine Sprintetappe,
aber am Ende wird entscheidend sein,
wer am meisten Kraft gespart hat am Anfang.
Gruppen sind noch keine durchgegangen,
aber das hat natürlich auch damit zu tun,
dass die Abstände im Klassement noch
nicht allzu groß sind.
Drückt uns die Daumen, bis morgen!
9.Etappe
"Vor mir hat's geraschelt"
PEDASO, 17.05.04.
Es ist gerade kurz vor elf, ich komme jetzt
erst ins Hotelzimmer.
Nach der Etappe sind wir kurz zum Duschen,
dann im Bus zum Flughafen Brindisi.
Von dort eine Stunde Flug
nach Pescara und von dort nochmal 100km im Teambus
bis ins Hotel hier, wo wir bis Donnerstag
bleiben. Der Flug war okay. Nur Rennfahrer drin,
eine Chartermaschine.
So schnell bin ich noch nie eingecheckt worden
am Flughafen.
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Fans fragen Frösi...
Frage von Moni und Otto aus Augsburg:
Über wieviele Mitglieder, außer Euch Fahrern, verfügt das Team? Wie groß ist Euer Fuhrpark?
Frösi: Insgesamt besteht Team Gerolsteiner aus rund 50 Leuten.
24 Fahrer, 4 Sportliche Lieter, 2 Manager,
9 Pfleger, 8 Mechaniker, 3 Mediziner.
Beim Giro hier sind
wir 9 Fahrer (ohne Rebellin inzwischen 8)
vier Mechaniker, vier Physiotherapeuten,
ein Arzt und Theo Maucher und Christian Henn als Sportliche Leiter.
An Fahrzeugen haben wir hier dabei
vier Autos, den großen Teambus und einen LKW.
Holger aus Essen fragt: Sag mal, wie viele Räder werden Euch vom Team gestellt?
Frösi: Ich habe ein Trainingsrad, das bleibt immer zuhause.
Dann ein Rad fürs Rennen und eines als Ersatz
mit den gleichen Einstellungen,
das auf dem Dach des Begleitfahrzeugs ist.
Und dazu dann noch ein Zeitfahrrad.
Tom möchte wissen: Zur Zeit sind im Hobby-Radsport alle möglichen Varianten von
"ergonomischen" Sätteln anzutreffen, die über eine Aussparung ("Schlitz")
verfügen, welche den Druck auf den Dammbereich minimieren sollten.
Von Rennfahrern werden solche Sättel aber kaum verwendet.
Warum?
Frösi: Die Sattel-Frage ist sehr heikel.
Da muss jeder für sich den perfekten Sattel finden.
Diese Schlitz-Sattel mag ich persönlich nicht.
Wegen der Öffnung drückt das Körpergewicht
ja noch auf eine kleinere Fläche.
Ich empfinde das als unangenehm. Für
Profis sind diese Sattel wohl eher nicht. Wir fahren ja sehr lange und jeden Tag.
Zwei bei uns im Team - Michael Rich und
Thomas Ziegler - fahren übrigens sogar
reine Carbon-Sättel ohne jede Polsterung.
Das ist schon hetfig, für
mich wäre das nichts. Ich fahre den
SLR/XP von Selle Italia. Damit komme
ich am besten zurecht.
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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Heute morgen konnten wir ein bißchen ausschlafen.
Wecken um halb zehn. Schaue aus dem Fenster: Es gießt
wie aus Kübeln. Na, super. Aber während des Frühstücks ist
es dann doch noch besser geworden.
Nur windig war es heute wie Sau.
Im "Tour-Dorf" im Startort war es
gerammelt voll. Da hat wohl jeder im Dorf eine
VIP-Karte ergattert. Die Fans rennen Dich über
den Haufen, wenn sie einen Petacchi sehen.
Die Tifosi sind schon wild.
An den Bergen feuern die auch das Grupetto
mit voller Begeisterung an. Die ziehen den Hut
vor allen Rennfahrern In Deutschland wird dagegen leider oft bloß gerufen:
"Los, Ihr Pfeifen"...
Das Rennen heute begann ruhig. Es war windig
und wir haben eigentlich erwartet,
dass ein Team das ausnutzt, bei einer Windkante angreift.
Aber es passierte nichts.
Waren wohl alle noch etrwas müde.
Nach 60km kam der Intergiro.
Ich bin mitgesprintet und habe wieder
gewonnen. In der Intergiro-Wertung
bin ich jetzt unter den ersten drei oder so.
Mal schauen, wie sich das entwickelt,
was machbar wird.
Auf Biegen und Brechen fahre ich da jedenfalls nicht.
Meine Hauptaufgabe bleibt es, für Olaf die Sprints anzuziehen.
Der große Sturz passierte bei KM 113.
Vor mir hats geraschelt auf
der linken Seite. Ich bin instinktiv ausgewichen,
Olaf hinter mir ist voll reingefahren und ging
zu Boden. Ich war der letzte, der
da noch unbeschadet durchkam.
Wir waren vorne noch 35, 40 Mann.
Von Gerolsteiner waren nur Serpellini und ich vorne.
Über Funk kam das Kommando:
Förster vorne bleiben, Serpellini zurück. Hinten war nämlich
auch Sven Montgomery, unser Mann fürs Gesamtklassement
gestürzt. Auf dem lag das halbe Feld drauf.
Der war erst total benommen. Olaf
musste ihn richtig anschreien: Los, auf gehts, weiter!
Fünf Mann von uns haben Sven wieder rangefahren.
Nachdem sich alle anderen leer gefahren haben, war Fabian als letzter noch bei ihm
und hat ihn kurz vor dem Ziel
rangefahren.
Vorne war ich im Sprint allein. Das ist mental
eine enorme Umstellung, wenn man 10km
vor dem Ziel erfährt, dass man selbst sprinten muss.
Ich wurde Achter. Das war das machbare.
Auf den letzten 1000 Metern
musste ich zwei Mal ein Loch zu fahren.
Erst bei 1000 Metern
ließ einer vor mir reißen,
dann ein zweites Mal der Pagliarini
von lampre. Bei ihm war es Absicht.
Er fährt für Svorada an und läßt
dann reißen auch mit der Absicht,
so noch den einen oder anderen Konkurrenten zu stören.
300 Meter vor Schluss war ich wieder dran.
Aber da war ich auch ziemlich am Ende
mit meinen Kräften. Keine Chance,
weiter vor zu fahren.
"Superteam": Gerolsteiner am Montag als auf dem Podium:
Von links: Strauss, Pollack, Förster, Serpellini und Wegmann.
Die angeschlagenen Faresin, Ziegler und Montgomery fehlen.
Foto: Sabine Jacob
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Aufs Podium kamen wir immerhin trotzdem noch.
Gestern haben wir die "Superteam-Wertung"
gewonnen. Die gewinnt das Team,
das unter den ersten 20 am besten abschneidet.
Olaf war gestern Dritter, ich Zehnter.
Als Prämie gab es 500 Euro - aber fürs ganze Team.
Davon gehen dann noch italienische Steuern ab, drei Prozent
für den italienischen Verband, für die Fahrergewerkschaft, für
unsere Pfleger. Reich wird man so nicht...
Der Ruhetag kommt uns jetzt wie gerufen.
Viele von uns sind erkältet.
Ziegler ist angekratzt.
Faresin hats am schlimmsten erwischt.
Nach über einer Woche Rennen wird
der Körper nach und nach immer anfälliger.
Die Ruhe tut gut.
Ich werde mir jetzt aber erst noch was
zu Essen besorgen im Hotel.
Es gab heute nur ein bißchen was im Flugzeug.
Macht's gut, ich melde mich morgen wieder.
8.Etappe
"Wir müssen uns was einfallen lassen"
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Fans fragen Frösi...
Gigi aus Wuppertal fragt: Mit welchen Fahrern der anderen Teams kommst Du am besten klar?
Frösi: Ich komme gut klar mit dem Australier
Nick Gates (Lotto), der mal bei Wiesenhof fuhr.
Überhaupt sind die Australier immer gut drauf,
mit denen quatsche ich immer gerne ein bißchen.
Mit Massimo Strazzer von Saunier komme
ich gut aus und mit dem Vierhouten von Lotto.
Am besten versteht man sich im allgemeinen oft mit denen,
mit denen man im grupetto schon mal gelitten hat.
Andreas fragt: Ihr Alltag bei Rundfahrten besteht aus Warten, Essen, Schlafen und Radfahren. Ist das nicht ziemlich dröge?
Gibt es Möglichkeiten, etwas mehr Leben in diesen Alltag zu bringen?
Frösi: Wir schauen öfters mal DVDs, wir haben alle unsere
Laptops dabei. Ich telefoniere viel, mit
den Eltern und so. Sonst kann man nicht viel machen.
Die Zeit ist gar nicht da.
Jörgi aus Leipzig möchte wissen:
Im Sommer sieht man bei Radfahrern oft die "Streifen",
Arme und Bein braun, der Rest bleibt weiß. Wie verhällst du dich? Tust du alles um diese "Streifen" nicht zu bekommen oder ist es dir egal?
Frösi: Da wird man schon öfter ausgelacht,
wenn man ins Schwimmbad geht: "Zieh' doch mal das weiße T-Shirt aus!";
heißt es. Aber da muss man durch, geht halt nicht anders.
Ich bin da nicht so eitel. Im Oktober im Urlaub
geht das dann auch schnell weg.
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Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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NOVA SIRI MARINA, 16.05.04.
Heute morgen waren wir
alle ziemlich erschlagen. Alle haben
irgendwie durchgehangen. Nach der schweren Etappe gestern
war die Nacht zu kurz. Bei
der Teambesprechung im Bus,
in dem wir eine Kaffeemaschine haben,
wurden wir bei Espresso dann
wieder etwas munter. Christian Henn, unser Sportlicher Leiter,
gab vor, dass wir nur bei größeren Gruppen ab 10 Mann mitfahren.
Ansonsten sollten wir Kräfte sparen.
Die Etappe war eine der ekligsten bisher.
Gleich vom Start weg wurde schnell gefahren.
Da fehlt eben der Chef Cipollini, der hätte im Feld
Bescheid gesagt. Die ersten 112km bis zur Verpflegungsstelle
gingen nur hoch und runter. Das hat richtig weh getan.
Die Etappe hatte 2000 Höhenmeter - Flachetappe heißt
das. Sechs Mann sind irgendwann vorne
raus und im Feld war dadurch immer
Bewegung. Man konnte nicht einmal
einen Tritt auslassen,
was man normalerweise im Feld schon mal kann.
Dabei erholt man sich immer ein kleines bißchen.
Heute ging das nicht.
Man schaut sich vor dem Rennen natürlich immer
die Strecke im Tourbuch an. Heute
stand da drin, dass es ab KM 112
nur noch runter geht oder flach ist. Bei uns im Team machen wir
es immer so, dass die Pfleger, die
in den LKWs auf der Strecke vorfahren,
beim Sportlichen Leiter anrufen
und noch das ein oder andere Detail
durchgeben, das man im Tourbuch nicht sehen kann.
Wetter, gefährliche Stellen, sowas. Heute
riefen sie an und gaben durch, dass da 19km vor Schluss
noch ein Anstieg drin ist. Über Funk bekamen
wir das mitgeteilt. Da freut man sich, sowas zu hören.
Das belastet einen.
Wir waren ja ganz anders auf das Finale eingestellt.
Im Feld haben Tenax, Lotto und auch wir ein bißchen
Tempo gemacht und die Ausreißer gestellt.
Das Sprintfinale war super hektisch.
Selbst Teams, die gar keinen Sprinter haben,
mischten sich ein.
Das Feld rast mit 60 Sachen und
wir sind dabei ja nur Zentimeter voneinander weg.
Da gibt es keinen Spielraum mehr für Fehler.
Wenn einer sich versteuert,
rummst es im Feld. Wenn bei solchen gefährlichen Anfahrten wie
heute nichts passiert, liegt das nur
daran, dass alle Vollprofis sind.
In einer Abfahrt sind wir
heute mit 110km/h runtergerast - im geschlossenen
Feld...!
Die Sprintvorbereitung
hat heute nicht gut geklappt bei uns.
3km vor Schluss
habe ich Olaf verloren und ich bekam es auch
nicht mehr geregelt, mich vor ihn zu setzen.
Eigentlich wollte ich in der letzten Kurve
vorne sein und für
ihn anfahren. Aber Olaf ist Profi genug,
aus der Situation das beste zu machen.
Diesmal hat er es von vorne versucht,
aber Petacchi ist einfach zu schnell, egal
ob er von vorne fährt oder nicht.
McEwen haben sie deklassiert.
Er hatte sich wohl an einem anderen vorgezogen -
so nach Sechstagerennen-Manier.
Sowas machen einige der Jungs schon mal ganz gern.
Wir müssen uns jetzt mal was einfallen lassen
wie wir Petacchi vielleicht doch noch knacken können
mit taktischen Varianten.
Vielleicht ziehen Olaf und ich beide mal an.
Oder vielleicht macht Fassa ja auch mal einen Fehler.
Irgendwie muss er doch zu knacken sein!
Wir werden es morgen wieder versuchen.
Drückt uns die Daumen!
P.S. Liebe Grüße an meine Lieblingstante
Maritta!
7.Etappe
"Langweiliger Tag"
Frösi am Samstag
Foto: Sabine Jacob
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MERCOGLIANO, 15.05.04.
So, die Bergetappe heute haben Olaf und ich gut überstanden.
Das war kein schöner Tag.
Und viel zu erzählen gibt es heute auch gar nicht.
Der Tag begann schon mal schlecht,
das Frühstück
im Hotel war ziemlich armselig,
aber in Süditalien haben sie
es ja nicht so mit Frühstück.
Zum Glück haben unsere Pfleger eine große Frühstückskiste
dabei mit Tonnen von Müsli,
Frischkäse, was man so braucht. Da kommen
wir zur Not auch allein zurecht,
wenn das Hotel kein ordentliches
Frühstück hinbekommt.
Das Rennen war irgendwie
eklig. Immer schnell.
Gleich am Anfang sind sechs Mann weg
und im Feld war dadurch auch immer Zug drin.
Statt locker fahren, hat's weh getan.
Da hat uns Cipo, der heute morgen ausgestiegen ist, gefehlt.
Der hätte denen vielleicht mal Bescheid gesagt.
Schade für den Giro, dass Cipollini
ausgestiegen ist, der Star wird fehlen.
Aber verstehen kann man seinen Ausstieg natürlich.
Die Sturzverletzungen, dann noch Berge und
in den ersten Sprints hat er auch einen auf
den Deckel bekommen.
Wer hat so Moral?
Heute wars wirklich unangenehm zu fahren.
Und langweilig. Das Feld war auseinander,
einer hinter dem anderen. Nicht
mal ein bißchen unterhalten kann man sich so.
Und zu sehen gabs auch nicht viel. 30km
lang manchmal kein Ort.
Der Schlussanstieg war für
uns Sprinter kein Problem.
Der Berg war gleichmäßig, keine
steilen Rampen drin. Rhythmuswechsel
lieben die Kletterspezialisten. Für
alle anderen ist das Gift. Das Grupetto
hat sich heute rechtzeitig gebildet.
20, 25 Mann groß. Das war angenehm
zu fahren, ganz gleichmäßig.
Alles okay. Ich war
nie am Limit.
Als Sprinter muss man in den Bergen schauen,
so viel Kraft wie möglich zu sparen.
Ob man 60. ist oder 150. interessiert
niemanden.
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Fans fragen Frösi...
Mario aus Mülheim fragt: Mich würde mal interessieren wieviel Trinkflaschen ihr auf einer Etappe
so trinkt und wie ihr das mit den Pinkelpausen macht?
Frösi:
Es war recht warm heute, ich habe 8 bis 10 Flaschen getrunken.
Pinkelpause macht das Feld normalerweise
gemeinsam, wenns Rennen mal ruhiger ist. Alle anderthalb Stunden stoppen alle,
die mal müssen, am Rand. Wenns gar nicht
anders geht und das Rennen ist schnell,
dann "muss" man während der Fahrt auf dem Rad und schauen,
dass einen einer schiebt. Wer uriniert,
wenn Zuschauer am Rand sind oder in einer Ortschaft, der bekommt übrigens eine Geldstrafe aufgebrummt.
Gabi möchte wissen:
Wieviel Urlaub hast Du im Jahr (ohne Training) und
bekommst du dann Gewichtsprobleme?
Frösi: Ich habe einen Monat Urlaub etwa,
wo ich gar nicht auf dem Rad sitze. Mitte Oktober bis November.
Gewichtsprobleme habe ich nicht.
Ich nehme im Winter ein, zwei Kilo zu,
aber das ist kein Problem.
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froesi-tagebuch@radsport-news.com.
Frösi wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Giro-Tagebuch eingehen.
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Nach der Ziellinie war es wieder Chaos.
Da wir 20 Minuten nach
dem Sieger reinkamen, waren schon viele Zuschauer
auf der Strecke. Musste höllisch aufpassen,
paar Mal wollten sie mir meine Mütze klauen.
Das ist in Italien manchmal ziemlich schlimm.
Die reißen dir die Brille vom Kopf, wenns sein muss.
Wir haben uns kurz frisch gemacht im Ziel und
sind mit den Rädern die 15km zum Hotel gefahren.
Insgesamt hatte ich heute 240km auf dem Tacho.
Aber mit dem Rad zum Hotel ist
auf jeden Fall viel schöner als
eine Stunde Autotransfer.
Fabian (Wegmann) hat mir aufgetragen,
ich soll über mein Tagebuch mal
seine Leute grüßen. Er
macht nämlich gerade so eine Art Wahlkampf:
Er will Präsident werden
von seinem Angelclub!
Der erzählt nur davon.
An seinem grünen Bergtrikot
hat er sogar einen Fisch-Sticker drangemacht.
Bei soviel Einsatz muss er doch Präsident werden,
auch wenn er nicht den größten Fisch geangelt hat,
oder? Das Bergtrikot hat Fabian heute
verloren an Cunego, aber der trägt
morgen ja Rosa, daher wird
es Fabian wieder anhaben.
Morgen? Ich habe mir das Profil noch gar
nicht angeschaut, aber
ich denke, es
wird eine Sprintetappe.
Bei uns alles wie gehabt.
Olaf ist fit, die Form ist gut.
Er ist heute ohne Probleme durchgekommen
er ist gut drauf. Die Stimmung bei uns ist bei allen gut,
bei Fahrern, Teamchefs, Physios, Mechanikern, bei allen.
Drückt uns die Daumen!
Teil 1 (Start bis 6.Etappe)
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